Der verbotene Schlüssel

Produktionsnotizen

?Ich wollte eine typisch amerikanische, unkonventionelle Geistergesichte schreiben?, meint Drehbuchautor Ehren Kruger, aus dessen Feder auch schon das US-Remake zu ?Der Ring? floss. ?Die Südstaaten, besonders Louisiana, fand ich als Background dafür besonders geeignet, weil in diesem kulturellen Schmelztiegel gewisse Riten und Mythen noch bis heute lebendig geblieben sind. Meiner Meinung nach lag der Weg, um eine einzigartige Geistergeschichte zu erschaffen, darin, das Publikum im Zweifel zu lassen, ob es sich eigentlich wirklich um eine Horror-Story handelt oder eben nicht.

Außerdem bin ich davon überzeugt, dass in den meisten Menschen dieses klassische Gothic-Element schlummert: Wir wollen herausfinden, was sich hinter einer verbotenen Tür verbirgt. Sogar ich selbst war begierig darauf, festzustellen, was hinter der Tür auf dem Dachboden versteckt ist.? ?Der verbotene Schlüssel?, dieser übernatürlicher Thriller in einer modernen Umgebung, hat auch Regisseur Iain Softley angesprochen.

?Zu meinen Lieblingsfilmen gehören u.a. einige Psycho-Thriller, wie z.B. ?Wenn die Gondeln Trauer tragen?, ?Rosemaries Baby? und ?Angel Heart?. Bei diesem Drehbuch hier hatte ich das Gefühl, das es nach den gleichen Richtlinien funktioniert. Es war sowohl intelligent als auch thematisch anspruchsvoll, und außerdem wirklich spannend.?

Bei einem kurzen Blick auf Softleys Oeuvre, zu dem auch ?K-Pax ? Alles ist möglich?, eine vielschichtige Meditation über das Wesen der Realität selbst gehört, könnte man meinen, dass es hier kaum Gemeinsamkeiten gäbe. Bei näherer Betrachtung jedoch findet sich ein roter Faden, der sich durch sein Gesamtwerk zieht. Er erläutert dies: ?Ich wollte diesen Film auf der Realität basieren lassen, ihn nicht überstilisieren oder ins Gothic-Genre pressen, sondern voll und ganz aus der Authentizität und dem Ambiente dieser Südstaaten-Region schöpfen.

Was mich an solchen Filmen nicht zur Ruhe kommen lässt ist die Möglichkeit, dass diese Welten noch immer existieren können. Und das Publikum giert in der heutigen Welt danach, Angst zu verspüren.? ?Das Drehbuch hat mich auf wunderbare Weise gefesselt, es hat den Ort ? New Orleans und den tiefen Süden ? grandios zum Leben erweckt und auch eine tolle Stimmung erzeugt.

Auch das Thema des Alterns, das vielen Menschen ziemliches Unbehagen bereitet, wird hier auf sehr interessante Weise behandelt. Der psychologische Horror hat mich schon immer fasziniert, denn er spricht unsere Wahrnehmung, unsere Vorstellungskraft an. Oft ist das, was sich in unserer Vorstellung abspielt, ja viel Furcht erregender als die Dinge, die gezeigt werden?, fügt Softley hinzu.

Produzent Daniel Bobker ? der Krugers Drehbuch zu Softley und dann zu Universal gebracht hatte, wo schließlich die Produzenten Michael Shamberg und Stacey Sher mit an Bord kamen begann mit der Arbeit an ?Der verbotene Schlüssel?, als er gerade die riesige Herausforderung gemeistert hatte, Terry Gilliams neuen Film ?Die Gebrüder Grimm? zu produzieren. Sein jüngstes Projekt sieht Bobker als ?üppig atmosphärisch und Furcht erregend, genau wie die besten Horrorgeschichten.

