Brothers Grimm

Produktionsnotizen

Kein Fluch, den wir nicht brechen könnten,
Kein Bann, den wir nicht abwenden könnten,
Kein Dämon, den wir nicht austreiben könnten.

Es waren einmal zwei attraktive, aber völlig gegensätzliche Brüder ? der Zyniker Will und der Träumer Jake ? die man landauf, landab als die Gebrüder Grimm kannte. Sie zogen durchs Land, um Märchen zu sammeln und weiter zu verbreiten ? Mären voller Gefahren und Geheimnisse, die bis heute Leser und Zuhörer jeder Altersgruppe verzaubern und erschrecken. Haarsträubende Geschichten, in denen epische Schlachten zwischen Gut und Böse geschlagen und einfache Menschen mit ewigen Rätseln konfrontiert werden, in deren Mittelpunkt Monster, mystische Bestien und böse Hexen stehen. Keine Frage, die Gebrüder Grimm haben Garn gesponnen, das seit Jahrhunderten für viele der wildesten Träume und finstersten Albträume verantwortlich ist.

Natürlich sind die Märchen der Grimms nicht mehr als höchst unterhaltsame Geschichten, die allerhöchstens die Gut- oder aber Abergläubigsten für bare Münze nehmen ? alles nur Schwindel, wenn man so will. Ganz sicher haben sie nichts mit der Realität zu tun, wie wir sie kennen. Oder etwa doch? Der visionäre Filmemacher Terry Gilliam ? der die unvergesslichen visuellen Welten von Filmen wie BRAZIL ("Brazil", 1985), TWELVE MONKEYS ("12 Monkeys", 1996) oder THE FISHER KING ("König der Fischer", 1991) schuf - hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesem Rätsel auf den Grund zu gehen, in einem rasanten Filmabenteuer, in dem die beiden legendären Geschichtenerzähler mit einem verwunschenen Dorf konfrontiert werden, in dem die wildesten und unglaublichsten Fantasien eins geworden sind: Realität.

In den Hauptrollen zeigt er zwei der charismatischsten Leinwandstars der Gegenwart, Matt Damon und Heath Ledger, wie man sie noch nie gesehen hat: als Brüder, die am Anfang nichts weiter sind als kleine Schwindler, dann aber beweisen müssen, dass auch sie das Zeug zu Helden haben. In BROTHERS GRIMM kombiniert Gilliam Elemente von Komödie, Fantasy, Horror und Romanze und formt daraus ein episches Abenteuer, das von den bekanntesten Geschichten, die jemals erzählt wurden, inspiriert ist.

"Märchen sind meine Welt ? die Welt der Fantasy und der außergewöhnlichen Dinge", so erklärt Gilliam, warum er sich zu BROTHERS GRIMM hingezogen fühlte. "Wir hatten ein Drehbuch, an das ich voll und ganz glaubte. Die Idee dahinter war, absolut wahrhaftige Figuren in der realen Welt zu erschaffen. Wenn dann diese merkwürdigen und beängstigenden Märchenelemente Einzug halten und die Handlung übernehmen, dann fällt es dem Publikum leicht, sich dieser Welt hinzugeben. Ich fand, dass es viel Spaß machen würde, dieser Idee nachzugehen."

Von Anfang an stand für Gilliam fest, sich nicht weiter mit der tatsächlichen Biographie der Gebrüder Grimm aufzuhalten. Stattdessen erschuf er eine Eskapade für sie, die allerdings unverkennbar von ihren klugen, erschreckenden und unendlich faszinierenden Geschichten inspiriert ist. Er erklärt: "Wir stehen bei den wahren Gebrüdern Grimm in tiefster Schuld, aber in dem Film wird nicht ihr historisch belegtes Leben aufgerollt. Wir haben im Grunde ein Märchen über sie entwickelt, in dem sie zunächst rüberkommen wie hippe und heroische Jungs, die von Dorf zu Dorf reisen, um die Bewohner von Trolls, Hexen und allerlei fantastischen Albträumen zu befreien ? aber sehr schnell finden wir heraus, dass es sich um einen groß angelegten Schwindel handelt. In der Zwischenzeit versucht Napoleons Armee, die Deutschland besetzt hat, Betrügern wie den Grimms auf die Spur zu kommen und zur Rechenschaft zu ziehen. Schnell finden sich jedoch alle Beteiligten in einer Welt wieder, die genau so ist wie die Märchen, die die Grimms sammeln. Letztendlich sind alle Märchen wahr geworden ? und die Realität ist untrennbar mit dem Reich der Fantasie verbunden."

Mit größtem Respekt verneigt sich Gilliam vor der gewaltigen Größe und dem Mythos des Nachlasses der Gebrüder Grimm. Spielerisch verwebt er klar erkennbare Handlungsfäden einiger der bekanntesten Märchen der Grimms mit der Non-Stop-Action seines Films.

"Rotkäppchen, Hänsel und Gretel, Rapunzel: Über den ganzen Film verstreut gibt es Referenzen zu den bekanntesten Grimm-Märchen", merkt der Regisseur an. "Obwohl es von dem Brüderpaar mehrere hundert Märchen gibt, wollten wir uns auf die beschränken, die am tiefsten in der Fantasie der Menschen verankert sind."

Vor allem aber feiert der Film die Haltung und Stimmung dieser düsteren Geschichten ? mit ihrer explosiven, psychologisch spannenden Mischung, in der stets Magie und Angst, Staunen und Rache, komisches Entzücken und blutrünstiger Schrecken miteinander kontrastiert werden. "Märchen helfen der Welt von jeher, sich ihrer Ängste und dunkelsten Fantasien zu stellen ? oder aber an dem Glauben an Happy-Ends festzuhalten", überlegt Gilliam. "Ich glaube, dass Märchen immer ein bisschen gefährlich und verstörend sein sollten ? sie sollten die bestehenden Zustände auf den Kopf stellen. Dahinter steht ein kluger Gedanke: Wer genug Märchen überstanden hat, den kann auch in der realen Welt nichts mehr schrecken."

