Deuce Bigalow: European Gigolo

Produktionsnotizen

"Just a Gigolo" ... Schon wieder! Der Comedy-Hit Deuce Bigalow: Male Gigolo (Rent a Man, 1999) basierte auf einer ziemlich simplen Prämisse: Der Autor und Hauptdarsteller Rob Schneider hielt die Idee für witzig, dass ein einfacher Kerl das Haus eines Gigolos hütet. Als der Film 2001 in die Kinos kam, wurde er mit einem Einspielergebnis von rund 100 Millionen Dollar weltweit zu einem gewaltigen Erfolg.

DEUCE BIGALOW: EUROPEAN GIGOLO setzt nun dort an, wo Deuce Bigalow: Male Gigolo endete und seine Prämisse war ungleich komplexer - ebenso wie die Aufgabe, den Star davon zu überzeugen, eine Fortsetzung zu drehen. "Ich habe nie ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, ein Sequel zu machen", sagt Schneider.

"Aber die Leute mochten die Figur und ich habe den Vorschlag so oft gehört, dass ich mir irgendwann dachte: ?Ach, es könnte doch Spaß machen.' Danach begann ich mich mit der Idee anzufreunden, die Figuren weiter zu entwickeln. Ich dachte mir, dass es toll wäre, neue Szenen für Eddie Griffin als TJ zu schreiben. Und zu diesem ?Jedermann' kann man eine ganze Menge erzählen - oder, in unserem Fall, über einen ?Nicht-so-ganz-wie-Jedermann."

Als die Basis gelegt wurde begann das Projekt langsam zu wachsen - besonders als Schneider über diesen anderen Klassiker des Gigolo-Films nachdachte: Paul Schraders American Gigolo (Ein Mann für gewisse Stunden, 1980). "Ich fand die Idee dieses Films absurd", grinst Schneider. "Ich meine,: Lauren Hutton, ein Supermodel, hat es nötig, einen Gigolo anzuheuern? Also habe ich mich gefragt: ?Wie sehen die Frauen, die Gigolos brauchen, wirklich aus?' Und damit habe ich angefangen."

Zusammen mit David Garrett und Jason Ward arbeitete Schneider fast ein Jahr lang am Drehbuch. Die Geschichte spielte im Wesentlichen mit zwei neuen Elementen: dem Schauplatz Europa und der International Man-Whore Society. "Wäre es nicht großartig, wenn es eine ganze Horde anderer Gigolos gäbe, mit denen sich Deuce messen mußs?", sagt Schneider. Dann fragten sich die Autoren, wo diese Geheimorganisation ansässig sein könnte. "Die besten Gigolos der Welt - ein Verein männlicher Huren? Das kann's natürlich nur in Amsterdam geben!"

Schneider hatte nicht nur das Publikum des ersten Deuce Bigalow im Sinn - er wollte auch neue Zuschauer in das zweite Abenteuer seines Gigolos mit einbeziehen. "Ich habe den Film nicht als reines Sequel gesehen", sagt er. "Wenn man den ersten Film nicht gesehen hat, wird man für den zweiten nichts verpasst haben."

Den Schauplatz der Geschichte nach Europa zu verlegen hatte laut Schneider einen weiteren Vorteil: "Deuce war bisher noch nie dort. Also fühlt er sich ein bisschen wie ein Fisch auf dem Trocknen und ich glaube, die Zuschauer können durch seine Augen sehen, wie er sich an die neue Umgebung gewöhnt."

Es dauerte nicht lange, bis die Autoren eine vielschichtige Story um eine geheimnisvolle Mordserie und einen Blick auf das geheime Innere der mysteriösen, uralten "International Man-Whore Society" heraus gearbeitet hatten. "Ziemlich schnell stellten wir fest, dass die ganze Idee noch witziger war als die des ersten Teils", grinst Rob Schneider. "Ich wollte einfach keinen Film machen, der dem ersten gleicht. Ich wollte eine völlig neue Erfahrung. Für mich ist dies wie Ben Hur im Vergleich zum ersten Teil."

