Dark Water - Dunkle Wasser

Produktionsnotizen

Die Sintflut beginnt Nichts ist furchteinflößender als die Feststellung, dass das eigene Heim, die eigene Familie, die eigene Nachbarschaft, die eigenen vier Wände sich gegen dich verschworen haben. Wenn es an dem Ort, der eigentlich ein sicherer Hafen sein sollte, keine Sicherheit gibt, dann wuchert in der Psyche die tiefsitzendste Form der Angst. Dieses Thema zieht sich durch einige der verstörendsten und hochkarätigsten Horror-Thriller der Filmgeschichte.

Angefangen bei den scheinbar so netten Nachbarn, die insgeheim satanistische Rituale feiern, wie in ?Rosemary?s Baby? (?Rosemaries Baby?, 1967), über das idyllische Feriendomizil, das in einen blutigen Familienwahn verfällt, wie in ? The Shining? (?Shining?, 1980), bis hin zu dem kleinen Jungen, der überall den Verstorbenen begegnen mußs, wie in ?Sixth Sense? (?Der sechste Sinn?, 1999) ? die Vorstellung des ?trauten Heims? als unerträgliches Spukschloss hat die Vorstellungskraft schon immer angefeuert.

?Dark Water ? Dunkle Wasser? setzt diese klassische Tradition nun fort, in einem intelligenten, stylischen, emotionsgeladenen und zum Nachdenken anregendem Horrortrip, der von den vielschichtigen Darstellungen eines hochkarätigen Schauspielerensembles getragen wird. Der gefeierte Regisseur Walter Salles (?Central Station?, ?Die Reise des jungen Che?) tritt in die Fußspuren von Alfred Hitchcock, Roman Polanski, Stanley Kubrick, M. Night Shyamalan und Alejandro Amenabar; er erforscht das verstörende und grauenerregende Terrain, auf dem sich die Realität des Alltags und die dunkelsten übernatürlichen Geheimnisse begegnen. Basierend auf einer Geschichte des Autors des Horror-Klassikers ?The Ring? (?Ring?, 2002) nähert sich ?Dark Water ? Dunkle Wasser? dem Thema der modernen Angespanntheit aus einer originellen Perspektive: Die einer sich aufopfernden Mutter, die Unvorstellbares unternehmen wird, um ihre Tochter vor einer Wohnung zu beschützen, die buchstäblich droht, eine Flut des Grauens über ihnen zu entladen.

Einzug: Ein Drehbuch, das geheime Ängste auslöst ?Dark Water ? Dunkle Wasser? ist eine markerschütternde Geschichte über Psychoterror, der verstörende Fragen auslöst ? sie betreffen den Ort, an dem wir leben, die Menschen, denen wir vertrauen, und die Dinge, die wir am meisten fürchten. Dieser Film ist eine neue Version einer japanischen Kurzgeschichte des renommierten Horror-Autors Koji Suzuki, die dem einflussreichen Spielfilm unter der Regie von Hideo Nakata als Vorbild diente.

Suzuki und Nakata sind wahrscheinlich für einen anderen, hochexplosiven und spannungsgeladenen Psycho-Thriller bestens bekannt: ?Ringu? (1998), dessen Version unter der Regie von Nakata unter allen internationalen Horror-Filmen derjenige war, der für das größte Furore aller Zeiten sorgte, und der später als Hollywood-Remake (The Ring?/?Ring?, 2000) mit Naomi Watts in der Hauptrolle auch ein von der Kritik gefeierter Hit wurde. Während sich Ring? jedoch auf ein fluchbeladenes Videoband konzentrierte, das jeden, der es ansah, mit dem Tod bedrohte, widmet sich ?Dark Water ? Dunkle Wasser? den Ängsten im Alltag der Erwachsenen. Es ist die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter und einer Großstadtwohnung, die scheinbar zum Bersten voll ist mit Erinnerungen und Bösartigkeit.

Nakatas japanische Version von ?Dark Water? (?Honogurai mizu no soko kara?) kam einige Jahre nach ?Ring? in die Kinos und wurde als eines seiner besten Werke sowie als absoluter Höhepunkt des japanischen Horror-Genres gefeiert ? ein gleichzeitig emotionsgeladener, psychologisch komplexer wie auch hochspannender Film.

Es war die unvergessliche Erfahrung, Nakatas Film gesehen zu haben, die anfangs die Produzenten Bill Mechanic, Roy Lee und Doug Davison auf die Idee brachte, diese Geschichte einem breiteren Publikum in Amerika zugänglich zu machen. Mechanic meint: ?Der Film war gleichzeitig intelligent und furchterregend ? und erinnerte mich sofort an Klassiker wie ?Rosemary?s Baby? (?Rosemaries Baby?, 1967) und ?The Shining? (?Shining?, 1980). Er hatte auch etwas Universelles an sich ? die Spannung entstand durch Themen wie Einsamkeit und Isolation, mit denen sich das amerikanische Publikum unserer Meinung nach instinktiv identifizieren würde. Ich war dermaßen beeindruckt, dass ich die Rechte kaufte ? und zwar fünf Minuten, nachdem ich den Film gesehen hatte.?

Nun stellte sich die Frage, wie man eine Horror-Geschichte auf ganz neue Art und Weise angehen sollte, um ein realistisches New York City, typisch amerikanische Figuren und Themen darzustellen ? und dabei die Anspannung und Bedrohung auf Hochtouren zu fahren. Um dies zu bewerkstelligen, engagierten die Produzenten den renommierten Drehbuchautor Rafael Yglesias, der zuvor zwar noch keinen Horror-Film geschrieben hatte, aus dessen Feder voller psychologischer Einsichten jedoch bereits Filme wie Peter Weirs ?Fearless? (?Fearless ? Jenseits der Angst?, 1993) und Roman Polanskis ?Death and the Maiden? (Der Tod und das Mädchen?, 1994) stammten.