Die wahren Gebrüder Grimm waren einer ähnlichen Überzeugung, was die nachhaltige Wirkung und den Unterhaltungswert ihrer Geschichten anbetrifft. Sie lebten während der tumulthaften Unordnung im Deutschland des 19. Jahrhundert ? einer Zeit, in der sich Aberglaube und Mythologie einen erbitterten Kampf mit den Kräften des Rationalismus und modernen Ideen lieferten. Es war auch eine Zeit radikaler Veränderungen in der vormals entlegenen und ursprünglichen Provinz Deutschlands, als Napoleons Armee das Land besetzte ? und die rationalen Konzepte der Aufklärung mit sich brachte. Wann immer die Aufklärung auf einen Lebensstil prallte, der von Mythen und altertümlichen Sagen bestimmt war, flogen die Fetzen. Dieser brisante Konflikt war es, den Gilliam mit seiner Geschichte der Gebrüder Grimm auf der Leinwand festhalten wollte ? zweier Brüder, die auf ihrem Weg in das Städtchen Marbaden eher an Schwindel und Schabernack glauben als an Pferde, die ganze Kinder verschlingen können.

"Mich interessierte der große Konflikt zwischen dem Glauben an Fantasie und den Ideen der Aufklärung, die in ihrem Mangel an Glauben an alles, was nur ansatzweise mysteriös war, selbst ungeheuer rigide wurde", merkt Gilliam an. "Wir integrierten das in die Geschichte. Natürlich ist der Konflikt bis heute noch nicht ausgefochten."

Im Kern der Geschichte stecken die Bande, die Brüder miteinander verbinden können und manchmal auch auseinander bringen. Will und Jacob Grimm sind in ihrer Persönlichkeit und ihren Philosophien krasse Gegensätze. Als sie jedoch in dem verwunschenen Städtchen Marbaden ankommen, fühlen sie sich zu derselben Frau hingezogen ? was die ohnehin gruseligen Vorkommnisse zusätzlich verkompliziert.

"Es ist offensichtlich, dass diese beiden Brüder einander lieben ? sicher aber manchmal auch verachten. Ihre brüderliche Beziehung lässt sich als sehr intensiv beschreiben", erklärt Gilliam. "Will ist der Charmeur. Wenn er einen Raum betritt, dann sehen ihn die Mädchen an. Er kann alles haben, was er will. Jake hingegen ist gefangen in seinem Glauben an Märchenprinzessinnen und sucht nach der ultimativen Romanze. Lena Headey, die die Fallenstellerin Angelika spielt, ist perfekt für beide Brüder."

Nicht zuletzt gab BROTHERS GRIMM Gilliam die Gelegenheit, in den düstersten Tiefen seiner Vorstellungskraft zu stöbern, um ein pechschwarzes aber auch humorvolles Universum zu erschaffen. Kraft seiner Markenzeichen - filmische Originalität und verschnörkelter Look ? konnte er sie aus verwunschenen Wäldern, bedrohlichen Schlössern, umherstreifenden Wölfen und kryptischen Bestien zusammen weben. Die Maßgabe war, eine ursprüngliche und rohe Realität des 19. Jahrhundert für die Grimms zu erschaffen ? und sie dann in eine surreale Traumwelt umzuformen, aus der es kein Entkommen gibt.

"Uns war von Anfang an bewusst, dass wir nicht in einem realen Wald oder einem realen Dorf drehen konnten, wenn wir den Film wie ein Märchen aussehen lassen wollten. Nichts dergleichen hat jemals existiert. Wir mußsten diese Welt selbst erschaffen. Also bauten wir Schlösser und Ställe, pflanzten einen ganzen Wald in einer Studiohalle, trainierten Raben und Pferde, entwarfen hunderte von Modellen. Es war mit weitem Abstand die größte Produktion, an der ich jemals beteiligt war", fasst Gilliam zusammen. EIN CHARISMATISCHES PAAR MATT DAMON UND HEATH LEDGER ALS WILL UND JAKE Das verrückte Abenteuer der BROTHERS GRIMM ist selbstverständlich nicht vorstellbar ohne die Gebrüder Grimm selbst. Will ist ein recht unverfrorener und pfiffiger Schwindler, der zu allen denkbaren Tricks greift, um im Deutschland unter der Knute der Napoleonischen Armee überleben zu können. Jake wiederum ist ein gutgläubiger Träumer, der immer noch an magische Geschichten glaubt und fest davon überzeugt ist, dass der Satz "Und wenn sie nicht gestorben sind..." mehr als Floskel ist. Beider Glaube wird auf eine harte Probe gestellt, als sie in das verwunschene Städtchen Marbaden geschickt werden. Um ihre Erlebnisse nach seinen Vorstellungen entsprechend überlebensgroß darstellen zu können, wählte Terry Gilliam zwei Schauspieler aus, von denen er sich erhoffte, dass sie ihn jeden Tag aufs Neue überraschen würden.

"Matt und Heath sind für mich ganz eindeutig das Herzstück des Films", erzählt Gilliam. "Zunächst dachte ich allerdings, dass Matt die andere Rolle, Jake, spielen sollte, weil er eigentlich wie gemacht ist für etwas introspektivere, sensible Figuren. Und Heath sah ich eigentlich als Will, weil man ihn meistens als etwas konventionelleren Helden besetzt. Aber dann stellte sich Matt bei unserem ersten Treffen vor und bestand darauf, Will zu spielen. Ich war mir zuerst nicht sicher, ob das eine gute Idee sei. Aber dann meinte Heath beim ersten Treffen: ,Nun, ich würde gerne Jake spielen?. Da erkannte ich, dass das die richtige Entscheidung wäre, denn eigentlich liebe ich es, Schauspieler gegen ihren Rollentypus zu besetzen und die Dinge auf den Kopf zu stellen. Es funktionierte, weil beide in ihren Rollen voller Überraschungen stecken. Weder den einen noch den anderen hat man jemals so gesehen wie in diesem Film."

