Der Exorzismus von Emily Rose

Produktionsnotizen

"Der Exorzismus von Emily Rose" ist die bewegende Geschichte einer jungen Frau, die auf verzweifelte und unerklärliche Weise erkrankt. Emily Rose erlebt schreckliche Visionen und leidet an zerstörerischen Krämpfen, die ihren Körper verdrehen und schwächen. Von einem Neurologen wird Epilepsie diagnostiziert, doch die Medikamente, die er verschreibt, erweisen sich als ineffektiv. Ihre Symptome verschlechtern sich, und eine zweite Diagnose eines Psychologen besagt, dass Emily nicht einfach epileptisch ist, sondern auch psychotisch.

Als ihr Leiden immer schlimmer wird und die medizinische Behandlung keine Linderung verleiht, wendet sich Emily hilfesuchend an ihren Gemeindepfarrer. Pfarrer Moore stimmt zu, einen Exorzismus durchzuführen, etwas, was noch nie zuvor getan wurde. Emily und Pater Moore legen ihr Vertrauen in ihre Religion, die eine Erklärung für Emilys Krankheit anbietet; Dämonen haben von ihrem Geist und Körper Besitz ergriffen und sind die Ursache für ihre unveränderlichen Torturen.

Trotz Pater Moores heroischen Bemühungen stirbt Emily während des Exorzismus und der Priester wird anschließend der fahrlässigen Tötung angeklagt, weil er keine medizinische Unterstützung erbeten hatte. Die daraus resultierende Verhandlung stellt Vernunft und Wissenschaft gegen spirituellen Glauben und Schicksal und führt den Zuschauer durch die Ereignisse und Emilys sich immer weiter verschlechternden Zustand und zeigt Interpretationen beider Seiten des Falls.

?Akira Kurosawa ist sicher mein Lieblingsregisseur und sein Film Rashomon (Rashomon ? Das Lustwäldchen, 1950) ist meiner Meinung nach einer seiner besten Filme. Ich finde die Struktur des Films faszinierend und erfgreifend. Es ist letztlich ein Gerichtsdrama, das auf ein einzelnes Ereignis aus verschiedenen Perspektiven zurückblickt?, so Regisseur und Koautor Scott Derrickson.

?Der Vorteil daran, während der Gerichtsszenen in die verschiedenen Perspektiven der Besessenheit und des Exorzismus von Emily Rose zurückblenden zu können, erlaubt dem Publikum, sich seine eigene Meinung darüber zu bilden, was passiert sein mag?, setzt Derrickson fort. ?Meine Intention war, einen Film zu machen, der die Menschen dazu provoziert, sich zu fragen, was sie über das Böse denken, was sie über das Dämonische denken. Es ist unvermeidlich, dass du bei dieser Fragestellung damit endest, dich selbst zu fragen, was du über Gott denkst, über Moral und über die Natur von Erinnerungen und Wahrheiten.?

Abgesehen davon, dass sie das Publikum auf diese Weise einbezieht, gestattet die Struktur der Story den Figuren, ihr eigenes Glaubenssystem zu hinterfragen. ?Laura Linneys Figur Erin wechselt ihre Sichtweise mehrfach und sie beginnt, sich selbst die Art von Fragen zu stellen, die die Religion und eine spirituelle Weltsicht aufwerfen. Welches sind die ethischen Werte, nach denen man leben sollte ? für welchen Weg entscheidet man sich im Umgang mit anderen Menschen??, erklärt Produzent und Koautor Paul Harris Boardman.

?Es gibt zwei Sichtweisen, die der Film zeigt, und die Debatte zwischen beiden ist wirklich faszinierend?, so Produzent Tripp Vinson. ?Es ist eine Debatte, die seit Beginn der Menschheit geführt wird. Was glauben wir, und was können wir tatsächlich beweisen??