Die Gelegenheit, die Anatomie des Schreckens in all ihrer Tiefe, in all der Bedrohlichkeit des eigenen Heims wirklich auszuloten, nahm Yglesias für das Projekt ein: ?Ich wollte schon immer eine Geistergeschichte schreiben, und dies war die Gelegenheit für eine sehr amerikanische Geistergeschichte?, berichtet der Autor. ?In den USA sind unsere Geister einzigartig, denn ich denke, sie haben immer irgendwelche unbefriedigten Bedürfnisse, sie hungern pausenlos nach etwas Bestimmtem. In unserer Geschichte besteht dieses verzehrende Notwendigkeit in der Sehnsucht nach einer liebenden Mutter. Letztendlich ist es das, was Dahlia und den Geist, der um sie herumspukt, verbindet ? und das ist ein sehr aufregender und beängstigender Ausgangspunkt.?

Er fährt fort: ?Das Gefühl der Angst in diesem Film entsteht in Wahrheit durch die Klaustrophobie und Isolation, die Dahlia in sich trägt. Es ist eine Angst, die aus unserem Geist entspringt, das Furchterregendste überhaupt.?

Die Produzenten waren begeistert von Yglesias? psychologischem Ansatz, der dem Material eine Frischzellenkur verpasste und es auf die amerikanische Kultur ummünzte. ?Rafael nahm sich diese japanische Geschichte vor und verlieh ihr zutiefst amerikanische Züge; dabei verwandelte er die Erfahrungen dieser von Geistern verfolgten Familie in etwas noch weitaus Geheimnisvolleres?, sagt die ausführende Produzentin Ashley Kramer. ?Die eher passive Heldin der japanischen Geschichte machte er zu einer Identifikationsfigur. Sie ist eine ergreifende alleinerziehende Mutter, die in einem persönlichen Dilemma steckt. So erschuf er eine starke und unvergessliche weibliche Rolle, die nach unserer Überzeugung den mitreißenden Kern des Films bilden würde.?

Die eindrucksvolle Erzählstruktur zog auch die Aufmerksamkeit von Regisseur Walter Salles auf sich, der zunächst eine überraschende Entscheidung zu sein schien, um sich der Geschichte einer Spukwohnung anzunehmen. Ins Rampenlicht war er mit den preisgekrönten lateinamerikanischen Filmen ?Central do Brasil? (?Central Station?, 1998), ?Abril Despedaçado? (Hinter der Sonne - Behind the Sun?, 2001) und jüngst mit dem gefeierten ?Diarios de motocicleta? (?Die Reise des jungen Che?, 2004) sowie mit der Produktion der brasilianischen Tour de Force ?Cidade de Deus? (?City of God?, 2002) getreten. Salles ist bekannt für seine starken, menschlichen Themen und seine cineastische Kunstfertigkeit, wurde jedoch ebenfalls beachtet für seine außergewöhnliche visuelle Energie ? und genau diese kraftvolle Kombination veranlasste die Produzenten dazu, ihn auf ?Dark Water ? Dunkle Wasser? anzusprechen.

Bill Mechanic fügt hinzu: ?Von Anfang an verstand Walter die Tiefe dieser Figuren und engagierte sich dafür, den Film mit Realitätsnähe zu untermauern. Er hatte auch einen sehr persönlichen Bezug zu den Themen. Sowohl in ?Central Station? als auch in ?Hinter der Sonne - Behind the Sun? verwendet er die Beziehung zwischen einem Kind und einem Elternteil als Katalysator. Ich war davon überzeugt, dass genau dieses Element ? das lebensnahe, unzerstörbare Band zwischen Mutter und Tochter, also zwischen Dahlia und Ceci ? in unserem Drehbuch dafür sorgen würde, den Film noch viel grauenerregender zu machen, denn er wäre glaubwürdiger.?

Zu ihrer Freude entdeckten die Produzenten, dass Salles schon lange ein Horror-Fan war. Ashley Kramer erinnert sich: ?Walter erzählte uns davon, dass er als Kind in Paris über einem Filmtheater gelebt hatte, in dem raffinierte Horrorstreifen von Polanski und anderen Filmemachern gezeigt wurden. Er sagte, er habe schon immer einen psychologischen Horror-Film drehen wollen, und als wir uns zu unterhalten begannen, gab es gar keinen Zweifel daran, dass er diesen Film weit über die Norm des Genres hinausführen würde. Bereits zu Beginn hatte er eine ausgereifte Vorstellung des Films, davon, wie die visuellen Aspekte zusammenwirken würden, um allmählich immer mehr Klaustrophobie zu vermitteln, das zunehmende Gefühl der Verwundbarkeit und des Kontrollverlustes.?

Geräusche hören: Walter Salles nimmt das gespenstische Thema der Entfremdung in Angriff Im Mittelpunkt der steigenden Spannung von ?Dark Water ? Dunkle Wasser? steht einer der Urtriebe des Menschen: das Unerklärliche zu erklären. Genau dieser Themenkreis hat Regisseur Walter Salles am meisten angesprochen: ?Das Unbekannte, das Unerklärliche übt eine starke Anziehungskraft auf mich aus?, berichtet er. ?Wir befinden uns doch alle in der gleichen Lage, leben in einer Welt, die wir nicht vollständig entschlüsseln können ? und diese Dinge des Lebens, die wir nicht erklären oder lösen können, bieten sich als überaus interessante Filmthemen an. ?Dark Water ? Dunkle Wasser? ist vor allem ein Film über unsere inneren Dämonen, die wir nicht wirklich erkennen können, und über die Einsamkeit in den Großstädten ? denn oft fühlen wir uns so abgekapselt und abgeschnitten von jeglicher Kommunikation, sogar wenn uns eine riesige Stadt voller Menschen umgibt.?

