Winn-Dixie - Mein zotteliger Freund

Produktionsnotizen

Die Newcomerin AnnaSophia Robb erhielt die Rolle der Opal nach einem intensiven Castingprozess. ?Opal und Winn-Dixie haben viel gemeinsam?, verrät AnnaSophia. ?Sie hat keine Mutter, er kein Dach über dem Kopf. Beide wollen jemanden zum Liebhaben und Geliebtwerden. Zusammen stellen sie fest, dass es anderen anscheinend genauso ergeht.?

Winn-Dixie zeigt Opal Orte, an denen die Magie unter einer dicken Schicht der Enttäuschung schlummert und weckt die Menschen auf, die sich darunter verstecken. Mit jedem Tag tut sich ein bisschen mehr unter der strahlenden Sommersonne: in einer verkommenen Zoohandlung, einer muffigen Bücherei, einem heruntergekommenen Wohnwagen, einer Bruchbude und einem zum Tempel umfunktionierten Gemischtwarenladen.

Bereits zum vierten Mal verfilmt Regisseur Wayne Wang mit WINN-DIXIE: MEIN ZOTTELIGER FREUND einen Bestseller ? nach THE JOY LUCK CLUB (?Töchter des Himmels?, 1993), ANYWHERE BUT HERE (?Überall, nur nicht hier?, 1999) und SMOKE (?Smoke?, 1995), der auf der Kurzgeschichte Auggie Wren?s Christmas Story basierte.

Auf den ersten Blick scheinen Wayne Wangs Filmarbeiten, darunter auch MAID IN MANHATTAN (?Manhattan Love Story?, 2002), wenige Gemeinsamkeiten aufzuweisen. Doch bei genauerem Hinsehen zieht sich ein roter Faden durch Wangs Werk. ?Im Allgemeinen drehe ich Filme über Dinge, die man in seinem Leben vermisst, Leerstellen, die man füllen möchte?, verrät der Filmemacher. ?Mir gefallen Geschichten über Menschen, die sich nach Zugehörigkeit sehnen und sie finden, über Einsame, die Kontakt suchen. In Opals Fall ist das eben der unerwartete Verlust eines Elternteils.?

?Das Buch berührte mich auf kaum zu beschreibende Weise?, gesteht Wang. ?Die Menschlichkeit und Einfachheit der Erzählung sprachen mich sehr an.?

Because of Winn-Dixie erschien bei Candlewick Press und war Kate DiCamillos Debüt. Das Werk kam auf die New York Times Bestsellerliste und erhielt 2001 die renommierte Newbery Honor. Darüber hinaus erhielt es das Blue Ribbon des Bulletin of the Center for Children?s Books und wurde in der New York Public Library auf der Liste der 100 meistempfohlenen Werke geführt. Es gewann als Publishers Weekly Best Book of the Year und als School Library Journal Best Book of the Year. In der Folge schrieb Kate DiCamillo die Bücher The Tiger Rising, das es bis in die Endrunde des National Book Awards schaffte, und das mit der Newbery Medal 2004 ausgezeichnete The Tale of Desperaux.

?Because of Winn-Dixie drückt meine eigenen Sehnsüchte aus?, erzählt DiCamillo ?Ich stamme aus Zentral-Florida mit seinen milden Wintern und mußste plötzlich in Minneapolis den übelsten Winter der Geschichte durchmachen. Zudem besaß ich zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal in meinem Leben keinen Hund. Ich sehnte mich schrecklich nach der Gesellschaft eines Vierbeiners. Also basiert das Buch auf meinem Heimweh und meiner Hunde-Sehnsucht.?

Normalerweise empfehlen Erwachsene dem Nachwuchs bestimmte Bücher. Bei Because of Winn-Dixie funktionierte es genau anders herum. Die Geschichte für alle Altersstufen begann ihre Hollywood-Laufbahn, als Produzentin und Drehbuchautorin Joan Singleton ein paar Bücher für ihre neunjährige Tochter Elizabeth als Urlaubslektüre erstand.

?Elizabeth begeisterte sich auf der Stelle für Because of Winn-Dixie, denn der Buchumschlag zeigte ein Mädchen mit einem Hund?, erinnert sich Singleton. ?Als sie dann zu lesen begann, berührte sie die Geschichte von Opal und ihrem vierbeinigen Freund so sehr, dass sie das Buch in einem Atemzug an einem einzigen Tag las. Anschließend bestand sie vehement darauf, dass ich es auch lesen sollte. Kinder brauchen inspirierende Geschichten wie diese. Mein 80-jähriger Vater reagierte genauso auf Because of Winn-Dixie wie Elizabeth. Kate DiCamillos magischer, lyrischer Schreibstil gefiel auch mir und ich merkte schnell, dass ich die Vorlage verfilmen mußSTE.?