Die Produktion ?DER EXORZISMUS VON EMILY ROSE erregte erstmals meine Aufmerksamkeit an einem verregneten Sonntagnachmittag, an dem mich Clint Culpepper, Präsident von Screen Gems, anrief: ,Ich habe 40 Seiten von diesem Skript hinter mir. Du mußst es unbedingt lesen??, so erinnert sich Produzent Gary Lucchesi. ?Also fuhr ich rüber nach Kinko?s, traf Clint und begann mit dem Lesen des Skripts, während er es noch kopierte. Ich nahm es mit nach Hause und nach einer Stunde hatte ich 125 Seiten gelesen, nicht, weil ich ein schneller Leser bin, sondern weil die Geschichte und das Drehbuch so herausfordernd und reizvoll waren. Wir kauften den Stoff in derselben Nacht.?

Derrickson und Boardman stießen zufällig auf die Story, die das Drehbuch inspiriert hatte, und waren sofort Feuer und Flamme. ?Paul und ich recherchierten gerade für ein Jerry-Bruckheimer-Drehbuch. Wir arbeiteten mit einem New Yorker Polizeibeamten zusammen, der darauf spezialisiert ist, paranormale Phänomene zu untersuchen?, erinnert sich Derrickson. ?Der Polizist spielte uns einen Ausschnitt aus einem Audiotape von einem tatsächlichen Exorzismus vor, bei dem man Gänsehaut bekam?, sagt Boardman. ?Er lieferte uns einige Hintergründe der Geschichte, die wirklich außergewöhnlich waren.?

?Die Tatsache, dass dieses junge Mädchen ihr Leben verloren hatte, bewegte mich sehr?, so Derrickson. ?Die Fragen, die die Geschichte aufwirft, sind unglaublich provokant, und ich wusste, dass ein Film, der diese Story ans Licht bringen würde, das Publikum dazu bringen würde, sich dieselben Fragen zu stellen.

?Wir fanden heraus, dass die junge Frau einen sehr einnehmenden Charakter hatte. Wir waren sofort von ihr angetan?, ergänzt Boardman. ?Angesichts der inherenten Struktur der Story, die in einer Gerichtsverhandlung endet, sahen wir einen Weg, die gegenwärtigen Fragen des Glaubens in verschiedenen Perspektiven und Wahrheiten zu zeigen. Gleichzeitig war das, was sie durchgemacht hatte, so beängstigend, dass es uns klar war, mit heftigen Horrorsequenzen etwas darzustellen, das die übernatürliche Seite der Story ebenfalls zeigen würde.?

?In diesem Film wird eine grundsätzliche Angst des Menschen angesprochen: Existiert das Böse tatsächlich??, bemerkt Produzent Tom Rosenberg. ?Und wenn das Böse existiert, ist es allmächtig ? und was tust du in seinem Angesicht??

  • Römische Priester erhalten Unterricht in Exorzismus - Von Mark Duff, BBC News, Mailand, 17.2.2005: "Die Vatikan-Universität bietet einen neuen Kurs für Exorzisten an ? römisch-katholische Priester, die Besessenen böse Geister austreiben sollen. Der Unterricht am angesehenen Athenaeum Pontificium Regina Apostolorum wird die Geschichte des Satanismus und dessen Kontext innerhalb der Bibel beinhalten. Außerdem umfasst der Unterricht praktische Seminare in Psychologie und Recht. In Italien ist die Sorge um den Einfluss des Satankults groß ? insbesondere unter den jungen und beeinflussbaren Menschen. Es wird außerdem Seminare im Athenaeum, auch bekannt als UPRA, stattfinden, die sich mit den spirituellen, liturgischen und pastoralen Aspekten des Daseins eines Exorzisten befassen."

?Ich glaube, das Beängstigende an diesem Film ist, dass wir es mit etwas zu tun haben, von dem man weiß, dass es existiert. Es gibt Menschen, die sich tatsächlich einem Exorzismus unterziehen?, so Derrickson. ?Wenn man an Linda Blair in The Exorcist (Der Exorzist, 1973) und an die extremen Spezialeffekte und das Makeup denkt, hinterlässt das einen gewissen Grad an Unglauben.

In diesem Film sind die Besessenheit und die Exorzismus-Szenen gleichsam verstörend ? und sie sind auch gewaltsam und extrem ?, aber sie sind glaubwürdig. Jennifer Carpenters schauspielerische Leistung erlaubte es mir, einen Film zu machen, der nicht von visuellen Effekten abhängig ist, weil ihr Schauspiel außergewöhnlich und nicht vorhersehbar ist. So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen.?