Man kann richtig fühlen, wie der Atem eines Geistes deinen Nacken streift ? und Iain Softley ist der ideale Regisseur für einen solchen Stoff. Er ist ein Naturalist und kann während der Dreharbeiten eine wirklich große, fast beunruhigende Realitätsnähe erzeugen. Als Regisseur hat er einen herausragenden Blick für Details und Atmosphäre ? und das alle vermag er mit Hochspannung und dem Gefühl des Grauens zu verweben. Außerdem hat Iain die Gabe, sowohl die Darstellungen als auch die Drehorte, Designs, Musik und Texturen mit der genauen Dosis dramatischer Spannung zu versehen.?

Die Filmemacher und Regisseur Softley ? der bereits in verschiedenen Genres gearbeitet hat, angefangen bei Filmen wie ?Die Flügel der Taube?, eine vierfach Oscar-nominierte Adaption eines Romans von Henry James, bis hin zu ?K-Pax ? Alles ist möglich? ? versammelten eine hochkarätige und preisgekrönte Schauspielertruppe, um die vielschichtigen Figuren zu verkörpern, die im Unheil verkündenden Plantagen-Herrenhaus leben.

Kate Hudson, die für ihre strahlende Darstellung der Penny Lane in ?Almost Famous - Fast berühmt? für einen Oscar nominiert wurde, spielt hier Caroline Ellis, eine Hospiz-Mitarbeiterin, die gerade in New Orleans angekommen ist und von Violet Devereaux als Pflegerin ihres gebrechlichen Ehemannes Ben engagiert wird. Hudson, die in fast jeder Szene zu sehen ist, wurde bereits im Anfangsstadium der Filmentwicklung für die Rolle der Caroline ausgewählt.

Regisseur Softley berichtet: ?Kate war die Erste, an die wir für diese Rolle gedacht haben. Nachdem Daniel Bobker mir das Drehbuch vorgestellt hatte, ging es auch schnell zu Universal. Und als Kate es gelesen hatte, war sie sofort begeistert ? und wurde engagiert. Aber dann traf uns der Schlag: Kate wurde schwanger.

Wir waren natürlich gerne bereit, die Produktion für über ein Jahr auf Eis zu legen, bis sie wieder bereit war, vor der Kamera zu stehen. Es stellte sich als gute Entscheidung heraus, denn meiner Meinung nach hat ihr die Mutterschaft genau diese Reife und zusätzliche Lebenserfahrung verliehen, die auch der Filmfigur mehr Tiefe verleiht.?

Daniel Bobker meint: ?Kate in der Hauptrolle zu haben war eine echte Inspirationsquelle. Sie war schon immer äußerst attraktiv als ?Mädchen von Nebenan? ? und genau das wirkt in einem Horrorfilm noch spannender, lässt das Grauen hautnah zupacken. Und diese Geschichte bringt ihre Qualitäten auch wirklich zur Geltung, weit mehr als die fröhlichen Rollen, in denen sie zuvor zu sehen war. Wir alle empfanden sie als perfekt für die Figur der Caroline ? und ihre Darstellungskunst hat die gesamte Produktion mit Energie aufgeladen.?

In ?Der verbotene Schlüssel? steht Kate in einer Rolle im Rampenlicht, in der wir sie so noch nicht gesehen haben. ?Das ist nicht die unbekümmerte Kate Hudson?, meint Michael Shamberg, der gemeinsam mit Stacey Sher für die Produktion verantwortlich ist. ?Sie ist etwas gereift und auch düsterer. Kate verfügt über diese magische Begabung, dem Publikum zugänglich zu sein. Hier gerät sie in eine wahrhaft Furcht erregende Situation ? und jemand wie Kate erzeugt großes Mitgefühlt bei den Zuschauern, was alles umso grauenerregender werden lässt.?

Kate Hudson selbst sagt über ihre Filmfigur: ?Caroline ist ein ernstes Mädchen, die mich interessiert hat. Es war schön, nicht dauernd lächeln zu müssen. Sie ist eine neugierige, starke junge Frau, die im Laufe der Geschichte immer stärker isoliert wird. Es mußs schon viel passieren, damit sie ihre Weltanschauung in Frage stellt. Und an dieser Geschichte ist absolut nichts Unglaubwürdiges ? wodurch Caroline eben zu zweifeln beginnt. Genau diese Glaubwürdigkeit macht diese Story so verstörend.?

