Der Duft von Lavendel

Produktionsnotizen

Die siebenwöchigen Hauptdreharbeiten zu Charles Dances Regiedebüt, DER DUFT VON LAVENDEL, begannen in Großbritannien am 15. September 2003 in Cornwall, in den Home Counties sowie in den Pinewood Studios. Charles Dance verfasste auch das Drehbuch nach der gleichnamigen Kurzgeschichte von William J. Locke.

DER DUFT VON LAVENDEL spielt in den 1930er Jahren in einem abgelegenen Fischerdorf; zur Besetzung gehört die Crème de la Crème unter den britischen Schauspielern, darunter die mit dem Oscar und dem BAFTA preisgekrönten Darstellerinnen Dame Judi Dench und Dame Maggie Smith in den Hauptrollen der Schwestern Ursula und Janet Widdington, zwei älteren Damen, deren Leben auf den Kopf gestellt wird, als sie am Strand unter ihrem Haus einen Schiffbrüchigen (Daniel Brühl) entdecken und bei sich aufnehmen. Die Geschichte hinter dem Projekt "Ich war auf einem Film-Set in Budapest, das mit unzähligen Büchern ausgestattet war, und mußste noch eine Stunde warten, bevor die Arbeit losging. Also schnappte ich mir eines der Bücher, ein Band mit Kurzgeschichten von William J. Locke, von dem ich noch nie gehört hatte", erzählt Charles Dance. "Das Buch trug den Titel Faraway Stories, und Ladies in Lavender war eine der Geschichten. Dann begann ich vor zwei Jahren, die Geschichte zu einem Drehbuch zu adaptieren und verfasste einen Kurzinhalt dazu. Als ich nach England zurückkehrte, stellte ich eine erste Fassung des Drehbuchs fertig."

"Ich habe viel daran verändert, mir etliche Freiheiten genommen und Dinge hinzugefügt, denn die Vorlage war ja eine Kurzgeschichte. Auch den Zeitrahmen habe ich abgeändert; das Original spielt um die Jahrhundertwende von 1900. Ich habe die Geschichte in das Jahr 1936 verlegt, denn ich brauchte einen Weg, um eine der Figuren wieder einzuführen ... Ich wollte ihn nicht persönlich wiederkehren lassen, sondern über seine Musik, also brauchte ich ein Radio oder auch Rundfunkempfänger, wie es damals genannt wurde. Außerdem gefiel mir die Vorstellung dieser Epoche, die historisch gesehen so ereignisreich war, und ich habe auch das Alter der zwei Schwestern nach oben geschraubt. Die Damen in der Kurzgeschichte waren in den Vierzigern, und ich hatte das Gefühl, sie müssten älter sein", fügt Dance hinzu.

"Während der Arbeit an der Adaption habe ich darüber nachgedacht, wer wohl die Rollen der zwei Schwestern übernehmen könnte, und ich mußste nicht lange überlegen: Meiner Ansicht nach gibt es nur zwei Menschen, die sie verkörpern können."

"Wenn man als Schauspieler ein gewisses Alter erreicht, beginnen die guten Rollen außerdem seltener zu werden, und das trifft auf Schauspielerinnen noch eindeutiger zu. Also dachte ich, dass dieser Film auch eine gute Gelegenheit für zwei wunderbare Schauspielerinnen in einem gewissen Alter wäre."

Judi Dench und Maggie Smith standen gerade gemeinsam am West End in der Inszenierung von "Breath of Life" auf der Bühne, als Charles Dance einen kleinen Brief an Judi schrieb, um ihr mitzuteilen, dass er gerade an der Adaption von Ladies in Lavender arbeitete. "Wir haben uns zum Mittagessen getroffen, und ich meinte, das sei einfach wundervoll, und ich würde gerne eine Rolle übernehmen", berichtet Dench.

