Kiss Kiss Bang Bang

Produktionsnotizen

Der Hang zur Gewalt Eine solche Geschichte hat es noch nie gegeben. 1986 hatte der 23-jährige Student Shane Black gerade sein Studium an der University of California/Los Angeles abgeschlossen und schrieb sein erstes Drehbuch. Innerhalb einer Woche erwarb Produzent Joel Silver die Option, und zusammen mit Regisseur Richard Donner läuteten die beiden mit "Lethal Weapon" (Lethal Weapon - Zwei stahlharte Profis) eine neue Filmära ein: Silver, der bereits die bahnbrechenden Action-Filme "Commando" (Phantom-Kommando) und "Predator" (Predator) produziert hatte, förderte nun die auf starke Hauptfiguren konzentrierte Genre-Kombination aus Komödie und Action.

Mel Gibson und Danny Glover spielten die sehr unterschiedlichen Cop-Partner, die sich mit einem Drogenschmugglerring herumschlagen: in "Lethal Weapon" entwickelte Black seine Neigung für Helden, die der hektischen Action und den schnellen Dialogen an Explosivität in nichts nachstehen. Der Film erwies sich als Blockbuster und entwickelte sich zu einer Serie von insgesamt vier Filmen, die eine ganze Generation von Filmemachern beeinflusste und als Messlatte für zahllose Nachahmungen diente. Ein neues Genre war geboren: das Buddy-Action-Movie.

"Shanes Stil ist in allen seinen Texten spürbar", sagt Silver, der dem Action-Kino mit "Die Hard" (Stirb langsam, 1988) und "The Matrix" (Matrix, 1999) entscheidende neue Impulse gab. "Ob wir die Konventionen des Genres nutzen oder sie bewusst auf den Kopf stellen - immer bevölkert er seine Filme mit originellen Figuren, einfallsreicher Action und unvergesslichen Sprüchen. Seine Texte unterhalten genauso gut wie die Filme, die daraus entstehen."

"Filme, die mich interessieren, verbinden oft zwei Elemente auf ganz neue Art und Weise", sagt Black. Im Drehbuch zu "Lethal Weapon" kombinierte er einen erfahrenen Detektiv mit einem selbstmörderischen jüngeren Cop, dessen Unberechenbarkeit für ebenso komische wie spannende Überraschungen sorgt. Seinen ersten denkwürdigen Detektiv schuf Black 1991 in dem Buddy-Action-Film "The Last Boy Scout" (Last Boy Scout - Das Ziel ist Überleben) mit Bruce Willis als heruntergekommenem Privatschnüffler, der mit sich ins Reine kommen mußs. Er tut sich mit einem in Ungnade gefallenen Ex-Quarterback (Damon Wayans) zusammen, um einen Korruptionsfall in der millionenschweren Welt des Profi-Footballs zu untersuchen.

In Blacks dynamischem Drehbuch "The Long Kiss Goodnight" (Tödliche Weihnachten, 1996) entdeckt ein viertklassiger Privatdetektiv (Samuel L. Jackson), dass eine Lehrerin mit Gedächtnisschwund (Geena Davis) in Wahrheit eine mörderische Geheimagentin ist, die die Regierung stürzen will. dass Black sich so intensiv dem Action/Krimi-Milieu verschrieb, hängt damit zusammen, dass er als Jugendlicher wie besessen Kriminalromane verschlang - billige Hefte, die von hartgesottenen Privatschnüfflern und in Bedrängnis geratenen Frauen nur so wimmeln: In schlüpfrigen Geschichten werden zwei scheinbar völlig getrennte Fälle aufgerollt, die dann aber durch Skandale und Mord in ein gemeinsames Finale münden, und immer siegt die Gerechtigkeit - wenn auch mit bitterem Nachgeschmack.

"Ich las ,The Hardy Boys' (Die Hardy Boys) und ,The Three Investigators' (Die drei ???), spannende Bücher für Kids, aber die echten Helden meiner Kindheit fand ich eher in den Erwachsenen-Regalen der Bibliothek", sagt Black. "Detektivstories mochte ich besonders, ich habe sie verschlungen, buchstäblich Hunderte davon. Als Kind durfte ich sie nicht lesen, weil sie nicht jugendfrei waren, also habe ich sie mir heimlich besorgt. Ich habe mein Taschengeld gespart - drei Mittage lang habe ich gehungert, um mir das neue "Mike Shayne"-Heft oder den neuen ,Shell Scott' oder ,Chester Drum' zu kaufen.

