Der Duft von Lavendel

Ausführlicher Inhalt

Cornwall, 1936: Trotz der großen Ereignisse, die sich bald in Europa abspielen werden, bleibt Cornwall wie eh und je ein zeitloser Ort, dem das Leben draußen in der Welt nichts anhaben kann. Farmer und Fischer verfolgen den Wetter- und den Schifffahrtsbericht sehr aufmerksam, achten ansonsten aber kaum auf die Nachrichten, die sie per Rundfunk erreichen. Fremde heißt man nur selten willkommen, und sogar die Außenseiter können sich nie vollständig in die verschlossene Atmosphäre des Dorflebens integrieren.

Die Entdeckung eines Schiffbrüchigen am Strand unter ihrem Haus durchbricht jedoch das beschauliche Alltagsleben der Schwestern Janet (Maggie Smith) und Ursula (Judi Dench) Widdington und wirbelt außerdem ? ganz nebenbei ? die Dorfgemeinschaft erheblich durcheinander.

Nachdem Ursula und Janet ihn halbtot am Strand gefunden haben, pflegen sie Andrzej - mithilfe des ortsansässigen Arztes Dr. Mead (David Warner) ? ganz rührend bis zu seiner vollkommenen Genesung.

Im Laufe der nächsten Wochen, und trotz der Verständigungsschwierigkeiten ? Andrzej spricht so gut wie kein Englisch, sondern nur Polnisch - und etwas Deutsch -, entdecken Janet und Ursula einen Hinweis auf Andrzejs Vergangenheit, nämlich seine Begabung als Musiker. Als Janet nämlich eines Nachmittags mit viel Hingabe ? aber mit deutlich weniger Können ? ihr Klavier malträtiert, hält sich Andrzej die Ohren zu und bedeutet Ursula, dass er doch viel lieber den Klang einer Geige hören würde. Im Handumdrehen organisieren die beiden für ihn einen Geigenspieler, der gelegentlich bei Tanzveranstaltungen im Dorf aufspielt. Höflich hört sich Andrzej das Gefiedel des guten Mannes an, ergreift dann aber selbst das Instrument und verzaubert augenblicklich alle mit seinem wunderbaren, virtuosen Geigenspiel.

Die Anwesenheit eines gutaussehenden jungen Mannes in ihrem Hause hat aus vielerlei Gründen beunruhigende Auswirkungen auf beide Schwestern ? besonders auf Ursula. Gefühle, die bei ihr zuvor niemals angeregt worden waren, oder aber viele Jahre lang im Verborgenen schlummerten, werden nun plötzlich aufgewühlt. Und gerade als es so scheint, dass Andrzej nun zu einem festen Bestandteil ihres Lebens wird, erscheint jemand anderes auf der Bildfläche und interessiert sich sowohl für ihn als auch für seine musikalische Begabung ...

Olga Danilof (Natascha McElhone), die Schwester des weltberühmten Violinisten Boris Danilof, verbringt nämlich als Malerin ihren Urlaub in Cornwall. Auf einem Spaziergang entlang des Hauses von Janet und Ursula, das auf einer Klippe liegt, hört die Malerin, wie Andrzej auf seiner Geige spielt. Obwohl die Schwestern sie schroff abweisen, gelingt es Olga dennoch, Andrzejs Bekanntschaft zu machen. Während ihres kurzen gemeinsamen Zusammenseins erkennt sie das Potential seines Talents und plant, ihren Bruder zu kontaktieren, damit dieser den Wunderknaben unter seine Fittiche nimmt.

Olga schreibt Ursula und Janet einen Brief, in dem sie sich vorstellt und ihre Absichten erläutert. In der Angst, Andrzej zu verlieren, verstecken die Schwestern den Brief ? ja mehr noch: sie verbrennen ihn schließlich sogar - und verlieren kein Wort darüber.

Während ihrer kurzen gemeinsamen Sommerwochen wird Andrzej, so weit es die Gepflogenheiten zulassen, in der kleinen Dorfgemeinde herzlich willkommen geheißen, und die Anwesenheit eines so begabten jungen Musikers wird zu einer willkommenen Abwechslung.

