Das Comeback

Produktionsnotizen

"In der gesamten Historie des Boxens wird sich keine Geschichte finden, die sich mit dem Leben von James J. Braddock vergleichen lässt." - Damon Runyan

Inmitten der Großen Depression - Amerika befand sich im eisernen Griff eines katastrophalen wirtschaftlichen Niedergangs, der das Land beinahe in die Knie gezwungen hatte - erhebt sich ein Held, mit dem niemand gerechnet hatte, und gibt den Massen neue Hoffnung. Ganz einfach, indem er beweist, wie hart ein Mann kämpfen kann, um eine zweite Chance für sich und seine Familie zu erhalten.

Dieser Held aus dem Volk war James J. Braddock, von der Presse "Cinderella Man" getauft, der als eine der überraschendsten und inspirierendsten Sportlegenden in die Geschichtsbücher einging. In den frühen 30er-Jahren war der verarmte Ex-Preisboxer tief gefallen, geschunden und glücklos - wie ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung. Wie so viele andere war Braddock am Boden zerstört. Seine Kariere schien am Ende, er konnte seine Rechnungen nicht mehr bezahlen.

Das Einzige, was ihm wichtig war - seine Familie - war bedroht. Er mußste sogar die Demütigung auf sich nehmen, Sozialhilfe in Anspruch zu nehmen. Aber tief im Inneren hatte sich Braddock seine Entschlossenheit, seinen Willen bewahrt. Angetrieben von seiner Liebe, Ehre und einer unglaublichen Menge Mumm ließ er einen erstaunlichen Traum wahr werden. In einem letzten verzweifelten Versuch, seiner Familie aus der Misere zu helfen, kehrte Braddock in den Ring zurück.

Niemand dachte, dass er auch nur den Hauch einer Chance hatte. Kampf um Kampf wurde nur darüber gesprochen, dass der arme Jim Braddock seinen Gegnern hoffnungslos unterlegen war, dass er ein sinnloses Risiko eingehe. Es gab nur einen Schönheitsfehler in dieser Gleichung: Offenkundig motiviert von etwas, das weitaus stärker war als der bloße Wille zum Wettstreit mit einem Gegner, hörte Braddock einfach nicht auf, seine Boxkämpfe zu gewinnen.

Auf einen Schlag wurde aus dem simplen Mann aus der Arbeiterklasse, der keinen Job finden konnte, ein mythischer Athlet, der ganz einfach nicht mehr verlieren konnte. Mit all den Hoffnungen und Sehnsüchten der vom Amerikanischen Traum Enttäuschten auf seinen Schultern lastend, kämpfte sich Braddock durch die Ränge.

Bis sich der Underdog, allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz, dazu durchrang, um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht zu kämpfen - gegen die unaufhaltsame Kampfmaschine Max Baer, der vor allem eine Referenz vorzuweisen hatte: Er hatte bereits zwei Männer im Ring totgeprügelt. Für DAS COMEBACK versammelte sich ein Team von OscarÒ-Gewinnern: Produzent BRIAN GRAZER, Regisseur RON HOWARD, Autor AKIVA GOLDSMAN und die Darsteller RUSSELL CROWE und RENEE ZELLWEGER.

Gemeinsam erzählen sie die ultimative amerikanische Geschichte eines Mannes, der mehr als ein großartiger Boxer vor allem ein großartiger Mann war, der sich seinen Weg aus Düsternis und unentwegten Niederlagen boxte und auf seinem Weg unsterblich wurde.

Über die Produktion "Die Geschichte von Jim Braddock bewegt auch heute noch so sehr, weil es eine Ballade ist, die uns daran erinnert, wie bemerkenswert das menschliche Belastungsvermögen und die Macht der Liebe sein können. DAS COMEBACK ist eine wahrhaft amerikanische Geschichte darüber, wie man auch mit den unerträglichsten Momenten fertig wird, sich den täglichen Härten des Lebens stellt und unentwegt einem selbst gesetzten Ziel - das kann ein so simples Ziel sein, wie seiner Familie Essen auf den Tisch zu stellen - entgegen strebt, egal was dabei herauskommen mag. Diese Art von Geschichte, diese Art von filmischer Reise hat mich als Filmemacher schon immer fasziniert." - Ron Howard Die Aschenputtel-Geschichte des James Braddock: Ein kurzer historischer Einblick in das Leben und die Zeit, die zu einer bleibenden Legende führten Die Jazz-Ära der 20er-Jahre war ein goldenes Zeitalter für Amerika. Die Nation feierte im Zuge der erfolgreichen Beendigung des Ersten Weltkriegs den Frieden und den boomenden Wohlstand. Es war auch ein goldenes Zeitalter für das Boxen, den zwar brutalen und doch so wunderschönen ballettartigen Sport, der die Öffentlichkeit mit seinem rohen, ursprünglichen Ringen um Transzendenz in seinen Bann schlug: In der Schmelztiegel-Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts war es für die verschiedenen Immigranten-Gruppierungen eine Frage des Stolzes, wenn ihre "Söhne" boxten.

Gemeinden mit starken Wurzeln in der Alten Welt fanden einen Fokus, einen Ausdruck für ihre Herkunft, wenn ein Boxer in den Ring stieg und ihre nationalen Farben oder Symbole trug. In dieser Zeit entschied sich James J. Braddock, ein Amateur aus New Jersey, der für seine gewaltige Rechte bekannt war, professioneller Boxer zu werden. Wie viele Kids aus der Arbeiterklasse sah auch er das Boxen als Gelegenheit, seinen sozialen Status zu verbessern und ein anständiges Leben führen zu können.

Boxen war das Einzige, was er jemals konnte, worin er gut war - und eine Zeit lang war er sehr, sehr gut. In den frühen Jahren zeigte Braddock Potenzial. Wegen seiner unbeirrbaren Hartnäckigkeit, die ihn auch bei Kämpfen gegen deutlich größere Boxer die Oberhand behalten ließ, taufte man ihn "the Bulldog of Bergen". Doch nachdem er sich irreparable Schäden an seiner schwer gebrochenen rechten Hand zuzog, ging es mit seiner Karriere langsam bergab.

1929 mußste er eine schmerzhafte Niederlage gegen Tommy Loughran, den amtierenden Champion im leichten Schwergewicht, hinnehmen, der ihn in herzzerreißenden 15 Runden niederrang und damit den Startschuss für eine endlose Abfolge von Pech und hässlichen Niederlagen gab. Braddock war nie wieder derselbe. Der Nation ging es nicht besser. Im selben Jahr brach die Börse zusammen. 40 Prozent des Papierwertes aller Aktien waren wie weggefegt.

Als sich die Schreckenswelle ausbreitete, verloren amerikanische Familien aller wirtschaftlichen Klassen ihr Erspartes, ihre Geschäfte, ihr Zuhause und ihre Höfe. Im Jahr 1932 war beinahe jeder vierte Amerikaner arbeitslos. Die Nation stand unter Schock. Nicht enden wollende Schlangen ehemaliger Arbeiterfamilien bildeten sich vor den Unterkünften der Heilsarmee. Menschen, die für Essen, für Arbeit, für Stütze anstanden, waren ein alltäglicher Anblick.

Kurz davor war der bloße Gedanke an derartige Szenen für viele Amerikaner in ihrem eigenen Land undenkbar gewesen. Die Ärmsten der Armen waren gezwungen, in so genannten "Hoovervilles" dahinzuvegetieren - improvisierten Ghettos aus Bretter- und Pappkartonverschlägen, die zumeist an den Rändern der Metropolen aus dem Boden schossen.

Benannt wurden sie mit bitterster Ironie nach Präsident Herbert Hoover, der es vor seinem Verlust der Präsidentschaft an Franklin Delano Roosevelt im Jahr 1932 verpasst hatte, staatliche Hilfsprogramme für darbende Familien einzurichten. Abertausende zogen ziellos durchs Land auf der Suche nach Jobs, egal ob diese hart, erniedrigend oder lebensgefährlich waren.

Erstmals seit den Anfängen des Landes mit den Pilgern sahen sich Amerikaner mit der sehr realen und bedrückenden Aussicht auf Hunger und womöglich sogar Verhungern konfrontiert. Die Selbstmordrate unter Männern, die ihre Arbeit verloren hatten, stieg gewaltig an. Wie viele Banker, Metzger, Farmer und Fabrikarbeiter mußste auch Jim Braddock mit ansehen, wie sein Leben aus den Fugen geriet und zusammenbrach.

Als ihm die örtliche Boxkommission die Lizenz entzog und damit effektiv zum Rückzug aus dem Boxsport zwang, suchte Braddock tapfer nach vorhandenen Jobs, aber es gab keine. Er nahm Knochenjobs in Häfen an und schleppte prall gefüllte Säcke. Und doch verdiente er zu diesem Zeitpunkt so wenig Geld, dass Braddock seine fünfköpfige Familie mit 24 Dollar im Monat durchbringen mußste. Es sah aus wie eine Schlacht, die nicht zu gewinnen war.

Als sich die Familie nicht einmal mehr essentielle Dinge wie Milch, Gas und Strom leisten konnte, meldete sich Braddock für Sozialhilfe an. Für seinen Stolz war das ein fürchterlicher Schlag, eine verheimlichte Schande, die viele, die ihr ganzes Leben für ihre Familien gesorgt hatten, im Land erleben mußsten. Doch im Jahr 1934, als Roosevelts New Deal zu greifen begann, wendete sich auch für Jim Braddock das Glück.

Überraschenderweise erhielt er die Gelegenheit, im Boxring gegen John "Corn" Griffin anzutreten - in einem Kampf, bei dem Braddock eigentlich hoffnungslos unterlegen hätte sein müssen. Doch stattdessen gelang es ihm, sich tänzelnd zu einem Sieg zu schlagen, den niemand so recht fassen konnte. Zu verdanken hatte er ihn zum Teil seiner überraschend effektiven Linken, die er bei der körperlich harten Arbeit in den Docks gestärkt hatte.

Als wollte er beweisen, dass er keine Eintagsfliege sei, gewann Braddock kurz darauf einen Zehn-Runden-Kampf nach Punkten gegen den Hall-of-Famer John Henry Lewis. Danach stellte er sich Art Lasky, der von seinen letzten 15 Kämpfen bis auf einen alle für sich hatte entscheiden können. Und doch behielt erneut Braddock die Oberhand - in einer elektrisierenden Boxschlacht, die über 15 Runden ging. Durch die beachtlichen Siege wurde Braddocks Kampfwille und sein Glaube an sich selbst zu neuem Leben erweckt.

Es entspricht absolut seinem Charakter, dass er mit dem verdienten Geld als Erstes seine Schulden für die Sozialhilfe an die Regierung zurückzahlte. Dieser selbstlose Akt bescherte Braddock unter der stetig wachsenden Zahl von Bewunderern einen neuen Spitznamen: "Gentleman Jim". Sein Ruhm in der Boxwelt wuchs mit jedem neuen Tag. Und auf einmal fand er sich in der ungewöhnlichen Position, in einem Titelmatch gegen den amtierenden Schwergewichtsmeister Max Baer anzutreten.