Trotz seines Optimismus? dreht sich das Kinderbuch im Kern um Verlust, Enttäuschung und Herzschmerz. Schließlich erzählt es die Geschichte eines Mädchens, das von seiner Mutter verlassen wurde und das den Grund dafür nicht versteht. Opal fühlt eine große Leere und Einsamkeit und es besteht anfangs kaum Hoffnung, dass sich das bald ändern könnte.

?Die besten Geschichten besitzen immer fröhliche UND düstere Elemente, naive Unschuld und strukturelle Tiefe gleichermaßen?, erklärt Produzent Trevor Albert. ?Als Vater zweier kleiner Töchter überrascht mich immer wieder, wie hoch ihre Toleranzgrenze für das Verständnis von Gefahr und Angst wirklich ist und wie sehr sie die Geheimnisse des Lebens erkunden möchten. Die besten Bücher vereinen die guten und die schlechten Seiten des Lebens.?

Als Wayne Wang mit der Umsetzung von Kate DiCamillos Vorlage für die Leinwand begann, erlitt auch er einen schweren persönlichen Verlust, denn sein Vater starb plötzlich und unerwartet. ?WINN-DIXIE: MEIN ZOTTELIGER FREUND half mir durch eine sehr schwierige Zeit?, gesteht er. ?Umgekehrt boten mir meine persönlichen Probleme die Chance, tiefer in das Buch einzudringen.?

Erstmals realisierte Wang mit WINN-DIXIE: MEIN ZOTTELIGER FREUND in größerem Umfang einen Film mit Kindern und Tieren. ?Die Arbeit mit Kindern und Tieren stellt einen täglichen Unsicherheitsfaktor dar?, bemerkt er. ?Manchmal schreitet die Arbeit nur mühsam voran. Dann aber entfaltet sich eine Magie, die man unmöglich so vorhersehen oder planen hätte können.?

Die neunjährige AnnaSophia Robb aus Denver, Colorado gibt mit WINN-DIXIE: MEIN ZOTTELIGER FREUND ihr Leinwand-Debüt. Zuvor hatten die Filmemacher mehr als 650 Videoaufnahmen von Mädchen durchgesehen und anschließend die vielversprechendsten Kandidatinnen zum Vorsprechen eingeladen. Danach kamen drei Mädchen in die engere Auswahl, bevor man sich endgültig für AnnaSophia entschied.

Die Rolle stellte AnnaSophia vor eine ungewöhnliche Herausforderung. Sie spielt nämlich beinahe in jeder Szene ? eine Ausnahme selbst für erfahrene Stars ? und mußs sich neben einem beliebten Schauspielveteranen, zwei international angesehenen Darstellerinnen, einem belieben, populären Musiker und einer neuen vierbeinigen Berühmtheit behaupten.

?Ich erkannte gleich, dass AnnaSophia sehr clever und einfühlsam ist?, erinnert sich Wang. ?Immer, wenn ich sie darum bat, verschiedene Herangehensweisen an eine Szene auszuprobieren, ging sie wirklich mit Feuereifer an die Aufgabe heran und erkundete Neuland. Sie spielte die Szenen auf eine frische und sehr lebendige Art und hatte vor nichts Angst.?

?Opal trägt viel Liebe in ihrem Herzen und möchte diese Liebe einfach nur weitergeben?, erklärt AnnaSophia. ?Sie ist zwar noch sehr jung, doch nach dem Umzug in eine andere Stadt fühlt sie sich sehr einsam und beinahe so, als wäre sie lebendig begraben. Sie braucht jemanden zum Liebhaben, genauso wie Winn-Dixie. Er bringt ihr auch bei, andere Leute nicht nach dem ersten Eindruck zu beurteilen.?

