Hart am Limit

Produktionsnotizen

engl. torque (sprich: wie engl. ?talk?) ? Drehmoment, Schwungkraft eines sich drehenden Körpers

Die rebellischen Biker in ?Hart am Limit? (Torque) mischen den neuen Wilden Westen auf ? im Sattel der schnellsten Motorräder der Welt. Doch ihre tourenstarke, temporeiche Welt gerät aus den Fugen, als es zur hasserfüllten Konfrontation zweier Biker-Gangs kommt.


Produzent Neal Moritz, Chef der Produktionsfirma Original Film, erfuhr von dem Drehbuch zu ?Hart am Limit? von seinem Produzentenkollegen Brad Luff. ?Schon längere Zeit hatte ich vor, einen Motorradfilm zu machen?, erinnert sich Luff. ?Und ,Hart am Limit? enthielt all die Elemente, die mir vorschwebten: mitreißende Action, dramatische Situationen und überzeugende Hauptfiguren, die die Story tragen.?

Als Warner Bros. Pictures grünes Licht gab, machten Moritz und Luff sich an die Arbeit: Als Erstes mußsten sie einen Regisseur mit ausgeprägtem Stilgefühl engagieren ? es galt, die pfeilschnellen Motorräder und halsbrecherischen Stunts auf originelle Weise in Szene zu setzen. Auftritt Joseph Kahn, der als Regisseur von Musikvideos bereits reichlich Lorbeeren eingeheimst hat. Sein außergewöhnlicher, mitreißender Inszenierungsstil passt genau zum temporeichen, überlebensgroßen Action-Konzept von ?Hart am Limit?.

Mit diesem Film gibt Kahn sein Kinodebüt, er kann in seiner Filmografie aber bereits über 200 Musikvideos vorweisen, darunter für die Popstars U2, Janet Jackson, Moby, Britney Spears, KoRn, Aerosmith, Destiny?s Child und DMX. 2002 wurde Kahn bei den 2002 MTV Video Music Awards mit Eminems Hit ?Without Me? als Bester Regisseur ausgezeichnet.

?Ich kenne Joseph schon lange?, sagt Moritz. ?Ich habe seinen Karriereaufstieg verfolgt. Meiner Meinung nach macht er die besten und innovativsten Videos. Wir wünschen uns für ,Hart am Limit? eine erfindungsreiche Optik, eine neuartige Atmosphäre ? und in der Hinsicht war Joseph der Spitzenkandidat.? Luff ist sich mit Moritz absolut einig: Er bezeichnet Kahns Videos als ?umwerfend ? in jeder Hinsicht übernehmen sie die Vorreiterposition. Wir wussten genau: Sein Stil garantiert unserem Projekt Originalität ? Stichwort: hip!?

Kahn zögerte keinen Moment, die Regie zu übernehmen, denn mit ?Hart am Limit? konnte er seine Kunst in einer neuen Arena beweisen und dabei auch neu definieren: ?Es hat noch nie einen richtig großen Motorradfilm mit Verfolgungsjagden gegeben?, sagt er. ?Und mir war klar, dass ich meinen optischen Stil mit diesem Projekt bestens präsentieren kann. Außerdem fand ich, dass ich mit der Lovestory, die der rein visuellen Action den Rahmen gibt, den Hauptfiguren Leben einhauchen kann. Ich möchte das Publikum auch emotional mitreißen, es voll und ganz in die Story einbeziehen.?

Zu diesem Zweck engagierten die Filmemacher ein Ensemble begabter Jungstars ? allen voran Martin Henderson, den man für die Rolle des von der Polizei gesuchten Bikers Cary Ford verpflichtete. Als Martin vorsprach, waren sich alle Beteiligten sofort einig: Sie hatten ihren Hauptdarsteller gefunden.

?Er kam zur Tür herein, sprach seinen Text, und sofort sprang der Funke über ? wir beide sprechen dieselbe Sprache?, berichtet Kahn, der in Henderson ähnliche Qualitäten entdeckt wie die von Action-Helden à la Steve McQueen, Mel Gibson und Harrison Ford. ?Er sieht gut aus, hat Charisma, kann spielen ? die Mischung ist sehr vielversprechend.? Henderson spielt als Ford seine erste Action-Rolle ? auf Anhieb begeisterte er sich für die unerschrockene, freche Art der Hauptfigur.

Bei der Diskussion der Rolle ?waren Joseph und ich uns einig, dass Ford sehr davon profitieren würde, wenn er mit ein bisschen Humor, mit einem Augenzwinkern auftreten würde?, erinnert sich der Schauspieler. ?Natürlich macht es riesig Spaß, einen Klugscheißer zu spielen, der über den normalen, geradlinigen Action-Helden hinausgeht. Ford ist ein Schelm, das ist natürlich lustig. Er möchte zu den Guten gehören, aber egal, was er auch anstellt, immer gerät er todsicher in neue Schlamassel. Man kann sich also leicht vorstellen, welches Chaos ausbricht, als er in seine Heimatstadt zurückkehrt.?