Das klingt nach einer Chance, die sich jeder Boxer erträumen würde. Aber für Braddock hätte es mannigfaltige Gründe gegeben, sich nicht auf diesen Kampf einzulassen. Tatsächlich meinten viele Spezialisten der Sportwelt, dass es sich um eine für Braddock womöglich tödliche Auseinandersetzung handeln könnte. Braddock war deutlich kleiner als Baer, er verfügte über weniger Erfahrungen und mußste sich auf seine neuerdings erstarkte Linke verlassen, obwohl er selbst seine einst verletzte Rechte favorisierte.

Baer sah sich auf der anderen Seite mit einer Totschlagsklage konfrontiert, weil einer seiner Kontrahenten von einem seiner wuchtigen Punches im Ring getötet worden war. Obwohl man ihn später freisprach, bestand wenig Zweifel daran, dass ein aufgeheizter Baer zu den gefährlichsten Kämpfern dieses Sports gehörte.

Baer hatte auch Ernie Schaaf 1932 in einem Kampf mit einem seiner Hiebe bewusstlos geschlagen; beim darauf folgenden Kampf Schaafs gegen Primo Carnera starb der Boxer - sein Tod wird in erster Linie den kompromisslosen Prügeln zugeschrieben, die ihm Baer verpasst hatte. 1933 war Baer Protagonist eines der größten Boxmatches aller Zeiten, als er Max Schmeling in der zehnten Runde auf die Bretter schickte.

1934 besiegte er in derselben Nacht, in der Braddock gegen Corn Griffin gewann, Primo Carnera. In elf Runden schlug er ihn elfmal nieder. Trotz der Befürchtungen der Kritiker, dass der Kampf Braddock-Baer alles andere als fair sein würde, und trotz der Ängste seiner Frau Mae, sie könne ihren Mann in einem Boxkampf verlieren, ließ sich Braddock nicht beirren und unterzog sich einem der anstrengendsten Trainingsprogramme, die ein Boxer jemals über sich hatte ergehen lassen.

Die Vorbereitung des Matches erhöhte die Spannung zusätzlich. Öffentlich kündigte Max Baer einen unangestrengten Knockout an. Außerdem soll er Braddock einen "Penner" genannt haben - eine Beleidigung, die Braddock definitiv nicht unbeantwortet lassen konnte. Schließlich fand der Kampf zwischen Jim Braddock und Max Baer am 13. Juni 1935 statt, vor 35.000 boxbegeisterten Zuschauern im Madison Square Garden.

Millionen mehr drängten sich vor ihren Radios, um den Kommentar sozusagen Schlag für Schlag mit verfolgen zu können. In den ersten Runden war Baer stark, aber Braddock blieb unbeeindruckt - immer angetrieben von dem Gedanken, für das Überleben seiner Familie Verantwortung zu tragen. Jedes Mal, wenn ein Kämpfer in einer Runde die Initiative übernahm, erwartete die Menge ein vorzeitiges Ende des Kampfes.

Und doch kämpfte sich der Gegner jedes Mal wieder zurück. Diese unmöglich vorhersehbare Schlacht, in der es ständig hin und her ging, hielt über unfassbare 15 Runden an. Braddock, besessen von einem unbezwingbaren Willen und mit beachtlicher Ausdauer zuschlagend, hielt alle 15 Runden durch ... und gewann den Kampf schließlich nach einstimmiger Schiedsrichterentscheidung. Sofort wurde Braddocks Sieg zum überraschendsten Triumph aller Zeiten erklärt, im Boxen wie im Sport im Allgemeinen.

In Bars und Wohnzimmern im gesamten Land feierten einfache Menschen die Meisterschaft von Braddock, als wäre er ein Familienmitglied. Der Kampf schien eine verzweifelte Welt daran zu erinnern, dass die Abgeschriebenen bisweilen nicht nur überleben, sondern auch die Größten der Welt werden können. Es war nur passend, dass der Sportjournalist Damon Runyan Braddock als "Cinderella Man" bezeichnet hatte, denn seine Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte war in der Tat vor allem mit einem Märchen zu vergleichen.

Braddock machte als Boxer weiter. 1937 verlor er seinen Titel an Joe Louis, der ihn in der achten Runde k.o. schlug. Louis war damals 23 Jahre alt, während Braddock bereits relativ alt war und 32 Lenze zählte. Louis sagte später, dass Braddock einer der mutigsten Boxer war, mit dem er jemals im Ring gestanden habe. Einmal noch setzte sich Braddock gegen alle Widerstände durch, als er 1938 gegen den talentierten Tommy Farr gewann und damit in der Lage war, noch einmal um den Titel kämpfen zu können.

Doch soweit kam es nicht: Braddock erklärte seinen Rücktritt. Reportern sagte er, er habe die Entscheidung nicht getroffen, weil er mit dem Boxen fertig wäre, sondern aus Respekt und Fairness gegenüber seiner Frau und seiner Familie. Im Lauf der Jahre blieb Braddock für alle, die seine Geschichte kannten, ein Held. 1964 wurde er in die Hall of Fame des Boxens aufgenommen, 2001 in die International Boxing Hall of Fame.

Er diente ehrenamtlich im Zweiten Weltkrieg. Später besaß und bediente er schwere Maschinen auf genau denselben Docks, in denen er während der Depression geschuftet hatte. In den 50er-Jahren half er, Brooklyns berühmte Verrazano Bridge zu errichten, damals die längste Hängebrücke der Welt. 1974 starb er im Alter von 68 Jahren.

Die Wiederentdeckung von Amerikas Cinderella Man: Wie die Geschichte von Braddock ihren Weg in die Herzen eines Filmemachers und zweier Schauspieler fand Jim Braddock erhob sich aus absoluter Unbekanntheit, um in den 30er-Jahren ein Name zu werden, der in jedem Haushalt bekannt war. Dennoch war seine Geschichte beachtlichen Mutes und unbeirrbarer Hingabe am Ende des Jahrhunderts beinahe völlig in Vergessenheit geraten. Nur professionelle Sportler und Sportfans hielten die Legende aufrecht. Kaum jemand, der in Archiven oder alten Presseberichten auf die Lebensgeschichte Braddocks stieß, blieb davon unbeeindruckt.

Und so nahm die Anzahl seiner Fans langsam aber stetig wieder zu. Cliff Hollingsworth ist Zeit seines Lebens sportbegeistert und vor allem ein großer Boxfan. Auch er wurde von Braddocks unglaublicher Story berührt und fand, dass der leidenschaftliche Kampf des Mannes darum, seine Familie zu ernähren, und der dabei zu unerwartetem Ruhm kommt, förmlich danach schrie, für die große Leinwand umgesetzt zu werden.

Nicht von ungefähr lag hinter dem einfachen Sieg eines Sportlers ein noch viel größerer persönlicher Triumph - die Erfüllung von Träumen. "Die Reise begann 1994. Damals dachte ich an Jim Braddock und seine unglaubliche Erfolgsgeschichte und war auf einmal überzeugt, dass man daraus einen großartigen Film machen könnte", erinnert sich Hollingsworth.

"Mit der Geschichte war ich bereits vertraut. Als langjähriger Boxfan hatte ich alles über die ehemaligen Schwergewichts-Champions gelesen. Unter ihnen war Braddock immer mein Liebling gewesen." Durch Zufall gelang es Hollingsworth, Kontakt zu einem Neffen von Braddock aufzunehmen, der ihn wiederum den beiden Söhnen des Boxers, Jay und Howard, vorstellte.

Sie erklärten sich bereit, den Drehbuchautor bei seinem Plan zu unterstützen. Bei den folgenden Treffen erzählten sie Hollingsworth alles über das Leben mit ihrem berühmten Vater. Eine erste Drehbuchfassung wurde von der Familie abgenickt. "Die Geschichte von Jim Braddock ist aus vielerlei Gründen ungewöhnlich", überlegt Hollingsworth.

"Er inspirierte damals, 1935, eine ganze Nation und war ein nationaler Held, und doch ist er eine weitgehend vergessene Figur. Jay erzählte mir, dass er anderen gegenüber erwähnte, sein Vater sei Schwergewichts-Weltmeister gewesen. Meistens hatten diese Leute aber noch nie von Jim Braddock gehört - für ihn war das sehr frustrierend. Meine Hoffnung ist, dass man sich jetzt wieder dieses vergessenen Helden erinnern wird."

Und noch einen Boxfan gab es, der sich für einen Film über Braddock einsetzte, nachdem er die packenden Details über die Verwandlung des Boxers zum Cinderella Man hörte: der Schauspieler Russell Crowe. Crowe war ungemein bewegt von Braddocks ganz persönlicher Reise - ein Mann von der Straße unternimmt alles, um seine Familie den Klauen der Armut zu entreißen und wird dabei zu einem schier unbesiegbaren Sport-Champion und Helden des einfachen Mannes.

Crowe setzte alle Hebel in Bewegung, diese Geschichte auf die große Leinwand zu bringen. Crowe sah in Braddock einen einzigartigen Kinohelden. Er kämpfte nicht für eine Sache oder Ruhm oder gar persönliche Genugtuung, sondern tat einfach nur das, was er konnte, um für die Sicherheit seiner Lieben zu sorgen. Diese "Gewöhnlichkeit" hatte Braddock in den 30er-Jahren zu einem Held der Massen gemacht.

Crowe war überzeugt, dass sich das Kinopublikum von heute mindestens ebenso mitreißen lassen würde, angesichts dessen, was Braddock geleistet und auf sich genommen hatte, weil er einfach nur ein guter Ehemann und Vater sein wollte. "Für mich erzählt DAS COMEBACK die Geschichte einer Familie, die die Depression zu überleben versucht", sagt Crowe, der für die Darstellung eines ehemaligen römischen Generals in Ridley Scotts GLADIATOR ("Gladiator", 2000) einen Oscar als bester Schauspieler bekommen hatte.

"Braddock führte sein Leben nach dem Boxen einfach weiter. Er arbeitete für sein Auskommen, liebte seine Frau, sah zu, wie seine Kinder aufwuchsen und Enkel geboren wurden. 1974 starb er in dem Haus, dass er mit den Siegprämien des Jahres 1935 gekauft hatte. Ich habe mich seinem Andenken verschrieben. Ich wollte, dass die Menschen diese wahre amerikanische Geschichte kennen lernen."

Crowes Faszination für Braddock blieb auch im Lauf der nächsten Jahre ungebrochen. Dann kam A BEAUTIFUL MIND ("A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn", 2002), in dem man Russell Crowe als den genialen Nobelpreisträger John Forbes Nash in einer Geschichte über die Fragilität sowie die Triumphe des menschlichen Geistes sah. Dieser Film wurde bei der Oscar®-Verleihung unter anderem als bester Film und für die beste Regie prämiert.