Gilliam fährt fort: "Ich habe noch nie jemanden erlebt, der so hart gearbeitet hat wie Matt, um eine Figur zu werden, mit der er persönlich überhaupt nichts gemein hat ? und die auch nichts mit all dem gemein hat, was er bisher spielen mußste. Sein komplettes Gebaren ist vollkommen anders. Ich hoffe, dass das Publikum davon ebenso begeistert sein wird, wie ich es war. Heath kennt man eher als konventionellen Helden, aber hier offenbart er eine nervösere, leise Seite, die absolut faszinierend ist. Wie Matt gab er zu keiner Sekunde auf, bis er die Rolle perfekt intus hatte. Beide waren überaus beeindruckend."

Matt zögerte keine Sekunde, als er hörte, dass er die Chance hatte, mit Terry Gilliam zu arbeiten: "Ich glaube, es gibt keinen Schauspieler, der nicht mit Terry arbeiten will, weil er visuell so kreativ ist ? und so voller Leidenschaft bei allem, was er macht. Dazu noch mit so unglaublichem Material wie BROTHERS GRIMM arbeiten zu können, war ein regelrechtes Gottesgeschenk. Ich dachte, dass der Ton sehr düster, aber auch sehr witzig war ? und nichts mit dem zu tun hatte, was ich bisher gemacht habe. Natürlich handelt es sich um ein Märchen, aber man findet auch Elemente eines Action-Abenteuers, eines Horrorfilms, einer Komödie und sogar einer Romanze."

Die fiktionalisierte Figur des Will Grimm, ein smarter und zynischer Hallodri, der in keinster Weise auf eine Welt vorbereitet ist, in der sich Märchensituationen als real erweisen, faszinierte Matt Damon sofort. "Will ist Geschichtenerzähler, weil er sich davon Reichtum und Ruhm erhofft", beschreibt Damon die Figur. "Das Ergebnis ist, dass er nicht bereit ist, zu glauben, dass Wälder tatsächlich verwunschen sein können. Er ist überzeugt, dass sich ein großer Schwindel dahinter versteckt. Seinem Bruder ist es zu verdanken, dass er erkennt, dass es in der Welt auch Dinge gibt, die man nicht erklären kann, die einfach nur pure Magie sind."

Auch die Veränderung, die die Beziehung der beiden Brüder durchmacht, als sie in Marbaden mit unerklärlichen Ereignissen konfrontiert werden, beeindruckte den Schauspieler: "Ich habe selbst einen Bruder und war stark berührt davon, dass das Drehbuch einen wirklich ehrlichen Blick auf die Dynamik einer Brüderbeziehung wirft, wie sie zwischen Will und Jake ständig im Fluss zu sein scheint und sich unentwegt verändert. So und nicht anders ist das bei echten Brüdern auch."

Um diese unaussprechlichen Brüderbande zu besiegeln, verbrachten Damon und Ledger jede freie Minute am Set miteinander. Damon meint: "Wir haben viel Zeit damit verbracht, einfach nur zu reden und am Ende eines Tages ein paar Bier miteinander zu trinken ? mit diesen Dingen schafft man die Grundlage dafür, wie sich Brüderschaft wirklich authentisch anfühlt."

Obwohl Damon das Leben und die Zeit der Grimms ausgiebig studierte, um sich auf den Film vorzubereiten, erkannte er schon bald, dass seine Filmfigur nicht allzu viel mit dem wahren Will Grimm gemein hatte. "Die wahren Gebrüder Grimm waren echte, durch und durch patriotische Gelehrte in Deutschland, die all diese Geschichten sammelten, damit das deutsche Volk stolz auf seine Folklore sein konnte und mit dem Vorurteil aufzuräumen, sie seien so barbarisch, wie man es ihm immer wieder vorwarf", merkt er an. "Sie waren ziemlich tolle Leute, die auf vielfältige Weise einflussreich waren. Und sie arbeiteten zusammen bis zu ihrem Tod. Es ist offensichtlich, dass ihre Biographie nicht viel mit der Geschichte zu tun hat, die wir in unserem Film erzählen. Dieser Film erlaubt es sich, deutlich lustiger und spielerischer mit ihrem Leben umzugehen, um stärker den Ton der Märchen zu treffen, die sie so berühmt gemacht haben."

Wie Damon war auch Ledger sofort Feuer und Flamme angesichts der Aussicht, mit Terry Gilliam arbeiten zu können. "Ich fand schon immer, dass er völlig brillant ist", gesteht der Schauspieler. "Er hievte das Projekt auf eine völlig andere Ebene. Und er inspirierte uns und alle anderen Beteiligten zu einer Exzentrik, einem Wagemut, einer ganz eigenen Qualität. Die ganze Produktion fühlte sich so neu und anders an ... sie fühlte sich nach purem Spaß und Freude an."

Vor allem war für Ledger die Persönlichkeit von Jake Grimm neu und anders: Hier ist er ein nervöser Geschichtenerzähler, der entdeckt, dass die verzauberten Welten, an die er im Geheimen immer geglaubt hat, wirklich existieren. "Die Rolle war eine ausgezeichnete Gelegenheit, aus meiner Haut zu fahren", erzählt Ledger. "Es ist eine komische Rolle, und Terry schenkte mir die Gabe, mich komfortabel und frei genug zu fühlen, Extreme auszuloten und mich ehrlich auszudrücken. Ich hatte dabei die beste Zeit meines Lebens."