Das Casting für den Film begann damit, die Besetzung für die Rollen von Erin Bruner und Pater Richard Moore zu finden. Diese zwei Figuren bilden die Basis des Dramas und verkörpern beide Seiten des Streitfalls. Erin ist die Skeptische, während Pater Moore ein Mann von unerschütterlichem Glauben ist. ?Wir einigten uns darauf, dass der beste Weg, diese Story zu erzählen, jener durch die Augen eines nicht kirchlich denkenden Charakters wäre, nämlich der Erin Bruners?, erklärt Tripp Vinson. Als Pater Moores Verteidigerin begibt sich Erin auf eine innere Reise, die sie aus ihrer selbstzufriedenen Sicherheit an die Grenzbereiche ihrer tiefsten Ängste und darüber hinaus bringt.

?Eines der Dinge, das mich wirklich an diesem Drehbuch interessiert hat, war diese Thematik von persönlichen Dämonen im Vergleich mit religiösen Dämonen und wie unterschiedlich etwas wahrgenommen werden kann?, bemerkt Laura Linney. ?Erin macht ganz unterschiedliche Erfahrungen in dem Film und sie versucht sie zu deuten. Sie kann einerseits alles rational betrachten oder aber andererseits aus einem ganz anderen Blickwinkel und zu ganz anderen Schlussfolgerungen über etwas, was ganz normal scheint, kommen. Ist es einfach der Wind, durch den die Tür sich wie von alleine öffnet oder ist es mehr als das??

?Laura bringt diese emotionale Glaubwürdigkeit in die Rolle, die den Film in der Realität verankert?, sagt Derrickson. ?Sie hat diese Aufrichtigkeit gepaart mit scharfem Verstand an sich, die sie als Verteidigerin glaubwürdig macht.? Die Figur des Pfarrers Richard Moore, des Mannes, der angeklagt ist und in dessen Obhut das junge Mädchen starb, mußste ein einfühlsamer Charakter sein. ?Tom Wilkinsons Gesicht strahlt sehr viel Güte aus?, bemerkt Boardman.

?Wenn du ihn auf der Leinwand siehst, kannst du in seinen Augen lesen, was vor sich geht. Man sieht, dass etwas aus seiner Vergangenheit auf ihm lastet, aber du fühlst auch Empathie für ihn und fühlst mit ihm mit.?

?Ich glaube, dass der Charakter Pater Moore ein sehr schwieriges Kapitel in seinem Leben zu bewältigen hat und er stellt sich der Zukunft mit Mut und Tapferkeit und vor allem seinem Glauben entgegen?, überlegt Tom Wilkinson. ?In der Begegnung mit Emily entdeckt er eine satanische Präsenz und das bestärkt seinen Glauben darin, dass sie nicht einfach nur psychotisch ist.?

Erin verändert sich durch die Beziehung zu Pater Moore. ?Pater Moore ist kein Spinner, er ist kein Dummkopf oder ein religiöser Fanatiker?, erklärt Wilkinson. ?Erin lässt sich auf Pater Moore ein und kann sich dem Glauben, an dem er so stark festhält, nicht entziehen? Derrickson hatte sich noch nicht auf eine Schauspielerin, die Emily Rose spielen sollte festgelegt, als Laura Linney vorschlug, Jennifer Carpenter vorsprechen zu lassen.

Laura und Jennifer hatten zusammen in der Broadway-Produktion ?The Crucible? auf der Bühne gestanden und Linney hielt sie für eine der besten jungen Schauspielerinnen, die sie je gesehen hatte. ?Jennifers zweites Vorsprechen änderte meine ganze Herangehensweise an den Film?, so Derrickson. ?Als ich sah, wie sie sich anhörte und ihren Körper bewegte, wusste ich, dass ich mich nicht auf visuelle Effekte verlassen müsste. Sie war in sich gekehrt und dann wieder vollkommen außer sich, wirklich Furcht einflößend.?

?Ich bereitete mich auf diese Rolle vor, wie es eine Sportlerin tun würde, so dass ich alles tun konnte, körperlich oder geistig, was Scott verlangte; so, dass ich in der Lage war, überall dorthin zu gehen, wo er mich versuchte hinzubewegen?, erklärt Carpenter. ?Ich las mehrere Bücher über Besessenheit und Exorzismus und ein paar Studien über Epilepsie. Ich versuchte, alles aus der Vogelperspektive zu betrachten und mich nicht durch meine eigene Sichtweise beeinflussen zu lassen.?