Die Suche nach dem titelgebenden Vierbeiner erwies sich als beinahe ebenso aufwändig wie das Casting von Opal. Wang suchte nach einer liebenswürdigen Promenadenmischung, wie sie auch auf dem Buchcover zu sehen ist. ?Das Problem lag darin?, erklärt der Regisseur, ?dass wir jedes Mal, wenn wir einen geeigneten Kandidaten gefunden hatten, immer sehr außergewöhnliche Exemplare ausgesucht hatten und deshalb keine Doppelgänger als Ersatz auftreiben konnten. Doch die Versicherer der Produktion bestanden auf mehreren Doppelgängern, weil man den Hund in beinahe jeder Szene sieht. Sollte er krank werden oder verschwinden, hätten wir die ganze Produktion kippen müssen.?

Wang und der erfahrene Tiertrainer Mark Forbes nahmen verschiedene große Hunderassen in die engere Auswahl, bis sie sich schließlich für einen Picardy-Schäferhund entschieden. ?Obwohl der Picardy zu den edlen Rassen zählt, wirkt er eher wie ein netter Mischling?, erklärt Wang. ?Er sieht aus, als besäße er Humor, Neugier und Gutmütigkeit und triebe gerne seine Späße.? Also flogen die Filmemacher den völlig unerfahrenen Hund zusammen mit mehreren Doppelgängern aus Frankreich nach Louisiana ein und verpassten ihm einen Schauspiel-Crashkurs.

?Erst als wir uns für den Picardy entschieden hatten, merkten wir, wie selten diese Rasse ist?, gesteht Forbes. ?In ganz Kalifornien fanden wir gerade einmal zwei oder drei. Allerdings machten wir etwa zwölf Züchter in Europa ausfindig, hauptsächlich in Frankreich. Keiner der Hunde besaß allerdings Kameraerfahrung. Wir mußsten die Tiere also in die USA schaffen und die üblichen 16 Wochen Vorbereitung in zehn Wochen hineinquetschen. AnnaSophia und der Hund hatten gerade einmal etwa eineinhalb Wochen Zeit, sich aneinander zu gewöhnen. Hunde müssen wirklich an den Menschen herangeführt werden. Sie nehmen neue Leute nicht unbedingt einfach an. Doch wie geplant entwickelte sich AnnaSophia zu einer Schutzperson für Winn-Dixie.?

AnnaSophia beschreibt den Picardy als ?echt groß, mit einer riesigen Nase, aufgestellten Ohren mit schwarzem Rand und dichtem Fell, das rötlich, grau, bräunlich und orangefarben schimmert. Außerdem hat er die süßesten Augen, die ich je gesehen habe.?

Wang versammelte ein hochkarätiges Ensemble für jene Personen am Set, denen Opal und Winn-Dixie während ihres sommerlichen Abenteuers begegnen. ?Herausragende Darsteller zu finden war kein Problem?, freut sich Produzent Trevor Albert. ?Sie alle freuten sich darauf, mit Wayne zu arbeiten, der für seine außergewöhnlichen Filme bekannt ist.?

Jeff Daniels spielt den Prediger, Opals Single-Vater, dessen religiöse Berufung ihn daran hindert, etwas vom Alltag seiner Tochter mitzubekommen ? bis ihn ein übelriechender, wilder Hund aus seinem Schneckenhaus hervorlockt. Daniels kennt man aus zahlreichen Filmen wie TERMS OF ENDEARMENT (?Zeit der Zärtlichkeit?, 1983), PLEASANTVILLE (?Pleasantville ? zu schön, um wahr zu sein?, 1998) oder BLOOD WORK (?Blood Work?, 2002).

?Der Prediger trauert noch immer sehr um seine Frau, die ihn Jahre zuvor verlassen hat?, verdeutlicht Daniels. ?Er versucht, seine Tochter zu beschützen und auch unter den widrigen Umständen so gut wie möglich zu erziehen. Er liebt Opal, kann ihr aber nicht nahe kommen. Plötzlich aber taucht dieser seltsame Hund auf und schlägt so lange gegen die unsichtbare Mauer, bis sie zu bröckeln anfängt. WINN-DIXIE: MEIN ZOTTELIGER FREUND ist nicht nur ein Familienfilm, vielmehr geht es um die Macht der Kommunikation und die ewig gültige Liebe.?

Für die Rolle der adeligen, exzentrischen Kleinstadt-Bibliothekarin Miss Franny konnte Wang Eva Marie Saint gewinnen, die für ihr Debüt ON THE WATERFRONT (?Die Faust im Nacken?, 1954) einst einen Oscar erhielt. In der Folge spielte sie unter anderem in NORTH BY NORTHWEST (?Der unsichtbare Dritte?, 1959) oder in jüngerer Zeit in I DREAMED OF AFRICA (?Ich träumte von Afrika?, 2000).