Ford steckt bis zum Hals in der Klemme, und die unmittelbarste Bedrohung stellt eindeutig der mächtige Biker-Gang-Anführer Trey dar, der aufgrund eines Komplotts glauben mußs, dass Ford seinen Bruder ermordet hat. Die Rolle des ultra-gefährlichen Bandenführers vertrauten die Filmemacher der HipHop-Ikone Ice Cube an, denn Cube hat sich natürlich auch als Schauspieler und Produzent profiliert. ?Als wir anfangs über die Besetzung des Trey sprachen, fiel uns als Erstes Ice Cube ein. Und wir hatten großes Glück, denn er war tatsächlich bereit mitzumachen?, berichtet Moritz.

Kahn hatte mit Cube bereits 1997 sein Musikvideo ?The World Is Mine? gedreht und erklärte sich sofort zu einer neuerlichen Zusammenarbeit bereit. ?Ice Cube in dieser Rolle ist ein interessanter Aspekt?, erklärt Kahn. ?Denn er kann sehr ruppige und bedrohliche Typen spielen, doch wenn man sich an seine populärsten Rollen erinnert, dann steht er im Grunde auf der Seite der Guten. Vor allem in den ,Friday?-Filmen wirkt er sehr sympathisch. Wir wissen also, dass er nett sein, aber auch sehr gewalttätig werden kann ? das verleiht der Figur Trey eine besondere Dynamik. Denn wir haben natürlich Mitgefühl für ihn, aber gleichzeitig ist uns klar, dass er falsch handelt, und er würde Ford ohne weiteres umbringen ? falls der sich erwischen lässt.?

?Trey hat es gar nicht mehr nötig, den anderen Angst einzujagen?, sagt Cube. ?Wenn man Typen wie Trey begegnet, weiß man genau, dass die nicht lange fackeln. Es ist nicht unbedingt von Vorteil, ihn zu kennen, denn es könnte der Tag kommen, an dem man ihn austrickst ? absichtlich oder nicht. Und solche Situationen sollte man tunlichst vermeiden.?

Monet Mazur spielt Shane ? Ford hat sie zurückgelassen, als er verschwinden mußste. Doch Shane kommt auch sehr gut allein zurecht, fühlt sich im Sattel ihres Bikes wie zu Hause und verdient mit ihrem eigenen Motorradladen ihren Unterhalt. Produzent Luff weist darauf hin, dass solche Frauen in seinen Produktionen häufig vorkommen: ?In unseren Filmen, vor allem in Action-Filmen, legen wir Wert darauf, dass starke und unabhängige Frauen mitmischen, die nicht nur gut aussehen und auf sich selbst aufpassen können, sondern auch geschäftlich erfolgreich sind und in jeder Lebenslage allein zurechtkommen.?

?Shane war etwa sechs Monate auf sich selbst gestellt, denn Ford ist einfach verschwunden, ohne ihr den Grund zu nennen?, berichtet Mazur. ?Sie mußs davon ausgehen, dass er sie für immer verlassen hat. Aber sie würde auch nie auf einen Typen warten, sie ist in jeder Hinsicht selbständig. Ford hat Wunden in ihrem Herzen hinterlassen, aber die sind vernarbt, sie ist stärker und härter als vor ihrer Zeit mit Ford. Als die beiden sich erstmals wiedersehen, möchte man also ganz gewiss nicht in seinen Schuhen stecken.?

Henderson stimmt ihr zu: ?Als Ford zurückkehrt, ist ihm eigentlich klar, dass er sich mit all den Problemen auseinander setzen mußs, vor denen er ausgerissen war. Aber er ist so arrogant zu glauben, dass er das schon deichseln wird: Sein Plan wird schon klappen, jedes Detail ist ausgearbeitet. Aber natürlich kommt es anders, als er sich das vorstellt.?

Fords engste Freunde, der hitzköpfige Dalton und der Frauenschwarm Val, werden von Jay Hernandez und Will Yun Lee dargestellt. Es kam vor allem auf das glaubwürdige Zusammenspiel dieser drei Darsteller an, denn die drei Helden halten schon ewig zusammen ? nur so ist es zu erklären, dass Dalton und Val ihr Leben aufs Spiel setzen, um Ford auf der Flucht vor den Killern zu helfen. Zum Glück entwickelten sich während der Dreharbeiten am Set starke freundschaftliche Bande unter allen Darstellern, und das schließt auch die drei Amigos mit ein. ?Die Jungs kamen echt wunderbar miteinander aus?, sagt Luff. ?Man glaubt ihnen sofort, dass sie seit ewigen Zeiten befreundet sind.?

