Red Eye

Produktionsnotizen

Regisseur Wes Craven - bestens bekannt durch Horrorklassiker wie "Nightmare - Tödliche Träume" und "Scream" - hat mit seinem neuen Thriller "Red Eye" eine subtilere Methode gewählt, um die Zuschauer so in Spannung zu versetzen, dass sie ungeduldig auf ihren Kinosesseln hin- und herrutschen werden. "Das hier ist kein Horrorfilm. Es ist ein psychologischer Thriller", betont er.

"Niemand wird von einem Psychopathen mit einem Fleischermesser in der Hand gejagt. Es trägt auch keiner eine Maske, und wenn, dann höchstens in dem Sinne, dass jemand nicht der ist, für den er sich anfangs ausgibt." Craven grinst: "Schließlich kann man nie wissen, wer im Flugzeug neben einem sitzt."

Fast jeder kennt dieses Schlüsselerlebnis, das die Fantasie von Drehbuchautor Carl Ellsworth anregte: "In Flugzeugen gibt es die unterschiedlichsten Menschen. Wenn man da so sitzt und sich die Leute ansieht, die gerade den Gang entlangkommen, dachte doch jeder schon mal? Was für ein Typ ist der denn?' oder ?Oh, nein, ich will nicht, dass der sich neben mich setzt.' Daraus entstand schließlich die Idee für diese Geschichte."

Ellsworth ließ sich darüber hinaus sehr von dem Film "Nicht auflegen" inspirieren, dessen Protagonist fast die ganze Zeit in einer Telefonzelle in der Falle sitzt: "Man könnte diesen Film als einen klaustrophobischen Thriller bezeichnen, in dem ein Scharfschütze einen Mann in der Telefonzelle bedroht und ihn als Geisel festhält."

Ellsworth stellt allerdings fest: "Die räumliche Trennung zwischen dem Good Guy und dem Bad Guy war in diesem Film jedoch ziemlich groß. Ich wollte diese Distanz unbedingt verringern und fragte mich: Wäre es nicht möglich, dass Protagonist und Antagonist Seite an Seite in der Falle sitzen? Kann man Spannung und Action trotzdem garantieren? Mit ?Red Eye' kann diese Frage ganz entschieden bejaht werden. Die Spannung entsteht für mich aus der überzeugenden Konversation zwischen Lisa und Jackson.

Eine Konversation, die ganz harmlos beginnt und plötzlich immer unheimlicher wird. Ich hoffe, ich kann das Publikum auf diesen Trip mitnehmen. Es ist ein ganz anderer Trip, der nur durch die Worte zwischen den beiden entsteht. Aber es bleibt ein Trip." "dass dieser Trip größtenteils in der Abgeschlossenheit eines Flugzeugs in 10.000 Meter stattfindet, trägt zur Spannung bei", so der ausführende Produzent Mason Novick.

"Wer in einem Flugzeug sitzt, kann nirgendwo anders hin. Wir mußsten uns kein Szenario ausdenken, warum die Türen verschlossen sind oder warum man nicht hinaus kann. Lisa ist in ihrem Sitz von wenigen Quadratzentimetern eine Gefangene neben diesem Typen, der ihr mit einem schrecklichen Plan droht, und sie kann nirgendwo anders hin. Das macht es sehr klaustrophobisch und provokativ."

Ellsworth betont, dass er einen Weg finden mußste, Lisa und Jackson in einer Art Vakuum zu halten, auch wenn sie von 150 Mitreisenden umgeben sind. "Man könnte meinen, Lisa würde in diesem Flugzug voller Menschen einen Weg aus diesem Alptraum finden, doch Jackson hat vorgesorgt. Also selbst wenn sie theoretisch nach Hilfe schreien könnte, wird sie es nicht tun."

Ellsworths Drehbuch fiel in die Hände der Produzentin Marianne Maddalena, einer langjährigen Kollegin von Regisseur Wes Craven. "Ich habe es gelesen und fand es großartig", sagt sie. "Es war genau das, wonach ich lange gesucht habe: Ein delikater und spannender Thriller. Aber Wes war zu diesem Zeitpunkt noch völlig erschöpft.