Obwohl ?Dark Water ? Dunkle Wasser? sein erster Ausflug ins Horror-Genre ist, war Walter Salles schon lange von der cineastischen Umsetzung der Angstgefühle fasziniert und bewundert besonders die Regiemeister, die vor ihm auf diesen Spuren wandelten. ?Die frühen Filme von Roman Polanski und anderen Regisseuren der Nouvelle Vague haben mich schon immer interessiert, denn sie behandeln die großen Themen der Sterblichkeit, Einsamkeit und Isolation?, erzählt der Regisseur. ?Das für mich Interessanteste an Geistergeschichten ist die Tatsache, dass sie Fragen aufwerfen bezüglich unserer eigenen Grenzen als Mensch und unserer Sehnsucht danach, zu glauben, dass es ein Leben nach dem Tod gibt.?

Er fährt fort: ?Als ich dann Rafael Yglesias? Drehbuch las, war ich beeindruckt von dem hohen Niveau, das sich über das übliche Horror-Genre erhebt, ganz ähnlich wie die frühen Polanski-Filme. Ich mag die Filme, die über die Norm hinausgehen, und zwar zu einem bestimmten Genre gehören, das man dann aber auf eine neue Ebene bringt ? und genau so verhielt es sich bei dieser Geschichte. Ich war gerührt von den Figuren, besonders von der Mutter-Tochter-Beziehung, die den Kern der Geschichte ausmacht. Und ich sah es als eine Geschichte über Verlust und wie man ihn überwinden kann.?

Bei der Erforschung des wahren Wesens der Angst als primitive menschliche Emotion legte Salles den Schwerpunkt auf die Vorstellung, dass die größte Furcht und das Überraschungsmoment eher aus dem Unterbewusstsein entspringen ? wo unsere eigenen persönlichen Dämonen und Urängste aus der Kindheit noch immer lauern -, und nicht aus den offensichtlicheren äußeren Ereignissen. ?Meiner Meinung nach sind viele der neueren Horror-Streifen in ihrer Vorgehensweise einfach zu direkt?, meint Salles. ?Mich interessiert mehr die Art von Film, bei der das, was man fühlt, wichtiger ist als das, was man hört oder sieht ? die Filme also, in denen nicht alles zu Tode erklärt wird, sondern einige Fragen offen bleiben.?

Salles nennt als einflussreiche Vorbilder nicht nur Polanski, Kubrick und Hitchcock, sondern kannte sich auch gut mit japanischen Horror-Filmen aus, bevor er zu ?Dark Water ? Dunkle Wasser? an Bord kam. Er hatte in Brasilien einen Dokumentarfilm über den Konflikt zwischen Tradition und Moderne in Japan realisiert und aus erster Hand die Arbeit von Regisseuren wie Kiyoshi Kurosawa und Hideo Nakata kennengelernt. ?Diese neue Welle von japanischen Horrorfilmen, beeinflusst von Alfred Hitchcock und Theodore Dreyer, widmet sich einigen sehr interessanten Themen.?

Eines dieser Themen ist ein Schlüsselelement, das sich im Kern vieler der besten Horror-Thriller finden lässt: Das Thema Kindheit und die Fähigkeit des Kindes, weniger Furcht und mehr Toleranz als die Erwachsenen aufzubringen, wenn sie den furchterregendsten und unerklärlichsten Geheimnissen begegnen. Salles meint dazu: ?Jede einzelne Figur in ?Dark Water ? Dunkle Wasser? wird von psychologischen Barrieren am Vorankommen gehindert, daran, ihre Umgebung zu überwinden ? alle, außer Ceci. Ein Kind wurde vom Leben noch nicht so zurechtgestutzt, leidet noch nicht an diesem Gefühl des Eingeschränktseins, das sich mit dem Heranwachsen einstellt. Die sozialen Schranken sind noch nicht so stark ausgebildet, deshalb sind Kinder toleranter, viel freier als der Durchschnittserwachsene. Allerdings scheinen Kinder einen angeborenen Gerechtigkeitssinn zu haben, ein Gespür dafür, was fair ist und was nicht.?

Salles fasst zusammen: ?Ich sehe das Kind in diesem Film als den wahren moralischen Mittelpunkt. Sie akzeptiert Dinge, die niemand sonst zu akzeptieren vermag. Sie sieht Dinge, die sonst niemand sieht. Auf gewisse Weise tut sie genau das, was ein Künstler in der Welt tun sollte: Die Dinge zu beleuchten, die andere Menschen nicht sehen.?

Die Spur der Wasserflecken: Oscar-Preisträgerin Jennifeer Connelly taucht in die dunkelsten Tiefen der Mutterliebe und des Beschützerinstinktes ein Um ?Dark Water ? Dunke Wasser? wahrhaftig zum Leben zu erwecken, wusste Walter Salles, würde alles an der Schauspielerin hängen, die Dahlia verkörpert, eine überaus beschützende junge Mutter, die versucht, ihre Tochter in Sicherheit großzuziehen, trotz eines mit üblen Mitteln um das Kind kämpfenden Ex-Ehemannes und einer zutiefst entfremdenden Großstadtwelt, die beide zu bedrohen scheint. Gerade als Dahlia glaubt, alles Erdenkliche getan zu haben, um ihre Tochter in Sicherheit zu bringen ? indem sie mit ihr in ein abgelegenes und anonymes Wohnhaus auf Roosevelt Island zieht -, geschehen etliche eigenartige und verstörende Ereignisse, die beide in eine Gefahrensituation bringen, die sich Dahlias Vorstellung entzieht und sie zwingt, die Wirklichkeit um sie herum in Frage zu stellen.

Salles war sich bewusst, dass er eine Schauspielerin finden mußste, die in der Lage war, eine ganze Palette von Emotionen zu vermitteln ? angefangen bei unzerstörbarer Mutterliebe über Verzweiflung bis hin zu lähmender Angst -, und die gleichzeitig bodenständig, intelligent und realistisch wirkte, also jemanden, von dem man niemals erwartet hätte, dass sie an das Übernatürliche glauben könnte.

