Wächter der Nacht - Nochnoi Dozor

Produktionsnotizen

'Wächter der Nacht' verstehen - Eine Einführung in die bahnbrechende Horror-Fantasy-Geschichte!

Der russische Horror-Fantasie-Film WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) hat das nach-sowjetische Kino revolutioniert. Timur Bekmambetov, der vom russischen Regisseur Nikita Mikhalkov als "unser Tarantino" bezeichnet wird, bringt seine innovative Vision des ersten Teils der NIGHT-WATCH-Trilogie auf die große Leinwand. Autor der erfolgreichen Sci-fi-Romane, zu denen auch noch die Teile Dnjevnoi dozor (Wächter des Tages) und Sumerechnij dozor (Wächter der Dämmerung) gehören, ist Sergei Lukyanenko.

Mit neuesten technischen und visuellen Effekten und atemberaubenden Action-Sequenzen wurde die spannende Horror-Story in Russland zum Kinohit des Jahres 2004 und schlug sämtliche Einspielrekorde. Mit einem Budget von nur vier Millionen Dollar gedreht, übertraf WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) sowohl THE LORD OF THE RINGS: THE RETURN OF THE KING ("Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs", 2003) und SPIDER-MAN 2 ("Spider-Man 2", 2004) an den Kinokassen. In einem Land, in dem noch nie ein Film mit einem Budget von mehr als zwei Millionen Dollar produziert wurde, spielte WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) sechzehn Millionen Dollar ein.

Der auch international gefeierte Film ging als offizieller russischer Beitrag ins Rennen um die Oscar-Nominierungen für den besten nicht-englischsprachigen Film 2004, kam jedoch nicht in die Nominierung zum Oscar.

Im heutigen Moskau angesiedelt erzählt WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) die Geschichte des Kampfes zwischen Gut und Böse im Jenseits.

Ein tausendjähriger Waffenstillstand hält die Balance zwischen den Kräften des Lichts und den Kräften der Finsternis. Seit Jahrhunderten kontrollieren die Mitglieder der Wächter der Nacht die Welt der Dunklen Magier, die Welt der Vampire, Hexen, Formwandler und Meister der schwarzen Magie, während diese wiederum als Wächter des Tages die Kräfte des Lichts im Zaum halten. Das Schicksal der Menschheit hängt von dieser fein austarierten Balance zwischen Gut und Böse ab, aber dieses Gleichgewicht ist in Gefahr.

Eine uralte Prophezeiung besagt, dass eines Tages ein Anderer kommen wird, der, mächtiger als alle Anderen vor ihm, den apokalyptischen Kampf zwischen den Kräften des Lichts und der Finsternis für immer beenden wird. Dieser Moment ist gekommen, doch welche Seite wird dieser Andere wählen?

In den Hauptrollen überzeugen Konstantin Khabensky, Vladimir Menshov, Valery Zolotukhin, Maria Poroshina, Galina Tunina, Victor Verzhbitsky und Dima Martynov. Regie führte Timur Bekmambetov nach einem von ihm und Sergei Lukyanenko erstellten Drehbuch. Produziert wurde der Film von Anatoly Maximov und Konstantin Ernst. Für die Kamera war Sergei Trofimov verantwortlich, Varya Avdyushko (Kostüm), Valery Victorov (Art Director) und Mukhtar Mirzakeyev (Art Director) komplettierten das kreative Team. Den Schnitt besorgte Dmitri Kiselev, für die Filmmusik zeichnet Yuri Poteyenko verantwortlich.

Fox Searchlight sicherte sich die internationalen Vertriebsrechte für WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) sowie dessen in Produktion befindlichem Sequel Dnjevnoie Dozor (Wächter des Tages). Der dritte Teil der Trilogie SUMERECHNIJ DOZOR (Wächter der Dämmerung) soll von Timur Bekmambetov in englischer Sprache gedreht werden und wird von Fox sowie dem russischen Sender Channel 1, der bereits als Produzent der ersten beiden Teile verantwortlich war, produziert werden.

Im Inneren der 'Night Watch' - Über die Entstehung des Films Sergei Lukyanenkos Roman Nochnoi Dozor und die Fortsetzungen Dnjevnoie Dozor (Wächter des Tages) und Sumerechnij Dozor (Wächter der Dämmerung) markieren einen Wendepunkt in der russischen Literatur. Die Story von übermenschlichen, fanatischen Kämpfern, die auf den Straßen des modernen Moskaus ihren Krieg ausfechten, traf den Nerv eines völlig neuen Publikums: Fantasy-Fans, Internet-User und eine junge russische Leserschaft machten das Buch zum einem hippen Kult-Klassiker, das 500.000-mal verkauft wurde. Seit dem Kinostart von WÄCHTER DER NACHT (NOCHNOI DOZOR) wurden von der Trilogie weitere 2,5 Millionen Exemplare verkauft.

Lukyanenko, der ursprünglich Psychiater ist, wollte schon immer eine Geschichte schreiben, deren Plot und Charaktere zwar aus einer längst vergangenen Epoche stammen, die aber in der heutigen Zeit spielt.

