Ein ungezähmtes Leben

Produktionsnotizen

Nachdem der Drehbuchautor, Essayist und Romancier Mark Spragg seine preisgekrönten Memoiren ?Where Rivers Change Direction? fertig gestellt hatte, beschlossen er und seine Frau Virginia, ein gemeinsames Projekt anzugehen: einen Film zum Thema Vergebung. ?Wir waren beide außergewöhnlich fasziniert von Männern im Alter, von ihrer Weisheit, von der Last eines langen Lebens. Das war unser Ausgangspunkt?, erinnert sich Mark. Und Virginia, eine ehemalige Therapeutin, ergänzt: ?Wir haben außerdem umfangreiche Recherchen über die Beweggründe von misshandelten Frauen angestellt. Dabei erfuhren wir, dass eine Frau ihren Peiniger fünfmal verlässt, bevor sie sich endgültig von ihm trennt. Und in den folgenden sechs Monaten ist es am wahrscheinlichsten, dass sie von ihm umgebracht wird.?

Die Statistiken waren erschreckend. Auch zum Thema Grizzlybär-Attacken stellte das Paar Recherchen in seiner Nachbarschaft rund um den Yellowstone National Park an und sprach mit mehreren Menschen, die Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt hatten. ?Die Grizzlys haben hier in der Gegend ein Comeback erlebt?, erklärt Mark, der sich bezüglich der Authentizität der Narben des alten Mitch von einem Arzt beraten ließ. ?Was sich in unserem Drehbuch abspielt, basiert auf tatsächlichen Ereignissen aus unserer Umgebung.?

Das Autorenduo schickte das fertige Drehbuch an seinen Agenten, der es an die Produzentin Kelliann Ladd weiterreichte. Ladd war bereits bestens vertraut mit Mark Spraggs Arbeiten und mochte das Skript auf Anhieb: ?Das Drehbuch ist sehr poetisch, wie aus einer anderen Zeit. Es handelt von Menschen und Gefühlen. Mark berührt einen Punkt in uns, der jedem vertraut ist.? Ladd tat sich mit ihrem Vater, dem Produzenten Alan Ladd Jr., zusammen, um die Produktion des Films auf den Weg zu bringen.

?Als Laddie uns bat, eine Liste mit unseren Wunschregisseuren zu erstellen, stand Lasse Hallström ganz oben?, sagt Mark Spragg. Alan Ladd Jr. ergänzt: ?Für mich ist der Film ein starkes Familiendrama über Vergebung. Wie eine Familie von einem Unglücksfall auseinander gerissen und dann wieder zusammengebracht werden kann, das ist schon ein überaus ansprechendes Thema. Lasse war die perfekte Wahl für die Regie.? Diese Sicht teilt auch der mehrfach Oscar-nominierte Filmemacher: ?Die meisten meiner Filme sind character driven, und das gilt auch für EIN UNGEZÄHMTES LEBEN. Ich fühle mich von Filmen angezogen, die von originellen Figuren und dysfunktionalen Familien erzählen.? Als der Schwede das Drehbuch erhielt, war er sofort vom Tonfall und der Bandbreite der Story begeistert.

?Es ist nicht nur ein Familiendrama ? es enthält auch Spannungsmomente und handelt von Dingen, mit denen ich mich noch nie beschäftigt habe, etwa große Bären oder Leute mit Kanonen. Es sind die Charaktere, die mich ansprechen und die ich wieder erkenne, obwohl dies der Wilde Westen ist ? wenigstens für einen Schweden. Ich habe im Lauf meines Lebens solche Menschen kennen gelernt, obwohl diese Welt so weit von meiner eigenen entfernt liegt. Und ich glaube, ich kenne ihre Gefühle und Schwächen. Ich kenne dieses Mädchen, weiß, wie es sich in seiner Lage fühlt. Es ist also, auf einem emotionalen Level, eine universelle Geschichte. Sogar ein Schwede kann sie verstehen.?