Regisseur war Ron Howard, der den Film gemeinsam mit Brian Grazer produziert hatte. Als sich Crowe und Howard beim Dreh von A BEAUTIFUL MIND näher kennen lernten, drückte der Schauspieler seinem Regisseur eine Kopie des Drehbuchs von DAS COMEBACK in die Hand. Auch der Filmemacher, der lange schon einen Film drehen wollte, der während der Großen Depression spielt, entdeckte in der Geschichte des Jim Braddock eine ganze Reihe von Themen, die ihn als Kreativen schon immer interessiert hatten.

Wie Crowe gefiel Howard nicht nur Braddocks sensationelles Comeback als Boxer, sondern noch mehr dessen Platz im Pantheon der Volkshelden, der etwas ganz Essenzielles über den Charakter Amerikas auszusagen scheint.

Mit Regiearbeiten wie A BEAUTIFUL MIND, APOLLO 13 ("Apollo 13", 1995), BACKDRAFT ("Backdraft - Männer, die durchs Feuer gehen", 1991), PARENTHOOD ("Eine Wahnsinnsfamilie", 1989), THE PAPER ("Schlagzeilen", 1994), COCOON ("Cocoon", 1985), FAR AND AWAY ("In einem fernen Land", 1992) und zuletzt THE MISSING ("The Missing", 2003) - Arbeiten also, die sich mit einer großen Bandbreite von Themen befassen, von den Geheimnissen eines genialen Verstandes zu Wagemut von Astronauten, vom Chaos eines Familienverbundes zu den dunklen Tagen der Frontier des Wilden Westen - hat sich Howard von jeher aus verschiedensten Blickwinkeln dem Leben in Amerika genähert.

Regelmäßig springt er von Genre zu Genre. Und doch ist er im Verlauf seiner Karriere vor allem eines geblieben: ein amerikanischer Klassizist, der sich immer wieder von den Kernelementen des amerikanischen Temperaments angezogen fühlt - Individualismus, Heldentum, Familienbande, die Hingabe zu Idealen, Willensstärke und die mächtige Anziehungskraft (und manchmal damit verbundene harte Realitäten) des Amerikanischen Traums. All diese Themen finden sich auch in der Geschichte von Jim Braddock wieder.

"Ich bin stets am meisten daran interessiert, das Publikum zu nehmen und es mit frischen Situationen ganz unmittelbar zu konfrontieren, ob es nun darum geht, in den Verstand eines Mathematikers einzutauchen, ein Feuer hautnah zu erleben oder sich in einer Raumkapsel absolut schwerelos zu fühlen", erklärt Howard seinen Ansatz.

"Dieser Film erlaubte es mir nicht nur, in einen Boxring der 30er-Jahre zu steigen, sondern auch das Publikum mitzunehmen auf den Weg eines Mannes, dessen Leben sich sozusagen über Nacht von einem absoluten Albtraum, in dem es ums nackte Überleben geht, zu einem regelrechten Märchen wandelt, das die Massen inspiriert und ihnen Mut gegeben hat. Vor den Augen der Welt machte Jim Braddock eine unglaubliche Verwandlung durch.

Das fand ich interessant. So bewegend und inspirierend die Geschichte von Jim Braddock von außen auch sein mag, mußs man doch nach innen blicken - zu seiner Liebe zu seiner Frau und seinem simplen Bedürfnis, sich um seine Familie zu kümmern, das er mit so vielen anderen Menschen teilte -, um den wahren Ursprung für seinen Mut zu finden, was die Geschichte so mächtig und zeitlos relevant macht."

Der Filmemacher sah auch noch ein größeres Thema, das von der simplen Reise Braddocks illuminiert wurde - ein Thema, das ihn auch schon in seinen vorangegangenen Arbeiten beschäftigt hat. Er berichtet: "Amerikaner verfügen über eine angeborene Härte. Sie geben sich mit Niederlagen nicht zufrieden. Versagen ist keine Option. Die Astronauten (in APOLLO 13) haben nicht aufgegeben. John Nash (in A BEAUTIFUL MIND) hat nicht aufgegeben. Und Jim Braddock hat sich nicht mit seinem Schicksal der Verarmung abgefunden."

Für Renée Zellweger, deren dritte Nominierung, für ihre Darstellung der Ruby in Anthony Minghellas COLD MOUNTAIN ("Unterwegs nach Cold Mountain", 2003), ihr den ersten Oscar® bescherte, war die Rolle der Mae Braddock eine Traumrolle, für die sie sich schon lange interessiert hatte. Tatsächlich verfolgte die Schauspielerin die Entwicklung des Stoffes schon seit einer Phase, als noch keine Filmemacher daran beteiligt waren.

Die Figur der Mae gefiel Zellweger, weil sie so eine starke, unabhängige und doch hingebungsvolle Ehefrau ist - in einer Zeit, in der die Frauen eigentlich nichts zu sagen hatten. "Was so wunderbar an Mae ist: Durch ihre Stärke wird sie Jims Sinn und Zweck. Sie und seine Kinder sind seine Motivation - sie lassen ihn die Zähne zusammenbeißen, egal, was da kommen mag", sagt sie.

"Mae ist Jims Stützpfeiler. Aber sie ist auch eine Frau, die ein ungewöhnliches Verständnis von sich selbst hat - sie hat niemals Furcht, Jim zu erzählen, was sie empfindet, auch wenn er das gerade nicht hören will. In vielerlei Hinsicht ist sie der Kopf der Familie. Das war sehr progressiv für die damalige Zeit und eine interessante Dynamik, die ich gerne erforschen wollte."

Als Howard durch Crowe auf das Projekt aufmerksam wurde, erzählte man ihm auch davon, dass Zellweger schon lange von der Rolle der Mae fasziniert war. Das intensive Interesse dieser beiden brillanten Schauspieler trug natürlich dazu bei, dass Howard das Projekt genauer in Augenschein nahm.

Es ist merkwürdig genug, dass auch Howard schon lange mit der Legende Braddocks vertraut war, in erster Linie durch seinen Vater Rance (hat in DAS COMEBACK einen Gastauftritt als Ansager Al Fazin), der den elektrisierenden Kampf zwischen Braddock und Max Baer als Kind im Radio gehört und seither oft über das bemerkenswerte Ergebnis nachgedacht hatte.

"Der Braddock-Baer-Kampf ist der erste Boxkampf, an den sich mein Vater erinnern kann", erzählt Howard. "Er mußs sieben oder acht Jahre alt gewesen sein. Sein Vater fuhr ihn zum Billardsalon in der Stadt, damit er ihn sich im Radio anhören konnte. Als ich aufwuchs, erzählte mir mein Vater immer über Jim Braddock, weil er für ihn das perfekte Beispiel war - für Mut, persönliche Integrität und den unbedingten Willen, etwas nicht zur persönlichen Bereicherung zu tun, sondern damit die Menschen um einen herum etwas davon haben."

Howard sieht sich von jeher beeinflusst von amerikanischen Filmemachern, die sich ihre ersten Sporen während der Zeit der Großen Depression verdienten, darunter Frank Capra und Howard Hawks. Also sah er dieses Projekt auch als Möglichkeit an, sich mit dieser Zeit näher zu befassen, in der sich wie bei einer Achterbahnfahrt das Schicksal eines ganzen Landes veränderte und Amerika sich durch die schlimmste Periode seiner gesamten Geschichte kämpfen mußste.

Er war fasziniert davon, wie sich der Gemütszustand einer ganzen Nation in der Geschichte Braddocks widerspiegelte: Wie sein eigenes hing auch das Schicksal des Landes an einem dünnen Faden, in dem sich Stärke, Optimismus und bedingungslose Hingabe vereinten. "Ich sah das Boxen immer als Verlängerung von Jim Braddocks Antrieb, eine der schwierigsten Zeiten des Landes zu überleben", sagt Howard.

"Ich wollte diese Periode auf eine neue und dramatische Weise lebendig machen, aber ich wollte auch betonen, dass Braddocks Geschichte eine zeitlose Qualität hat. Es geht um Erlösung und Selbstverwirklichung, die auch heute noch zu den Antriebskräften der amerikanischen Kultur gehören, speziell, wenn die Zeiten schwer sind. Es geht auch um das Opfer, das ganz normale Männer jeden Tag bringen, um für das Wohl ihrer Familien zu sorgen."

Renée Zellweger fügt hinzu: "Ron wollte mit dieser Geschichte ein authentisches Porträt der Depression zeichnen. Vor allem aber ist es die Emotion, die unmittelbar greifbar ist. Das ist, wie ich finde, Rons Stärke. Egal, wohin er das Publikum mit seinen Geschichten mitnimmt, es geht doch immer darum, was es bedeutet, ein Mensch zu sein."

Diese Menschlichkeit war es letztlich auch, die den Oscar®-prämierten Produzenten Brian Grazer ansprach, der hingerissen war, als er die Geschichte von DAS COMEBACK erstmals hörte. "Als Ron mir die Geschichte von Jim Braddock erzählte, fand ich sie absolut herzzerreißend und emotional", erinnert er sich. "Ich sah darin die Story eines einfachen Mannes, der sich den schwersten denkbaren Zeiten mit ungewöhnlichem Mut entgegenstemmt.

Für mich ist es eine Geschichte über uns alle und über die Härten, die Amerika in seiner jungen Historie durchmachen mußste. Hier ist dieser Mann, der nicht genug Geld hatte, um seine Kinder zu ernähren, der eine gebrochene Hand hatte, der niemals wieder würde boxen können - und ausgerechnet er wird Weltmeister und erreicht eine Größe, die niemand erwartet hätte. Das ist ein wunderbares Märchen - auch wenn alle Einzelheiten wahr sind."

Nachdem es gerade seine Zusammenarbeit an A BEAUTIFUL MIND so erfolgreich und positiv abgeschlossen hatte, entschied das Team - Grazer, Howard, Drehbuchautor Akiva Goldsman und Crowe, plus die neu dazugekommene Renée Zellweger -, seine Energien voll und ganz der Lebensgeschichte von Jim Braddock zu widmen. Hollingsworth war überzeugt, dass sie alle dem Andenken von Braddocks Saga und den Erwartungen seiner Kinder gerecht werden würden und überließ den Filmemachern sein Drehbuch.

Wenig später kamen Goldsman, Howard und Crowe zusammen und nahmen sich in einer intensiven Arbeitssession das Skript vor. "Die Geschichte von Jim Braddock erzählen zu können, war eine außergewöhnliche Gelegenheit für mich", sagt Akiva Goldsman. "Auf der einen Seite die faszinierende Architektur des Lebens eines Mannes, auf der anderen eine der finstersten Episoden der Geschichte unseres Landes als Kulisse.