Die schlüpfrigen Szenen waren zwar toll, aber mich interessierten vor allem die kniffligen Fälle. Diese Krimis waren in einem zupackenden, maskulinen, grobgestrickten Rhythmus verfasst, und zwischen den Zeilen nahm ich eine noch intensivere, überwältigende, rein gefühlsmäßige Dimension wahr. Hätte ich diese Geschichten nicht gelesen, wäre ich heute kein Drehbuchautor."

"Weil ich vom Mythos Privatdetektiv so fasziniert, von den Groschenromanen derart besessen war, brauchte ich als Erwachsener dann ein Ventil dafür", fährt Black fort. "In gewisser Weise habe ich das in ,Lethal Weapon' und ,The Last Boy Scout' umgesetzt. Aber ich habe noch nie meinen Gesamteindruck aus diesen Heften in einem eigenen Privatdetektiv verarbeitet, obwohl ich das schon lange versuchen wollte. ,Kiss Kiss Bang Bang' ist also ganz bewusst als Hommage an die Krimis angelegt, die ich als Kind gelesen habe."

Die Handlung zu Blacks "Kiss Kiss Bang Bang" spielt in einem Gelobten Land mit Schönheitsfehlern, das man als heutiges Los Angeles bezeichnet - ein gewaltiges Haifischbecken, in dem die vom Schicksal gebeutelten, aber aufrechten Helden ganz ähnlich mit ihrem Schicksal hadern wie in den Geschichten der von Black so geschätzten Detektivromane. In diese gefährlichen Gewässer wagen sich der Kleinganove Harry Lockhart und die Möchtegern-Schauspielerin Harmony Faith Lane. Die beiden einstigen Sandkastenfreunde haben sich jetzt wiedergetroffen, und beide verehren den längst vergessenen Groschenheft-Helden Jonny Gossamer, einen raubeinigen Privatschnüffler ganz in der Tradition der von Black erdachten Helden.

Der fiktive Jonny Gossamer tritt in "Kiss Kiss Bang Bang" zwar nur kurz in der Szene eines Films im Film auf, aber er ist der Maßstab, an dem sich die handelnden Figuren messen - sein Einfluss ist im gesamten Film zu spüren. "Jonny Gossamer hat etwas Schicksalhaftes, als ob er dem Tod ins Gesicht spuckt", sagt Black über den von ihm erfundenen Schnüffler. "Als zwielichtiges, trashiges Groschenheft-Phänomen bedeutet er aber für die Figuren meines Films sehr viel mehr. Er bildet nämlich die Metapher für jugendlichen Enthusiasmus, er steht für etwas, an das man glauben kann - jenseits unserer Alltagsexistenz. Meine Figuren glauben an einen Helden, und sie möchten eines Tages so werden wie er."

Im Lauf der Handlung ergreifen Blacks Figuren die Gelegenheit beim Schopf, um ihrem bisherigen traurigen Dasein zu entkommen und endlich einmal etwas Positives zu bewerkstelligen, doch ihre Realität wird zunehmend von der Atmosphäre in Jonny Gossamers fiktiver Welt durchsetzt, der Zufall verwandelt sich in Schicksal, die Wahrheit ist seltsamer als die Fiktion, und jeder bekommt die Chance, sich in einem großen Moment zu bewähren.

"Es ist sehr wichtig, an eine abgenutzte, verstaubte Gattung zu glauben, die die meisten gar nicht als Literatur ansehen", glaubt Black. "Es gibt kaum aktuelle Neuinterpretationen der großen Tradition des L.A.-Privatschnüfflers. Ich versuche eine filmische Gratwanderung - einerseits nimmt der Film sich ernst genug, um Spannung zu garantieren, andererseits spielt er aber auch mit den Versatzstücken, wirkt frisch und unterhaltend."

Nachdem er sein Markenzeichen, den Buddy-Film, auf clevere Art mit dem klassischen Film noir kombiniert hatte, schickte Black sein fertiges Drehbuch "Kiss Kiss Bang Bang" an Silver. "Ich fand es logisch, das Projekt mit Joel zu machen, denn ich war davon überzeugt, dass er sich mehr als meine anderen bisherigen Produktionspartner für den Stoff begeistern würde. Er kennt die Materie nicht nur allgemein, er versteht ganz genau, was mir vorschwebt", sagt Black.

