Manderlay

Produktionsnotizen

Die Inspiration Als Lars von Trier das Buch zu DOGVILLE schrieb, wurde er von Bertolt Brechts und Kurt Weills DIE DREIGROSCHENOPER (1928) inspiriert. Als Grace und ihr Vater die niedergebrannte Stadt und die abgeschlachteten Einwohner hinter sich lassen, erinnert ihre Haltung stark an jene Zeilen aus der gefeierten ?Piraten-Jenny?:

Und an diesem Mittag wird es still sein am Hafen,
wenn man fragt, wer wohl sterben mußs.
Und dann werden Sie mich sagen hören: Alle!
Und wenn dann der Kopf fällt, sag ich: Hoppla!


Die Handlung von MANDERLAY jedoch ist zu einem großen Teil aus Pauline Réages weltberühmter und frivoler HISTOIRE D?O (1954) entlehnt, die seinerzeit vom französischen Schriftsteller und Kritiker Jean Paulhan niedergeschrieben wurde. Der Titel von Jean Paulhans Vorwort ist "Das Glück der Sklaverei" ? es beginnt mit der Beschreibung einer Rebellion, die im Jahre 1838 ihren Schatten auf die Insel Barbados wirft: Eines frühen Morgens wandte sich eine Gruppe von "Negern", Männer und Frauen, denen vor kurzem vom Gesetz ihre Freiheit geschenkt wurde, an ihren ehemaligen Herrn, einen gewissen Mr. Glenelg, und baten ihn, wieder seine Sklaven sein zu dürfen.

Nach einer längeren Diskussion weigerte sich Mr. Glenelg, ihrer Bitte nachzukommen; niemand weiß, ob das aus Furcht oder aus Skrupel geschah, oder einfach, weil er ein gesetzestreuer Bürger war. Seine früheren Sklaven begannen nun, Gewalt anzuwenden ? zuerst nur vorsichtig, doch als ihre Versuche keinen Erfolg brachten, massakrierte die Gruppe ihn und seine Familie, und noch in der selben Nacht zogen die Sklaven zurück in ihre ehemaligen Quartiere, wo sie damit fortfuhren, ihrer einstigen Arbeit so nachzugehen, wie sie es vor der Abschaffung der Sklaverei getan hatten. Eine weitere Inspiration für Lars von Trier waren die kontroversen ?Amerikanischen Bilder? seines Landsmannes, des dänischen Fotografen und Autors Jacob Holdt.

Das Set Wie bereits in DOGVILLE wird auch in MANDERLAY die Szenerie von einer großen Bühne bestimmt ? ein weiß bemalter Boden mit nur wenigen Kulissen und Requisiten, umgeben von einem riesigen Vorhang. Straßen, Gebäude und andere Örtlichkeiten sind in schwarzer Schrift gekennzeichnet: der Garten der alten Dame, die Scheune, der Hühnerstall, der rote Lehm, das "große Dach", der Esstisch der Sklaven, Luzifers Brunnen, das Badehaus, die Familienhütten ...

Es gibt nur wenige Wände, keine Türen, nur einen einzigen hölzernen Zaun, ein zerbrochenes Fenster, einfache Tische und Stühle, die Tore, den Eichenbaum, den Brunnen und den Esel Luzifer in einer Tretmühle. Das doppelgeschössige Herrenhaus dagegen, mit seinen beeindruckenden Säulen und der eingemeißelten Inschrift "Wenig, wenig kann ich geben" wurde wie ein gigantisches Puppenhaus mit Treppen, Türen, Möbeln und einem Kamin erbaut. Hier, in dieser kargen Umgebung, entfaltet sich das Drama um Manderlay.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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