Und wie Ben Hur wartet auch DEUCE BIGALOW: EUROPEAN GIGOLO mit einer eindrucksvollen Besetzung auf ... In seiner Rolle als TJ kehrt Eddie Griffin zurück. TJ lebt und arbeitet nun in Amsterdam als Zuhälter und operiert von einer eigenwilligen Basis auf einer Gracht - von einem schrillen lila Hausboot, das er passend "Pimp Of Da Sea" getauft hat. "Ganz ehrlich: Ich kann mir für diese Figur keinen Besseren als Eddie Griffin vorstellen", sagt Schneider. "Er hat einfach alles, was man für diesen Part braucht."

Griffin teilte Rob Schneiders Begeisterung für das Drehbuch von DEUCE BIGALOW: EUROPEAN GIGOLO. "Die meisten Fortsetzungen sind längst nicht so gut wie das Original", resümiert er. "Aber ich garantiere: Dieser Film ist definitiv besser als der erste!" Die Besetzung des gebürtigen Holländers Jeroen Krabbé (Ocean's Twelve - Ocean's Twelve, 2004; The Fugitive - Auf der Flucht, 1993) als Gaspar Voorsboch stellte sich als weniger unorthodox heraus.

Es war der halbwüchsige Sohn des Schauspielers, der ihn davon überzeugte, die Rolle anzunehmen. "Jeroen sprach mit seinem Sohn Jakob und fragte ihn: ?Was meinst du - warum in aller Welt hat man mir diesen schrägen Film angeboten?'", erinnert sich der Produzent John Schneider. "Und Jakob antwortete: ?Was meinst Du mit schräg? Das wird ein großartiger Film, Papa!'"

Nachdem er von seinem Sohn ausgiebig über Deuce Bigalow aufgeklärt worden war, wurde auch Jeroen Krabbé vom Charme der Geschichte gepackt. "Dieser unschuldige junge Amerikaner Deuce Bigalow wird ganz plötzlich mit unserer Geheimorganisation, mit den Coffeeshops, den Sexshops und der Offenheit meines Heimatlandes konfrontiert", bemerkt er. "Und das macht die ganze Geschichte so witzig - weil sie die Reflektion unserer Welt ist. Er ist davon vollkommen verblüfft."

Die Produzenten waren begeistert davon, dass Jakob Krabbé seinen Vater davon überzeugen konnte, in dem Film eine Hauptrolle zu übernehmen. "Jeroen ist ein toller Fang", sagt John Schneider. "Er brachte so viel in diese Rolle ein - er ist unser personifizierter Gaspar." Eine weitere Schlüsselfigur ist die von Hanna Verboom gespielte Eva Voorsboch, der Schwarm von Deuce.

Am Anfang von DEUCE BIGALOW: EUROPEAN GIGOLO erfahren wir, dass Deuces geliebte Frau Kate während ihrer Flitterwochen bei einem bizarren Unfall ums Leben gekommen ist. Deuce trauert immer noch um sie - er bewahrt ihre Beinprothese gut sichtbar in seinem Wohnzimmer auf. Also braucht es offensichtlich eine ganz besondere Frau, die ihn aus der Vergangenheit holt und dazu bringt, sich neu zu verlieben.

"Hanna Verboom spielt Eva Voorsboch, als sei sie wie geschaffen für diese Aufgabe", sagt John Schneider, "denn sie bringt nicht nur eine natürliche Schönheit und einen wunderbaren Sinn für Humor für die Rolle mit, sondern auch noch eine charmante Unschuld und vor allem das Talent, die speziellen Symptome von Evas Zwangsneurosen darzustellen."