Wir hatten gerade ?Verflucht' abgedreht, und er steckte gleichzeitig mitten in seinen Hochzeitsvorbereitungen. Er war überlastet, und als ich ihm von ?Red Eye' erzählte, sagte er nur: ?Ich kann nicht. Ich habe zu viel zu tun.' Ich erwiderte: ?Lies es einfach. Du wirst es lieben.' Und genau wie ich es ahnte, las er es und liebte es." Craven bestätigt: "Das Drehbuch reizt mich immer am meisten, wenn ich ein neues Projekt beginne, und schon als ich das erste Mal das Drehbuch zu ?Red Eye' las, war ich sofort gefesselt.

Ich konnte nicht aufhören und mußste einfach wissen, was als Nächstes passiert. Wissen Sie, ein Regisseur ist hilflos, wenn er kein gutes Skript hat. Doch das von Carl Ellsworth war bemerkenswert gut konstruiert und sehr originell. Ich hatte das Gefühl, eine großartige Gelegenheit würde sich für mich ergeben, um mein Können mal mit etwas anderem als einem Horrorfilm unter Beweis zu stellen. Gleichzeitig hat die Story alle Spannungselemente und Überraschungseffekte, mit denen ich Leute überaus gern an ihre Sitze fessele."

"Es war ein großer Tag für uns, als wir den Anruf bekamen, dass Wes Craven am Drehbuch interessiert sei", erinnert sich Novick. "Jeder war aufgeregt und sagte: ?Dieser Kerl ist eine Legende.' Viele von uns sind mit seinen Filmen groß geworden, und als wir hörten, er würde den Film machen, war klar, dass jeder von uns alles daransetzen würde, damit das auch wirklich passiert. Ab diesem Zeitpunkt ging schließlich alles glatt."

Ellsworth, für den "Red Eye" der erste Kinofilm ist, betrachtet die Arbeit unter Craven im Nachhinein als "ein Privileg, als ein Traum, der wahr geworden ist. Wes brachte vieles ins Drehbuch ein, was den Schockfaktor noch erhöhte. Für mich ist er ein wahrer Meister." Maddalena fügt hinzu, dass Craven die Gabe besitzt, Leuten Angst einzujagen.

Doch "Red Eye" demonstriert ihrer Ansicht nach noch eine weitere Stärke des Regisseurs: "Es war der perfekte Stoff für Wes, wenn man bedenkt, dass die meisten seiner Filme mit einer Titelfigur auskommen. Da gibt es Freddy Krüger, aber auch die Geistergestalt aus ?Scream'. Doch im Grunde genommen geht es immer um junge Leute, die in furchtbare Situationen geraten und die Kraft aufbringen müssen, gegen alles, was kommt, anzukämpfen.

Er ist ein wunderbarer Regisseur für Schauspieler, und ?Red Eye' war für ihn wiederum eine gute Chance, mit großartigen Darstellern zu arbeiten, die in einer dramatischen Situation stecken. Zum großen Teil erlebt man die beiden Hauptfiguren nur im Flugzeug, und für Wes war es eine Freude, sich ganz auf diese Performance konzentrieren zu können."

Bordkarten "Die Geschichte von ?Red Eye' baut vollkommen auf die beiden Hauptcharaktere auf", bemerkt Craven. "Lisa ist eine junge Geschäftsfrau, die ihren Job scheinbar unter Kontrolle hat. Doch Stück für Stück enthüllt sich, dass sie ein schreckliches Geheimnis verbirgt, wodurch sie besonders anfällig ist für das, was ihr im Flugzeug widerfährt.

Sie kann sich sehr gut verstecken, doch Jackson, der Mann neben ihr, ist ein scharfsinniger Menschenkenner. Jackson ist eine sehr interessante Figur, denn alles in ihm ist verblüht und abgestorben. Wenn man ihm einen Job gibt, führt er ihn ohne moralische Bedenken aus. Er selbst hält sich für besonders ehrlich, aber er legt es anders aus. Man mußs es vielleicht nicht mögen, aber für ihn ist es eben so."

Rachel McAdams, eine junge Schauspielerin, die schnell die Karriereleiter erklommen hat, spielt die Rolle der Lisa Reisert. Sie erzählt, dass es das enge Zusammenspiel zwischen Lisa und Jackson war, was sie an diesem Projekt sofort reizte. "Das psychologische Zusammenspiel der beiden auf so engem Raum hat mich beim Lesen des Drehbuchs am meisten fasziniert. Ich empfand es als eine unglaubliche schauspielerische Herausforderung, als Geisel auf einer Stelle sitzen zu müssen, ohne dass jemand mitbekommt, was vor sich geht.

