Wie im Himmel

Ausführlicher Inhalt

Daniel Dareus (Michael Nyquist) ist Musiker mit Leib und Seele. Schon als Junge träumte er davon, mit seiner Musik die Menschen zu berühren, wenn er mitten in einem wogenden Kornfeld übte, um beim Geigenspiel ungestört zu sein. Damals wurde er wegen seines Andersseins von Mitschülern verhauen, doch heute ist sein Ruf unangefochten. Er ist längst zu einem Star der internationalen Musikszene geworden und als Dirigent berühmter Orchester auf Jahre hinaus ausgebucht. Doch noch immer ist seine große Sehnsucht, die Herzen der Menschen zu erreichen, nicht gestillt, und als er auf offener Bühne kollabiert, erkennt er, dass er sein Leben ändern mußs.

Er kehrt zurück in das kleine schwedische Dorf, in dem er einen Teil seiner Kindheit verbracht hat, bevor er mit 14 Jahren seinen Künstlernamen annahm. In der Weite der winterlichen nordschwedischen Landschaft sucht er nichts weiter als Ruhe und Abgeschiedenheit. Als er zum ersten Mal in den unberührten Schnee vor seinem neuen Zuhause tritt und in die Stille horchen kann, jubelt er förmlich vor Glück. Deshalb ist er hierher gekommen: um zu "hören", um der Stimme der unberührten Natur zu lauschen. Doch die Brutalität, mit der Conny, der Bauer des Ortes, gleich darauf in unmittelbarer Nähe seines Hauses ein weißes Kaninchen tötet, das Daniel eben noch verzückt durch sein Küchenfenster beobachtet hat, bringt ihn schon allzu bald auf den Boden der (Dorf-)Realität zurück.

Die Neugier der Dorfbewohner und ihre großen Erwartungen an den berühmten Gast zwingen Daniel schon bald dazu, am Leben der Gemeinde teilzunehmen. Und als er mit dem vernachlässigten, aber begeisterungsfähigen kleinen Kirchenchor in Berührung kommt, erwacht plötzlich wieder seine Leidenschaft für die Musik. Er bewirbt sich um das Amt des Kantors und stürzt sich voller Eifer in seine neue Aufgabe. Dabei schreckt er vor unkonventionellen Methoden nicht zurück, um die musikalisch ungebildeten und gehemmten Chormitglieder aus der Reserve zu locken und ihnen ein Gefühl für ihre natürliche Begabung zu vermitteln. Sie absolvieren ein Körper- und Entspannungstraining, bei dem sie sich - was sie sonst immer sorgsam vermieden haben - gegenseitig berühren. Und sie üben gemeinsam so lange, bis jeder Einzelne von ihnen seinen eigenen, individuellen Ton gefunden hat.

Daniels leidenschaftliches Engagement zeigt schon bald Wirkung. Die Chormitglieder schwelgen förmlich in Begeisterung für ihre Proben und den neuen Kantor. Sie haben zum ersten Mal das erhebende Gefühl, an etwas Großem teilhaben zu dürfen. Doch ihre Schwärmerei ruft schon bald Neider und eifersüchtige Ehemänner auf den Plan. Insbesondere Pastor Stig Berggren (Niklas Falk) beobachtet Daniels Arbeit mit wachsendem Unmut, da er sich von ihm ins Abseits gedrängt fühlt. Als seine Frau Inger (Ingela Olsson) - durch den Enthusiasmus der Chorproben beflügelt - auch noch beginnt, seine eigenen Methoden zu kritisieren, sucht Stig dringend nach einem Weg, den Kantor wieder aus dem Amt zu drängen. Unterstützung erfährt er dabei einzig von Siv (Ylva Lööf), der ehemaligen Chorleiterin.

Eigentlich ist auch Siv ein begeistertes Chormitglied, doch sie hegt unausgesprochene Gefühle für Daniel, die unvermittelt in Hass umschlagen, als sie erkennt, dass Daniel sich eher zu der hübschen jungen Lena (Frida Hallgren) hingezogen fühlt. Lena arbeitet als Kassiererin im Supermarkt des Dorfes. Sie besitzt ein offenes, herzliches Wesen, und schon bei der ersten Begegnung mit ihr ist Daniel verzaubert.

Er ahnt früh, dass sie hinter ihrem fröhlichen Wesen eine große Traurigkeit verbirgt, und auch sie scheint sich von seiner melancholischen Art angezogen zu fühlen. Das hindert sie keineswegs daran, äußerst ausgelassene Stunden miteinander zu verbringen, in denen Lena Daniel das Radfahren beibringt. Aber sie tasten sich sehr behutsam aneinander heran und lassen sich viel Zeit, um Vertrauen zueinander fassen zu können. Die eifersüchtigen Blicke der anderen tun ein Übriges, um sie daran zu hindern, ihre aufkeimenden Gefühle zu leben.

