Gothika

Produktionsnotizen

Gotisch: 1. architektonischer Stil, der den Einfluss der mittelalterlichen Gotik reflektiert, 2. literarische Erzählform, gekennzeichnet durch trostlose oder abgelegene Schauplätze und makabre, geheimnisvolle oder gewalttätige Ereignisse.

Die gotische Architektur hatte ihren Ursprung in Nordfrankreich und dehnte sich von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis zum frühen 16. Jahrhundert über ganz Westeuropa aus. Sie spiegelt den wild-dramatischen Stil der mittelalterlichen Künste wider und hat ihr charakteristisches Merkmal in der evokativen Verschmelzung von Strebebogen, Spitzbogen, vertikalen Pfeilern und gewölbten Decken.

Ende des 18. Jahrhunderts entstand aus dem sich verändernden sozialen Klima in England die gotische Literaturtradition. Nach Unruhen innerhalb der englischen Klassengesellschaft und einer Revolution in Amerika jagte eine Strömung von Verunsicherung durch eine Gesellschaft, die ohnehin von konträren Vorstellungen vom Übernatürlichen gespalten war, als Religion und Aberglaube mit den Vernunftprinzipien der Aufklärung kollidierten.

Die aufkeimende gotische Erzählform, eine erstaunlich populäre Kreuzung von geheimnisvollen, gruseligen und trostlosen Elementen, beherrschte die englische Literatur im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert ? mit Mary Shelleys 1818 veröffentlichtem Roman ?Frankenstein? als berühmtester und einflussreichster Publikation. Dieses ?neue und schreckliche Genre für eine neue und schreckliche Zeit? wurde zum Vorläufer der modernen ?mystery novel?.

Die gotische Literaturtradition einer gewaltsamen Veränderung, tief eingebettet in Geheimnisse und eine düstere Atmosphäre, wird von GOTHIKA für das 21. Jahrhundert im neuen Gewand wiederbelebt. Mit der gruseligen Geschichte der brillanten Psychiaterin Dr. Miranda Grey, die auf höchst unwillkommene Art erwacht, als sie eines abscheulichen Mordes beschuldigt wird, an den sie sich nicht einmal erinnern kann.

Nicht in der Lage, sich eine solche unmotivierte und extrem brutale Tat gegenüber einem Mann vorzustellen, den sie liebte und bewunderte, findet sich Miranda zu ihrem Entsetzen eingesperrt im Woodward-Frauengefängnis wieder ? in der Gesellschaft geistesgestörter und krimineller Patientinnen, die sie selbst bis vor kurzem behandelt hat.

?GOTHIKA ist ein übernatürlicher Thriller, der auf verschiedenen Ebenen funktioniert?, erklärt Produzent Joel Silver, der zusammen mit Robert Zemeckis Dark Castle Entertainment gründete und die Firma mit dem Nummer-eins-Halloween-Hit House on Haunted Hill (Haunted Hill, 1999) in der Branche etablierte. ?Der Film ist smart, gruselig, geheimnisvoll, ist ein intensives Charakterdrama und, als Produktion von Dark Castle, eine großartige Geistergeschichte.?

Dark Castle, Produktionsgesellschaft der Horrorhits Thirteen Ghosts (13 Geister, 2001) und Ghost Ship (Ghost Ship, 2002), kam zu dem Stoff, als Drehbuchautor Sebastian Gutierrez, Regisseur und Autor von Judas Kiss (Judas Kiss, 1998), die Grundelemente der Story vortrug. ?Ich erinnere mich, wie mir Sebastian diese packende, atmosphärische Geschichte erzählte und ich total davon gefesselt wurde?, erzählt Susan Levin, die als Executive Vice President of Production die Entwicklung aller Dark-Castle-Projekte überwacht und zusammen mit Silver und Zemeckis GOTHIKA produzierte. ?GOTHIKA spricht eine Angst an, die wir alle haben.

Die Angst, etwas Schreckliches getan zu haben, sich daran aber nicht mehr erinnern zu können. Zu jedem Zeitpunkt lässt uns GOTHIKA rätseln, ob all das nur in Mirandas Kopf passiert, ob es eine Verschwörung ist oder ob sie von übernatürlichen Kräften gesteuert und manipuliert wird.?