Hudson, die auch alle ihre Stunts selbst absolvierte, erzählt, wie sie die körperlichen Herausforderungen genossen hat: ?Ich glaube, der Stunt-Koordinator war überrascht, festzustellen, dass meine Körperbeherrschung recht gut ist?, lacht die Schauspielerin. ?Ich durfte Fensterscheiben einschlagen, zwei Stockwerke an einem Rankgerüst empor klettern und im strömenden Regen durch den Schlamm robben.

Eines Tages habe ich mir meine Knie angeschaut, und die waren blau und grün ? genau wie damals, als ich als Kind Fußball gespielt habe. An einem anderen Tag war ich über 15 Stunden hinweg pausenlos tropfnass. Es war einfach toll. Es gibt doch nichts Schöneres, als nach einem langen Arbeitstag mit den Narben der Schlacht nach Hause zu kommen. Es hat großen Spaß gemacht.?

Peter Sarsgaard, der für seine Rolle in ?Shattered Glass? eine Golden-Globe-Nominierung erhielt und für seine mitreißende Darstellung in ?Boys Don?t Cry? von der Kritik sehr gelobt wurde, spielt hier den liebenswerten Südstaaten-Immobilienanwalt Luke Marshall, der für die Devereaux? arbeitet. ?Man weiß nie genau, ob er naiv ist ? oder eben nicht?, beschreibt der Schauspieler seine geheimnisvolle Filmfigur.

?Er ist leicht überfordert in seinem Job, und im Verlauf der Geschichte wird das nur noch schlimmer. Er ist kein gläubiger Mensch ? und erst als er beginnt, zu glauben, werden die Dinge wirklich grauenvoll.? Die Schauspiellegenden Gena Rowlands und John Hurt, die bereits für den Oscar und Golden Globe nominiert wurden und Emmys gewonnen haben, spielen hier die Eheleute Violet und Ben Devereaux, ein enigmatisches Paar, dessen äußerer Anschein nicht gleich auf den unausgesprochenen und geheimnisvollen Subtext schließen lässt.

Bobker meint: ?Die wirklichen Klassiker unter der Horrorfilmen sind diejenigen, in denen illustre Schauspieler auftreten, durch die eine Geschichte unmittelbar und realistisch wirkt, so dass die Zuschauer alles glauben. Wir hatten wirklich großes Glück, solche Meister ihres Faches wie Gena Rowlands und John Hurt in den Rollen der Deveraux? zu haben, denn sie verleihen der Landschaft und Kultur von Louisiana auch noch außergewöhnliche Tiefe und ein authentisches Flair.?

Produzentin Stacey Sher sagt: ?Die Arbeit mit so herausragenden Schauspieler vom Kaliber einer Gena Rowlands und eines John Hurt ist für uns alle wie ein Kurs im Schauspielseminar. Gena verkörpert ihre Rolle so überzeugend, dass es aussieht, als habe sie ihr ganzes Leben in diesem Haus verbracht. Und John, der im gesamten Film kaum einen Satz zu sprechen hat, erfüllt eine zentrale Rolle, ist der Dreh- und Angelpunkt des Geheimnisses des Hauses.

Er vermag es, die Stimmung und die Atmosphäre des Films zu vermitteln, ohne ein einziges Wort sagen zu müssen. Wer kann sich besser ohne Wort mitteilen als John Hurt?? Gena Rowlands spielt Violet, eine verblichene Südstaaten-Schönheit, die mit ihrem Ehemann in einer heruntergekommenen Plantagen-Villa im tiefsten Sumpf von Louisiana lebt. Schon bald wird deutlich, dass ihre Beziehung in Wahrheit nicht so ist, wie sie zu sein scheint.

Zu ihrer Rolle meint Gena Rowlands: ?Ich spiele eine sehr eigenartige alte Lady, die alles tut, um Caroline, die von Kate Hudson gespielt wird, aus dem Gleichgewicht zu werfen. Violet verbringt einen Großteil ihrer Zeit im Garten, denn wie Violet selbst verwandelt sich der Garten Jahr für Jahr. Damit kann ich mich identifizieren.?

