Es ist ein Elch entsprungen

Produktionsnotizen

Ein deutscher Weihnachtsfilm - Ein Mammutprojekt für ein ganz großes (Familien-)Publikum "Die Vorstellung, einen richtigen Weihnachtsfilm mit europäischer Identität zu machen, hat uns gereizt", erinnert sich Produzentin Ewa Karlström, die mit ihrem Partner Andreas Ulmke-Smeaton in München die Produktionsfirma SamFilm führt, über ihre Beweggründe, Andreas Steinhöfels Erfolgsroman ES IST EIN ELCH ENTSPRUNGEN verfilmen zu wollen. "Ich finde das super. Wir bekommen immer amerikanische Weihnachtsfilme vorgesetzt, die aber immer etwas fremd bleiben, weil das nicht so viel mit uns und unserem Erleben der Feiertage zu tun hat. Ich finde es spannend, der Konkurrenz aus Übersee das Feld nicht alleine zu überlassen. Aber im Grunde gefällt uns natürlich, dass es sich um eine wahnsinnig lustige, emotionale, schräge Geschichte handelt, so eine Art E.T. - DER AUSSERIRDISCHE an Weihnachten."

Emotion ist auch das Stichwort für Regisseur Ben Verbong, der zuletzt mit DAS SAMS und SAMS IN GEFAHR nacheinander zwei Erfolge im Family-Entertainment-Segment feiern konnte: "Es geht um die Frage: Was machst du, wenn dir drei Tage vor Weihnachten so ein Vieh durch die Decke stürzt und in deinem Wohnzimmer sitzt? Das ist eine schöne Frage. Was macht man mit so einem Vieh? Wo kommt es her? Was will es? Anders als die SAMS-Filme ist ELCH weniger Kinder- und viel mehr Familienfilm. Da gibt es auch viel Erwachsenes und vieles, was auch Erwachsene witzig finden können. Das gefiel mir."

"Wichtig finde ich den Kern der Geschichte", fährt der Niederländer mit Wohnsitz in München und Amsterdam fort. "Der besagt: Du kannst alleine sein, du kannst einsam sein, du kannst in Bedrängnis kommen - aber es gibt immer eine Lösung. Man sieht sie vielleicht nicht sofort, aber es gibt sie trotzdem. Das ist eine Aussage, die ich in Verbindung mit Weihnachten sehr hübsch fand. Dies anhand eines Jungen zu erzählen, der seine eigenen Ängste überwinden mußs, fand ich eine reizvolle Idee, weil ich mich selbst auch als positiven Menschen ansehe, der selten verzweifelt."

"Der Ton ist durch die weihnachtliche und märchenhafte Winterwelt ganz eigen. Und natürlich durch die Tatsache, dass im Mittelpunkt der Geschichte ein Elch steht. Ein Elch, der spricht...", berichtet Produzent Andreas Ulmke-Smeaton, der kurz von Ewa Karlström unterbrochen wird: "... und fliegt ...", um dann fortzufahren: "... dadurch hat der Film ganz automatisch einen eigenen Look. Es ist kein übermäßig bunter Film. Die Atmosphäre ist weihnachtlich- etwas gemütlicher und stimmungsvoller und vielleicht etwas dunkler. Wichtig war uns die Balance aus Emotionen und Rührung und Witz."

Die gefiel auch Hauptdarsteller Mario Adorf, der in seinem 103. Kinofilm als leibhaftiger Weihnachtsmann zu sehen ist: "Warum nicht auch einmal ein Weihnachtsmann - zumal es ein anderer Weihnachtsmann ist als die, die man normalerweise sieht, mit langem weißen Bart. Mir gefällt die Geschichte, und ich habe von Beginn meiner Karriere an im Kino, Fernsehen und Theater in Kinder- und Märchenstoffen gespielt. Kindergeschichten sind ja in den seltensten Fällen nur für Kinder, sondern richten sich an die ganze Familie und werden auch von Erwachsenen gerne gesehen."

Davon zeigte sich bereits im Vorfeld auch Buena Vista International begeistert und überzeugt. So überzeugt, dass der Major nicht nur als Koproduzent und Verleih mit an Bord kam, sondern ES IST EIN ELCH ENTSPRUNGEN auch als einen der großen Filme für die Weihnachtszeit terminierte, was den Produzenten vor Drehbeginn des bislang größten Filmprojekts ihrer Karriere zusätzlich Mut gab. "Wenn man Familienunterhaltung macht, könnte man nicht besser untergebracht sein", betont Andreas Ulmke-Smeaton. "Wir hatten unsere bisherigen Kinofilme mit BVI gemacht und waren jedes Mal glücklich über die Zusammenarbeit. Umso mehr hat uns gefreut, dass sie auch diesmal ohne Zögern mit an Bord waren. Das gibt einem Sicherheit."

Ein ausserordentlich guter Kinostoff - Das Projekt wird angeschoben Das Drehbuch beruht auf einem Roman von Andreas Steinhöfel, der auch das ursprüngliche Drehbuch geschrieben hat. Ewa Karlström erinnert sich: "Auf das Projekt wurden wir aufmerksam, als es uns von Wolf-Armin Lange und Michael Heukrodt von der Madbox vorgestellt wurde - ein Frankfurter Filmproduktionsunternehmen, das seit 18 Jahren Kinder- und Jugendfilme produziert, unter anderem "Käptn Blaubär's Seemannsgarn" für "Die Sendung mit der Maus" und die Stop-Motion-Animations-Serie "Castillo". Sie hatten ES IST EIN ELCH ENTSPRUNGEN eigentlich für das ZDF entwickelt und von Steinhöfel selbst ein Drehbuch schreiben lassen. Sie waren aber an einem Punkt angelangt, an dem sie nicht mehr weiterkamen. Deshalb wandten sie sich an uns.