"Was die Besetzung der Rolle des Andrzej anging, so war das alles andere als einfach", erzählt Dance. "Der Charakter hat eine gewisse Unschuld an sich, und auch die jüngere der beiden Schwester (Judi Dench) sollte diese Naivität aufweisen, obwohl sie sich bereits im Herbst des Lebens befindet. Ich habe lange überlegt, und dann habe ich "Goodbye Lenin" gesehen und fand Daniel Brühl unglaublich talentiert. Er besitzt diese beneidenswerte Chamäleon-Qualität, durch die er in einem Augenblick so unscheinbar wie der Junge von nebenan, im nächsten dann umwerfend hübsch wirken kann ? und genau das habe ich für die Rolle des Andrzej gesucht. Außerdem mußste er in der Lage sein, einige unglaublich komplizierte Geigenpartituren (scheinbar) vorzuspielen, um glaubwürdig zu wirken. Daniel wusste zwar nicht einmal, wo bei der Geige oben und unten ist, doch innerhalb eines Monats war er absolut überzeugend, und zwar so sehr, dass ich aus fast jedem Winkel drehen konnte, ohne ein Double einsetzen zu müssen. Ich glaube, ich war noch niemals zuvor von der Arbeit eines Schauspielers dermaßen beeindruckt ? er hat einfach eine überwältigende Begabung, ist äußerst intelligent und kann wirklich sehr hart arbeiten. Geoffrey Rush hatte für die Vorbereitung zu "Shine" etwa sechs Monate Zeit, aber Daniel hatte hier nur knapp einen Monat. In dem Augenblick, als er an Bord kam, wusste ich, dass er der Richtige war."

Daniel Brühl erzählt: "Ich war in Kopenhagen auf einem Filmfestival und lernte eine Produzentin kennen, die einen Anruf von Charles Dance bekommen hatte; Dance fragte, ob sie einen Schauspieler kenne, der Deutsch spricht und Geige spielen kann. Sie schlug mich vor, denn zumindest spreche ich Deutsch, obwohl ich nicht Geige spiele. Scheinbar hatte mich Charles in "Goodbye Lenin" gesehen, er mochte den Film sehr und fand meine Darstellung brillant. Ich habe bei ihm vorgesprochen, und fand es sehr entspannt und easy. Zwei Wochen später teilte er mir mit, dass ich die Rolle hatte."

Die Zusammenarbeit des jungen Newcomers mit solch überragend erfahrenen Schauspielerinnen wie Judi Dench und Maggie Smith hätte für Daniel Brühl eine womöglich einschüchternde Erfahrung werden können ? doch Charles Dance war beeindruckt von der Professionalität des jungen Mannes: "Ich glaube, er konnte sein Glück gar nicht fassen. Er hat jede Minute genossen ? vielleicht auch begünstigt durch die Tatsache, dass keine der beiden Ladies Starallüren an den Tag legten, um ihn etwa einzuschüchtern. dass sie beide den Titel der "Dame" tragen, tut nichts zur Sache ? sie würden sich kaputtlachen, wenn man sie mit Dame Judi oder Dame Maggie anreden würde. Ihnen wurde die Ehre dieses Titel zuteil, aber sie sind einfach Judi oder Maggie, eben Schauspielerinnen, die zufällig auch extrem gut sind in dem, was sie tun, und überaus angesehen in ihrem Beruf. Keine der beiden hat auch nur den Anflug eines Dünkels, und es ist ganz und gar nicht schwierig, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Beide begrüßten auch die Gelegenheit, mit Daniel vor der Kamera zu stehen, genau wie er die Chance ergriff, mit ihnen zusammenzuarbeiten."

Judi Dench meint: "Daniel war einfach phänomenal. Er mußste entweder stundenlange Sitzungen für Haarverlängerungen ertragen, oder er lernte gerade Geige! Wir haben sechs Tage in der Woche gearbeitet, und während wir anderen an unserem freien Tag einfach relaxten, übte Daniel weiter auf der Geige. Er mußste außerdem Polnisch lernen, wurde ins Meer geworfen und an Land gespült und hat sich bei alledem niemals beklagt, war großartig und ein echter Star."

Maggie Smith lobt Daniel Brühl ebenfalls in den höchsten Tönen: "Er ist einfach wunderbar. Als wir die Konzertszene drehten, war er überwältigend. Ich war wirklich sehr beeindruckt, denn Geige zu spielen ist nicht einfach. Auch was das Sprachtalent angeht, ist er unglaublich ? er ist bereits zweisprachig, und mußste für diese Rolle noch Polnisch lernen.... Zwischen Geigenspiel und Polnischlernen hatte er wohl kaum eine freie Minute für sich. Er hatte viel zu tun, und er ist als Sieger hervorgegangen."