Verboom sagt, dass sie sich der Natur ihrer Rolle nicht bewusst war, als sie den ersten Anruf ihres Agenten bekam. "Als ich hörte, dass ich zum Vorsprechen eingeladen war, lieh ich mir sofort den ersten Film aus", erinnert sie sich. "Mein Mitbewohner kam rein, und wir schauten uns den Film zusammen an - und wir lachten uns während des ganzen Films kaputt."

Im Gegensatz zu dem ersten Teil brauchte DEUCE BIGALOW: EUROPEAN GIGOLO eine Gruppe echter Kerle, die die Mitglieder der ehrwürdigen "International Man-Whore Society" darstellen konnten. "Wir waren auf der Suche nach einer eklektischen, internationalen Gruppe von Männern", sagt John Schneider. Und die fand er: Der deutsche Schauspieler Til Schweiger stellt Heinz Hummer dar. Der Australier Allex Dimitriades spielt Enzo.

Carlos Ponze aus Puerto Rico ist Rodrigo, der Grieche Kostas Somer Assapopolous und der Taiwanese Topper spielt Lil' Kim. Und die Produzenten nutzten darüber hinaus die weiteren Vorteile, die ihnen die lokale Prominenz in Europa bot: Sie besetzten die MTV-Stars Alex Zane aus England und Mouloud aus Frankreich sowie den Briten Johnny Vaughn, um die Zeremonienmeister bei den "Man-Whore Awards" darzustellen.

Auch die übrigen Mitglieder der weiblichen Besetzung reflektieren die internationale Reichweite des Films: Rachel Stevens und Kelly Brook sind aus England, Elizabeth Canalis aus Italien. Irgendwie schien es durchaus sinnvoll zu sein, einen Regisseur anzuheuern, dessen Nachname dem der Hauptfigur so ähnlich ist.

Aber als Mike Bigelow hörte, dass er zu einem Treffen mit den Produzenten von DEUCE BIGALOW: EUROPEAN GIGOLO gebeten wurde, hielt er es zunächst für einen schlechten Scherz. "Ich dachte mir: ?Da will dir einer einen Streich spielen!'", erinnert er sich. "Die haben sich bestimmt gedacht: ?Lass es uns mit Bigelow versuchen, der hat schließlich den gleichen Namen!'"

Bigelow bemerkte aber bald, dass es den Produzenten ernst war. Und er lachte sich schief, als er zum ersten Mal das Drehbuch las. "Es erinnerte mich an eine meiner Lieblingskomödien, an Silver Streak (Trans-Amerika-Express, 1976)", sagt der Regisseur, der in dem Projekt eine Parodie auf den Film Who is Killing the Great Chefs of Europe? (Die Schlemmerorgie, 1978) sah - ähnlich wie Silver Streak den Hitchcock-Klassiker North by Northwest (Der unsichtbare Dritte, 1959) parodierte.

"Das Interessante an Mike war für uns, dass er nicht nur der erste Regisseur war, den wir trafen und der ein enormes Talent für den Stoff an den Tag legte, sondern dass er bei diesem Treffen auch der stillste Mann im Raum war", gibt John Schneider zu Protokoll. "Jeder, den wir sonst getroffen hatten, war schnell dabei, sich selbst zu verkaufen. Aber diese Leute waren schnell vergessen und Mike blieb als Einziger übrig.

Man merkte, dass er viel über seine Präsentation nachgedacht hatte und auch dazu bereit war, zu experimentieren. Das Einzigartige an Mike ist sein großartiger Geist." "Mike hatte sich unwahrscheinlich gut vorbereitet und das erlaubte ihm, am Set absolut flexibel zu bleiben", pflichtet ihm Rob Schneider bei. "Bei einer Komödie mußs man immer dazu in der Lage sein, der Eigendynamik Raum zu geben, die sich bei der Arbeit mit den Schauspielern, dem Drehort und dem Material entwickelt - und da war Mike stets mit uns einer Meinung."