Für die Rolle des Ben Devereaux, der die meiste Zeit an den Rollstuhl gefesselt ist, engagierte Softley den herausragenden britischen Schauspieler John Hurt. Bestens bekannt aus seiner Titelrolle in dem Film ?Der Elefantenmensch? erläutert Hurt, welche Elemente seines Erachtens einen guten Thriller ausmachen: ?Jeder rote Faden in der Geschichte mußs zu jeder Zeit nachvollziehbar sein ? und am Ende sauber aufgerollt werden. Man kann die Details wohl etwas verschleiern, doch zum Schluss müssen sie offen liegen, damit die Geschichte funktioniert. Genau so ein Drehbuch hat Ehren Kruger hier geschaffen.?

Joy Bryant ? die weibliche Hauptdarstellerin in Denzel Washingtons gefeiertem Regiedebüt ?Antwone Fisher? ? spielt Jill, die beste Freunde von Caroline und auch die Stimme der Vernunft. Produzentin Sher sagt: ?Joy verleiht ihrer Rolle etwas Quirliges; in mancher Hinsicht spricht sie auch für die Zuschauer, warnt Caroline, sagt: Geh? nicht in diesen Raum hinein!?

Bryant meint: ?Es gab viele Dinge, die dieses Projekt attraktiv gemacht haben. Die Besetzung, Iain und sein Team, die Story, die Location ? es ist eine großartige Mischung aus genau der richtigen Portion von jedem Element. In dieser Hinsicht ist der Film genau wie New Orleans selbst. Dauernd ist etwas los, und überall wo man hinsieht, spielt sich gerade eine Geschichte ab. Wenn man sich dort aufhält, hat man gar nicht das Gefühl, in den USA zu sein ? New Orleans ist definitiv ein ganz eigener Ort.?

Indem sie ihrer Fantasie freien Lauf ließen, erschufen Softley und sein Team aus Kreativen und Technikern eine atemberaubende Kulisse, vor der sich die verstörende Geschichte abspielt: Eine faszinierende und leicht fremdländisch anmutende Welt voller sterbender, exotischer Schönheit, wie sie in New Orleans und den umgebenden Sümpfen des Bayou zu finden ist.

?Ich bin davon begeistert, einen Film zu drehen, der ausschließlich hier so hätte geschehen können?, erzählt Softley. ?Ich wollte eine Atmosphäre kreieren, die einen schmutzig-schönen, üppigen Look für die Kamera bot, gleichzeitig aber etwas surreal wirken sollte. Meiner Meinung nach ist es die Stimmung eines Ortes, die Spannung erzeugt und die Zuschauer fasziniert. Kates Figur ist eine Hospiz-Mitarbeiterin ? ihre Arbeit besteht darin, Menschen beim Sterben zu begleiten.

Dies ist eines der zentralen Themen des Films, und ich finde es interessant, eine solche Geschichte an einem Ort wie New Orleans spielen zu lassen. Dieser Ort ist so reich an Geschichte, man könnte sagen, hier ist in der Vergangenheit so viel gestorben. Diese Region der Südstaaten wirkt so trübe, so regnerisch, ständig wechselhaft ? und das gibt und Gelegenheit, die Charaktere immer in einem neuen Licht zu zeigen.?

In den Film ?Der verbotene Schlüssel? hat Kruger eine spezielle Art der Magie mit einbezogen, die man als Hoodoo kennt und die in den Sümpfen sowie in machen ländlichen Gebieten noch immer für vielerlei Zwecke praktiziert wird: als Heilkunst, Machtausübung, um Glück oder Unglück heraufzubeschwören.

Diese Praktiken werden von den Laien leicht mit der weitaus besser bekannten Religion des Voodoo verwechselt; Voodoo wurde Anfang des 19. Jahrhunderts von Sklaven aus Haiti nach New Orleans gebracht und verbreitete sich derart, dass die Katholische Kirche ein Edikt erließ, mit dem alle nicht-katholischen Rituale aus der Stadt verbannt werden sollten. Die Anhänger des ?Voudoun? feierten ihre Zeremonien von da an auf dem damaligen Congo Square, der heute den Namen Louis Armstrong Park trägt.