Auf der Suche nach einer Schauspielerin mit solchen Fertigkeiten einigten sich die Filmemacher auf Jennifer Connelly, die für ihre Rolle als Ehefrau des genialen, jedoch geistig umnachteten Mathematikers in ?A Beautiful Mind? (?A Beautiful Mind ? Genie und Wahnsinn?, 2001) mit dem Oscar als Beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wurde. Salles war besonders beeindruckt von Connellys intensiver und furchteinflößender Darstellung als Drogensüchtige in Darren Aranofskys ?Requiem for a Dream? (2000) ? doch es gab noch einen weiteren Grund, weshalb die Schauspielerin für die Rolle der Dahlia die Idealbesetzung war: Connelly verfügte nicht nur über herausragende schauspielerische Qualitäten und eine starke Persönlichkeit, sondern war gerade Mutter eines sechs Monate alten Kindes, was ihre Mutterinstinkte zur Hochform auflaufen ließ.

?Walter war der Meinung, dass es wichtig sei, eine wirkliche Mutter für die Rolle der Dahlia zu besetzen ? es war für ihn von großer Bedeutung, eine Schauspielerin zu finden, die mit Leib und Seele das tiefe Band zwischen Mutter und Kind verstehen konnte. Und dies kommt in Jennifers kraftvoller Darstellung wirklich zur Geltung?, erzählt Ashley Kramer.

Jennifer Connelly war fasziniert von der geheimnisvollen und komplexen Geschichte, gibt jedoch auch zu, dass sie beim Betreten eines so albtraumhaften Territoriums durchaus auch weiche Knie bekommen hatte: ?Horror-Geschichten haben mich schon immer stark betroffen gemacht, ich habe etwas Angst davor?, berichtet sie. ?Aber diese Geschichte handelt von einer Frau, die für sich und ihre Tochter unter höchst eigenartigen Umständen ein neues Leben aufbauen möchte, und das hat mich wirklich berührt. Ich war fasziniert von der Kombination einer Geschichte, die so furchterregend und gleichzeitig emotional so aufwühlend sein kann.?

Sie fügt hinzu: ?Ich konnte mich wirklich mit Dahlia identifizieren ? vielleicht nicht, was die übernatürlichen Elemente angeht, die in ihrer Wohnung geschehen, aber doch hinsichtlich ihrer Hoffnungen und Ängste bezüglich ihrer Tochter. Interessant fand ich, wie diese Dinge, die als kleine Ärgernisse des Alltags beginnen, wie eine feuchte Zimmerdecke, sich dann zu etwas so Großem und Beängstigendem auswachsen. Realität und Albtraum fließen ineinander. Schließlich ist die Beendigung einer Ehe und der Versuch, in einer neuer Stadt ein neues Leben zu beginnen, schon beängstigend genug ? und sehr realistisch -, aber dann taucht Dahlia in etwas noch Furchterregenderes und Surreales ein.?

Besonders anziehend fand Connelly den stylischen und psychologischen Ansatz von Walter Salles: ?Er hat eine so elegante Art, den Terror der Geschichte darzustellen?, stellt sie fest. ?Er verleiht der Geschichte viel Anmut und Mysterium. Das Tolle daran ist, das man sich in jeder Szene des Films fragt, ob das wirklich geschieht oder ob es sich nur in Dahlias Vorstellung abspielt. Beginnt sie durch den Stress der Scheidung, des Umzugs, der Verantwortung als Mutter einfach verrückt zu werden? Bricht sie zusammen unter der Last ihrer Urängste vor dem Verlassenwerden, unter der Erinnerung an ihre eigene schlimme Kindheit? Oder wird sie wirklich bedroht von einer übernatürlichen Kraft, die etwas von ihr fordert? Das mußs der Zuschauer selbst entscheiden.?

Neben der Anspannung und der emotionalen Herausforderung, die Rolle der Dahlia zu spielen, mußste Connelly auch noch einen Großteil der dramatischsten Szenen tropfnass verbringen, mitten im grässlichen Brackwasser, das Dahlias Wohnung überflutet. Das verlangte viel Stehvermögen. ?Es war Winter, und wir drehten in nasser Kleidung in diesem kalten Gebäude ? ich mußste vom Drehort sofort in eine Wanne mit heißem Wasser springen, um mich aufzuwärmen?, erinnert sich Connelly. ?Doch zusammen mit der Geschichte, den Drehorten und der Kameraarbeit schien sogar das dazu beizutragen, das ich den Schüttelfrost bis ins Mark spürte.?

Für Walter Salles war Connellys Darstellung ausschlaggebend für die Verwirklichung seiner Vision: ?Jennifer ist eine der talentiertesten und sensibelsten Schauspielerinnen, mit der ich jemals zusammengearbeitet habe. Sie erschuf eine Figur, die nicht nur komplex und vielschichtig, sondern auch voller Integrität und Aufrichtigkeit ist?, erklärt der Regisseur. ?Ich bin kein großer Fan von Übertreibungen in der Schauspielerei, und Jennifer verkörpert das genaue Gegenteil davon ? sie kann mit den subtilsten Mitteln sehr große Wirkung erzielen. Das ist in all ihren bisherigen Rollen zu spüren, und ist auch ein Teil von Dahlia; und hier war sie nun, sehr mutig und gewillt, in Bereiche einzutauchen, deren Erforschung äußerst schmerzvoll ist. Sie hat so viele sanfte und feinfühlige Regungen gezeigt, die ich vor Ort gar nicht wahrgenommen hatte, sondern erst später, beim Schneiden des Films.?