"Tulpen aus Amsterdam ..." - Die Location Amsterdam stellte sich als idealer Schauplatz für DEUCE BIGALOW: EUROPEAN GIGOLO heraus. Abgesehen von der Tatsache, dass es eine von Rob Schneiders Lieblingsstädten ist, erfüllte sie alle Voraussetzungen, die die Geschichte erforderte. "Es lief immer nur auf eine Frage hinaus: Was ist die beste Stadt für legale Prostitution und halblegale Drogen?" grinst John Schneider.

Die Produzenten reisten nach Amsterdam, um die Produktion vorzubereiten, die Drehorte auszusuchen und die Film-Crew anzuheuern. Der Chefkameramann Marc Felperlaan war die erste Wahl der Filmemacher und laut dem Ausführenden Produzenten Glenn S. Gainor mußste der Holländer nicht mal von dem Projekt überzeugt werden: "Ich war von diesem Film mit dem Titel Amsterdamned (Verfluchtes Amsterdam, 1988) und der Art, wie er die Grachten und die verschiedenen Schauplätze der Stadt nutzte, schwer beeindruckt und dachte mir: ?Wenn wir einen Kameramann wie diesen hätten, wäre ich schon mal sehr glücklich.'"

Der Kameramann von Amsterdamned war nicht nur verfügbar, er kam sogar selbst auf die Produzenten zu. "Als er Wind davon bekam, dass die amerikanische Produktion in der Stadt sein würde, nahm er Kontakt mit uns auf", sagt Gainor. "Wir trafen uns und engagierten ihn sofort." Am Ende nutzte die Produktionsfirma 45 Drehorte in und um Amsterdam, und darüber hinaus wurde fünf Tage lang im spanischen Malaga gedreht, das Malibu, Kalifornien, darstellen sollte.

Durch den ehrgeizigen Drehplan - die Produktion drehte zeitweise an drei verschiedenen Locations pro Tag - war es wichtig, eine einheimische Crew an Bord zu haben, die über Erfahrungen mit den möglichen Widrigkeiten eines Drehs in Amsterdam (Licht, Wasser, Verkehrsverhältnisse usw.) verfügte und um diese Schwierigkeiten herum arbeiten konnte.

"Für einen Dreh in Holland ist essehr typisch , so viel Sonne wie möglich zu nutzen", sagt Gainor. "Wenn man sich die Gemälde der holländischen Meister ansieht, bemerkt man schnell, dass der Himmel immer sehr dramatisch ist. Das Problem dabei ist allerdings, dass sich der Himmel ständig verändert. Wir standen jeden Tag unter enormem Druck, die Aufnahmen zueinander passend drehen zu können. Aber wir konnten die Tage meistern, ohne gleich Lastwagen voller Scheinwerfer entladen zu müssen.

Wir waren glücklich darüber, dass wir einen Chefkameramann hatten, der sich mit den Lichtverhältnissen so gut auskannte und sie für die Kamera nutzen konnte." Aber das Licht war nicht die einzige Herausforderung für den Dreh: Der Sommer des Jahres 2004 stellte sich in den Niederlanden als einer der feuchtesten der letzten Jahrzehnte heraus. Oder, wie Rob Schneider es ausdrückt: "Es regnete. Oh, mein Gott, und wie es regnete!"

Die holländischen Crew-Mitglieder nahmen die Situation recht locker. "Sie hatten kein Problem damit, im Regen zu drehen", bemerkt Gainor. "In Amsterdam mußs man oft warten, bis der Regen vorbei ist. Man weiß, dass es regnet, man wartet eine Viertelstunde und man dreht weiter."

Während der Arbeit auf den Grachten im Regen mußste sich das Team darüber hinaus noch weiteren Herausforderungen stellen: "Wir haben einen venezianischen Kanal nachgebaut, aber der Wasserstand stieg durch den Regen und unser Dock brach in zwei Hälften", sagt Gainor. "Man hat keine Chance, im Regen zu drehen und das Wetter als sonnig zu verkaufen, wenn man die Regentropfen auf der Wasseroberfläche der Gracht sehen kann. Das Beste, was wir tun konnten war im Regen unter Regenschirmen zu drehen und durch die Kameraeinstellungen zu tricksen."