Geschichten wie diese, so schwierig sie auch für die Menschen gewesen sein müssen, die sie durchgemacht haben, sind Geschenke für Autoren. Das Universum bietet sie an, und ich denke, es ist unser Luxus, aber auch unsere Verpflichtung, sie in einer emotional verständlichen Form zurückzugeben."

Während Goldsman die außergewöhnliche Natur der Geschichte des Cinderella Man betont, weist er aber auch auf die möglichen filmischen Fettnäpfchen hin, in die man treten kann, wenn man eine derartige Story für die Leinwand adaptiert: "Braddocks Geschichte ist berühmt dafür, dass sie einen berührt und sich besser fühlen lässt. Der Titel des Films stellt eigentlich bereits klar, wie der Film ausgehen wird. Am Ende eines Märchens leben die Hauptfiguren glücklich bis an ihr Lebensende.

Aber in einem realen Leben gibt es so etwas wie einen Titel nicht. Man kann es nicht durch ein Objektiv mit Happy-Endings betrachten. Vielmehr ist ein Leben ein aufgewühltes Meer voller Unvorhersehbarkeiten, tiefem Schmerz und unsagbarem Glück. Nun mag Jims Leben von Gott gegeben und voller Gnade sein, aber das Erleben dieses Lebens mußs auf die genau gegensätzliche Weise stattfinden. Also arbeiteten wir an einer Erzählung, die ein blindes Auge für die Ergebnisse in der Zukunft hat.

Wir mußsten unsere Geschichte so erzählen, dass es absolut unmöglich erscheint, dass unsere Hauptfigur triumphieren kann, sein Sieg mußs eine Überraschung sein. Wir haben daran geglaubt, dass es Happy-Ends gibt. Aber wichtig war zu zeigen, dass es ziemlich entsetzlich sein kann, überhaupt dahin zu kommen. Wir sind mit der Überzeugung ans Werk gegangen, dass Märchen für die, die sie erleben, ziemlich schrecklich sein müssen. Auf diese Weise haben wir unsere Geschichte also konzipiert, mit der Hoffnung, dass Jims Triumph am Ende dann umso süßer ist."

Grazer meint: "Wir waren bewegt davon, mit welch einer menschlichen Geschichte wir es zu tun hatten. Man kann Braddock gewiss nicht als großen Boxer bezeichnen, aber er hatte einen enormen Willen - und das zu einer Zeit, wo beinahe jeder Amerikaner, speziell in der Arbeiterklasse, mit Härten fertig werden mußste. In gewisser Weise war Braddock die Verkörperung dieser Klasse, nur darum besorgt, seiner Familie Nahrung und ein Dach über dem Kopf zu gewährleisten. Wenn er dann in den Ring stieg, war das wie eine kollektive Kraft, die er für Amerika repräsentierte."

"Braddock war ein liebenswerter, großzügiger Mann. In vielerlei Hinsicht simpel gestrickt und von einfachen Impulsen bewegt", überlegt Grazer. "Er hatte viel Demut. Und das war etwas, was jedem etwas sagte, worin sich jeder wieder erkennen konnte. Man könnte sagen, dass er außerhalb des Rings ein noch größerer Champion war als im Ring. Seine Geschichte ist eine Geschichte über Heldentum im Alltag."

Genau dieser Heroismus war es, der Crowe sich so für Braddock begeistern ließ. Von Anfang an fühlte sich der Schauspieler von der unerschütterlichen Entschlossenheit seiner Figur angezogen, sowie von Braddocks Hingabe, alles für seine Familie zu tun, egal was mit ihm selbst geschieht. "Ich las über Braddock, wie es ihm nach dem Boxen erging, wie er seine Kinder großzog, wie er seine Frau liebte bis zu dem Tag, an dem er starb - solch eine einfache Geschichte, so eine einfache Güte, so ein einfacher Humor", erzählt Crowe.

"Ich wollte, dass einem solchen Mann Ehre erwiesen wird. Ich wollte, dass sein Erbe für Amerikaner von heute eine Bedeutung hat. Ich fand es auch wichtig, die Amerikaner daran zu erinnern, dass ihr Überfluss auf den Schultern von Menschen wie Jim und Mae errichtet wurde, hart arbeitende Eltern, für die ihre Kinder die erste Priorität waren."

Noch mehr bewegte den Schauspieler die Tatsache, dass die Geschichte, die er erzählen wollte, tatsächlich gelebt worden war: "Jedes Mal, wenn ich das Drehbuch las, hatte ich Gänsehaut - von der Vorstellung, dass dieses Leben mit seiner verblüffenden Wendung zum Guten, tatsächlich gelebt worden war. Es war echt."

Während Russell Crowe sich Ende der 90er-Jahre um die Rolle des Jim Braddock bemühte, war Renée Zellweger unabhängig davon auf die Geschichte von Jims Frau, Mae Braddock, aufmerksam geworden, deren ausdauernde Liebe und ihr Glaube an ihren Ehemann der berühmte Grund dafür war, dass Jim Braddock überhaupt einen der unglaublichsten Triumphe der Sportgeschichte feiern konnte. Als Crowe von Zellwegers Interesse erfuhr, hätte er nicht glücklicher sein können.

Er wollte immer schon mit der Schauspielerin arbeiten, die in ihren Rollen, von der einer kriminellen Hure in CHICAGO ("Chicago", 2002) über ihren Oscar®-Part als unbeirrbare Farmerin Ruby in COLD MOUNTAIN ("Unterwegs nach Cold Mountain", 2003) bis hin zur Ikone der als Single lebenden modernen Titelfigur von BRIDGET JONES'S DIARY ("Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück", 2001), eine ungemeine Bandbreite an den Tag gelegt hat.

Zellweger fühlte sich von DAS COMEBACK angesprochen, weil sie in der Geschichte eine klassische amerikanische Qualität entdeckte, die man heute nicht mehr oft in Filmen thematisiert sieht. "Das fühlt sich beinahe an wie einer jener amerikanischen Filme, wie sie Frank Capra inszeniert hat", sagt sie. "Und in einem solchen Film habe ich noch nie mitgespielt. Es ist eine sehr einfache, menschliche Geschichte, die zutiefst bewegend ist. Manchmal denke ich mir, dass wir derartige Filme nicht mehr oft genug drehen."

Sie war begeistert, zu Crowe, Howard und Grazer ins Team zu stoßen - und fand, dass sie perfekt dazu passte. "Was uns bei diesem Projekt vereint, ist unsere Liebe für gute Geschichten. Im Grunde machen wir aus denselben Gründen Filme", erklärt sie. "Für jeden von uns ist es eine persönliche Angelegenheit. Das machte den Film ungewöhnlich bedeutsam."

Zellweger ging es darum, ihrer Mae das innere Feuer und den Pfiff zu verleihen, die offensichtlich der Schlüssel dafür waren, dass die Braddock-Familie während der unfassbar harten Zeiten in den frühen 30er-Jahren zusammenblieb. Sie sagt: "Sie ist ein Energiebündel, sie liebt ihren Ehemann und ist stolz auf seine Leistungen. Sie hasst es, ihn in den Ring gehen und kämpfen zu lassen, aber sie unterstützt ihn dennoch rückhaltlos."

Vor allem sieht Zellweger ihre Mae im Zentrum eines der bewegendsten Themen des Films: der Mischung aus Auseinandersetzungen und Leidenschaft, die Mann und Frau so eng aneinander binden. "Was mir am meisten an DAS COMEBACK gefällt: Wie man es auch dreht und wendet, alles geht doch immer auf die Beziehung zwischen Jim und Mai zurück", erläutert sie. "Egal, welchen Herausforderungen sie sich stellen müssen, sie bewältigen all ihre Probleme, weil ihre Beziehung so stark ist. Ihre Liebe ist die Grundlage dafür, dass sie den harten Realitäten der Zeit trotzen können."

Um sich auf die Rolle vorzubereiten, stürzte sich Zellweger Hals über Kopf in Recherchen. Sie versuchte, alles über die reale Braddock-Familie herauszufinden, was es zu wissen gibt. Vor allem hatte sie das Glück, mehr als 200 Liebesbriefe lesen zu können, die Jim Braddock an seine Mae geschickt hatte.

"Es ist ein seltenes Glück, wenn man mit solchem Material arbeiten kann", merkt sie an. "Das war ein Segen, denn durch die Briefe erhielt ich einen wunderbaren Einblick in die Dynamik ihrer Beziehung. Beim Lesen der Briefe wurde mir klar, wie schön ihre Liebe füreinander war und wie sie die beiden all die unglaublichen Härten überstehen ließ. Eine klassisch bewegende, inspirierende Liebesgeschichte."

Sie erzählt weiter: "Besonders bewegend fand ich, dass den Braddock-Kindern niemals völlig bewusst wurde, wie schlecht es um sie stand. Jim und Mae gelang es, ihnen zu vermitteln, dass alles in Ordnung sei, obwohl sie tatsächlich verzweifelt ums Überleben kämpften. Das ruft einem ins Gedächtnis, in welch glücklichen Zeiten wir leben dürfen. Man kann sich kaum mehr vorstellen, wie schwierig es gewesen sein mußs, alles zu opfern, damit die Kindern abends vor dem Schlafengehen nicht darüber grübeln mußsten, ob sie am nächsten Tag etwas zu Essen bekommen oder ob sie noch ein Dach über dem Kopf haben würden."

Zellweger konnte auch die Filmaufnahmen von Mae während der Pressekonferenz vor dem großen Kampf studieren und erkannte sofort, wie ungeheuer kamerascheu Mae Braddock war, nachdem sie durch die plötzliche Berühmtheit ihres Mannes ebenfalls ins Licht der Öffentlichkeit geraten war. "Sie mochte das Rampenlicht ganz und gar nicht", beobachtet Zellweger. "Sie fühlte sich sichtlich unwohl. Das hing zum Teil auch damit zusammen, dass sie voller Angst war, sie könne beim Boxen den Mann verlieren, den sie liebte."

Ein Volltreffer nach dem anderen bei der Besetzung: Paul Giamatti, Craig Bierko, Bruce McGill und Paddy Considine stoßen zum Cast Um die Geschichte von Jim Braddock zum Leben erwecken zu können, stieß zu Crowe und Zellweger in den Nebenrollen eine Gruppe von gefeierten Nebendarstellern, angeführt von dem wunderbaren Paul Giamatti, der erst unlängst Kritiker und Publikum mit seinen Darstellerleistungen in AMERICAN SPLENDOR ("American Splendor", 2003) und SIDEWAYS ("Sideways", 2004) begeistern konnte. In DAS COMEBACK sieht man ihn in als Jim Braddocks cleveren und loyalen Manager Joe Gould.

Als langjähriger Freund und Manager Braddocks war der flamboyante Gould der Einzige, der noch an den Boxer glaubte, nachdem sich alle anderen von ihm abgewendet hatten. Er koordinierte das elektrisierende Comeback des Kämpfers und bewies dabei genau das richtige Fingerspitzengefühl, um Braddock auf den Füßen zu halten.