?Jay und Will bringen mich immer wieder zum Staunen?, pflichtet Henderson ihm bei. ?Die beiden sollten mal allein im Mittelpunkt eines eigenen Films stehen ? zusammen sind sie einfach umwerfend. Sie sind wie zwei beste Freunde, die aber ständig aufeinander herumhacken und sich das Leben schwer machen.?

Über die Motivation seiner Filmfigur sagt Hernandez: ?Dalton ist echt abgedreht, er steht auf Motorräder; er, Val und Ford sind seit ewigen Zeiten unzertrennlich. Das ist für ihn das Wichtigste im Leben: seine Bikes und seine Kumpel.? Kahn und Lee wollten mit Val unbedingt etwas Neues ausprobieren. ?Wir stellen das Klischee des asiatischen Amerikaners bewusst auf den Kopf?, erklärt Lee.

?Also steht Val auf Hardrock, und alle Girls liegen ihm zu Füßen. Auch wenn um ihn herum die Explosionen krachen ? mitten im Kugelhagel bleibt er als Einziger cool und liest die Zeitung. Wahrscheinlich wirken Val und Dalton zusammen so überzeugend, weil Dalton Val ständig in seiner Zen-Ausgeglichenheit stört.?

Ford und Co. fliehen nicht nur vor dem hasserfüllten Trey ? sie werden auch von Henry bedroht, dem ausgekochten und höchst gefährlichen Anführer der Biker-Bande Hellions ? er hat ebenfalls Grund genug, sich an Ford zu rächen. Diesen bitterbösen Kriminellen spielt Matt Schulze. ?Als skrupelloser Biker-Outlaw zeigt Matt eine fantastische Leistung?, berichtet Luff begeistert. ?Wir haben mit Matt bereits bei ,The Fast and the Furious? zusammengearbeitet und freuten uns riesig, als er auch jetzt wieder dabei sein konnte.?

Jeder Clyde hat seine Bonnie, und in Henrys Fall ist das seine teuflisch verschlagene Freundin China, dargestellt von Jaime Pressly: Sie ist mindestens so verdorben und gefährlich wie er ? vielleicht sogar noch mehr. Mit Presslys Worten: ?In diesem Film gibt es die Guten, die Bösen und die Fiesen. Und die Fiesen, das sind wir.?

Aber auch die Gesetzeshüter sind Ford auf den Fersen. Die FBI-Agenten McPherson und Henderson, dargestellt von Adam Scott und Justina Machado, wollen Ford unbedingt dingfest machen, bevor Trey oder Henry ihn erwischen und ihnen die Beute wegschnappen. McPherson ist natürlich dem Gesetz verpflichtet, legt es aber sehr eigenmächtig aus, um an sein Ziel zu gelangen. ?Dafür dass er ein FBI-Agent auf der Seite der Guten ist, handelt McPherson wirklich sehr eigenwillig?, berichtet Scott.

?Sagen wir mal so: J. Edgar Hoover würde nicht gutheißen, was Jay McPherson so alles anstellt. Die beiden haben wohl nur den ersten Buchstaben im Namen gemein.? ?Die meisten Figuren im Drehbuch orientieren sich an Motorradfahrer-Archetypen?, kommentiert Kahn. ?Die ganze Bandbreite ist vorhanden: der lustige Typ, der sexy Typ, das selbständige Girl, das böse Girl. Unser Trick bestand nun darin, diesen Archetypen in etwas abstrahierter Form neue Konturen zu verleihen.?

Kahn entwickelte sehr konkrete Vorstellungen zum Aussehen aller Darsteller. Er besprach sich schon lange vor Drehbeginn intensiv mit den Teams der Maskenbildnerin und der Kostümbildnerin: Die Biker sollten möglichst authentisch aussehen, vom Stil her aber hip wirken und modisch voll im Trend liegen.

Kostümbildnerin Elizabetta Beraldo stellte eine umfassende Palette von Abzeichen und Emblemen für die Outfits der Darsteller zusammen ? so konnte sie die Persönlichkeit des jeweiligen Trägers mit definieren. Val zum Beispiel trägt chinesische Schriftzeichen auf seiner Jacke: Das eine bedeutet ?Liebe?, das andere ?Wahrheit?. Damit wird nicht nur seine asiatische Herkunft unterstrichen, sondern auch seine Lebensphilosophie Zen.