Große Freude bereitete es ihm auch, so schnell wie möglich Blutsbrüderschaft mit Matt Damon zu schließen. "Das ist ein ziemlich persönlicher Vorgang, in Blitzgeschwindigkeit der Bruder eines anderen zu werden", merkt Ledger an. "Wir haben viele verschiedene Wege ausprobiert, uns miteinander zu synchronisieren, ähnlich zu lächeln und zu lachen. Wir beobachteten die Eigenschaften und Bewegungen des anderen und versuchten, sie aneinander anzugleichen. Die Idee war, manche Gemeinsamkeiten und viele gewaltige Kontraste zu haben ? wie das bei Brüdern oft so ist."

Die Darstellungen von Damon und Ledger gaben auch für die anderen Schauspieler den Ton vor. Jonathan Pryce fasst zusammen: "Wir waren alle ausgesprochen beeindruckt von Matt und Heath, deren Einsatz vorbildlich war und die wunderbar miteinander arbeiteten. Sie verliehen dieser ohnehin schon vor wilder Kreativität überquellenden Welt zusätzliche Energie, die alle Beteiligten inspirierte." VON OFFIZIEREN ZU ZAUBERERN EINE ALL-STAR-BESETZUNG FÜR BROTHERS GRIMM Begleitet werden Will und Jake auf ihrer Reise von einer Ansammlung höchst bemerkenswerter Typen ? von politischen Possenreißern über atemberaubende Fallenstellerinnen im Hinterwald bis hin zu eiskalten, bösen Hexen ?, für die Gilliam eine beeindruckende Starbesetzung versammeln konnte.

Nachdem er bereits in BRAZIL ("Brazil", 1985) und THE ADVENTURES OF BARON MUNCHHAUSEN ("Die Abenteuer des Baron von Münchhausen", 1989) denkwürdige Rollen für den Regisseur gespielt hatte, sieht man den zweifachen Tony-Gewinner Jonathan Pryce hier in der Schlüsselrolle des französischen Gouverneurs General Delatombe, der mit eiserner Faust das ländliche Deutschland regiert ? wo die Gebrüder Grimm durch die Orte ziehen und sich als Exorzisten und Geisterjäger durchschlagen. Nach der Lektüre des Drehbuchs von BROTHERS GRIMM war Pryce überzeugt davon, dass diese Geschichte, die sich explizit damit auseinandersetzt, was am Geschichtenerzählen furchterregend, witzig und unvergesslich sein kann, wie geschaffen für Terry Gilliam war. "Jeder, der das Drehbuch las, wusste einfach, dass nur Terry Gilliam diese Geschichte entsprechend verfilmen konnte. Es ist ein großer, großer Film voller eigenwilliger Einfälle und handelt von all den Themen, die Terry von jeher interessiert haben: Magie, das Übernatürliche und die Idee des Geschichtenerzählens", erklärt Pryce. "Der Film ist gefüllt mit genau diesen überlebensgroßen Bildern, wie Terry sie mit Vorliebe erschafft. Gleichzeitig betritt er auch Neuland, denn es ist eindeutig das fantastischste Abenteuer, dem er sich bislang gewidmet hat."

In der Rolle des heimtückischen Delatombe profitierte Pryce von seiner großen Bühnenerfahrung. "Terry Gilliam hat deshalb so ein diebisches Vergnügen daran, Leute wie Peter Stormare oder mich zu besetzen, die einen Hintergrund im Theater haben, weil wir eigentlich absolut furchtlos sind und kein Problem damit haben, in unserer Darstellung auch etwas zu übertreiben", überlegt Pryce. "Wir vertrauten Terry, dass er genau wusste, wie weit er uns gehen lassen konnte. Dennoch waren seine meistbenutzten Regieanweisungen immer dieselben: lustiger und düsterer."

Pryce beschreibt die vier Hauptinteressen seiner Figur wie folgt: "Delatombe hat ein Interesse daran, Menschen zu bändigen, Menschen zu unterdrücken und eine gute Mahlzeit aufzutreiben", lacht er. "Und dann ist er natürlich interessiert daran, die vermaledeiten Grimms an der Kandare zu halten ? was uns ja letztendlich mitten hineinführt in dieses unglaubliche und unerwartete Abenteuer."

An der Seite von Pryces Delatombe findet sich ein höchst ungewöhnlicher Handlanger, der aberwitzige und hochgradig ruchlose Cavaldi aus dem italienischen Parma. In der Rolle wurde der Schwede Peter Stormare besetzt, der seine Karriere auf der Bühne unter der Regie von Ingmar Bergman begann und sich mittlerweile einen Namen mit Auftritten in einer Reihe der größten Hollywood-Produktionen der letzten Jahre gemacht hat.

Stormare wuchs mit den Märchen der Grimms in Skandinavien auf ? und wusste sofort, dass Terry Gilliam genau der Richtige war, um deren unheimliche Welten zu filmischem Leben zu erwecken. "Die Märchen der Gebrüder Grimm zeichnen sich durch eine Finsternis und Boshaftigkeit aus, die Kinder gleichzeitig lieben und fürchten und die noch nie richtig auf die Leinwand gebannt wurden. Terry hat diesen bahnbrechenden Monty-Python-Humor, diesen düsteren, messerscharfen und pfiffigen Humor. Wenn man ihn mit den Erzählungen der Grimms kombiniert, dann ergibt sich eine wunderbare Mischung", sagt er. "Ich wusste, dass es faszinierend sein würde, in diese Welt mit einzutauchen. Die Rolle des Cavaldi ist einfach Klasse."

Stormare fährt fort: "Mir gefiel vor allem, dass es in der Geschichte darum geht, wie Menschen von ihren eigenen Geschichten eingeholt werden können, von ihren eigenen Mythen und Legenden."