"Ich hatte schon länger den Gedanken, märchenhafte Science-Fiction zu schreiben, doch mich interessieren weder Gnome noch Elfen", erklärt Sergei Lukyanenko, der auch die Trilogie Linia Grez und Rytsary Soroka Ostrovov schrieb. "Dann hatte ich eine faszinierende Idee: Ich erfand das Szenario der Dämmerung, das als Schlachtfeld für die mitten unter uns lebenden Magier dient, die sich gegenseitig bekämpfen, ohne dass wir normal Lebenden etwas davon mitbekommen. Sie können nur kämpfen, wenn die Menschen davon unberührt bleiben. Anschließend ersann ich die Wächter der Nacht als Einheit zur Kontrolle der Magier. Dies führte dann zur Entstehung der Wächter des Tages, sie sind die Antagonisten der Wächter der Nacht, und letztendlich entwickelte ich den ewigen Kampf dieser beiden Mächte."

In kurzer Zeit gewann die Geschichte der übermenschlichen Kreaturen der Wächter der Nacht und der Wächter des Tages, die ihre verheerenden Kämpfe in heruntergekommenen Appartements und überfüllten U-Bahnen direkt neben dem "normalen" Alltag der Moskauer ausfechten, eine große Fangemeinde im ganzen Land. Unter diesen Fans war auch der Filmproduzent Konstantin Ernst, der Channel One Russia, die größte und erfolgreichste TV-Station Russlands, leitet. Ernst hatte bis dahin kein wirkliches Faible für das Fantasy-Genre, aber als er begann, Nochnoi Dozor zu lesen, konnte er das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Er sah sofort die vielen Möglichkeiten, die diese Geschichte für eine Kino-Adaption bot und begann mit seinem Produzenten-Kollegen Anatoly Maximov mit der Entwicklung des Projekts. Bereits neun Monate später begannen die Dreharbeiten mit einem von Lukyanenko adaptierten Drehbuch und Timur Bekmambetov als Regisseur.

Um Lukyanenkos Geschichte von Hexen, Zauberern und Vampiren für die große Leinwand umzusetzen, brauchten sie einen innovativen, sehr visuellen Regisseur, das war den Produzenten von Beginn an klar. Sie suchten nach jemandem, der sowohl die Story als auch den besonderen Stil der Geschichte erfassen würde. Dieser Regisseur sollte eine persönliches Kenntnis der "russischen Seele" haben und er mußste in der Lage sein, dieses Wissen in die Produktion eines modernen, aufregenden und spannenden Special-Effect-Films einfließen zu lassen.

Die Person, die all diese Anforderungen erfüllte, war der in Kasachstan geborene Timur Bekmambetov. Er hat mehr als sechshundert Commercials und Musikvideos gedreht. Zu seinen Auftraggebern gehörten unter anderem Coca-Cola, Pepsi, Apple, Microsoft, Ford und Procter & Gamble.

Sein Debüt als Regisseur gab Timur Bekmambetov 1994 mit dem Film PESHAVARSKIJ VAL?S ("Peshawar Waltz"), ein Arthouse-Film über Afghanistan, sein zweiter Film GLADIATRIX (auch bekannt als THE ARENA, 2000) wurde in Englisch gedreht und von Roger Corman ko-produziert.

"Timur denkt sehr stark visuell", sagt der Produzent Anatoly Maximov, "und er geht bei den Charakteren sehr in die Tiefe, ähnlich wie bei der Stanislavski-Methode. Aus dieser Kombination heraus wurde der Stil des Films geboren."

Konstantin Ernst traf Bekmambetov das erste Mal, als er Moderator, Produzent und Regisseur einer monatlichen russischen Kunst- und Kulturfernsehsendung namens "Matador" war. Die beiden Männer teilten sich oft einen Schneideraum und sprachen darüber, Filme zusammen zu machen. "Eines meiner größten Ziele war immer, die russische Filmindustrie wieder anzukurbeln, und darüber sprachen wir", erklärt Ernst. "Ich erklärte ihm, dass ich dem russischen Film ein neues Image verpassen und ihn auf ein höheres Level bringen wollte, das ihn zu einem Teil des internationalen Filmzirkus machen würde ? nicht nur für Arthouse-Kinos oder Festivals, sondern mit aufregenden Filmen, die die breite Masse ansprechen. Mit WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) hatten wir diese Möglichkeit."

Eine uralte Prophezeiung besagt, dass eines Tages ein Anderer kommen wird, der, mächtiger als alle Anderen vor ihm, den apokalyptischen Kampf zwischen den Kräften des Lichts und der Finsternis für immer beenden wird. Dieser Moment ist gekommen, doch welche Seite wird dieser Andere wählen?

Bekmambetov brachte für das Projekt seine große Affinität zu den modernen Meistern des Hollywood-Actionkinos mit. Zu den Filme-machern, die ihn am meisten beeinflussten, gehören James Cameron, Ridley Scott, Roger Corman, die Wachowski-Brüder und Quentin Tarantino. Dennoch war er anfänglich skeptisch, ob er es schaffen würde, einen Horror-Fantasy-Film zu drehen, der das russische Publikum ansprechen würde.