Und Leslie Holleran, Hallströms langjährige Produzentin, ergänzt: ?Der Unterschied zu Lasses früheren Filmen besteht in der Beziehung zwischen Einar und Mitch. Es ist die Liebesgeschichte des Films. Obwohl es um sehr starke, maskuline Männer geht, geht es um Pflege und Mitgefühl ? eine Intimität, die man nicht oft zu sehen bekommt.? Das sieht auch Hallström so: ?Tatsächlich ist die Freundschaft der beiden Männer, Einar und Mitch, der originellste Teil des Films.?

Obwohl es im übrigen den Roman ?An Unfinished Life? von Mark Spragg bereits im Sommer 2004 in den amerikanischen Buchläden zu kaufen gab (auf deutsch erschienen als ?Ein ungezähmtes Leben? bei Droemer/Knaur), handelt es sich bei dem Film nicht um eine Adaption. In Umkehrung der gewöhnlichen Reihenfolge stellte der Autor seinen Roman nämlich erst fertig, nachdem er das Drehbuch bereits abgeliefert hatte.

Die Besetzung ?Ich könnte nicht zufriedener mit meinem Cast sein?, erklärt Hallström. ?Robert Redford, Jennifer Lopez und Morgan Freeman waren alle unsere erste Wahl. Und mit Becca Gardner fanden wir ein großartiges Mädchen. Mein Eindruck ist, dass hier die richtigen Leute zur richtigen Zeit mit der richtigen Geschichte zusammengefunden haben.? Hallströms feinfühliger Regiestil erzeugte eine einmalige Atmosphäre am Set. Während der Dreharbeiten zu einer Szene sagte Josh Lucas zu Jennifer Lopez: ?Schau Jen, da stehen etwa 70 Leute hinter der Kamera, und jeder Einzelne von ihnen hat ein strahlendes Lächeln auf dem Gesicht. Hast du so was schon mal gesehen?? ?Noch nie?, antwortete Lopez. Einar und Mitch ?Einar ist ein Mann dieses Landes?, erklärt Produzentin Leslie Holleran, ?ein Mann, der ein Leben in der endlosen Weite gewählt hat und davon geprägt wurde; ein Mann, der sich wahrscheinlich ein wenig unwohl fühlt angesichts der politischen Korrektheit der modernen Welt, aber auch ein Mann, den der Tod eines geliebten Menschen so verletzt hat, dass er seine Farm und seine Familie in den Ruin getrieben hat.?

Robert Redford erklärt seine Faszination für seine Rolle und den Film: ?Die Arbeit der Rancher ist heutzutage beinahe überflüssig geworden, und die Landwirtschaft, ein Fundament unserer Kultur, wird von der Technologie und der Immobilienbranche zur Seite geschoben. Als ich heranwuchs, habe ich Figuren wie meine in diesem Film sehr gut kennen gelernt. Ein anderer Grund für mich, bei diesem Projekt dabei sein zu wollen war, dass ich einmal mit Lasse zusammenarbeiten wollte. Ich schätze sein Zartgefühl und seine Sensibilität als Filmemacher. Ich war mir sicher, dass sich bei Lasse viel zwischen den Zeilen abspielen würde, also genauso, wie es sich im Leben im Westen wirklich abspielt. Es ist ein Leben, in dem nicht viele Worte gemacht werden, weil die Arbeit so schwer ist. Man steht zu seinem Wort und verfügt über einen Ehrenkodex.?

Kelliann Ladd ergänzt: ?Einars Sohn war sein Lebensinhalt, und als er ihn verlor, zog er sich komplett zurück. Er kümmert sich nicht mehr um seine Ranch. Er lässt sie verkommen. Der einzige Mensch in seinem Leben ist Mitch. Erst als seine Enkelin in sein Leben tritt, hat er wieder einen Grund, sich zu öffnen.? Morgan Freeman war die perfekte Wahl für die Rolle des Mitch Bradley. ?Ich bin ein Bewunderer von Morgans Arbeit als Schauspieler?, schwärmt Redford.

