Merry Christmas

Produktionsnotizen

Der Erste Weltkrieg und das weihnachtliche Wunder an der Westfront 1914 Warum mußsten sich Ende 1914 eigentlich deutsche und britische Soldaten in Schützengräben auf neutralem belgischen Terrain gegenüberliegen, wenn Monate zuvor in Sarajewo ein serbischer Nationalist den österreichischen Thronfolger erschossen hat? Weil Österreich Serbien nur angreifen konnte, wenn das verbündete Deutschland mitmachte, was wiederum der Zar von Russland als Partner Serbiens nicht zulassen konnte.

Jedenfalls nicht ohne die Hilfe seiner Verbündeten aus Frankreich. Diese waren aber von den Deutschen nur zu kontrollieren, wenn sie jene über Belgien angriffen, was die Briten als sozusagen direkte Nachbarn der neutralen Belgier nicht dulden mochten. Außerdem hatten die Briten es sowie auf die Deutschen abgesehen, weil diese sich seit Jahren zur künstlichen europäischen Seemacht entwickeln wollten. Das führte in der zweiten Hälfte des Ersten Weltkrieges zu zahlreichen U-Boot-Schlachten, die am Ende mit dafür verantwortlich waren, dass auch die Vereinigten Staaten von Amerika in diesen Krieg eingriffen.

dass der Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln damals so wenig taugte wie heute und nichts anderes ist als die Verlängerung der Unverhältnismäßigkeit ins Aberwitzige, mögen sich die Soldaten aus allen beteiligten Ländern an der Westfront in jenem Dezember 1914 nicht ausdrücklich gedacht haben. Ihr Verhalten hat es aber ? wenn auch nur für wenige Tage ? nachhaltig bestätigt.

?Der kleine Frieden im Großen Krieg? hat der Publizist Michael Jürgs seinen Bestseller über die erstaunlichste Verbrüderung in der Geschichte genannt. Das klingt so schön wie realistisch, irgendwie bescheiden und doch ein bisschen pathetisch - und bringt eine Episode aus der Wirklichkeit des Wahnsinns auf den Punkt, die noch nicht selbstverständlich in den Geschichtsbüchern auftaucht.

Weihnachten 1914, das erste Weihnachten im Ersten Weltkrieg war zunächst mal das Datum für einen fatalen Irrtum. Die Generäle aller am Krieg beteiligten Nationen hatten ihren Soldaten versprochen, dass sie zu diesem Zeitpunkt längst wieder bei ihren Familien seien.

Doch ?In den ersten Kriegsmonaten erwies sich bereits auf sämtlichen Kriegsschauplätzen, was für den gesamten Ver-lauf des Ersten Weltkrieges grundlegend wurde: dass beim Stande der damaligen Kriegstechnik die Verteidigung dem Angriff über-legen war, so dass die Offensive bestenfalls Gelände gewinnen, aber niemals eine gegnerische Großmacht, ja nicht einmal kleinere Länder wie Serbien und Belgien aus dem Kriege ausschalten konnte. Das gab dem Ersten Weltkrieg seinen bedrückenden Charakter eines Erschöpfungskrieges, eines immer wiederholten, strategisch unergiebigen Gemetzels?. (Sebastian Haffner ?Von Bismarck zu Hitler?, München 1987).

Vielleicht wurde auch deshalb Weihnachten 1914, das erste Weihnachten im Ersten Weltkrieg zu einem Datum für ein kleines Fest der Vernunft, des Gefühls jenseits patriotischer Verblendung. Natürlich haben die kaiserlichen Befehlshaber nichts dergleichen geahnt, als sie wenige Tage vor diesem Datum anordneten, dass die deutschen Schützengräben mit fertig geschmückten Weihnachtsbäumen zu beliefern seien.

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Dirk Jasper FilmLexikon

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