Brühl war überwältigt vor Begeisterung, als sich bestätigte, dass er mit Judi Dench und Maggie Smith vor der Kamera stehen sollte: "Es war eine große Ehre, mit ihnen spielen zu dürfen. Es war eine tolle Erfahrung, sie sind beide sehr freundlich und zugänglich in ihrer Arbeit." Auch die Arbeit mit Charles Dance war für den Jungschauspieler ein wahrer Genuss: "Dies war das erste Mal, das ich mit einem Regisseur gearbeitet habe, der auch Schauspieler ist ? er weiß wirklich ganz genau, wie er einem bestimmte Dinge erklären mußs."

Sowohl die Schauspieler als auch die Filmemacher waren Zeugen der tiefen Freundschaft, die zwischen Judi und Maggie besteht, und die dazu beitrug, für eine gute Atmosphäre und viel Gelächter während der Dreharbeiten zu sorgen. "Sie haben diese ganz eigene Art, miteinander zu reden", bemerkt die Schauspielerin Natascha McElhone, die die Olga spielt. "Ich sah das schon beim gemeinsamen Drehbuchlesen, schon da gab es eine gewisse Chemie, die sich dann wirklich auf den gesamten Film übertrug. Sie haben eine solide Beziehung zueinander, fast wie echte Schwestern, also war mir sonnenklar, dass alles gut funktionieren würde."

"Ich bin ein recht entspannter, mutiger Typ Mensch, aber die Zusammenarbeit mit Ikonen wie Judi und Maggie schüchtern mich doch etwas ein", meint Schauspielerin Miriam Margolyes, die in die Rolle von Dorcas, der Haushälterin der beiden Schwestern, schlüpft. "Ich kannte beide bereits, habe sie bei Veranstaltungen getroffen und mit Maggie in "Harry Potter" zusammengearbeitet, aber das hier war ganz anders als die Dreharbeiten zu diesem Film. Das hat jedoch nichts mit diesen beiden großartigen Schauspielerinnen zu tun, sondern entsteht durch meine eigene Anspannung. Sie sind liebenswerte Kolleginnen, man hat Spaß mit ihnen, und beide zusammen sind vor der Kamera großartig, da sie wirklich langjährige Freundinnen sind. Ihre Beziehung ist so tief, und das ist Teil dessen, was diesen Film so wunderbar und so besonders macht."

DER DUFT VON LAVENDEL war immer zu hundert Prozent das Baby von Charles Dance. "Ich kann mir niemanden vorstellen, der das besser hingekriegt hätte", meint Produzent Nicolas Brown. "Er hat großartige Arbeit geleistet, es war sein Traum, und er hat ihn in wunderbarer Weise verwirklicht." Brown lernte Charles Dance während der gemeinsamen Arbeit an "Nicholas Nickleby" kennen; einige Zeit später nahm Dance erneut Kontakt zu Brown auf und berichtete von dem Auffinden der Kurzgeschichte sowie von der Leinwandadaption; Brown sollte nun das Drehbuch lesen. "Ich fand es großartig, er hat die Geschichte wirklich hervorragend aufgebaut, erweitert und verschönert, und er hatte Judis und Maggies Interesse geweckt. Das gesamte Projekt ist ihm zu verdanken."

"Die erste eigene Regiearbeit ist immer hart, und dies ist ein ziemlich großer Film, verfügt über ein knapp kalkuliertes Budget und eng gesetzte Fristen ? aber Charles hat alles toll gemeistert", sagt Brown. "Er geht hervorragend mit den Schauspielern um, hat starke Instinkte und entlockt den Darstellern wunderbare Performances. Er wusste genau, welche Geschichte er erzählen wollte, und hat ein klasse Team um sich geschart; auch das gehört zu diesem Job, und deshalb sieht alles toll aus."

Der Look, die Stimmung und die Anziehungskraft von "Der Duft von Lavendel" "Hauptanziehungspunkt der Geschichte, und der Grund dafür, dass ich einen Film daraus machen wollte, war die Unschuld und das Märchenhafte daran", berichtet Regisseur und Drehbuchautor Charles Dance. "Ich bin im West Country von England aufgewachsen, und besonders Cornwall hat ganz eigene Merkmale, vor allem die Lichtverhältnisse, die mir sehr attraktiv erscheinen. Einen Ort wie diesen findet man nirgendwo in ganz England. Auch die Tatsache, dass Musik in der Geschichte eine große Rolle spielt, war ausschlaggebend."