Die Frau mit den zwei Gesichtern Nachdem Gutierrez mit Levin und Silver die Story ausgearbeitet und verfeinert hatte, legte er ein gruselig-spannendes charakterorientiertes Drehbuch über eine respektierte Kriminalpsychologin vor, die um ihren Verstand und um ihre Freiheit kämpft, als sie in eine Situation hineingeworfen wird, die sie überhaupt nicht mehr kontrollieren kann. ?Die Figur der Miranda Grey?, so Joel Silver, ?gehört zu den Elementen, die GOTHIKA vom typischen Horrorfilm unterscheiden. Sie ist eine smarte, sensible Frau, mit einer Ehe, die ihr Zufriedenheit, und einem Leben, das ihr Stabilität gibt.

Und dann wird sie auf sehr traumatische Weise ihrer Freiheit beraubt, wird alles, was sie sagt, in Frage gestellt. Nie haben ihre Kollegen und Patientinnen sie ihre Fassung verlieren sehen, geschweige denn sie so unberechenbar und ziellos erlebt wie nach der Ermordung ihres Mannes. Als ausschließlich rationaler Mensch wird sie gezwungen, ihren Instinkten zu trauen.?

Plötzlich befindet sich Miranda ?auf der anderen Seite der gläsernen Trennwand?, eingesperrt mit höchst irrationalen Patientinnen, die sie zuvor mit methodischer Distanz behandelt hat. Sie mußs sich Medikamenten aussetzen, die ihren Verstand betäuben, und auch dem spürbaren Misstrauen ihrer ehemaligen Kollegen, während sie verzweifelt versucht, die Wahrheit hinter der brutalen Ermordung ihres Mannes aufzudecken. Sie mußs ihre Unschuld beweisen ... oder die Konsequenzen ihrer unbegreiflichen Tat akzeptieren.

?Es gibt?, enthüllt Joel Silver, ?einen großartigen Satz im Film, wenn Miranda sagt: ,Ich glaube nicht an Geister, aber sie glauben an mich.? Als sie ihre verstörenden Begegnungen mit einem rachsüchtigen Geist zu verstehen versucht, beginnt Miranda zu glauben, dass die Patientinnen, die behaupten, Stimmen zu hören, dies vielleicht tatsächlich tun.? Für die körperlich und emotional anspruchsvolle Rolle der Miranda stellte sich Silver Oscar®-Preisträgerin Halle Berry vor.

?Halle ist nicht nur hoch talentiert und wunderschön, sondern erfüllt auch jede Figur, die sie spielt, mit emotionaler Tiefe. Ich wusste, dass sie als Miranda wirklich glänzen könnte?, sagt Silver, der Berry an der Seite von Bruce Willis und Damon Wayans in The Last Boy Scout (Last Boy Scout ? Das Ziel ist Überleben, 1991) eine ihrer ersten Filmrollen gab und sie auch in seinen Actionthrillern Executive Decision (Einsame Entscheidung, 1996) und Swordfish (Passwort: Swordfish, 2001) besetzte.

?Diese Figur macht eine unglaubliche Entwicklung durch, und Halle hat das Talent und auch das Durchhaltevermögen, Miranda auf ihrer Reise zu einigen sehr dunklen Orten zu führen.?

?Als Joel mir das Drehbuch zuschickte, sprang es mich geradezu an?, erinnert sich Halle Berry, die 2002 für ihre schauspielerische Tour de Force in Monster?s Ball (Monster?s Ball, 2001) den Oscar® als ?Beste Darstellerin? erhielt. ?Miranda ist eine absolut faszinierende Frau, ist kompliziert, intelligent und in einer wirklich schrecklichen Situation gefangen. Von der ersten Drehbuchseite an tauchte ich völlig in Mirandas Reise in die Selbstentdeckung ab, und das war einfach großartig.?

Berry sieht Miranda als ?gequälte Seele?, die erst dann das wahre Ausmaß ihrer Stärke und ihrer intuitiven Fähigkeiten erkennt, als sie ihrer Identität beraubt wird. ?Zu Beginn der Geschichte führt Miranda ein ganz normales Leben, ohne es wirklich auszuschöpfen?, erzählt Berry, deren Mutter 35 Jahre als Schwester in einer psychiatrischen Anstalt arbeitete. ?Die Reise, auf die sich Miranda während des Films begeben mußs, inspiriert sie dazu, aufzuwachen und sich ihr Umfeld genauer anzusehen. So beginnt sie viel intensiver als je zuvor zu leben.?

