Dogtown Boys

Produktionsnotizen

Die Dreharbeiten "Uns war überhaupt nicht klar, dass diese kleinen Rollen unter unseren Füßen, uns auf eine Fahrt durchs Leben nehmen würden, wie sie keiner von uns jemals erwartet hätte." - Stacy Peralta

Von den gefährlichen Wellen, die an einem längst vergessenen Pier brechen, hin zu den Betonwüsten der Slums der Stadt: DOGTOWN BOYS erweckt die rebellischen Anfänge einiger unvergesslicher Stars der Sportkultur auf der Leinwand zum Leben. "Wenn man an American Graffiti (American Graffiti, 1973) oder Fast Times at Ridgemont High (Ich glaub' ich steh' im Wald, 1982) denkt, dann spricht man über wegweisende Filme der Jugendkultur", sagt Sony Pictures Chairman Amy Pascal.

"DOGTOWN BOYS zählt genau zu dieser Art von Film. Diese Kids lösten eine Bewegung aus, die bis heute anhält." In den frühen Siebzigern war Skateboarden ein größtenteils öder Sport mit langweiligen 360-Grad-Drehungen und Handständen, aber sicherlich nichts, was man mit Geschwindigkeit und Stil in Verbindung brachte.

Ein Zusammentreffen glücklicher Umstände in Südkalifornien brachte die Dogtown-Skater hervor: Urethan-Rollen, eine mörderische Hitzewelle, die die Swimmingpools der Region trocken legte, und eine Surfer-Ästhetik, die den Köpfen von Kids wie Tony Alva, Jay Adams und Stacy Peralta entsprang. "Weil wir diese Rollen aus Urethan hatten, ein Kunststoff, der auf Beton haftet, konnten wir nun auch senkrecht fahren", sagt Stacy Peralta.

"Wir fuhren an Wänden entlang, als würden wir auf ihnen surfen. So entstand dieses ganze Z-Boy-Ding. Wir waren zuerst Surfer, die ihren ganzen Antrieb und ihre Ambition und Motivation nahmen, um Profis zu werden, und gingen dann dazu über, professionelle Skateboarder zu werden." Die Z-Boys wurden durch das Skaten in Pools und wegen ihrer Radikalität berühmt. Mit einer Vorliebe für Zementböden und dem Skaten in der Hocke benutzten diese Outlaw-Surfer die Kurven und Wände sämtlicher Pools aus der Nachbarschaft und erfanden einen ganz neuen Skatestil.

Mit einer Hand ausgestreckt, um den Beton zu berühren, wenn sie sich wie ihr Surfer-Idol Larry Bertleman drehten, war diese Art zu skaten bis dahin völlig unbekannt. Sie inspirierten Kids auf der ganzen Welt und veränderten den Sport für immer. Das Zephyr-Team, das sie später bildeten, war aggressiv, leidenschaftlich und zugleich poetisch. Sie hatten eine vollkommen neue Herangehensweise an nahezu jeden gegebenen Untergrund losgetreten - nach dem Motto: "Shred the pavement, or shred yourself - zerstör' den Belag oder zerstör' dich selbst".

1999 veröffentlichte das Musikmagazin "Spin" einen detaillierten Artikel über die Geschichte der Z-Boys, der sich auf die Erfahrungen aus Dogtown konzentrierte, und die Aufmerksamkeit der Entwicklungsabteilungen verschiedener Hollywood-Studios erregte. Einer der Executives war John Linson, der damals bei 20th Century Fox arbeitete. "Ich bin in Santa Monica aufgewachsen", erzählt Linson. "Es handelte sich also um eine Bewegung, die mir immer bekannt war. Ich fand schon immer, dass es einen Film darüber geben sollte."

Linson nahm umgehend Kontakt mit Jay Adams und anderen ursprünglichen Z-Boys auf, um ihre Kooperation und Mitwirkung sicherzustellen. Aber zunächst wollte Peralta die dokumentarische Version ihrer Erzählung verfilmen. Der Film Dogtown and Z-Boys (Dogtown and Z-Boys, 2001), inszeniert von Peralta, kam 2002 bei Sony Pictures Classics in die Kinos.

Der hochgelobte Film brachte dem ehemaligen Skateboard-Champion und ursprünglichen Z-Boy sowohl den Publikums- als auch den Regiepreis für den "Besten Dokumentarfilm" beim Sundance Filmfestival ein, den Preis für den Besten Dokumentarfilm beim AFI Filmfestival sowie einen Independent Spirit Award. Für Stacy Peralta und die anderen ursprünglichen Mitglieder des Zephyr-Teams war es anfänglich eine heikle Sache, ihr Leben von Hollywood verherrlichen zu lassen.