Dance war sich auch der mystischen Aura von Cornwall bewusst, die in der Kombination mit den märchenhaften Elementen des Stoffes eine äußerst anziehende Mischung ergaben. "Ich habe versucht, diese märchenhaften Elemente zu erhalten, und es bot sich an, in Cornwall zu drehen. Ich weiß nicht warum, aber wenn man den Tamar überquert und nach Cornwall kommt, fühlt man sich, als sei man in einer ganz anderen Gegend Englands. Die Waliser selbst meinen, dies sei tatsächlich ein ganz anderes Land. Es ist so ähnlich, wie wenn man die Grenze nach Schottland überquert. Die Waliser sind praktisch ein anderer Volksstamm, und sie kämpfen darum, ihre eigene Identität zu bewahren, auch wenn es dort über Monate hinweg von Touristen nur so wimmelt. Es ist ein einzigartiger Ort, so schön, mit all diesen wunderbaren kleinen Buchten und Klippen."

DER DUFT VON LAVENDEL wird stark von den Charakteren bestimmt, und verlangte somit nicht nach Spezialeffekten oder, wie Charles Dance meint, nach "irgendwelchen Kamera-Tricks". Dances Hauptinteresse lag darin, die Schönheit der Landschaft im Zusammenhang mit der Geschichte darzustellen, und die emotionalen Inhalte des Stoffes zum Strahlen zu bringen. "Glücklicherweise stand mir einer der besten Kameramänner der Welt (Oscar-Gewinner Peter Biziou, BSC) sowie die fantastischste Crew zur Verfügung. Ich wollte den Schauspielern einfach soviel Freiraum wie nur möglich gewähren.

Da er dem Film unbedingt eine starke Aura und ein Gefühl von Wärme verleihen wollte, sprach Charles Dance ausführlich mit Produktionsdesignerin Carolin Amies über das Haus der Schwestern, das auf einer Klippe errichtet ist, über die Innenausstattung des Cottages, über den Garten und den darunter liegenden Strand. "Es gibt eine Reihe von Farben, die wir z.B. in illustrierten Ausgaben von Grimms Märchen fanden. Wir entschieden uns für Ocker, Türkis und dunkles, bläuliches Grün; das ist die bestimmende Farbpalette. Das Meer und die ganze Landschaft in dieser Gegend von Cornwall sind auch voller Glanz und schimmern. Sogar das Grau ist nicht wirklich grau, sondern silbern. Gott sei Dank waren wir mit hervorragendem Wetter gesegnet ? eine Art Indian Summer, also gab es wunderbares Tiefblau am Himmel und dadurch ein Licht, bei dem man fast die Augen zusammenkneifen wollte. Es ist wie im Märchen, wo alle Emotionen überhöht werden, und dies erreichten wir durch die Art, wie die Schauspieler die emotionalen Inhalte der Szenen vermittelten."

Auf der gleichen Linie mit den Märchenelementen, die sich durch die gesamte Geschichte ziehen, sagte Schauspielerin Judi Dench zu Regisseur Dance, dass die Figur der Olga (Natascha McElhone) sie an die Hexe im Märchen erinnere: "Die sogenannte Hexe in diesem Märchen hat keine lange Nase, keine haarigen Warzen im Gesicht und trägt auch keinen großen schwarzen Hut, sondern wird von der wunderschönen Natascha McElhone gespielt ? und ist somit noch viel bedrohlicher, wenn sie ihren Auftritt hat", meint Dance.

"Natascha hat ein unglaubliches Gesicht, mit diesen riesengroßen Augen, der makellosen Haut, den wunderschönen Haaren ? und dazu kommt noch, dass sie ihren Job absolut beherrscht. Olga hat, so wie ich das sehe, keine Hintergedanken, und will lediglich diesem begabten jungen Mann helfen. Olgas Bruder ist ein renommierter Violinist, und als sie im entlegenen Cornwall das Geigenspiel von Andrzej hört, erkennt sie sein Riesentalent und will ihm helfen. Zu sagen, dass seine Anwesenheit im Leben der zwei Schwestern für viel emotionalen Wirbel gesorgt hat, ist noch untertrieben. Doch darum macht sich Olga kaum Gedanken; ihr Antrieb ist es, diesen jungen Mann auf die Straße des Erfolgs zu setzen. Sie ist eine geheimnisvolle Figur, und es herrscht allgemeiner Konsens, dass man sich in ihrer Anwesenheit eher beklommen fühlen sollte. Eine Schauspielerin von Nataschas Schönheit ruft dieses Gefühl hervor, und die Beklommenheit des Publikums wird noch übertrieben, denn man ist sich nicht sicher, warum einen dieses Gefühl überkommt, wenn sie auftritt. Olga ist ein echter Bohemien, sie ist ihrer Zeit weit voraus... es kümmert sie nicht, dass Frauen dort eigentlich nicht in den Pub gehen. Wenn sie in den Pub will, um Bier zu trinken und zu rauchen, dann tut sie das, ohne Rücksicht darauf, dass Frauen in den 1930er Jahren das eben nicht taten. Sie ist eine sehr eigenständige Frau", sagt Dance.