Nach der Besetzung von Connelly begann die Suche nach einer jungen Schauspielerin, um Dahlias fünfjährige Tochter Ceci zu spielen, die diese eigenartigen Erscheinungen in der Wohnung akzeptiert, während ihre Mutter immer mehr leidet. Casting Director Mali Finn führte eine breit angelegte Suchaktion durch, um eine fünfjährige Schauspielerin aufzuspüren, die sowohl den physischen als auch psychischen Anforderungen der Rolle gerecht werden konnte, und ließ über 1.000 junge Bewerberinnen entweder persönlich oder per Video vorsprechen. Man konzentrierte sich dann auf zwei gleichermaßen reife und geheimnisvolle kleine Mädchen, Ariel Gade und Perla Haney-Jardine. Schließlich wurden beide für den Film engagiert: Gade bekam die Rolle der Ceci und Haney-Jardine die der gespenstischen Natasha, die auf geheimnisvolle Weise aus dem oberen Apartment verschwindet.

Für die sechsjährige Ariel Gade war die Rolle der Ceci genau die Art Person, die sie bewundert ? stark und furchtlos. ?Ich mag Ceci sehr, denn sie ist ein mutiges kleines Mädchen?, erzählt die junge Schauspielerin. ?Sie hat vor gar nichts Angst, obwohl das, was ihr passiert, ganz schrecklich ist. Ich jedenfalls finde es schrecklich ? aber Ceci ist an schreckliche Sachen gewöhnt.?

Salles ist der Ansicht, dass der Schlüssel für die Zusammenarbeit mit den Kinderdarstellern darin liegt, Vertrauen aufzubauen. ?Am Set gab es eine sehr beschützende Atmosphäre, und das hat wohl Ariel und Perla, die beide sehr talentiert sind, das Vertrauen gegeben, ihr Potential zu entwickeln?, berichtet er.

Gade, die sich mit Geistern, inneren Dämonen und sogar mit dem Ertrinken auseinandersetzen mußste, beeindruckte die erwachsenen Darsteller mit ihrem großen Engagement für die Rolle. Jennifer Connelly meint: ?Ariel ist wirklich ein süßes und liebes kleines Mädchen ? und hat in diesem Film wirklich hart gearbeitet. Sie war immer sehr aufgeregt, und wollte gleich eine neue Szene drehen, ganz egal, wie schwierig diese waren ? und diese Haltung hat die übrigen wirklich inspiriert. Sie und ich haben eine tolle Zeit am Drehort verbracht, und ? besonders weil ich ein Sohn in fast demselben Alter habe ? bekam ich das Gefühl, dass wir eine sehr natürliche Mutter-Tochter-Beziehung entwickelt haben.?

Die Nachbarn begrüßen: Eine Starbesetzung zieht ein Als Nebendarsteller in dieser facettenreichen Reise ins Herz des Übernatürlichen wird Jennifer Connelly von einer Reihe hochkarätiger Darsteller begleitet, darunter ein Trio von Oscar-nominierten Schauspielern. John C. Reilly, der für seine Rolle in ?Chicago? (2002) für den Oscar und für den Golden Globe nominiert wurde, spielt hier Mr. Murray, den Immobilienmakler der Wohnanlage auf Roosevelt Island, dessen Wesen beängstigend und komisch zugleich ist.

Reilly fühlte sich von diesem Projekt schon deshalb angesprochen, weil er das Drehbuch nicht weglegen konnte. ?Ich konnte gar nicht genug davon bekommen?, erinnert er sich. ?Es war eine so mitreißende Geschichte. Als Vater empfand ich sie als zutiefst verstörend, aber als Schauspieler wollte ich sofort ein Teil davon werden. Es hat mich umgehauen, wie mit dem Thema der Entfremdung und Isolation umgegangen wird ? etwas, womit sich jeder in der heutigen Welt identifizieren kann.?

Die Geschichte löste auch Erinnerungen an Reillys eigene erste Erfahrungen in New York City aus: ?Viele Elemente des Films haben mich daran erinnert, wie es war, als ich zum ersten Mal nach New York kam ? dieses Gefühl, dass die Stadt mich zerquetschen könnte, wenn ich mir nicht jeden Tag einen Weg hindurch freikämpfte. Ich bemühte mich, herauszufinden, wer mir damals die Wahrheit sagte, wer meine wahren Freunde waren, wie ich an diesem Ort überleben konnte? Und an genau diesem Punkt befindet sich Jennifers Figur zu Beginn des Films. Ihre Familie bricht auseinander, sie versucht, die Einzelteile ihres Lebens neu zusammenzusetzen und für ihre Tochter zu sorgen, sie weiß nicht, wem sie vertrauen kann ? und nun brechen die Wände um sie herum buchstäblich zusammen.?

Besonderen Gefallen fand Reilly daran, die Persönlichkeit von Mr. Murray zu analysieren, ein düsterer Charakter, der sich dennoch nicht in ein Schwarz-Weiß-Schema pressen lässt. ?Murray ist wichtig, denn wohl oder übel ist er es, der Dahlia und Ceci davon überzeugt, diesen neuen wichtigen Schritt zu wagen?, beschreibt Reilly. ?Er ist kein schlechter Mensch; vielmehr tut er Böses aus Nachlässigkeit. Ich hatte das Gefühl, diesen Kerl wirklich zu verstehen. Was die Beschreibung der Rolle angeht, so stand das Meiste nicht auf dem Papier, aber ich habe mir vorgestellt, wie viele Wohnungen und Häuser ich mir wohl in den vergangenen Jahren angesehen habe und wie viele dieser Typen ich wohl getroffen habe. Man mußs sehr umtriebig sein, um in der Immobilienbranche zu arbeiten, und ich spiele Murray als Mischung der verschiedenen Maklertypen, von aggressiv bis exzentrisch.?

Für Jennifer Connelly war die Darstellung von Reilly eines der vielen Elemente, die den Film auf eine höhere Ebene brachten: ?Ich fand ihn brillant?, erzählt sie. ?Er ist einfach so witzig und bringt so viel in die Rolle ein, das gar nicht im Drehbuch stand. Er hat alle möglichen Recherchen zu Roosevelt Island unternommen, und während er mir die Wohnung zeigte schwang etwas sehr Realistisches darin mit. Eigentlich erinnert er mich stark an Ruth Gordons Rolle in ?Rosemary?s Baby? (?Rosemaries Baby?, 1967).?

