Edelweißpiraten

Produktionsnotizen

Teenager ? überall und zu allen Zeiten: Sie sind lebenshungrig, unangepasst, suchen ihre Identität. Sie bilden eine Szene, ihre eigene Jugendkultur. Sie ertragen keinen Zwang und tun, was sie selbst für richtig halten. Sie wehren sich. Deutschland zum Ende des Zweiten Weltkriegs: ?Edelweisspiraten? nennen sich tausende Jugendliche im zertrümmerten Köln und in anderen Städten. Ihr Erkennungszeichen ist die zähe, kleine Alpenpflanze. Sie sind nicht organisiert und unpolitisch.

Aber sie beugen sich nicht länger dem Druck der Diktatur: Sie prügeln sich mit der Hitlerjugend, verweigern sich dem Militär und sabotieren den Krieg. Einige müssen in den Untergrund, sie verstecken geflohene Juden, Zwangsarbeiter, Deserteure. Sie bewaffnen sich und nehmen den militanten Kampf gegen die Nazis auf. Sie bereiten die Sprengung der Kölner Gestapo-Zentrale vor ...

Gnadenlos reagiert der Staat. Die Gestapo verfolgt und findet die Jugendlichen, foltert sie, ermordet sie in aller Öffentlichkeit. Mitten in Köln-Ehrenfeld werden am 10. November 1944 acht junge Leute zwischen 16 und 24 Jahren und fünf Erwachsene ohne Urteil erhängt. Zahlreiche Menschen, darunter Freunde, Eltern und Geschwister sehen ohnmächtig zu. Die Amerikaner stehen bei Aachen, nur noch 70 Kilometer vor Köln. Der intuitiv entstandene Widerstand von Tausenden Jugendlicher gegen die NS-Diktatur ist ein weithin verdrängtes Kapitel deutscher Geschichte.

Denn ihre Handlungen waren auch eine Anklage gegen die Erwachsenen: Widerstand war möglich! Allein bei der Kölner Gestapo wurden Akten über rund 3.000 jugendliche Edelweisspiraten geführt. Nach dem Krieg wurden sie als Kriminelle abgestempelt, weil sie zum Überleben im Untergrund Diebstähle und Plünderungen begingen. Erst nach jahrzehntelanger Diskussion wurden sie Ende 2003 auch in Deutschland als Widerstandskämpfer anerkannt. Der Staat Israel hatte sie längst als ?Gerechte unter den Völkern? geehrt.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges in Köln. Trümmerwüste, Bombenhagel, brennendes Inferno. Alle haben Angst, viele sind tot, und die Unmenschlichkeit regiert. Ein Junge verrät seinen Bruder ? aus Liebe. ?EDELWEISSPIRATEN?, der neue Spielfilm von Niko von Glasow, schildert frei nach tatsächlichen Ereignissen die Geschichte einer Gruppe Jugendlicher aus Köln-Ehrenfeld aus der Sicht des 17-jährigen Karl (Ivan Stebunov). Einige der Edelweisspiraten scharten sich um den KZ-Flüchtling Hans Steinbrück (Bela B. Felsenheimer / ?Die Ärzte?), genannt ?Bombenhans? und seine Liebe Cilly (Anna Thalbach). Die Gestapo-Beamten stellen u.a. Jochen Nickel und Jan Decleir dar.

Regisseur und Produzent Niko von Glasow und seine Frau, die Drehbuchautorin Kiki von Glasow erzählen die damaligen Ereignisse in ihrer ganzen dramatischen Wucht. Über sieben Jahre arbeiteten sie an dem Drehbuch. Sie führten Gespräche mit Überlebenden und Angehörigen, werteten die Gestapo-Verhöre aus. Genau so lange dauerte es, bis der Film mit Hilfe von Filmförderungen (Filmstiftung NRW, BKM und FFA) und des West-deutschen Rundfunks (Red.: Helga Poche) finanziert war. Niko von Glasow will wie jeder Regisseur spannende Stoffe inszenieren, die das Publikum packen und bewegen.

Aber er hat auch ganz persönliche Motive, eine Widerstands-Geschichte zu verfilmen: ?Mein Vater ist jüdischer Abstammung und überlebte die Konzentrationslager. Ich gelte in den Augen der Nazis also gleich zweimal als ?lebensunwert?: Wegen meiner jüdischen Herkunft und als Körperbehinderter! In ?EDELWEISSPIRATEN? erzähle ich, wie ganz gewöhnliche junge Menschen in einer extremen Lage außergewöhnliche Dinge taten. Ich berichte, wie erbarmungslos der staatliche Terror einer Diktatur sein kann und wie menschlich Menschen sein können. Die Kamera verfolgt, läuft weg und versteckt sich. Wir halten drauf, ersparen den Zuschauern nichts, nehmen sie mit in die Verstecke, die Ruinen, die Folterkeller und an den Galgen.?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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