Obwohl Mirandas schmerzliche Veränderung von der vernünftigen Ärztin zur scheinbar selbstzerstörerischen Psychiatriepatientin eine spezifische Folge der extremen Umstände ist, ist Berry davon überzeugt, dass sich der Zuschauer mit dem Dilemma ihrer Figur identifizieren kann. ?Miranda ist nicht allein?, warnt Berry.

?Jeder von uns könnte in eine solche Situation geraten. Alles läuft ganz wunderbar, bis dein Leben in einer einzigen Nacht für immer verändert wird. In unserem Film dreht sich alles um die Frage ,Was wäre wenn??. Was wäre, wenn einem selbst so etwas passieren würde? Was würde man tun? Wie käme man aus einer solchen Situation heraus? Würde man aufgeben, überleben oder bei dem Versuch, das zu tun, sterben??

Um Berry auf Mirandas quälender Reise zu führen und eine Balance zu finden für die anspruchsvolle und raffinierte Mischung aus Spannung, Drama und Terror, sprach Joel Silver Mathieu Kassovitz an, den renommierten Schauspieler und Regisseur, der 1995 auf dem Filmfestival von Cannes für La Haine (Hass, 1995), sein explosives Drama über das Leben in den Vororten von Paris, als ?Bester Regisseur? ausgezeichnet wurde.

Nach einer Vorführung von Kassovitz? Thriller Les rivières pourpres (Die purpurnen Flüsse, 2001) bat Silver Susan Levin, ein Treffen mit dem jungen Regisseur in Paris zu arrangieren. ?So etwas macht Joel ausgesprochen selten, noch dazu, wenn er dabei nicht ein spezielles Projekt im Hinterkopf hat?, bestätigt Levin. ?So etwas macht er nur, wenn er Potenzial in jemandem sieht und mit dieser Person zusammenarbeiten möchte. Wie Joel liebt Mathieu das Kino und besitzt ein unglaubliches Wissen über Filme. Sie verstanden sich auf Anhieb und entschlossen sich, ein gemeinsames Projekt zu finden.?

?Für GOTHIKA suchte ich einen Regisseur mit ganz besonderen Qualitäten?, erzählt Silver. ?Mathieu ist sehr passioniert und talentiert. Er versteht es wirklich, Atmosphäre zu erzeugen und eine Geschichte zu erzählen. Das Drehbuch sprach ihn sofort an, und er hatte sofort eine Vorstellung davon, wie er das Skript umsetzen würde.? ?Sebastians Drehbuch ist wirklich gut geschrieben, ist überdurchschnittlich smart und sehr gruselig?, schwärmt Kassovitz, der Sohn von Peter Kassovitz, unter anderem Autor und Regisseur von Jakob the Liar (Jakob der Lügner, 1999).

?Die Charaktere sind nicht nur Köder für einen verrückten Killer, sondern intelligente, stimmige und interessante Menschen. Als Joel mir erzählte, dass Halle Berry Miranda spielen würde, konnte ich es gar nicht fassen. Eine Schauspielerin ihrer Qualität bringt diesen Stoff auf ein anderes Niveau, und es lag nun an uns, sich dieser Gelegenheit gewachsen zu zeigen.?

Die Rolle von Dr. Pete Graham, Mirandas sympathischem, aber skeptischem Kollegen, der mit eigenen Problemen kämpfen mußs, besetzten Kassovitz und Silver mit dem charismatischen, Oscar®-nominierten Robert Downey jr. ?Pete liebt Miranda unerwidert?, erklärt Downey, ?und er weiß, dass nie etwas daraus werden kann. Denn Miranda ist nicht nur seine Kollegin, sondern ihr Ehemann auch sein Boss.?