Für die Rolle des Veeck, den launischen, geheimnisvollen und nicht allzu hilfsbereiten Hausmeister der Wohnanlage, wurde der erfahrene Schauspielveteran Pete Postlethwaite engagiert, der für seine Darstellung in Jim Sheridans ?In the Name of the Father? (?Im Namen des Vaters?, 1994) für einen Oscar nominiert wurde. ?Pete hat eines der unglaublichsten Gesichter in der Filmbranche; darauf spiegeln sich eine Million Geschichten wider?, meint Produzent Bill Mechanic. ?Meiner Meinung nach ist er einer der großen zeitgenössischen Charakterdarsteller. Ihn engagieren zu können, um Veeck zu spielen ? besser gesagt, zu verkörpern -, diesen Kerl, der genauso Teil des Gebäudes ist wie die Böden und die Wände, war für den Film einfach phänomenal.?

Postlethwaite genoss es, einen Charakter zu spielen, der durch seine stille Exzentrik natürlich Neugierde und Misstrauen erregt: ?Er ist ein Rätsel?, meint der Schauspieler. ?Man kann Veeck nicht durchschauen, sondern spürt nur, dass er etwas zu verbergen hat. Und dass er sich missbraucht fühlt. Nicht nur von Murray und den Mietern, sondern von der Welt im Allgemeinen.?

Er fährt fort: ?Interessant erschien mir, dass man nicht wirklich weiß, woher er kommt oder wie viel er weiß. Für mich war er in seiner Herangehensweise eher kindlich. Mit Sicherheit ist ihm bewusst, dass etwas mit dem Haus nicht stimmt, aber genau wie ein Kind glaubt er, dass wenn er nichts sagt, alles irgendwie gut werden wird.?

Walter Salles war von Postlethwaites Darstellung begeistert: ?Er ist grundsätzlich ein Shakespeare-Darsteller, der dieser Rolle eine große Lebendigkeit, Tiefe und Intensität verleiht, aber mit sehr sparsamen Mitteln. Obwohl er nur wenig Text hat, kann sich sein Charakter vollständig entfalten.?

Tim Roth, der für seine Rolle in ?Rob Roy? (1995) sowohl zum Oscar als auch für einen Golden Globe nominiert wurde, spielt Jeff Platzer, den rhetorisch versierten aber herzensguten Anwalt, der Dahlia in ihrem Sorgerechtsstreit mit dem Ex-Ehemann beisteht. Genau wie die übrigen Darsteller fühlte sich Roth zu dieser Horror-Story durch die mit ungewöhnlicher Tiefe ausgestatteten Figuren hingezogen: ?Jede einzelne Person in diesem Film hat auch noch eine andere Seite?, berichtet Roth. ?Das macht es unterhaltsam. Niemand ist wirklich der, der er zu sein scheint. Meine Rolle, Platzer, ist ein Anwalt, arbeitet jedoch meistens vom Auto aus. Das ist außergewöhnlich und einzigartig.?

Das Außergewöhnliche an ?Dark Water ? Dunkle Wasser? war dafür verantwortlich, ein so renommiertes Schauspielerensemble versammeln zu können. Roth meint dazu: ?Hätte dieser Film einen eher konventionellen Ansatz, dann wären wohl Walter, Jennifer oder ein anderer von uns nicht mit von der Partie gewesen. Und dieser ungewöhnliche Ansatz macht diesen Film so furchtbar, furchtbar beängstigend, während er gleichzeitig neue Maßstäbe setzt.?

Salles fügt hinzu: ?Schon seit Jahren bin ich ein großen Fan von John C. Reilly und Tim Roth. Sie sind zwei der großartigsten Schauspieler im zeitgenössischen Film, und es war ein Privileg, mit ihnen zusammenarbeiten zu können. Beide verfügen über die Fähigkeit, uns ständig zu überraschen. Sie sind so gut, dass sie dich auf dem Set wirklich retten können.?

Eine der schwierigsten Entscheidungen lag darin, die richtige Besetzung für die Rolle des Kyle zu finden, Dahlias streitbarer Ex-Mann, der sie dazu zwingt, nach Roosevelt Island zu ziehen, und sie somit in die Fänge des Grauens treibt. Die Filmemacher hofften, jemanden zu finden, der einer Rolle, die allzu leicht als Bösewicht ausgelegt werden könnte, auch frische, menschliche Züge verleihen würde. Bill Mechanic erklärt: ?Wir wollten jemanden, den man sowohl als den Typen sehen kann, der in einer schlechten Ehe steckt und all die Dinge tut, die man sich in einer schlechten Ehe so vorstellt, dem aber gleichzeitig mit den Augen seiner Tochter verziehen werden kann. Das ist schwer hinzukriegen. Glücklicherweise hatte ich bereits zuvor mit Dougray Scott gearbeitet und wusste, dass er das Zeug dazu hat.?

Scott, der selbst Vater von Zwillingen ist, beschloss, die widerstreitenden Gefühle seines Charakters zu betonen: ?Anfangs habe ich lange mit Walter über Kyle gesprochen, und wir waren uns einig, dass Kyle nicht einfach der Bösewicht sein sollte?, erinnert sich der Schauspieler. ?Stattdessen wollten wir deutlich werden lassen, dass viele seiner Taten aus Schmerz und Frustration entstehen, besonders aus der Angst heraus, seine Tochter zu verlieren. Wenn man sich trennt, vergisst man auch die guten Zeiten, die man gemeinsam erlebt hat. Und wenn ein Kind zwischen zwei Erwachsenen steht, die beide das Kind lieben, dann sagt man auch mal die fürchterlichsten Dinge. An diesem Punkt befindet sich die Beziehung zwischen Kyle und Dahlia zu Beginn des Films. Sie sieht Kyle als rücksichtslosen Rüpel, der versucht, alles unter seine Kontrolle zu bringen. Und er sieht sie als die Person, die seine Beziehung zu seiner Tochter beschädigen will.?