Der klein gewachsene, nie um einen Spruch verlegene Jude Gould und der bullige, einsilbige, stille Ire Braddock waren rein äußerlich ein seltsames Paar, aber ihr Respekt füreinander ist der Stoff für Legenden. Giamatti fand die Freundschaft besonders faszinierend, weil sie so völlig unerwartet ist.

"Bei den Recherchen für die Rolle redete ich mit einigen Historikern, die sagten, dass Joe Gould in Boxerkreisen nicht allzu beliebt war. Er war bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen und auf den Putz zu hauen - doch aus irgendeinem unerfindlichen Grund kamen er und Braddock blendend miteinander aus", erklärt Giamatti.

"Offenkundig gab es nur einen Menschen, den Gould nicht vor den Kopf stieß, und das war Braddock. Es war beinahe so, als fühlten sich die beiden tief unter ihrer Haut wie Brüder, egal wie unterschiedlich ihre Herkunft und ihr Leben waren. Es gab ein unausgesprochenes Verständnis zwischen ihnen. Beide wussten, was es bedeutet, hart um das zu kämpfen, was man haben will."

Giamatti glaubt, dass Gould von Braddocks Absturz in die Armut beinahe ebenso erschüttert war wie der Boxer selbst. Er war fest entschlossen ihm zu helfen, wenn er nur konnte. "Joe Gould war der Mann, der für die Planung von Jims Karriere verantwortlich war. Da hatte er nun diesen Kämpfer, der kurz vor seinem Durchbruch stand, für den die Sterne bestens standen, und dann stürzte der einfach ab.

Sein Glück rann ihm einfach durch die Finger, zur gleichen Zeit, als die Depression die Nation in ihren eisernen Griff nahm", erläutert Giamatti. "Für Gould mußs das sehr schwer mit anzusehen gewesen sein. Gould konnte beim besten Willen nicht wissen, ob Braddock überhaupt noch das Zeug dazu hatte, als Boxer wieder zu gewinnen, aber unter den gegebenen Umständen hatte er, glaube ich, das Gefühl, er müsse ihm eine letzte Chance geben."

Durch Braddocks wundersamen Aufstieg zum Champion wurde Gould in den 30er-Jahren selbst so etwas wie ein Held. Es gab eine Reihe von Groschen-Biografien, die über ihn veröffentlicht worden waren. Giamatti fand sie allerdings eher amüsant als übermäßig erleuchtend. "Das waren so typisch altmodische Populärbiografien, in denen alles schöngeschrieben wurde und die angefüllt waren mit Klischees und Übertreibungen", berichtet Giamatti.

"Besonders hilfreich waren sie jedenfalls nicht, außer dass sie einen Hinweis darauf gaben, welchen Eindruck diese Geschichte auf das Land und die Kultur gemacht hatte. Höheren Informationswert für Giamatti, dessen Großvater eine kurze Zeit lang selbst geboxt hatte, hatten da schon alte Filmaufnahmen von den Kämpfen Braddocks, in denen sich Goulds berüchtigt kurze Zündschnur und die unmittelbaren Emotionen sowie seine Manierismen sozusagen live miterleben ließen.

Dazu war die Arbeit mit dem Weltklasse-Boxtrainer Angelo Dundee von unschätzbarem Wert für Giamatti. "Wenn er nicht gewesen wäre, hätte ich die Rolle einfach nicht spielen können", fasst Giamatti zusammen. "Vereinfacht gesagt, stattete Angelo mich mit dem nötigen Wissen, dem Vokabular, kurz: allem, was ich über das Boxen wissen mußste, aus. Ihm einfach nur zuzusehen und zuzuhören, lehrte mich mehr darüber, wie Joe Gould gewesen sein mußste und wie er Jim im Ring helfen konnte, als irgendetwas anderes."

Genau wie Joe Gould von den Auftritten von Jim Braddock weggeblasen wurde, war Giamatti fasziniert von Russell Crowes unerschöpflicher Energie und seiner Hingabe für die Rolle. "Ich weiß nicht, wie er das gemacht hat", schüttelt Giamatti den Kopf. "Nach jeder einzelnen Boxszene, von denen jede ungemein intensiv war, hatte ja schon ich das Gefühl, ich würde das Bewusstsein verlieren - und ich stand nur in der Ecke und brüllte ihn an. Russell hat ein unglaubliches Stehvermögen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass jemand wie Angelo einen richtigen Boxer aus ihm hätte machen können. Gleichzeitig ist er einer der umgänglichsten Schauspieler, mit dem ich jemals gearbeitet habe, weil ihn seine Arbeit so glücklich zu machen scheint. Man kann ihm einfach alles zuwerfen - Russell liebt jede Sekunde."

Craig Bierko, der seit Jahren erfolgreich zwischen Hollywood und dem Broadway pendelt, versieht seine Rolle des Schwergewichts-Champions Max Baer mit Elan und Flair. Die Rolle gab Bierko die Gelegenheit, einen genaueren Einblick in eines der faszinierendsten Kapitel der Boxgeschichte zu erhalten. Gleichzeitig konnte er etwas mehr über die ein wenig schillernde und weniger offensichtliche Seite eines der finstersten Kapitel der amerikanischen Historie erfahren.

Bierko erinnert sich: "Als ich durch meinen Agenten erfuhr, dass Ron Howard an mir für die Rolle des Max Baer interessiert war, mußste ich zugeben, dass ich von dem Kerl noch nie gehört hatte. Dann las ich das Drehbuch und war völlig gefesselt. Bei meinen Recherchen stellte ich dann fest, dass sie versucht hatten, aus Baer auf der Höhe seines Erfolgs einen Filmstar zu machen - er konnte außerdem singen und tanzen.

Also hatte ich da diesen Typen, witzig, locker, mit einer faszinierenden Persönlichkeit, der zugleich ein Killer ist, der für seinen rechten Arm eigentlich einen Waffenschein hätte beantragen müssen. Ich wusste, dass der Part jede Menge Vorbereitung, Training und Recherche voraussetzen würde - aber ab und zu mag ich es ganz gern, mich in Sachen zu stürzen, die mir eine Heidenangst einjagen. Junge, der Einsatz war es wert!"

Zu Bierkos körperlicher Vorbereitung auf die Statur von Max Baer zählten Workout und Boxtraining, bei denen er letztlich sieben Kilo Körpergewicht verlor. Zudem erhielt der Schauspieler eine Dauerwelle, damit sein eigentlich glattes Haar den verspielten Locken Baers glich.

Er merkt an: "Ich hatte noch nie geboxt und war auch kein großer Fan des Sports. Boxen war für mich das visuelle Äquivalent zu Jazzmusik - ich kann die Leistung zwar anerkennen, aber so richtig Zugang dazu hatte ich nie. Die Arbeit mit dem Boxtrainer Hector Roca war für mich der Schlüssel zu allem, was ich über das Boxen lernte. Wir mußsten einen massiv beschleunigten Crashkurs absolvieren. Normalerweise dauert es zwei Jahre, bis man als Boxer etwas taugt. Ich hatte nur drei Monate.

Ich mußste mit jeder Menge Angst fertig werden, aber nach dem einen großen Tag, an dem ich erstmals Schläge ins Gesicht bekam - und das nach einem Monat, in dem Hector unentwegt Zeit hatte, meinen Willen zu brechen, um mich dann wieder neu aufbauen zu können -, hatte ich den Eindruck, einen entscheidenden Schritt gemacht zu haben. Von da an sah mir Hector jeden Abend in die Augen und sagte: ,Du wirst super sein, komm' morgen wieder vorbei, Du dummer Milchbub.' Das war total witzig und irgendwie fantastisch."

Der versierte Schauspieler Bruce McGill spielt Jimmy Johnston, den Box-Promoter, der mit seiner Macht mühelos Boxkarrieren machen, aber auch beenden konnte, während er den Vorsitz über die Kathedrale des Sports hatte: den Madison Square Garden. McGill hat in mehr als 60 Filmen mitgespielt und kann auch in der Rolle Johnstons auf seine bekannte Mischung aus Gravitas und boshaftem Humor setzen.

McGill stürzte sich mit Begeisterung auf den Part eines "Schwergewichts" der Boxwelt in der Depressionsära. McGill gibt zu Protokoll: "Jimmy hatte einen Wahnsinnsjob. Nichts passierte zu dieser Zeit im amerikanischen und bis zu einem gewissen Grad im kanadischen Boxen, wenn er es nicht absegnete. Madison Square Garden war die Arena und Johnston war der Drahtzieher. Wenn er mit etwas nicht einverstanden war, dann konnte man nicht kämpfen. Punkt."

Der Schauspieler war zudem fasziniert davon, dass die Figur, die er zu spielen hatte, tatsächlich eine verblüffende Verwandtschaft mit den meisten Boxern unter seinen Fittichen hatte. "Johnston wurde in Großbritannien geboren und kam im Alter von zwölf Jahren in die USA. Er war also ein Einwanderer, auf der untersten Stufe der sozialen Leiter.

Für viele der Boxer galt das Gleiche: Sie boxten, um sich in eine bessere soziale Klasse zu kämpfen. Man brauchte keinen Studienabschluss, man mußste nicht einmal richtig reden und schon gar kein Englisch können. Boxen war ein Weg für Jedermann, sich den Amerikanischen Traum zu erfüllen. Jimmy machte nichts anderes - nur versuchte er sein Glück nicht als Kämpfer, sondern als Promoter."

Anders als Crowe, Zellweger, Giamatti, Bierko und McGill spielt Paddy Considine die einzige Hauptfigur in DAS COMEBACK, die nicht wirklich existiert hat. Shooting-Star Considine, der das internationale Publikum mit seiner Hauptrolle in IN AMERICA ("In America", 2002) im Handumdrehen für sich gewann, spielt Mike, den erfundenen ehemaligen Aktienbroker, der Jim Braddock beim Schlangestehen um Arbeit kennen lernt und in der Folge sein größter Fan wird.

Die Figur entstand während des Drehbuchprozesses, um einen Stellvertreter für die vielen vom Glück verlassenen Amerikaner zu finden, die zu Jim Braddock als letztem Hoffnungsschimmer aufblickten. Considine gefiel die Rolle, weil die Menschlichkeit in Braddocks Aufstieg vom absoluten Nichts durch Mike deutlich verstärkt wurde.

Considine sagt: "Ich denke, Mike ist wichtig für die Geschichte, weil er die Figur in DAS COMEBACK ist, die den tragischsten Absturz erlebt. Er war ein Broker an der Wall Street, der damit konfrontiert wird, von einem Tag zum anderen vom absoluten Reichtum zum Habenichts abzustürzen. Er ist, wenn man so will, das genaue Gegenteil von Jim Braddock. Mike ist kein geborener Kämpfer, also fällt es ihm viel schwerer, mit den neuen Umständen seines Lebens umzugehen.