Dennoch nutzte die Produktion alle Vorteile, die sich ihnen durch die Schönheit der Stadt bot. "Wenn man tausende von Meilen fliegt, um einen Film zu drehen, ist es wichtig, absolut jeden Drehort zu nutzen, der sich einem bietet", fährt Gainor fort. "Wir wollten unbedingt so wenig wie möglich im Studio arbeiten."

Produzent John Schneider pflichtet ihm bei: "Man kann diese Architektur einfach nicht kaufen. Man kann sie nicht im Studio nachbauen. Im Grunde waren wir auf dem größten Studiogelände der Filmgeschichte: in Amsterdam." Neben den Szenen, die auf den berühmten Grachten der Stadt spielten, tauchen etliche historische Gebäude der Niederlande in DEUCE BIGALOW: EUROPEAN GIGOLO auf.

Die Eröffnungssequenz, in der der erste Gigolo-Mord stattfindet, wurde im Schloss von De Haar gedreht, einem bemerkenswerten historischen Monument vor den Toren von Utrecht. Die historischen Aufzeichnungen über das Schloss reichen zurück bis ins 13. Jahrhundert, als die Familie Van Zuylen das Gebäude baute.

Im Jahr 1890, als Baron Etienne van Zuylen van Nijevelt van den Haar das Schloss bewohnte, beauftragte er den berühmten holländischen Architekten P.J.H. Cuypers - bekannt für seine neo-gothischen Kirchen und Amsterdamer Sehenswürdigkeiten wie den Hauptbahnhof und das Rijksmuseum - die Restauration zu entwerfen und zu überwachen. Das Schloss überstand die Bombardements während des Zweiten Weltkriegs und die Besitzer machten das Schloss und den Park der Öffentlichkeit zugänglich - bis auf einen Monat im Jahr, der allein der Familie vorbehalten ist.

Die Veranstaltung der "Man-Whore Awards", die sämtliche Preisverleihungen der Filmbranche parodiert, verlangte nach einem ausladenden Raum und einer exklusiven Umgebung, die einer solch "renommierten" Zeremonie gerecht werden konnten. Die Außenaufnahmen fanden im Artis Zoo statt, der im Jahr 1828 gegründet wurde und der - neben dem Zoo selbst - aus einem Aquarium (von dem auch Teile für Innenaufnahmen genutzt wurden), einem zoologischen Museum, wunderschönen Gärten und einem Planetarium besteht.

Für die Innenaufnahmen dieser Szene zog die Produktion in die Stadsschouwburg, das größte Theater Amsterdams. Die Stadsschouwburg befindet sich am Leidseplein, einem der populärsten Plätze der Stadt, und ist die künstlerische Heimat der berühmten Theatertruppe Toneelgreop Amsterdam und wird darüber hinaus gern von Ajax Amsterdam, der Fußballmannschaft der Stadt genutzt: Die Spieler grüßen ihre Fans nach wichtigen Siegen und Turnieren vom Balkon des Theaters aus.

Der Leidseplein ist der dritte Standort des Theaters in vier Jahrhunderten. Das erste Gebäude, 1638 erbaut, brannte 1772 bis auf die Grundmauern nieder. Der Bau des zweiten Theaters wurde 1774 beendet, aber ihm widerfuhr im Jahr 1890 das gleiche Schicksal, als eine Rakete des Feuerwerks zu Ehren des Geburtstags des niederländischen Königs auf dem Dach landete und es in Brand steckte.

Die Architekten Springer und Gent gestalteten das derzeitige Theater mit einer Renaissance-Fassade aus Ziegel- und Speckstein und einer Reihe von kleinen Türmen. Das Innere, das als Drehort für die Award Show genutzt wurde, ist reich im Neo-Barock-Stil verziert. Ironischerweise wurde die Wallonen-Kirche Waalse Kerk, die im Jahr 1409 erbaut wurde, als Drehort für die Zusammenkünfte der "Man-Whore Society" ausgewählt.