"Anders als in Amerika gab es vorher in Russland keine Fantasyfilme", erläutert der Regisseur. "Aber als ich das Buch las, bemerkte ich plötzlich, dass Sergei es geschafft hatte, Magie und Wunder, das Transzendente und das Übernatürliche zum Leben zu erwecken. Ich fand, dass die Geschichte etwas ganz Besonderes war, da hier nicht nur Fantasie und Realität aufeinander treffen ? es ist die ganz speziell russische Realität, die gezeigt wird, und es ist der erste russische Film, der diesen einzigartigen Blickwinkel wählt. Die Geschichte spielt in der wirklichen Welt, im wirklichen russischen Leben, aber sie ist ebenso fantastisch. Also bestand meine Idee darin, dass sie sich auf der Leinwand so wirklich wie möglich anfühlen sollte, während ich einen Kontext für das Mystische und Fantastische im gegenwärtigen Leben in Moskau finden wollte. Es war eine wundervolle Herausforderung."

Je mehr er darüber las, desto mehr war Bekmambetov von der Vision fasziniert, dass Vampire durch die häufig chaotischen und gefährlichen Straßen des heutigen Moskau zogen. "Die Bücher wurden zu Poesie. Sie sind cool und komisch", sagt er. "Ich begann darüber nachzudenken, wie man diese Dinge kombinieren konnte: der Rote Platz und Vampire, Vampire und das russische Ballett usw. Es war eine so interessante Mischung und ich stellte fest, dass mich die Geschichte persönlich berührte, denn zur Hälfte bin ich ein Filmemacher, der Vampire, Roger Corman und MATRIX liebt. Meine andere Hälfte wird von der russischen Realität bestimmt, wo es eine Menge Probleme gibt. Es gibt es sehr schlechte Autos, sehr schmutzige Häuser, sehr reiche Ölbarone und sehr arme Menschen. Diese Geschichte brachte beide Seiten von mir zusammen: die russische Realität und amerikanische Filme."

Bekmambetov sah in WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) die Chance all seine Einflüsse in einem einzigen originellen, unterhaltsamen Film zusammenzubringen ? und er würzte den Film nicht nur mit wilden Jagden, haarsträubenden Stunts, mächtigen Explosionen und effektvollen Kreaturen aus einer anderen Welt, sondern auch mit jener ganz besonderen Mischung aus Humor, Philosophie, Lebensweisheit und menschlicher Einsicht, die immer ein Marken-zeichen der russischen Literatur war.

Besonders angezogen wurde er durch die allegorische Erforschung des zerbrechlichen Gleichgewichts zwischen Gut und Böse in der heutigen Welt. Für Bekmambetov repräsentieren die Wächter der Nacht und ihre gegensätzlichen Wächter des Tages zwei verschiedene, konkurrierende Sozialphilosophien. "Sie repräsentieren zwei verschiedene Arten zu leben ? totale Freiheit versus Verantwortlichkeit", kommentiert er. "Die Wächter des Tages sind die Dunklen und sie repräsentieren eine Art völliger Unabhängigkeit, während die Wächter der Nacht für Verantwortung und Gewissen stehen. Es ist ein Dualismus, der seit Tausenden von Jahren besteht. Es ist ein sehr alter Gedanke, dass man die Konsequenzen seiner Handlungen berücksichtigen mußs."

Bekmambetov arbeitete bei der Adaption des Romans für das Kino eng mit Lukyanenko zusammen ? und er stellte fest, dass dieser mehr als bereit war, mit seinem Werk zu spielen. Er fügte sogar neue Elemente hinzu, um das Erlebnis des Kinobesuchers noch zu verstärken. "Wir fügten den Subplot von Anton (Konstantin Khabensky) und seinem lange vermissten Sohn Yegor (Dima Martynov) hinzu, um es dramatischer zu gestalten, emotionaler, russischer", erklärt Bekmambetov. "Zusätzlich zur Action gibt es diese Erzählung des Vaters, der seinen Sohn verlor. Er fühlt sich schrecklich schuldig und verbringt sein Leben damit, das Problem zu lösen, das sein Gewissen plagt ? es ist eine sehr russische Geschichte."

Bei der Vorbereitung zum Dreh dieser epischen Geschichte mit einem bei weitem unepischen Budget, dachte Bekmambetov immer wieder daran, was sein Freund und Mentor Roger Corman ihm einst vermittelt hatte: "Er sagte, das Wichtigste für den Regisseur bestehe darin, darüber nachzudenken, wie er ein größeres Budget vortäuscht, als er hat", erinnert sich Bekmambetov. "Es hat alles mit Kreativität zu tun."