"Olgas Charakter wirkt eher düster und geheimnisvoll, bis man das Ende des Films erfasst hat", erklärt Dench. "Ein Großteil der Geschichte dreht sich um die Wirkung, die sie auf uns ausübt."

Produzent Nicolas Brown fasst die Rolle der Olga kurz zusammen: "Betrachtet man diese Geschichte als Märchen für Erwachsene, dann ist Olga auf gewisse Art die böse Hexe, einfach weil sie aus einer anderen Welt stammt und nicht Teil der ortsansässigen Gemeinschaft ist. Sie ist weltgewandt und weitgereist, und ist umgeben von diesem Großstadtflair und Chic. Sie verbringt ihre Ferien in Cornwall, ist eindeutig die Außenseiterin, und verkörpert die Person, die Andrzej den Damen abspenstig macht. Deshalb haben wir sichergestellt, dass Natascha von Anfang an als Bedrohung dargestellt wird. Sie sieht eindeutig anders aus und fügt sich nicht in diese Landschaft ein."

Als versierte Kinoschauspielerin, deren Karriere über 40 Jahre umfasst, hat Maggie Smith mit den besten Filmemachern der Welt zusammengearbeitet. Bei DER DUFT VON LAVENDEL ist sie überzeugt, dass die Landschaft von Cornwall und das hochkarätige Team ein Volltreffer sind: "Ich glaube, wir haben etwas Besonderes eingefangen ... Peter Biziou ist ein fantastischer Kameramann, und es wird hoffentlich einfach großartig aussehen."

Daniel Brühl steht hier in seinem ersten englischsprachigem Film vor der Kamera und war von der Erfahrung sehr beeindruckt: "Soweit ich das in den Tagesmustern sehen konnte, ist dies ein sehr warmer, strahlender Film; alles sieht wirklich wunderschön aus ? nicht nur die Landschaft und die Drehorte, sondern auch Judi und Maggie. Ich glaube, dies ist ein ganz besonderer und kostbarer Film. Er ist sehr sanft, nicht schnell ... er ist wie Cornwall!"

Nicolas Brown betont die Bedeutung des richtigen Looks: "Die Schwestern haben ihr ganzes Leben am Meer verbracht und halten sich oft an der frischen Luft auf, also wollten wir zeigen, dass sie keine zarten Stubenhockerinnen sind, die den ganzen Tag nur Tee trinken! Sie machen Gartenarbeit, und obwohl sie finanziell abgesichert und recht gebildet sind, so sind sie doch Landmenschen und keine Städterinnen." Den Kontrast erkennt man, als sie nach London reisen, um Andrzejs Konzert in der Wigmore Hall zu besuchen: "Sie entdecken eine Welt, über die sie eigentlich gar nichts wissen, und stellen fest, dass sie niemals zu dieser Welt gehören könnten. Diese Szene ist ein emotionaler Höhepunkt ? der Junge, den sie gerettet haben und der wiederum ihr Leben verändert hat, ist plötzlich aufgeblüht. Ihr kurzes Treffen nach dem Konzert ist ein sehr glücklicher Augenblick, doch sie wissen, dass sie ihn gehen lassen müssen, und bezeichnenderweise wird er von seinen neuen Freunden und der High Society in Beschlag genommen, während die beiden Schwestern nach Hause zurückkehren ? dorthin, wo sie hingehören, und wo sie am sichersten und am glücklichsten sind. Es ist ein bittersüßer Abschied."