Die Dogtowners kamen aus reinster Armut, erlangten eine Menge Geld und Ruhm und führten ein Leben wie Rockstars - und einige von ihnen konnten kaum überleben. Diese Story mußste richtig erzählt werden. Nachdem Peralta seine Dokumentation gedreht hatte, die die echte Story erzählte, war er bereit, sich einer fiktionalisierten Version seines Lebens zu stellen. "Ich begann mit dem Schreiben des Films im Frühling 2001, kurz nachdem wir die Dokumentation beim Sundance Filmfestival vorgestellt hatten", so Peralta.

"Ich hatte vor DOGTOWN BOYS fünf Drehbücher geschrieben, aber dies war ohne Zweifel jenes, das mich mental am meisten forderte, das Schwierigste, Ambitionierteste, was ich je in meinem Leben getan hatte. Und als es wirklich anstrengend wurde, schloss ich mich für zwei Wochen in meinem Haus ein und bis ich nicht weitergekommen war, ging ich nicht mal ans Telefon." Auch den richtigen Regisseur für das Projekt zu finden, war äußerst wichtig.

Es mußste jemand sein, der nicht nur wusste, was das Material repräsentierte, sondern auch eine Vision hatte, die der Geschichte entsprach, in der es um Rebellion, Attitüde und den Hardcore-Style ging. "Ich kannte Catherine Hardwicke von früher", sagt Peralta. "Wir hatten zusammen in den 80er Jahren Schauspiel studiert und liefen uns im Laufe der Jahre oftmals über den Weg.

Ich sah ihr Regiedebüt Thirteen (Dreizehn, 2003) und es hat mich einfach umgehauen! Ich rief John Linson an und sagte: ,Du mußst diesen Film sehen, Catherine Hardwicke ist die perfekte Regisseurin für uns.' Er sah sich den Film an und rief mich zurück, um mir zuzustimmen, dass sie perfekt wäre. Er sagte, dass die Anfangsszene eine der verstörendsten sei, die er je in einem Film gesehen hätte. Also nahmen wir mit Catherine Kontakt auf."

Catherine Hardwicke, die ebenfalls darauf verweisen konnte, mit einem Film in Sundance einen Hit gelandet zu haben, hatte das Projekt selbst verfolgt. Sie hatte Tony Alva und Craig Stecyk getroffen, dessen Original-Fotografien und Magazin-Artikel über die Z-Boys dazu beigetragen hatten, die Jungs vor den Augen der ganzen Nation in dem Film Thrashin' (Thrashin' - Krieg der Kids, 1986) zu verewigen, für den Hardwicke die Ausstattung beigesteuert hatte.

Für sie bestand nicht der geringste Zweifel, dass sie bei DOGTOWN BOYS Regie führen wollte. Als sie also einen Anruf von John Linson erhielt, der sie bat, mit dabei zu sein, stimmte sie sofort zu. "Dieser Film ist ein Traumprojekt für mich", sagt Hardwicke. "Ich lebe in Venice, ich surfe, und ich kenne so viele der Leute, die damit zu tun haben. Deshalb war ich so begeistert, als der Anruf kam. Ich las das Skript, das Stacy geschrieben hatte, traf mich dann mit Amy Pascal von Sony und lieferte meinen Pitch ab. Nach ein paar Monaten Recherche und Vorbereitung bekam der Film grünes Licht."

"Ich glaube nicht, dass jemand anderes als Catherine den Film hätte inszenieren können", sagt Linson. "Sie hat eine Affinität zu diesen Kids, zu der Zeit, zu der Bewegung. Sie ist daran interessiert, wer diese Menschen sind." Die Filmemacher waren mit Stacy und den anderen Z-Boys, die an dem Projekt mitwirkten, einer Meinung: Authentizität war der Schlüssel.

Also traf die Produktion eine Entscheidung, so viele ursprüngliche Mitglieder wie möglich mitwirken zu lassen - als Berater in Sachen Skaten und Technik - um alle Bemühungen zu unterstützen, der Story und der Stimmung dieser Zeit treu zu bleiben. Tony Alva war über dreißig Jahre lang professioneller Skater und war sofort mit dabei. Der weltberühmte Skateboard-Champion übernahm die Aufgabe, die Stunts der Skater zu choreographieren und brachte den Schauspielern nicht einfach nur Skaten bei, sondern vielmehr das Skaten im echten Z-Boys-Style.