Der Schlüssel zu Bekmambetovs kreativer Vision des Films war ein allgegenwärtiger und intensiver Realismus, den er über die eindringlichen und erfindungsreichen Special Effects legte. In der Tat sagt der Regisseur, dass die haarsträubenden Vampire, Hexen und Warlocks des Films gleichzeitig bedrohlich ? aber auch so real wie unser Nachbar wirken sollten. "Die russischen Zuschauer haben keine Erfahrungen mit solchen Filmen, denn bei uns gab es nie Fantasy-Filme oder Comics ? das ist alles neu. So gab es für mich nur die Möglichkeit, alles sehr realistisch zu machen, so dass der Zuschauer es für glaubwürdig genug halten würde, um die Fantasie zu akzeptieren", erklärt er. "Für mich bedeutete das, dass auch ich an eine Welt glauben mußste, in der Vampire existieren, auch wenn ich weiß, dass es keine gibt."

Für Anatoly Maximov war Bekmambetovs Herangehensweise an den Film aufregend und machte ihn noch spannender. "Die Welt, die er schafft, ist hyper-realistisch, aber nachvollziehbar", sagt er. "Die Charaktere, die sozialen Situationen und die psychologischen Elemente sind uns sehr vertraut. Es ist ein Film über den moralischen Absturz des Menschen und über die Kräfte des Lichts und der Finsternis, die um die menschliche Seele kämpfen ? es ist ein großartiges Thema."

Wie wird man 'Wächter der Nacht'? ? Das Casting Im Zentrum von WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) stehen die übernatürlichen Lebewesen der Wächter der Nacht und der Wächter des Tages, die ihren nächtlichen Krieg beginnen, sobald Moskau schläft. Regisseur Timur Bekmambetov war sich der großen Bedeutung der Auswahl der richtigen Schauspieler, die die beiden opponierenden Seiten darstellen sollten, stets bewusst. Dafür war ein ganz spezieller Castingprozess notwendig.

Bekmambetov begann damit, russische Schauspieler in zwei Gruppen einzuteilen. "Meines Erachtens gibt es Schauspieler, die wie Schauspieler aussehen und Schauspieler, die wie normale Leute aussehen. Wir setzten die ?Schauspieler?-Schauspieler für die dunkle Seite ein, denn sie wirken cool, unverwechselbar, interessant und stolz. Die Leute, die eher unauffällig aussehen, bekamen die Rollen der guten Seite, also der Wächter der Nacht. Da gibt es zum Beispiel Svetlana, die, egal wohin sie geht, Unheil auslöst. Sie besetzten wir mit Maria Poroshina, die meines Erachtens wie das typische Mädchen von nebenan aussieht. Auf der anderen Seite steht Alyssa von den Wächtern des Tages, die wir von dem russischen Popstar Zhanna Friske spielen ließen."

Da Russland einen großen hochkarätigen Schauspieler-Pool besitzt, konnte sich Bekmambetov auf die Suche nach Darstellern konzentrieren, die nicht nur die rasante Action, sondern auch die emotionale Tiefe und die psychologischen Welten angemessen verkörpern konnten. Und genau das unterscheidet seiner Meinung nach WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) von anderen Horrorfantasien. "In amerikanischen Fantasy-Filmen besitzt die Personenzeichnung kaum Tiefgang", bemerkt er. "In unserem Land aber erhalten die Schauspieler eine intensive Stanislavski-Ausbildung. Deshalb konnten wir auch anspruchsvolle Charaktere, komplizierte Beziehungen und komplexe Handlungsstränge einbinden."

Bekmambetov übertrug Konstantin Khabensky die Hauptrolle. Khabensky, einer der beliebtesten russischen Schauspieler, spielt Anton Gorodetsky, ein Mitglied der Wächter der Nacht und führender Protektor des Lichts. Täglich hält er den Jahrhunderte alten Waffenstillstand zwischen Licht und Finsternis aufrecht und ist selbst ? trotz seines Kampfes mit den eigenen dunklen Dämonen ? auf seine Art eine ganz normale Person, die versucht, sich selbst zu finden. Er steht kurz davor, auf denjenigen zu treffen, der laut Prophezeiung die Balance zwischen Gut und Böse zerstören wird.

"Vor WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) war Konstantin Khabensky nur einer der drei männlichen russischen Top-Stars, jetzt ist er die Nummer eins", verdeutlicht Produzent Konstantin Ernst. Er hatte schon zuvor bei der Besetzung eines Polizisten in der Kultserie "Impact Force" auf Khabensky gebaut und empfahl den Darsteller nun für diesen Film.

Auch Bekmambetov sah in dem Star den perfekten Kandidaten für die vielschichtige Rolle des Anton. "Konstantin kann nicht nur dramatische Charakterrollen ausgezeichnet spielen", erklärt Bekmambetov. "Er ist auch ein kleiner Clown, kann witzig sein, aber auch extravagant. Genau diese Kombination prädestinierte ihn dafür, das russische Publikum auf höchst glaubwürdige Art und Weise auf eine Reise in die Welt der Vampire zu entführen."