Anstatt nach dem Niederschlag wieder aufzustehen, wie Jim es tut, wird er zunehmend verbittert. Er hat das Gefühl, das ihm persönlich durch die Depression übel mitgespielt wird. Er verliert jeglichen Glauben an sein Land. Und doch formt er eine Allianz mit Jim, weil er erkennt, dass man keinen Besseren an der Seite haben kann, wenn man am Boden liegt. Er sieht in Jim die Stärke, nach der er so verzweifelt sucht."

Considine freute sich ganz besonders auf die Aussicht, mit Ron Howard zu arbeiten, den er seit langer Zeit bewundert. "Mike erschien mir als eine jener sehr menschlichen, sehr nachvollziehbaren Charaktere, die ein fester Bestandteil des Stils von Ron Howards Filmen sind", erzählt er. "Ron ist immer an den menschlichen Beziehungen interessiert. Wie er die Freundschaft zwischen Mike und Jim Braddock anpackt, ist ein perfektes Beispiel dafür."

Bei seinen Vorbereitungen lernte Considine, dass es zahllose Männer wie Mike während der Depression gegeben hatte - die jeweils auf ihre Weise nach einem Weg suchten, sich ihre Selbstachtung zu erhalten. "Man erzählte mir Geschichten von Jungs, die es nicht übers Herz brachten, ihren Frauen zu beichten, dass sie ihre Jobs verloren hatten, also verließen sie morgens die Wohnung mit Aktentasche in der Hand, um danach den ganzen Tag im Central Park zu sitzen.

In dieser Zeit war es den Männern wichtig, die Familie zu versorgen. Wenn es ihnen nicht gelang, waren sie beschämt, fühlten sich wie Dreck", berichtet Considine. "Es gab diesen gewaltigen kollektiven Verlust von Stolz - das kann eine verheerende Auswirkung auf die gesamte Gesellschaft haben. Wenn ein Jim Braddock nicht existiert hätte, man hätte ihn erfinden müssen."

Die Besetzung wurde komplettiert von drei jungen Schauspielern, die die drei Kinder von Jim und Mae Braddock spielten - sein Ruhepol und seine Inspiration, niemals aufzugeben. Weil die Familienbande eine so bestimmende Rolle in der Geschichte spielen, lud Ron Howard seine beiden Stars Russell Crowe und Renée Zellweger zu den Vorsprechterminen für die Rollen der drei Kids ein und ließ sie am Auswahlprozess teilhaben.

Schließlich wurden Patrick Louis als Howard Braddock, Connor Price als Jay Braddock und Ariel Waller als die kleine Rosemarie besetzt. "Wie diese Kinder als Familie zu funktionieren begannen, war eine der wunderbaren kleinen Überraschungen beim Drehen des Films", sagt Ron Howard. "Es war aufregend mit anzusehen, wie sie ihre Momente auf unerwartete und wahrhaftige und unterhaltsame Weise meisterten. Durch sie erkennt man, was der eigentliche Antrieb von Jim und Mae ist."

So wird man zum Cinderella Man: Wie Russell Crowe sich der Rolle eines stillen Mannes, der unerwartet zum Helden wurde, näherte Neben unermüdlichen Recherchen und Vorbereitungen für die Darstellung des Jim Braddock war es für Russell Crowe unerlässlich, sich einem körperlichen Training zu unterziehen. Schließlich wollte er in die Haut eines Mannes schlüpfen, der nicht nur den Mut, sondern auch die physische Konstitution und das boxerische Können besaß, um es mit den größten Kämpfern seiner Zeit aufnehmen zu können. Crowe begann diesen Prozess, indem er sich in Archiven in die Fotos und Filmaufnahmen Braddocks während seiner Glanzzeit vergrub.

Stundenlang analysierte er peinlichst genau jede Bewegung und jeden Gesichtsausdruck des Boxers im Ring. Er nahm seinen unwiderstehlichen Antrieb und seine Hartnäckigkeit von Außen nach Innen förmlich auseinander. Gleichzeitig begann Crowe, die Kunst des Boxens von der Pike auf zu erlernen - ein Sport, den man wegen seiner vielseitigen Mischung aus Grazie, Härte und Strategie auch "die süße Wissenschaft" nennt. Dabei half ihm der legendäre Trainer Angelo Dundee, der 21 Jahre lang den größten Champion aller Zeiten betreut hatte: Muhammad Ali.

Die nächste Aufgabe lag darin, Crowe in die richtige Form zu bringen - und zwar in die klar definierte Form eines hungrigen Profiboxers. Weil Crowe sich aber absoluter Authentizität verschrieben hatte, vertraute er nicht auf die deutlich weiter fortgeschrittenen Trainingsmethoden von heute, sondern setzte auf dieselben knochenharten Methoden, die auch ein Jim Braddock benutzt hatte.

Aus Aufzeichnungen erfuhr er, dass Boxer in den 30er-Jahren nur selten mit Gewichten trainierten, weshalb sie weniger beeindruckende Körperformen als die Boxer von heute hatten. Also vermied es Crowe peinlichst, Gewichte zu stemmen. Stattdessen legte er das Hauptgewicht auf Cardiotraining und endlose Tage und Nächte, in denen er mit anderen Boxern sparrte, sparrte und nochmals sparrte.

Schließlich arbeitete sich der Schauspieler von seinen 103 Kilo, die er sich für die Darstellung des Captain Jack Aubrey in MASTER AND COMMANDER: THE FAR SIDE OF THE WORLD ("Master and Commander - Bis ans Ende der Welt", 2003) zugelegt hatte, auf Braddocks Kampfgewicht von 80 Kilo herab. Um die angeborene Athletik des Schauspielers zu nutzen, holte Dundee den Trainer Wayne Gordon mit an Bord, der selbst bei Olympia boxte und nun die Aufgabe erhielt, einen Workout zu erstellen, das Kajakfahren, Schwimmen, Laufen, Radfahren, Bergwandern, Seilspringen und die Arbeit mit dem Sandsack umfasste.

All dies sollte helfen, einen natürlich starken, wenngleich nicht übermäßig muskulösen Körper zu formen, dessen Kennzeichen Kraft und Ausdauer sein sollten. Crowe trainierte mit der ihm typischen Intensität und verlor Pfund um Pfund, um sich Braddocks Körperbau anzugleichen. Ein Körperbau, von dem viele sagten, er sei zu leicht und lädiert, um sich jemals auch nur einen Funken Hoffnung auf einen regionalen Sieg, geschweige denn die Schwergewichtsmeisterschaft machen zu können.

Um Braddocks einzigartigen Boxstil besser nachzuahmen, arbeitete Crowe mit Angelo Dundee, der das große Glück gehabt hatte, Braddock persönlich bei einer Reihe von Kämpfen zu erleben, auch an der Choreographie. Der Trainer brachte Crowe den linken Haken bei, den der entwickelt hatte, um von der Schwäche in seiner rechten Hand abzulenken. Er lehrte den Schauspieler außerdem, seinen Körper so zu halten, dass er etwas größer wirkte - und damit genau so groß wie Braddock es gewesen war.

Je mehr sich die einzelnen Details zusammenzufügen begannen, desto mehr war Dundee überrascht von der beinahe kompletten Verwandlung von Russell Crowe. "Ich denke, ich mußs so weit gehen zu sagen, dass Russell tatsächlich Jim Braddock ist", sagt der Trainer. "Ich bin begeistert, wie Russell sich Jims Manierismen angewöhnt hat, seine Geschmeidigkeit, die Beine, die Art und Weise, wie er schwerelos das Gewicht von einem Bein aufs andere verlegte, Schläge abblockte, aus der Deckung kam und seine berühmte Schlagkombination landete. Boom!

Wie Jim hat er so ungefähr den tollsten linken Haken, den ich jemals gesehen habe. Er hat die Geschwindigkeit, den Rhythmus, die Entschlossenheit und vor allem den Willen. Am besten aber war, dass er gelernt hat, wie ein Boxer zu denken. Was man über Braddock sagen mußs: Er war ein smarter Kämpfer. Und Russell setzt seinen Grips ein, wie das auch Braddock getan hat. Wenn er nicht schon Schauspieler wäre, könnte man aus Russell einen ausgezeichneten Boxer machen."

Obwohl er zuvor bereits mit Crowe gearbeitet hatte, war Ron Howard überrascht, wie Crowe seine körperliche Verwandlung einsetzt, um Braddocks eigene Wandlung als Mann darzustellen: "Russell ist es blendend gelungen, Braddock während des Films wachsen zu lassen - sowohl als Kämpfer als auch als Mensch. Russell bezieht seine Inspiration aus dem, was er gelernt hat, und reflektiert das in seiner Darstellung auf ausgesprochen detaillierte Weise.

Das sind die Wurzeln seines unglaublichen Talents. Er hat ausgezeichnete Instinkte dafür, was seine Figuren ticken lässt und wie man das ausdrücken kann. Die Kämpfe mußsten eine Reflexion von Braddocks Persönlichkeit sein, und Russell hat das blendend auf die Reihe gekriegt. Wieder einmal hat er unter Beweis gestellt, dass er als Künstler superb ist." Produzent Brian Grazer fügt hinzu: "Ich habe schlicht und einfach noch nie jemanden gesehen, der sich mit größerer Intensität in eine Rolle vertieft als Russell Crowe."

Das Boxen macht auch menschliche Zerbrechlichkeit deutlich. Und wie Jim Braddock war auch Russell Crowe nicht gefeit gegen Verletzungen. Nur eine Woche vor dem geplanten Drehbeginn kugelte sich Crowe während eines besonders aggressiven Sparrings die Schulter aus. Die Schulter war so angeschlagen, dass sich Crowe einer komplizierten Operation unterziehen mußste. Die Produktion mußste deshalb für sieben Wochen ausgesetzt werden.

Unbeirrt nutzte Crowe seine Rekonvaleszenz, um seine Fußarbeit und sein gesamtes Verhalten im Ring noch weiter zu verfeinern. Nur eine Woche nach der Operation war er bereits wieder in der Trainingshalle und arbeitete daran, seine verletzte Schulter wieder zu kräftigen. Das Produktionsteam wiederum nutzte die Extrazeit, um noch komplexere Ring-Choreographien zu entwerfen. Letztlich sah Crowe die Verzögerung als Segen an, weil man dadurch die Zeit gewann, immer noch weiter an einem authentischen Porträt zu feilen.

Der Unfall gab Crowe sogar ungeahnte Einblicke in die Psyche von Braddock, da der Boxer so oft kämpfen mußste, während er sich gleichzeitig mental gegen die Qualen des eigenen geschundenen Körpers stählen mußste. Natürlich erhöhte die Verletzung Crowes die Spannung während der kompletten Drehzeit beträchtlich.

"Man sagte uns, dass sich Russell sehr leicht erneut verletzen könnte - dazu hätte gar nicht viel vorfallen müssen", erinnert sich Ron Howard. "Also mußsten wir unentwegt abwägen, wie man den bestmöglichen Take erreichen konnte, ohne die Chancen zu erhöhen, dass Russell sich verletzt. Das hieß, dass alle, auch Russell, noch sorgfältiger ans Werk gehen mußsten."