Die Situation ist ziemlich erschreckend: Nicht nur das Leben ihres Vaters steht auf dem Spiel, sondern auch ihr eigenes, und wenn sie Jackson bei der Ausführung seines Plans hilft, macht sie sich des Mordes ebenso schuldig wie er. Sie mußs dieses unbegreifliche Szenario überdenken und einen Weg finden, die Menschen, die sie liebt, und sich selbst zu retten."

McAdams merkt an, dass Lisa, wenn sie uns zum ersten Mal vorgestellt wird, nur ihre Arbeit im Kopf hat: "Sie konzentriert sich ausschließlich auf eine Sache in ihrem Leben, nämlich auf ihren Job. In der Welt des Hotels agiert sie als Krisenmanagerin, die sehr einfallsreich ist. Lisa ist es gewohnt, unterschiedlichste Probleme zu lösen. Nur in ihrem Privatleben ist sie ein wenig verschlossen und misstrauisch.

Sie findet zu anderen nur schwer Vertrauen und versucht, den Tod ihrer Großmutter, die ihr ein Vorbild war, zu überwinden. Es gibt noch andere Probleme aus ihrer Vergangenheit, mit denen sie fertig werden mußs. Ich glaube, sie hat sich von der Welt ein wenig abgekapselt, persönliche Freundschaften vernachlässigt und selbst ihren Vater beiseite geschoben. Die Arbeit ist zu ihrem Leben geworden."

McAdams fügt hinzu: "Ihre Wandlung war sehr interessant für mich. Anfangs ist Lisa eine ganz andere als zum Schluss des Films, und den Weg von dem einen zu dem anderen Punkt empfand ich als ziemlich packend." Maddalena verrät, dass McAdams die einzige Schauspielerin war, die sich die Filmemacher für die Rolle der Lisa angesehen hatten: "Sie hat wunderbare Qualitäten, ist äußerst schön und gleichzeitig sehr aufrichtig."

Craven bestätigt: "Ich habe Rachel in ?Wie ein einziger Tag' und ?Girls Club - Vorsicht bissig' gesehen und wusste sofort, dass sie eine Schauspielerin mit einer enormen Begabung und einem außergewöhnlichen Charisma ist. Nicht zu vergessen: Ihre bezaubernde Schönheit. Mit ihr zu arbeiten war einfach großartig. Sie war immer vorbereitet und fähig, die tiefen und starken Emotionen ihrer sehr komplexen Figur schnell zu transportieren.

In dem Moment, wenn sie die Leinwand betritt, sind alle Augen auf sie gerichtet. Rachel ist gleichzeitig amüsant, verletzlich und smart. Sie besitzt diese Mischung aus Schönheit, Klugheit und Talent, was doch ziemlich bemerkenswert ist." An der Seite von Rachel McAdams spielt der irische Schauspieler Cillian Murphy. Mit einem tadellosen amerikanischen Akzent spielt er einen Geheimagenten, der in einen Mordkomplott verstrickt ist und auf den unglücklichen Namen Jackson Rippner hört.

"Dieser Name weckt automatisch Assoziationen, auch wenn ich meine Figur weder als Good Guy noch als Bad Guy sehe", meint Murphy. "Er ist ein Profi, der für seinen Job bezahlt wird. Doch die Umstände ändern sich, und wir merken, dass sich die Situation immer weiter seiner Kontrolle entzieht. Ich neige dazu, mich von Charakteren in extremen Situationen anziehen zu lassen, besonders wenn dabei das Ausmaß des Dramas zunimmt. Dies ist definitiv eine dieser Rollen.

Das Drehbuch ist für einen Schauspieler perfekt, fast wie ein Kammerspiel, das sich größtenteils auf zwei Sitze in einem Flugzeug konzentriert. Das hat mich sofort begeistert." Interessanterweise spielten Flugzeuge bei der außergewöhnlichen Suche nach der richtigen Besetzung für diese Figur eine große Rolle. Zwei Tage vor seiner Hochzeit flog Murphy von London nach Los Angeles, um mit Wes Craven und Marianne Maddalena über seine Rolle zu reden.

Passenderweise las er das Drehbuch im Flugzeug, und auch das Treffen fand am Flughafen statt, nämlich im Restaurant Encounter, dem stets wieder erkennbaren Wahrzeichen in der Mitte des Flughafens von Los Angeles (LAX). Maddalena erzählt: "Seine zukünftige Frau war sehr besorgt, dass er nicht rechtzeitig zur Hochzeit zurückkäme, aber es hat alles wunderbar geklappt. Wir haben uns etwa eine halbe Stunde unterhalten, dann flog er zurück nach London und heiratete zwei Tage später.