Neben den Emblemen spielt auch die Farbe eine Schlüsselrolle. Monet Mazur trägt als Shane eine enge, dunkelblaue Jacke-Hose-Kombination von FNA, die zu ihrem kobaltblauen Bike Triumph TT 600 passt. Ford trägt eine dunkelrotes Outfit von Bates, das seiner roten Aprilia Mille RSV entspricht. Diese leuchtenden Farben heben sich wunderbar von den gedämpften Tönen der Wüste ab, die in vielen Szenen den Hintergrund der Handlung bildet.

Den weitaus auffälligsten Look reservierte Beraldo für Jaime Pressly, die als China gruselig und schrill wie ein Horror-Biker aussieht: Mit ihrem Vampir-Makeup, Piercing und umfangreichen Tattoos macht sie unmissverständlich klar, dass sie die übelste Tussie weit und breit ist. Bei der Kleidung für Ice Cubes Reaper-Gang gingen die Filmemacher noch einen Schritt weiter ? sie wollten die Kluft der Motorradfahrer mit HipHop-Elementen verbinden. Das gelang, indem man Teile von Vanson-Lederjacken und Avirex-Jacken mit Ketten drapierte und passende Kopfbedeckungen hinzufügte.

So coole Leder-Outfits wie in ?Hart am Limit? hat es auf der Leinwand selten gegeben ? dazu trugen Spitzenfirmen wie Joe Rocket, Alpine Star, Bates, Schott und FNA bei. Schuhe und Handschuhe wurden von CAT, Triumph, Joe Rocket, SAO und Alpine Star gestellt. Natürlich haben derart coole Lederklamotten einen wärmenden Nachteil. ?Es war irre heiß ? über 40 Grad ? und wir trugen die volle Ledermontur?, erinnert sich Henderson. ?Die Maskenbildner tupften uns ständig den Schweiß aus den Augen, die Reflektoren blendeten uns ? mittendrin steht man dann, versucht ruhig zu bleiben und gute Miene zu machen. Ein hartes Stück Arbeit.?

Man beschloss, dass kein Biker, der auf sich hält, ohne Tattoo auskommt. Entsprechend übernahmen die leitende Maskenbildnerin Kathleen Crawford und Maskenbildner Rick Sharp Entwürfe von Beraldo und übertrugen diese Kunstwerke auf die Haut der Darsteller, indem sie ein revolutionäres Verfahren anwandten, das erst kürzlich für die Filmarbeit entwickelt wurde. (Früher mußsten die Schauspieler stundenlang ausharren, während mehrere Maskenbildner die Tattoos mit Schablonen und Pinseln auftrugen.

Bei der Arbeit an ?Pearl Harbor? erfand der Maskenbildner Christien Tinsley ein Verfahren, mit dem man völlig echt wirkende Tätowierungen sehr einfach auftragen kann ? dadurch reduzierte sich der Schminkprozess auf einen Bruchteil der früher benötigten Zeit.) Sobald das Tattoo-Design fertig ist, wird das Bild auf transparentes Zellophan übertragen, dann mit einem medizinischen Haftspray namens Prosaid besprüht und leicht und schnell mit Wasser aufgetragen. Der Einsatz des Tinsley-Transfers ersparte der Produktion während der Dreharbeiten zu ?Hart am Limit? Hunderte von Arbeitsstunden in der Maskenabteilung.

Neben der Kleidung prägt natürlich auch die Frisur der jeweiligen Filmfigur deren individuellen Look. Hairstylist Dugg Kirkpatrick verpasste Pressly als China tiefschwarze Haarverlängerungen, die an der Wurzel mit Farbe besprüht und schließlich eingefettet wurden. Hernandez bekam den Kopf rasiert, und Lee trug sein Haar im Samurai-Look. Doch die auffälligste Frisur ist sicher die von Schulze.

?Vorne kurz, hinten lang ? so sollte er aussehen?, sagt Kahn. ?Ich wollte einfach ausprobieren, ob ich die Zuschauer zu der Reaktion bewegen könnte: ,Wow, sein Vo-ku-hi-la sieht irgendwie stark aus, tatsächlich echt cool.?? Monet Mazurs Shane sieht als Einzige nicht schmuddelig aus ? für den Rest der Darsteller befahl Kahn laut Kirkpatrick einen Look, der sich als ?schmierig, dreckig und stinkig? definieren lässt. Egal in welche Richtung der Stil letztlich ging ? bei allen wurde kräftig mit Pomade nachgeholfen.