Drehbuchautor Kruger erklärt: ?Während der Recherchearbeiten zum Thema Übernatürliches stieß ich auf den Begriff Hoodoo, der grundsätzlich ein amerikanisches System von volkstümlichen magischen Aberglauben bezeichnet. Hoodoo ist keine Religion, während Voodoo eine haitianische Religion ist, die ursprünglich aus Westafrika stammt. Hoodoo ist weitaus weltlicher und kann unzählige Glaubensrichtungen beinhalten; es umfasst hauptsächlich Hexerei, Zaubersprüche, magische Tränke und Beschwörungsformeln.

Es wurde von Sklaven aus Afrika in Amerika eingeführt und hat sich vermischt mit dem Wissen der amerikanischen Ureinwohner über die Kraft der Pflanzen, außerdem mit christlichen, jüdischen und heidnischen Glaubensvorstellungen aus Europa. All das ist in diesem Schmelztiegel zusammengeflossen und hat eine ganz und gar einzigartige amerikanische Form der volkstümlichen Magie entstehen lassen. Es ist eine Amalgamierung verschiedenster Weltanschauungen.?

Hoodoo, auch ?conjure? oder ?Beschwörung? genannt, setzt hauptsächlich auf persönliche Machtausübung. Die Anhänger formulieren einen Zauberspruch, genannt ?conjure?, ?trick?, ?fix? oder ?hurt?, um andere jeweils zu heilen, zu beschützen, anzulocken oder manchmal auch zu schädigen. Zu diesen Beschwörungsformeln gehören auch etliche weitere Zutaten wie Pflanzen, Öle, Gewürze, Kerzen und Musik. Die Praktiken des Hoodoo und der Voodoo-Religion in New Orleans sind in der regionalen Kultur tief verwurzelt.

An einem Ort, an dem viele der Weltreligionen zusammentreffen und sich weiterentwickelt haben, und an dem die Toten nie weit entfernt sind ? da wegen des hohen Grundwasserspiegels die Verstorbenen nicht beerdigt, sondern in überirdischen Kryptas bestattet werden -, ist die Aura des Aberglaubens in jedem Winkel spürbar.

Allein schon die Tatsache, an einen Hoodoo-Fluch oder an die Macht des Voodoo zu glauben, genügt oft bereits, um den Zweck der Beschwörungen zu erfüllen ? denn der Glaube ist mächtiger als der mutmaßliche Zauber selbst. In die Welt des Hoodoo einzutauchen verlangte nicht nur vom Drehbuchautor, sondern auch vom Regisseur, den Produzenten, vom Produktionsdesigner John Beard sowie von Set-Ausstatterin Beauchamp Fontaine eine ganze Menge Recherchearbeit.

?Wir begannen mit der Suche nach Zaubersprüchen, Wunsch-Amuletten und allen möglichen Arten ziemlich angsteinflößender Kult-Artefakten?, berichtet Produzentin Stacey Sher. ?Dann spürten wir schließlich Original-Tonaufnahmen aus Haiti auf, echte Beschwörungsformeln ? und plötzlich füllte sich unser Alltag mit Tierknochen und Schädeln. Ehrlich gesagt begann mir das alles einen Schauer über den Rücken zu jagen. Ich hatte das Gefühl, selbst zu einem Schamanen gehen zu müssen, einfach um mich zu beschützen.?

Set-Ausstatterin Beauchamp Fontaine, die den Mastertitel in Kulturanthropologie trägt, tauchte ganz tief in die regionale Kultur und Folklore ein. ?Das Ziel unseres Teams bestand darin, eine kraftvolle und akkurate Darstellung dessen zu erzeugen ? und das verlangte wiederum viel Vorbereitung und Detailrecherche. Wir haben die aus New Orleans stammende Autorin Catherine Yronwode aufgespürt, die das Buch ?Hoodoo in Theorie und Praxis? geschrieben hat.