Gefahr droht Daniel jedoch nicht nur von Siv, sondern auch von Conny (Per Morberg), dem notorisch eifersüchtigen Ehemann von Chormitglied Gabriella (Helen Sjöholm). Conny ist dafür bekannt, dass er mit niemandem zimperlich umgeht, der ihm in den Weg kommt, und auch seine Frau schlägt er mit unschöner Regelmäßigkeit. Nachdem auch Daniel zum ersten Mal Prügel von Conny einstecken mußste, weil er versucht, Gabriella zu schützen, erkennt er in ihm seinen ärgsten Kindheitsfeind wieder, der ihn schon früher grundlos blutig geschlagen hat, wenn er im Weizenfeld Geige spielte.

Aber auch innerhalb des Chors brechen Konflikte und alte Feindschaften auf. Siv gelingt es immer schlechter, ihre Eifersucht auf Lena im Zaum zu halten, und fordert sogar ihren Ausschluss aus dem Chor. Auch der geschwätzige und vorlaute Einzelhändler Arne (Lennart Jähkel) sorgt durch sein rücksichtsloses Auftreten für so manchen erbitterten Streit. Sein geistig behinderter Cousin Tore (André Sjöberg), der dem Chor seine wunderschöne Bass-Stimme leiht, bleibt von Arnes Attacken ebenso wenig verschont, wie der dicke Holmfrid (Mikael Rahm), der bereits seit der Schulzeit unter Arnes Hänseleien zu leiden hat.

Doch allen Widrigkeiten zum Trotz macht der Chor große Fortschritte. Das erste Konzert in der vollbesetzten Kirche, bei dem Gabriella mit einem Solo brilliert, ist ein Riesenerfolg. Und schon stellen sich neue Herausforderungen: Der Chor wird zu einem internationalen Wettbewerb in Österreich eingeladen. Daniel möchte zwar ungern daran teilnehmen, weil dieser Wettbewerb ihn an seine von Leistungsdruck geprägte Vergangenheit erinnert, aber als er die Enttäuschung der anderen spürt, lenkt er ein.

Daniels Verhältnis zu Lena ist durch die regelmäßigen Freizeitaktivitäten immer enger und zärtlicher geworden. Bei einem Ausflug zu einem See vertraut Lena ihm ihr "trauriges Geheimnis" an: Vor Jahren war sie mit einem Mann zusammen, der als Arzt im Dorf lebte. Sie war sehr glücklich mit ihm, aber nach zwei Jahren erfuhr sie, dass er in der Stadt Frau und Kinder hatte, die er vor ihr verheimlichte. Nie wieder möchte sie den Fehler machen, einem anderen zu vorschnell zu vertrauen, und indem sie Daniel diese Geschichte erzählt, schenkt sie ihm einen überwältigenden Vertrauensbeweis. Aber Daniel scheint damit zunächst überfordert zu sein und sucht ängstlich das Weite.

Er scheut vor einer engen Bindung noch zurück, ohne sich ihr erklären zu können. Doch bereits die zarte, eher angedeutete Nähe zwischen den beiden reicht Pastor Stig aus, um im Gemeinderat Daniels fristlose Kündigung wegen angeblichen Amtsmissbrauchs durchzusetzen. Weder Daniel noch die Chormitglieder wissen, wie ihnen geschieht, als Stig das Ende des "Zirkus" verkündet. Doch die Rechnung des Pfarrers geht nicht auf. Im Gegenteil: durch sein Verhalten bringt er nicht nur den gesamten Chor, sondern auch seine Frau Inger gegen sich auf.

Die Chormitglieder verlassen kurzerhand die Kirche und ziehen gemeinsam zu der geräumigen alten Schule, die Daniel als Wohnsitz dient. Fortan wollen sie ihre Proben bei ihm zu Hause fortsetzen; einen anderen Kantor als ihn wollen sie auf gar keinen Fall akzeptieren. Daniel ist überwältigt von dieser beispiellosen Solidarität. Als auch noch Inger und Gabriella bei ihm Zuflucht suchen, weil sie ihre Männer verlassen haben, überschlagen sich die Ereignisse. Doch die Reise nach Tirol findet statt wie geplant.

Und als Daniel in Innsbruck mit seiner Vergangenheit konfrontiert ist, wird ihm schlagartig bewusst, wie sehr die Arbeit mit dem Chor ihn verändert hat. Es ist ihm gelungen, sich seinen alten Traum zu erfüllen und mit Musik die Herzen der Menschen zu öffnen, und endlich erkennt er auch, dass er in Lena seine große Liebe und sein Glück gefunden hat.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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