SommerHundeSöhne

Ausführlicher Inhalt

Der Zufall bringt zwei junge Männer zusammen, die verschiedener nicht sein könnten: Marc (Stipe Erceg) ist ein impulsiver Macho, der sich vom Leben nimmt, was er kriegen kann. Er hat augenscheinlich Grund zur Flucht ? jedes Polizeiauto treibt ihm den Angstschweiß auf die Stirn. Frank (Fabian Busch) dagegen ist ein infantiler Träumer, der an Mutters Schürzenzipfel hängt und allein kaum lebensfähig ist.

Als Marc ihn halb kidnappt und halb zur Flucht verführt, wird er zum ersten Mal aus seiner Lebenswelt heraus gerissen. Die Devise heißt: erst einmal weg von Deutschland, weg von der eigenen Schuld (Marc), weg von der engen Kleinfamilie (Frank) und quer durch Europa der Wüstenoase in Marokko entgegen, wo Marcs Vater lebt, der angeblich Hilfe braucht. Frank ist von seinem tödlich verunglückten Vater nur eine besprochene Märchenkassette geblieben, die er wie eine Reliquie aufbewahrt.

Für beide wird die Tour durch Europa auch zur Entdeckungsreise zu sich selbst ? jeder wird auf seine Weise am Ende erwachsener und freier sein als zu Beginn. Die Welt, die Marc und Frank im klapprigen Wohnmobil hinter sich lassen, ist hässlich-grau und aus Beton. Im Rücken haben sie die heimatliche Tristesse, vor sich den sonnigen, leuchtend farbigen Süden. Ihr Ziel: Tanger, wo Marcs Vater lebt.

Bei ihrem Trip geraten sie in merkwürdige Situationen und begegnen ?en passant? den sonderbarsten Menschen, die meist so beiläufig verschwinden, wie sie auf der Bildfläche erschienen sind. Aus dem Nichts taucht Ilvy (Lilja Löffler) auf, ein rätselhaftes, hübsches Mädchen, das Frank nachts im Regen in ihr Auto einlädt und ihn offensichtlich mag. Er verliert sie bald darauf, trifft sie wieder und ist das erste Mal verliebt.

Sie holt Pauli (Martin Clausen) mit an Bord, einen Jungen, der Treibgut der Zivilisation aufsammelt und neu für sich sortiert. Für eine Weile reisen sie als komisches Quartett, bis Ilvy flüchtet und Pauli still von dannen zieht. Marc und Frank werden von spanischen Cowboys beraubt, von einem Weinbauern verköstigt und gepflegt und von einem mysteriösen Typ verfolgt. Mit jedem Stück des Weges lernen Marc und Frank sich besser kennen. Aus der Notgemeinschaft wird ein Team.

Sie holen sich das gestohlene Wohnmobil zurück, ziehen fröhlich torkelnd durch die Nacht und prügeln sich, wenn?s nötig ist. Als Marc den spanischen Weinbauern bestiehlt, bringt Frank ihn zur Vernunft. Selbst Eifersucht kann ihre Freundschaft nicht dauerhaft trüben, einträchtig erreichen sie das Ziel. Die Überfahrt nach Tanger ? die Schlussetappe ihrer Tour ? wird zur Offenbarung für die beiden. Frank erlebt mit Ilvy glückliche Stunden im Unterdeck, während Marc der Begegnung mit seinem Vater entgegensieht.

Im Hinterzimmer einer Bar von Tanger treffen sie sich dann, der Vater ist still und krank, Marc enttäuscht. Er tobt später in den Gassen von Tanger ? das war sie also, die Oase in der Wüste. Auch Frank bleibt Ernüchterung nicht erspart: Ilvy entscheidet sich für den Typen, der ihnen schon seit Deutschland folgt. Marc und Frank fühlen mit dem Verlust des anderen, spenden sich gegenseitig Trost.

Die Pointe der Geschichte: Aus der Traum? Keineswegs! Sie fassen jeder einen überraschenden Entschluss: Frank sagt, ich fahre nicht zurück, Marc beschließt, den kranken Vater noch einmal zu besuchen. Zwei Freunde verabschieden sich voneinander ? und haben eine ganze Welt vor sich.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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