Gemeinsam mit ihr sind wir das gesamte Drehbuch Szene für Szene durchgegangen, um jedes Detail abzusichern. Wir haben sogar die Unterseite des Dachs im Plantagen-Herrenhaus blau gestrichen ? denn so macht man das im Süden, um zu verhindern, dass Vögel dort nisten. Auch wenn das Publikum diese Kleinigkeiten nicht bewusst wahrnimmt, so entsteht doch eine ganz bestimmte Stimmung, für die sich die gesamte Arbeit auszahlt.?

Während der ersten Hälfte der Dreharbeiten spielte sich alles in Louisiana ab. Der Großgrundbesitz Felicite Plantation fungierte als Sitz des fiktiven Herrenhauses auf der Plantage der Devereaux?. Dieser düstere Mittelpunkt des Films wurde für die ersten drei Wochen der Dreharbeiten auserkoren, nachdem es von den Location-Scouts unter unzähligen Plantagen in Louisiana ausfindig gemacht worden war.

Auch wenn es nicht wie ein Herrensitz voller Geheimnisse wirkt, verfügt Felicite Plantation jedoch sehr wohl über eine ganz eigene Hintergrundgeschichte. Diese Plantage liegt tief im Bezirk von St. James, in der Ortschaft Vacherie, auf halbem Weg zwischen Baton Rouge und New Orleans, an den Ufern des mächtigen Mississippi. Errichtet wurde sie 1847 von Valcour Aime, dem reichsten Mann des Bundesstaates, den man oft auch als Louis XIV von Louisiana bezeichnete; das Herrenhaus erbaute er als Hochzeitsgeschenk für seine Tochter Felicite.

Seine andere Tochter, Josephine, war die glückliche Erbin einer anderen Plantage, die einige Meilen weiter unter an der River Road lag. Nach dem Bürgerkrieg wechselten beide Plantagen den Besitzer. Das heruntergekommene Haus im so genannten Greek-Revival-Stil, das anfangs durch das Geäst von riesigen Eichenbäumen auf der Leinwand zu sehen ist, assoziiert man sofort mit den typischen, altmodischen Südstaatenanwesen.

Produzent Michael Shamberg verweist als Entdecker des Anwesens von Felicite Plantation auf Clayton Townsend, den ausführenden Produzenten und Line Producer dieses Films. Er erinnert sich: ?Sobald wir das Haus sahen, wussten wir, das ist unsere Villa! Während wir durch das Gebiet fuhren, sagte Iain plötzlich: Halt an! Das ist es! Wir sind da! Clayton wagte sich vor, sprach die Eigentümer an ? und überraschenderweise stimmten sie zu.

Uns wurde dann berichtet, dass verschiedene Filmemacher seit 25 Jahren immer wieder ohne Erfolg versucht haben, Felicite Plantation als Drehort einzusetzen. Das Timing schien einmal mehr entscheidend zu sein. Wir haben in dieser Gegend etliche schön restaurierte Plantagen-Häuser entdeckt, aber dieses hatte einfach alles, was wir brauchten. Es hat das richtige Alter, die Patina, die Aura. Ganz zu Schweigen von der richtigen Portion Geschichte.?

Produzent Bobker meint: ?Wir waren auf der Suche, fanden aber einfach nicht das passende Anwesen. Es war sogar die Rede davon, die Fassade hier in Los Angeles errichten zu lassen und die Innen-Szenen hier zu drehen, um dann nur anderthalb Monate lang in New Orleans zu drehen.

Dann haben wir aber glücklicherweise Felicite gefunden ? und sogar falls wir so etwas hier hätten bauen können, so hätten wir doch niemals diese Stimmung erzeugen können, die einen umfängt, wenn man einen Ort betritt, der vor über 150 Jahren errichtet wurde. Ich meine die gesamte Atmosphäre ? sie ist hier schon inbegriffen, und das bereichert die Darstellung der Schauspieler und hebt den Film auf ein höheres Niveau.?