"Ich fand Shanes Skript sehr komisch, romantisch, spannend und voller origineller, unerwarteter Momente", sagt Silver. "Die Genres und Einfälle werden sehr raffiniert kombiniert. Er bezieht sich auf den Film noir, die Groschenroman-Krimis, siedelt die Geschichte aber komplett im Hier und Jetzt an. Seine Begeisterung für die Krimi-Tradition ist in jeder Phase spürbar. Es dürfte wohl die romantischste Story sein, die Shane je geschrieben hat. Auf jeden Fall ist sie seine originellste."

"Mit ,Kiss Kiss Bang Bang' prägt er das Detektiv-Genre genau so, wie er den Action-Film geprägt hat", sagt Executive Producer Susan Levin, die bei Silver Pictures als Executive Vice President of Production fungiert. "Er kombiniert originelle, überzeugende Helden mit einer Story voll cleverer Dialoge und hektischem Tempo, das an die klassischen Screwball-Komödien erinnert. Das Drehbuch zählt zu den besten, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Und mit einem großartigen Stoff kann man auch großartige Schauspieler überzeugen."

Probleme sind meine Spezialität Der in aller Welt geschätzte Schauspieler Robert Downey Jr. spielt in "Kiss Kiss Bang Bang" den Helden/Erzähler Harry Lockhart, einen nicht ganz astreinen, aber im Grunde anständigen Kleinganoven. Er verbindet das Charisma der Arbeiterklasse mit einem an Frank Capra erinnernden Optimismus. Shane Black beschreibt ihn: "Er schmiedet ewig neue Pläne, aber seine Projekte verlaufen immer schnell im Sande, weil er ständig ins Fettnäpfchen tritt. Harry wird vom Pech verfolgt, aber trotzig besteht er auf seinem Optimismus. Er kapiert einfach nicht, dass er wohl nie weiterkommt, wenn er immer wieder denselben Mist baut. Harry rennt also immer wieder gegen dieselbe Wand, erhält sich dabei aber seine jugendliche Begeisterung. Sogar in der Stadt der Zyniker, Verlorenen und Gauner - Los Angeles - bewahrt er sich seine fast kindliche Naivität."

"Harry hat etwas, was ihn sympathisch macht - wir fiebern mit ihm, obwohl er sich selbst Knüppel zwischen die Beine wirft", meint Produzent Joel Silver. "Also brauchten wir einen Schauspieler, der diese Mischung aus Optimismus, Rücksichtslosigkeit, sinnloser Beharrlichkeit und einnehmendem Wesen ausdrücken kann. Neben seinem offensichtlichen Talent als Schauspieler strahlt Robert Downey Jr. einen jungenhaften Charme aus - als Harry ist er einfach perfekt."

Downey ist für seine Vielseitigkeit, grenzenlose Begabung und mitreißende Leinwandpräsenz bekannt. In denkwürdigen Rollen zeigte er eine große Bandbreite: von seinen Auftritten in den Meilensteinen der 80er-Jahre, "Weird Science" (L.I.S.A. - Der helle Wahnsinn) und "Less Than Zero" (Unter Null) bis zu seiner für den Oscar nominierten Titelrolle in "Chaplin" (Chaplin), der packenden Darstellung des Boulevard-Reporters in "Natural Born Killers" (Natural Born Killers) sowie aktuell seinem widersprüchlichen Psychiater in Silvers erfolgreichem Grusel-Thriller "Gothika" (Gothika).

"Robert taucht völlig in Harry ein", sagt Black. "Er gestaltet die Figur sehr verletzlich und zärtlich, aber auch jungenhaft sympathisch, und sein subtiles komödiantisches Timing drückt sich allein schon in einer einfachen Geste, in einem Blick aus. Er engagiert sich hundertprozentig in dieser Rolle, sein Spiel wirkt dadurch völlig mühelos, was aber eine Täuschung ist, denn was er leistet, ist extrem kompliziert." "Harry gehört zu den Typen, die aufwachen, wenn die Neonlichter angehen", sinniert Downey. "Und als Nachteule habe ich selbst einige Erfahrung. Wie die meisten Menschen möchte Harry eigentlich immer den richtigen Weg einschlagen, aber er weiß eben nicht recht, wie er das anstellen soll."