"Es war das Größte, Tony von Anfang an dabei zu haben, seine Unterstützung bei der Suche nach Locations, den Pools und beim Training der Skater zu erhalten", sagt Hardwicke. "Er erinnert sich an alles aus der damaligen Zeit. Du kannst ihn fragen: ,Wie würdest du auf ein Mädchen zuskaten, wenn du sie beeindrucken wolltest?? Und Tony zeigt mal eben diese coole kleine Bewegung, ganz flüssig und großartig. Er und Stacy haben es einfach im Blut."

Damit war es Zeit, die Schauspieler zu finden, die die Story zum Leben erwecken würden.

Auf die Boards! Während DOGTOWN BOYS auf der Leinwand Legenden, die einen Sport revolutioniert haben, unsterblich macht, ,repräsentiert er gleichzeitig auch einen spannenden zeitgeschichtlichen Moment für seine junge Besetzung. Die Besetzung - das sind allesamt aufregende und aufstrebende Newcomer, die auf dem Weg sind, ihren Platz im Filmgeschäft zu behaupten.

"Es war nicht einfach so etwas wie Hula Hoop oder Jo-Jo. Es war Teil unseres Lebensstils und ich wusste, dass es irgendwann eine Zukunft haben würde. Aber mein Vater sagte mir immer, dass darin keine Zukunft liegen würde." - Tony Alva

Eine der größten anfänglichen Herausforderungen bestand darin, Tony Alva zu finden, den am schnellsten aufgestiegenen Star der Gruppe, einen Skater mit magnetischer Präsenz, den Typen, den Jay Adams mal "den ersten Herrscher der Pools und einen der stylishsten Skater aller Zeiten" nannte. Der assoziierte Produzent Beanie Barnes schlug Victor Rasuk vor. Catherine Hardwicke kannte ihn aus dem Sundance-Hit Raising Victor Vargas (Long Way Home, 2002) und sie war überzeugt, dass er den richtigen aggressiven Charme hätte, um Alva zu spielen.

Als in New York aufgewachsener Schauspieler lag die größte Herausforderung für ihn darin, seinen Ostküstenakzent abzulegen. Hardwicke sagte: "Ich rief Victor an, um ihm von dem Projekt zu erzählen, und ich sagte ihm, er solle jetzt sofort ins Flugzeug steigen, weil er das Studio überzeugen müsste, dass er gar nicht so sehr New Yorker ist. Er schwirrte sofort hier an, und wir fanden diese kleine Wohnung in Venice direkt in meiner Nachbarschaft.

Ich zeigte ihm die Gegend mit ein paar Jungs aus Venice, um ihm das richtige Gefühl für diese ganze Venice-/Kalifornien-Sache zu vermitteln. Wir sind sofort seine ganzen Klamotten losgeworden und haben ihn in Vans und Strandklamotten gesteckt. Am ersten Tag ließen wir ihn mit Tony skaten. Er sprang in diese Welt wie in kaltes Wasser, lernte zu skaten und zu surfen. Es war völlig fremd für ihn, aber er eignete sich alles rasend schnell an."

"Als ich zum ersten Mal nach Kalifornien kam und Tony Alva kennen lernte, war ich definitiv eingeschüchtert", erinnert sich Rasuk. "Ich meine, im Flugzeug sagte ich die ganze Zeit zu mir: ,Sei nicht eingeschüchtert, die Leute spüren das.' Aber dieser Typ hatte so viel Einfluss auf die Skating-Welt und hat es immer noch, wie hätte ich da nicht eingeschüchtert sein können? Trotzdem wurde ich in Tonys Gegenwart sofort ganz relaxt. Er wusste, dass ich kein Skater war, und wo er mit mir beginnen mußste, also war er gelassen und geduldig."

"Ich hatte noch niemals zuvor auf einem Skateboard gestanden", fährt Rasuk fort. "Tony und die Produktion nahmen mich ins Skate Lab im Valley, um mir das Skaten beizubringen. Ich hatte ebenen Untergrund, Hügel und ein paar Rampen, um mich an die Geschwindigkeit des Skatens zu gewöhnen. Wir skateten am frühen Morgen sehr viel auf den Straßen und übten die einfachen Dinge, die grundlegend sind. Während er mir das Skaten beibrachte, erzählte er mir alles über sein Leben. Er erzählte mir Anekdoten und Geschichten und persönliche Dinge, die mir wirklich halfen, meine Figur zu entwickeln."

