Wie im Himmel

Produktionsnotizen

WIE IM HIMMEL steht sowohl für eine überaus erfolgreiche Comeback-Story als auch für einen der größten Erfolge der schwedischen Filmgeschichte. Denn der Film entwickelte sich in Schweden schon bald nach seinem Start zu einem der größten Kinohits der jüngeren Vergangenheit. Mit den begeisterten Kritiken in seiner Heimat aber auch in der internationalen Presse ist WIE IM HIMMEL für den 66-jährigen Autor und Regisseur Kay Pollak ein regelrechter Triumph - vor allem da dies sein erster Film seit beinahe 20 Jahren ist.

Pollaks letzter Film, "Love me!" (1986) lief im Wettbewerbsprogramm der Internationalen Filmfestspiele in Berlin. Am 28. Februar 1986, als der Film in Schweden anlief, wurde der Premierminister des Landes, Olof Palme, nach dem Kinobesuch auf schockierende Weise ermordet. Diese Tat traumatisierte Schweden und bewog Pollak zu der Entscheidung, sich vom Filmemachen abzuwenden. Fast 18 Jahre lang lebte er davon, dass er als Seminarleiter durch sein Heimatland reiste, Vorträge hielt und Kurse zum Thema Persönlichkeitsentwicklung abhielt.

Aber Pollak hat viele Interessen, und seine Sehnsucht danach, die Themen, die ihn interessieren, filmisch umzusetzen, hat ihn nie ganz verlassen. Es war seine Frau, die ihm die Idee zu WIE IM HIMMEL vermittelte: "Sie sang in einem Chor", sagt Pollak, "und ich bin immer dorthin gefahren, um sie wieder abzuholen. Dabei lauschte ich dem Gesang und beobachtete den Chor, und nach und nach wurde mir bewusst, dass so ein Chor eigentlich als Metapher für Menschlichkeit stehen kann. Damals wusste ich nicht, dass die Chorbewegung die größte kulturelle Bewegung in Schweden darstellt ..."

Als sein Interesse einmal erwacht war, begann Pollak damit, diese kulturelle Bewegung genauer unter die Lupe zu nehmen. Und im Verlaufe seiner ausführlichen Gespräche mit Chorleitern und -mitgliedern entwickelte sich nach und nach ein Skript. Nach Fertigstellung des Drehbuchs legte Pollak sein Werk den Produzenten Anders Birkeland und Göran Lindström vor, die es wiederum an Peter Possne bei Sonet Film weiterschickten. Possne erinnert sich: "Ich bekam das Skript an einem Freitagnachmittag, und am Samstagvormittag rief ich ihn an und sagte ihm, dass ich interessiert sei. Nie zuvor habe ich eine solche Entscheidung so kurzfristig getroffen - aber das Buch war einfach zu gut."

In Pollaks Augen konnte diese Geschichte nur im hohen Norden Schwedens angesiedelt sein. "Ich wollte die Möglichkeit haben, mit dem Kontrast zwischen dem speziellen Licht im Sommer und dem harten Winter mit seinen Schneestürmen zu spielen." Die Art-Direktorin des Films, Mona Theresia Forsén bereiste den Norden, um nach geeigneten Drehorten zu suchen. Sie entdeckte zahlreiche perfekte Settings, so dass nur zwei Innenräume für den Film extra gebaut werden mußsten. Dabei handelte es sich um das alte Schulgebäude und um die Kirche, in welcher der Chor seine Proben abhält. Der Rest war bereits vorhanden.

Schon vor Beginn des Castings hatte Pollak sich Michael Nyqvist und Frida Hallgren als seine beiden Protagonisten ausgesucht. Hallgren ist eine Newcomerin, die erst eine Handvoll Filme gedreht hat. Nyqvist verfügt bereits über viel Erfahrung und zählt heute zu den beliebtesten Darstellern in seiner Heimat. Pollak sagt: "Wir kennen uns seit beinahe 20 Jahren, und während ich an WIE IM HIMMEL arbeitete, wurde mir irgendwann klar, dass er Daniel sein mußste." Dem Casting selbst maß Pollak nach eigenen Angaben bei diesem Film eine große Bedeutung zu: "Bei meinen früheren Filmen habe ich mir für das Casting nie lange Zeit genommen", sagt er.

"Diesmal aber habe ich an Milos Forman gedacht, der einmal sagte, ein gutes Casting mache bereits die Hälfte des Films aus. Also habe ich mir hier große Mühe gegeben und für fast alle Figuren Screentests durchgeführt. Für einige Rollen haben wir zehn, fünfzehn Schauspieler getestet, bevor wir die perfekte Besetzung gefunden hatten." Die Dreharbeiten waren langwierig und Gerüchten zufolge auch gelegentlich turbulent. Im Frühjahr und Sommer 2004 wurde das Material dann von Cutter Tomas Täng geschnitten, von dem Pollak in den höchsten Tönen schwärmt: "Ich bin sehr dankbar dafür, dass Gott mir diesen Mann geschickt hat. Er ist ein Genie."

Im September 2004 startete der Film in Schweden. Unterstützt von positiven Kritiken entwickelte er sich sogleich zu einem großartigen Erfolg an den Kinokassen. Zwei Monate lang führte WIE IM HIMMEL die schwedischen Kinocharts an und erreichte bis heute über zwei Millionen Zuschauer (bei einer Einwohnerzahl in ganz Schweden von 8,8 Millionen). Die Popularität des bereits bekannten Michael Nyqvist hat sich durch diesen Film noch einmal erhöht, und Frida Hallgren ist durch ihn in Schweden zum Star aufgestiegen. Ihr Erfolg wurde dadurch gekrönt, dass sie sich im Februar 2005 als einer der europäischen Shooting-Stars, die jeweils von ihrem Heimatland entsandt werden, beim Talent Campus der Berlinale präsentieren konnte.

dass sein Film sich solcher Beliebtheit erfreut, deutet Regisseur und Drehbuchautor Kay Pollak so: "Ich glaube, die Tatsache, dass der Film eine universelle Geschichte von etwas erzählt, wovon wir alle träumen - von der Sehnsucht danach, dem anderen ganz und gar offen und ohne Angst zu begegnen - ist eine Erklärung für den Erfolg." Kay Pollak hat die Absicht, nun weiter Filme zu drehen. Wir können nur hoffen, dass er sich beim nächsten Mal nicht wieder so viele Jahre Zeit nimmt, bis er ein neues Projekt in Angriff nimmt.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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