Als Boris Geser, tagsüber Geschäftsmann, nachts Anführer der Wächter der Nacht, gewann Bekmambetov den Star-Regisseur des Oscar-gekrönten Films MOSKWA SLJESAM NE WERIT ("Moskau glaubt den Tränen nicht", 1979), den multitalentierten Schauspieler, Autor und Filmemacher Vladimir Menshov. Seit Jahrhunderten beschützt Geser das Licht und fungiert sowohl als Vaterfigur wie auch als Symbol für das Gute in der Welt. Er spielt eine Schlüsselrolle bei Antons Rettung aus einer beinahe tödlichen Auseinandersetzung mit den Kämpfern der Finsternis. "Vladimir gehört zu den wenigen russischen Oscar-Preisträgern und er ist Russe durch und durch", bemerkt Bekmambetov. "Für seine Landsleute ist er so etwas wie ein Parteichef oder Top-Bürokrat. Deshalb fand ich es witzig, ihn als Anführer der guten Seite zu zeigen."

Dagegen entschied sich Bekmambetov für den Part von Zavulon, dem Boss der Wächter des Tages, für Victor Verzhbitsky, einen Freund aus Studentenzeiten, der bereits in PESHAVARSKIJ VAL?S ("Peshawar Waltz", 1994) und THE ARENA ("Gladiatrix", 2001) zu sehen war. Als Meister aller dunklen und bösen Kräfte regiert Zavulon die Wächter des Tages. Obwohl die Kämpfer der Finsternis den Waffenstillstand mit den Beschützern des Lichts eingehalten haben, drängen sie darauf, die Seele desjenigen in Besitz zu nehmen, der diese Balance daraufhin zu ihrem Vorteil aus dem Lot bringen wird.

Zavulon hält sich die meiste Zeit in WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) aus dem Geschehen heraus und verleiht seinem Auftreten gegen Ende deshalb umso mehr Gewicht. "Ich kenne Victor seit über 20 Jahren und halte ihn für einen ausgezeichneten Schauspieler", lobt Bekmambetov. "Ich finde ihn sogar so gut, dass er problemlos den halben Film lang nicht zu sehen sein kann, aber dann bei seinem Auftritt trotzdem für Aufregung sorgt."

Zu den weiteren Ensemblemitgliedern zählen russische Film- und Theaterschauspieler wie Galina Tunina als Hexe Olga, Maria Poroshina in der Rolle der mit einem mysteriösen Fluch belegten Svetlana, Alexey Chadov als junger Vampir Kostya, Valery Zolotukhin als Kostyas Vater sowie Zhanna Friske in der Rolle der Tagwächterin Alyssa, Ilia Lagutenko als Andrei, der Vampir, und Rimma Markova als Hexe Daria.

'Wächter der Nacht - Nochnoi Dozor' ? Der Look Ein großer Teil der Faszination von WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) liegt in seiner visuellen Energie begründet ? das Werk entfaltet ein vollständiges fantastisches Universum, das sich nicht hinter den Welten aus STAR WARS ("Star Wars", 1977-2005) oder MATRIX ("Matrix", 1999-2003) verstecken mußs, gewährt aber gleichzeitig einen seltenen, erhellenden Blick auf das moderne Moskau. In der Welt von WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) kann ein heruntergekommenes Appartement gleichzeitig Heimstatt für Vampire sein und ein unauffälliger Moskauer Handwerker sich als Undercover-Zauberer entpuppen. Regisseur Timur Bekmambetov legte besonderen Wert auf den harten, unheimlichen, unverfälschten Look und das echte Feeling des Films. Nicht zuletzt wegen seines Theater- und Kinodesignstudiums am Taschkenter Theaterwissenschaftsinstitut legt Bekmambetov stets auch selbst Hand an sämtliche Ausstattungseinzelheiten seiner Werke. "Ich bin Künstler", verdeutlicht er. "Acht Jahre lang habe ich das Zeichnen studiert und ich mache es immer noch gerne."

Bekmambetov ließ sich durch den stetigen Verfall von russischen Autos, Möbeln und Häusern in der post-sowjetischen Ära für seinen erfundenen Mythos von WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) inspirieren. "All diese russischen Gegenstände, die man gemeinhin hässlich fand, gehörten plötzlich untrennbar zu einer magischen Welt", erklärt er. "Die Russen neigen dazu, sich für ihre Sachen zu schämen, ihre einfachen, klapprigen Stühle, ihre lauten und unzuverlässigen Autos und ihre schmutzigen, bedrohlichen Wohnblocks. Wir fanden das schade, denn niemand kennt mehr den Unterschied zwischen guten und schlechten Dingen. Also dachten wir uns Gründe aus, warum sich ein alter Stuhl am besten eignen könnte oder warum gerade dieses Schrottauto cool und hart wirkt. Scheinbar hat es geklappt."

In der Tat hielt die Welt von WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) schnell Einzug ins russische Alltagsgeschehen. Ganze Dialoge gingen in den allgemeinen Sprachgebrauch über, während sich Antons langer Mantel bei Teilen der Moskauer Jugend zu einem "Must-Have" entwickelte. "Die Kostüme aus WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor), insbesondere der große Mantel, sind sehr in", bemerkt Bekmambetov. "Wir haben einen Modetrend ins Leben gerufen."