?Bei BRUBAKER (1980) haben wir schon einmal zusammengearbeitet, und ich wollte das unbedingt noch einmal tun. Er war so großzügig, wieder und wieder nach Sundance zu kommen, um junge Talente zu unterstützen; es gab also bereits eine enge Verbindung zwischen uns. Das betrachtete ich als großen Vorteil für das Zusammenspiel unserer Figuren.? ?Es gibt Leute, mit denen es einfach Klick macht?, erwidert Freeman. ?Unsere Zusammenarbeit funktionierte schon beim ersten Mal sehr gut, und wir sind seither Freunde geblieben, also passte hier wirklich alles bestens zusammen.? Lasse Hallström erklärt: ?Die Chemie zwischen den beiden stimmt, sie kennen einander sehr gut. Es war fantastisch, sie gemeinsam vor der Kamera zu beobachten.? ?Im Film sind sie wie Brüder,? meint Jennifer Lopez.

Jean Jennifer Lopez stieß als erste aus der Schauspielerriege zu dem Projekt. ?Sie verliebte sich sofort in das Drehbuch?, erzählt Kelliann Ladd. ?Sie ist sehr tiefgründig und hat eine Menge in die Rolle mit eingebracht.? ?Ein Lasse-Hallström-Film ist einfach Weltklasse?, schwärmt Lopez. ?Er zählt zu den Top-Regisseuren, besser geht es einfach nicht. Wenn man mit ihm arbeitet, erfährt man auch warum. Er hat ein großartiges Auge und vertraut einem total.?

Holleran erklärt: ?Wir suchten nach einer Jean, die ganz selbstverständlich den Widerspruch in sich vereinen konnte, sowohl sinnlich als auch verdorben zu sein, die verletzlich sein kann und voller Schuldgefühle, die sich selbst bestraft, aber zugleich auch etwas Kämpferisches hat und ihrer Tochter ein anständiges Leben bieten möchte ? eine gute Mutter, die die falschen Entscheidungen getroffen hat. Es gab unendlich viele verschiedene Schichten. Sie ist nicht das brave Mädchen in ungünstiger Lage. Sie ist ein echter Mensch, eine echte Frau ? und Jennifer vereint das alles in sich.?

Griff An ihrem 13. Geburtstag bekam Becca Gardner aufregende Neuigkeiten: Sie erfuhr, dass sie aus Tausenden von Bewerberinnen, die aus den gesamten USA und Kanada ihre Bewerbungsvideos eingesandt hatten, für die Rolle der Griff ausgewählt worden war. ?Als Becca Gardner zu ihrem ersten Vorsprechen kam?, erzählt Holleran, ?war sie absolut unbeschwert. Wir brauchten eine Darstellerin, die mehr Kind als Frau war, einen mutigen Wildfang, sehr belastbar, denn sie ist es, die die Veränderungen auslöst.? Lopez war auf Anhieb von Gardner begeistert: ?Becca ist sehr intelligent. Sie ist eine kleine Erwachsene und sehr tiefsinnig. Deshalb spielt sie Griff so überzeugend.?

Hallström steht in dem Ruf, sehr gut mit Kindern arbeiten zu können, äußert sich zu seinen diesbezüglichen Fähigkeiten aber eher bescheiden: ?Ich arbeite mit Kindern genauso wie mit erwachsenen Schauspielern. Man mußs sie respektieren, ermutigen, frei lassen und ihnen das Gefühl geben, dass man auf ihren Beitrag wirklich angewiesen ist. Für mich ist das eine Mischung aus stur sein, ein wenig verrückt spielen und absoluten Freiraum für Experimente mit der Rolle schaffen. Das gilt für Erwachsene wie für Kinder, deshalb glaube ich nicht, dass ich eine besondere Herangehensweise an das Inszenieren von Kindern habe. Im Grunde mußs man sie nur dazu bringen, dass sie sich vor der Kamera entspannen.?