Die derzeitigen Bewohner von Felicite Plantation sind Irma und Stan Waguespack; sie sind beide bereits über 90 und haben fast ihr gesamtes Leben auf der Plantage verbracht. ?Meine Großmutter kam oft an diesem Ort vorbei und sagte dann immer, sie wolle gerne in einem solchen Haus leben?, erinnert sich Stan, der seit 62 Jahren mit Irma verheiratet ist. ?Schließlich bekam mein Großvater die Gelegenheit, dieses Haus zu kaufen ? und seitdem wohne ich hier. Als kleiner Junge bin ich hier eingezogen, auf diesem Land bin ich aufgewachsen.?

Produktionsdesigner John Beard arbeitet in ?Der verbotene Schlüssel? bereits zum vierten Mal mit Regisseur Iain Softley zusammen und fügte alle notwendigen Details zu der Umgebung, die das Drehbuch vorsah: ?Iain und ich empfinden ähnlich?, erläutert Beard. ?Das Sumpfgebiet, das in der Nähe von Felicite nicht existiert, mußste erst erschaffen werden. Es ist ein spezielles Element der Geschichte, für das Iain eine ganz bestimmte Vision hatte.

Es kostete uns letztlich ziemlich viel Zeit, um den Sumpf richtig hinzubekommen. Wo vorher nur Rasen und Bäume waren, die zu einem Zuckerrohrfeld führten, gibt es nun einen verwinkelten, überwucherten Garten, der in einen knietiefen Sumpf führt. Wir haben Bäume umgesetzt, Wasser eingefüllt, einen Teich gebaut ? der auch als Wassertank dienen mußste ? und einen Garten erschaffen, in dem Violet ihre Zeit verbringt und wo Ben mit seinem Rollstuhl fahren kann.

In diesem Garten kann Caroline, in einer der Schlüsselszenen, mit einem Kanu aus dem Haus fliehen. Es ist relativ einfach, Architektur zu fälschen ? aber Natur vorzugaukeln, ist schon eine viel schwierigere Angelegenheit.?

Hudson erinnert sich: ?Als wir die Kanu-Szene drehten, saß ich dort und wartete, und um mich herum war dieser Sumpf ? voller Moskitos, wie ich sie noch nie erlebt hatte, und voller Krokodile. Und kurz bevor die Klappe für den Dreh fiel, wurde es plötzlich unglaublich still. Ich fühlte mich schrecklich einsam und verängstigt? genau wie Caroline. Es war unglaublich ? so etwas kann man nicht willentlich erzeugen.

Trotz der körperlich anspruchsvollen Arbeit und der Herausforderung, mitten im Sumpf zu drehen, fiel es mir dennoch oft sehr leicht, mich in Caroline hinein zu versetzen ? denn die ganze Umgebung hat einfach gestimmt? die ganze Last der Geschichte wog schwer auf unseren Schultern.?

Die ersten drei Wochen der Dreharbeiten wurden in den Sümpfen ausgeführt und sollten bei Regenwetter stattfinden ? sowohl echtem Regen, als auch von Menschenhand erzeugtem. Da New Orleans und die umliegenden Bayous in einer großen Senke, also eigentlich unter dem Meeresspiegel liegen, finden sich im gesamten Fluss-Delta sumpfartige Landschaften und besonders schlammiger Boden.

Auch die stehenden Gewässer führen dazu, dass eine biblisch anmutende Moskito-Plage herrscht ? wobei diese Insekten von den Einheimischen scherzhaft als ?Wappenvogel? betitelt werden. Die Filmemacher zogen sich Schutzkleidung aus Netzstoffen in Tarnfarben an, und die Frage nach den wirkungsvollsten Insekten-Abwehrstoffen wurde fast genauso intensiv recherchiert wie die Hoodoo-Rituale des Films.

Der gebürtige Brite Softley meint: ?Das war mein erster Aufenthalt in dieser Stadt, und ich war sehr beeindruckt vom Flair von New Orleans. Mir war nicht klar gewesen, wie eng die Sümpfe das Stadtgebiet umschließen, oder wie weitläufig und schön die Sumpflandschaft wirklich ist.