Wir haben es gelesen und waren begeistert. Also haben wir uns daran gemacht, den Stoff aufs Kino zuzuschneiden. Denn das war es für uns: ein Kinostoff. Und zwar ein außerordentlich guter. Andreas Ulmke-Smeaton stimmt seiner Partnerin zu: "Schon die Buchvorlage war sehr erfolgreich mit mehr als 100.000 verkauften Exemplaren. Andreas Steinhöfel hat noch ein paar andere Romane geschrieben, die ebenfalls gut verkauft werden. Ein weiterer Roman, "Die Mitte der Welt", wird gerade von Vanessa Jopp fürs Kino umgesetzt. Genau auf diesen Stoff hatten es Wolf-Armin Lange und Michael Heukrodt ursprünglich abgesehen. Weil der Autor die Rechte aber bereits vergeben hatte, machte er die beiden auf ES IST EIN ELCH ENTSPRUNGEN aufmerksam. Er fand, dass sich der Stoff wunderbar als Film machen würde."

Zugleich war den beiden klar, dass sich aus der bereits hinreißenden Geschichte noch mehr herausholen ließ. "Die Geschichte mußste so emotional werden wie möglich", findet Ulmke-Smeaton. "Darin liegt das Geheimnis und damit auch die Schwierigkeit bei märchenhaften Stoffen, wie es dieser einer ist. Ausreichend Witz war vorhanden. Wir haben eben versucht, die Emotion noch stärker herauszukitzeln und zu verstärken, um die Figuren noch greifbarer zu machen."

Dies erwies sich als Aufgabe, die Regisseur Ben Verbong viel Freude bereitete: "Ich habe sofort erkannt: Das ist eine wunderbare Geschichte. Ich habe ein paar Kleinigkeiten geändert. Ich habe die Not des kleinen Bertil an den Anfang gestellt und sie damit mit dem Erscheinen des Elchs verknüpft. Eigentlich ist es seine Fantasie: Er weiß nicht mehr, wie es weitergehen soll. Seine Mutter glaubt ihm nicht, er hat nicht gemacht, was da behauptet wird, in der Schule wird er gehänselt, sein Vater ist nicht da. Er fühlt sich schutzlos ausgeliefert. In dem Moment, als seine Mutter sagt, er solle jetzt die Wahrheit sagen oder sofort ins Bett gehen, steht er mit dem Rücken an der Wand. Genau dann kracht der Elch durch das Dach des Hauses."

Verbong erklärt weiter: "Das ist, als hätte er das Erscheinen selbst hervorgerufen. So habe ich das erzählt. Ich weiß nicht einmal, ob das überhaupt im Roman steht, weil ich den nie gelesen habe. Mit Absicht. Ich hatte eine gute Vorlage zur Hand, die wunderbar funktionierte. Ich fand nur, dass man da emotional noch mehr herausholen könnte. Deshalb ließ ich den Roman lieber beiseite - ich wollte nicht von ihm abgelenkt werden. Gemeinsam mit Ulli Stephan überarbeitete ich das Drehbuch - und das war unsere Drehfassung." Auf Ben Verbong waren die Produzenten wegen eines anderen gemeinsamen Projekts aufmerksam geworden, das sich aber immer noch im Entwicklungsstadium befindet.

"Die Zusammenarbeit mit ihm war eine absolute Freude", sagt Andreas Ulmke-Smeaton. "Uns gefällt, wie er inhaltlich an einen Stoff herangeht, wie er Figuren entwickelt und wie er Geschichten erzählt. Und nicht zuletzt dank der SAMS-Filme ist er ein sehr erfolgreicher Filmemacher, der auch über viel Erfahrung im Family-Entertainment-Bereich verfügt. Darauf ist er aber keineswegs festgelegt: Er kann alle Genres bedienen. Und das war in unserem Fall wichtig." Und Ewa Karlström betont noch weitere Stärken des Filmemachers: "Ben hat ein ausgezeichnetes Gespür für Timing und Komödie. Und er hat einen Riecher für Emotionen - wo man sie drosseln mußs, wo man sie verstärken mußs. Für uns ist er ein Glückstreffer. Er hat den Rohdiamanten noch einmal geschliffen."

Tatsächlich hatte Verbong zunächst Bedenken, zum dritten Mal in Folge einen Family-Entertainment-Film zu drehen: " Eigentlich wollte ich schon nach DAS SAMS nicht auch noch die Fortsetzung machen. Aber dann hat mir das Drehbuch so gut gefallen. Ich bin auch froh, weil es eine schöne Arbeit war. Aber danach wollte ich auf keinen Fall noch einmal Family Entertainment machen - zumindest nicht in unmittelbarem Anschluss. Mir schwebte eigentlich ein erwachsenes Drama vor. Aber dann wurde mir von SamFilm ES IST EIN ELCH ENTSPRUNGEN vorgeschlagen, und das fand ich so abgefahren und lustig, dass ich nicht nein sagen konnte."

Dieser Stoff wiederum zwang ihn dazu, sich auf das für ihn nach wie vor eher ungewohnte Komödienparkett zu wagen. "Ich habe mich lange nicht an Komödien getraut", meint Verbong. "Mein Respekt war zu groß. Mit dem SAMS begann sich das langsam zu ändern. Mittlerweile bereitet mir das Genre eine diebische Freude. Sehen Sie sich die Szene an, in der der Weihnachtsmann die Kekse von Oma Wagner isst. Es ist alles eine Frage des Timings, dann kann man auch mit einem simplen Keks Komödie machen." Er merkt außerdem an: "Eine Komödie ist nur dann komisch, wenn es um etwas geht, wenn etwas auf dem Spiel steht.

Ein Film kann nur dann funktionieren, wenn man sich Sorgen um die Figuren macht. Das ist für mich der Ausgangspunkt, ob ich einen Film interessant finde oder nicht. Speziell bei einer Komödie ist es wichtig, dass man sich Sorgen macht. Um die Figuren von ES IST EIN ELCH ENTSPRUNGEN habe ich mir sofort Sorgen gemacht. Ich habe beim Lesen mit Bertil gelitten. Das war auch ein Grund, warum ich den Film drehen wollte." Wohl wissend, dass er dabei auf die Mitarbeit der Schauspieler angewiesen war: "Ich kann ihnen nicht vormachen, was sie zu machen haben. Ich kann nur sagen, was ich in diesem Moment brauche. Den Rest mußs der Schauspieler erledigen. Entweder er kapiert es und setzt es um - oder eben nicht."