Er war der erste und einzige Schauspieler, den wir uns für die Rolle angesehen haben. Wir wussten sofort, er ist der Richtige, denn er war fantastisch." Auch Wes Craven war stark beeindruckt: "Cillian hat einen ungeheuren Enthusiasmus. Er ist klug, humorvoll, und er hat diese unglaublichen blauen Augen.

Ich spürte seine Intelligenz und seine Intensität, und es war ziemlich offensichtlich, wie sehr er Gefallen an dieser Rolle gefunden hatte. Ich meine, wenn jemand 8.000 Kilometer nur für ein Vorsprechen auf sich nimmt, weiß man, dass er diese Rolle wirklich will." Murphy begründet sein Engagement damit, dass er endlich die Möglichkeit bekommen hatte, mit Wes Craven zu arbeiten: "Das Drehbuch war sehr aussagekräftig, und wenn man jemanden wie Wes Craven hat, befindet man sich in guten Händen.

Er versteht es hervorragend die Sprache des Films zu transportieren, besonders wenn es darum geht, Spannung aufzubauen. Ich habe mich ganz auf sein Urteil verlassen, vor allem bei der Charakterisierung von Jackson. Wir mußsten wirklich vorsichtig sein, nicht zu schnell zu viel zu verraten. Am Anfang des Films wirkt er charmant und offen. Die Herausforderung bestand darin, die Wandlung zu vollziehen, ohne die Aufmerksamkeit von 150 weiteren Passagieren auf sich zu ziehen. Wes versteht es, dafür die Kraft eines einzigen Blickes zu nutzen."

Rachel McAdams stimmt dem zu: "Wenn alles für lange Zeit von zwei Leuten auf so engem Raum abhängig ist, mußs das Drama wirklich vorangetrieben werden. Wes findet diese Momente: Ein Blick hier, ein anderer dort. Als Schauspieler merkt man nicht unbedingt, wie dadurch die Spannung gesteigert werden kann. Aber wenn man Wes kennen lernt, erlebt man, wie sich die Räder drehen und er all diese Blicke nutzt, um eine Szene noch intensiver zu gestalten."

Trotz der widerspenstigen Beziehung zwischen Jackson und Lisa, die "Red Eye" über weite Strecken zu einem Zwei-Personen-Drama macht, wollte Craven von seinen beiden Hauptfiguren etwas haben, dass er als die "komplexe Chemie" bezeichnet: "Jackson mußs Lisa in wenigen kurzen Szenen für sich gewinnen. Er ist charmant, kümmert sich um sie, zeigt Verständnis und gibt ironische Kommentare von sich. Ja, er scheint ein ganz toller Typ zu sein.

Dann gibt er den Blick auf den Teil frei, den er bei dieser schrecklichen Verschwörung wirklich spielt. Dabei macht er Lisa zur zentralen Figur." Rachel McAdams weist auf Parallelen zwischen dem Schauspieler Cillian Murphy und seiner Rolle hin: "Auf den ersten Blick würde man nicht glauben, dass Cillian einen guten Jackson abgeben könnte. Er ist so nett, herzlich und entgegenkommend. Doch sobald die Kamera läuft, schaltet er um.

Cillian spielte seine Rolle sehr intensiv und konzentriert, was einerseits sehr erfrischend war, andererseits aber auch ein bisschen beängstigend", lächelt sie. "Es war eine großartige Erfahrung, mit ihm zu arbeiten." Murphy lobt seinen Ko-Star ebenso: "Rachel ist die süßeste und großzügigste Schauspielerin, mit der ich je zu tun hatte. Ich glaube, sie ist die perfekte Besetzung für Lisa. Ganz offensichtlich ist sie doch sehr talentiert, und dabei auch noch unglaublich schön.

Noch wichtiger ist jedoch, dass sich der Zuschauer sofort mit ihr verbunden fühlt. Es ist notwendig, dass sich die Leute in Lisas Situation hineinversetzen können. Denn es ist ihre Reise, die man mit ihr zusammen überstehen mußs. Sie durchgeht im Film verschiedene Emotionen, die Tonleiter einmal rauf und wieder runter. Rachel war dabei einfach phänomenal, sie kann alles."