Miranda versucht, Pete davon zu überzeugen, dass sie nicht verrückt ist, obwohl ihr Verhalten immer wunderlicher und unberechenbarer wird. ?Pete will Miranda wirklich helfen?, erklärt Silver, den Downey scherzhaft als ?seinen ersten Boss außerhalb des Restaurantgeschäfts? bezeichnet, nachdem ihn Silver in John Hughes? Hitkomödie Weird Science (L.I.S.A. ? Der helle Wahnsinn?, 1985) besetzt hatte.

?Pete will Miranda wirklich glauben?, fährt Silver fort, ?aber immer wieder macht sie Dinge, die er nicht begründen kann. Er kann ihr nicht mehr vertrauen, sie nicht mehr unterstützen. Und seine Gefühle gegenüber Miranda belasten ihn, ob nun beruflich oder privat.? ?Mirandas Beziehung zu Pete verändert sich?, fügt Berry hinzu. ?Erst besteht diese unausgesprochene Verbindung, dann fragt sie sich, ob sie ihm noch trauen kann. Ihr geht es wie dem Zuschauer, sie weiß nicht, ob Pete auf ihrer Seite steht oder ihr Gegner ist.?

?Robert ist smart, besitzt unglaubliches Charisma?, begeistert sich Kassovitz. ?Gleichzeitig bringt er in seine Rolle eine unberechenbare Note ein, und die kann man im Film wirklich spüren.? Als Miranda versucht, ihre kryptischen Begegnungen mit dem Geist eines mysteriösen jungen Mädchens zu deuten, sympathisiert sie immer stärker mit einer Patientin, die sie zuvor als wahnhafte Psychotikerin abgetan hat. Diese Rolle der gefährlichen, geistig verwirrten Patientin Chloe Sava boten die Filmemacher Penélope Cruz, einer Schauspielerin von internationalem Ruf, an.

?Dieser Gelegenheit konnte ich nicht widerstehen?, gesteht Cruz. ?Nach solchen Stoffen suche ich immer, etwas, was neu für mich ist, das für mich als Schauspielerin ein Risiko bedeutet. Chloe lebt in ihrer eigenen Hölle, die sehr real für sie ist, aber niemand glaubt dem, was sie zu sagen hat?, führt Cruz aus, der Superstar des spanischen Kinos, den man in Amerika am besten durch die eindrucksvollen Leistungen in Vanilla Sky (Vanilla Sky, 2001) und Blow (Blow, 2001) kennt. ?Für mich ist das der schlimmste Albtraum: in einer Situation zu sein, in der man die Wahrheit sagt, dich jeder aber für verrückt hält. Es ist so schrecklich, wenn dein Schmerz nicht für wirklich gehalten wird.?

Wie Cruz glaubt auch Kassovitz nicht, dass Chloe tatsächlich verrückt ist. ?Wenn Menschen von Stimmen erzählen, die sie hören können, heißt das nicht, dass mit ihnen etwas nicht stimmt, sondern nur, dass sie Dinge sehen, die wir eben nicht sehen können?, meint Kassovitz. ?Man würde selbst paranoid werden, wenn man die Wahrheit sagt und niemand einem glaubt.? Im Verlauf der Handlung von GOTHIKA ist Chloe zunächst machtlos gegenüber Miranda und dem Personal der geschlossenen Abteilung, die ihre Behauptungen, vom Teufel gequält zu werden, als psychotische Fantasie abtun.

Aber sobald ihre misstrauische Therapeutin selbst zur Patientin wird, zieht die unglaublich charismatische Chloe Miranda in ihre eigene persönliche Hölle mit hinein. ?Chloe ist eine wirklich schillernde Figur und Penélope lässt sich voll und ganz darauf ein?, sagt Joel Silver. ?In diesem Film können die Zuschauer eine für sie bisher unbekannte Penélope sehen.?

?Penélope hat nur wenige Szenen, um diese Figur wirklich mit Leben zu erfüllen?, fügt Kassovitz hinzu. ?Und sie brauchte nur sechs Tage am Set, um Chloe entschlüsseln zu können. Sie hat alles für diese Rolle gegeben und sie spielt einfach bemerkenswert.?

?Chloe ist die intensivste Persönlichkeit, die ich bisher spielen mußste?, gibt Cruz zu. ?Jeden Tag brach ich irgendwann in Tränen aus, wenn ich mir ihre Situation vorstellte. Es gab Zeiten, in denen ich seelisch einfach nicht so weit gehen wollte. Zu viel Schmerz war damit verbunden. So eine Figur reizt einen Schauspieler sehr, aber bringt auch schmerzliche Erfahrungen mit sich.?