Tony Alva gefiel, was er sah. "Victor ist eine sehr leidenschaftliche Person und ist ein sehr guter Schauspieler", sagt Alva. "Das ist der Grund, warum er für die Rolle ausgewählt wurde. Er strahlt die Haltung aus, die ich als Kid hatte und die, gepaart mit seiner Mimik und seinen Bewegungen, genau so ist wie ich, was sich für die Rolle natürlich gut macht."

"Unseren Stil mit dem der anderen zu vergleichen, war, als würde man ein Auto mit einer Kutsche vergleichen." - Stacy Peralta, 1982

Anfangs war es auch nicht so einfach, den richtigen Jungen zu finden, der den jungen Stacy Peralta spielen würde. "Es war echt eine harte Zeit, Stacy zu casten, weil er auf so eine ruhige Art und Weise stark ist, so eine Art Säule", sagt Hardwicke. "Ein bisschen sensibel, aber immer noch auf seine Art sexy, lustig und athletisch. Und das ist schwer zu finden."

Aber wie beim Casting von Victor Rasuk schlug Beanie Barnes einen Film vor, der es Catherine einfach machte. "Wir sahen John Robinsons Arbeit in Elephant (Elephant, 2003) und ich betete, dass er runterkommen und die Rolle übernehmen würde", fügt sie hinzu. "Er kommt aus Oregon, und an dem Tag, als er bei uns landete, war ich total aufgeregt, ihn zu sehen. Er hat uns einfach umgehauen. Er war genau wie der echte Stacy."

Peralta stimmt zu: "Man geht nicht gerade durchs Leben und stellt sich vor, dass eines Tages jemand dein Leben spielen wird. Es kommt dir gar nicht in den Sinn. Wenn dann plötzlich aus deinem Leben ein Film wird, mußst du darüber nachdenken, wer dich tatsächlich spielen könnte.

Als ich John Robinson kennen lernte, sah ich Eigenschaften an ihm, die mich so sehr an mich selbst als Jugendlicher erinnert haben, dass es schon unheimlich war. Ich war mehr so der friedliche Typ, immer mit einem Fuß in der Tür und dem anderen draußen, und immer mit einem Blick von außen auf die Situation, in der ich mich befand. John hatte dieselbe sensible Herangehensweise. Er war perfekt."

Für Robinson, der in Oregon geboren wurde, war Skaten Teil seiner Jugend und in das Leben von Stacy Peralta einzutauchen einfacher, als er erwartet hatte. "Ich war mein Leben lang Snowboarden", sagt Robinson. "Bis vor ein paar Jahren fuhr ich jedes Jahr ins Surfcamp nach Südkalifornien, habe also auch lange Zeit gesurft. Ich hatte ein Longboard, also hatte ich eher den Surferstyle des Skatens drauf, was cool war, weil es genau der Stil war, den ich für die Rolle brauchte."

Das Ergebnis war, dass John die Hälfte der Skate-Stunts selbst machen konnte. "Stacy war dieser wirklich kontrollierte, gleitende Skater", sagt Robinson. "Und das übertrug sich auf seine Persönlichkeit."

"Die meisten von uns wollten nur skaten und Spaß haben. Dann fing es an, dass man Geld damit verdienen konnte und die Egos wuchsen. Plötzlich hieß es: Dogtown gegen die Welt." - Jay Adams, 2001 Wer in der Welt könnte Jay Adams zum Leben erwecken? Wilder und schwieriger zu zügeln als der Rest der Gang, repräsentiert Adams die blendenen Höhen und heftigen Tiefen des Sports, aber Emile Hirsch passt in die Rolle wie angegossen. "Emile ist ein erstaunlicher Schauspieler mit einer immensen Bandbreite. Er könnte alles machen, was man von ihm verlangt", sagt Hardwicke. "Er sieht aus wie Jay, er skatet wie er, und manchmal hast du das Gefühl, dass er in Jays Haut geschlüpft ist."

"Jays Gabe und Fluch war diese verrückte, spontane Energie", sagt Hirsch. "Die war auch Schuld daran, dass er nicht Profi wurde. Er konnte sich nicht so vermarkten wie die anderen Typen. Jay hatte nie wirklich mit der Business-Seite des Ganzen zu tun. Er war mehr der ,skate and destroy'-Typ."