Der Regisseur strebte zudem danach, dem russischen Kino mit WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) eine Art visuellen Energieschub zu verpassen. Statt des althergebrachten, langsamen Stils der staatlich geförderten Produktionen besticht WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) durch ein rasantes Tempo, schnelle Schnitte und gewagte Kamerafahrten ? und hat das russische Kino vielleicht für immer verändert.

"Jungen Menschen gefällt diese Bildsprache, sie mögen Musikvideos und den klaren Look von Werbespots", erklärt Bekmambetov. "Sie mögen die Geschwindigkeit, schnelle Action und dramatische Wendungen. Wir wählten diesen Stil als Anreiz fürs Publikum, aber auch, weil er uns gefällt."

Mit seinem visuellen Filmtrip versuchte Bekmambetov auch ein Bild des modernen Moskaus zu zeichnen, wie es der Großteil der Welt noch nicht kennt ? das einer pulsierenden, jungen, lebenslustigen Stadt. "Typischerweise kennt man Moskau als sehr graue, bedrückende Großstadt", erklärt er. "Wir wollten mit dem Film den Eindruck eines viel fröhlicheren, coolen und spannenden Ortes erwecken. Über die letzten zwei Jahrhunderte hinweg veränderte die Regierung das Image der russischen Seele, sie wurde nur mehr grau-weiß. Doch ursprünglich galt die russische Kultur als bunt, gefühlsbetont, dramatisch. Dahin wollten wir zurückkehren, zu dieser optischen Vielfalt. Also achteten wir beim Drehen und bei der Postproduktion darauf, unser Moskau mit bunten Lichtblitzen aufzupeppen, beinahe so, als befänden wir uns in Mexiko."

Bekmambetov filmte WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) und etwa achtzig Prozent von dessen Sequel innerhalb von neunzig Tagen im Winter 2002/2003. Die Produktion machte an mehr als 200 echten Moskauer Locations Station, darunter die weltberühmte Touristenattraktion, der Rote Platz, und das ausgedehnte U-Bahn-System. Der Großteil der Handlung spielt sich in und um den Ostankino-Turm ab. Dieser hochaufragende Telekommunikationsturm steht im nordöstlichen Teil der Hauptstadt und bietet sowohl für Moskau wie auch für die Geschichte einen Fixpunkt.

"Ein großer Teil des Original-Romans spielt rund um den Ostankino-Turm, weshalb auch wir unser Hauptaugenmerk darauf richteten", erklärt Bekmambetov. "In Russland besitzt der Name Ostankino einen beinahe mystischen Beiklang. Das Wort bedeutet ,Überbleibsel? und es gibt viele Gründe, warum Sergei seinen Roman hier spielen ließ. Aber natürlich gibt es auch andere Gründe.

Sergei kommt aus Kasachstan, er ist also kein Moskauer, und Ostankino war für ihn der Inbegriff von Moskau, das Zentrum des Geschehens."

Bekmambetov versuchte so viel wie möglich auf Moskaus Straßen zu drehen, um dem übersinnlichen Thriller etwas realen Flair zu verleihen. "Uns war wichtig, wirkliche Bilder aus dem modernen Russland zu zeigen", erläutert er. "Wir zeigen das Unverfälschte, zwar mit kleinen Veränderungen, um die Wirkung der Bilder zu erhöhen, doch wir wollten, dass jeder Russe das Geschehen als ,echt russisch? empfindet. Das war einer der Tricks dieser Produktion und sicher auch einer der Gründe für ihren Erfolg. Nur die Innenräume der Appartements waren Kulissen ? doch selbst die stattete unser hervorragender Produktionsdesigner mit viel Wirklichkeitsnähe und Detailverliebtheit aus. Die Sets rochen sogar echt."

Für die Umsetzung seiner Vision von WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) verließ sich Bekmambetov auf ein Künstlerteam, mit dem er bereits bei seinen zwei früheren Filmen und bei zahlreichen Werbespots zusammengearbeitet hatte. "Mit meinem hervor-ragenden Team arbeite ich seit etwa zehn Jahren zusammen", bemerkt der Regisseur. "Dazu gehört mein Kameramann Sergei Trofimov und meine Art Directorin und Lebensgefährtin Valery Victorov. Valery bestimmte als künstlerische Leiterin den gesamten Stil der Produktion, von den Sets über die Kostüme bis hin zum Make-up. Zusammen entwickelten wir den Leitfaden, dass alles sich echt anfühlen und doch einen surrealen Beigeschmack haben sollte."

Zu diesem Zweck suchte Bekmambetov auch nach Örtlichkeiten, die unmittelbare Furcht und Beklemmungsreaktionen auslösten. "Wir besichtigten sämtliche unheimlichen und furchteinflößenden Orte in unserer Nähe", erinnert er sich. "Seit meiner Kindheit empfand ich die Dächer der Wohnhäuser als sehr beängstigend, denn man befindet sich in großer Höhe, umgeben von Antennen, die wie Spinnen aussehen. Auch die Metro besitzt dieses Flair, denn Stalin ließ sie einst bauen. Wir drehten in einer ganz besonderen Metro-Station mit dem Namen VDNH. Schon während meiner Schulzeit fand ich, dieser Name wirkte irgendwie böse."