So realistisch die Beziehung zwischen Kyle und Dahlia auch sein mag ? nun wird sie unterwandert von etwas noch Geheimnisvolleren als menschliche Beziehungen: einer ominösen Erscheinung, die in Dahlias Wohnung herumspukt. Für Dougray Scott liegt hier die Krux des Terrors: ?Kyle weiß nur, dass er Veränderungen an seiner Tochter beobachtet, und natürlich gibt er seiner Ex-Frau die Schuld. Aber er weiß nicht, was sich wirklich in der Wohnung auf Roosevelt Island abspielt. Er weiß nicht, dass ein Geist seine Ex-Frau und auch die Tochter, die er liebt, quält. Manchmal ist das, was niemand sonst sehen kann, der größte Terror. Und das macht auch ?Dark Water ? Dunkle Wasser? so furchteinflößend.?

Geisterhafte Visionen: Das Filmdesign regt die Fantasie an Die Darstellungen der Schauspieler waren der Schlüssel zur Erzeugung des Psycho-Terrors; doch ein weiteres, genau so grundlegendes Element mußste noch erschaffen werden: Das Wohnhaus auf Roosevelt Island mit seinen grauenvollen, nassen Geheimnissen der Vergangenheit. Regisseur Walter Salles wollte sicherstellen, dass das Publikum die Feuchtigkeit, genau wie die Dunkelheit und zunehmende Angespanntheit in Dahlias neuem Zuhause, wirklich und wahrhaftig spürte, wie eine allgegenwärtige Macht ? und zwar von dem Augenblick an, an dem die Zuschauer im Kinositz Platz nehmen.

Die erste Aufgabe der Filmemacher war eine Reise nach Roosevelt Island, wo Dahlia und Ceci das Apartment 9F beziehen. Roosevelt Island ist ein zwei Meilen langer Streifen Land im East River von New York City; trotz des abgelegenen Standortes gehört die Insel jedoch noch zu Manhattan. Einst war sie als Welfare Island, also Wohlfahrts-Insel, bekannt, ein Aufbewahrungsort für Kranke, Verrückte und auch für verurteilte Verbrecher; über Jahre hinweg gab es dort hauptsächlich Krankenhäuser und Psychiatrische Anstalten. Später wurden auf der Insel etliche große Wohnanlagen errichtet, viele davon im in der Architektur sogenannten ?Brutalist Style?, bestehend aus massiven, gesichtslosen, post-modernen Monolithen aus Beton.

Diese Eigenart der Insel, einerseits eine ganz eigene Welt zu sein, andererseits doch auch Teil von Manhattan, genau wie die Tatsache, dass sie von Wasser umgeben ist, machte daraus den perfekten Spielort für die Themen, die in ?Dark Water ? Dunkle Wasser? angesprochen werden: Entfremdung und sich sintflutartig entladende Wut. Drehbuchautor Rafael Yglesias, ein gebürtiger New Yorker, berichtet: ?Jemand erzählte mir einmal, dass wenn man bei Regen und Nebel auf dem East River Drive fährt und auf Roosevelt Island blickt, die Insel fast so aussieht, als wäre sie ein Bindeglied zwischen dieser Welt und dem Jenseits. Genau dieses Gefühl wollte Walter im Film einfangen.?

Als Walter Salles zum ersten Mal Roosevelt Island sah, wusste er sofort, dass dieser Ort für seine Vision wie maßgeschneidert war. ?Die geographische Lage hat mich tief bewegt ? es ist ein einzigartiger Ort, der mich eigenartigerweise an bestimmte Orte in Osteuropa erinnert hat?, erzählt der Regisseur. ?Es ist dieses Gefühl von sich wiederholenden, gesichtslosen Industriegebieten, die eine Art von Identitätsverlust betonen. Von dem Augenblick an, als ich dort eintraf, begann ich sofort den Zusammenhang zwischen der Insellandschaft und dem visuellen Ton des Films zu begreifen.?

Obwohl Salles es vorzieht, wegen der Energie und Unvorhersehbarkeit an authentischen Locations zu drehen, konnte man in diesem Fall jedoch nicht anders, als das Innere der Wohnung auf dem Studiogelände nachzubauen, um die fortschreitenden Veränderungen, die sich vollziehen, unter Kontrolle halten zu können. Der Regisseur vertraute diese Aufgabe der Produktionsdesignerin Therese DePrez an; sie mußste über 2.500 Quadratmeter Fläche ausgestalten, darunter als Lobby, Fahrstuhl, Treppenhaus, Flure und zwei Wohnungen: Dahlias Apartment 9F und das geheimnisvolle, darüber liegende Apartment 10F, wo Natasha und ihre Familie lebten. Die Arbeit von DePrez änderte Salles? Meinung bezüglich der Arbeit im Studio: ?Da ich vom Dokumentarfilm komme, war mir die Wirklichkeitsnähe immer sehr wichtig?, berichtet Salles. ?Doch Therese DePrez hat es irgendwie geschafft, auf wunderbare Weise genau das, was ich auf Roosevelt Island verspürt hatte ins Studio zu transportieren und diese Drehorte zum Leben zu erwecken. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass die Arbeit in einem geschlossenen Raum einen sehr kreativ mit der Kamera werden lässt.?

DePrez arbeitete eng mit Salles zusammen, um die ausgefeilten Details der Interieurs und der Farbnuancen auszugestalten. Eine besondere Inspirationsquelle stellten die Werke stimmungsvoller Künstler dar, darunter der Realist Lucien Freud und die New Yorker Malerin Alice Neil, um so die Palette aus mattem Ocker und wässrigem Grün, Grau und Schwarz zusammenzustellen. Indem sie so unerwartete Farben einsetzte, gelang es ihr, Roosevelt Island zu einem ganz eigenen Ort zu machen, genau wie das Dakota Building in ?Rosemary?s Baby? (?Rosemaries Baby?, 1967) zu einem eigenen Mikrokosmos wird.

