Liebe lieber indisch

Produktionsnotizen

Von dem Team hinter BEND IT LIKE BECKHAM ("Kick it like Beckham", 2002) kommt nun eine Jane Austen-Adaption, wie es sie noch nie gegeben hat. "Stolz und Vorurteil" erfährt eine Bollywood-Behandlung und das Resultat ist eine spektakuläre Verbindung zwischen Ost und West. Austens klassische Liebesgeschichte entfaltet sich in einem Rausch der Farben und Gefühle, von Gesang und Tanz, der im ländlichen Indien beginnt, über London herfällt, L.A. besucht und schließlich wieder in Indien landet.

Der Film ist ein Pflichtfilm für alle, die Musicals und Bollywood lieben - im Grunde für alle, die auch nur eine bisschen Sinn für Romantik haben. Wärme, Zuneigung, Humor und Enthusiasmus dieser Interpretation von Regisseurin Gurinder Chadha sind unwiderstehlich. Bollywoods amtierende Königin Aishwarya Rai gibt ihr englischsprachiges Filmdebüt als unsere Heldin Lalita (Austens Lizzie Bennet).

Jungstar Martin Henderson nimmt sich William Darcys an. Zu Martin Hendersons Filmen gehören Gore Verbinskis THE RING ("Ring", 2002) und LITTLE FISH (2005) an der Seite von Cate Blanchett und Sam Neill. Naveen Andrews, den man aus der Fernsehserie "Lost" kennt, ist Balraj. Indira Varma spielt seine sarkastische Schwester Kiran. Nitin Ganatra (BBCs "Canterbury Tales") ist Mr. Kholi, das Pendant zu Austens komischen Mr. Collins und Daniel Gillies, der zuletzt als Tobey Maguires Gegenspieler in SPIDER-MAN 2 (2004) großen Eindruck hinterließ, ist der attraktive Johnny Wickham.

Regisseurin/Produzentin/Autorin Gurinder Chadha (BHAJI ON THE BEACH, WHAT'S COOKING?, BEND IT LIKE BECKHAM), Produzent Deepak Nayar (HEAT AND DUST, LOST HIGHWAY, THE BUENA VISTA SOCIAL CLUB, BEND IT LIKE BECKHAM) und Autor Paul Mayeda Berges (WHAT'S COOKING?, BEND IT LIKE BECKHAM) haben ihre Kenntnisse des westlichen Kinos kombiniert mit der etablierten Bollywood-Expertise von Choreograph Saroj Khan (DEVDAS), Komponist Anu Malik, den Textern The Akhtar Family und Kameramann Santosh Sivan (ASOKA).

LIEBE LIEBER INDISCH ist der bewegte Beweis dafür, dass man aus der Kombination von östlichen und westlichen Filmtraditionen, Schauspielstilen und kreativen Talenten (vor und hinter der Kamera) einen Film mit universellem Reiz schaffen kann.

Statement der Regisseurin 2001 auf dem Cannes Film Festival, nur ein paar Tage vor den Dreharbeiten zu BEND IT LIKE BECKHAM ("KICK IT LIKE BECKHAM", 2002), fragte mich mein Freund Cameron McCracken von Pathe Films, ob ich ein Musical machen möchte. Er wusste, dass ich 1997 versucht hatte, eine britische Bollywood-Extravaganza zu machen, die meine Liebe zu Bollywood und amerikanischen Musicals vereinte. Nach einem Monat Dreharbeiten versiegte das Geld der indischen Stars und Produzenten und der Film wurde nie fertig gestellt.

Es ist bis heute die einzige schlechte Erfahrung dieser Art. Wollte ich wirklich dorthin wieder zurück - in die Welt der glamourösen Stars, der prachtvollen Musicalnummern mit Hunderten Tänzern und erotisch aufgeladenen Springbrunnen? Natürlich. Eine Woche später hatte ich eine Eingebung und wusste auf einmal genau, was ich machen wollte.

In meiner Kindheit war 'Stolz und Vorurteil' mein Lieblingsbuch und ich dachte mir, dass mit Jane Austen nach David Beckham eine weitere delikate englische Ikone fällig wäre. Ich würde ihre Elizabeth Bennet nehmen- die ultimative, unabhängige Heldin der britischen Literatur - und sie in Lalita Bakshi verwandeln, eine stolzes Mädchen mit eigenem Kopf und Köpfchen, die mehr will als man normalerweise von einem indischen Mädchen erwartet.

