Alles was ich an euch liebe

Produktionsnotizen

Eine spanische Geschichte mit universellem Bezug Es gibt viele Gründe, weshalb die Toleranzbotschaft des Films im heutigen Spanien aktuell ist, zum Beispiel den Konflikt im Baskenland. Auch wenn die ProtagonistInnen von ALLES WAS ICH AN EUCH LIEBE Juden und Araber sind, haben die Themen des Films ? Zusammenleben und Toleranz ? universelle Bedeutung. ?Es gibt kein Land auf der Welt, das nicht ähnliche Konflikte und Fragen zu bewältigen hätte und dabei ist Gewalt als Lösung zum Scheitern verurteilt,? kommentieren De Pelegrí und Harari.

Heute mußs sich Spanien, wie ganz Europa, mit den durch Einwanderung verstärkten gesellschaftlichen Veränderungen befassen. Der Film nutzt das Zusammenleben von Menschen aus Ländern mit verschiedenen Sprachen und Religionen als Allegorie für die großen Themen Brüderlichkeit, Liebe und Frieden.

Der Hauptdarsteller Guillermo Toledo ist überzeugt von der besonderen Aktualität des Films für das moderne Spanien: »Ich denke, dass dieser Film den richtigen Moment getroffen hat, denn zurzeit gibt es in Spanien unzählige Gesetze, die Immigranten ohne Papiere kriminalisieren.

Es ist höchste Zeit, dass dies zur Sprache kommt.« In ALLES WAS ICH AN EUCH LIEBE wird der Konflikt auf der Mensch-zu-Mensch-Ebene ausgetragen und die Familie und ihr voraussichtliches neues Mitglied merken bald, dass sie mehr gemeinsam haben, als sie dachten. »Der Witz ist doch, dass wir alle gleich sind«, resümiert der Produzent Patrick Cassavetti. »Wir würden uns wahrscheinlich nicht in einem solchen Schlamassel befinden, wenn wir dies besser verstünden.«

Eine spanisch-britische Koproduktion Die britischen Produzenten Patrick Cassavetti und Adrian Sturges von Greenpoint Films beteiligten sich an der Produktion von ALLES WAS ICH AN EUCH LIEBE und arbeiteten mit dem erfahrenen Regisseur/-Produzenten Gerardo Herrero und der Produzentin Mariela Besuievsky von Tornasol Films zusammen. Cassavetti hatte bereits mit Tornasol am Film »The Galindez File« (Regie Gerardo Herrero, mit Harvey Keitel und Saffron Burrows) gearbeitet. »Wir verstanden uns großartig und beschlossen, unsere Zusammenarbeit zu wiederholen,« sagt Besuievsky.

Sie war es, die das Drehbuch für ALLES WAS ICH AN EUCH LIEBE an Greenpoint schickte. Cassavetti und Sturges waren sofort begeistert. Cassavetti erzählt weiter: »Aus England werden mir zahlreiche Koproduktionen angeboten, aber oft ist mir unklar, weshalb die Briten mitmischen! Bei diesem Film handelt es sich jedoch um ein echtes europäisches Thema und was da geschieht ist hochaktuell. Man denke an die Migration der Menschen verschiedener Nationalitäten innerhalb des neuen, erweiterten Europas. Sie werden sich niederlassen und miteinander auskommen müssen.«

Um die Koproduktion zum Erfolg zu führen, unterstützten Cassavetti und Sturges nicht nur die Entwicklung des Drehbuchs und die Postproduktion, sondern steuerten auch Fachleute aus Großbritannien bei. Der britische Komponist Charlie Mole war am unverwechselbaren Soundtrack des Films beteiligt. In Danny Cohen fanden sie einen Kameramann, der die Thematik und vor allem den typisch rauhen und übersprudelnden Stil der Regisseure verstand. Cohen arbeitete ausschließlich mit einer Handkamera und hatte ein instinktives Gefühl für Rhythmus und Timing.

»Durch die zeitliche und räumliche Beschränkung der Handlung erhält die Geschichte eine lebendige Energie«, erklären die Filmemacher. »Es war wichtig für uns, das Tempo und die Bewegung aufrecht zu erhalten. Aus diesem Grund entschieden wir uns für einen fließenden Handkamerastil und da ist Danny perfekt. Die Kamera bewegt sich nur, wenn die Bewegung der Schauspieler es erfordert.«

Die Besetzung Im Zentrum des Familiendramas steht Rafi, der palästinensische Freund der Lieblingstochter der jüdischen Familie. Die Filmemacher hatten eigentlich gehofft, einen arabischen Schauspieler für die Rolle des scheuen, unbeholfenen Akademikers zu bekommen. Doch die Wahl fiel schließlich auf den spanischen Schauspieler Guillermo Toledo.