Auch Cavaldi kann schon bald nicht mehr den fabelhaften Märchen der Grimms entkommen, obwohl er eigentlich den Auftrag hat, aus ihnen mit Hilfe seiner monströsen, bösartigen und doch entschieden ineffektiven Foltermaschinen die Wahrheit herauszuholen. Stormare war begeistert von dieser ungewöhnlichen Figur, deren ganzer Stolz die selbst entworfene Folterkammer ist, die zwar erschreckend aussieht, aber in ihrer Wirkung doch deutlich weniger gefährlich ist. Obwohl Cavaldi zu den sonderbarsten Typen des ganzen Films gehört, ist er doch auch für den verspielten pechschwarzen Humor von BROTHERS GRIMM verantwortlich.

"Cavaldi ist eine tolle Figur, weil er alle Elemente eines lebenden menschlichen Wesens in sich trägt. Er ist nicht einfach böse und ganz gewiss ist er nicht einfach gut", erzählt der Schauspieler. "Er kann lustig sein, er kann bewegend sein, er kann mysteriös wirken und er kann seine hemmungslose Brutalität ausspielen. Terry beschrieb ihn mir als eine Art Dämon, der die Grimms während ihres Abenteuers immer wieder quält und gleichzeitig auch inspiriert."

Die Rolle gab Stormare auch die Gelegenheit, eng mit Matt Damon und Heath Ledger zu arbeiten ? ein Privileg, das er als großen Genuss empfand: "Ich habe mit vielen tollen Schauspielern gearbeitet, aber ich habe noch nie zwei junge Stars getroffen, die mit so großem Einsatz wie Matt und Heath ans Werk gegangen sind. Man mußste schon viel Mumm aufbringen, sich in diese Welt vorzuwagen, die nichts mit unserer Realität zu tun hat."

Matt Damon war wiederum begeistert von Stormares Darstellung als Cavaldi. "Cavaldi ist so ein verrückter und urkomischer Typ", sagt er. "Er soll angeblich ein legendärer Verhörspezialist aus Italien sein, dabei ist er selbst von seinen vielen Ängsten gepeinigt. Er ist jemand, der gleichzeitig aberwitzig und gefährlich ist ? und Peter gelingt es, diese beiden Attribute perfekt auszubalancieren."

Terry Gilliam fügt hinzu: "Cavaldi ist ein Bösewicht, aber er steht in der Tradition der komischen Bösewichte, und es stellt sich heraus, dass er tatsächlich eine heroische Ader besitzt. Es war entscheidend, ihn nicht als Kasper zu überzeichnen, weil man dann keine Angst mehr vor ihm hätte, und ihn gleichzeitig nicht so schrecklich zu machen, dass er nicht mehr komisch gewesen wäre. Als brillanter Schauspieler, der er ist, liebte Peter diese Herausforderung. Er ist ausufernd, er ist theatralisch und er ist unfassbar. Peter und Jonathan Pryce erwiesen sich als wunderbares Duo."

BROTHERS GRIMM hat, wie es sich für ein fantastisches Abenteuer gehört, auch eine umwerfende Schönheit, der man nicht widerstehen kann, und eine böse Zauberin, die besiegt werden mußs. Die hinreißende Spurenleserin Angelika wird von der aufstrebenden britischen Schauspielerin Lena Headey gespielt, während der Part der 500 Jahre alten Spiegelkönigin an den internationalen Star Monica Bellucci ging.

Terry Gilliam war besonders fasziniert von Angelika ? einer verführerischen Einzelgängerin, die als Frau ihrer Zeit weit voraus ist. "In gewisser Weise ist sie die erste emanzipierte Frau in ihrem Dorf. Keine Frau hat das Dorf jemals verlassen ? und Angelika hat nicht nur einfach das Dorf hinter sich gelassen, sie hat obendrein auch noch die Universität in der Stadt besucht. Sie ist sozusagen zwischen zwei Welten hin- und hergerissen. Einerseits ist sie es gewohnt, in einer praktischen Realität zu leben, andererseits ist sie überzeugt, dass sie in einer Welt existiert, auf der ohne jeden Zweifel ein Fluch liegt", erklärt er. "Ihre Darstellerin mußste nicht nur bildschön, sondern auch taff und unabhängig sein. Lena bringt genau diese Eigenschaften mit ans Set. Es ist außerdem eine ausgesprochen körperliche Rolle, denn sie mußs reiten und mit dem Bogen schießen. Und zudem mußs sie die Aura einer fremdartigen, geheimnisvollen Frau haben, die sich weigert, nach dem Regelbuch der Grimms zu spielen."

Lena Headey gefiel es vor allem, eine Frau zu spielen, die es mit den Jungs ? in diesem Fall den Gebrüdern Grimm ? aufnehmen kann. "Sie ist ein gewitztes Mädchen vom Land und sie hält Will und Jake für ein Paar Narren aus der Stadt, die glauben, sie könnten mit ihrem rationalen Ansatz hereinspazieren und alle übernatürlichen Angelegenheiten aus dem Weg räumen", erklärt sie. "Aber dann wird alles auf den Kopf gestellt."

In der Zwischenzeit treibt Angelika unwissentlich einen Keil zwischen die beiden Brüder, die sich Hals über Kopf in sie verlieben. "Ich glaube, Angelika macht Will und Jake neugierig. Und sie findet die beiden Jungs ebenfalls spannend", meint Headey. "Sie mag jeweils etwas Anderes an ihnen. Und dann beginnen Will und Jake, sich ebenfalls mit anderen Augen zu betrachten. Und damit ist Ärger vorprogrammiert."

Obwohl Angelika zunächst skeptisch ist, als die Gebrüder Grimm in ihr Leben treten, könnte Lena Headey nicht glücklicher sein: Immerhin hatte sie die Gelegenheit, in einem romantischen Dreieck mit Matt Damon und Heath Ledger den weiblichen Part zu spielen. "Sie sind absolut wunderbar und ich war sehr glücklich", lacht sie.