Bei dem Willenskampf zwischen Lisa und Jackson geht es für zwei Menschen am Boden, die keinen Schimmer haben, welches Drama sich gerade über den Wolken abspielt, um Leben und Tod. Weigert sich Lisa zu kooperieren, bringt sie das Leben ihres Vaters in Gefahr. Wenn sie alles macht, was Jackson von ihr verlangt, ermöglicht sie den Mord an einem anderen Mann. Schauspielveteran Brian Cox übernahm den Part von Lisas Vater, Joe Reisert.

Craven sagt dazu: "Das hätte einer dieser undankbaren Rollen sein können, wo man ihn die ganze Zeit nur am Telefon sieht. Aber ich habe diese Szenen so choreographiert, dass man das Gefühl hat, die beiden bewegen sich miteinander. Er ist eine Art Spiegel von Lisa, und man bekommt eine Ahnung, woher diese junge Frau ihre Stärke und ihren Elan hat. Ich habe Brian Cox' Arbeit gesehen und wusste genau, wer er ist, und was er kann. Brian ist ein Schauspieler von großer Tiefe, der fähig war, seiner Figur Bedeutung und Substanz zu geben."

"Mein Charakter funktioniert wie in einem Hitchcock-Film, weil er sich der Gefahr, die auf ihn lauert, gar nicht bewusst ist", erzählt Cox. "Er vermutet wahrscheinlich, dass mit seiner Tochter irgendetwas vor sich geht, weil er am Telefon den Kontakt zu ihr verliert. Aber er kann der Sache nicht auf den Grund gehen. Diese Rolle weicht völlig von denen ab, die ich zuvor gespielt habe.

Doch darauf kam es nicht an, denn mein Hauptmotiv war es, mit Wes Craven zusammenzuarbeiten. Unter einem Regisseur seines Kalibers kann man nur das Beste aus sich herausholen. Er versteht sein Handwerk, und sobald man Wes am Set erlebt, wird einem klar, warum er auf seinem Gebiet wie eine Legende verehrt wird. Es war auf jeden Fall ein großes Vergnügen für mich."

Joe Reisert kann nicht verstehen, wie er zur Schachfigur in einem Komplott werden konnte, bei dem es um die Ermordung eines mächtigen Mannes geht: Charles Keefe, dem Deputy Director of Homeland Security. Jack Scalia verkörpert diesen Keefe und meint: "Er ist eine ziemlich wichtige und einflussreiche Person, doch seine Macht scheint sich nicht auf Geld und Politik zu beschränken. Die Zahl der Sicherheitsleute um ihn herum lässt vermuten, dass er sich durchaus darüber bewusst ist, eine Zielscheibe zu sein.

Jedoch kann er nicht ahnen, dass er und seine Familie durch bestimmte Umstände in eine gefährliche Situation geraten sind." Keefes Sicherheitschef wird übrigens von Colby Donaldson dargestellt, der in den USA durch die Fernsehserie "Survivor" bekannt wurde. Als Lisa auf Jacksons Bedingungen eingeht, um das Leben ihres Vaters zu schützen, macht sie ihre junge Assistentin Cynthia zur unwissenden Teilnehmerin der Verschwörung.

Jayma Mays, die als Cynthia ihr Kinodebüt gibt, erklärt: "Während Lisa fort ist, durchlebt Cynthia eine ziemlich schlimme Nacht im Hotel. Sie ist nicht dumm, doch sie hat Schwierigkeiten, die Kontrolle zu behalten, besonders wenn alles nicht so läuft wie es sollte. Aber sie gibt nicht auf und versucht, alles wieder in Ordnung zu bringen, und am Ende ist sie wohl selbst von sich überrascht."

Craven meint, dass die Rolle der Cynthia für Mays wie geschaffen war: "Der Charakter der Person, die das Hotel in Lisas Abwesenheit managt, war anfangs nur grob skizziert. Wir waren uns nicht sicher, wie man sie spielen könnte. Dann kam Jayma zum Vorsprechen. Sie versprühte diese Energie, eine gewisse Unschuld umgab sie, sodass man sie am liebsten in den Arm genommen hätte. Sie war so bodenständig, so echt - wie ein frischer Luftzug.