Als Harry und sein krimineller Kumpel den Cops nach einem nächtlichen Weihnachts-"Einkauf" in einem New Yorker Spielzeugladen nur knapp entkommen, landet er auf seiner tollpatschigen Flucht unversehens bei einem Casting-Termin für einen Hollywood-Krimi. Schnitt: Harry fliegt nach L.A., um dort Probeaufnahmen zu machen. Auftritt Perry van Shrike, der "schwule Perry", ein hartgesottener, offen schwuler Privatdetektiv, der dem Dieb-der-ein-Schauspieler-werden-will beibringen soll, sich wie ein Detektiv zu benehmen.

Irgendwie ist es doch passend, dass gerade die Filmemacher, die dem Action-Genre eine reichliche Dosis Machismo eingeimpft haben, dieses Klischee nun auf den Kopf stellen und die traditionell eindeutigste Macho-Figur der Geschichte als Schwulen auftreten lassen. "Das ist typisch Shane", sagt Silver. "Er spielt sehr gern mit der Erwartungshaltung des Publikums." Der ruppige, skrupel- und gnadenlose Perry bildet einen deutlichen Kontrast zum liebenswert naiven Harry. Jede seiner Kugeln trifft, er verzieht nie sein Pokerface, und er lässt keinen Zweifel daran, wie sehr er seinen neuen Schützling verachtet.

"Perry ist ein ausgeschlafener Typ, er kapiert sofort, dass er mit Harry Probleme bekommt", sagt Val Kilmer, der den zynischen Schnüffler spielt. "Er will nichts mit ihm zu tun haben." "Der schwule Perry ist ein kaltschnäuziges Arschloch. Er würde jedem sofort die Fresse einschlagen, ist aber unter bestimmten Umständen reichlich pingelig", sagt Black über Jonny Gossamers postmodernes Gegenstück. "Seine Kunden werden durch seine direkte Art sehr nervös, aber dennoch hat Perry das Zeug zum mythischen Helden - er dominiert den Raum, sobald er ihn betritt, und Val spielt ihn ganz überragend."

"Val hat ein unglaubliches Charisma, das wunderbar zu Perry passt", stimmt Executive Producer Susan Levin zu. "In letzter Zeit hat er vor allem in düsteren, dramatischen Filmen mitgewirkt, aber er ist ein sehr guter Komiker, wie seine Fans aus früheren Filmen wissen." "Ich setze mich gern mal über alle Konventionen hinweg, aber leider bekomme ich auf der Leinwand nur selten Gelegenheit dazu", kommentiert Kilmer, der seine Karriere mit der abgedrehten, erfolgreichen Spionage-Thriller-Parodie "Top Secret!" (Top Secret!) und der Komödie "Real Genius" (Was für ein Genie) begann, bevor er immer öfter dramatische, legendäre Rollen übernahm: "The Doors" (The Doors), "Heat" (Heat) sowie aktuell "Wonderland" und "Alexander" (Alexander).

"Seit Jahren suche ich nach einer guten Komödienrolle. Doch Hollywood bewegt sich auf eingefahrenen Wegen: Wer lustig sein will, mußs gerade eine Komödie gemacht haben. Wenn man ein paar Jahre lang nicht komisch gewesen ist, bekommt man solche Rollen einfach nicht." "Val hat den Ruf, so stoisch zu sein, dass jedermann fast Angst vor ihm hat, weil er so beeindruckend wirkt", sagt Black. "Dabei kann er wunderbar auch über sich selbst lachen, und diese Fähigkeit kommt in seiner Rolle voll zum Tragen. Gleichzeitig geht er die Darstellung des Perry sehr zurückhaltend an, stellt das klassische Raubein überzeugend als Schwulen dar, ohne auf Stereotype auszuweichen oder in die Karikatur zu verfallen."

Kilmer fühlte sich von der Rolle des schwulen Perry herausgefordert, vor allem aber überzeugte ihn Blacks vielschichtiges Drehbuch. "Ich schätze Shane Blacks Stil sehr. Er hat ein gewisses Flair, und diese Art Kino mag ich besonders gern: Der Film behandelt ein ernsthaftes Thema, ohne sich selbst allzu ernst zu nehmen. Das ist pure Unterhaltung, ein großer Spaß." Außerdem freute sich Kilmer auf seine erste Gelegenheit, mit dem legendären Produzenten Silver zu arbeiten. "Joel ist ein passionierter Filmemacher und kümmert sich wie kein anderer um jedes Detail", sagt Kilmer. "Viele erfolgreiche Produzenten haben einen besonderen Schwerpunkt bei der Filmarbeit, doch Joel beherrscht alle Aspekte. Mit seinem Geschmack und seinem Gespür ähnelt er den Gründern Hollywoods."