Ein Aschenputtel-Traum entfaltet sich mitten in einem amerikanischen Albtraum: Wie Ron Howard und sein Design-Team daran gingen, ein modernes Publikum in den Boxring und mitten in die Realität der Großen Depression zu entführen Die Geschichte eines Mannes zu erzählen, der wirklich existierte in einer Zeit, von der die meisten Amerikaner glauben, dass sie sie kennen, stellte Howard und seine Team vor eine Reihe von Herausforderungen. Und doch gab es für den Regisseur und seinen Kameramann Salvatore Totino eine ganz einfache Vorgabe.

Totino sagt: "Ron wollte, dass der Film richtig Mumm haben und ein ganz reales Gefühl für Leben entwickeln sollte. Wir konzentrierten uns darauf, dass das Publikum glauben sollte, es sei bei den Boxkämpfen hautnah dabei. Genauso sollte es den Zuschauern gehen, wenn sie unser New York City der 20er- und 30er-Jahre sehen."

Für das Boxen bedeutete das, dass die Kämpfe mit einer Vielzahl von Kameras aus einer Vielzahl von Winkeln gedreht werden mußsten. Immerhin wollte man das intime Wesen des Sports vermitteln, der ja ein Zweikampf zwischen zwei Athleten ist. Für die unbedingte Verpflichtung zur Realität, auf die sich die Filmemacher geeinigt hatten, gab es einen Preis zu zahlen. Die Intimität der Nahaufnahmen bedeutete, dass die Schauspieler und Kämpfer hart an den Rand körperlicher Kontakte gehen mußsten... und manchmal sogar darüber hinaus.

Das Maß an Gefahr war ziemlich hoch, wie Boxchoreograph Nick Powell anmerkte: "Wenn man wirklich versucht, einen mit voller Wucht geschlagenen Punch aus einer Reihe von Winkeln zu drehen, dann bleibt einem nichts anderes übrig, als ganz nah ran zu gehen. Und das bedeutet, dass es vorkommen kann, dass Fäuste ihr Ziel tatsächlich treffen. Ron sprach dann immer von, glücklichen Zufällen', weil der Realismus der Aufnahmen dadurch natürlich noch erhöht wurde. Visuell war das ungemein aufregend - solange man nicht derjenige war, der die Schläge abbekam." Der Mann, der am meisten einstecken mußste, war letztlich Russell Crowe selbst, dessen völlige Vertiefung in die Rolle und die Echtheit der Box-Sequenzen bedeuteten, dass der Schauspieler ein paar satte Hiebe auf den Kopf hinnehmen mußste - immer wieder holte er sich Prellungen und brach sich auch ein paar Zähne ab.

Während des Kampfes, in dem Braddock seinem Gegner Lasky (gespielt von Mark Simmons) gegenübertritt, wurde Crowe von einem derart harten, direkten Schlag getroffen, dass Giamattis Reaktion - ein Blick nackten Entsetzens - alles andere als gespielt war. "Jeder konnte hören, wie der Handschuh Russells Kopf traf. Ich habe, ganz ehrlich, keine Ahnung, wie er den Kampf fortsetzen konnte. Ich war überzeugt, er würde zu Boden gehen." (Die Aufnahmen kann man im Film sehen.)

Selbst die Männer, die die Kameras bedienten, speziell jene mit den Hand gehaltenen Kameras in der Nähe der Punches, waren in ständiger Gefahr. Der Ansatz mit mehreren Kameras bedeutete auch, dass Howard seinen verblüfften Cuttern - die langjährigen Partner Dan Hanley und Mike Hill - an manchen Tagen bis zu 10.000 Meter Film überreichte. "Sie waren anfangs ein bisschen geschockt", gesteht der Regisseur.

"Wir gaben ihnen viel mehr Filmmaterial als sie glaubten, dass wir gedreht haben könnten - und damit natürlich auch viel mehr Möglichkeiten. Aber sie entwickelten sehr schnell ein System, die Kämpfe auszuwerten und die besten Momente aufzuheben. Aus den Momenten, die sie am meisten mochten, erarbeiteten sie dann die Szenen."

Während Russell Crowe mit jedem Tag mehr dazulernte, was das Boxen anbetraf, mußste die Gruppe von professionellen Boxern, die als seine Gegner besetzt worden waren, darunter Art Binkowski als Corn Griffin, Troy Ross als John Henry Lewis und Mark Simmons als Art Lasky, lernen, wie man seine Schläge richtig abbremste. "Wir verboten ihnen, während der Dreharbeiten irgendein Vollkontakt-Training zu absolvieren", erklärt der Box- und Stuntkoordinator Steve Lucescu.

"Wir wussten, dass jeder noch so kleine Ausrutscher verheerende Folgen hätte haben können." Dennoch, so Troy Ross: "Echte Boxer sind es nicht gewohnt, ihre Schläge nur anzutäuschen. Das war ein recht intensiver Lernprozess für uns. Man hat die Sorge, wenn man sich zu gut zurückhält, kann man womöglich niemals wieder im Ring gewinnen." Die größte Schwierigkeit beim Training der professionellen Boxer war es, sie die Knockouts von Jim Braddock simulieren zu lassen.

Kein aufrechter Boxer geht freiwillig zu Boden. "Einige dieser Jungs sind im Ring noch nie k.o. geschlagen worden. Kein Wunder, dass ihnen die Idee nicht gefiel", merkt Lucescu an. "Manchmal mußsten wir sie daran erinnern: ,Steht doch im Drehbuch, du gehst jetzt zu Boden!'" Ob es nun die Bereitschaft war, einen Handschuh auf sich zurasen zu lassen oder auf die Matte zu gehen, alles geschah, um die Authentizität zu erreichen, um die es Ron Howard ging.

Der Regisseur fasst zusammen: "Wir haben viel Zeit mit Analysen, Designs und Choreographie für die Kämpfe zugebracht, damit wir sie auf einzigartige Weise darstellen konnten. Wir haben uns bemüht, die Kämpfe von Braddock so exakt wie möglich nachzustellen, damit sie aussehen wie die Filmaufnahmen in den Archiven. Gleichzeitig haben wir sie dramatisch völlig frisch aussehen lassen."

Außerhalb des Boxrings zeigt DAS COMEBACK eine urbane Welt, die von dem enormen ökonomischen und emotionalen Chaos der Großen Depression auf den Kopf gestellt wurde. Indem er die Ära mit einem authentisch schmutzigen Look wieder zum Leben erweckte, wollte Howard das heutige Publikum in die öde Realität von Braddocks Zeit versetzen - eine Realität, die jene, die diese unglaublich harten Zeiten nicht erlebt haben, oftmals erstaunlich finden.

Howard sagt: "Eine der größten Überraschungen, die ich beim Drehen dieses Films erlebte, war zu lernen, wie wenig Menschen heute realisieren, wie verzweifelt normale Amerikaner während der Depression waren und wie schrecklich das gesamte nationale Befinden vor 70 Jahren war. Es ist eine Story, die wir vielleicht nicht oft genug erzählt haben, aber es ist eine sehr wichtige. Wir vergessen, wie dankbar wir dafür sein müssen und wie weit wir gekommen sind."

Howard erfuhr erstmals in seiner eigenen Kindheit über die Große Depression, als er sich plötzlich bewusst wurde, dass die Zeit für viele Amerikaner - wie auch seine Eltern - extrem prägend gewesen war. Schon damals inspirierten ihn die Erzählungen dazu, einen Jugendfilm zu drehen. "Das Leben meiner Eltern war zutiefst überschattet von ihren Erfahrungen als Kinder, die die Depression überlebt haben", erklärt Howard.

"Also handelte der erste Film, den ich jemals gemacht habe - für den Geschichtsunterricht in meinem Junior-Highschool-Jahr - von dieser Zeit. Für diesen Film interviewte ich sieben oder acht Leute, die während der Depression gelebt hatten, dann fotografierte ich die Gesichter der Depression mit meiner kleinen Bauer Super 8 und ein paar Makrolinsen. Ich habe mich in dem Projekt fast verloren, und ich war seitdem fasziniert von der Ära."

Jetzt hatte Howard die Chance, die Depression noch einmal zu besuchen - mit umfassenderen erzählerischen Mitteln als zuvor. Er fährt fort: "Es war sehr wichtig für mich, ein wahrhaftiges Bild des alltäglichen Lebens während der Depression zu zeigen, nicht auf eine ikonographische Art und Weise, sondern als etwas sehr Reelles, das enormen Druck auf amerikanische Familien ausübte. Es gab viele, die wirklich das Gefühl hatten, sie würden da nie wieder herauskommen, weshalb Jim Braddocks Erfolg gegen alle Wahrscheinlichkeiten so eine große Bedeutung im ganzen Land hatte."

Howard arbeitete eng mit Kameramann Salvatore Totino zusammen, um die visuelle Atmosphäre mit diesem ursprünglichen Gefühl der Unsicherheit, der Verzweiflung und des Kampfes zu füttern. "Ron wollte den Staub dieser Zeit nachempfinden, also entschieden wir, ein starkes Straßenfeeling in die Fotografie einzubringen", kommentiert Totino.

"Wir versuchten etwas Raueres als das, was man gewöhnlich in den Darstellungen der 30er Jahre sieht. Es ist sehr einfach, bei der Depressionsära ins Glatte und Schöne und gut Ausgeleuchtete zu verfallen - und diese in gewisser Weise zu idealisieren und poetisieren, wie wir das schon oft gesehen haben. Aber wir wählten den gegensätzlichen Weg, ließen das Licht und die Handkamera sehr grob und eher auf der Seite kompromissloser Realität."

Auch Szenenbildner Wynn Thomas, der zuvor unter Howards Regie bei A BEAUTIFUL MIND mit von der Partie war, arbeitete eng mit Howard und Totino zusammen. Thomas war begeistert von der Entwicklung, die die Welt von Jim Braddock innerhalb von sechs Jahren durchmachte, die ihn vom Boom über die Pleite bis zur Wiedergeburt führt."

Um Braddocks wechselndes Glück einzufangen, entwarf Thomas für den Film verschiedene Phasen. Er erklärt: "Mein Job liegt darin, die Erzählung durch den visuellen Rahmen zu erhöhen. Also begannen wir im Jahr 1928, als die Welt noch in Ordnung ist. Alles ist hell und bunt, die Autos glänzen, und es gibt sehr viel Gold und Blumendekors. Dann, mit Beginn der Depression, ändert sich der Look. Die Farben ändern sich dramatisch und verschwinden fast aus dem Film.

Auf diese Weise beschwört der Film gewissermaßen diese strengen Fotografien aus den 1930ern, die wir alle gesehen haben und die immer so ausdrucksstark sind. Aber am Ende des Films nimmt der Look eine andere Nuance an, als Braddock beginnt, seinen Optimismus und seinen Glauben an eine aussichtsreiche Zukunft wiederzugewinnen."

