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Hintergrund

Salvador Allende: Freiheit und Sozialismus: der chilenische Weg (1970-1973)

Salvador Allende, 1908 als Sohn eines Rechtsanwalts geboren, engagiert sich bereits in der Jugend gegen die sozialen Ungerechtigkeiten in Chile. Für ihn führt der Weg zu einer neuen Gesellschaft durch und über das bestehende konstitutionelle System. Daher kandidiert Allende bei den chilenischen Präsidentschaftswahlen 1952, 1958, 1964, bevor er 1970 relativ knapp mit 36 % der Stimmen gewinnt.

Nach den ersten Sozialreformen, wie Einführung der Schulmilch, Pensions- und Einkommenserhöhungen, Verstaatlichung des Kupferbergbaus, zentraler Unternehmen und Banken, sowie einer Agrarreform mit Gründung landwirtschaftlicher Genossenschaften, genießt Allende enorme Zustimmung. Bei den Kommunalwahlen im April 1971 erzielt seine Partei, die Unitad Popular, die absolute Mehrheit. Das gesellschaftliche Klima ist von Aufbruch und Enthusiasmus geprägt.

Doch Allende gerät zunehmend in eine Zwickmühle, zwischen den von ihm vertretenen maßvollen Umbruch mit legalen Mitteln und die Ungeduld der eigenen Basis. Die Eliten, die um ihre Privilegien fürchten, stoppen die Investitionen und schaffen das Kapital ins Ausland. Ihr Widerstand findet Rückhalt bei den USA, die eine antiamerikanische Achse zwischen Chile, Kuba und Peru, das sich 1968 radikal-sozialen Reformen verpflichtet hat, verhindern wollen.

Die Opposition mobilisiert die Mittelschichten und Christdemokraten. Als die Transportunternehmer im Oktober 1972 streiken und die Proteste gegen die schlechte Lebensmittelversorgung in den Städten eskalieren, nähert Allende sich dem Militär an, das die öffentliche Ordnung wieder herstellt. Das Ergebnis der Kommunalwahlen im März 1973 spiegelt die Polarisierung innerhalb der chilenischen Gesellschaft und Parteien wider. Die Unitad Popular kommt auf 45 %, die Opposition auf 55 % der Stimmen. In den Vorstädten und in den Industriegebieten jubeln Allendes Anhänger: "Die kapitalistische Wirtschaft ist tot". Seine Gegner halten mit der Parole: "Das Land ist nicht zu verkaufen" dagegen.

Die Versorgung gerät im Lauf des Jahres 1973 zusehends zum Albtraum. Die Händler horten Zigaretten, Mehl usw. und halten die Läden geschlossen. Wer kann, kauft auf dem Schwarzmarkt. Die Armen versuchen gemeinsam das Nötigste zu organisieren und etwas Gemüse anzubauen. Schlangestehen gehört zur Tagesordnung. Die Inflation klettert bis zum Putsch auf 300 %.

Während Allende nun verstärkt im Ausland, u. a. in Moskau, für seinen Reformkurs wirbt, stürzen Generalstreik, Sabotage und Terror Chile ins Chaos. Ein erster Putschversuch im Juni wird vereitelt, weil die meisten Offiziere noch loyal zur Demokratie stehen. Aber am 23. August wird General Augusto Pinochet mit Allendes Zustimmung Oberkommandierender der Streitkräfte. Er ersetzt umgehend regimetreue durch putschbereite Militärs.

Unterdessen versucht Allende, wenigstens einen Teil der eingeleiteten Reformen zu retten. Doch er findet keine Mehrheit im Kongress. Und bevor er das Volk abstimmen lassen kann, putscht das Militär. Als am 11. September 1973 die Moneda, der Präsidentenpalast, gestürmt wird, kündigt Salvador Allende in einer Radioansprache seinen Selbstmord an: "In einer Zeit des historischen Umbruchs bezahle ich die Treue des Volkes mit meinem Leben." Der chilenische Weg, die friedliche Revolution für Freiheit und Sozialismus ist gescheitert. Lateinamerikas Hoffnungsträger ist tot.

Unter Pinochet wird die Erinnerung an die Allendezeit gezielt ausgelöscht. Es folgen 17 Jahre Militärdiktatur, in denen Folter- und Mordkommandos Angst und Schrecken verbreiten.

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Dirk Jasper FilmLexikon

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