Crane ?Da sie mit Einars Zorn ebenso umgehen mußs wie mit ihrer eigenen Trauer über den Tod ihres Mannes, hat Jean schwer zu tragen ? sie braucht einfach ein wenig Zärtlichkeit?, sagt Jennifer Lopez über Jeans Motive, sich für Crane zu interessieren. ?Sie entscheidet sich für Crane, weil er so warmherzig zu sein scheint.? ?Jennifer und ich verfügen über eine spielerische Chemie, die von einem angeborenen Verständnis für diese Kleinstadtcharaktere herrührt?, erklärt Josh Lucas, der den Zuschlag für die Rolle des Sheriff Crane Curtis erhielt.

?Am Drehbuch gefiel mir, dass es nicht um das geht, was gesagt, sondern um das, was gefühlt wird, besonders zwischen den Männern, bei denen es sich in solchen Kleinstädten ja generell nicht um die gesprächigsten Typen handelt.? Über Cranes Verhältnis zu Einar sagt Lucas: ?Obwohl Crane ein junger Bursche ist, hat er denselben Ethos geerbt, den Einar repräsentiert. Er versteht Einar, der ein wenig exzentrisch geworden ist, der ganz autonom ist, in sich gekehrt und auch mal das Gesetz in die eigenen Hände nimmt. Einar weiß, dass er sehr wahrscheinlich gegen das Gesetz verstoßen wird, aber er ahnt auch, dass man ihm vergeben wird, weil ein Mann wie er die Geschichte der Stadt repräsentiert und einen Lebensstil, der allmählich ausstirbt.?

Gary ?Seine Darstellung des Gary ist sehr subtil?, sagt Ladd Jr. über Damian Lewis, der Jeans zu Gewaltausbrüchen neigenden Ex-Freund verkörpert. ?Ich glaube, dass Jean ihm sehr viel bedeutet ? er liebt sie so, wie ein Gewalttäter eben lieben kann. Er ist ein Schurke, aber man begreift, dass er diese Frau tatsächlich liebt. Er kann sich nur einfach nicht kontrollieren.? Jennifer Lopez ergänzt: ?Damian hat Gary auf großartige Weise mit einem Grundgefühl ausgestattet; irgendwie glaubt er, er sei verliebt. Ich glaube, diese Eigenschaft lässt ihn eher als echte Persönlichkeit erscheinen und nicht als das Monster des Films.?

?Wenn dieses Symbol für Schwierigkeiten auf der Bildfläche erscheint?, erklärt Lewis, ?dann begreift Einar plötzlich, welch missbräuchlichem Verhalten seine Enkelin zuvor ausgesetzt war, und daraufhin legt er einen Schalter um. Indem er seine Enkelin verteidigt, beginnt er auch, seine Schwiegertochter zu akzeptieren.?

Look & Produktionsdesign Im Lauf der Jahre hat sich Lasse Hallström einen Stamm von loyalen Mitarbeitern aufgebaut. ?Es ist mir ungemein wichtig?, erklärt der Regisseur, ?am Set eine familiäre Atmosphäre zu haben. Es war wunderbar, wieder einmal mit Kameramann Oliver Stapleton zusammen zu arbeiten. Wir kommunizieren wie per Stenografie miteinander, was ich großartig finde, und sein Geschmack ist tadellos. Er kadriert die Bilder genau so, wie ich sie mir vorstelle. Das Gleiche gilt für Produktionsdesigner David Gropman, der über ähnliche Ansichten und Vorlieben verfügt.?