Eine Ikone als WEihnachtsmann - Mario Adorf in seinem 103. Spielfilm Zum Glück hatte Ben Verbong in der Hauptrolle als Weihnachtsmann mit Mario Adorf einen Mitstreiter, dem man in Sachen Komödie nichts beibringen mußste. Der Regisseur berichtet: "Bei einem Mario Adorf merkt man sofort, wie viel er kann, wie viel Erfahrung er mit an das Set bringt - er ist einfach ein alter Hase, der richtig viel drauf hat. Mir gegenüber hat er bedauert, dass man ihn immer als Bösewicht besetzt. Er freute sich, dass er hier das genaue Gegenteil spielen durfte - den Weihnachtsmann, der nach seinem Elch sucht."

Natürlich war Adorf allererste Wahl für die Produzenten, wie Ewa Karlström berichtet: "Er sucht sich seine Projekte sehr gut aus. Hier überzeugte ihn das Buch. Und natürlich die Rolle. Für mich gibt es nur einen, den ich mir in Deutschland als Weihnachtsmann vorstellen kann. Und das ist Mario Adorf. Ich bin wahnsinnig froh, dass er das auch so gesehen hat." Adorf sagt über seine Figur: "Er unterscheidet sich in seiner Art nicht von den Weihnachtsmännern, die wir kennen. Er ist ein jovialer netter Herr, der Kinder mag und all das tut, was man sich von ihm erwartet. Aber in unserem Film ist Weihnachten in Gefahr. Und deshalb mußs er es mit Hilfe der Kinder retten."

Gerade die Psychologie der Figur fand Ben Verbong spannend: "Ich traf Mario Adorf dreimal vor Beginn der Dreharbeiten und habe sehr ausführlich mit ihm über seine Rolle gesprochen. Seien wir ehrlich: Es ist eine unglaublich schwierige Rolle. Wie spielt man den Weihnachtsmann? Wir zeigen ihn ja nicht mit Rauschebart und rotem Mantel, sondern quasi als Privatperson. Wie ist der Weihnachtsmann privat? Wie läuft er durch die Welt, weil er doch eigentlich nie privat unterwegs ist? Ich fand, er müsste immer sozusagen über dem Boden schweben, als käme er gar nicht aus unserer Welt. Wir haben uns überlegt, wie man das darstellen könnte. Sein auf den ersten Blick ganz normal aussehendes Jackett ist beispielsweise fast unmerklich mit Glitter überzogen, der nur manchmal etwas funkelt."

Dabei feuerten sich die Beteiligten immer weiter an. "Das Spiel mit dieser absurden Situation hat mir viel Spaß gemacht. Oder besser: Es ist eine Ironie, die genau betrachtet sehr schräg ist", überlegt der Regisseur und fährt fort: "Mario Adorf war unglaublich angenehm in der Arbeit und ließ sich ausgezeichnet führen, weil er spürte, dass ich immer nach Möglichkeiten suchte, seine Situation noch weiter zuzuspitzen und noch einen draufzusetzen. Ich wollte sehen, ob es noch etwas klarer und detaillierter geht, noch feiner sein konnte. Das hat er ungemein genossen und begeistert mitgemacht. Er hatte ständig Angebote und Überlegungen parat. Das ist sehr angenehm, gerade bei einer solchen Rolle. Weil ich ja auch nicht weiß, was ein Weihnachtsmann denkt und macht, wie er läuft und all das. Es war eine richtig tolle Zusammenarbeit."

Das Kompliment gibt die Leinwandlegende sofort zurück: "Man spürt, dass Ben Verbong eine Kinderseele in sich trägt, sonst könnte er einen solchen Film gar nicht drehen. Er hört sehr gut zu, und er ist ein ruhiger, sehr ausgeglichener Mann. Ich habe ihn nicht ein einziges Mal schreien gehört. Das kann er nicht. Und er braucht es nicht. Er hat es nicht nötig herumzubrüllen, eine beachtliche Qualität." Als besondere Herausforderung nennt Adorf die bereits von Ben Verbong angesprochene Szene, in der der Weihnachtsmann von der fidelen Oma Wagner nicht nur zu deren ungenießbaren Keksen, sondern auch zu ein paar Gläschen Hochprozentigem animiert wird.

"Betrunkene zu spielen, ist für einen Schauspieler schwierig, weil man dazu neigt, das Betrunkene zu zeigen", erklärt Adorf. "Dabei ist es doch so, dass Betrunkene in Wahrheit immer versuchen, ihren Zustand zu verbergen. Diese Balance mußs man treffen, wenn man überzeugend sein will. Und natürlich ist der Weihnachtsmann kein Trinker. Er hat sich davor noch nie betrunken - und er wird es auch danach nie wieder tun. Er wird einfach dazu verführt von der Großmutter Wagner, die ein Auge auf ihn geworfen hat."

Adorfs Mitstreiter sahen es als große Ehre an, neben ihm vor der Kamera stehen zu können. Anja Kling sagt: "Mario Adorf ist eine echte Größe. Vor ihm hat man schon Respekt, bevor er überhaupt da ist. Und wenn er dann da ist, ist der Respekt noch größer. Er ist von der ganz alten Schule. Er ist sehr charmant, sehr höflich. Allein das erhöht den Spaß zu beobachten, dabei zu sein." Und Monika Hansen, die als Oma Wagner mit dem Weihnachtsmann flirtet, gibt zu Protokoll: "Das macht sehr viel Spaß. Wir haben noch nie miteinander gearbeitet, aber wir kennen uns schon seit vielen Jahren. Das ist immer gut, wenn man dann gemeinsam vor die Kamera tritt. Er sieht ja auch sehr flott aus, sehr imposant. Aber er ist dann auch ganz untypisch, weil er einen karierten Anzug an hat."