Guillermo selbst sagt dazu: »Ich war es, der sie ansprach. Mein Agent hatte mir das Drehbuch gegeben und meinte, ich sollte es lesen, weil er mich in Rafis Rolle sah. Ich las es und fand es großartig. Also griff ich einfach zum Telefon und bot mich an. Und da sie keinen arabischen Schauspieler finden konnten, gaben sie mir eine Chance.« Guillermo Toledo sagt, er habe Bedenken gehabt, ob er als Palästinenser überzeugen würde. »Ich hatte jede Menge Bedenken?, lacht er.

?Vom Äußerlichen her war es o.k., da Spanier und Araber sehr ähnlich aussehen. Das Problem war der Akzent und die Art zu sprechen. Ich diskutierte ausgiebig mit Teresa und Dominic, und sie wollten keinen besonderen Akzent. Bei der Figur geht es um jemanden, der seit seinem siebten Lebensjahr in Spanien zu Hause ist. Das machte die Sache einfacher für mich.« Cassavetti teilte anfangs diese Befürchtungen, doch dann überzeugte ihn Guillermo Toledos Schauspielleistung. ?Zuerst war ich skeptisch?, erklärt er.

?Ich war der Meinung, dass wir einen echten Palästinenser nehmen sollten, aber als ich das erste Filmmaterial sah, wusste ich, dass wir uns richtig entschieden hatten.? Toledo, der vor allem durch seine Komödienrollen bekannt geworden ist, verkörpert Rafi perfekt. Die Wärme und der Humor hinter der vordergründigen Ungeschicklichkeit passen ausgezeichnet zur tragikomischen Note von ALLES WAS ICH AN EUCH LIEBE.

Es war wichtig, für die zentrale Rolle der Mutter einen Star mit internationalem Flair zu finden. Mit ihrer bald fünfzigjährigen Erfahrung im lateinamerikanischen und spanischen Kino ist die bedeutende argentinische Schauspielerin Norma Aleandro heute eine Legende. »Als Norma Aleandro vorgeschlagen wurde, war ich sofort dafür,« erzählt Cassavetti. ?Sie ist eine großartige Schauspielerin und hatte mit zahlreichen argentinischen Filmen Erfolg.?

Ihre bekannteste Rolle ist die der argentinischen Hausfrau im Oscar-gekrönten Film DIE OFFIZIELLE GESCHICHTE von 1985, in dem es um die Entführten und Verschwundenen während der argentinischen Militärdiktatur geht. Mit dieser Rolle wurde sie bei den Filmfestspielen in Cannes als beste Schauspielerin geehrt. Wie Guillermo Toledo fühlte sich auch Norma Aleandro vom klugen Humor des Drehbuchs von ALLES WAS ICH AN EUCH LIEBE angezogen. »Es behandelt das heikle Thema der Beziehung zwischen Juden und Palästinensern, doch ich sah sofort, dass es mit viel Humor und Respekt ausgeführt war«, sagt sie.

Marián Aguilera ist in Spanien als Theater- und Fernsehschauspielerin bekannt und war zudem Trägerin der olympischen Fackel in Barcelona. Für die Filmemacher hat Marián »die zahlreichen Widersprüche in Leni perfekt zum Ausdruck gebracht: schön und unsicher, ruhig und völlig neurotisch, ernsthaft und eine Lügnerin, intelligent und total zynisch, mit einem unerschütterlichen Glauben an romantische Liebe und Toleranz.«

Die Rolle der frechen, sexbesessenen Tania haben die Filmemacher mit Maria Botto besetzt, einer hoch angesehen spanischen Schauspielerin. De Pelegrí und Harari sagen über sie: »Maria ist eine Schauspielerin, die vor Lebensenergie sprüht. Sie gab Tania die nötige Sinnlichkeit und Extrovertiertheit.« Obschon sie und Guillermo Toledo alte Bekannte waren und zusammen zehn Jahre zuvor Theater studiert hatten, war ALLES WAS ICH AN EUCH LIEBE ihr erster gemeinsamer Film.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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