"Ich würde buchstäblich alles für ihn machen", sagt Downey in Bezug auf Silver. "Joel nimmt das Filmemachen wirklich verdammt ernst, und seine Leidenschaft wirkt ansteckend. Er kennt das Medium, das Geschäft in- und auswändig. Bei den Dreharbeiten reagiert er besonnen auf jedes auftretende Problem, und das kann man wirklich nur von den wenigsten Produzenten behaupten." Laut Silver wird es in "Kiss Kiss Bang Bang" besonders lustig, als Harry und der schwule Perry aneinander geraten: "Ohne zwei charismatische Schauspieler hätte das nicht funktioniert, denn die Chemie zwischen den beiden Figuren mußs hundertprozentig stimmen. Das Val und Robert hervorragende Schauspieler sind, ist hinlänglich bekannt. Wenn man sie dann aber zusammen erlebt, wie sie sich gegenseitig anzicken, eins auswischen und zanken, merkt man erst, welche Begabung wirklich in ihnen steckt."

"Ich sehe Harry und den schwulen Perry als zwei grantige Typen vor mir - wie Bären im Anzug", sinniert Black. "Sie zerren sich ständig am Kragen, gewöhnen sich einfach nicht an die Zivilisation, im Grunde sind sie Menschenfeinde. dass wir Robert und Val für diese Rollen verpflichten konnten, war ein echter Coup. Robert unterstützt Vals Stärken, indem er die Schwächen und Fehler seiner eigenen Figur auf unnachahmliche Weise betont. Es funkt echt zwischen den beiden, sie liefern makellose Leistungen. Ich finde, ich habe riesiges Glück gehabt."

"Robert spielt einen Typen, den man nicht gerade als Genie bezeichnen kann", stellt Kilmer fest. "Doch ich habe Robert im Lauf der Jahre immer wieder als Schauspielergenie erlebt, und sein Timing, seine Darstellung in diesem Film sind einfach überragend. Bei unseren gemeinsamen Szenen haben wir immer nur gelacht. Es war traumhaft." "Ich weiß gar nicht, welche optimale Energie uns eigentlich angetrieben hat", fügt Downey hinzu. "Aber eins weiß ich: Meine Freundschaft mit Val wird bis an mein Lebensende halten. Und dabei kannten wir uns vorher überhaupt nicht - ich hatte ihn bisher nur im Kino erlebt."

Irgendwo zwischen Harrys chaotischem Charme und der ausgebufften Arroganz des abgeklärten schwulen Perry steckt Harmony Faith Lane, das Landei aus Indiana. Schon als Kind träumte sie davon, nach Hollywood zu ziehen und Schauspielerin zu werden. Aber es hat nicht ganz so geklappt, wie sie sich das beim Lesen der Jonny-Gossamer-Thriller vorgestellt hat. Jetzt ist sie 34, zwar schön, klug und attraktiv, mußs sich aber dennoch klarmachen, dass sie hier keine Zukunft mehr hat.

"Im Wesentlichen zeigt unser Film Menschen, die nie aufgeben: ,Eines Tages werde ich es allen zeigen'", erklärt Black. "Harmony gehört dazu. Andere hätten an ihrer Stelle längst das Handtuch geworfen. ,Ich wollte Schauspielerin werden, es hat nicht geklappt; ich bringe es nie zu etwas.' Sie hat zwar einen gesunden Zynismus entwickelt, aber dennoch glaubt sie nach wie vor daran, dass eines Tages alles gut wird. Sie versucht sich mit dem Umstand zu arrangieren, dass man auch mit 40 noch träumen darf: ,Eines Tages werde ich es allen zeigen.'"

Die aufstrebende Schauspielerin Michelle Monaghan war bereits in "The Bourne Supremacy" (Die Bourne-Verschwörung) und "Mr. & Mrs. Smith" (Mr. & Mrs. Smith) zu sehen und trat im festen Ensemble der TV-Serie "Boston Public" (Boston Public) auf. Ihre erste Hauptrolle ergatterte sie, weil sie "uns beim Vorsprechen absolut überzeugt hat", sagt Black. Es spielte dabei keine Rolle, dass Monaghan relativ wenig Erfahrung hat und für ihre Rolle um einige Jahre zu jung ist. "Sie hat alles, was dazu gehört", weiß Downey. "Michelle ist eine echte Sensation", sagt Silver. "Sie verfügt über ein unglaubliches Timing und fühlt sich vollständig in die Rolle ein. Sie hat sich von den Superstars Robert und Val überhaupt nicht einschüchtern lassen."