Kids, Erwachsene und ein Elch - Die Besetzung der weiteren Rollen Von mindestens ebenso großer Bedeutung wie die Besetzung des Weihnachtsmannes war auch das Casting der weiteren Rollen, insbesondere der Kinder, auf deren Schultern die gesamte Geschichte ruht. Ben Verbong sagt über die Figuren in ES IST EIN ELCH ENTSPRUNGEN: "Es gibt zwei Arten von Figuren in dem Film. Es gibt normale und es gibt überhöhte Figuren. Der kleine Bertil ist ein normaler kleiner Junge. Bertils Schwester Kiki ist schon ein bisschen mehr, weil sie mit hochgestochenen Ausdrücken hantiert, als würde sie unentwegt ein wissenschaftliches Buch vortragen. Sie weiß auch alles besser und hat von allem eine Ahnung. Zu Beginn des Films steht sie immer vor Bertil, aber so ganz langsam kommt er nach vorn.

Neben der Mutter steht deren beste Freundin, ein hochneurotischer, etwas schrulliger Stadtmensch. Dann haben wir den Weihnachtsmann, der ja eigentlich eine komplette Fantasiefigur ist, den wir aber fast normal gezeichnet haben, während wir den Bösewicht des Films, den Vermieter und Jäger Pannecke überzeichnet haben: Aber obwohl er der Böse ist, gelingt Tarrach der Drahtseilakt, ihn auch liebenswürdig zu zeichnen. Nur böse ist nicht interessant. Interessant ist dagegen, ihm auch eine menschliche Seite zuzugestehen. Und die Oma haben wir auch etwas überzeichnet, als alte 68erin, die sich mit ihrem Auto mit 120 Sachen in die Kurven legt und den Weihnachtsmann das Fürchten lehrt."

Dabei ging es dem Regisseur vor allem um eines: "Jede einzelne Figur hat eine eigene dramaturgische Funktion. Ständig beleuchten wir das Verhältnis unserer Figuren zur Fantasie. Das löst der Elch in den Figuren aus. Man mußs ja erst einmal verdauen, dass er sprechen kann. Und dann erzählt er obendrein noch lauter unmögliche und undenkbare Dinge. Das Ergebnis ist, dass jeder im Film nach und nach die Existenz von Weihnachten akzeptieren lernt. Das sprach mich an. Ich dachte mir: Ja, warum nicht? Wenn sich dieses Gefühl auf das Kinopublikum überträgt, dann lässt man sich auf ein witziges Spiel ein. Natürlich glaubt da auch niemand an den Weihnachtsmann. Aber wir zeigen den Zuschauern in unserem Film einen, der könnte es sein. Vielleicht."

Der zehnjährige Bertil wird von Raban Bieling gespielt, Sarah Beck spielt seine zwei Jahre ältere Schwester. "Raban war schon eine der Hauptfiguren in beiden WILDE KERLE-Filmen", meint Ewa Karlström. "Er ist super und war von Anfang an die erste Wahl für die Hauptrolle. Sarah Beck hatte eine kleine Rolle im ersten Teil von DIE WILDEN KERLE, wo ja auch ihr Bruder und ihr Vater zu sehen waren. Damals war sie noch ein richtig kleines Mädchen. Als wir nach einer Kiki für ES IST EIN ELCH ENTSPRUNGEN suchten, machte uns Casting-Direktorin Nessie Nesslauer darauf aufmerksam, dass Sarah mittlerweile viel größer ist und perfekt für die Rolle wäre. Sie hatte Recht."

Raban gibt sich selbstbewusst, wenn er sagt: "Ich hatte wirklich Glück, dass ich für die Produzenten bereits in DIE WILDE KERLE gespielt hatte. Sie haben mich aus eigenem Antrieb für die Rolle vorgeschlagen, weil sie sich mich gut in dieser Rolle vorstellen konnten. Also habe ich Ben getroffen und mich mit ihm unterhalten, wie ich das Drehbuch finde. Und das war es auch schon." Dabei war der Dreh für ihn anders als das, was er bislang gewohnt war: "Ich habe zwar nicht so viele Kinder um mich herum wie bei den WILDEN KERLEN, aber die Arbeit macht riesig Spaß, speziell mit den anderen Schauspielern. Es ist eine neue Erfahrung."

Seine Figur in ES IST EIN ELCH ENTSPRUNGEN beschreibt er wie folgt: "Er ist sehr schüchtern und mußs von seiner älteren Schwester in Schutz genommen werden. Er steckt in einem ständigen Spannungsfeld zwischen seiner Mutter und Kiki, der Schwester. Er mußs erst noch lernen, sich zu verteidigen - und darum geht es eigentlich in diesem Film, als er Freundschaft mit dem Elch schließt, der durch das Dach der Familie kracht."

Immerhin gibt es Lob für Raban von allerhöchster Stelle. Mario Adorf meint: "Wenn man ihn so kennen lernt, ist er ein aufgewecktes Jüngelchen. Mich beeindrucken seine Präsenz und seine unglaubliche Energie und sein Temperament. Das ist schon ein ganz besonderer Junge." Und Anja Kling merkt an: "Man merkt genau, dass die Kids keine Neulinge sind. Die Arbeit ist auch überhaupt nicht mühsam mit ihnen, weil sie ziemlich lebhaft sind. Das hat es mir deutlich einfacher gemacht."

Sarah kannte Raban nicht erst seit ihrem gemeinsamen Auftritt in DIE WILDEN KERLE vor drei Jahren. "Ich kenne Raban schon, seitdem ich drei Jahre alt bin, weil sich unsere Eltern gut kennen", erzählt sie. "Wir standen ja bereits in DIE WILDEN KERLE zusammen vor der Kamera, aber damals mochten wir uns nicht so gerne. Ich mußste ihm ja in einer Szene Lockenwickler in die Haare drehen, das fand er gar nicht lustig. Aber mittlerweile kommen wir sehr gut miteinander aus."

Über ihre Rolle in ES IST EIN ELCH ENTSPRUNGEN sagt sie: "Die Kiki ist die große Schwester und Beschützerin von Bertil. Sie kriegt nicht die Liebe von ihrer Mutter, die sie eigentlich braucht, auch wenn sie das nicht so genau zeigt. Deshalb gibt sie sich Mühe, in allem immer so gut wie nur möglich zu sein: in der Schule, im Haushalt. Sie gleicht damit aus, was Bertil hat, aber sie nicht. Bertil wird geliebt - und er kann Liebe auch sehr gut geben. Er schließt Mr. Moose ja auch sofort in sein Herz, während Kiki auf Distanz geht."

