Ein Mann für eine Saison

Produktionsnotizen

"Fever Pitch - Ein Mann für eine Saison" basiert auf Nick Hornbys autobiografischem Buch Fever Pitch, dass von der Leidenschaft des Autors für den britischen Fußball erzählt. Die Drehbuchautoren Lowell Ganz und Babaloo Mandel griffen Hornbys Vorlage über einen besessenen Sportfan auf und entwickelten daraus eine zeitgemäße romantische Komödie in klassischer Tradition.

Das berühmte Autoren-Duo, zu deren Credits "Parenthood" ("Eine Wahnsinnsfamilie", 1989), "Splash" ("Splash - Eine Jungfrau am Haken", 1984), "A League Of Their Own" ("Eine Klasse für sich", 1992), "City Slickers ("City Slickers - Die Großstadt-Helden", 1991) und der animierte Fox-Film "Robots" ("Robots", 2005) gehören, bezeichnen ihre Arbeit am "Fever Pitch - Ein Mann für eine Saison" als eine ganz besondere Aufgabe. "Wir waren sehr glücklich darüber, eine romantische Komödie im klassischen Stil schreiben zu dürfen," sagt Ganz.

"Es war ein Lieblingsprojekt für uns, in diesem Genre zu arbeiten und ein Buch zu schreiben, über das jeder sagen würde 'Ja, genau so soll es sein. So erinnere ich die romantischen Komödien von früher.' 'Fever Pitch - Ein Mann für eine Saison' zu schreiben, bedeutete uns sehr viel." "Wir entdeckten, dass romantische Komödien heutzutage keine wirklichen romantischen Komödien mehr sind," ergänzt Mandel. "Wir wollten eine romantische Komödie schreiben, in der zwei sehr gegensätzliche Leute eine Liebesbeziehung haben."

Das Drehbuch von Ganz & Mandel weckte das Interesse der Produzentinnen und Flower-Film-Partnerinnen Drew Barrymore und Nancy Juvonen. "Ich mochte das Script sehr," erinnert sich Nancy Juvonen. "Dann las es Gwenn Stroman, unser Head of Development, und sie war vollkommen begeistert. Also gaben wir es Drew. Und die liest Drehbücher am liebsten im Flugzeug. Äußerst selten - nur wenn sie einen Stoff wirklich liebt - ruft sie mich direkt aus dem Flieger an. Das erste, was sie sagte, war: ?Wir müssen diesen Film machen!'."

"Am besten gefiel mir an 'Fever Pitch - Ein Mann für eine Saison', dass es eine Liebesgeschichte ist," meint Barrymore. "Man könnte die ganze Baseball-Komponente weglassen und die Frage, die der Film stellt, bliebe die gleiche: Wie weit mußs man sich verändern, um eine erfolgreiche Beziehung führen zu können? Wie weit akzeptiert und nimmt man eine Person so wie sie ist? Ich denke, das sind Themen, mit denen sich jedes Paar identifizieren kann."

Die Regisseure Peter und Bobby Farrelly griffen ebenfalls gleich nach der Lektüre des Buchs zum Telefon. "Mein Bruder hatte es zuerst gelesen und rief mich an," erinnert sich Peter Farrelly. "Also las ich es auch und als ich auf Seite 50 war, fing ich selber an zu telefonieren und sagte: 'Da will ich dabei sein'. So gut war das Buch. Ich hatte das Gefühl, wir hätten am nächsten Tag anfangen können zu drehen."

Es lag nicht gerade auf der Hand, das ausgerechnet die Farrellys eine romantische Komödie inszenieren würden. Mit diesem Genre entfernten sie sich quasi von ihrem gewohnten Stil, der in Komödien wie "There's Something About Mary" ("Verrückt nach Mary", 1998), "Me, Myself & Irene" ("Ich, beide und sie", 2000), "Shallow Hal" ("Schwer verliebt", 2001) oder "Stuck on you" ("Unzertrennlich", 2003) so lebhaft zum tragen kommt. "Offensichtlich sind wir bekannt für Filme, die anders sind als 'Fever Pitch - Ein Mann für eine Saison'," gibt Peter Farrelly zu.

"Dies ist eine gute, altmodische Love-Story. Die braucht keine schrägen Gags oder abgefahrenen Humor. Diese Komödie wird durch die Figuren vorangetrieben und spielt in der realen Welt. Also mußsten wir einiges an Lobbyarbeit leisten, um in die nähere Auswahl zu kommen. Und - glücklicherweise - Flower Films nahm uns an Bord." Das Buch war fertig, die Regisseure und die weibliche Hauptdarstellerin ausgewählt. Was noch fehlte, war der männliche Star. Barrymore wollte Jimmy Fallon für die Rolle des Ben. "Ich hatte ein paar Mal mit Jimmy bei 'Saturday Night Live' zusammengearbeitet und sein Talent als Comedian immer bewundert," sagt sie. "Ich dachte, "Fever Pitch - Ein Mann für eine Saison" wäre für ihn eine gute Gelegenheit, mal eine andere Seite zu zeigen."