Emile Hirsch flog schließlich nach Hawaii, um Zeit mit dem echten Jay Adams zu verbringen und ein Gefühl für ihn zu bekommen. "Ich beobachtete ihn und redete mit ihm über sein Leben und saugte wirklich viele Storys und Nuancen dieses Typen in mich auf." Hirsch mußste wie seine Ko-Stars lernen, wie man im echten Z-Boy-Stil skatet. "Ich hatte vorher noch nie richtig gesurft", fügt er an.

"Ich hatte ein Boogieboard, also war ich daran gewöhnt, im Wasser zu sein. Und seit ich zehn war, bin ich Skateboard gefahren, also konnte ich tatsächlich schon einigermaßen skaten. Aber ich mußste einen ganz anderen Stil des Skatens lernen, nämlich Pool-Skating. Das hatte ich noch nie zuvor gemacht, also war es eine Herausforderung. Die meisten Stunts hat mein Double Griffin Collins gemacht, der wirklich die Pooldecke aufreißt. Aber während der Dreharbeiten ließen sie mich auf Bicknell Hill rauf, diesen berühmten Hügel in Venice. Es war eine großartige Zeit!"

Den Kern der vier Z-Boys rundet Michael Angarano als Sid Gianetti ab. "Er ist der schlechteste Skater der Gruppe und der albernste", sagt Angarano. "Der einzige Grund, dass ich tatsächlich im Team bin, ist der, dass ich der beste Freund von Jay bin." Als Newcomer in der Welt des Skatens brauchte Michael Angarano Tony Alva, damit er an das Tempo der anderen anschließen konnte. "Ich hatte noch nie zuvor geskatet", sagt der junge Schauspieler.

"Ich konnte auf einer geraden Linie hoch und runter fahren, das war alles. Ich fing etwa sechs Wochen vor Beginn der Dreharbeiten mit dem Training an und ich habe mich sehr verbessert. Ich meine, ich mußste mich verbessern, denn ich konnte vorher kaum das Board bewegen. Tony mußste mich festhalten. Aber jetzt skate ich in Pools, beherrsche sämtliche Tricks auf den kleinen, winzigen Boards und skate an allen Orten, an denen die echten Jungs skateten. Nur nicht so gut."

"Skip war der Anführer der Truppe? Er war da, um dich aufzumuntern oder dir in den Hintern zu treten, je nachdem, was du gerade brauchtest." - Z-Boy Wentzle Ruml IV, 2000

Natürlich würde diese Story nicht ohne den Guru-ähnlichen Skip Engblom existieren, den Mitbesitzer des Zephyr-Shops. Der exzentrische und doch väterliche Engblom führte die Z-Boys zum Ruhm, und von dem Tag an, an dem er von dem Dogtown-Film hörte, hatte Engblom nur einen Schauspieler im Kopf, der ihn spielen sollte. "Ich hatte diesen Jungen in The Patriot (Der Patriot, 2000) gesehen", erinnert er sich.

"Als die Leute anfingen, mich zu fragen, wer mich spielen könnte, sagte ich, es sollte Heath Ledger sein. Alle antworteten immer, das ginge nicht, weil er ein zu großer Star sei." "Als Catherine als Regisseurin eingeschlagen hatte, fragten sie mich wieder und wieder sagte ich ,Heath Ledger'. Catherine rief mich ein paar Wochen später an und sagte: ,Rate mal, wer dich im Film spielen wird.' Und ich sagte ,Whoopi Goldberg?' Und sie sagte: ,Nein, Heath Ledger.' Ich konnte es nicht glauben."

"Heath und ich trafen uns und es war sehr merkwürdig, wie ähnlich wir uns sind. Ich mochte ihn von Anfang an. Wir gingen gemeinsam zu Lakers-Spielen und hingen viel zusammen ab. Heath wollte mich und meine Manierismen kennen lernen." Ledgers Interesse an dem Projekt wurde durch die Dokumentation von Peralta geweckt. Der Schauspieler wuchs mit dem Surfboard unter dem Arm in Westaustralien auf. "Mein erstes Skateboard war ein Powell-Peralta", führt Ledger aus.

"Ich verließ meine Heimatstadt Perth, als ich sechzehn war und hörte damals mit dem Surfen auf, abgesehen von zwei oder drei Mal im Jahr. Der Film schien mir wie eine wunderbare Ausrede, um wieder mal da 'rauszukommen. Ich traf Catherine, um mit ihr darüber zu reden, Skip zu spielen, nachdem ich Thirteen gesehen hatte.

