Gespenster

• Inhalt • Darsteller & Stab • Filmkritiken • Filmplakat im Großformat: Deutschland

Titel Deutschland: Gespenster
Titel USA: -
Genre: Drama
Farbe, Deutschland, 2005

Kino USA: -
Kino Deutschland: 15. September 2005
Kino Österreich: 23. September 2005
Laufzeit Kino: 85 Minuten, FSK 12



Inhalt Zwei junge Frauen begegnen sich eines Morgens im Berliner Tiergarten. Nina, ein Heimkind, scheu und trotzig in sich gekehrt; und Toni, eine Diebin, die sich die Welt nimmt und keine Chance auslässt. Nina fühlt sich von Tonis impulsivem Wesen angezogen. Sie folgt Toni auf deren atemlosen Streifzügen durch die Stadt.

Auch die elegante Françoise wandert durch Berlin. Sie gibt die Hoffnung nicht auf, ihre Tochter Marie wiederzufinden, die hier vor vielen Jahren entführt wurde. Pierre, ihr Mann, versucht mit sanfter Geduld sie zur Rückkehr nach Paris zu bewegen. Die Wege der drei Frauen kreuzen sich.

Für einen kurzen, wirklichen Moment glaubt Françoise, in Nina ihre Tochter zu erkennen. Dann sind die Mädchen wieder im Großstadtgeschehen verschwunden. Doch Françoise und Nina werden sich noch einmal begegnen.


Darsteller & Stab Darsteller: Julia Hummer (Nina), Sabine Timoteo (Toni), Marianne Basler (Françoise), Aurélien Recoing (Pierre), Benno Fürmann (Oliver), Anna Schudt (Kai), Claudia Geissler (Heimleiterin), Philipp Hauß (Mathias), Victoria von Trauttmansdorff (Mathias? Mutter)

Stab:Regie: Christian Petzold • Produktion: Florian Koerner von Gustorf, Michael Weber • Drehbuch: Christian Petzold, Harun Farocki • Vorlage: - • Filmmusik: Stefan Will, Marco Dreckkötter • Kamera: Hans Fromm • Spezialeffekte: - • Ausstattung: Harry Rischmüller, Elena Gosch • Schnitt: - • Kostüme: Anette Guther • Make Up: Monika Münnich, Sabine Schumann • Ton: Andreas Mücke-Niesytka • Ton(effekt)schnitt: Dirk W. Jacob, Martin Steyer • Stunts: - •


Filmkritiken Dirk Jasper FilmLexikon: Behutsam und aufmerksam, in Einstellungen von konzentrierter Ruhe, Spannung und Wirklichkeit nähert sich Regisseur Christian Petzold seinen Figuren im Niemandsland von Gegenwart und Vergangenheit. Gespenster erzählt von Verlust, Einsamkeit und Liebe und verdichtet die Schicksale dreier Frauen zu einer bewegenden Begegnung, die ihre Flüchtigkeit, Unnahbarkeit und Sehnsucht in Momente größter Nähe umschlagen lässt.

Frankfurter Rundschau: Von Geisterbildern sprach man früher, wenn die Fernsehantenne schlecht eingestellt war oder ein Gewitter zu so genannten Überreichweiten geführt hatte. Heute, wo selbst das Schwarzweiß aus dem Fernsehen verschwunden ist, können uns höchstens noch die Überwachungskameras mit solchen Geisterbildern erschrecken. Sie allein haben die Hoheit über das weiße Rauschen. So ist dann auch die eindringlichste von Petzolds gewohnt unaufdringlichen Kompositionen eine solche Überwachungskamera-Inszenierung: Eine Schattenhand schiebt einen Kinderwagen aus der Bildfläche ins ewige Nichts. Vor dem Nicht-Loslassen-Können hatten die Grimms in ihrem Märchen ?Das Totenhemdchen? gewarnt. Petzold schließt sich ihnen an, in diesem hervorragenden deutschen Wettbewerbsbeitrag, dessen einziger Makel zu sein scheint, dass er nicht so schnell einschlägt wie Die innere Sicherheit, dafür aber ein bleibendes Nachbild erzeugt.

Süddeutsche Zeitung: Es gibt diesen speziellen Zustand im Kino: Eine schleichende Auflösung der Wirklichkeit, eine plötzliche Lücke zwischen zwei Bildern, die sich mit keiner Technik lokalisieren lässt und trotzdem den Einbruch des Magischen erlaubt. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass die ganze Arbeit des Regisseurs Christian Petzold auf diese Momente hinausläuft. (...) Gespenster entwickelt einen somnambulen Sog, dem man sich überhaupt nicht mehr entziehen kann. Man traut dann seinen Augen kaum, wie sehr sich plötzlich die Orte in Berlin Mitte, Berlinale-Orte sogar, unter den Augen dieses Regisseurs und seines genialen Kameramanns Hans Fromm verwandeln.