Also haben wir Jayma als Cynthia besetzt. Am Ende wird Cynthia durch Lisas Abwesenheit zur Schlüsselfigur. Natürlich bricht die Hölle los, und Cynthia ist mittendrin. Sie wirkt oftmals ziemlich komisch, wächst aber über sich hinaus und demonstriert schließlich ihre ganz eigene Art von Wagemut und Schneid."

Flugdaten Die Dreharbeiten zu "Red Eye" begannen am Ontario International Airport, etwa 60 Meilen östlich von Los Angeles entfernt. Produktionsdesigner Bruce Alan Miller und sein Team ließen den Hauptteil des Terminals so aussehen wie den des Dallas International Airports. Unter den derzeitigen Sicherheitsbedingungen an Flughäfen war es fast unmöglich, überhaupt einen großen Flughafen zu finden, der ein Produktionsteam für längere Zeit beherbergen konnte.

Miller erläutert: "An den meisten Flughäfen konnten wir nicht hinter den Sicherheits-Checkpoints drehen, was für die Logistik mit einer so großen Crew zu kompliziert geworden wäre. Nur Ontario gewährte uns den Zutritt, den wir zum Filmen brauchten." Neben Ontario konnten einige Szenen auch am Tom Bradle-Terminal auf dem Los Angeles International Airport gedreht werden. Das Produktionsteam reiste anschließend weiter nach Miami, wo auf dem Miami International Airport die Verfolgungsjagd, der Höhepunkt des Films, inszeniert wurde.

Ein schönes altes Haus in der Nähe vom Hancock Park in Los Angeles diente als Residenz von Joe Reisert, wo sich Jackson und Lisa ein nervenzerreißendes Katz-und-Maus-Spiel liefern. Das Hotelzimmer von Charles Keefes, das dank des Special Effects-Supervisors Ron Bolanowski und seinem Team eine extreme Veränderung durchläuft, wurde auf einer Bühne der Raleigh Studios in Los Angeles nachgebaut.

Eine andere Bühne der Raleigh Studios wurde zum Flugzeug-Innenraum des Fresh Air Flights 1019 von Dallas nach Miami, wo sich in dem engen Viertel der Touristenklasse das eigentliche Drama von "Red Eye" abspielt. Die Platzeinschränkung an Bord eines Flugzeuges machte es unmöglich, in einem echten zu drehen. Also baute Miller mit seinem Team ein geliehenes Flugzeug so um, dass es den Besonderheiten einer Boing 767 genügte.

"Wir haben uns verschiedene Flugzeugtypen nach Sitzaufbau und Rumpfgröße angesehen und uns auf die Sitzanreihung 2-3-2, wie man sie in einer 767 vorfindet, geeinigt. Da leider keine Boing 767 für die Dreharbeiten ausgeliehen werden konnte, fügten wir Teile verschiedener Flugzeuge zusammen. Gepäckfächer, Beleuchtung, Sitze und Küche wurden so gestaltet, damit alles wie in einer 767 aussieht."

Der Nachbau des Flugzeuges konnte auseinander genommen werden, um das Filmen zu erleichtern. Wes Craven und sein Kameramann Robert Yeoman nutzten verschiedene Kamerawinkel, um das Gefühl für Lisas aussichtslose Situation zu intensivieren. Dazu Craven: "Über dem Flugzeug haben wir einen Kran installiert, so dass Dachteile herausgezogen werden konnten, um die Kamera im Sturzflug durch die Gänge zu jagen und über die Köpfe der Passagiere hoch und runter zu bewegen.

Um Übergänge zu schaffen, nutzten wir gelegentlich ausgiebigere Kamerafahrten. Überwiegend konzentrierten wir uns allerdings auf die beiden Sitze, was sehr zur klaustrophobischen Stimmung beitrug. Man spürt die erdrückende Enge durch diesen Mann, der am Gang sitzt und die junge Frau sowohl psychisch als auch physisch einzwängt."

Der ausführende Produzent Mason Novick fügt hinzu: "Es gab mehrere Änderungen, die sich durch den Dreh in einem Flugzeug ergaben. Schon während eines Flugs von vier Stunden kommt ein klaustrophobisches Gefühl auf. Sie können sich also vorstellen, wie es sich nach sechs Wochen in dieser Enge anfühlt. Zu einem anderen Problem führte die Tatsache, dass es in einem Flugzeug kein Kommen und Gehen gibt.