Eva Marie Saint beschreibt Miss Franny als ?Dame, die in ihrer Erinnerung und ihren Büchern lebt. Als kleines Kind fragte sie ihr wohlhabender Vater nach ihrem größten Wunsch und sie antwortete ?eine eigene Bücherei?. Deshalb betreibt sie seit ihrem elften Lebensjahr eine Bücherei und hat nie geheiratet. Plötzlich taucht dieses kleine Mädchen mit seinem Hund auf. Miss Franny liebt das Geschichtenerzählen, Opal hört dafür gerne zu. Sie sorgen gegenseitig für Schwung im Leben der anderen. Im Endeffekt bringen Opal und Winn-Dixie dann eine sonderbare Mischung einsamer Menschen unter einen Hut.?

?Die Story ist nicht außergewöhnlich sentimental?, betont die gefeierte Schauspielerin. ?Das mag ich daran. Sie ist ehrlich und unverfälscht. Natürlich schlagen sich all diese Leute mit ihren Problemen herum, doch manchmal machen die eigenartigsten Dinge das Leben wieder lebenswert.?

Cicely Tyson erhielt gleich zwei Emmys für ?The Autobiography of Miss Jane Pittman? und eine Oscar-Nominierung für SOUNDER (?Das Jahr ohne Vater?, 1972). Sie spielt die zurückgezogen lebende Gloria Dump, von den Kindern der Ortschaft ?Die böse Hexe von Naomi? genannt. Sie lebt alleine mit ihren Dämonen und den immer schlechter werdenden Augen, bis sich Winn-Dixie in ihren überwucherten Garten verirrt und sich dieser sich zu einem Ort voller Überraschungen entwickelt.

Der beliebte Musiker Dave Matthews spielt den Einzelgänger und Tierhandlungs-Angestellten Otis. Otis bezaubert die Tiere mit seiner Musik und gibt Opal ihren ersten Sommerjob. Bis Opal mit ihrem Hund auftaucht, hatte Otis nur seine Musik und immer nur Pech.

?Offensichtlich hat Otis viel Schlimmes erlebt und üble Sachen gesehen, die ihn auch weiterhin beschäftigen?, verdeutlicht Matthews. ?Otis fühlt sich wohl mit Tieren und seiner Musik, das war?s aber auch schon.?

?Ich habe schon in Virginia ein bisschen geschauspielert ? nur kleine Theaterproduktionen ? bevor ich mich hauptsächlich der Musik gewidmet habe?, erzählt Matthews. ?Aber ich verfolge weiterhin das Geschehen in der Filmwelt und kriege auch ziemlich viele Skripts zugeschickt. Als Wayne-Wang-Fan interessierte mich das Projekt natürlich. Aber ich wollte keinen Musiker spielen, ich singe nur ein bisschen. Ich freute mich über die Gelegenheit, einmal eine interessante Rolle in einem hervorragenden Ensemble zu spielen.?

Als Opals Kleinstadtkumpel überzeugen Courtney Jines in der Rolle der bestimmenden, traurigen Amanda, Elle Fanning als Fingernägel-kauende Hundeliebhaberin Sweetie Pie sowie Nick Price und Luke Benward als respektgebietendes Brüderpaar Dunlap und Stevie Dewberry.

Alle Schauspieler empfanden die Arbeit an WINN-DIXIE: MEIN ZOTTELIGER FREUND als befriedigendes, wenn auch zu Beginn eher einschüchterndes Erlebnis, schließlich hatte Kate DiCamillo mit ihrer magischen Geschichte rund um ? nach ihren eigenen Worten ? ?Hoffnung und Liebe und Geborgenheit und Freude? die Messlatte sehr hoch gelegt.

Auch Drehbuchautorin und Produzentin Joan Singleton freute sich über die anspruchsvolle Herausforderung, DiCamillos Roman zu adaptieren und dessen vielköpfige Fangemeinde zufrieden zu stellen. ?Millionen haben das Buch gelesen und geliebt und setzen dementsprechend hohe Erwartungen an den Film?, bemerkt Singleton. ?Wir wollten diese Erwartungen natürlich erfüllen. In unserer Zeit des großspurigen, actionreichen, explosiven Entertainments fand ich die Arbeit an solch einer warmherzigen Story für alle Altersgruppen sehr befriedigend.?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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