Neues Deutschland: Petzoldd hat in den letzten Jahren Filme gemacht, die ganz karg und fragmentiert daherkamen, durchsichtig bis auf den Grund waren und (das ist das Wunder dieser Filme) dennoch immer ihr Geheimnis bewahrten. Petzolds Filme sind so wenig aufklärbar wie die menschliche Psyche, alles zielt hier auf Joseph Conrads ?Herz der Finsternis?, eine Atmosphäre des Übergangs: Hoffnungen, Trugschlüsse, fortgesetzte Versuche, und immer dem Traum folgend, selbst da, wo nur noch eine große Dürre vor uns zu liegen scheint. Es sind lauter kleine, unspektakuläre Filmwunder, die man an Petzold lieben mußs!

Die Zeit: Unaufhaltsam wird der Betrachter in eine Geschichte von Sehnsucht und Verlust gezogen. Die lichte Klarheit des Berliner Sommers, das Rauschen der Blätter und des Windes, das Brummen des Verkehrs, all dies wird zu einer Erfahrung zweiter Ordnung, als sei es ein Traum, eine Erinnerung oder ein Märchen, dessen Figuren vielleicht nur durch die Sehnsucht der anderen existieren und in der Welt gehalten werden. Wirklich ist in diesem mit fast hypnotischer Ruhe fotografierten Film vielleicht nur die bodenlose, alles durchdringende Sehnsucht einer Frau nach ihrem Kind.

Saarbrücker Zeitung: Petzold gehört zu den aufregendsten Regisseuren in Deutschland. Man braucht Geduld bei seinen Filmen, sie sind sicher auch Geschmacksache ? aber wer sich darauf einlässt, kann viel entdecken. (...) Sabine Timoteo verleiht ihrer Toni eine trotzige Entschlossenheit, sie holt sich, was sie kriegen kann. Die Hauptlast aber trägt Julia Hummer als Nina, abgeschottet wie in einer anderen Welt, scheu, sich nur ganz zögerlich öffnend. Großartig.

Der Tagesspiegel: Gespenster ist der bisher beste Film im Wettbewerb. Weil er sich nicht damit begnügt, ein Thema möglichst nach allen Seiten gültig auszufüllen und aufzulösen, sondern weil er von der ersten Einstellung an darüber hinausgeht. Weil er etwas wagt, auch das Scheitern. Weil er das Filmemachen weitertreibt, ohne Aufhebens davon zu machen. Aufsehen genügt, leinwandwärts.

FAZ: So wie in Antonionis Blow Up die Vision wichtiger ist als die Wirklichkeit, treiben auch hier die inneren Vorstellungen der Personen die Handlung voran, die Träume vom Glück des Wiederfindens, die im windigen Sommerlicht Berlins aufblitzen und wieder zergehen. Jede ist das Gespenst der anderen. Gespenster gibt ihnen einen Ort in der Realität.

Die Welt: Auch dieses Berlin ist eine Geisterstadt. Petzold bewegt sich darin ganz still, wie auf Zehenspitzen, um seine somnambulen Figuren zwar zu beobachten, aber ja nicht aufzuwecken. Man glaubt, Petzold bei der Arbeit zuzuschauen: immer weiter nachzuhaken, weiter draufzuhalten, bis der klarste, wahrste Moment hindurchblitzt.

Stuttgarter Nachrichten: So introvertiert Julia Hummer ihre Figur angelegt hat, so viel von deren Innerem vermittelt sie allein über Gestik, minimale Mimik, schiere Präsenz ? eine grandiose Leistung. Das ist deutscher Film mit Kinoformat, stilistisch und atmosphärisch stimmig.

Barbara Möller, Hamburger Abendblatt: Ein Paukenschlag. Wenn man das so sagen kann von einem der stillsten Filme des Festivals, in dem es ?nur? um Sehnsucht nach Zugehörigkeit geht und um Verrat und um das Ertragen von Einsamkeit. (...) Das alles ist, kurz gesagt, überragend.

Braunschweiger Zeitung: Man könnte Gespenster eine grandiose Skizze nennen. Die einzige Möglichkeit, von Gespensterm ein Bild zu erhaschen.

Kieler Nachrichten: Eine fast schwerelose Berlin-Geschichte ... So viel Nonchalance und Noblesse zeichnete bisher französische Filme aus.

DVD Magazin 10/2005: Nicht nur für Petzold-Fans ein sehenswerter Film mit Tiefgang.

Filmplakat
Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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