Einem ist Andrzej allerdings ein Dorn im Auge: Dr. Mead. Der Dorfarzt hat nämlich eine ausgeprägte Abneigung gegenüber allen Nicht-Angelsachsen ? es sei denn, der "Fremdkörper" präsentiert sich in Form einer attraktiven, alleinstehenden Frau wie Olga Danilof. Allerdings werden seine eher plumpen Versuche ihr den Hof zu machen von Olga immer kühler zurückgewiesen. Langsam wird immer klarer, dass sich Olga ? wenn überhaupt - dann nur zu Andrzej hingezogen fühlt. Aus Eifersucht denunziert Dr. Mead die beiden schließlich bei der ortsansässigen Polizeibehörde als deutsche Spione. Eine kurze Ermittlung durch den Polizisten Timmins (Jimmy Yuill) wird jedoch rasch abgeschlossen, als Janet deutlich macht, wie absurd diese Vorstellung sei. Inzwischen hat Andrzej übrigens erfahren, dass die beiden Schwestern ihm nichts von Olgas Brief erzählt haben, worüber er sehr enttäuscht ist. Wäre das nicht vielleicht die Chance seines Lebens? Diesem großen Geigenvirtuosen Boris Danilof einmal vorspielen zu dürfen?

Doch da hat Olga sensationelle Neuigkeiten: Ihr Bruder Boris, der sich kurz in London aufhalten wird, gibt Olga die Gelegenheit, Andrzejs Talente auf der Konzertbühne zur Geltung zu bringen. Da Boris lediglich vier Stunden lang in London verweilen wird, drängt Olga darauf, dass Andrzej noch am gleichen Tag mit dem Mittagszug mit ihr nach London reist. Die Zeit reicht nicht mehr, um den beiden Schwestern dies weder mündlich noch schriftlich mitzuteilen.

Als Andrzej am Abend nicht zurückkehrt, erkundigen sich die Schwestern und erfahren, dass er mit Olga gesehen wurde, wie beide in den Zug nach London stiegen. Das also soll das Ende der Beziehung zwischen Andrzej und den Schwestern sein? Es sieht ganz danach aus. Und da es so unvermittelt und wie aus heiterem Himmel kam, ist es besonders für Ursula ein herber Schlag. Sie ist darüber sehr, sehr traurig.

Die Zeit vergeht, und die Schwestern fügen sich scheinbar wieder in ihre friedliche Alltagsroutine ein.

Mit Einbruch des Winters trifft jedoch ein Päckchen aus London ein. Es enthält einen Brief von Andrzej und ein Gemälde von Olga Danilof. Im Brief erklärt er seinen übereilten Aufbruch ? "Ihr habt mir das Leben gerettet ? ich wollte aus meinem Leben etwas machen!" - und berichtet, dass er demnächst in London ein Konzert gibt, das von BBC auch im Rundfunk gesendet werden wird.

Am Tag der Konzertübertragung werden so viele Leute, wie im kleinen Wohnzimmer nur irgend Platz finden, in das Haus der Schwestern eingeladen. Das Radio wird eingeschaltet, und Andrzej und seine wunderbare Musik werden erneut in das Leben der Dorfbewohner hineingetragen.

Ohne dass Andrzej es weiß, hatten die Schwestern zuvor beschlossen, nach London zu reisen, um die Konzertübertragung im Publikum zu genießen. Er bemerkt sie nicht, bis beide sich durch die begeisterten Menschenmassen einen Weg zu seiner Garderobe bahnen. Ihr gefühlvolles Wiedersehen wird jedoch jäh unterbrochen, als Andrzej die Glückwünsche des großen Sir Thomas Beecham entgegennehmen soll ? und dann von vielen anderen Menschen in Beschlag genommen wird. Während er sich immer weiter von ihnen entfernt, beschließen die Schwestern, ohne Abschied zu gehen. Ursula und Janet gehen den langen Flur hinunter und überlassen Andrzej seinem neuen Leben.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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