Um sich auf die Rolle vorzubereiten, fuhr Fallon nach Boston in den geschichtsträchtigen Fenway Park (das Stadion der Red Sox), wo er Fans traf, die ähnlich besessen waren, wie seine Rollenfigur Ben Wrightman. "Ich begegnete diesen außergewöhnlichen Fans vor und nach den Spielen der Red Sox," sagt Fellon. "Ihr Enthusiasmus und diese ganzen Fenway Park-Erlebnisse haben mich infiziert. Es ist wirklich ein außergewöhnlicher Ort. Und es ist ein Park, nicht einfach ein Stadion. Es ist überschaubar, fast intim. Ich habe Spieler sagen hören, dass sie tatsächlich die Hitze der Menge spüren können, wenn sie auf dem Spielfeld sind. Es ist wirklich unglaublich."

"Jimmy brachte einen unbekümmerten Spaßfaktor an den Set," sagt Peter Farrelly. "Und Drew nicht minder. Sie sind beide äußerst liebenswürdig - als Darsteller, wie als Menschen." Bobby Farrelly ergänzt, dass Fallon eine jugendliche Ausstrahlung hatte, die seiner Rolle sehr nahe kam. "Ben ist ein Mann, aber im Herzen ist er immer noch ein Kind," sagt Farrelly. "Es ist der kleine Junge in ihm, der den Baseball liebt und all die Dinge, von denen er nicht lassen kann." Um Bens Baseball-Besessenheit zu visualisieren, stattete Produktions-Designer Maher Ahmad die Figur mit einer Menge Baseball-Fanartikeln aus, darunter Red Sox Bettwäsche und Handtücher.

Er reproduzierte Ansichten des Fenway Park auf Bens Wohnzimmerwand und staffierte ihn mit vielen Details aus, die Sox-Fans lieben. "Wir wollten es nicht übertreiben und das Apartment nicht zu abgefahren oder gar billig aussehen lassen," erklärt Ahmad. "Ben ist eine intelligente Person. Er ist Lehrer, er hat eine gute Allgemeinbildung, also wollte ich dem Apartment etwas Besonderes geben, dass ästhetisch deutlich oberhalb des Souvenir-Niveaus angesiedelt war."

Bobby Farrelly beschreibt diese Gratwanderung so: "Stell dir einen Hardcore-Sox-Fan vor, der diesen Film sieht und denkt: Tja, das entspricht nicht wirklich meiner Erinnerung...' Wir mußsten also, auch wenn es eigentlich eine Liebesgeschichte ist, darauf achten, dass die Baseball-Details stimmen. Und wir mußsten ehrlich zu den Leuten in Boston sein. Mein Bruder und ich als Regisseure dieses Films wissen, wovon wir reden. Wir sind von hier. (Die Farrellys sind gebürtige Neu-Engländer.) Wir haben mit dieser Mannschaft gelebt, seitdem wir denken können. Wir kennen alle Krisen und alle Spieler."

Tatsächlich erfüllten sich die Farrellys den lebenslangen Traum, im Fenway Park zu drehen. (Toronto war eine weitere Haupt-Location.) Die "Fever Pitch - Ein Mann für eine Saison"-Crew hatte 10 Tage, um in Fenway zu drehen - die Hälfte der Drehzeit waren Spieltage. "Wir wollten den guten Willen der Red Sox-Organisation und der Fans nicht überstrapazieren," sagt Peter Farrelly. "Besonders an Spieltagen. Die Fans wollen ein Spiel sehen. Die finden es überhaupt nicht komisch, wenn der Blick aufs Spielfeld von ein paar Filmleuten versperrt wird, die da einen Film drehen wollen."

Die wahrscheinlich größte Herausforderung für die Filmemacher kam am Ende eines Spiels, als die Farrellys auf das Spielfeld treten und 37.000 Fans bitten mußsten, in ihren Sitzen zu bleiben, während die Produktion eine Szene mit Drew Barrymore drehte, die über das Grün rannte. Glücklicherweise gewann Bobby Farrelly die Fans im Nu mit einem gutplatzierten Seitenhieb auf die gegnerischen New York Yankees. "Ich weiß nicht, ob jemals irgendwas an das Erlebnis herankommen wird, in Fenway zu drehen", sagt Bobby Farrelly. "Dort zu sein und alles auf Film festzuhalten war unvergleichlich."