Obwohl sich das Meiste in einem Plantagen-Herrenhaus des Bayou in Louisiana abspielt, war ich doch der Meinung, dass der Film an Authentizität gewinnen würde, wenn wir einige der wunderbaren und einzigartigen Merkmale dieser Stadt mit einbeziehen ? nicht zuletzt auch die wunderbare Musik.? Die allgegenwärtige Musik ? ob Gospel, Blues, Hiphop oder Zydeco ? ist eine Art mündliche Überlieferung der Stadtgeschichte sowie eine Antriebskraft der Einheimischen ... man könnte sogar sagen, diese Musik sei eine andere Form des Soul-Food.

Softley und sein Team nutzten etliche Gelegenheiten, um aus diesem reichen Klangerbe zu schöpfen, und bauten Szenen in New Orleans selbst ein, in örtlichen Clubs sowie eine mit Chor-Gesang. Die weltberühmte Kneipe Half Moon Club wurde in einen ?Bounce Club? (d.h., New Orleans Hiphop-Club) verwandelt, in dem Caroline und Jill einen Abend lang feiern. Der legendäre Maple Leaf Club dient in einer anderen Szene außerdem der Rebirth Brass Band als Auftrittsort.

Hudson erzählt: ?Einer der Gründe, warum Caroline New Orleans zu ihrer Heimat macht, ist wohl die Musik ? denn sie liebt Rock und Blues. Durch meinen zweimonatigen Aufenthalt hier kann ich schon verstehen, dass jemand, der sich für Musik interessiert, sich wahnsinnig in diese Stadt verliebt und für immer bleiben möchte ... Es ist einfach ein inspirierender und musikalischer Ort.?

Vor den Dreharbeiten in New Orleans jedoch hielt man sich an stimmungsvollen Abschnitten der Straße auf, die von der historischen Altstadt in die Umgebung führen ? dort, wo Caroline zum Tanken anhält und zum ersten Mal Augenzeugin des angewandten Hoodoo wird. ?Der Kontrast zwischen der vibrierenden, rund um die Uhr energiegeladenen Stadt und dem offenen, weiten Umland mit den geheimnisvollen Plantagen und Sümpfen ist wirklich faszinierend.

So vieles an der Geschichte dieser Plantagen ist wirklich düster ? und Caroline in diese Umgebung zu versetzen macht sie noch verletzlicher. Es ist ein weites, einsames Gebiet?, fügt Hudson hinzu. Während der Drehs zu den Szenen in den Clubs von New Orleans sowie in denjenigen, in denen Caroline in ihrer Wohnung zu sehen ist, haben sich die Filmemacher intensiv mit den Farben, der Aura und der Architektur von New Orleans auseinandergesetzt.

In den darauffolgenden drei Wochen zogen die Filmemacher in die Stadt, deren herausragende Viertel von unterschiedlichen Baustilen geprägt sind. Carolines Wohnung liegt in der Magazine Street, einem jungen, hippen Viertel, das nach dem vom spanischen Gouverneur Esteban Rodriguez Miro im späten 18. Jahrhundert erbauten Warenlager benannt ist, wo einst die für den Export bestimmten Güter untergebracht wurden.

Die Kanzlei des Anwalts Luke wurde in einem Büro am Jackson Square angesiedelt, einem offenen Platz im Herzen des French Quarter, das berühmt ist für die St. Louis Cathedral, einer Statue von Andrew Jackson (dem Helden der Schlacht von New Orleans) und der malerischen Architektur im spanischen Stil. Daraufhin überquerten Schauspieler und Filmemacher die 35 Kilometer lange Huey-Long-Brücke, um zum Southeast Louisiana Hospital in Mandeville zu gelangen, das als Pflegeheim fungierte, in dem Caroline zu Beginn des Films arbeitet.

?Es gibt keinen Ersatz für einen Drehort wie diesen?, sagt Produzent Daniel Bobker. ?Es verleiht dem gesamten Projekt einen besonderen Wert und eine Atmosphäre, die man in Hollywood nirgendwo bekommt. Das erleichtert den Schauspielern die Vorbereitung und das Verständnis ihrer Rollen; zum Glück für uns hatte Iain das richtige Gespür für diesen Ort. Zweifellos ist dies alles eine Bereicherung, ein Beitrag zu einem authentischeren Film.?

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