Viel Spaß bereitete ihr die Arbeit mit dem Elch und Regisseur Verbong: "Der Elch ist supercool. Der kann ja alles und ist zwei Meter zwanzig groß. Ich finde, er wirkt superecht. Und Ben ist total lustig. Er erklärt einem schon ernst, was wir zu machen haben und wie wir die Dinge spielen sollen, aber sonst ist er immer gut gelaunt und macht in den Pausen Witze mit uns. Im Film kommen ja auch ziemlich viele Witze vor. Sogar der Regisseur mußste sich bei vielen Szenen zusammenreißen, um nicht vor lauter Lachen herauszuplatzen."

Unterstützt werden die Kids von einer Reihe von versierten Charakterdarstellern. Ewa Karlström listet sie auf: "Anja Kling spielt die Mutter Kirsten, Christine Neubauer ihre beste Freundin. Uns war wichtig, dass wir zwei Schauspielerinnen besetzen, die rein äußerlich Gegensätze darstellen. Das ist uns gelungen. Monika Hansen ist als quirlige Großmutter dabei. Bei ihr kann man sich gut vorstellen, dass sie selbst den Weihnachtsmann dazu bringt, ein paar Gläschen Kirschlikör mit ihr zu kippen. Und schließlich hätten wir noch Jürgen Tarrach als Pannecke, den Bösewicht des Films. Wir suchten nach jemandem, der zwar einerseits bedrohlich wirken, andererseits aber auch lustig sein soll. Jürgen Tarrach hat das voll im Griff."

Anja Kling brannte regelrecht darauf, in ES IST EIN ELCH ENTSPRUNGEN dabei zu sein: "Ich habe das Buch gelesen und sofort gedacht: Da will ich unbedingt mitmachen. Ich lese Bücher nie auf meine Rolle hin, sondern immer als Ganzes. Und mir gefiel die Geschichte. Sie hat mich zum Lachen gebracht und auch sehr schöne traurige Momente, ein wirklich rundes Familienerlebnis. Ich war sehr froh, als man mich gefragt hat, ob ich mitspielen will." Beeindruckt zeigte sie sich vor allem von der Besonnenheit von Ben Verbong: "Er ist ein sehr ruhiger Regisseur. Er baut überhaupt keinen Druck auf, was um so besonderer ist, als wir wegen des mechanischen Elchs unter gehörigen Zeitproblemen zu leiden hatten. Er behielt seine Gelassenheit und Fröhlichkeit mit uns. Er hat eine beeindruckende Art, weil er trotzdem immer das bekommt, was er haben will."

Jürgen Tarrach war indes froh, bei einem Family-Entertainment-Film mitspielen zu können: "Ich hatte lange schon vor, in einem Familienfilm - in diesem Fall eine Weihnachtskomödie für die ganze Familie - mitzuspielen, weil ich selber zwei Kinder habe und es immer ziemlich viel Spaß macht, mit ihnen ins Kino zu gehen. Es hat bloß nie wirklich geklappt, sei es aus terminlichen oder anderen Gründen. Dieses Angebot war natürlich erstklassig, weil ich die beiden SAMS-Filme von Ben Verbong sehr schätze und auch mit meinen Kindern gesehen habe. Und natürlich ist die Rolle auch sehr interessant und lustig."

Seinen Part charakterisiert er folgendermaßen: "Pannecke ist der Bösewicht der Geschichte, über den die Kinder hoffentlich viel lachen können, weil ihm unentwegt Missgeschicke passieren. Er ist der mürrische, geizige Vermieter der Familie, bei der der Elch notlandet. Aber er ist auch ein passionierter Jäger und darf nicht wissen, dass die Familie diesen Elch versteckt hält. Was die Sache noch komplizierter macht, ist die Tatsache, dass Pannecke in die allein erziehende Mutter der Familie verliebt ist, was aber nicht auf Gegenseitigkeit beruht."

Schließlich mußste noch eine der schwierigsten Besetzungsentscheidungen getroffen werden: Wer sollte den Elch Mr. Moose, der im Film als Animatronic und teilweise auch 3D-computergeneriert zu sehen ist, sprechen, um ihm seinen unverwechselbaren Charakter zu verleihen? Für Andreas Ulmke-Smeaton gab es keinen Zweifel, wer der Richtige für diesen Part war: "Wir haben lange überlegt, wer Mr. Moose sprechen könnte, und haben uns ganz viele Stimmen angehört. Aber letzten Endes fiel die Entscheidung doch richtig leicht: Wir waren uns alle einig, dass Armin Rohde absolut perfekt für diese Aufgabe ist. Er hat sämtliche Texte im Vorhinein eingesprochen, damit man während des Drehs damit arbeiten konnte. In der Nachbearbeitung hat er sich dann noch einmal nachsynchronisiert."

Selbstverständlich war der Elch auch für Ben Verbong von elementarer Bedeutung: "Der Elch ist eine sehr positive Figur, wunderbar gesprochen von Armin Rohde. Mr. Moose fühlt sich eigentlich überall zu Hause und vermittelt immer den Eindruck, dass man das schon irgendwie hinbekommt. Das macht auch Bertil Mut, der Kraft aus der Unverdrossenheit des Elchs zieht. So entsteht aber auch sein Konflikt: Er mußs die Freundschaft zu dem Elch aufgeben, wenn er Weihnachten retten will. Jetzt ist die große Frage, das zentrale Problem, auf das der Film zusteuert: Geht er so weit?"