Stapleton, der hier zum dritten Mal mit Hallström kooperiert, betont: ?Es liegt in meinem Verantwortungsbereich, Einstellungen zu schaffen, die das Drama in Bilder übersetzen. Es geht nicht um Schönheit, noch nicht einmal um Bildkomposition, sondern um die Gestaltung des Lichts. EIN UNGEZÄHMTES LEBEN bewegt sich von Spannung und Kahlheit hin zu einem helleren Ende. Also ist die Beleuchtung zunächst dramatischer und voller Vorahnungen, um dann sonniger und angenehmer zu werden. Dramatische Beleuchtung handelt manchmal von dem, was man nicht zu sehen bekommt. Man versucht, die Gefühle einer Figur zu ergründen, um besser zu verstehen, was in ihrem Kopf vorgeht. Ich fand es sehr wichtig, dass dieser Film sich so anfühlte, als sei er mit der Farm verwurzelt ? Farmen bestehen aus Tieren, Grund und Boden und der Beziehung zu diesem Land. Ich habe Postkartenansichten bewusst vermieden, so dass die Farm sich wie ein realer Ort anfühlt.?

?Olivers Herangehensweise ist stets der Story und ihrer Psychologie verhaftet?, beobachtet Holleran. ?Sein Umgang mit Schatten und Räumen fügt der Geschichte eine neue Dimension, einen Sinn für Klarheit hinzu.? EIN UNGEZÄHMTES LEBEN ist bereits der fünfte Hallström-Film, an dem Produktionsdesigner David Gropman mitgearbeitet hat. ?Der Grund dafür ist wohl ein glücklicher Zufall ? wir haben ähnliche Vorstellungen, sind oft einer Meinung in Bezug auf Ästhetik und Stil. Lasse beschreibt mir mit knappen Worten seine Ideen, und von diesem Ausgangspunkt aus scheint es mir immer wieder zu gelingen, seine Wunschträume zu erfüllen. Als ich das Drehbuch las, war ich sehr berührt von den Beziehungen der Figuren und von ihrer Suche nach einer Familie und einem gemeinsamen Zuhause.?

Die Ranch Die Ranch liegt in einem Tal rund 45 Minuten außerhalb von Kamloops, British Columbia. Die Landschaft dort gleicht der Wyomings. ?Der Besitzer der Ranch ist genau so ein Typ wie Einar?, erzählt Gropman, der einige bauliche Veränderungen an dem Gebäude vornahm. Er ersetzte das moderne Dach durch ein ursprüngliches, um die Ranch insgesamt älter und verwitterter wirken zu lassen. Außerdem errichtete Gropman eine schlichte Holzhütte, die als Mitchs Haus diente. Als Hallström sich die Farm ansah, stellte er zu seiner Überraschung fest, dass ein schwedischer Farmarbeiter dort eine Holzscheune gebaut und darin 60 Jahre lang gelebt hatte. Er starb drei Tage vor seinem 100. Geburtstag.

Hallström fand in der Scheune ein altes schwedisches Liederbuch, was er als gutes Zeichen interpretierte: ?Es spornte mich nur noch mehr an, einen guten Film zu machen?, sinniert der Regisseur. Die Ranch ist einer der letzten Viehzucht-Familienbetriebe in dieser Gegend und etwa 250 Quadratmeilen groß. Die Rancher verlegten den Standort ihrer 1000 Rinder und ihrer Pferde, damit die Filmemacher die Illusion einer verwaisten und verfallenen Ranch erzeugen konnten. Eine Kuh ? Fiona ? hat allerdings einige kurze Auftritte im Film. Sie und Bart, der Bär, waren bei der Crew so beliebt, dass sie schließlich sogar mit aufs Teamfoto durften.

Als Double für das Nest in Wyoming diente die Stadt Ashcroft, die auf einer pittoresken Hochebene liegt und die Atmosphäre der Geschichte perfekt unterstützte. Um die Ranch, die Stadt und den Zoo so authentisch wie möglich zu gestalten, ließen sich Hallström und Gropman von alten Schwarzweiß-Aufnahmen von Farmen und Kleinstädten in Wyoming inspirieren. ?Die Einfachheit und Direktheit dieser Fotografien hatten es uns so angetan, dass wir versuchten, diese Bilder zu rekonstruieren und ihr farbiges Äquivalent zu finden?, erklärt Gropman.