Bevor man nach Cornwall reiste, hatten die Schauspieler ca. zwei Wochen lang Proben in London. "Ich wollte nicht allzu viel proben", meint Daniel Brühl, "denn wenn man die Szene in London übt, dann fühlt sich das anders an. Wenn man aber am Drehort ist, nimmt man die Dinge anders wahr und stellt fest, dass der Raum anders aussieht, als man ihn sich vorgestellt hat, und dass man an einer anderen Position steht. Manchmal ist es besser, nicht zu viele Proben zu machen, um sich diese gewisse Frische für den Dreh zu bewahren."

Nachdem dies auch seine erste Zusammenarbeit mit einem Oscar-preisgekrönten Schauspielerinnen-Ensemble war, stellte Daniel Brühl erleichtert fest, dass es nur wenig Unterschiede zur Arbeit mit deutschen Schauspielern gab; er genoss es jedoch, zu beobachten, was seine Schauspielkollegen antreibt: "Sie bei der Arbeit zu beobachten ist toll. Jeder Satz, den Judi und Maggie sagen, sitzt genau. Meiner Meinung nach liegt die ganze Kunst in ihren Augen. Sie sind einfach ungeheuer professionell. Bei der Schauspielerei dreht sich alles um Energie, also war diese Zusammenarbeit für mich als junger Schauspieler ein Privileg, und ich glaube, sie haben meine Darstellung besser werden lassen."

Obwohl er das jüngste Mitglied der Besetzung ist, ist Daniel Brühl reifer als sein Alter glauben macht, und fasst die Anziehungskraft von DER DUFT VON LAVENDEL wunderbar zusammen: "Ich liebe Geschichten über Beziehungen zwischen den Generationen, und es ist toll, dass es hier um Liebe geht. Als Thema ist Liebe zeitlos, und das Alter spielt keine Rolle. Mir gefällt auch der romantische Aspekt des Films, er ist einfach großartig. Auch wenn ich nicht selbst mitgewirkt hätte, würde ich ihn mir unbedingt ansehen wollen. Es ist nicht nur ein Film für Frauen über 40, sondern für alle von 20 bis 80."

"Es ist ein sehr warmherziger und anrührender Film, aber ganz und gar nicht eindimensional", meint Nick Brown, "sondern er beinhaltet diese Komplexität, wie sie aus dem wahren Leben entsteht. Er beleuchtet die Dinge, die man sich für sich selbst wünscht, aber nicht unbedingt haben kann, und zeigt, wie man Dinge und Menschen verliert, was immer schwer zu verkraften ist. Außerdem hat der Film diese jenseitige Qualität, man weiß nie genau, wo Andrzej hergekommen ist. Er ist nur einen kurzen Sommer lang bei ihnen, bevor er sie verlässt, und das hat etwas Magisches, genau wie Cornwall selbst. Ich denke, das wird die Zuschauer bewegen ? am Ende kann man schön weinen, doch man fühlt, dass es so das Beste war. Jemanden, den man liebt, gehen zu lassen, ist immer schwer ? doch wenn man weiß, dass es aus den richtigen Gründen geschieht, kann es leichter werden, wenn auch nicht weniger emotional. Und zusätzlich werden die Zuschauer zwei der größten Schauspielerinnen der Welt sehen können ? die Beziehung der Schwestern ist wunderbar gestaltet, und Judi und Maggie spielen sie perfekt. Beide haben wirklich Freude daran gehabt, und diese Warmherzigkeit basiert auf ihrer Freundschaft im wahren Leben, die bereits über 40 Jahre lang besteht und alles nur noch verfeinert."

Miriam Margolyes sieht die Anziehungskraft des Films in den kleinen, unausgesprochenen Momenten: "Es geht nicht darum, alles deutlich zu sagen, sondern um Zurückhaltung und Leidenschaft. Ich meine nicht die Leidenschaft zwischen dampfenden Laken, sondern die Leidenschaft der Blicke und der Sehnsucht, der inneren Herzensregungen. Wenn man das akzeptieren kann und versteht, dass in der Liebe die tiefsten Gefühle niemals ausgesprochen werden, dann wird man diesen Film lieben. Ich finde das wundervoll und bin darauf sehr stolz."

Die Drehorte Im Frühherbst 2003 reisten die Schauspieler und Filmemacher in die atemberaubende Wildnis der Gegend von St. Ives, Helston und in die Nähe der berühmten Lizard Peninsula in Cornwall, an der Südspitze Englands. Die überwältigende Schönheit der Natur in dieser entlegenen Region war perfekt geeignet als Hauptdrehort und Standort von Janets und Ursulas idyllischem Cottage auf einer Klippe über dem Strand.