Der Elch entspringt - Die Arbeit der Effektspezialisten Die technischen Voraussetzungen wären gegeben, die Effekte von ES IST EIN ELCH ENTSPRUNGEN komplett 3D zu realisieren. Doch der Aufwand dafür ist hoch, entsprechend die Kosten. Und wenn man mit Kindern dreht, empfiehlt es sich, nicht nur vor einer grünen Leinwand zu filmen. Die Schauspielerinteraktion ist sehr kompliziert. SamFilm entschied sich also für ein Animatronic, eine mit Computersteuerung bewegliche Puppe des Elchs. Nur wenn man den Elch aus der Ferne sieht, beim Laufen oder Fliegen, dann wurden diese Shots 3D-computergeneriert realisiert. Chris Creatures in Berlin bekam den Zuschlag für den Bau des Elchs. Dort besitzt man die nötige Erfahrung im Entwerfen und Bauen von Creatures, also machten die sich auch daran, erste Designs für den Elch zu entwickeln.

Weit im Vorfeld der Dreharbeiten wurde der erfahrene Visual FX Supervisor Joachim Grüninger engagiert, um die komplexen Effektsequenzen zunächst mit Rat und später noch mehr Tat zu begleiten: "Das war sehr nützlich, weil ich zu diesem Zeitpunkt bereits mit den Vorbereitungen für die Postproduktion beginnen konnte - gerade bei einer deutschen Produktion ein wahrer Luxus. Ich war eigentlich immer mit dabei, wenn mit dem Elch gedreht wurde." Zunächst mußste die Entscheidung getroffen werden, wie man den Elch Mr. Moose überhaupt auf die Leinwand bannen könnte.

"Natürlich überlegt man sich in diesen Zeiten, ob man das komplett mit Hilfe von Computeranimation bewerkstelligen kann", erzählt Produzentin Ewa Karlström. "Aber das hätte zum einen unser Budget gesprengt, zum anderen wären die Kinder dann gezwungen, mit dem Nichts zu interagieren - der Elch wäre ja erst in der Postproduktion eingefügt worden. Also haben wir uns bei Nahaufnahmen und Halbtotalen auf ein animatronisches Modell geeinigt. Dafür haben wir Kontakt mit einer Reihe von Häusern aufgenommen, die derartige Creature-Modelle bauen können, und haben uns schließlich für die Berliner Firma Chris Creatures entschieden."

"Chris Creatures hat viel Erfahrung im Entwerfen und Bauen von Creatures, also machten die sich auch daran, erste Designs für den Elch zu entwickeln", erinnert sich Grüninger, der in seiner Funktion als Visual FX Supervisor zwar auch den Dreh mitbetreute, dann aber im Anschluss vor allem in der Postproduktion das Ruder in die Hand nahm. Chris Kunzmann ist der Chef von Chris Creatures, eine, wie er selbst sagt, "Sammlung von vielen Leuten, die aus verschiedenen Bereichen kommen: Makeup, Techniker, Mechaniker, Künstler".

Er erzählt über seine Company: "Wir haben uns bereits vor einigen Jahren zusammengefunden, um, wie der Name schon sagt, Creatures zu bauen, Filmeffekte - genauer gesagt: practical effects ebenso wie digitale Effekte - zu machen. Zu den practical effects zählt beispielsweise Mr. Moose, der Elch. Er ist ein so genannter Animatronic, also eine Art Puppe, die sich mechanisch bewegen lässt. Wir beraten und helfen Firmen, die zu uns kommen und gewisse Vorstellungen haben, weil wir wissen, ob und wie sich diese Vorstellungen umsetzen lassen und wie teuer das sein wird." Erste Probleme kamen auf Chris Creatures bereits zu Beginn der Vorbereitung zu.

"Die erste Feststellung war: Ups, so ein Elch ist ganz schön groß. Damit verbindet sich gleich die erste Frage: Wie machen wir das? Zunächst wälzt man Recherchematerial, in Büchern, im Internet, um sich schlau zu machen. Eine große Menge an Unterlagen bekamen wir auch von der Produktionsfirma SamFilm, was ziemlich großartig war. Als wir unsere Hausaufgaben gemacht hatten, kam der Prozess der Charakter-Entwicklung, denn es reicht in einem Weihnachtsmärchen sicherlich nicht, einen Elch zu bauen, der exakt so aussieht, wie ein Elch aussieht. Vielmehr mußs ein Tier mit menschlichen Charakterzügen herauskommen. Und das ist das Schwere an unserer Arbeit: Diese Figur mußs mit Leben gefüllt werden."

Regisseur Ben Verbong berichtet über die Entwicklung der Elchfigur: "Eine sehr wichtige Frage gleich zu Anfang meiner Arbeit, die auch den Ton des Films beeinflusst hat, war: Wie gestaltet man den Elch? Wir stellten schnell fest, dass ein Elch völlig emotionslos ist. Ein emotionsloseres Tier kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen. Dann hatte Sikander Goldau die geniale Idee, sich als Inspiration nicht einen Elchkopf zu holen, sondern den Kopf von Walter Matthau. Wenn man sich anstrengt, entdeckt man sogar ein paar Ähnlichkeiten."

Dabei war Verbong vor allem eines wichtig: "Der Elch sollte keine Witzfigur werden. Er sollte vielmehr eine Fantasiegestalt sein, die man aber komplett als Elch akzeptiert. Diese Gratwanderung ist nicht einfach. Schritt für Schritt haben wir uns herangetastet, mit der maßgeblichen Unterstützung von Sikander Goldau, Chris Creatures und Joachim Grüninger. Einerseits ist Mr. Moose eine Schutzfigur - der beste Freund von Bertil - und das nimmt man einer Witzfigur nicht ab. Andererseits mußs man es plausibel machen, dass dieser Elch sprechen kann und aus einer eigenen Welt stammt. Für einen Regisseur ist das eine reizvolle Herausforderung.

"Es tat der Figur sehr gut, dass man Walter Matthau als Vorbild nahm, anstatt sie allzu cartoonhaft und drollig zu gestalten", erklärt auch Joachim Grüninger. "Dadurch wirkte sie erwachsener und ernst zu nehmender. Chris Creatures setzte die stilisierten Entwürfe von Sikander dann um und bauten den Elch unter enormem Zeitdruck.