Während Austen die Klassenunterschiede des frühen 19. Jahrhunderts beobachtete, wollte ich mich mit dem ersten Eindruck beschäftigen, den wir in einer immer kleiner werdenden Welt aufeinander machen. Damit war die Idee zu LIEBE LIEBER INDISCH geboren. Die Bennets sind jetzt die Bakshis von Amritsar - Hicksville ist Indien. Darcy ist ein reicher Hotelier aus L.A. und sein bester Freund Bingley ist ein britischer Inder. Anstelle von Tanzbällen treffen sich die Charaktere bei Hochzeiten auf drei verschiedenen Kontinenten.

In meinem Leben (und meiner Arbeit) habe ich immer die Diaspora gefeiert, das Leben im kulturellen Exil und habe mich mühelos zwischen England, Indien und den Vereinigten Staaten bewegt. Wenn sich so viele Menschen wie ich glücklich von einer Ecke der Welt zur anderen treiben lassen, warum sollen meine Filmcharaktere und meine Filmsprache nicht das Gleiche tun? Das war meine Chance, dem britischen Film einen neuen Dreh zu geben.

Als ich anfing den Roman zu adaptieren, gelangte ich zu der Überzeugung, das Jane Austen in einem ihrer früheren Leben wohl Inderin gewesen sein mußste. Die Charaktere ließen sich wunderbar adaptieren und sowohl Geschichte wie Motive des Romans passten perfekt ins moderne Indien. Eine hysterische Mutter mit vier Töchtern, die sie unter die Haube bringen will... wer könnte das nicht nachvollziehen?

In meiner Kindheit habe ich die Bollywood-Filme im gleichen Kino gesehen, in dem auch THE SOUND OF MUSIC und WEST SIDE STORY gezeigt wurden. Ich hatte immer eine große Liebe für das verspielte Chaos des Bollywood-Lebens. Wie Indien ist es ein Kino voll von lebendigen Widersprüchen und ein Kino, das funktioniert, obwohl es eigentlich so scheint, als sollte es nicht funktionieren. Jedes Kino, das ein endloses Gefühlsbad mit aufrichtiger Unschuld (Kein Küssen, wir sind Inder!), schallendem Humor, lausigen Prügeleien und mindesten sieben spektakulären Musicalnummern anreichert, ist für mich völlig in Ordnung.

Ich konnte immer hinter den Kitsch (der toll ist, in seiner übertriebenen Herrlichkeit) blicken und all die begabten Techniker und Kreativen hinter der prachtvoll bunten Oberfläche erkennen. Ich wollte Bollywood-Legenden vor und hinter der Kamera mit einer internationalen Besetzung und Crew zusammenbringen. Ich wollte Bollywood zu Orten bringen, an denen es bislang noch nie gewesen ist.

Die Auswahl meiner Mitstreiter für die filmische Umsetzung des Drehbuchs war eine reine Freude. Anu Malik ist der beste Bollywood-Komponist für mitreißende Popsongs mit fröhlichen Melodien. Saroj Khan ist die Patin des indischen Tanzes und hat seit ihrem 13. Lebensjahr hunderte von Songs choreographiert.

Santosh Sivan (selbst ein Regisseur, beispielsweise von ASOKA) ist ein meisterhafter Kameramann, der so viele National Awards (das indische Oscar-Pendant) gewonnen hat, dass keiner mehr weiß, wie viele es eigentlich waren. Für meine Lizzie Bennet habe ich mir Aishwarya Rai (DEVDAS) ausgesucht, eines der bezauberndsten Talente Indiens. Julia Roberts hat sie einmal als 'die schönste Frau der Welt' beschrieben.

Für William Darcy besetzte ich Martin Henderson (THE RING), einen Kiwi-Cary Grant - unwiderstehlich, aber mit Herz. Alles, was ich noch tun mußste, war meinen Pass zu verlängern und das Ding zu drehen. 80 Tage später, nach turbulenten Dreharbeiten in London, Amritsar, Goa, Bombay, Sedona, Beverly Hills, Santa Monica and Downtown L.A., habe ich einen Film, der Bollywood ehrt, weil er auf der gesamten Tonleiter der Emotionen spielt.

Und - so ist das immer, wenn man einen Film macht - der Film fängt all die verschiedenen Seiten von mir ein und davon, wie Menschen wie ich die Welt sehen... Du kannst lachen, du kannst weinen, es ist romantisch, es ist witzig, es ist übertrieben und es ist liebenswert subversiv!

Von Austen nach Amritsar "Stolz und Vorurteil" wurde vor kurzem in einer BBC-Umfrage als eines der Lieblingsbücher der Briten ermittelt. Darüber hinaus gibt es massenhaft Adaptionen des Romans. Warum also war er reif für eine Interpretation durch Gurinder Chadha?