Führerschein für Krafträder Vier Wochen vor Dreharbeiten begann die Fahrschule für die Darsteller, die auf dem riesigen Parkplatz des Dodger-Stadions in Los Angeles die Feinheiten des Motorradfahrens lernten. Sie übten zunächst auf kleinen Sandbahn-Motorrädern und arbeiteten sich in der ?Nahrungskette? der Maschinen allmählich nach oben, bis sie schließlich auf den aggressiven Monstermaschinen mit Einspritzdüsen saßen, die sie als Filmhelden so souverän lenken. Außer Henderson hatte noch keiner der Darsteller im Sattel gesessen. Aber nach hartem Training beherrschten alle das freie Fahren, Kavalierstarts und Schleuderbremsungen.

Dabei behielt Stunt Coordinator Lance Gilbert die potenziell gefährlichen Lektionen genau im Auge. ?Ein Schlüsselelement habe ich den Fahrlehrern immer wieder eingehämmert: Sie sollten genau darauf achten, ob die Schauspieler auch zuhören konnten. Wenn man ihnen etwas beibringt, mußs man beobachten, wie sie darauf reagieren und wie gut sie zuhören können. Denn es ist unglaublich wichtig, der Maschine mit Respekt zu begegnen ? wenn sie nur ein bisschen zu hastig Gas geben oder die Kupplung einen Tick zu schnell kommen lassen, kann das schrecklich schmerzhafte Folgen haben.

Sie bringen dann nicht nur sich selbst in Gefahr, sondern auch die Teammitglieder, können eine Kamera umfahren oder sonst etwas. Aber alle haben sich hervorragend bewährt. Auf jeden Einzelnen kann ich stolz sein. Sie zeigen tolle Leistungen, und die kommen auf der Leinwand auch voll zur Geltung.?

?Wir haben uns einen aggressiven Fahrstil angeeignet ? wir waren auf alle Eventualitäten vorbereitet, die bei den Dreharbeiten auf uns zukommen konnten?, sagt Cube. ?Wir lernten, wie man bei verschiedenen Geschwindigkeiten und unter den jeweiligen Umständen bremst. Bei manchen Stunts ging es wirklich haarig zu ? wir mußsten dabei nicht nur unsere Rollen spielen, sondern auch noch aufpassen, dass wir nicht die Leute und die Ausrüstung umfuhren, damit alle unbeschadet die Dreharbeiten überlebten.?

Die Schauspieler sollten die komplizierten, potenziell gefährlichen Fahrszenen nicht nur selbst absolvieren, sondern es mußste auch so aussehen, als ob sie wie die von ihnen dargestellten Hardcore-Biker schon Jahre im Sattel verbracht hätten. dass alles authentisch wirkte, dafür war Gilbert verantwortlich. ?Selbst wenn es nicht um ausgefeilte Stunts geht, wenn sie nur normal auf der Straße fahren, wirken sie nicht glaubwürdig, wenn sie sich auf ihrem Bike nicht wohl fühlen ? so etwas merken die Zuschauer?, betont er.

?Alles mußs überzeugen: ihre Körpersprache, die selbstbewusste Art, mit der sie die Straße beobachten und sich in die Kurve legen. Gerade das war Gegenstand vieler Lektionen: wie man auf- und absteigt und dabei so aussieht, als ob man das schon eine Million Mal gemacht hat und nicht bloß 20 Mal. Aber auch die umfangreiche Kampfchoreografie barg für die Darsteller nicht zu unterschätzende Gefahrenmomente.

Cube kennt sich mit Kampfszenen vor der Kamera bestens aus und brauchte nicht viel Anleitung ? er wollte seine Energie lieber für die Aufnahme aufsparen. Doch Henderson mußste das Verfahren erst lernen ? was unerwartete Folgen hatte. ?Man kann das mit einem Tanz vergleichen?, erinnert sich Henderson. ?Ich will damit nicht sagen, dass Cube und ich einen Tango aufs Parkett legten. Aber jeder Schritt wird exakt choreografiert ? in genauer Absprache mit der Kameraposition.

Aber als wir schließlich vor der Kamera probten, haben wir nie an den Abstand zwischen uns beiden gedacht ? ich drehte mich um und haute ihm voll ins Gesicht. Daraus ergab sich eine nette kleine Sekunde, in der er mich einfach nur anstarrte. Man mußs sich das vorstellen: Hier steht der Gründervater des Gangster-Rap, und ich habe ihm gerade eine gelangt. Aber er hat es cool weggesteckt. Er sagte einfach: ,Yeah. Nicht ganz so nah.? Und dabei hatten wir die ganze Kampfszene noch vor uns. Ich dachte immer nur: ,Tu mir bitte nicht weh!? Aber er hat sich großartig verhalten.?

Monet Mazur und Jaime Pressly trainierten ihre Motorradlektionen und ihre Kämpfe gemeinsam, denn Shane und China müssen vor der Kamera ein todesmutiges Duell ausfechten ? im Sattel ihrer rasenden Bikes. Zwei zermürbende Drehwochen waren nötig, um diesen Kampf auf Film festzuhalten. ?Ich war noch nie im Leben so fertig wie in dieser Situation?, sagt Mazur.