Charles S. Dutton, mit dem Emmy ausgezeichneter Schauspieler und Regisseur, amerikanischen Zuschauern bekannt durch die TV-Serie ?Roc? und demnächst auch im Drama Against the Ropes zu sehen, das er auch inszenierte, spielt Dr. Douglas S. Grey, Mirandas Ehemann und Leiter der psychiatrischen Abteilung von Woodward. ?In seinem Beruf genießt Doug Grey großen Respekt?, beschreibt Dutton seine Figur.

?Er besitzt eine starke Präsenz und vermittelt den Eindruck, dass er sich um seine Patientinnen sorgt und Mitleid mit ihnen hat. Viele seiner männlichen Kollegen beneiden ihn, weil er diese jüngere, bildschöne Ärztin mit großer beruflicher Zukunft geheiratet hat. Er weiß es wirklich zu schätzen, dass Miranda ihn liebt, aber gleichzeitig behandelt er sie wie eine Trophäe, wie sein Spielzeug. Man spürt, dass sich Miranda in der Beziehung zu ihm nach einer tieferen Bindung sehnt.?

Die zentrale Besetzung von GOTHIKA vervollständigen John Carroll Lynch, bekannt aus The Good Girl (2002), der den Sheriff Bob Ryan spielt. Er leitet die Untersuchung des Mordes an seinem besten Freund Doug Grey. Bernard Hill schließlich, König Theoden in Teil 2 und 3 der Herr der Ringe-Triologie, ist als Mirandas Kollege Dr. Phil Parsons zu sehen, dessen unerwartete Verbindung zu ihren vermeintlich übernatürlichen Begegnungen dabei hilft, das Rätsel hinter Mirandas selbstzerstörerischem Verhalten zu lösen.

?GOTHIKA ist ein Popcorn-Movie mit echter Substanz?, schwärmt Mathieu Kassovitz. ?Ich will, dass sich die Zuschauer darauf vorbereiten, im Kino in Angst und Schrecken versetzt zu werden. Wir werden ihnen eine wirklich spannende, gruselige Achterbahnfahrt bieten und nicht nachlassen, bevor sie vorbei ist.?

Gothika Voller Suspense und durchdrungen von einer beunruhigenden Atmosphäre, verstärkt sich die Wirkung von GOTHIKA durch ein evokatives Produktionsdesign, das auf Dr. Miranda Greys grausame Laune des Schicksals hinweist. Ganz besonders kommt das zum Tragen in den Sets des Woodward-Gefängnisses ? dieser düsteren, bedrückenden Anstalt, in der sie mit ihren früheren Patientinnen eingesperrt wird.

Hauptdrehort für Woodward war das riesige Gefängnis St-Vincent-de-Paul, ein Hochsicherheitsgefängnis, das zur Wende des 20. Jahrhunderts in Laval, in der Provinz Quebec, etwa eine Stunde nordwestlich von Montreal gebaut wurde, jetzt aber leer steht. Ursprünglich sollten die Gefängnisszenen im Studio gedreht werden, aber nachdem Kassovitz sich in das dunkle, verfallene Gebäude verliebt hatte, das unter dem Kürzel SVP bekannt ist, erweiterte der Originalschauplatz die Designpalette.

Mehrere Szenen im Skript wurden ausgedehnt, damit das Team mehr Bereiche im SVP nutzen konnte, damit Woodward in der Story eine noch stärkere Präsenz bekommen konnte. ?Als wir uns in der Vorproduktion nach geeigneten Drehorten umsahen, stießen wir auf das SVP und wussten sofort, dass wir fündig geworden waren?, erinnert sich Produzentin Susan Levin. ?Dieses Gefängnis vermittelt perfekt die bedrohliche Stimmung und Atmosphäre, die wir für unseren Film brauchten.?