"Das Tolle an Michelle: Sie hat keine Angst, sich selbst einzubringen", berichtet Black begeistert. "Sie ist intelligent, spontan, hat ein wunderbares Gespür für Humor. Zögern ist für Michelle ein Fremdwort. Sie engagiert sich mit Haut und Haar, kennt beim Spielen keine Angst. Es war traumhaft zu beobachten, wie diese erfrischende junge Schauspielerin am Set meines Films aufblühte. Ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück und dachte nur: "So viel Glück habe ich gar nicht verdient."

"Wenn Shane mich als unerschrocken erlebt, liegt das daran, dass er Harmony genau so geschrieben hat", sagt Monaghan, die aus Iowa stammt, also wie Harmony im Mittelwesten geboren wurde. "Jonny Gossamer ist ihr Vorbild, diese Bücher haben in ihr den Hollywood-Traum geweckt. Der Erfolg bleibt ihr versagt, aber in Harry findet sie einen neuen Helden."

"Michelle passt in keine Schublade", sagt Downey. "Irgendwie ist es doch deprimierend, die sehr realistische Story einer typischen jungen Schauspielerin zu sehen, die nach Hollywood kommt und sich im Lauf der Zeit verbittert und wehleidig völlig in sich selbst zurückzieht. Was ich gerade sage, bezieht sich übrigens nur auf das erste Jahr. Doch Michelle ist eine sehr angenehme Überraschung. Als wir die Szene drehten, in der Harmony im Regen auftritt und Harry um Hilfe bittet, war Michelle mit Recht nervös, denn diese Szene bedeutete für sie: Jetzt oder nie. Den Tag vergesse ich nie - am Ende der Szene war mir ganz klar: Sie ist ein Filmstar."

Auch Kilmer zeigt sich sehr beeindruckt von Monaghan, was er so zusammenfasst: "Einmal habe ich doch tatsächlich vergessen, dass ich einen Schwulen spiele, als ich zusah, wie sie durch die Szene läuft." "Ich bin echt begeistert, dass ich an diesem Projekt mitarbeiten darf, vor allem als Partnerin von Val und Robert", sagt Monaghan. "Ehrfürchtig habe ich ihnen jeden Tag zugeschaut, aber eingeschüchtert war ich nie, weil sie mir ständig geholfen und Mut gemacht haben. Sie ermunterten mich, etwas zu riskieren. Für mich ist ein Traum wahr geworden."

Monaghan und ihre Kollegen äußern sich einhellig begeistert über Black, denn mit Engagement und Leidenschaft inspirierte er seine Schauspieler und sein Team dazu, bei dieser romantischen Variante des Buddy-Movies und Film noir ihr Bestes zu geben. "Als Regisseur verblüfft er uns durch seine Mischung aus Humor und Demut, ohne dabei auf klar formulierte Aussagen zu verzichten", sagt Kilmer. "Ich könnte 30 Dinge aufzählen, warum Shane ein großartiger Typ ist - abgesehen von seinem erstaunlich effektiven, irre komischen und komplex strukturierten Drehbuch. Vor allem ist er sogar noch schlauer, als er uns zeigt", sagt Downey, der Eigenschaften aller drei der schillernden Filmhelden in seinem Regisseur/Autor wiedererkennt.

"Manchmal fragte ich ihn beim Drehen: Was würdest du selbst machen? Denn in mancher Hinsicht erlebe ich diese Story als seine Autobiografie. Shane hat ein kriminelles Hirn wie Harry, aber er versucht das zu überwinden und ehrlich zu leben. Wie Harmony gibt er seine Träume nie auf. Obwohl er in Hollywood, wo man uns ständig nach unserem letzten Film beurteilt, unter Schreibblockade gelitten hat, bewahrt er sich seinen gesunden Optimismus. Und wie der schwule Perry passt er in keine Klischee-Schublade. Er ist keiner der typisch angesagten Hollywood-Autoren. Ein cooler Typ, gleichzeitig verschroben - überhaupt nicht so, wie man erwarten würde."