?Ohne die Unterstützung der Stuntleute hätte ich nicht mal die Hälfte der Anforderungen erfüllen können. Manchmal mußste ich auf dem Bike aufstehen, während es mit 50 Sachen dahinbrauste. Das klingt nicht sehr schnell, doch wenn man sich an nichts festhalten kann, dann ist das ein ungeheures Tempo. Bei den ersten Malen brachte ich es einfach nicht fertig. Mein Körper versagte mir einfach den Dienst, ich konnte nicht loslassen und mich aufrichten. Da mußs man schon großes Vertrauen in die Mitarbeiter drum herum haben ? die Partnerin, das Stuntteam, die Fahrer und das Filmteam.?

Der Begriff ?Vertrauen? bekam auch für Pressly eine ganze neue Bedeutung. ?In einer Einstellung mußsten wir versuchen, gleichzeitig auf die Motorräder zu springen?, sagt die Schauspielerin. ?Monet hatte große Schwierigkeiten, mir einen nur vorgetäuschten Schlag zu versetzen, weil der Kamerawinkel sehr ungünstig war. Schließlich sagte ich ihr: ,Weißt du was? Schlag einfach richtig zu. Ich werde es überleben. Das halte ich schon aus. Dann haben wir die Aufnahme wenigstens im Kasten.? Also hat sie richtig zugeschlagen, das sah toll aus, und die Einstellung war gestorben. Manchmal bekommt man ja auch aus Versehen etwas ab. Aber dies war ein Bonus.?

?Ich bin echt froh, dass ich Motorradfahren gelernt habe?, behauptet Mazur. ?Wenn mir jetzt jemand erzählt, dass er ein cooles Bike besitzt, kann ich antworten: ,Lass mich mal eine Runde drehen.? Und ich weiß, wie ich das Ding mit kreischenden Reifen vor ihm zum Stehen bringe.?

Kahn will es ihr auf keinen Fall nachmachen. ?Mich könnten keine zehn Pferde auf ein Motorrad bringen?, sagt er entschieden. ?Eines habe ich bei den Dreharbeiten zu unserem Film kapiert: Diese Leute lieben ihre Bikes, weil sie gern ihr Leben riskieren. Nachdem ich mit den Stuntmen und Schauspielern zusammengearbeitet habe, war für mich klar: Heile Knochen sind mir lieber.?

Monstermaschinen Man mußs schon bis zu Billy und Captain America in ?Easy Rider? zurückgehen, um einen Film zu finden, der ein ähnliches begeistertes Lebensgefühl einfängt, das das Glück der Erde im Sattel eines Motorrads verspricht. In ?Hart am Limit? verschmelzen Mensch und Maschine in einem temporeichen, energiegeladenen Action-Film, der etliche Motorräder auf dem neuesten Entwicklungsstand der Technik zeigt.

Bei dem Rennen, mit dem er seinen guten Namen zurückgewinnen will, fährt Ford vorwiegend eine Aprilia Mille RSV. Dieses italienische Bike wird üblicherweise als Rennmaschine eingesetzt, es erreicht Spitzengeschwindigkeiten von über 290 km/h und braucht von 0 auf 100 nur vier Sekunden. Die Mille RSV hat einen wassergekühlten 60-Grad-V-Twin-Motor und zählt zu den am sorgfältigsten gefertigten und teuersten ?Superbikes? ? ein Motorradfan mußs dafür mindestens 25.000 Euro hinblättern.

Shane fährt eine kobaltblaue Triumph TT 600. Der Motor der TT 600 ist eine wassergekühlte DOHC 4-Zylinder-In-line-Maschine mit 599 ccm Hubraum. Ein elektronisches Multipoint-Sequenz-Einspritzsystem mit forcierter Luftzuführung verleiht dem Bike maximal 110 PS bei 12.750 Umdrehungen und ein maximales Drehmoment von 68 Nm bei 11.000 Umdrehungen.

Fords Freunde fahren beide auf Hondas: Dalton auf einer RC 51 mit 999 ccm Hubraum und einer wassergekühlten 90-Grad-V-Twin-Maschine, sechs Gängen und programmierter Einspritzung (PGM-F1). Mit zwei Einspritzdüsen pro Zylindervergaser ist die RC 51 ein Straßenmotorrad mit Superbike-Technologie. Val fährt eine Honda CBR 954 ? fast so stark wie die RC 51: Die CBR hat 954 ccm Hubraum, eine wassergekühlte Vier-Zylinder-In-line-Maschine und programmierte Einspritzung (PGM-F1) mit automatischem Anreicherungszyklus.