Produktionsdesigner Graham ?Grace? Walker und sein Team veränderten zahlreiche Räumlichkeiten innerhalb des optisch expressiven Areals des SVP. Dazu gehörte auch das Labyrinth von Korridoren und Treppen, außerdem der verrostete Zellenbereich, in dem sich die Farbe schon von den Wänden schälte, sowie der dreistöckige Atrium-ähnliche Gemeinschaftsraum und der Trainingshof, in dem Chloe Miranda vor drohender Gefahr warnt.

Walkers Team baute auch eine Reihe der Woodward-Sets im Studiokomplex Cité du Cinéma in Montreal auf. So etwa die Verwaltungsbüros, den Duschraum und die an ihrer Front verglasten Beobachtungszellen, die aus Fliesen und perforiertem rostfreiem Stahl entstanden. ?Die größte Design-Herausforderung bei diesem Film war, eine konsistente Linie für den Look einzuhalten, während so viele unterschiedliche Drehorte und Studiosets integriert werden mußsten?, erzählt Walker.

?Dank meines großartigen Teams in Montreal gelang es uns, diese Herausforderung zu meistern. Es sind außergewöhnlich begabte Künstler, die für diesen Film ein wirklich lebendiges Umfeld schufen.? ?Die Originaldrehorte und die Sets hätten nicht passender für diesen Film sein können?, stimmt Berry zu. ?Sie sind sehr spezifisch und ermöglichten den Schauspielern, die Stimmung des Films zu finden.?

?Grace ließ sich von dem echten Gefängnis inspirieren und verstärkte darauf aufbauend im Design den gotischen Aspekt. Das war brillant?, schwärmt Joel Silver von Walkers Auge und Detailbesessenheit. ?Zusammen mit Mathieu und unserem Kameramann Matthew Libatique machte Grace das Woodward-Gefängnis zu einem zentralen Bestandteil des Films.? Kassovitz führt die düstere Atmosphäre des Films auf seine Zusammenarbeit mit Walker, Libatique und Kostümdesignerin Kym Barrett zurück.

?Am wichtigsten war mir, dass die einzelnen Elemente zusammenpassen mußsten, dass eine sehr stilisierte, aber dennoch realistische Umgebung entstand, die gleichermaßen Substanz und Bedeutung hatte?, erklärt der Regisseur. ?Daraus leitete sich ab, dass die Sets und die Lichtsetzung nicht nur während der gruseligen Momente düster sein mußsten, sondern während des ganzen Films. Ich will nicht, dass man als Zuschauer diesem düsteren Eindruck entkommen kann, die Atmosphäre darf niemals durchbrochen werden.?

Um Kassovitz? Vorstellungen erfüllen zu können, entwickelte Walker eine unverwechselbare Farbpalette. ?Ich versuchte das Gefühl düsterer Vorahnung mit gedämpften Farben zu vermitteln, mit Grau- und Braunschattierungen und ziemlich farblosen Tönen, die ich noch nie zuvor verwendet hatte?, erklärt Walker, der Produktionsdesigner von Filmen wie Ghost Ship (Ghost Ship, 2002), Queen of the Damned (Königin der Verdammten, 2002) und The Island of Dr. Moreau (DNA ? Die Insel des Dr. Moreau, 1996).

Um die unheimliche Stimmung und die innovative Art der Kameraführung zu etablieren, arbeiteten Walker und Kassovitz eng mit Kameramann Matthew Libatique zusammen, der für seine unvergesslichen Bilder zu Requiem for a Dream (Requiem for a Dream, 2000) 2001 den Independent Spirit Award erhalten hatte. ?Die Kamera sollte wie ein Geist sein, an Orte gelangen, die eigentlich unmöglich zu erreichen waren?, erklärt Kassovitz seinen Plan.

?Außerdem hatten wir einige komplizierte Sets, ganz besonders die gläsernen Zellenwände, die wegen der Reflexionen sehr schwer zu fotografieren waren. Matty und ich wollten diesen körnigen, nervösen Look, und am Ende wurde aus diesen Intentionen eine Kreuzung zwischen einem stilisierten glamourösen Noir-Look und schmutzigen Bildern, die wir im Guerilla-Stil gedreht hatten.?

