L'Auberge Espagnole - Wiedersehen in St. Petersburg

Ausführlicher Inhalt

Fünf Jahre sind seit Xaviers (Romain Duris) Abenteuern in der multikulturellen Studenten-WG in Barcelona vergangen. Doch bislang hat sich sein beruflicher Traum, Schriftsteller zu werden, nicht erfüllt. Sein Roman ?L?Auberge espagnole?, der von seinem turbulenten Studentenleben in Barcelona erzählt, liegt (vorerst) auf Eis, da sich kein Verleger dafür begeistern konnte. Also bestreitet Xavier ? nach mühsamen Anfängen als Journalist ? seinen Lebensunterhalt nun mit dem Schreiben von TV-Liebesschnulzen. Dafür ist er eigentlich alles andere als prädestiniert, denn im Privatleben kommt der 29-Jährige mit Frauen auf keinen grünen Zweig!

Nie ist er mit ihnen auf einer Wellenlänge, ständig gibt es Missverständnisse. Seit seine explosive Beziehung zu Neus (Iréne Montala) in die Brüche ging, hetzt er von einer flüchtigen Affäre zur nächsten. Doch bei Xaviers neuem ? und lukrativem! ? TV-Auftrag, dem Drehbuch für eine Seifenoper, spielen weder sein Liebesleben noch seine Ambitionen eine Rolle. Die kitschige Serie soll vor allem eines: Quote bringen. Prompt gerät Xavier in Konflikt mit seinen Auftraggebern, bei denen seine Abneigung gegen Klischees auf wenig Verständnis stößt. Am Ende mußs sich Xavier fügen und den publikumswirksamen Kuss vor romantischem Sonnenuntergang ins Drehbuch einbauen.

Kompletter Schwachsinn sei das, empört sich Xaviers Ex-Freundin Martine (Audrey Tautou) und wirft ihm vor, sich unter Wert zu verkaufen. Engagieren müsse man sich heutzutage: gegen die Umweltverschmutzung, soziale Ausgrenzung und Gewalt! Mit ihren kämpferischen Parolen kompensiert Martine ihr desolates Liebesleben. Ständig hat die allein erziehende Mutter mit dem Vater ihres Kindes Zoff. Also mußs Xavier babysitten, wenn sie sich mal wieder zu einer hochwichtigen Anti-Globalisierungskonferenz nach Brasilien absetzt. Ihm geht Martines kompromisslose Art zuweilen auf die Nerven, doch auf ihre Freundschaft kann er sich verlassen.

Seine beste Freundin, die lesbische Börsianerin Isabelle (Cécile de France) aus seiner ehemaligen WG in Barcelona bei der er vorübergehend einzieht, ermahnt ihn dagegen zu mehr Realitätssinn. Wer sich Konflikten nicht stelle, könne keine Beziehung eingehen, schärft sie Xavier ein. Auf die Märchenprinzessin zu warten, sei zwecklos. Dabei hat sie mit den Frauen auch nicht besonders viel Glück. Gerade hat sie mit ihrer Freundin Schluss gemacht und schleppt nun, ähnlich wie Xavier, ständig neue Freundinnen nach Hause. Xaviers Freundeskreis scheint generell vom Liebespech verfolgt zu sein. Martine ist schon völlig verzweifelt und fürchtet, überhaupt keinen mehr abzubekommen ...

Was machen die um die 30-Jährigen nur falsch? Sogar Xaviers Mutter hat einen neuen Lover, während sein 98-jähriger Opa sich dauernd bei seinem Enkel beschwert, dass er ihm immer noch keine Freundin vorgestellt habe. Daraufhin überredet Xavier Isabelle, ihn bei seinem nächsten Besuch ?offiziell? zu begleiten, was natürlich im Desaster endet. In seinem Bemühen, es allen recht zu machen, begeht Xavier einen Fauxpas nach dem anderen. Zu allem Überfluss wird er dann auch noch zu einem Globalisierungsopfer. Der TV-Sender, der die Seifenoper produziert, ist von einem englischen Medienmogul aufgekauft worden.

Nun verlangen die TV-Bosse, dass das Drehbuch auf Englisch geschrieben wird! Doch Xavier hat Glück. William (Kevin Bishop), der Bruder von Wendy - Xaviers charmanter sommersprossiger Ex-Mitbewohnerin aus der Barcelona-WG - ist in Paris zu Besuch und hat eine Idee parat. Überhaupt hat sich der trinkfeste junge Angelsachse von früher gewandelt: Er arbeitet nun als Bühnentechniker an einem Londoner Theater und trägt sich sogar mit Heiratsabsichten. Für seine Flamme Natascha (Evguenya Obraztsova), eine Petersburger Balletttänzerin, hat William extra Russisch gelernt.

Die Schreibhilfe, die William dann für Xavier in London organisiert, ist niemand anderes als seine Schwester Wendy! Auch sie ist in den letzten Jahren um manche (Liebes-)Erfahrung reicher geworden. Xavier wird Zeuge, wie sie ihren gewalttätigen Liebhaber Edward vor die Tür setzt. Anschließend heult sie sich an der Schulter ihres französischen Freundes aus. Bald stellt sich während der gemeinsamen kreativen Arbeit die Vertrautheit von früher ein. Beruflich hat Xavier nun eine Glückssträhne. Die bezaubernde Celia (Lucy Gordon), ein 24-jähriges Top-Model, das seine Memoiren schreiben will, benötigt in Paris einen Ghostwriter.

Xavier übernimmt den Job gerne, zumal die Sympathie, die er schnell für die junge Schönheit empfindet, von ihr erwidert wird. Ständig pendelt er jetzt zwischen den beiden Metropolen hin und her. In London werkelt er mit Wendy an einer möglichst authentischen Version der TV-Serie. In Paris dagegen erliegt Xavier schließlich Celias Reizen. Doch kaum ist er zurück in London, verliert er die Fassung, als Wendy erneut mit ihrem Ex-Freund anbändelt. Zum wiederholten Mal gerät Xavier ins Grübeln: Ist es möglich, mehrere Frauen gleichzeitig zu lieben? Und überhaupt: Kann eine Frau so vollkommen sein wie die perfekte Straße ? 25 Meter hoch, 25 Meter breit und 250 Meter lang ? die William ihm in St. Petersburg zeigt?

Dort findet nämlich Williams Hochzeit mit Natascha statt, zu der noch einmal alle alten WG-Freunde aus Barcelona zu einem herzlichen Wiedersehen zusammenkommen. Und in Russland entdeckt der unentschlossene Xavier auch endlich, für wen sein Herz wirklich schlägt ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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