Die grosse Depression

Produktionsnotizen

Die Idee, einen Dokumentarfilm über Deutschlands schlechte Stimmung und das allseits verbreitete Jammern zu drehen, hatte Konstantin Faigle bereits im April 2003, "als sich abzeichnete, dass die Wirtschaftsflaute nicht aufhören würde und die Medien nur so überquollen vor Schreckensnachrichten.

Schon im Herbst des gleichen Jahres nahm das Projekt dann konkrete Züge an, was auch daran lag, dass der Regisseur von seiner bevorstehenden Vaterschaft erfuhr und nicht wollte, dass sein Kind in ein depressives Land hineingeboren wird. So war der persönliche Rahmen für seinen Film geboren, der das Projekt endgültig zu einer Herzensangelegenheit machte.

Etwa zur gleichen Zeit bekam Faigle außerdem das Gerd-Ruge-Stipendium bewilligt, was sich als Glücksfall für die Vorproduktion erwies, wie er erzählt: "Das Stipendium hat die Sache sehr erleichtert. Mit dem Geld konnte ich sozusagen die ganze Recherche, inklusive der Reisen im Vorfeld zu meinen potentiellen Interviewpartnern abdecken. Das ist ja bei Dokumentationen sonst nie der Fall. Da gab es bei mir also wirklich nix zu Jammern ..."

Zu diesem Zeitpunkt arbeitete Faigle bereits eng mit dem Produzenten Titus Kreyenberg und seiner Firma unafilm zusammen. Kennengelernt hatten die beiden sich an der Kunsthochschule für Medien in Köln - nicht zuletzt, weil reyenberg ein großer Fan von Faigles Film "Out of Edeka" war. Auch dem Produzenten war es ein Anliegen, einen Film über die Lage Deutschlands zu drehen, schließlich hatte er längere Zeit im Ausland gelebt und aus der Distanz seine Heimat noch mehr schätzen gelernt.

Also entwickelte man gemeinsam die Idee zu "Die große Depression" und arbeitete auch eng am Drehbuch zusammen. Vereinfacht wurde die Arbeit an dem Film zusätzlich durch die Kooperation mit der Redaktion des Kleinen Fernsehspiels vom ZDF, wie Kreyenberg berichtet. "Der Film wäre ohne die vorbehaltlose Unterstützung des Kleinen Fernsehspiels und dort durch Lucas Schmidt, Claudia Tronnier und Heike Hempel sowie durch die daraus bedingte, großzügige Förderung der Filmstiftung nicht zustande gekommen. Dank ihnen konnten wir den Film letztlich realisieren."

Auch Faigle war von der Zusammenarbeit mit dem ZDF höchst zufrieden, auch wenn er gelegentlich mal eine seiner Ideen wieder fallen lassen mußste : "Der Redakteur Lucas Schmidt hat mir viele Freiheiten bei dem Projekt gelassen. Doch er und Titus Kreyenberg waren auch genau im richtigen Moment da, um mich zu steuern. Gott sei Dank haben wir eine Szene zum 30-jährigen Krieg nicht gemacht, denn das hätte vermutlich einen Großteil des Budgets verschlungen. Aber sowohl der Produzent als auch der Redakteur haben mir die Freiheit gelassen, meinen Vogel auch auszuspinnen. Das war mir sehr wichtig."

Auch wenn Faigle relativ freie Hand gelassen wurde, nahm er den kreativen Input seines Produzenten natürlich gerne an. "Ich habe immer in engem Dialog mit dem Regisseur gestanden," erzählt Kreyenberg. "Wir haben sehr lange und sehr hart miteinander gerungen - im positiven Sinne! Es hat am Anfang, glaube ich, etwas gedauert, bis er wusste, dass wir beide dasselbe Ziel hatten: einen unterhaltsamen Film über Deutschland zu machen, der im Kino läuft und den die Menschen sehen wollen."

2004 begannen dann die eigentlichen Dreharbeiten, in zwei Blöcken. Zunächst wurde etwa zweieinhalb Wochen gedreht, später noch einmal drei Wochen. Insgesamt dauerte die dokumentarische Reise also gut sechs Wochen, unterbrochen von circa zwei Wochen Pause. Im Anschluss wurden schließlich noch die inszenierten Spielszenen gedreht, während andere Kleinigkeiten, wie etwa das Werbevideo für Dessau, bereits im Vorfeld fertig gestellt wurden.

Für den Dreh reisten Faigle und sein Team tatsächlich mit jenem Kleinbus durch Deutschland, der auch im Film zu sehen ist. Mit von der Partie waren der Kameramann, der Tontechniker, der Fahrer - der gleichzeitig auch als Fotograf und als Ludwig II-Double tätig war - sowie ein guter Freund Faigles, der die Funktion des Regieassistenten übernahm, bei der Recherche half und auch das Barbarossa-Lied für den Film komponierte.

Eine bestens eingespielte Truppe, wie Faigle bestätigt: "Jeder hat seine Aufgabe gehabt und das war auch sehr sinnvoll, denn der Drehplan war ganz schön straff - und so eine Kamera ist ganz schön teuer zu mieten." Parallel dazu gab es einen Aufnahmeleiter, der dem Team in der Regel zwei Tage voraus fuhr und sich um Locations, Drehgenehmigungen, Unterkunft und Komparsen kümmerte und auch in aller letzter Sekunde noch das schöne Ballett für Kaiser Barbarossa organisierte.

Kreyenberg ist immer noch beeindruckt, wie reibungslos der Dreh trotz des organisatorischen Aufwands abgelaufen ist. Die Reiseroute ergab sich nach Faigles Drehbuch und auf Grund der ausgewählten Interviewpartner letztlich wie von selbst. Zwar mußste man sich mit den Terminen gelegentlich nach den Experten richten, wie der Regisseur bestätigt, aber "alles hat dann doch irgendwie chronologisch geklappt, so dass wir überhaupt keine Schlenker fahren mußsten.

Das war wirklich Glück in Kombination mit einer guten Produktionsleitung. Und es gab trotzdem genug spannende Spontaninterviews während der Fahrt, z.B. mit dem ?Jesus von Bebra'. Und der konnte mehr erzählen als so mancher Intellektuelle. Produzent Kreyenberg war während der Dreharbeiten nicht vor Ort involviert.

"Das war eher ein Steuern aus der Ferne. Ich war zweimal bei den Dreharbeiten, die ja in ganz Deutschland stattfanden, und dachte mir, ich lasse die eingeschworene Gemeinschaft besser alleine reisen. Allerdings habe ich Muster gesehen. Aber bei 90 Stunden Material sicherlich nicht alles!" Aus soviel Rohmaterial schließlich den fertigen Film zu schneiden, fiel Faigle letztlich leichter als erwartet.

"Das Schneiden ging eigentlich zunächst recht flott, da wir uns an mein Doku-Drehbuch gehalten haben und dann die Sache umstellten, sobald etwas nicht funktioniert hat. Schwierig wurde es dann nur kurz im Endstadium, beim Kürzen und Schrauben an der Dramaturgie." Aber die Möglichkeit, nicht verwendete Szenen - etwa einen Besuch beim Versicherungsvertreter zwecks einer Rentenvorsorge - vielleicht später einmal auf DVD zu veröffentlichen, hat er natürlich längst ins Auge gefasst.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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