Durchfahrtsland

• Inhalt • Darsteller & Stab • Filmkritiken •

Titel Deutschland: Durchfahrtsland
Titel USA: Durchfahrtsland
Genre: Dokumentarfilm
Farbe, Deutschland, 2005

Kino USA: -
Kino Deutschland: 15. September 2005
Laufzeit Kino: 94 Minuten, FSK o. A.



Inhalt Nur 20 Straßenbahnminuten sind es vom Kölner Dom bis ins Vorgebirge ? eine dieser Gegenden, durch die man durchfährt, um anderswo einen Ausflug zu machen. Eingezwängt zwischen Köln und Bonn, nicht Stadt, nicht Land, zersiedelt, gesichtslos, austauschbar.

Schillernd wird die Gegend nur nachts, wenn die Ölraffinerien am Rhein gespenstisch leuchten. Für die Menschen allerdings, die dort wohnen, ist das Vorgebirge die Mitte der Welt. In dieser Mitte gilt es, sich einen Platz zu erobern. Was nicht immer ganz leicht ist, ganz besonders nicht für die vier Protagonisten des Films!

Hans Wilhelm Dümmer, der Pfarrer zweier Nachbardörfer, die seit Jahrhunderten verfeindet sind, und dessen schwere Mission deren Versöhnung ist. Sophia Rey, die Vorgebirgskrimiautorin im Eigenverlag, deren neue Bücher ausgerechnet in ihrem eigenen Heimatdorf zunehmend unbeachtet bleiben.

Mark Basinsky, das jüngste Mitglied eines Junggesellenvereins, träumt davon, eines Tages Modedesign in Mailand zu studieren. Und Giuseppe Scolaro, der leidenschaftliche Erste Vorsitzende eines Spielmannszuges, der zu seinem eigenen Bedauern Italiener ist ...


Darsteller & Stab Darsteller: Hans Wilhelm Dümmer, Sophie Rey, Mark Basinsky, Giuseppe Scolaro

Stab:Regie: Alexandra Sell • Produktion: Jörg Siepmann, Harry Flöter für 2Pilots / ZDF • Drehbuch: - • Vorlage: - • Filmmusik: Kreidler • Kamera: Justina Feicht, Henning Drechsler • Spezialeffekte: - • Ausstattung: - • Schnitt: Gesa Marten, Daniela Drescher • Kostüme: - • Make Up: - • Ton: Caroline Cochius • Ton(effekt)schnitt: Gerd Neskens • Stunts: - •


Filmkritiken Dirk Jasper FilmLexikon: Durchfahrtsland begleitet die Protagonisten ein Jahr lang und zeichnet dabei ein sehr persönliches Porträt einer Gegend, die nur auf den ersten Blick unscheinbar wirkt. Ein typisches Stück deutscher Provinz, deren Bewohner sich mit trotzigem Stolz ihre Riten, Mythen und Geschichten bewahrt haben. Auch wenn die Schmutzgürtel der Großstädte immer näher rücken.

Rudolf Worschech, epd film 04/2005: Es gibt, nicht nur im Dokumentarfilm, wieder eine große Neugier auf die Wirklichkeit, auf den Alltag, auf verborgene Universen in der bekannten Welt. Und das Unbekannte liegt oftmals ganz nah. Bei Köln zum Beispiel. Da gibt es das Vorgebirge, von der Stadt aus noch mit der Straßenbahn zu erreichen. Vier Menschen beobachtet Alexandra Sell in diesem Durchfahrtsland, gezeigt im Forum, den Pfarrer, eine Krimiautorin, einen Schüler und den Soldaten Giuseppe. Es ist ein ironischer Blick, aber kein böser, vernichtender, mit dem Sell das Leben in den Dörfern beschreibt, in denen die Vereine den Ton angeben und seltsame Trinkrituale veranstaltet werden. Es ist ein fast ethnographischer Blick, den Sell auf die Spezies des Vorgebirges wirft, mit einem Off-Kommentar, der einschmeichelnd wie einst Alexander Kluge das Geschehen kommentiert, analysiert und weiterführt. Und am Schluss merkt man: Die Vorgebirgler sind wie die Kölner Jugendlichen auch so etwas wie eine Parallelgesellschaft, mitten unter uns. Durchfahrtsland ist ein kleines Wunder von einem Dokumentarfilm, und wenn es ein Ranking aller Berlinale-Filme 2005 gäbe: Er wäre unter den Top Ten.

Ralf Schenk, Berliner Zeitung, 18.02.2005: Die Regisseurin nähert sich dem Durchfahrtsland in konzentrischen Kreisen. Hinter den Storys schlummert viel Verborgenes, Verdrängtes; der Film lässt das spüren, gibt aber die Geheimnisse nicht preis. Überhaupt bleibt die Kamera lieber auf Abstand, als nahe an die Gesichter zu rücken, und bindet die Figuren so auch optisch in ihr Lebensumfeld ein. Der Kommentar erlaubt sich dagegen feine Ironie; die klug verschachtelten, pointierten Sätze klingen bisweilen, als stammten sie von Heinrich Böll.

Schwartz C., Neue Zürcher Zeitung, 18.02.2005: Alexandra Sell hat ein so heiteres wie eigenwilliges Porträt über vier Vorgebirgsbewohner gemacht. Es kommt selten vor, dass ein Dokumentarfilm eine erzählerische Kraft entwickelt, die glauben macht, es handle sich beim Gezeigten um eine phantastische Geschichte. In diesem Film kann man das erleben: wie dank einem überaus charmanten Kunstgriff ein wirkliches, fast vergessenes Land jenseits von "Hartz IV" wieder aufscheint.

Silvia Hallersleben, Der Tagesspiegel Berlin, 17.02.05: Eine distanziert neugierige Sympathie prägt ihren Film Durchfahrtsland, der das Leben einiger Vorgebirgler dokumentiert. Eine Kameraführung, die nie künstliche Nähe vorgibt. Eine fast teilnahmslos unterkühlte Musik. Sells wirkungsvollstes Kunstmittel jedoch ist eine begleitende Erzählstimme, die den Erlebnissen der Protagonisten bedeutungsvolle Kontinuität verleiht.

film-dienst 19/2005: In langen Einstellungen komponierter Dokumentarfilm im Stil einer ethnografischen Studie, deren allwissender Erzählstimme das Staunen über das Gesehene anzuhören ist. Die Personen werden nie bösartig entlarvt, vielmehr stellen sich ihre unspektakulären Schicksale wie Motive aus einer seltsamen Märchenwelt dar.

Szenenfoto
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