"Es war so schön, mit Maggie in Cornwall zu sein; seit wir 1958 am Old Vic zusammengearbeitet haben, sind wir nun schon Freundinnen", sagt Judi Dench. "Die Arbeit mit ihr ist immer wundervoll ? wir hatten eine großartige Zeit zusammen. Stundenlang haben wir in diesem gemütlichen Dachgeschoss Karten gespielt, aufs Meer geschaut, es war wunderbar. Ich hatte noch nie zuvor in Cornwall gedreht, verbrachte aber als Kind während des Krieges jeden Sommer dort, gemeinsam mit meiner Familie aus York. Ich habe auch Freunde, die in Cornwall leben. Viele aus dem Filmteam waren noch nie dort gewesen, und mir scheint, sie glauben nun, der Sommer in Cornwall sei immer so ? wolkenloser Himmel, ständig Sonnenschein und sanft wogendes Meer; aber so ist es nicht immer ? es kann auch sehr feucht sein, wir hatten bei den Dreharbeiten wirklich großes Glück."

"Als Drehort war es hier nicht einfach für die Crew, das Gerät über die kleinen Feldwege zu transportieren und Kräne zu montieren, um alles auf und vom Strand zur Klippe zu bewegen. Das Team war wunderbar", sagt Dench. Es gab jedoch auch wirklich magische Momente, und an einen davon erinnert sie sich besonders: "Wir haben gerade die Szene gedreht, bei der ich im Meer stehe, und als wir fertig waren, sagte jemand: Judi, schau dich mal um! Ich drehte mich schnell um, und da war ein Seehund, der mich anblickte! Diese Robbe tauchte danach ziemlich oft auf, und es schien, als wollte sie sagen: Was macht ihr denn hier in meiner Bucht?"

"Die Zeit in Cornwall war sehr schön", fügt Maggie Smith hinzu. "Wir hatten unglaubliches Glück und genossen das perfekte Wetter. Es war magisch. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass wir mit den Dreharbeiten in Cornwall begonnen haben, denn der Aufenthalt am Meer hat für uns den Ton und die Atmosphäre des Films geprägt."

Daniel Brühl kannte Cornwall lediglich aus deutschen Schulbüchern: "Ich war zum ersten Mal dort, und die Schönheit der Landschaft hat mich sehr beeindruckt. Die Gegend erinnert mich etwas an Frankreich. Ich war von der Landschaft überrascht ? auch von der Tatsache, dass es in England Palmen gibt! Diese ländliche Gegend ist sehr inspirierend. Ich bin halb Deutscher und halb Spanier; die Menschen in Cornwall sind sehr sanftmütig und erinnerten mich stark an die Südländer. Dieser Ort betont noch das Magische und die Schönheit der gesamten Geschichte, ihre Zartheit und Ruhe. Wenn ich mit Freunden in Berlin spreche, stelle ich fest, wie es dort im Vergleich zu Cornwall irre laut ist, ständig rauscht der Verkehr. Der Aufenthalt in Cornwall hat alles verlangsamt, und die Landschaft wirkt sich auf den Film aus ? das ist großartig für den Look, die Atmosphäre und die Geschichte!"

Produzent Nicolas Brown erklärt die logistischen Herausforderungen bei den Dreharbeiten in Cornwall: "Es war ziemlich schwierig, denn es war eine relativ kleine Location mit einer recht großen Crew, und der Zugang zum Cottage und zum Strand war kompliziert. Wir waren auf einer Klippe, und der einzige Weg verlief über schmale Serpentinenwege. Wenn wir an den Strand mußsten, gab es lediglich einen engen Pfad, also mußste das gesamte Equipment über Kräne hinunter gehievt werden, und wir mußsten ständig auf die Gezeiten achten, denn bei Flut war der Strand praktisch verschwunden. Allein die Tatsache, dass man am Meer ist, bedeutet ja, dass man vom schnellen Wetterwechsel abhängig ist. Die Einheimischen sagten, wir würden am Morgen Frühling, mittags Sommer und abends Winter haben. Insgesamt hatten wir großes Glück und sind vom Wetter kaum beeinträchtigt worden. Es hat geklappt, aber solche Drehorte sind immer komplizierter als die Arbeit in einem gemütlich warmen Studio."