?Mathieu versteht es wirklich, die Kamera so zu bewegen, dass man in Mirandas Reise hineingezogen wird?, bemerkt Silver. ?Es gibt so viele Szenen, in denen sich nur zwei Personen in einer Zelle unterhalten, und diese sind für jeden Regisseur eine echte Herausforderung. Jede dieser Szenen hat Mathieu interessant und einzigartig gemacht. Darüber hinaus gibt es einige Szenen, in denen Miranda herauszufinden versucht, ob sie nun wirklich verrückt geworden ist. Dabei hatte Halle fast nichts Greifbares, auf das sie reagieren konnte. Das spricht für ihre schauspielerischen Qualitäten, aber auch für Mathieus Regietalent. Er schafft es, mit ihrer Hilfe den Zuschauer in den Film einzubinden.?

Berry, die schon mit so unterschiedlichen Regisseuren wie Warren Beatty, Martha Coolidge, Lee Tamahori, Tony Scott und Spike Lee gedreht hat, erzählt, dass die Zusammenarbeit mit Kassovitz genau die strukturierten, faszinierenden Darstellungen und auch den stimmigen Ton hervorgebracht hat, wie man es sich vorgestellt hatte.

?Mathieu hat ein tolles Auge und eine wirklich einzigartige Methode, eine Story mit der Kamera zu erzählen. Und als Schauspieler versteht er auch, was mit der Arbeit vor der Kamera verbunden ist. Er hat eine ganz eigene Art, Filme zu drehen, und diese hat sehr dazu beigetragen, dass hier ein so einzigartiger und besonderer Film entstehen konnte.?

?Mathieu war großartig, denn vom ersten Tag an war es eine wirkliche Zusammenarbeit?, bemerkt Robert Downey jr. ?Er half mir dabei, Pete mühelos spielen zu können. Leicht war es nicht, aber es war mühelos. Kurz bevor wir zu drehen begannen, sah Pete noch etwas konservativer aus. Da kam Mathieu zu mir herüber, brachte mein Haar durcheinander, zog mir sein T-Shirt an und sagte: ,Pete mußs cooler sein.? Das gab mir Sicherheit, denn oft bin ich für eine Rolle bereit, konservativer oder mir unähnlicher zu wirken, aber genau das wollte Mathieu nicht. In seinen Augen sollte Pete mir mehr ähneln.?

?Die Schauspielerei ist so ein schwieriger, intimer Prozess?, sagt Kassovitz. ?Ich bin selbst Schauspieler, glaube, dass ich in der Lage bin, mit meinen Akteuren ganz besonders gut zu kommunizieren. Aber dennoch ziehe ich die Regie vor, das ist für mich interessanter.?

Weil Halle Berry in nahezu jeder Szene des Films zu sehen ist, mußsten die Dreharbeiten für einen Monat unterbrochen werden, nachdem sich die Schauspielerin in einer Szene mit Downey das Handgelenk verletzt hatte. ?GOTHIKA ist ein Beweis für Halles Stärke und Talent?, bestätigt Joel Silver. ?Sie ist eine tolle Schauspielerin, besitzt große emotionale Wandlungsfähigkeit und eine unglaubliche Energie.?

?Mit Halle zu drehen war einfach wunderbar?, sagt auch Penélope Cruz. ?Vom ersten Tag an verstanden wir uns. Ich fühlte mich wohl in ihrer Nähe. Sie ist eine richtige Frau, ist smart, witzig und aufrichtig.? ?Es war einfach wunderbar, Halle beim Drehen dieses Films zu beobachten, nachdem ich ihre Entwicklung als Schauspielerin mitverfolgen konnte?, erzählt Charles Dutton, der Berry schon seit Jahren kennt, in GOTHIKA aber zum ersten Mal mit ihr vor der Kamera steht. ?Sie ist eine extrem intelligente Schauspielerin, furchtlos und risikobereit. Einfach ein echter Profi.?

?So anstrengend es auch war, Miranda auf ihrer stürmischen Reise zu spielen, bin ich doch wirklich stolz darauf, ein Teil von GOTHIKA zu sein?, schwärmt Halle Berry. ?Es gibt einige Szenen, die mir beim Drehen wirklich Angst gemacht haben, und das, obwohl ich wusste, was passieren würde. Wenn also die Zuschauer aus dem Kino gehen und das Gefühl haben: ,Wow, das hat mir wirklich höllisch Angst gemacht?, dann glaube ich, haben wir unseren Job gut gemacht.?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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