Ich wusste, dass Catherine die perfekte Regisseurin war. Und dass sie mit dem gleichen Kameramann arbeiten würde, Elliot Davis, der auch Thirteen gefilmt hatte, fand ich wirklich spannend. Dieser Film fühlte sich an, als wäre eine Story eingefangen, wären Momente gestohlen und eine Magie entdeckt worden; er fühlte sich nicht erfunden und prätentiös und fade an. Und das ist genau das, was wir für diesen Film brauchten."

"Mir wurde klar, dass es eine Ehre sein würde, Skip zu spielen, besonders, nachdem ich ihn kennen gelernt hatte", setzt er fort. "Er ist ein so tiefgründiger Typ und ein wunderbarer Mensch. Das gab den Ausschlag für mich, die Rolle anzunehmen." Als Ledger Skip Engbloms Klamotten aus den 70ern anprobierte, passten sie ihm wie angegossen - als wäre es Vorsehung.

Aber sobald die Dreharbeiten begannen, zog sich Engblom zurück und ließ den gefeierten Schauspieler mit all dem allein, was er in ihrer gemeinsam verbrachten Zeit in sich aufgesogen hatte und nun selbständig in dem Film einfließen ließ. "Heath ist ein brillanter Schauspieler", sagt Engblom. "Er brauchte mich gar nicht, um ihm zu sagen, wie man ich wird. Das wäre ja, wie hinter einem großen Künstler zu stehen und ihm zu sagen, dass er mehr Blau in eine Ecke des Gemäldes malen müsste. Ich sah mir nicht eine einzige der abgedrehten Szenen an und kann es kaum erwarten, zu sehen, was daraus auf der Leinwand geworden ist."

Um die äußeren Kräfte darzustellen, die über die Z-Boys hereinstürzten, wurde Johnny Knoxville als Topper Burkes besetzt. Burke ist ein reicher Erbe, der Tony Alva vom Zephyr-Team abwirbt und die Gang noch weiter zersplittert. Knoxville sagt: "Der Typ ist ein komplexer Charakter, gekleidet wie Sly Stone, der Tony in seinem Stil und Verhalten imitiert. Topper will einfach Teil von irgendetwas sein."

Bei all dem Testosteron, das unvermeidlicherweise über die Leinwand sprühen würde, brauchte Hardwicke einige prominente weibliche Rollen, um die von Männern dominierte Story auszubalancieren. Nikki Reed kam hinzu, um Kathy Alva zu spielen, Tony Alvas Schwester, das quintessentielle "Skater Chick", das sich in eine Dreierbeziehung mit dem sanften Stacy Peralta und dem wilden Jay Adams verstrickt.

Kathy Alva fasst eines der Dogtown-Themen zusammen, wenn sie beschreibt, wie es ist, in Armut und auf der falschen Seite aufzuwachsen: "Es war härter für uns zu träumen." "Catherine und ich sind jetzt schon seit elf Jahren befreundet, und ich hatte großartige Erfahrungen mit ihr bei Thirteen gemacht", sagt Reed.

"Nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte, wusste ich, dass Catherine den Job bekommen würde, weil sie die richtige Energie dafür hat. Dieser Film braucht sehr viel Energie. Und ich habe mich in die Kathy-Alva-Rolle verliebt. Ich war Feuer und Flamme. Ich rief Catherine jeden Tag an und fragte sie immer wieder, wie ich sie bekommen könnte. So überzeugte ich das Studio - und hier bin ich!"

Den Cast rundet Rebecca de Mornay als Philaine ab, Jay Adams' Mutter, die eine faszinierende Persönlichkeit war. Sie hat mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen, aber liebt ihren Sohn über alles.

Der Look von Dogtown Bei einem Film, dessen Story so eng mit einer Location verbunden ist - der unpolierte, karge Look von Venice Beach in den 1970ern - waren es äußerst wichtige Entscheidungen für den Ausstatter, wo und was gedreht werden sollte. Chris Gorak hatte bei mehreren Filmen als Art Director mit Hardwicke zusammen gearbeitet, die selbst jahrelang eine gefeierte Ausstatterin war, bevor sie sich der Regie zuwandte. Beide sind gelernte Architekten, daher gab es zwischen ihnen kurze Kommunikationswege und schnelle Problemlösungen.