Vor allem gefiel es ihr, in diesem Film die Grenzen der Realität hinter sich zu lassen. "Es ist einfach wunderbar, sich in eine Welt fallen zu lassen, an die man als Kind geglaubt hat", sagt sie. "Ich habe die Märchen der Gebrüder Grimm gelesen, als ich ein kleines Kind war. Es ist also wirklich cool, sich mitten in dieser Welt wieder zu finden. So wie Terry Gilliam und seine Crew sie gestalteten, war es, wie man einen Traum erleben würde, aber gleichzeitig klarer, witziger und noch unheimlicher."

Und schließlich wäre da noch die magischste Rolle von allen: Monica Bellucci spielt die böse Hexe von Marbaden: die 500 Jahre alte Spiegelkönigin, die vor nichts Halt macht, um ihre ewige Schönheit zurück zu erlangen. Bellucci konnte weder der Rolle noch dem Film widerstehen. "Ich bin ein großer Fan von Terry Gilliam und liebe alle seine Filme", sagt sie. "Außerdem ist die Besetzung wunderbar mit diesen beiden sehr starken und witzigen Schauspielern, Matt und Heath, als Gebrüder Grimm. Am tollsten finde ich aber, dass der Film in einer Fantasiewelt voller Monster, Hexen und böser Königinnen spielt."

Bellucci war furchtlos, auch die dunkelsten Aspekte ihrer Rolle zu spielen. Sie meint: "Ich hatte den Eindruck, dass es unendlich viele Nuancen gibt, wenn man eine böse Königin spielt. Ich wollte nicht, dass sie einfach nur bösartig ist, sondern als eine Figur, deren Schicksal eigentlich sehr traurig ist. Sie wird ewig leben, aber nach und nach wird sie immer älter und verfällt bei lebendigem Leib. Das empfinde ich als tragisch, und genau dieser Aspekt interessierte mich."

Bellucci fand, dass ihre Figur trotz ihres magischen Wesens überaus handfeste Elemente in sich trägt. "Ich denke, dass viele Frauen bereit wären, sich für ewige Jugend und Schönheit auf einen Fluch einzulassen", meint sie. "Ich denke, das ist einer der Gründe, warum die Geschichten der Gebrüder Grimm so wunderbar sind ? manchmal lässt sich im Fantastischen die Realität ganz besonders klar sehen." EIN GRIMMIGER LOOK: ÜBER DAS DESIGN DES FILMS Terry Gilliams erklärtes Ziel war es, für BROTHERS GRIMM einen Look zu finden, der fesselnden Realismus mit dem Fantastischen und Furchterregenden verbinden würde. Dafür verlegte er die Produktion nach Prag und die mittelalterlich anmutenden Landgegenden der Tschechischen Republik. Doch selbst dort fand er kein Städtchen, das seiner Vorstellung für das durch und durch verwunschene Städtchen Marbaden entsprach. Gilliam schwebte eine Abfolge starker Bilder ? Spiegel, Labyrinthe, bestialische Apparaturen und auffällige Helldunkel-Effekte ? vor, um Marbaden zu einem Dorf zu machen, das wie kein anderes aussieht.

Also verpflichtete Gilliam den aufstrebenden Produktionsdesigner Guy Dyas, der zuvor das komplexe und von der Kritik mit viel Lob bedachte Design von X2: X-MEN UNITED ("X-Men 2", 2003) entworfen hatte, um das gesamte, etwa 25 Gebäude umfassende Dorf von Grundauf aufzubauen. Gemeinsam erarbeiteten die beiden eine zeitgenössische Designästhetik, für die sie sich von den launigen Schattenspielen des Expressionismus des 19. Jahrhunderts und den klassischen, liebevoll detaillierten Schwarzweiß-Illustrationen, wie man sie oft in Märchenbüchern findet, inspirieren ließen. Gilliam setzte dabei auch auf die Merkwürdigkeiten, die sich in der Natur darbieten. "Werfen Sie einen Blick auf die reale Welt, wie Bäume wirklich aussehen", beobachtet er. "Sie sind eigenartig und oft furchterregend. Man mußs nicht immer neue Dinge erfinden ? manchmal reicht es, die Natur einer genauen Prüfung zu unterziehen. Der Look dieses Films war ein Balanceakt aus dem Künstlichen und dem Natürlichen, wenn man sie mit Gewalt zusammen zwingt."

Die Herausforderungen für Dyas erwiesen sich als gewaltig. Er mußste nicht nur ein gesamtes deutsches Städtchen des 19. Jahrhunderts errichten, zu dem eine Kirche, eine Bäckerei, Brücken, Ställe und kleine Straßen gehörten, sondern auch einen verwunschenen Wald mit Felsen, einem Bach und emporragenden Bäumen ? und all das auf einer tschechischen Studiobühne. Aber schnell war ihm bewusst geworden, dass seine Aufgabe auf andere Weise nicht zu bewältigen war. "Wir hätten niemals ein Städtchen gefunden, das so aussieht, wie wir es uns vorstellten", merkt er an. "Dadurch, dass wir das Dorf von Grundauf selbst und nach eigenen Entwürfen auf die Beine stellten, konnten wir bis ans Äußerste gehen und exakt das umsetzen, was wir uns ausgemalt hatten."

Für Dyas war die Zusammenarbeit mit Gilliam die Erfüllung eines lange gehegten Wunschtraums. "Ich werde nie den ersten Eindruck vergessen, den ich hatte, als ich BRAZIL zum ersten Mal sah. Das ist ein visuelles Meisterwerk, das mir die Augen für die Möglichkeiten des Produktionsdesigns öffnete", erinnert er sich. "Ich wusste, dass die Arbeit mit ihm eine unglaubliche Erfahrung sein würde."