"Die Themen von Jane Austens Roman passen perfekt zu einem Film im Bollywood-Stil", erklärt Gurinder. "Die Motive sind derart relevant für das heutige Indien, insbesondere Gegenden wie das ländliche Amritsar, wo ich die Bakshi-Familie ansiedelte. Austens Fokus auf Geld und Ehe, falschen Stolz und heuchlerischem Adel sind gegenwärtig im modernen Indien."

Die Themen des 19. Jahrhunderts haben eine Verbindung zum Indien des 21. Jahrhunderts. "Jane Austen beschäftigte sich immer wieder mit der schrecklichen Vorstellung, dass Frauen nichts wert seien", so Gurinder, "außer sie sind verheiratet oder haben Geld. Intelligenz zählte nichts. Die meisten Eltern in Indien träumen auch davon, das sie ihre Töchter dementsprechend verheiraten können."

Ost trifft West - Bollywood trifft Hollywood-Musical "LIEBE LIEBER INDISCH zeugt von den Musicals, mit denen ich als Kind aufgewachsen bin", so Gurinder. "Sowohl die Bollywood-Filme als auch solche Klassiker wie THE SOUND OF MUSIC ("Meine Lieder, meine Träume, 1965), FIDDLER ON THE ROOF ("Anatevka", 1971), THE WIZARD OF OZ ("Der Zauberer von Oz", 1939) und GREASE ("Grease - Schmiere", 1978). Sie kommen hier alle zusammen in einer prachtvollen Vereinigung von Gefühlen, Farben, Songs und Tänzen. Man kann von allem Etwas finden." Eine Kombination von Schauspielstilen Die Besetzung ist ein internationaler Mix aus Amerikanern, Indern und Briten. So kamen alle Schauspieler mit unterschiedlichen Techniken an den Set. "Wir hatten in Amerika lebende Schauspieler, die nach der Hollywood-Methode arbeiteten, britische in England ausgebildete Schauspieler, versiert in Film, Theater und Fernsehen und die Bollywood-Schauspieler mit ihrem übertriebenem, körper- und gestenbetontem Stil." Die Schauspieler suchten sich eine gemeinsame Schnittmenge und lernten nach eigenen Angaben unter Gurinders Regie eine Menge voneinander. Drei Filmteams "Um in drei verschiedenen Sprachen und drei verschiedenen Kulturen zu arbeiten", so Gurinder, "blieb uns nichts anderes übrig, als drei verschiedene Filmteams zu nutzen." Vergangene Erfahrungen haben sie gelehrt, dass man so arbeiten mußs, wie man in diesen Ländern eben arbeitet. "Also haben wir in England wie eine britische Crew gearbeitet und in Indien haben wir so gut wie möglich versucht, wie eine indische Crew zu arbeiten, und in Amerika haben wir es amerikanisch angehen lassen. So mußste ich als Regisseurin meine Energien in sehr unterschiedliche Richtungen leiten." Musik und Tanz finden den gemeinsamen Nenner. Chadha und Produzent Deepak Nayar beauftragten sowohl Anu Malik - einen von Indiens angesehensten Komponisten - als auch Craig Pruess (GOLDENEYE, BEND IT LIKE BECKHAM) mit dem Score, der Ost und West miteinander vereinen sollte: "Die Musik und die Songs haben ihre Wurzeln in Bollywood", erklärt Chadha, "sind aber so arrangiert und produziert, dass sie einem westlichen Ohr gefallen." Das Gleiche wollte Chadha mit Indiens berühmten Choreographin Saroj Khan für die Tanzsequenzen erreichen.

"Sie sollte traditionelles Bollywood mit westlichen Einflüssen verbinden." Saroj mußste darüber hinaus mit Naveen Andrews und Daniel Gillies bei null anfangen - keiner von beiden hatte je in einem Film getanzt. "Sie übte an einer Sequenz vier Stunden mit mir", so Andrews. Und Gillies erklärt voller Hochachtung: "Sie wird in Indien derart verehrt, dass man ihre Füße berührt bevor man probt!"

Location, Location, Location. Das Heim der Bakshi-Familie liegt im ländlichen Amritsar, in der indischen Provinz Punjab. Produzent Deepak beschreibt es als eine lebendige Gemeinde: umherwuselnde Menschen,lautstark hupende Autos und bellende Hunde allerorten . Die Handlung wandert anschließend ins sinnliche Goa am Arabischen Meer, dann ins geschäftige Bombay, nach London - die größte Stadt Europas, gespickt mit Geschichte - und schließlich ins sonnige Los Angeles, inklusive des weltberühmten Strandes in Santa Monica.
Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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