Neben den Hauptdarstellern mußsten wir 80 Komparsen anstellen, die tagein, tagaus mit den gleichen Kleidern in den gleichen Sitzen ausharren mußsten." "So haben wir uns alle sehr gut kennen gelernt", bestätigt Craven. "Enge Freundschaften bildeten sich, in einer der Sektionen kam eine Pokerrunde zusammen, und dann gab es da noch dieses Pärchen, das während der Dreharbeiten seinen 25. Hochzeitstag feierte. Es wurde also sehr familiär."

Im Gegensatz zu seinen ominösen Filmen genießt Wes Craven den Ruf, am Set für eine leichte und lustige Atmosphäre zu sorgen. Produzentin Marianne Maddalena meint dazu: "Uns wird immer wieder gesagt, wie viel Spaß man an unseren Sets hat. Ich glaube, das liegt daran, weil Wes alle gleich behandelt. Es wird weder geschrien noch geschimpft, also mögen ihn die Leute und wollen schon deshalb ihr Bestes geben. Nach unserer Philosophie verbringt man während eines Films mehr Zeit am Set als Zuhause. Deshalb sollte sich jeder wohl fühlen."

Das Wort Spaß kam Schauspielern und Crewmitgliedern allerdings nicht gerade in den Sinn, als sie die von Bolanowski und seinem Special Effects-Team sehr realistisch wirkenden Turbulenzen mitbekamen. Um das Flugzeug mit allen Passagieren durchzuschütteln, wurde eine hydraulische Plattform von knapp 36,7 Metern Länge und 8,4 Metern Breite gebaut. Darauf stand die nachempfundene Boeing 767, die wiederum auf einem Polster mit 50 speziell angefertigten Airbags lagerte, von denen jedes etwa 3,6 Kilo heben konnte.

Bolanowski erklärt: "Durch das Ein- und Ablassen der Luft in den Airbags konnten wir die Plattform heben und senken. Außerdem hatten wir hydraulische Rammböcke, die mit den Seiten der Plattform verbunden waren, um Turbulenzen zu simulieren." "Jedes Mal, wenn ich Turbulenzen wollte, konnte das Set bewegt werden, von einem leichten Stoß bis hin zu einer wilden Achterbahnfahrt. Es war eine großartige Kombination aus Produktionsdesign und mechanischem Entwürfen", stellt Craven fest.

Die simulierten Turbulenzen hatten auf die Schauspieler den gewünschten Effekt. "Sie haben mit der Hydraulik unglaublich gute Arbeit geleistet, auch wenn es manchmal ganz schön holprig wurde", erinnert sich Rachel McAdams. "Alles bewegte sich, und wir wurden heftig durchgeschüttelt. Bisweilen fühlte es sich so echt an, dass einem wirklich gleich übel werden konnte. Aber das war gut so, denn es half, sich in die Rolle hineinzuversetzen und die Angst und den Terror der Situation nachzuempfinden."

Cillian Murphy meint, der Terror in "Red Eyes" wurde durch die Tatsache verstärkt, dass es um Ängste gehe, die viele von uns kennen: "Flugangst ist weit verbreitet, besonders in der allgemeinen Stimmungslage, in der wir uns heutzutage befinden. Die meisten Leute hassen es, im Flugzeug neben einem Fremden zu sitzen. Ich denke, der Film spielt genau mit diesen Sorgen und Ängsten. Und wenn man sich unter die Fittiche eines Regisseurs wie Wes Craven begibt, ist klar, dass man etwas Gruseliges bekommt."

Der Regisseur, der schon vielen Menschen eine Gänsehaut einjagte, meint dazu: "Ich habe das Gefühl, dass die Leute nicht ins Kino gehen, um in Angst versetzt zu werden. Vielmehr wollen sie die Ängste, die sie selbst in sich tragen, in eine Geschichte eingebettet sehen, die ihnen einen Umgang damit anbietet oder gar eine Lösung. Ein guter Horrorfilm nimmt ihnen sogar einen Teil ihrer Angst.

Der Kinozuschauer mag zwar zeitweise Angst empfinden, aber im Hinterkopf weiß er genau, dass er sich in Sicherheit befindet und von Leuten umgeben ist, die gerade das Gleiche durchmachen. So gesehen entsteht sogar ein Gemeinschaftsgefühl. "Red Eye" nimmt all diese tief sitzenden Ängste über Reisen, fremde Menschen und diese Dinge und verpackt sie in eine Geschichte mit einer Lösung und einem Ende, mit dem alle leben können."

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