Gerade als es so aussah, dass der Zauber seinen Höhepunkt erreicht hätte, geschah das Unvorstellbare - etwas, das Barrymore "das Wunder, das absolute Phänomen" nennt: Die Red Sox begannen zu gewinnen und legten eins der unglaublichsten Comebacks der Baseball-Geschichte hin. 2004 gewannen die Red Sox die World Series und beendeten damit eine Pechsträhne, die unter dem Begriff "Curse of the Bambino" bekannt wurde: Nachdem die Red Sox die fünfte World Series im Jahr 1918 gewonnen hatten, verloren sie 86 lange Jahre hintereinander. Nach Meinung vieler Fans war das die Strafe, weil sie Babe Ruth ("The Bambino") an die Yankees verkauft hatten. Während der Dreharbeiten beobachteten die Farrellys ständig zwei Monitore - einen, der die Szene zeigte, die sie gerade drehten und einen anderen, auf dem die Spiele übertragen wurden. Das ansteckende Red Sox-Fieber am Set wuchs sich zur Epidemie aus.

"Ich wurde total abergläubisch," sagt Barrymore. "Ich wollte mit niemandem darüber sprechen. Ich hatte einfach Angst, ihnen Unglück zu bringen." Und plötzlich mußste das Original-Script, das alle so liebten und das niemand verändert wissen wollte, umgeschrieben werden. Die Red Sox, die beständigen Verlierer spielten die World Series. "Es gab eine Menge Arbeit für Lowell Ganz & Babaloo Mandell," sagt Peter Farrelly. "Sie mußsten ständig Updates schreiben. Glücklicherweise waren nur die letzten 10 Prozent des Films betroffen."

"Unser Script sah vor, dass die Red Sox aus dem Meisterschafts-Rennen herausfallen würden," erinnert sich Lowell Ganz. "Bei ihrer phänomenalen Glückssträhne mußste das natürlich verändert werden. Wir bauten ein neues Zeitgerüst ein, das die Story jetzt während der Meisterschaft spielen lässt. Aber es ist der gleiche Film geblieben." Als die Red Sox zur World Series nach St. Louis fuhren, zögerten die Farrellys, sich ihnen anzuschließen, weil sie fürchteten, dem Team Unglück zu bringen. Bobby Farrelly gibt zu: "Als sie drei Spiele hintereinander gewonnen hatten und das vierte Spiel bevor stand, sagte mein Bruder: ?Warum sind wir nicht dort? Wenn sie das gewinnen, müssen wir bei ihnen sein.' Und irgendwie kriegten wir es dann noch hin. Wir flogen nach St. Louis - ohne Team und ohne große Technik."

"Ich bekam die Nachricht: 'Pack deine Sachen. In drei Stunden geht's los'," erinnert sich Jimmy Fallon. "Es gab keine Maske und keine Garderobe, wir trugen unser Kostüm schon im Flugzeug." "Natürlich gewannen die Sox das Spiel," sagt Bobby Farrelly. "Major League- Baseball ließ uns auf das Spielfeld und wir bekamen einmaliges Material zusammen." "Von Anfang an sagten wir, was auch immer mit den Red Sox passierte, es würde die Geschichte nicht beeinflussen," meint Peter Farrelly. "'Fever Pitch - Ein Mann für eine Saison' hat es keine Bedeutung, ob die Red Sox gewinnen oder verlieren. Aber so wie wir ihren Sieg eingefangen haben, bereichert es den Film ungemein."

Insbesondere der Dreh dieser Schlussszene, letztlich aber die gesamte "Fever Pitch - Ein Mann für eine Saison"-Erfahrung, hinterließ bei Drew Barrymore bleibenden Eindruck. "Man mußs sich das mal vorstellen: Wir drehten das Ende unseres Films bei der Meisterschaft, mit einer Mannschaft, die den Titel seit 86 Jahren nicht mehr geholt hatte, dafür aber mit diesem legendären Fluch belegt war. Und wir waren da und filmten den Höhepunkt unserer Liebesgeschichte während sie die Meisterschaft holten."

"Als ich den Film begann, war ich wirklich eine komplette Anfängerin was das Thema Baseball angeht," fährt Barrymore fort. "Das war einerseits gewollt, weil die Figur, die ich spiele, auch nichts davon versteht. Aber je mehr ich über Baseball begriffen habe - und besonders über die Geschichte der Red Sox, die sehr romantisch ist, ans Herz geht und voller Aberglauben steckt - desto mehr gefällt mir die Parallelität der Reise der Red Sox zu der Liebesgeschichte, die wir erzählen. "Fever Pitch - Ein Mann für eine Saison" stellt die Frage, ob man etwas erreichen kann, auch wenn man nicht hundertprozentig daran glaubt. Und ich denke, die Antwort lautet: Ja."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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