?Jennifers Performance hat mich umgehauen?, bestätigt Vinson. ?Es gab Witze am Set nach der Exorzismus-Szene, Sie wissen schon, diese Art von unsicheren Witzen wie: Wow... vielleicht ist sie ja wirklich besessen! Es hat großen Eindruck bei mir hinterlassen.?

?Es war ein großes Privileg, mit Jennifer zu arbeiten?, sagt Tom Wilkinson. ?Sie hat wirklich alles gegeben und das war toll für mich, weil mein Schauspiel damit einem gewissen Druck ausgesetzt war. Sie war unglaublich intensiv in allem.? Campbell Scott spielt Ethan Thomas, den Staatsanwalt. Thomas ist ein streng gläubiger Methodist, der nicht an den katholischen Begriff der Besessenheit und des Exorzismus glaubt. ?Ich wollte einen Mann, der selbst gläubig ist, porträtieren, der dieser Art von Phänomen skeptisch gegenübersteht?, so Derrickson.

?Es verstärkt die Komplexität, dass das Publikum ihn nicht einfach als unreligiöse Person abschreiben kann. Er glaubt an Gott, aber er glaubt auch von ganzem Herzen, dass Pater Moore fahrlässig gehandelt hat und den Tod des jungen Mädchens herbeiführte.? ?Ethan Thomas ist hoch intellektuell ... er ist sehr leidenschaftlich und dies drückt sich in seiner Entschlossenheit als Rechtsdiener aus?, fasst Scott die Eigenschaften seiner Figur zusammen.

?Campbell hat eine Art, einen sehr aggressiven Anwalt zu spielen, ohne zu barsch oder feindselig zu sein?, findet Derrickson. ?Er scheint auf einem sehr schmalen Grat zu wandern. Man kann sich leicht mit seinen Argumenten identifizieren und ich glaube, dass sich eine Menge Leute mehr mit seiner Skepsis zu dem Ganzen identifizieren werden.? Shohreh Aghdashloo spielt Dr. Adani, eine bekannte Anthropologin, die Erin Bruner in den Zeugenstand ruft. ?Shorehs Figur kam als Ergebnis der Recherchen, die wir unternommen hatten, ins Drehbuch?, so Derrickson.

?Für mich war es zwingend notwendig, Informationen in den Film mit einfließen zu lassen, die möglicherweise das Phänomen des Exorzismus aus einer nicht-religiösen Sichtweise legitimieren würde. Dr. Adani ist keine Katholikin, aber sie verteidigt die Tatsache, dass Besessenheit und Exorzismus ein globales Phänomen sind, das in allen Kulturen vorkommt.? Derrickson und Boardman begannen den Prozess der Vorproduktion mit einer sehr klaren Idee zu dem Look des Films. ?Die visuelle Intention des Films war immer jene, Schönheit und Horror miteinander zu verbinden?, erklärt Derrickson. ?Selbst das Kruzifix stellt dies dar. Es ist eine schöne Darstellung mit einer schönen Bedeutung, gleichzeitig ein entsetzliches und gewaltsames Bild.?

Derrickson zeigte Szenenbildner David Brisbin eine Reihe von Gemälden von Francis Bacon, die dem Look des Films, den er sich vorstellte, sehr nahe kamen, sowohl hinsichtlich der Farbe als auch der emotionalen Stimmung der Bilder. ?Die Farben assoziiert man nicht sofort mit etwas Makaberen, aber sie werden auf eine Art und Weise eingesetzt, die zutiefst verstörend ist?, so Derrickson.

?Ich neige dazu, der Idee zu widerstehen, Charaktere oder das dazu gehörige emotionale Umfeld durch Farben zu verdeutlichen?, sagt Brisbin. ?Wie auch immer ? Scotts Idee dazu war eindrucksvoll und sehr stark in seinem Skript verankert. Im Kontext mit den Bacon-Gemälden machte es auch Sinn. Die Farbpalette von DER EXORZISMUS VON EMILY ROSE ist in verschiedene Zonen eingeteilt?, erklärt Brisbin. ?Orange repräsentiert den Horror, Kastanienbraun die Untersuchungen und Weiß die Hoffnung. Dies sind die Grundfarben der ganzen Story.?