"Als Erstes wurde ein Komplettmodell in voller Größe modelliert" berichtet Kunzmann. "Die Beteiligten sollen ja erst einmal wissen, womit sie es zu tun haben. Die erste Reaktion der Produktion war: Oh Gott, ist der groß! Das war keinem so richtig klar gewesen. Im Anschluss begann der Formbau, das heißt die Figur wurde abgeformt und aus Kunststoff hergestellt. Der Kunststoff-Körper wiederum wurde mit den mechanischen Elementen angefüllt, damit man die Figur auch bewegen kann. Und dann kam das Fell dazu, das wir von einer auf Felle spezialisierten Firma aus Amerika bezogen."

Er fährt fort: "Parallel zum Körper entstand der Kopf, das komplizierteste Teil der Figur. Denn der Kopf mußste Gesichtsausdrücke haben, mußste sprechen und mit den Schauspielern interagieren können. In diesem Kopf befinden sich also viele kleine Motoren, die von einem Computer angesteuert werden, womit man die Augen, die Brauen, die Lider, die Nase, den Kiefer usw. bewegen kann - daher der Begriff Animatronic. Weil Armin Rohde die Texte des Elchs bereits eingesprochen hatte, konnten wir seine Aufnahmen in den Computer eingeben und mit den Bewegungen des Mauls synchronisieren. Die weitere Mimik spielten wir dann live beim Dreh dazu."

Natürlich weiß Kunzmann, dass die eigentliche Nagelprobe erst der Dreh selbst ist. Erst dann zeigt sich, ob man wirklich ganze Arbeit geleistet hat: "Die größte Herausforderung ist der Dreh. Entwicklung und Bau finden ja in einem kontrollierten Umfeld statt, da können wir auf unsere mittlerweile große Erfahrung zurückgreifen. Aber beim Dreh mußs sich der Elch bewähren: Wie spielt der Elch mit den Schauspielern, ist der Character wirklich so wie wir ihn uns vorgestellt haben? Da können so viele unerwartete Dinge passieren - und man mußs in Windeseile Lösungen präsentieren können, weil man die Zeit und das Geld nicht hat, den Dreh lange zu unterbrechen. Vor allem war es ein Rennen gegen die Zeit. "Das war alles sehr knapp", weiß Ben Verbong.

"Erst eine Woche nachdem wir mit dem Dreh begonnen hatten, konnten Chris Creatures das fertige Elchmodell anliefern. Auch für die Puppenspieler war das schwer: Sie hatten überhaupt keine Zeit, sich ausreichend Gedanken über ihre Aufgabe zu machen. So hatten wir zwar die Figur - aber immer noch keinen Charakter, weil vieles Grundsätzliche noch überhaupt nicht geklärt war: Wie ist er? Wie agiert er? Wie spricht er? Welche Mimik hat er? Es war klassisches Learning by Doing. Wir haben viel mit den Puppenspielern gesprochen und holten dann noch zwei Leute dazu, sodass wir schließlich sieben Puppenspieler hatten, die sich um den Elch kümmerten. Am ersten Tag lief es noch nicht so gut, weil man sich erst einspielen mußste. Aber dann wurde es immer besser. Und schließlich lief es wunderbar, auch dank der wunderbaren Stimme von Armin Rohde: Wir hatten unseren Mr. Moose gefunden."

Gleichzeitig räumt der Regisseur ein: " Ich bin ehrlich: Ich mag Schauspieler mehr als ein Animatronic. Die Schauspieler machen doch oft das, was ich von ihnen will. Aber ein Animatronic kann das nicht. Der kann nicht lächeln, auch wenn ich das von ihm will. Da kann man soviel brüllen, wie man will: Was er nicht kann, das kann er nicht. Aber genauso ehrlich sage ich auch: Ich war überrascht, wie viel unser Animatronic konnte. Chris Creatures haben das wirklich ganz toll hingekriegt. Ich könnte nicht zufriedener sein." Auch Mario Adorf zeigte sich beeindruckt: "Dieser Elch war erstaunlich. Ich kannte diese Tiere bislang nur aus dem Fernsehen und war beeindruckt, wie groß so ein Elch ist - und vor allem, was man alles mit dieser Figur anstellen konnte."

Er findet aber auch: "Es ist zunächst ein bisschen merkwürdig, mit dem Elch zu drehen. Er sieht ja zunächst aus wie ein richtiges Tier. Erst bei näherem Hinsehen entdeckt man, wie viel Arbeit wirklich dahinter steckt. Man darf sich von den technischen Sachen aber nicht ablenken lassen als Schauspieler. Man mußs sich darauf konzentrieren, mit diesem Elch zu spielen, als sei er eine reale Figur. Für Joachim Grüninger begann die Arbeit erst so richtig nach Ende der Drehzeit. Die Produktion hatte sich entschlossen, die Effektbearbeitung in der Postproduktion nicht an eines der renommierten Effekthäuser in Deutschland zu geben, sondern beauftragte Grüninger, ein Team von freien Spezialisten nur für diesen Film zu versammeln - ein durchaus revolutionärer Ansatz, dem Grüninger eine große Zukunft einräumt: "Wir sind jetzt quasi eine Postproduktionsabteilung von SamFilm, die vorübergehend um meine Company Sevenbits ihr Plätzchen gefunden hat."

Grüningers Trupp besteht aus einer Reihe von Spezialisten, die großes Renommé in ihrem jeweiligen Spezialgebiet genießen. Alex Lemke fungiert als Head of 2D und arbeitete beispielsweise als 2D Sequence Lead an DER HERR DER RINGE (2003 wurde er für DIE ZWEI TÜRME mit einem VES Award für Best Compositing in a Feature Film augezeichnet), sowie an Filmen wie DARK CITY, TROJA oder auch 23. Als Head of 3D wurde Stefan Galleithner gewonnen, der als Mitinhaber der Sevenbits GmbH bei Projekten wie (T)RAUMSCHIFF SURPRISE, DER PIANIST, DER PATRIOT oder DER CLOWN in verschiedenen Funktionen Erfahrungen sammelte. Nils Engler und Chris Faber zeichnen für das 3D Development von Mr. Moose verantwortlich. Und schließlich besorgte Wieland Norbert Stelzer die Charakteranimation für Mr. Moose. Zu Stelzers bisherigen Credits gehört u. a. BACK TO GAYA. Dazu kommt ein knappes Dutzend zusätzlicher Mitarbeiter, die die weiteren Aufgaben erfüllen.

