Lost Children

Ausführlicher Inhalt

Pajule, Nord-Uganda: Hier befindet sich ein Auffanglager der Caritas International für geflohene Kindersoldaten. Dort haben Oliver Stoltz und Ali Samadi Ahadi "ihre" Kinder gefunden. Insgesamt vier mal reisten die beiden jungen Regisseure aus Deutschland nach Nord-Uganda und drehten mehr als 120 Stunden Filmmaterial unter schwierigsten Bedingungen. In bewegenden Bildern schildern die beiden Regisseure in LOST CHILDREN die Situation in Pajule. Sie zeigen, dass Afrika uns alle angeht und dass wir in Europa dazu beitragen können, die politischen Bedingungen zu beeinflussen.

Pajule ist eine Siedlung im Rebellengebiet, die - von Regierungstruppen schlecht bewacht - häufig von Anschlägen der LRA-Milizen heimgesucht wird. Die hier arbeitenden Sozialarbeiter sind selbst im Krieg aufgewachsen und riskieren täglich für wenig Geld ihr Leben, um den Kindern bei ihrem schwierigen Weg zurück in einen menschenwürdigen Alltag zu helfen. Sie beweisen mit ihrer Arbeit, dass Afrika sich selbst helfen kann und dass es Menschen gibt, die stolz sind auf ihr Land, jenseits von kriminellen, korrupten Regierungen.

LOST CHILDREN porträtiert die Kindersoldaten Francis, Jennifer, Kilama und Opio und zeigt das Engagement der beiden Sozialarbeiter Grace Arach und John Bosco. John Bosco, 29, versucht, die Familien der nach Pajule geflohenen Kinder aufzuspüren und zwischen Eltern und Kind zu vermitteln. Da die Kinder auch zum Töten in ihren eigenen Clans gezwungen wurden, gibt es in den Familien Vorbehalte gegen ihre Rückkehr.

Grace Arach, 23, kennt die Probleme der Frauen in der männlich dominierten afrikanischen Clangesellschaft. Sie war in den letzten zwei Jahren für über 800 Kinder verantwortlich, von denen höchstens 20% nicht getötet haben. Mitunter hat sie Angst, verrückt zu werden, weil sie sich tagtäglich die schrecklichen Erlebnisse der Kinder anhören mußs. Francis, 12, ist einer der Jungen, die von John betreut werden. Francis schildert, wie er anderen Kindern beim Töten zusehen mußste. Zwei Jungen wurden mit Macheten hingerichtet.

Danach war allen entführten Kindern klar, dass ihnen dasselbe droht, wenn sie es wagen sollten zu fliehen oder sich den Befehlen der Rebellenführer zu widersetzen. Er wird nicht zu seiner Mutter zurückgehen können, da ihm dort die erneute Entführung durch die Rebellen droht. Er wird bei seiner Tante in Gulu leben müssen und nie mehr über seine Erlebnisse sprechen, denn es ist ihm klar, dass die Nachbarn ihn sonst nicht dulden werden.

Jennifer, 14, war fünf Jahre lang in den Händen der LRA. Sie wird gequält von schweren Alpträumen, in denen ihr die Menschen erscheinen, die sie getötet hat. Nach ihrer Entführung wurde sie als Hausmädchen beim Rebellenführer Joseph Kony in dessen Lager im Sudan eingesetzt. Als sie elf Jahre alt wurde, bekam sie eine Waffe und mußste kämpfen. Bei den Kämpfen mit Regierungstruppen hat sie etliche Schussverletzungen erlitten. Sie beschreibt, wie sie zusammen mit anderen Mädchen von einem Kommandanten der Rebellen vergewaltigt wurde.

Deshalb hat sie Angst, dass sie HIV-positiv ist. Da sie ein Mädchen ist, mußs ihr Vater über sie entscheiden. Sie wirft ihm vor, Schuld an ihrer Entführung zu haben und droht wegzulaufen, sollte sie zu ihm zurückkehren müssen. Jennifer wird von der Sozialarbeiterin Grace Arach betreut, die es schafft, zwischen dem Mädchen und ihren Eltern zu vermitteln und erreicht, dass sie zur Mutter heimkehren darf. Als ihr Traum vom Besuch einer Nähschule in der Stadt wahr wird, sagt sie: "So ein Leben hätte ich mir bei den Rebellen nie vorstellen können!"

Kilama, 13, ein weiteres Kind, um das sich Grace Arach kümmert, konnte 12 Monate nach seiner Entführung fliehen und erfuhr erst dann, dass seine Eltern ermordet wurden. Ihn verfolgt die Erinnerung an einen kleinen Jungen, der mit ansehen mußste, wie Kilama dessen Mutter erstach. Er betet Tag und Nacht um Vergebung, aber der Großmutter ist der Junge unheimlich. Immerhin ist sie bereit, das Ritual zu organisieren, das ihn von seinen Alpträumen heilen soll. Nach dem Ritual möchte sie ihn trotzdem nicht zu sich nehmen, und der Waise wird deshalb zu entfernten Verwandten außerhalb der Stadt abgeschoben, bei denen er aber nur tagsüber bleiben kann. Kilama fürchtet sich vor einer erneuten Entführung.

Die Hütte seiner Verwandten ist ihm zu unsicher, und so geht er jeden Abend in das Stadtzentrum, um mit tausenden von anderen Kindern auf der Straße zu übernachten. Schließlich läuft er von seinen Verwandten weg, weil sie ihn ausgrenzen und schlecht über ihn reden. Immerhin fühlt er sich nach dem Ritual von seinen Alpträumen befreit und bittet darum in einem Kinderheim leben zu dürfen. Als er dort freundlich begrüßt wird und einen Schlafplatz auf dem Boden zugewiesen bekommt, lacht er das erste Mal.

Opio, 8 , wird von der Krankenschwester des Centers versorgt. Er hat zahlreiche Verletzungen von der Folter der Rebellen. Er mußste die schlimmsten Grausamkeiten begehen. Aufgrund seines Alters empfindet er weder Unrechtsbewusstsein noch Reue. Seine Mutter kommt zu Besuch - das erste Wiedersehen nach einem Jahr. Sie schildert die katastrophalen Zustände im Flüchtlingslager, in dem sie und ihr Mann leben. Die Rebellen haben gedroht, die ganze Familie zu töten, wenn eines ihrer entführten Kinder zurückkehren sollte. Sie hat Angst um Opio, aber auch um sich, und bittet ihn, möglichst lange im Auffanglager zu bleiben.

Nach anfänglichem Zögern fragt sie ihn, ob auch er töten mußste. Der Junge nickt. Das Center kann auch Opio nicht auf Dauer behalten, und irgendwann kommt auch er zurück zu seiner Familie. Sozialarbeiter John hört später davon, dass der Kleine beim Angriff auf das Flüchtlingslager verschwunden ist. John versucht bei Opios Familie herauszufinden, was passiert ist. Man sagt ihm, Opio sei aus Angst weggerannt, nachdem das Flüchtlingslager seiner Eltern angegriffen wurde. Niemand weiß, ob ihn die Rebellen erneut entführten oder ob er getötet wurde.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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