Der Szenenbildner verbrachte mehr als ein Jahr mit der Entwicklung zahlloser Ideen, Skizzen und vorläufiger Designs. Startpunkt war für ihn das intensive Studium der Märchen der Gebrüder Grimm. Er arbeitete sich von Märchen zu Märchen und konzentrierte sich dabei auf die Arbeit einer Reihe von Künstlern des Goldenen Zeitalters, die diese Märchen mit anschaulichen Illustrationen zu zusätzlichem Leben erweckten: Damals entstanden aus Licht, Schatten und bloßer Vorstellungskraft unvergessliche Bilder mit fantastischen Motiven. Inspiriert von diesen emotionalen und bildschönen Zeichnungen aus der Vergangenheit, begann Dyas selbst mit ersten Skizzen der wichtigsten Schauplätze von BROTHERS GRIMM. Zusätzlich zum Städtchen Marbaden entstanden so erste Ansichten von ungewöhnlichen Örtlichkeiten wie Delatombes Folterkammer, dem Rapunzel-artigen Turm von Charot oder Cavaldis ziselierter Luxuskutsche.

Vor Beginn der Konstruktionsphase durchkämmten Dyas und Gilliam das tschechische Hinterland, um nach altem, wurmigem Holz zu suchen, mit dem die Häuser des Dorfes gebaut werden sollten. Die Produktion ließ auch mehr als 700 Bäume anliefern, die auf einem betonierten Studio-Backlot neu verpflanzt wurden ? das Ergebnis war ein erstaunlich echt wirkender falscher Wald, der mit Hilfe von Scheinwerfern und Kamerabewegungen auf eine Weise manipuliert werden konnte, wie es in einem echten Wald niemals möglich gewesen wäre. "Ich bin besessen von Texturen und Polituren und dergleichen. Und Guy geht einfach brillant mit diesen Dingen um", sagt Gilliam.

Das Dorf und der Wald entstanden in wenigen hektischen Bauwochen auf dem Gelände der legendären Prager Barrandov Studios. Dyas und Gilliam griffen auf klassische Baumethoden zurück und stellten traditionelle Steinmetze, Zimmermänner, Strohdecker und Holzschnitzer ein, um die Authentizität des Szenenbilds zu unterstützen. Außerhalb der Studioanlagen setzte die Produktion mehrere echte Örtlichkeiten in der Tschechischen Republik ein. Vor allem wäre das Schloss Krivoklat in Böhmen zu erwähnen, ein königlicher, ausgesprochen beeindruckender Turm aus dem zwölften Jahrhundert, der als eines der ältesten und historisch signifikantesten Schlösser in dem an Schlössern überaus reichen Tschechien gilt. Weitere tschechische Schloss-Städte, die zum Einsatz kamen, umfassen Kacina, Kutna, Hora und Ledec.

"Eine perfektere Location für diesen Film als die Tschechische Republik kann man sich gar nicht wünschen", führt Dyas aus. "Das liegt noch nicht einmal an den Örtlichkeiten selbst, sondern an der fortwährenden Inspiration, die von ihnen hervorging. Wenn man durch das verschneite Prag spaziert und all die originale Architektur betrachtet, fühlt man sich in eine andere Welt und Zeit versetzt. Und das war ein wichtiger Einfluss für unsere Designarbeit."

Für die Schauspieler erwiesen sich die Sets als regelrechte Schatztruhen, die ihre Vorstellungskraft fortwährend beflügelten. Matt Damon sagt: "Wenn man Guy Dyas? Sets besuchte, war es, als würde man in eine völlig andere Welt gesogen. Ihre Größe war einfach beeindruckend, und das Feeling, das von ihnen ausging, verfehlte seine Wirkung nie. Man wurde förmlich aus der Realität weg transportiert ? mitten hinein in die Welt von BROTHERS GRIMM."

Nahtlos fügen sich in diese Welt voller übernatürlicher Einflüsse auch die extravagant detaillierten Kostüme von Gabriella Pescucci, die ihre Magie bereits in Filmen wie THE AGE OF INNOCENCE ("Zeit der Unschuld", 1993), CHARLIE AND THE CHOCOLATE FACTORY ("Charlie und die Schokoladenfabrik", 2005) und VAN HELSING ("Van Helsing", 2004) walten ließ, und Carlo Poggioli (VAN HELSING) ? das Duo hatte mit Gilliam bereits an THE ADVENTURES OF BARON MUNCHAUSEN ("Die Abenteuer des Barons von Münchausen", 1989) gearbeitet und für seine Kostüme eine Oscar®-Nominierung erhalten. Ihre Entwürfe für BROTHERS GRIMM umfassen authentische Männerbekleidung des 19. Jahrhunderts, einfache Bauernklamotten und herrlich launige Fantasiekreationen, wie beispielsweise das üppige, herzrote Kleid, das Monica Bellucci als Spiegelkönigin trägt.

Für die visuelle Umsetzung der realen wie surrealen Momente zeichnet der innovative Kameramann Newton Thomas Sigel verantwortlich, der sich bereits bei modernen Klassikern wie THE USUAL SUSPECTS ("Die üblichen Verdächtigen", 1995) und THREE KINGS ("Three Kings", 1999) einen Namen gemacht hatte. Dazu kommt noch ein ebenso magischer wie geheimnisvoller Folk-Music-Score von Dario Marianelli, von dem auch die Filmmusik zu PRIDE AND PREJUDICE ("Stolz und Vorurteil", 2005) und I CAPTURE THE CASTLE (2003) stammt.