Auch Triumphs sind im Film zu sehen, vor allem die Daytona 955i, die der böse Bandenboss Trey fährt. Die 955i hat eine wassergekühlte 3-Zylinder-DOHC-In-line-Maschine mit elektronischem Multipoint-Sequenz-Einspritzsystem. Das maximale Drehmoment beträgt 100 Nm bei 8200 Umdrehungen. Maximal 149 PS werden bei 10.700 Umdrehungen erreicht. Treys Rivale Henry fährt eine Yamaha Roadstar Warrior. Henrys Bike wurde überarbeitet und durch einen hochgezogenen Lenker, extra Chrom sowie Flammen am Tank und am hinteren Kotflügel noch bedrohlicher gestaltet.

97mm-Zylinderbohrungen sorgen bei der luftgekühlten V-Twin-Maschine mit 1670 ccm Hubraum für eine hohe Leistung. Beim explosiven Schlussrennen in ?Hart am Limit? kommt die ultraschnelle, ultrateure und extrem seltene Y2K zum Einsatz. Sie wird von Marine Turbine Technologies in Louisiana gebaut ? es gibt in der ganzen Welt nur zehn Exemplare dieses außergewöhnlichen Motorrads, vier davon in den Vereinigten Staaten (eines gehört dem Motorrad-Fan und ?Tonight?-Show-Moderator Jay Leno). An einer elften Maschine wird derzeit gearbeitet.

Die Produktion hatte Glück: Sie durfte eines der Bikes benutzen, die mit gutem Grund als die schnellsten der Welt bezeichnet werden. Die Y2K hat ein Chassis aus Kohlenstoff mit einer umgekehrten Düsenturbine Allison 25O-C18 von Rolls-Royce im Zentrum ? dieser Motor wurde ursprünglich als Helikopterantrieb entwickelt. Mit über 300 PS bringt er die Y2K in nur 15 Sekunden bis auf 363 km/h (die theoretische Höchstgeschwindigkeit des Düsenmotors liegt bei über 400 km/h).

Über 70 Motorräder setzte das Produktionsteam bei den Dreharbeiten ein. Neben den Triumphs, Hondas und Yamahas sind in ?Hart am Limit? auch vier Chopper des bekannten Motorraddesigners Jesse James zu sehen. In seiner Firma West Coast Choppers entstehen seit 1989 stromlinienförmige Maschinen in höchster Vollendung. Jedes Bike wird in Handarbeit und mit größter Sorgfalt gefertigt ? das dauert 18 Monate und kostet zwischen 60.000 und 150.000 Dollar. Jesse James ist stolz darauf, berühmte Kunden wie Shaquille O?Neal, Keanu Reeves und Kid Rock zu beliefern.

James stellte nicht nur Motorräder für den Film zu Verfügung, er spielt auch selbst mit ? wer genau hinschaut, kann ihn in der Biker-Rallye-Szene entdecken: Er ist der Kunde, der Ford und Shane bei ihrem Wiedersehen stört. Ob man nun auf Cruiser oder Chopper, Superbikes oder handgefertigte Maschinen steht ? ?Hart am Limit? bietet den Fans die besten und schnellsten Bikes jeder Gattung. ?Hart am Limit? ist der erste bedeutende Motorradfilm seit 1969, als ?Easy Rider? eine ganze Generation begeisterte. Der neue Film hat durchaus das Zeug, der ?Extreme Rider? unserer Zeit zu werden, ein Action-Film, an dem auch echte Motorradfahrer ihren Spaß haben.

Sand im Getriebe Die 59 Drehtage zu ?Hart am Limit? begannen am 29. Juli 2002 im kalifornischen Lancaster, wo die Temperatur auf fast 45 Grad stieg. Die entlegene Gegend mit ihren verwitterten Gebäuden inmitten einer öden, scheinbar endlosen Wüste erwies sich als der perfekte Schauplatz für die mitreißende, temporeiche Verfolgungsjagd des Films.

Anschließend drehte das Team an verschiedenen Schauplätzen im Großraum Los Angeles, zum Beispiel im alten Chemiewerk Sun in der Innenstadt von Los Angeles, wo Shanes Bike Shop eingerichtet wurde; auf der Brücke der 6th Street; auf einem noch nicht freigegebenen Teilstück des Freeway 210, wo man gefahrlos die rasanten Verfolgungsjagden drehen konnte; und an der Ecke Flower Street/7th Street im Zentrum von Los Angeles, wo eine große Explosion mit Stunts inszeniert wurde, die Hunderten von Schaulustigen ein willkommenes Spektakel boten.