Die Produktionsdesignerin erläutert: ?Für Walter war es sehr wichtig, den Kontrast zwischen Roosevelt Island und Manhattan zu betonen, wobei ein krasser Unterschied im Energielevel und besonders auch bei den Farbgebungen zwischen den beiden besteht. Während wir Manhattan eine lebendige Palette verleihen, ist Roosevelt Island fast monochrom, wie ausgebleicht, eine Welt, in der die inneren Sinne mehr Macht haben als die äußere Umgebung.?

Um die Verwendung von Licht und Schatten in der Kameraarbeit von Affonso Beato noch zu unterstreichen, benutzte DePrez an den Wänden der Wohnung auch glänzende Farbe und legte den Fußboden so, dass er auch schimmernd wirken konnte. ?Affonso liebt spiegelnde Oberflächen, also stellten wir sicher, dass Böden und Wände bei der richtigen Beleuchtung so aussehen konnten, als wären sie spiegelnde Wasseroberflächen?, erklärt sie.

Außerdem gab es auch mechanische Erwägungen. Das Apartment 10F wurde aus Gussbeton errichtet, um es wiederholt überfluten zu können und auch surrealistische Wasserlachen zu tragen, die bis zu 15 Zentimeter tief waren. Beide Apartments bekamen auch eine riesengroße Tages- und Nacht-Photokulisse als Hintergrund, mit einem Panoramabild der Gebäude auf Roosevelt Island sowie von Manhattan und Queens. Ebenfalls im Studio errichtet wurde der Wassertank auf dem Dach des Hauses, der auf dem Höhepunkt des Films eine entscheidende Rolle spielt.

Auch Kameramann Affonso Beato, der bereits in etlichen Filmen mit Regisseur Pedro Almodóvar zusammengearbeitet hat, trug dazu bei, die gespenstische Stimmung zu verstärken. Beato arbeitete sehr eng mit Salles zusammen, um einen Kamerastil zu entwickeln, der das Gefühl für zunehmende Verwirrung und Panik vermittelte ? ohne dabei jemals vorhersehbar zu sein.

Beide waren sich in der Philosophie einig, dass manchmal genau das, was man nicht durch die Kamera sieht - was also im Schatten verborgen bleibt oder nur angedeutet wird - eben genau das ist, was die größte Furcht auslöst.

Statt also genau die üblichen Horror-Konventionen zu bedienen, entschied sich Beato dafür, den Film anfangs extrem realistisch wirken zu lassen? um dann allmählich und ganz subtil zu der Stimmung überzugehen, in die Dahlia gerät, als sie daran zu glauben beginnt, dass es in ihrem neuen Zuhause eine übernatürliche Macht gibt.

?Damit das übernatürliche Element im Film vom Publikum akzeptiert wird, mußste es meiner Meinung nach von Anfang an sehr realistisch wirken?, erklärt Salles. ?Denn das Ungewöhnliche ist viel verstörender, wenn es sich in einer völlig normalen Umgebung ereignet. Also haben wir eine Realität für Dahlias und Cecis Lebensraum festgelegt, und davon ausgehend lösen wir sie immer mehr auf und bewegen uns auf ungewissem Terrain. Affonso hatte bei diesen Dreharbeiten genau das richtige Gespür; es war wichtiger, dem Zuschauer das Gefühl von beängstigenden Emotionen zu vermitteln, als ihnen wirklich Geister und Dämonen zu zeigen. Diese Zusammenarbeit mit ihm war ein großer Genuss.?

Ein weiteres wichtiges Element, um die richtige Stimmung zu erzeugen, war die Filmmusik, für die der Oscar-nominierte Komponist Angelo Badalamenti engagiert wurde. Regisseur Salles meint: ?Die gesamte Musik, die Angelo für die Filme von David Lynch komponiert hat, brachte mich dazu, mit ihm zusammenarbeiten zu wollen. Er kann die Geschichte eines ganzen Films unmittelbar auf dem Klavier erzählen. Er ist einzigartig, und viel von dem Material, das wir benutzt haben, hat er bereits am ersten Tag unserer Zusammenarbeit erschaffen. Er war sehr leidenschaftlich und erfinderisch.?

Letztendlich dienen alle Elemente, sowohl die Sets, die Kamera als auch die Musik in ?Dark Water ? Dunkle Wasser? dazu, eines der allgegenwärtigsten und bedrohlichsten erzählerischen Motive zu unterstreichen: Wasser in all seinen Erscheinungsformen, wohlwollend und gefährlich, vom Wasserfleck über Waschmaschinen und Badewasser bis hin zu Regenstürmen? und alles verdichtet sich zum erstaunlichen, sintflutartigen Höhepunkt des Films. Regenmaschinen wurden gebraucht, genau wie gigantische Wasserkanonen, um die Filmsets zu überfluten. Doch auch das Schicksal trug zum guten Gelingen der Produktion bei, denn jener Frühling in New York erwies sich als außerordentlich kalt und düster.

Die Schauspieler und Filmemacher empfanden das schlechte Wetter als wahren Segen: ?Mit all dem Regen, zusammen mit der Beleuchtung und dem Design, schienen wir von dieser sehr gespenstischen und gleichzeitig sehr schönen Stimmung umgeben zu sein?, fasst Jennifer Connelly zusammen. ?Ich glaube, das Publikum wird dies auch spüren, und ?Dark Water ? Dunkle Wasser? wie einen dieser vielsagenden Horror-Filme betrachten, die man heutzutage nicht oft zu sehen bekommt ? eine Geschichte, die aus dem Leben gegriffen und auch sehr, sehr beängstigend ist.?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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