"Mit Hollywood verbindet mich eine Hassliebe", gibt Black zu. "Das ist wie bei einem Zugunglück: Beim Vorbeifahren tritt man auf die Bremse, um zuzuschauen. Und schließlich schaut man 15 Jahre lang zu. Es ist faszinierend zu beobachten, wie die Atmosphäre in Hollywood von Angst und Verzweiflung geprägt ist. Man kann das leicht ins Lächerliche ziehen, was übrigens sehr wichtig ist, weil man der Angst sonst unterliegt. Man mußs sich seinen Humor bewahren."

Die simple Kunst des Mordens "Kiss Kiss Bang Bang"-Autor/Regisseur Shane Black war bei der Gestaltung der Atmosphäre eines heutigen Film-noir-Krimis besonders auf seinen Kameramann Michael Barrett ("CSI"/CSI - Den Tätern auf der Spur) und Produktions-Designer Aaron Osborne ("Without a Trace"/Without a Trace - Spurlos verschwunden) angewiesen. "Unsere Optik soll dem Prototyp L.A. gerecht werden, aber gleichzeitig wollen wir auch die Unmittelbarkeit der Detektivromane und des Noir-Genre, das ich so schätze, einfließen lassen", sagt Black, der Barrett und Osborne zahlreiche Noir-Klassiker aus den 60er-Jahren vorführte, zum Beispiel den Paul-Newman-Krimi "Harper" (Ein Fall für Harper) und den in Los Angeles angesiedelten Thriller "Point Blank" (Point Blank) mit Lee Marvin.

"Shane hat ein unglaubliches Gespür fürs Optische und kann das in seinen Büchern auch formulieren. Was den Look, den Stil seines Films angeht, weiß er ganz genau, was er will", bestätigt Osborne. "Eine romantische Version von Los Angeles interessiert ihn nicht. Er möchte, dass die Schauplätze so real wirken wie die Figuren und die Story." Wie Black schätzt auch Osborne gerade die Bildwelt der Groschenromane, und für den Look von "Kiss Kiss Bang Bang" ließ er sich von den Bildern des berühmten Illustrators Robert McGuinness inspirieren, dessen Titelbilder für die Detektivromane der 1960er-Jahre berühmt geworden sind. Black und Osborne baten McGuinness, all die Titelblätter der Jonny- Gossamer-Romane zu zeichnen, die im Film zu sehen sind.

Black dachte sich die Buchtitel dazu aus, unter anderem "Straighten Up and Die Right" (Nur aufrecht stirbt man richtig), "Small Town Boy Makes Dead" (Von der Kleinstadt ins große Grab) und "Die Job" (Ein Job zum Verrecken), und er verfasste auch die Inhaltsangabe für den jeweiligen Einband. "McGuinness gab mit seinem Stil den Maßstab für den Look des Films vor", sagt Osborne, der McGuinness' Bildwelt in die Sets übersetzte: zum Beispiel in Harry Lockharts Hotelzimmer, in dem gewaltige gerahmte Reproduktionen von McGuinness-Bildern hängen, um das Film-noir-Thema des Films zu unterstreichen.

McGuinness inspirierte aber auch die Art, in der Black und Barrett den Film aufnahmen. Dazu Black: "Wir orientierten uns beim Aufbau der Kamerabilder an den Noir-Filmen und an den Titelbildern der alten Groschenromane: Da schaut man oft durch das Dreieck, das sich aus einem angewinkelten Ellbogen ergibt, wenn jemand eine Zigarette raucht. Oder man sieht an einer Laterne vorbei und entdeckt, dass jemand in einer dunklen Ecke lauert." Wichtig für Blacks Ziel, eine aktuelle Noir-Atmosphäre zu kreieren, war auch seine Absprache mit Barrett, "schwarzweiß in Farbe zu drehen".

"Dabei geht es um eine Landschaft, die einer Film-noir-Stimmung entspricht, obwohl man vordergründig knallige Farben einsetzt", erklärt Black. "Wir haben in jeder Einstellung Farben verwendet, sie dann aber in der Endfertigung blasser kopiert. Dadurch entsteht ein sehr farbintensiver Film, der aber nicht so bunt wirkt, wie wir es von einer Komödie gewohnt sind. Das sieht eher aufgeraut aus. Es entsteht das Flair ungehobelter Männlichkeit."