Als Ford nach Hause zurückkehrt, trifft er viele alte Bekannte wieder ? manche gern, andere weniger gern ? und zwar bei einer quirligen Motorrad-Rallye. Die Rallye-Szenen entstanden in Piru/California, einer kleinen landwirtschaftlichen Region nördlich von Los Angeles. Drei Tage lang herrschte in dem Ort eine festliche Jahrmarktatmosphäre. Am 21. September 2002 trafen sich dort über 1000 Motorradfans und 300 Statisten für den aufwändigsten Drehtag überhaupt ? sie verliehen dem Ort eine Atmosphäre, die an die berüchtigte Invasion durch Brando und seine Gang in ?The Wild One? (Der Wilde) erinnerte.

Die ?Hart am Limit?-Stuntfahrer konnten endlich zeigen, was in ihnen steckt, und die ganz mit Leder ausstaffierten Fans wussten das zu würdigen. Hunderte von Motorrädern säumten die Straße, so weit das Auge reichte, und der Drehtag ging ohne Zwischenfälle über die Bühne.

?Wir wollten nachstellen, was bei solchen Rallyes wirklich abgeht?, erinnert sich Produzent Brad Luff. ?Das war eine große Herausforderung, aber wir waren auch begeistert darüber, wie viele Biker kamen, um in unserer Szene mitzuwirken.? Zehn Tage lang besetzte das Produktionsteam dann das Southwest-Marine-Gelände am Hafen von San Pedro: Hier wurde in einer Fabrik jene Biker-Party gedreht, auf der Treys Bruder Junior ermordet wird. Über 100 Statisten in möglichst verbotenen Outfits trugen zur Feten-Atmosphäre in der Fabrikhalle bei.

Produktionsdesigner Peter J. Hampton erinnert sich: ?Ursprünglich sollte die Party in einem Wald stattfinden, aber Joseph und ich waren der Meinung, dass ein Fabrikschausplatz sehr viel interessanter aussehen würde. Ich habe die hohe, leere Halle mit wunderbaren Details ausgestattet, mit Rohrleitungen, gigantischen Rohren und riesigen Säulen.?

Als die Szene in dramatisches blaues Licht getaucht war, durch das Rauchwolken waberten, während die Hardrock-Band Monster Magnet auf ihrer erhöhten Bühne die ganze Halle erzittern ließ, hatten Kahn und Hampton endlich die kantige Industrieszenerie, die sie sich vorgestellt hatten.

Dann reiste das Team nach Osten, nach Palm Springs, wo die Wüste etliche wichtige Schauplätze bot. Atemberaubende Panoramen hoch oben am Highway 74 dienten als Rennstrecke für einige Motorradjagden im Film, und das unheimliche Innere der Absteige Hadley?s Desert Sun Date Grove wurde zum Schauplatz der ersten Begegnung zwischen Ford und den Reapers. Zwei weitere Drehorte bei Palm Springs waren die hohen, eleganten Windgeneratoren am Interstate 10 und der Box Canyon, eine abgelegene Felsformation in der Nähe der Salton Sea.

Schließlich machte das Team in der flachen, ausgedörrten Wüste in der Nähe des Bauerndorfs Blythe/California halt. Sieben Tage lang arbeiteten Darsteller und Crew an einer komplizierten Szene auf einem Eisenbahnzug, den man bei Stan Gardners Firma Monad Trains in La Mirada anmietete. In diesen Tagen ging es ausschließlich um Stunts, die nicht nur das Hauptteam in Atem hielten, sondern auch das zweite Drehteam und ein kleines weiteres Team.

Die Dreharbeiten in der südkalifornischen Wüste während des Sommers und zu Beginn des Herbstes brachten weitere Probleme mit sich: Die Hitze in Verbindung mit Fliegen, der sengenden Sonne, Wind und Sandstürmen erschwerte die Arbeit an jedem Drehort auf unterschiedliche Weise. dass diese Drehtage kein Honigschlecken sein würden, wusste Produzent Moritz von Anfang an: ?Einen Großteil des Films drehten wir in der hochsommerlichen Wüste ? wir mußsten also mit einer Höllenhitze rechnen, da war größte Vorsicht angebracht.?

Man traf jede nur denkbare Vorkehrung, um Darsteller und Produktionsmitarbeiter vor Hitzschlägen zu bewahren. Es ging vor allem darum, für genügend Flüssigkeitskonsum und Kühlung zu sorgen. Die mobile Kantine war für Trinkwasser und Dosengetränke zuständig, und alle Beteiligten wurden angehalten, möglichst viel zu trinken. Schirme und Sonnendächer standen zur Verfügung, und jedermann wurde ermahnt, Sonnencreme zu benutzen und einen Hut zu tragen.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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