Grundsätzlich trägt Grüninger in der Postproduktion die Verantwortung für drei größere Aufgabenfelder. Zum einen besorgt er mit seinem Compositing-Team das Compositing der Flugsequenzen, in denen Pannecke etwas Milchstraßenstaub abbekommt und unversehens abhebt. Dabei mußsten in der Postproduktion alle Spuren des Fluggeschirrs, an dem Jürgen Tarrach hing, entfernt werden. Grüninger erzählt weiter: "Ein anspruchsvoller Teil ist auch das Generieren eines 3D-Elchs. Chris Faber erledigte das Grund-Setup. Wir haben den Elch von Chris Creatures einmal komplett gescannt, was uns als Referenzdatei diente, als die Animatoren ihr eigenes 3D-Modell entwarfen. Das ist unsere Hauptaufgabe: Wir müssen den Elch zum Laufen kriegen und das gut und überzeugend aussehen lassen." Dazu kommen schließlich noch ein kompletter Erdanflug des Weihnachtsmannes mit seinem Elch und das Generieren des funkelnden Milchstraßenstaubs, dem Grüninger und Co. ein betont magisches Aussehen verliehen.

Das grosse Frösteln - Dreharbeiten bei minus 30 Grad Celsius Eine weitere Voraussetzung für das Gelingen der Produktion war ebenfalls vorgegeben. Der Film mußste weihnachtlich aussehen - auf gut deutsch: winterlich, verschneit, frostig. Dafür hatten die Produzenten die entsprechenden Locations ausgesucht. "Ein Teil der Außenaufnahmen wurden in und um Füssen in der Nähe der Königsschlösser gedreht", erzählt Andreas Ulmke-Smeaton. "Da mußs man sich die Märchenwelt nicht bauen: Die ist bereits vorhanden. Für weitere Außenaufnahmen ging es außerdem nach Tirol. Die Innenmotive wurden im Studio gebaut und gedreht."

Der Haken bei der Sache, in den Worten von Ben Verbong: "Zwei Tage vor Drehstart gab es keinen Schnee. Nirgendwo. Für kein einziges Motiv. Langsam freundeten wir uns mit einer bitteren Frage an: Was machen wir eigentlich, wenn es keinen Schnee gibt? Der Produktionsleiter sagte zu mir: Darüber wollen wir nicht nachdenken." Die Rettung nahte einen Tag vor Drehstart. "Über Nacht begann es zu schneien", erinnert sich der Regisseur.

"Und es hat nicht mehr aufgehört, einen Monat lang. Wir haben teilweise bei 30 Grad minus gedreht. Das ist hart. Das Team war wunderbar. Vereinzelt mußsten wir aber Leute wegen erfrorener Füße zum Arzt schicken. Wenn man einen ganzen Tag oder eine ganze Nacht draußen ist bei 30 Grad minus, dann kann man sich gegen die Kälte einfach nicht mehr schützen. Drei Stunden? Vielleicht. Aber nicht zwölf Stunden. Man friert einfach überall. Die Motoren gaben ihren Geist auf. Man konnte die Kamera-Objektive nicht mehr wechseln, weil sie festgefroren waren. Es war mühsam." Für die Schauspieler war die Erfahrung hart.

"Die ungeheure Kälte machte mir schwer zu schaffen", gesteht Jürgen Tarrach. "Wir hatten beim Dreh die kältesten Tage, die jemals in einem März gemessen wurden. Wenn es sich nicht um eine Weihnachtskomödie handeln würde und der Dreh nicht so viel Spaß gemacht hätte, hätte ich bei den Außendrehs unentwegt heulen können." Glück im Unglück hatte eigentlich nur Mario Adorf: "Im Gegensatz zu den anderen, dem ganzen Team, das bei dieser Wahnsinnskälte unheimlich gelitten hat, bin ich davon weitgehend verschont geblieben, weil ich fast nur Innenaufnahmen hatte. Gott sei Dank. Denn ich trage ja keinen Mantel in diesem Film, sondern nur mein Sakko."

Rückblickend meint der Regisseur über die Eisschrankerfahrung: "Wir haben teilweise bei strahlendem Sonnenschein gearbeitet, und wenn man die Bilder auf der Leinwand sieht, denkt man, das war ein Spaziergang. War es nicht. Aber es sieht toll aus. Ein Meter Schnee, einen Monat lang? Wo findet man das? Es war der Hammer. Okay, dann friert man sich halt einen Monat den Arsch ab. Aber der Film, der ist für die Ewigkeit. Und darum geht es." Und was ist es, das ES IST EIN ELCH ENTSPRUNGEN für die Ewigkeit prädestiniert? "Jeder gute Film setzt sich auf seine Weise auseinander mit menschlichen Werten", sagt Ben Verbong.

"Wenn er es nicht täte, gäbe es keinen Grund, ihn zu machen. Das mußs man den Schauspielern nicht ans Revers heften. Vielmehr geht es darum, in eine Geschichte geführt zu werden, bei der sich jeder Einzelne im Kino fragt: Wie würde ich mich in dieser Situation verhalten? Wie würde ich mit ihr umgehen? Ich möchte Geschichten erzählen, in die sich die Menschen ganz langsam fallen lassen können. Als Regisseur trägt man eine große Verantwortung: Wenn sie sich nämlich komplett fallen lassen, mußs man sie auffangen können. Es ist ein Spiel, das man zunächst mit sich selbst spielt. Ich sehe mich nämlich in erster Linie als ganz normaler Kinogänger. Ich lese auch die Drehbücher zunächst mit Herz und Bauch, ohne auf die Konstruktion und das Technische zu achten. Und bei ES IST EIN ELCH ENTSPRUNGEN waren Herz und Bauch sofort voll dabei. Ich habe mich in den Stoff fallen lassen. Und ich hoffe, dass es das Publikum auch tut. Deshalb habe ich den Film nämlich gemacht."

Letztlich bringt es Anja Kling auf den Punkt: "Es ist ein spaßiger, lustiger, unterhaltsamer Film für die ganze Familie. Er passt perfekt zu Weihnachten."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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