Die ehemalige Kapelle eines Klosters kam in den Besitz Französisch sprechender protestantischer Flüchtlinge aus den südlichen Niederlanden und Frankreich, nachdem Amsterdam im Jahr 1578 zum Protestantismus übergetreten war. In den letzten 400 Jahren war die Kirche die Domäne der Wallonen-Gemeinde, die auch heute noch jeden Sonntag Gottesdienste - auf Französisch - hält.

Zu den anderen bemerkenswerten Gebäuden, die für die Produktion genutzt wurden, gehört auch das Bazel-Gebäude, das im Neo-Deco-Design erbaut und 1926 fertig gestellt wurde. Das Haus beherbergte die Handelsgesellschaft Nederlandsche Handel-Maarschappij. Das Kasteel de Keukenhof stellte die Räume für die Innen- und Außendrehs von Gaspar und Eva Voorsbochs Haus zur Verfügung.

Der Passagier-Terminal Amsterdam stand Pate für den Flughafen, das Oost-Indisch Huis (ostindische Haus), das 1606 gegründet wurde, Heimat der Handelskommission Verenigde Oostindische Compagnie war und in dem derzeit die Universität von Amsterdam untergebracht ist, wurde als Drehort für die Universität von Heidelberg genutzt.

Aber die Vielfalt der Stadt und die historische Architektur war nicht das Einzige, was Amsterdam dem Team von DEUCE BIGALOW: EUROPEAN GIGOLO zu bieten hatte. Obwohl die holländische Filmbranche, gemessen an Hollywood-Standards, eher klein ist, werden dort viele Kinofilme, TV-Serien und Werbespots produziert und die Crew konnte auf zwei ihrer führenden Stars zurückgreifen. Krabbé, der an die Arbeit in seiner Heimatstadt Amsterdam gewöhnt ist, genoss die Möglichkeit, hier einen amerikanischen Film zu drehen.

"Es ist schon irgendwie seltsam: Normalerweise reise ich um die halbe Welt, um in einem US-Film zu spielen, fühle mich dann einsam und telefoniere vom Hotelzimmer aus mit Zuhause", sagt er. "Diesmal konnte ich mit dem Fahrrad zur Arbeit und wieder zurück nach Hause fahren. Das war toll. Ich wünschte, mehr amerikanische Filme würden hier gedreht."

Für die Newcomerin Verboom markiert DEUCE BIGALOW: EUROPEAN GIGOLO erst ihre zweite Filmrolle und ihre erste amerikanische Produktion. Dennoch bemerkte sie sehr schnell die Unterschiede zwischen diesen beiden Projekten. "Holländische Teams sind viel kleiner und die heimischen Projekte bieten einem weniger Gehalt. Ich glaube, ich bin hier ganz schön verwöhnt worden", lacht sie.

"Aber es war schön bei der Arbeit an diesem Film, jeden Morgen aufzuwachen und zu wissen, dass wieder ein komplett anderer, verrückter Tag vor mir lag. An einem Tag flog ein Zwerg durch ein Fenster in eine Gracht, am nächsten Tag saß ich neben einer zwei Meter großen Frau. Und nach einer kleinen Weile dachte ich: ?Okay, einfach nur ein Tag am Set von DEUCE BIGALOW: EUROPEAN GIGOLO'".

Interessanterweise sind Kameras im Rotlichtviertel von Amsterdam verboten. Also mußste die Produktion ihre eigene Ausgabe des Gebietes der legalen Prostitution errichten - und zwar auf einem der charmantesten Kanäle der Stadt: der Brouwersgracht. "Es war schon sehr seltsam zu sehen, wie diese Etablissment errichtet wurden", erinnert sich Gainor. "Tja, das war es dann wohl mit der netten Nachbarschaft ..."

Szenenfoto
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