Über die Musik Die Musik spielt in diesem Film eine äußerst bedeutsame Rolle; die Mitwirkung von Komponist Nigel Hess war besonders wichtig. Er selbst erklärt: "Als Charlie mir das Drehbuch schickte, war ich fasziniert, denn es bot eine seltene Gelegenheit für einen Filmmusik-Komponisten. Normalerweise ist man ja der letzte, der mit an Bord geht, und zwar gegen Ende des Projekts, wenn alles bereits abgedreht und geschnitten wurde; da kann man sich schon etwas ausgeschlossen fühlen. Doch da in DER DUFT VON LAVENDEL einer der Protagonisten ein Musiker ist, mußste ich hier von Anfang an mit von der Partie sein. Ich mußste die Musik komponieren, die Andrzej spielt, von kleinen Fingerübungen, die er im Schlafzimmer spielt, bis hin zum großen Konzert, das er auf dem Höhepunkt des Films gibt. Hierfür wollten wir ein neues Stück verwenden, und eben nichts aus einem bekannten Konzert für Geige. Das Thema sollte sich auch durch den gesamten Film hindurchziehen, ihm einen gewissen Charakter verleihen. Für einen Komponisten ist so etwas wie ein Geschenk des Himmels."

"Daniel Brühl hat großartige Arbeit geleistet, denn wenige Monate vor Beginn der Dreharbeiten wusste er noch nicht einmal, wie man das Instrument richtig hält. Oliver Lewis, sein Geigen-Coach, hat intensiv mit ihm geübt; ursprünglich hatten wir die Musikstücke vorher aufgenommen, wie es üblich ist, man spielt die Aufnahme während der Dreharbeiten am Set dann über CD ein. Da Oliver und Daniel aber so intensiv und gut miteinander gearbeitet hatten, änderten wir unsere Meinung, und wenn man jetzt Andrzej im Film spielen sieht, dann hört man dabei Oliver, der auf einer echten Geige außerhalb des Kameraauges mitspielt; Daniel macht sozusagen die Bewegungen zum Live-Playback von Oliver."

"Bei Filmmusik kann man sich in tausend verschiedene Richtungen bewegen, aber sie ist so mächtig wenn es darum geht, Emotionen heraufzubeschwören, und manipuliert fast die Gefühlsregungen der Zuschauer. Deshalb mußs man die Musik behutsam einsetzen, denn man kann auch die falsche Wirkung erzeugen. Charles Dance und ich haben eng zusammengearbeitet um schon in einem frühen Stadium die richtigen Entscheidungen zu treffen."

"Wir hatten das großartige Royal Philharmonic Orchestra, das im Film spielt, und die Aufnahme-Sessions und alles gingen wirklich sehr gut über die Bühne. Die Zeit der Aufnahmen ist mir die liebste, denn all das, was man bisher nur im eigenen Kopf gehört hat, wird plötzlich für alle hörbar; das ist ein magischer Moment."

"Zu den fantastischen Dingen bei der Arbeit an diesem Film gehörte auch die Mitwirkung des gefeierten Geigenvirtuosen Joshua Bell. Er hebt die von mir komponierten Stücke auf ein ganz neues Niveau. Ihn spielen zu hören war so, wie in einen extrem luxuriösen Rolls Royce einzusteigen."

"Wir machen gerade zusätzliche Aufnahmen mit Joshua und der Royal Philharmonic für den Soundtrack. Er werden vollständigere Versionen der Melodien des Films zu hören sein, außerdem Repertoire-Stücke, z.B. einige Bach-Fragmente aus dem Film, die auf der CD dann voll zur Geltung kommen."

"Ich glaube, den Zuschauer wird an diesem Film gerade die Kraft der Musik interessieren. Man kann es nicht einmal als klassische Musik bezeichnen ? ich hasse Etiketten; hier geht es um gefühlsbetonte Musik, die über außergewöhnliche Macht verfügt. Als die Schwestern diesen Jungen am Strand finden, ist er bereits faszinierend ? doch als sie entdecken, dass er Geige spielt, kann er sich ? obwohl er kaum Englisch spricht ? durch die Musik verständlich machen. Dadurch fühlen sie sich ihm verbunden, und er wird vollends außergewöhnlich. Es ist eine menschliche Geschichte, und wir verwenden die Musik, um sie zu untermalen."

Szenenfoto
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