Die filmischen Referenzen, auf die sich Derrickson bezog, als es um die Definition des visuellen Stils des Films ging, reichten von Dario Argento bis zu Ingmar Bergman. ?Scott versucht damit das Genre auszuweiten?, fährt Brisbin fort. ?Da er auf Referenzen verwies, die nicht im Horrorgenre verwurzelt sind, war es wichtig, nach einer realen Welt zu suchen, die nichts mit Filmischem zu tun hatte. Wir blieben dem Gotischen fern, abgesehen von den traditionellen Momenten wie der Szene in der Kapelle.?

Brisbin arbeitete eng mit Kameramann Tom Stern zusammen, um die Parameter von Emilys Welt zu bestimmen. ?Ein gutes Beispiel dafür, wie sorgfältig wir das Licht und die Farbpalette auf die Ereignisse der Story abstimmten, ist die Sequenz, in der Emily aus ihrem Klassenzimmer flieht?, erinnert sich Brisbin. ?Wir überlegten, was wir aus der Architektur, an der sie vorbeikommt, herausholen konnten und wie wir die Farbintensität erhöhen könnten, wenn sie zu der Kapelle rennt. Bevor sie die Kapelle erreicht, lassen wir sie an grell-orangefarbenen Wänden vorbeigehen.

Das Schöne in Scotts und Pauls Skript liegt darin, dass wir zu diesem Moment zurückkehren, jedoch dann nicht mehr von Emilys Vision beeinträchtigt sind und dasselbe Gebäude in der Farbe, das es in der Realität hat, sehen können. Wir konnten uns in eine präkäre Situation hinein begeben, ohne dabei dumm oder theatralisch zu wirken. Es ist eben eine präkäre Situation, in der sich Emily in der Story befindet.?

?Wir hatten gerade die Dreharbeiten zu Million Dollar Baby (Million Dollar Baby, 2005) mit Tom Stern als Kameramann und Steve Campanelli als Operator abgeschlossen?, erinnert sich Tom Rosenberg. ?Wir hatten großen Respekt vor Tom und Steve und wir waren froh, dass sie an diesem Film mitarbeiten wollten.?

?Tom war schon sehr früh mit uns auf einer Wellenlänge hinsichtlich des Looks und der Stimmung des Films, die wir kreieren wollten?, sagt Boardman. ?Ich sehe dies als einen europäischen Autokino-Film?, sagte Tom, glaube ich. Er hat die Genreelemente, den Unterhaltungsfaktor, aber auch ein wenig von diesem Anspruch ?Lass uns Film auch als eine Art Kunst darstellen.? Die visuellen Effekte des Films waren sorgfältig designt, um die Realität zu unterstreichen, ohne jedoch zu übertreiben. ?Für mich übt es als Effekte-Spezialist großen Reiz aus, einen hohen Grad an Realismus zu erreichen?, so VFX Supervisor Michael Shelton.

?Es gibt sehr viel Creature-Arbeit in VFX-Filmen, was grundsätzlich toll ist, aber was meiner Meinung nach nicht immer unbedingt benutzt werden sollte. Die Herausforderung, die Effekte in diesem Film glaubwürdig darzustellen, wird beim Publikum ein verstörtes Gefühl auslösen. Ein Beispiel für diese subtile Herangehensweise an die visuellen Effekte wird in der Kapellen-Szene offensichtlich. Emily nähert sich dem Kruzifix und fleht um Trost, wird jedoch gewaltsam davon zurückgestoßen.

?Wir brachten eine Vorrichtung an, mit der Jennifer angebunden wurde, so dass ihre Beine unbeweglich und ihre untere Wirbelsäule gestützt wurden. So konnte sie sich weiter nach hinten lehnen, als es normalerweise möglich wäre?, erklärt Shelton. Ein innovativer Aspekt der FX-Arbeit an dem Film ist die Verwendung von visuellem Effekt-Tracking-Make-up in Situationen, in denen normalerweise Prothesen eingesetzt würden. Die mit dieser Technik für die Schauspieler und die Produktion eingesparte Zeit ist enorm.