Bekmambetov ließ sogar eine der frühen und spektakulären Kampfszenen in einem Frisörsalon spielen, nur weil dieser so seltsam und unheimlich wirkte. "Dieser Salon hat etwas, das mich persönlich auf unterschwellige Weise ängstigt", gesteht er.

Zu den außergewöhnlichsten visuellen Eindrücken aus WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) gehört das Zwielicht, die unheimliche Zwischenwelt, zu der nur die Mitglieder der dunklen und der guten Seite, also die Anderen, Zugang haben. "Im Zwielicht treffen die beiden Seiten aufeinander und bekämpfen sich", erläutert Bekmambetov. "Wenn man dort rein kommt, ist man automatisch einer der Anderen, denn Menschen gibt es da nicht. Also konnten wir uns in Sachen Design bei dieser Welt weit vorwagen."

Und dennoch gibt es selbst im Zwielicht ein untrügliches Zeichen von Realität: summende Moskitoschwärme. "Dort gibt es nur deshalb so viele Moskitos, weil sie meine ganz persönliche Phobie darstellen", lacht Bekmambetov. "Ich habe Angst vor Moskitos."

'Wächter der Nacht - Nochnoi Dozor' ? Die visuellen Effekte So ambitioniert und aufwändig Bekmambetovs Vorstellungen für WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) auch sein mochten: Wie sollte man die für die monumentalen Schlachtenbilder und übernatürlichen Ereignisse nötigen 400 Effekt-Aufnahmen in einem Land herstellen, das von einer Effekteschmiede à la Industrial Light & Magic bislang nur träumen konnte? Obwohl Bekmambetov die gesamte Produktion in Russland realisieren wollte, war ihm bewusst, dass kein Einzelunternehmen diesen Riesenauftrag stemmen konnte. Aufgrund der spärlichen Nachfrage für anspruchsvolle visuelle Effekte kommen russische Special-Effect-Firmen kaum über Zimmergröße hinaus und sind nicht in der Lage, Hunderte von digitalen Aufnahmen zu generieren.

Zur Lösung des Problems griffen die Filmemacher zu einer radikalen Maßnahme. Sie bündelten während der einjährigen Postproduktionsphase Dutzende von russischen Special-Effects-Firmen zu einem gigantischen virtuellen Unternehmen. "Uns war es wichtig, dass all die Special Effects auch in Russland entstanden", gesteht Produzent Konstantin Ernst. "Also organisierten wir ein Netzwerk aus 42 kleinen Studios und konnten so auch unseren hohen Ansprüchen an die CGI gerecht werden."

Die Firmen waren im gesamten Land, von Moskau bis St. Petersburg, ansässig und spezialisierten sich auf Fachgebiete. Besaß ein Unternehmen zwar einen guten Modellbauer, aber keinen Animator, übernahm eben eine andere Firma die Animation ? also verlagerte die Produktion die einzelnen Aufgaben immer wieder von einem Unternehmen zum nächsten und vollendete so die gesamten Effekte. Jeden Tag übermittelten die Büros ihre Fortschritte an einen zentralen Server, so dass Bekmambetov die Projekte beurteilen und weitergeben konnte.

Im Endeffekt zeigten sich viele von der erstaunlichen Qualität der Effekte überrascht, die Bekmambetov mit so einem kleinen Budget innerhalb Russlands erreichte ? von einer mittelalterlichen Brücke, die plötzlich hoch über Moskau aus dem Nichts auftaucht, bis hin zu einer Flugzeugniete, die kilometerweit aus dem Himmel fällt, um schließlich in einer Teetasse zu landen. "Den größten Anteil an diesem Erfolg hatte weniger die Qualität unserer Ausstattung als vielmehr das Können unserer Künstler. Wenn die Leute gut arbeiten, gelingen einem die tollsten Dinge", freut sich Ernst. Die 42 russischen Special-Effect-Firmen gestalteten insgesamt 28 Minuten magisch angefeuerter Filmaction am Computer und fügten sie so nahtlos wie möglich in die echten Aufnahmen ein. "Die Effekte sollten sehr echt, beinahe unsichtbar wirken, so dass man sie ? wenn möglich ? nicht einmal erkennt", erklärt Bekmambetov. "Diese Welt verführt den Zuschauer dazu, an sie zu glauben."

Mittlerweile perfektioniert Bekmambetov diesen "Gemeinschaftserfolg" von WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) auch für dessen Sequel. "Wir erfanden einen 24-Stunden-Rotationsrhythmus für den zweiten Film, bei dem ein Studio von mittags bis sechs Uhr abends ein Modell anfertigt und ein Studio in einer anderen Stadt anschließend das Modell animiert, bis drei Uhr fertig stellt und die Ergebnisse nach Kiew schickt. Dort übernimmt eine dritte Firma die Animationen und das Modell und errechnet die Oberflächen, damit das erste Studio in Moskau zuletzt die Effekte in den Film einarbeiten kann."