Der Bär Der dreijährige Bart II. (so genannt zu Ehren seines verstorbenen Vorgängers, des Schauspielveteranen-Bärs Bart I.) absolvierte in EIN UNGEZÄHMTES LEBEN sein Kinodebüt. Sein Trainer, Doug Seus, beschreibt ihn als ?überschwänglich ? er betrachtet das Leben als eine nie endende Komödie.? Produzent Alan Ladd Jr. erklärt: ?Der Bär war von Anfang an ein symbolischer und integraler Bestandteil der Geschichte. Er war gut trainiert und hat seine Rolle gut ausgefüllt.?

?Der Bär steht für das, womit jeder von uns zu kämpfen hat?, ergänzt Jennifer Lopez. ?Jeder hat einen Bären in seinem Leben. Es geht darum, den Kampf mit ihm aufzunehmen und ihn danach loszulassen.? Und Lasse Hallström sagt: ?Natürlich handelt die Geschichte vor allem von Vergebung. Aber es ist auch eine Geschichte über die Natur ? über das Bedürfnis, frei zu sein und seinen Instinkten zu folgen.?

?Jeder Mensch fühlt sich anders im Umgang mit diesem riesigen wilden Tier?, erklärt Seus. ?Manche Leute fühlen sich wohler als andere, aber die Vorbereitung ist immer der erste Schritt. Die Vorbereitungszeit ist ungeheuer wichtig. Die Proben begannen grundsätzlich damit, dass wir Bart schon vor den Dreharbeiten an die Drehorte brachten, damit er sich an die Umgebung gewöhnen und jede Ecke schon einmal beschnuppern konnte. Als der Regisseur dann Action rief, wusste Bart wo er ist und was er zu tun hat.?

?Wir wissen nicht, wer verrückter ist: Doug oder der Bär?, sagt Redford mit einem Lächeln. ?Er ist ein Profi und ein Perfektionist.? Redford arbeitete mutig mit dem Bären, obwohl ihn ein paar Jahre zuvor ein Grizzly auf einen Baum gescheucht und seine Hosen zerfetzt hatte. Damals hatte Redford beschlossen, nie wieder mit Bären zu drehen. Aus Respekt vor dem Trainer war er jedoch bereit, es noch einmal zu versuchen. Die schiere Größe des Bären machte Morgan Freeman ein wenig zu schaffen.

?Doug instruierte mich, mit dem Bären zu sprechen, falls er mir zu nahe käme. ?Sieh ihm einfach nicht in die Augen und sprich ganz monoton.? Ich sagte: ?Kein Problem, das kann ich. Zu meiner Zeit habe ich schon so manch einen klein gekriegt.?? Die Produzenten engagierten den mit einem Oscar ausgezeichneten Make-up Effects Artist Matthew W. Mungle (für BRAM STOKER?S DRACULA, 1992), um die Narbenprothesen für Freeman zu gestalten. ?Die Recherche dazu war ziemlich grausig?, gesteht Mungle.

?Es mußs eine sehr traumatische Erfahrung für einen Menschen sein, von einem Bären angefallen zu werden. Es klingt wahrscheinlich grotesk, aber es war eine große Hilfe zu sehen, wie ein Bär ins Fleisch hinein beißt. Wir benutzten dann unsere Vorstellungskraft um uns auszumalen, wie die geheilte Wunde ein Jahr später aussehen würde. In Slasher-Filmen soll der Effekt möglichst eklig sein. Aber in diesem Fall mußste der Horror so subtil wie möglich daherkommen, um den Zuschauer nicht von Morgans schauspielerischer Leistung abzulenken. Weniger war definitiv mehr.? Freeman mußste jeweils eine Stunde in der Maske zubringen, um sich die Gesichtsprothese anlegen zu lassen. Für den Rücken dauerte die Prozedur doppelt so lange.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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