Black schwärmt von Barretts kongenialer Mitarbeit: "Michael leistet ganz Erstaunliches. Ich habe ihm gezeigt, was mich beeinflusst hat, wir schauten uns die Filme an, die ich mag, und er hat das sofort begriffen. Er wusste genau, was ich im Kopf hatte, und gestaltete die Einstellungen sogar noch opulenter und besser, als ich sie mir je hätte vorstellen können." "Das mußs man Michael lassen: Es gelingt ihm, den von Shane gewünschten Look zu kreieren, ohne dass wir unsere Spontaneität opfern müssen", fügt Robert Downey Jr. hinzu.

"Im Film noir geht es vor allem um die Manipulation von Licht und Schatten, die eine bestimmte Atmosphäre, Stimmung und Struktur hervorrufen", sagt Produzent Joel Silver. "Mit diesem Film beginnen Shane und Michael ein neues Kapitel in der Geschichte des Detektiv-Genres. Und damit beweisen sie, dass auch ein Farbfilm das klassische Noir-Ambiente kreieren und dabei sehr eigenständig und originell sein kann."

Zu dieser originellen Atmosphäre trägt nicht zuletzt auch der jazzige Soundtrack des Komponisten John Ottman bei. Er ist der einzige Filmkünstler, der nicht nur Scores schreibt, sondern auch als Cutter erfolgreich ist. Er schrieb die Musik zu "The Usual Suspects" (Die üblichen Verdächtigen), "X-Men 2: X-Men United" (X-Men 2) sowie zu den Silver-Produktionen "Gothika" und "House of Wax" (House of Wax). "Johns Musik zu ,Kiss Kiss Bang Bang' illustriert perfekt jene ausgeklügelte Genre-Mischung, die den Film so besonders machen - Comedy, Lovestory, Suspense, im Stil und mit dem Drive eines modernen Film noir", sagt Silver.

"Kiss Kiss Bang Bang" entstand an Schauplätzen in und um Los Angeles, von Silverlake über den MacArthur Park bis nach Long Beach, von den heruntergekommenen Gassen bis zu dem eleganten Standard Hotel und dem angesagten Nachtlokal The Falcon Room am Sunset Boulevard. Eine wichtige Szene, die gespenstische Weihnachtsparty mit Burlesk-Tänzern aus dem edlen Hollywood-Club 40 Deuce, die mit bemalten Körpern und Weihnachtskostümen auftreten, wurde in Blacks großem viktorianischen Haus in Hancock Park gedreht.

Die meisten Szenen entstanden an Originalschauplätzen - Ausnahmen waren Sets, die im berühmten Ambassador Hotel gebaut wurden, zum Beispiel die Innenräume der Dexter-Klinik und das schäbige Hotelzimmer, in dem Harmonys Schwester viel zu früh das Zeitliche segnet. Osborne will das heutige Los Angeles mit "der Patina eines verblichenen Jahrmarkts" überziehen. "Wir zeigen im Film durchaus das heutige Los Angeles", sagt er. "Durch die authentischen Bilder entsteht der unmittelbare Eindruck, den Shane sich wünscht - er bildet einen neuen Orientierungspunkt für das Noir-Genre."

Osborne sollte aber nicht nur Los Angeles mit all seinen prächtigen, wenn auch falschen Fassaden ins Bild bringen, sondern er mußste bei seinem Konzept auch in jedem Fall bedenken, dass der Film zur Weihnachtszeit spielt. "Am meisten fühlte ich mich von dem Anspruch herausgefordert, die Weihnachtszeit in Los Angeles ins Lächerliche zu ziehen und auch den 50er-Jahre-Stil und den modernistischen Trend mit einzubauen, der gerade so angesagt ist", erklärt Osborne.

"Ich kann mir keine Stadt vorstellen, in der die Weihnachtsatmosphäre deplatzierter wirkt als in Los Angeles - das wollten wir bis ins Lächerliche übertreiben. Ein Beispiel: Statt für die Weihnachtsparty ein knisterndes Kaminfeuer zu entfachen, zeigen wir ein riesiges Holzscheit auf einem 60-Zoll-Fernsehbildschirm. Aufgehängte, glänzende Glasperlen sollen Schnee darstellen, und außerdem haben wir Op-Art-Weihnachtsbäume kreiert."

Die Dreharbeiten dauerten 37 Nächte, die dem Team manche schwierige Bewährungsprobe abverlangten, zum Beispiel ein in den Lake Castaic stürzendes Auto, eine Massenkarambolage und eine Schießerei im MacArthur Park und nicht zuletzt einen Robert Downey Jr., der an einer Sicherheitsleine über dem Long Beach Freeway baumelt.

Szenenfoto
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