Diesem Willen, außerhalb bestehender Strukturen zu denken und neue Arbeitsweisen auszuprobieren, verdankt laut den Filmemachern WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) seinen Erfolg.

"Ich denke, wir befinden uns am Beginn einer neuen Ära des russischen Kinos und WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) ist der Vorreiter dieser Veränderung", vermutet Konstantin Ernst. "Dieser Film läutet einen Wandel der russischen Filmkultur ein, denn er unterscheidet sich radikal von den Sowjet-Produktionen, kopiert aber dennoch nicht einfach amerikanische oder internationale Filme. Wir führen das Erbe von SOLARIS ("Solaris", 1972) und anderen Tarkowski-Filmen fort, beschreiten aber visuell neue Wege und sind ungemein unterhaltend."

'Wächter der Nacht - Nochnoi Dozor' und seine Erben: Wie ein Film Geschichte schreibt! In Russland avancierte WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) nicht nur zu einem landesweiten Entertainment-Phänomen, sondern setzte auch ein Zeichen für das Revival des dahinsiechenden post-sowjetischen Kinos. Zuvor veröffentlichte die streng geführte, staatlich kontrollierte Filmindustrie etwa 200 Produktionen pro Jahr quasi ausschließlich für ihr russisches Publikum. Und obwohl diese Industrie einige legendäre Filmemacher wie etwa Timur Bekmambetovs Idol Andrej Tarkowski (SOLARIS, ANDREJ RUBLJOW; "Andrej Rubljow", 1966-1969, SERKALO; "Der Spiegel", 1974) hervorbrachte, diente sie doch weitgehend als Propagandainstrument, weit entfernt von freier Meinungsäußerung.

Nach dem Fall des kommunistischen Regimes und dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahre 1991 kam es für das russische Kino noch schlimmer. Anstatt eine dringend nötige Wiedergeburt zu feiern, ging es damit mehr als zehn Jahre lang bergab ? mit dem Ergebnis, dass die Zahl der Kino-Leinwände im Land von etwa 10.000 auf gerade mal 70 schrumpfte. "Das System der Lichtspielhäuser lag absolut in Trümmern", bedauert Konstantin Ernst diese Entwicklung. "Mittlerweile blüht zudem die Filmpiraterie und fügt der Industrie weiteren Schaden zu."

Erst in den letzten drei oder vier Jahren kam es nach der Einführung neuer, moderner Kinos und einem verbesserten Vertriebssystem, durch das die Kinos mit dem boomenden TV-Markt konkurrieren konnten, zu einer Wende. Mittlerweile gibt es in Russland wieder etwa 1000 Leinwände, die sich vordringlich an ein junges, begeisterungsfähiges Publikum wenden.

"Heutzutage existieren in Russland 20 sehr gute, moderne Fernsehsender, die großen Einfluss auf den Unterhaltungsmarkt ausüben", erklärt Ernst. "In den letzten drei oder vier Jahren haben die jungen Russen erst wieder den Unterschied zwischen einem Fernseh- und einem Kinoerlebnis kennen gelernt. Diese neue Publikumsgeneration ist mit großen, actionreichen Hollywood-Blockbustern aufgewachsen. Um sie zu erreichen, mußsten wir die Sprache der amerikanischen Filme sprechen ? aber mit eindeutig russischem Akzent!"

Und genau bei diesem Publikum entwickelte sich WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) zum Renner. Doch Ernst betont noch einmal die Tatsache, dass der Film nie eine Kopie amerikanischer Fantasy-Blockbuster sein wollte. Stattdessen betrachtet er ihn als neuartiges russisches Produkt, das Hollywood-Konventionen übernimmt, um sie zu einem einzigartigen russischen Filmerlebnis zu verarbeiten.

"Natürlich lieben Timur und ich amerikanische Filme", gibt Ernst zu. "Doch wir wollten mit WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) einen russischen Film drehen. Und genau das war auch der Schlüssel zum Erfolg in unserer Heimat. Die Leute empfanden unser Werk als etwas in der Art von "Tarkowski meets die Wachowski-Brüder" ? neues russisches Kino, das die Leute glücklich macht."

Ernst betrachtet den Film als schlagenden Beweis dafür, dass man nur mit ungehemmter, leidenschaftlicher Filmarbeit das Publikum begeistern kann. Außerdem hofft er auf die Wirkung von WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) als Vorreiter einer wiederbelebten russischen Kino-Ära. In diese Kerbe schlägt auch der russische Filmkritiker Mikhail Bershidsky, den man in der internationalen Presse mit den Worten zitierte: "Das Wichtigste an WÄCHTER DER NACHT (Nochnoi Dozor) ist, dass er den Weg für unsere Filmindustrie bereitet, nicht mehr und nicht weniger."

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Dirk Jasper FilmLexikon

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