So sehr das Team unablässig daran arbeitete, ästhetisch, visuell und musikalisch ein Gefühl für Träume, Albträume und eine Welt der Wunder auf die Leinwand zu zaubern, so sehr setzt Gilliam auf die Hoffnung, dass der Film seine Aufregung daraus bezieht, dass die Vorstellungskraft des Publikums angeregt wird. "Wenn ich einen Film drehe, dann habe ich die Überzeugung, dass 90 Prozent von dem, was man sieht, im Schatten verborgen liegen sollte. Das Publikum soll sich selbst vorstellen, was es da genau sieht", erklärt Gilliam. "Die Arbeit von Besetzung und Crew besteht darin, die richtigen Andeutungen zu machen. Den Rest soll der Zuschauer beisteuern. Ich will das Publikum in die Handlung mit einbinden ? es soll wirklich Angst haben und bewegt sein. Je weniger wir zeigen und je mehr wir andeuten, desto besser ist das Ergebnis."

Dieselbe Philosophie kommt im Fall der Spezialeffekte zum Tragen, die sich bei BROTHERS GRIMM aber immerhin auf stolze 750 Effekt-Shots belaufen. "Die Aufgabe des Visuelle-Effekte-Teams war es, all die Ideen mit Leben zu erfüllen, die wir praktisch nicht bewerkstelligen konnten. So ließen wir die Bäume laufen, verwandelten Wölfe in Waldmenschen, manipulierten Raben, stellten ein Pferd her, das Kinder verschluckt und ließen Bellucci rückwärts altern, von 500 zu 25 Jahren, zum Beispiel", erläutert Kent Houston, der Leiter der visuellen Effekte.

Am schwierigsten war es, die Effekte zu erzielen, die mit dem aus dem Märchen inspirierten Wolf zusammen hingen ? aber sie waren unerlässlich für das Gelingen der Produktion. "In einem Film über einen verwunschenen Wald mußs es doch auch einen Wolf geben!" betont Terry Gilliam. Und Kent Houston meint: "Unser Wolf ist definitiv kein Wolf, wie man ihn kennt. Er ist vielmehr ein höchst ungewöhnliches Untier mit seinen ganz eigenen, spezifischen Charakteristika und Details. Es bedurfte einigen Einfallsreichtums, ihn zum Leben zu erwecken."

Houston arbeitete während der kompletten Produktion eng mit Terry Gilliam zusammen. Er beschreibt seine Aufgabe so: "Unsere eigentliche Mission war, die wilden Bilder, die Terry in seinem Kopf hatte, so komplett und originalgetreu wie möglich umzusetzen ? und das mit Hilfe aller bestehender Technologien. Denn seine Welt sollte dem Publikum absolut unverfälscht präsentiert werden." EINE ANMERKUNG ÜBER DIE WAHREN GEBRÜDER GRIMM In BROTHERS GRIMM spielen Matt Damon und Heath Ledger das extrem fiktionalisierte Brüderpaar Will und Jake Grimm, die sich in ein wildes Abenteuer stürzen, das sie tief ins Herz ihrer eigenen Märchen führt. Obwohl der Film nicht dem historisch überlieferten Leben der Gebrüder Grimm folgt, schuldet er doch seine komplette Existenz den beiden und ihrem zeitlosen Glauben, dass Geschichten ein überaus gesundes Mittel sind, die zwingendsten Ängste der Menschheit heraufzubeschwören und ihr unablässiges Bedürfnis nach Anregung der Fantasie zu füttern.

Die tatsächlichen Gebrüder Grimm ? Jacob Ludwig Carl Grimm und Wilhelm Carl Grimm ? wurden an der Schwelle zum 19. Jahrhundert mit einem Jahr Abstand in Hanau geboren (Jacob am 4. Januar 1785; Wilhelm am 24. Februar 1786). Später zogen sie in ein betürmtes Steinhaus in Steinau, einer Kleinstadt, die um ein Schloss aus dem 16. Jahrhundert herum entstanden war. Sie traten zunächst in die Fußstapfen ihres Vaters, der Anwalt war: Gemeinsam studierten die förmlich unzertrennlichen Brüder Jura an der Universität von Marburg. Dort begannen sie mit dem Sammeln von Volksgeschichten und Märchen ? uralte Geschichten, die mündlich von Generation zu Generation überliefert worden waren; Geschichten über Schurken und Könige, Wölfe und Hexen, Stiefmütter und Dienerinnen und jede vorstellbare magische Situation und moralische Dilemmas. Ihr Interesse an diesen Märchen wurde geweckt durch ihre Faszination für Sprache, Volksgeschichte und deutsche Kultur. In der Hoffnung, eine Lebensweise zu bewahren, die sie bedroht sahen, widmeten sie sich mehr und mehr der Entdeckung, Niederschrift und Veröffentlichung der Geschichten, die ihnen deutsche Bauern erzählten.

Obwohl sie zu diesem Zeitpunkt beinahe mittellos waren, veröffentlichten die Grimms 1812 ihre erste gemeinsame Märchensammlung, "Kinder- und Hausmärchen". In den kommenden Jahren kamen auf diese Weise mehr als 200 Märchen zum Vorschein. Ihre unfassbar einflussreiche Sammlung umfasste letztlich so bekannte Märchen wie "Aschenputtel", "Dornröschen", "Rotkäppchen", "Hänsel und Gretel", "Der Froschkönig", "Schneewittchen", "Rapunzel" und "Rumpelstilzchen". Ihre letzte Geschichtensammlung, "Grimms Märchen", wurde in 160 Sprachen übersetzt.

Längst sind die Märchen nicht mehr aus der Popkultur wegzudenken. Sie finden nahezu in jeder Art von Medium ihren Niederschlag ? von Oper über Film und Rockmusik bis hin zur Mode. Ihr ureigener Schreibstil und die Struktur ihrer Geschichten hat die Kinderliteratur seit mehr als einem Jahrhundert beeinflusst und hinterließ einen unauslöschlichen Eindruck auf das Genre des Fantasyfilms.

Wilhelm Grimm starb 1859, sein Bruder folgte ihm vier Jahre später im Jahr 1863. Doch ihre Geschichten, die ihren Namen tragen, machten sie unsterblich.

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Dirk Jasper FilmLexikon

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