Kameramann Elliot Davis, auch ein gelernter Architekt, war eine weitere ideale Ergänzung der beiden. "Wir wollten definitiv keine Klischees, die den Stil der Zeit übertreiben würden", sagt Gorak. "Wir wollten, dass sich alles realistisch anfühlt, also war es unser Bestreben, dem Film eine authentische Textur zu verleihen und die urbane Strandstimmung hinzukriegen, die Venice damals prägte."

Aber da sich Santa Monica und Venice im Lauf der Jahre in ein Paradies für Touristen voller Hotels verwandelt hatte, mußsten sich Gorak und Location Manager Brad Bemis anderswo nach einer weniger keimfreien Umgebung umsehen. Gorak sagt: "Damals war Venice ein Niemandsland, wo niemand sein wollte außer Kids und Unruhestiftern. Also mußsten wir diese Beschaffenheit wieder erschaffen. Der Pacific Ocean Pier (POP) existiert nicht mehr.

Wir versuchten, so viel wie möglich in Venice zu drehen, aber fanden uns in gepflasterten Sackgassen wieder. Also fuhren wir für viele der Locations, die diese Küsten-Strand-Atmosphäre brauchten, nach San Pedro. San Pedro war noch ,Starbucks'-freie Zone und fühlte sich mehr wie das damalige Venice an." DER PACIFIC OCEAN PARK (POP) war zu der Zeit, in der die Z-Boys dort zu surfen begannen, ein zum größten Teil verrotteter Vergnügungspark - lange nach seiner Blütezeit in den 60ern.

"Es war ein Spielplatz für Outlaws", sagt Peralta. "Es definierte die Topographie von Dogtown, was es eigentlich war, nämlich der Küsten-Slum." Es war der natürliche Ausgangspunkt des Films, aber er existierte nicht mehr. Das hieß, dass er mit seiner ganzen heruntergekommenen Pracht wieder aufgebaut werden mußste - eine sehr schwierige Aufgabe. Der "neue" POP brauchte ein hölzernes, baufälliges Pier, das jedoch auch einige Tiefe erreichte.

Es mußste in einem Gebiet errichtet werden, in dem es Wellen gab, so dass die Schauspieler surfen konnten und die Filmemacher die Aufnahmen bekamen, die sie brauchten. Und man brauchte ein Riesenrad. Den Zeichen der Zeit entsprechend, wurde das Riesenrad bei eBay ersteigert. Aber wo sollte man drehen? Schließlich wählten die Filmemacher Imperial Beach in Kalifornien nahe der mexikanischen Grenze als Schauplatz.

Die Anwohner begrüßten die Filmemacher begeistert und ermutigten sie, auf ihrem Strand neben dem Pier zu bauen, wo ein Set zur Hälfte auf dem Strand und zur Hälfte im Meer errichtet werden konnte. "Imperial Beach wurde gewählt, weil die Gezeiten dort nicht zu extrem waren und die Wellen ganz in der Nähe brachen", fügt Location-Manager Bradley Bemis hinzu. "Die Stadt war den Filmemachern gegenüber aufgeschlossen, hatte einen guten Look und die besten Wellen. Also wählten wir I. B."

Die Filmemacher holten die eigentlichen Z-Boys hinzu, damit sie die Details absegneten und sicherstellten, dass jede verrostete Tonne, jeder kaputte Bürgersteig und jedes zerplatzte Stück Beschilderung damit konform ging, wie sie die Zeit in Erinnerung hatten, in der sie abenteuersuchende Outlaws waren.

"Ich glaube, in vielen Dingen ist es viel besser, als es war. Denn es ist so, wie die Leute glauben, dass es hätte sein sollen, was viel besser ist als die zähe Realität, in der wir abhingen", sagt Craig Stecyk, der den Z-Boys in legendären Fotografien und Artikeln ein Denkmal gesetzt hat. "Darin zu stehen, war unheimlich." "Es war, als hätte man die Zeit dreißig Jahre zurückgedreht", sagt Tony Alva. "Es war einfach unglaublich."

DER ORIGINAL-ZEPHYR-SHOP diente als zweites Wohnzimmer für die Dogtown Kids - der Mittelpunkt ihres sozialen Lebens. Der Laden verkaufte Surfboards und eine Reihe anderer Surf-Produkte, aber am Abend hieß er lokale Bands willkommen und war der Ort, an dem man sein mußste, wenn man sich vor allem für Surfen und Skaten interessierte. Wie man sich vorstellen kann, war der Shop in Venice so eklektisch wie seine Besitzer und Stammgäste.