Um die Boxszenen aus dem New York der 30er-Jahre so authentisch wie möglich zu kreieren, mußste, so erkannte Thomas, die Produktion eine Reise nach Kanada unternehmen, wo sich die Maple Leaf Gardens, eine der wenigen weltweit noch existierenden Beispiele großer Sportarenen dieser Ära, befinden. Die heute stillgelegte kanadische Hockey-Arena wurde 1931 gebaut und gab den perfekten Ersatz für den Madison Square Garden aus Braddocks Tagen ab, der vor langer Zeit abgerissen und neu aufgebaut wurde - die heutige moderne Struktur ähnelt kaum noch der Arena, in der Braddock damals Baer gegenüberstand.

Wichtigster Aspekt der historisch authentischen Architektur war die Tatsache, dass Maple Leaf Gardens groß genug war, um die technisch anspruchsvollen Kampfszenen zu filmen, insbesondere den Braddock-Baer-Kampf vor 35.000 Zuschauern, den Höhepunkt des Films. Außerdem war die Arena eine unbegrenzte Zeit lang nutzbar, so dass die Aufnahmen während der gesamten Dreharbeiten stattfinden konnten. All dies machte Maple Leaf Gardens zur ersten Wahl für Howard und die Filmemacher.

Für die Außenaufnahmen entdeckte Thomas, dass die Rückseite von Torontos Hudson's Bay Company Store eine Reihe von architektonischen Elementen mit dem berühmten Gebäude gemein hatte. Aber das Finden der Location war nur der Anfang. Thomas verließ sich auf akribische Old-School-Handarbeit, mit der seine Crew das gesamte Äußere des Gebäudes wiederherstellte, einschließlich der Ergänzung einer Replik des berühmten Garden-Vordachs mit seinen 10.000 Glühbirnen, entworfen von Setdesigner Michael Madden.

Für die Außenaufnahmen der Nachbarschaft von Braddocks Familie versetzte Thomas mehrere Straßen in die Depressionsära und füllte die Avenues mit Reihen einsamer, verlassener, geschlossener Läden. Er realisierte eine Metzgerei, eine Bäckerei, eine Rexall-Drogerie und den allgegenwärtigen Pfandleiher. Dabei wurden die Schaufenster der Läden mit Bestseller-Produktionen aus exakt jener Zeit gefüllt, von den stylischen Adam Hats aus Stroh bis zum Majestic All-Purpose Tonic.

Die Designs waren inspiriert von einer ungewöhnlichen Lektüre: 30er-Jahre-Ausgaben des "Sears Roebuck Catalog", der die Stimmung exakt traf und den Designern half, sich mit den alltäglichen Geräten und Objekten, die man typischerweise in den Haushalten der Zeit fand, anzufreunden. Für eines der wichtigsten Szenenbilder hielt Thomas das Appartement von Jim und Mae, das - obwohl klein und feucht und elendig unperfekt - ihr Refugium vor einer immer härter und unfreundlicher werdenden Außenwelt wurde.

"Es gibt eine echte Story innerhalb dieser Wohnung, die mit dem Design erzählt werden wollte", erklärt Thomas. "Jim und Mae sind in eine durch und durch raue und trostlose Gegend gezogen, und Mae hat die Wohnung so gut sie kann hergerichtet, um nicht ständig an ihre Probleme denken zu müssen. Die Umgebung reflektiert sehr genau, wer sie ist und was ihre Familie ihr bedeutet - niemals aufzugeben und dem Leben niemals zu erlauben, das Beste von dir zu nehmen."

Thomas genoss besonders die Zusammenarbeit mit Renée Zellweger bei den Entwürfen für das Braddock-Haus und die Umgebung. "Ich zeigte Renée eine frühe Version des Appartements, und es war schlicht unglaublich: Als wir von Zimmer zu Zimmer gingen, nahm sie dabei ganz unvermittelt verschiedene Gegenstände in die Hand und gab ihnen damit eine eigene Familiengeschichte", erinnert er sich. "Alles bekam eine Bedeutung und Leben, und wir hatten das Gefühl, dass wir ein echtes Zuhause schaffen würden."

Wynn Thomas akribische Aufmerksamkeit für Details wurde zur Inspiration für Cast und Crew und half ihnen, noch tiefer in Jim Braddocks Realität einzutauchen. "Die Sets haben alle umgehauen", sagt Salvatore Totino. "Es gab Zeiten, in denen ich das Gefühl hatte, ich wäre komplett aus unserer Zeit ins Jahr 1933 getreten. Die makellosen Details machten wirklich einen entscheidenden Unterschied bei der Erzählung der Geschichte. Das gab sowohl Schauspielern als auch Crew mehr Freiheit, weil hier so viel kreative Arbeit drinsteckte."

In der Zwischenzeit tauchte Kostümdesigner Daniel Orlandi, der mit Howard zuvor bei APOLLO 13 zusammengearbeitet hatte, in die Fotoarchive ein, um sich selbst mit den typischen Kleidern vertraut zu machen, die von so ungleichen Gruppen der 30er-Jahre wie Dockarbeitern, Boxern und Familien von Fürsorgeempfängern getragen wurden. Er kam zurück von seinen Recherchen mit einer neuen Vision von Amerika, die wirklich den 1930ern gerecht wurde.

Anstelle einer Nation in ramponierten Lumpen entdeckte er ein Land, das sich selbst in härtesten Zeiten weiterhin um eine elegante Erscheinung bemühte. "Ich denke, unser unwillkürlicher Eindruck von der Depression stammt gewöhnlich aus THE GRAPES OF WRATH ("Früchte des Zorns", 1940)", sagt Orlandi.

"Aber es war tatsächlich ganz anders in New York City, das genauso hart betroffen war. Es schien, dass alle immer noch ihre Anzüge anzogen, selbst wenn sie kein Geld hatten oder sogar auf den Straßen lebten. Es gibt dieses großartige Buch aus dem Jahr 1933 mit einem Foto von Menschen, die Stellenanzeigen betrachten, und sie alle tragen Anzüge und Fliegen und Hüte. Man sagt, dass der Geist eines Mannes vor seinem Anzug gebrochen wird."

Gleichzeitig beobachtete Orlandi, dass im weiteren Verlauf der Depression selbst die feinsten Kleider immer mehr abgenutzt wurden, also nahm er die Vintage-Kostüme des Films und "alterte" sie, während die Story voranschritt, versah sie mit Verschleißerscheinungen, Staub und Dreck. Beim Entwerfen der Kostüme für Russell Crowe verließ sich Orlandi auf die verfügbaren Fotos von Jim Braddock, der oft eine eindrucksvolle Figur in seinem Boxoutfit machte.

"Wir hielten uns bei Russells Look hauptsächlich an die historisch verbürgte Realität", sagt er. "Aber wir wollten außerdem, dass die Kostüme den dramatischen Aufstieg und Fall seiner Figur dokumentierten. Wenn wir ihn zum ersten Mal sehen, als er noch ein erfolgreicher Boxer ist, trägt er einen schönen 20er-Jahre-Nadelstreifen-Anzug mit zweifarbigen Schuhen und einer Taschenuhr. Aber im Laufe der Zeit hat er offensichtlich nicht mehr so viel teure Kleidung. Sein Look wird einfacher, mehr basic. Man sieht, dass er mehr und mehr ein Mann des Volkes wird."

Im Fall von Crowes Boxkleidung arbeitete Orlandi mit dem Schauspieler zusammen, um die möglichst authentischsten Stücke bis hin zu den 30er-Jahre-Stil-Boxstiefeln zu finden. "Bei Russell mußste alles absolut sitzen", bemerkt er. "Wir durchsuchten Boxarchive und Museen, um in dieser Hinsicht sicher zu gehen." Orlandi stand außerdem vor der Herausforderung, Renée Zellweger schlecht zu kleiden.

"Renée war wundervoll, weil sie überhaupt nicht eitel war und ihre traurigen kleinen Pullover mit Löchern und die schlichten Kleider der Depression förmlich umarmte", sagt er. "Glücklicherweise hatten wir auch ein paar Gelegenheiten, sie nett und hübsch in der Mode der Zeit zu kleiden, wenn sie ihrem Ehemann beim Kampf zuschaut." Der größte Spaß lag für Orlandi vermutlich darin, den berühmten protzigen Schwergewichts-Champion Max Baer einzukleiden, der von Craig Bierko gespielt wird.

"Max war extrem großspurig, besonders für einen Boxer, und er war bekannt für seine Mäntel und adretten Smokings, also spielten wir dies aus, um die Unterschiede zwischen den Persönlichkeiten von Max und Jim hervorzuheben", erklärt Orlandi. Orlandis Coup de Grace war die enge Zusammenarbeit mit Ron Howard und Szenenbildner Wynn Thomas, um eine der maroden "Hoovervilles" zum Leben zu erwecken, die in dieser Zeit in amerikanischen Großstädten aufkamen. Allein den Look der Camps zu entwerfen, war eine bewegende Erfahrung für Orlandi.

"Es ist wirklich beeindruckend, in diese Zeit zurückversetzt zu werden", kommentiert Orlandi. "Wir mußsten die meisten Kleider für die Obdachlosen selbst nach eigenen Entwürfen nähen, da wenig davon überlebt hatten. Wir passten jedem Statisten individuell sein Kostüm an, und als sie in Wynns unglaublichem Set standen, sah das aus wie ein Foto aus den 30er-Jahren. Es war fast so, als könnte man eine Geschichte über jeden Einzelnen von ihnen erzählen. Jeder hatte ganz klar etwas Ähnliches erlebt wie Jim Braddock."

Für die Schauspieler war die Reise in die Depression dank der detaillierten Designs ein beeindruckendes Unternehmen. Renée Zellweger fasst zusammen: "Ron und die ganze Crew brachten eine unglaubliche Menge an Details für jedes einzelne Element zusammen - vom Essen auf dem Tisch bis zur Authentizität im Boxring - und alles fühlte sich so echt an. Es war eine Freude, bei einer so inspirierenden, klangvollen Story dabei zu sein - und zu wissen, dass diese auf so eine schöne, fein gearbeitete Art und Weise erzählt wird. Es war das beste Projekt, das man sich vorstellen kann."

Crowe sah eine natürliche Entwicklung in seiner fortschreitenden professionellen Beziehung mit Howard: "Die einfache Version davon ist, dass unsere Zusammenarbeit immer besser und besser wird. Man könnte nicht unterschiedlichere Themen bearbeiten - einen schizophrenen Mathematiker und einen Boxer der 30er-Jahre. Alles an dieser Erfahrung war anders, abgesehen von meiner Beziehung zu Ron. Wir mögen die tägliche Arbeit - ich denke, das ist unsere Gemeinsamkeit. Und wir betrachten Filmemachen als Privileg."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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