Der Vorteil für die FX-Künstler ist ein größerer Grad an Kontrolle und Freiheiten bezüglich des Designs und der Frage, wie weit sie damit gehen können. ?Wir sind nicht an die Knochenstruktur eines Menschen gebunden, an die Fehlbarkeiten der Hilfsmittel oder der Lichtsetzung?, sagt Shelton. Der Prozess des Make-Up-Trackings beginnt mit der Kreation von 3D-Modellen des Kopfs des Schauspielers.

?Sobald eine bestimmte Sequenz gedreht worden ist, checken wir alle Kamerawinkel, Bewegungen und Lichtvoraussetzungen und animieren dann den Kopf in 3D, so dass dieser exakt auf das passt, was der Schauspieler im Film macht?, erklärt Shelton. ?Dann ergänzen wir das Tracking-Make-Up mit dem 3D-Kopf, rendern nur das Make-up und mischen diesen mit der flachen Fotografie.? Während der Exorzismus-Szene, die in einer Scheune stattfindet, treten alle Arten von Ungeziefer zutage, als sich Emilys Dämonen angesichts von Pater Moores Entschlossenheit, sie zu verbannen, aufbäumen.

Schlangen wurden lange Zeit mit dem Bösen assoziiert, von der biblischen Schlange im Garten Eden, die für die Verführung von Eva verantwortlich war, bis zu der ?Schlange im Gras?-Beschreibung für jemanden, dem man nicht trauen kann. Eine vier Fuß lange Python aus Australien, liebenswerterweise von ihrem Besitzer Brad McDonald Julius Squeezer genannt, trägt mit ihrem Part dazu bei, die Szene noch bedrohlicher wirken zu lassen. ?Sie ist ein Jungtier?, so McDonald. ?Sie kann bis zu zwölf Fuß lang werden und lebt auf Bäumen, das heißt klettert an Bäumen hoch und schlängelt sich in den Dachsparren der Umgebung herum.?

"Der Exorzismus von Emily Rose" verbindet die Genres höchst effektiv. ?Ich glaube, das erhöht die Spannung?, findet Laura Linney. ?Du hast die Spannung eines Gerichtsdramas und die des Übernatürlichen zusammen. Du hast etwas, das auf Tatsachen beruht ? das Gericht ?, das sich mit etwas Verwirrendem und Fragwürdigen auseinandersetzt ? dem Übernatürlichen.? Angesichts der starken Zunahme fundamentaler religiöser Sekten und Bürgerkriege, die auf ethnischen und religiösen Differenzen beruhen, scheinen die verschiedenen Fragen, die der Film stellt, sowohl relevant als auch notwendig.

?Eine Sache, die eine Seite in mir berührte, ist eine Zeile, die Pater Moore spricht, die besagt, dass Glauben und Zweifel nebeneinander existieren sollten, denn Glauben ohne Zweifel könnte gefährlich sein?, sagt Jennifer Carpenter. ?Ein Teil des Uneingeschränkten, wie die Natur des Bösen, kann auf metaphorische Weise in einem Horrorfilm behandelt werden?, formuliert Boardman. ?Die Metapher wird in einem Horrorfilm real und ich denke, dass es uns hilft, mit diesen größeren Fragen umzugehen.?

?Als jemand, der zwölf Jahre lang eine katholische Schule besucht hat, entschloss ich mich, die biblische Story als allegorisch zu interpretieren?, so Gary Lucchesi. ?Wenn ich an Ostern denke, denke ich an die Wiederauferstehung. Bei so vielem geht es um die Interpretation ? welche Sicht wir auf das Leben wählen.? ?Die Debatte ist relevant, da sie auf ethische Fragen Einfluss hat, die die Stammzellenforschung und andere wissenschaftliche Bereiche beeinflussen?, gibt Tripp Vinson zu bedenken.

?Das Wichtigste ist, dass dieser Film nicht versucht, jedem vorzuschreiben, was er glauben oder denken soll?, ergänzt Laura Linney. ?Es geht um Fragestellungen, aber sicherlich nicht darum, Antworten zu geben.?

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Dirk Jasper FilmLexikon

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