"Wir fanden auch die richtige Location für den Zephyr-Shop in San Pedro", sagt Gorak. "Wir brauchten eine Straße, die ruhig genug war, dass wir sie schließen und darin filmen konnten. Sie mußste einen Häuserblock mit Läden haben, dem wir Fenster hinzufügen konnten, und Schilder, damit sie in unsere Story passten." DIE DOGBOWL-Location, ein großer, perfekter, nierenförmiger Pool, der das ultimative Skating-Erlebnis für die Kids bot, erwies sich als eine der am schwierigsten zu findende Locations.

Der Original-Schauplatz in Santa Monica/Pacific Palisades ist heute nichts weiter als ein Haufen Schutt. Am Ende wurde ein 15 Meter langer, sieben Meter breiter, zwei Meter tiefer Dogbowl künstlich bei einem Haus in Pasadena angelegt. "Wir fanden tatsächlich den Original-Pool, aber er war vor ein paar Jahren zerstört worden", sagt Bemis. "Wir mußsten Satellitenfotos von einem Hubschrauber aus machen, um alle Pools in der Gegend zu finden, die groß genug waren, so dass wir mit ihnen arbeiten konnten.

Wir fanden einen Guide, der wusste, wo sich alle Swimmingpools im L.A. County befinden. Es stellte sich heraus, dass es etwa 30.000 gibt. Dann fuhren wir zu einigen der Locations und klapperten die Häuser ab und klopften an die Türen, bis wir das Haus fanden, das wir benutzen konnten. Die Besitzer hatten einen Pool, den sie loswerden wollten. Wir erkannten, dass wir eine bestehende Wand nutzen konnten, und dass das Grundstück im Garten perfekt war. Also vergrößerten wir es und waren drei Monate lang dort. Danach zerstörten wir ihn."

"Sie waren revolutionäre Trendsetter... Snowboarden, Rollbord fahren, Skysurfen, selbst das heutige Surfen - es kommt alles daher, was Jay und Tony vor zwanzig Jahren angefangen haben. So viele Leute tun heutzutage so, als ob sie ,hardcore' wären, aber diese Typen mußsten es nicht nur so tun. Sie waren einfach so." - Kevin Thatcher, Herausgeber von "Thrasher", 1999

DOGTOWN BOYS wurde an 56 Tagen gänzlich an Originalschauplätzen in Südkalifornien gedreht. Und das waren für die ursprünglichen Mitglieder, die in den Film involviert waren, 56 Tages eines Weges - oder besser gesagt eines Weges auf dem Skateboard - entlang einer Erinnerungsschiene. "Ich kam ans Set für den ,Del Mar Wettbewerb'", sagt Stacy Peralta, "und da waren überall Hippies und Heuballen, und all die Kids sahen aus wie wir in den Siebzigern.

Es war wirklich eine sehr emotionale Angelegenheit, weil ich da nicht nur eine Zeit sehe, an die ich mich sehr lebendig erinnere, sondern eine Person sehe, die mein Leben spielt und das meiner besten Freunde. Ich weiß nicht einmal, wie ich es sinngemäß für mich umsetzen kann. Du wirst einfach von diesen Bildern überwältigt. Du weißt nicht, ob du dich in einem Traum befindest oder in der Realität. Es war eine sehr zweischneidige Erfahrung!"

Die Dreharbeiten trugen auch dazu bei, dass einige Freundschaften erneuert wurden, die vor Jahren auseinander gegangen waren, so wie die zwischen Stacy Peralta und Tony Alva. "Ich liebte Tony als Kind und hasste ihn aus denselben Gründen, für die ich ihn liebte", sagt Peralta. "Weil er so gut war. Heute können wir einander ansehen wie Erwachsene und einfach cool miteinander umgehen. Wir haben sehr viele Dinge untereinander geklärt. Man hat heute nichts mehr zu gewinnen oder zu verlieren."

Für Hardwicke war es eine einmalige Gelegenheit, mit diesen Skateboarder-Legenden zu arbeiten, und sie hofft, dass die Erfahrung für das Publikum so ansteckend ist, wie es für sie hinter der Kamera war. "Ich fühle mich geehrt, diesen Film inszeniert und mit diesen Jungs gearbeitet zu haben", ergänzt Catherine Hardwicke. "Hoffentlich wird dieser Film einer Ära wieder Leben einhauchen, die nicht nur für die Welt des Skateboardens immens wichtig war, sondern auch für die südkalifornische Geschichte und Kultur."

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