Jarhead - Willkommen im Dreck

Produktionsnotizen

"Wie die meisten guten Marines habe ich das Corps gehasst. Ich habe es gehasst, ein Marine zu sein, denn egal, was ich gerne gewesen wäre - clever, berühmt, sexy, sexbesessen, betrunken, zugedröhnt, high, allein, berühmt, clever, bekannt, verstanden, geliebt, sündenfrei, sexbesessen, betrunken, high, clever, sexy -, mehr als all das war ich nun mal ein Marine. Ein Jarhead. Ein Grunt." - Anthony Swofford in seinem Buch "Jarhead"

Im Sommer 1990 wurde Anthony Swofford als 20jähriger Soldat (die dritte Generation in seiner Familie) in die Wüste Saudi Arabiens geschickt, um im ersten Golfkrieg zu kämpfen. 2003 wurden seine Erinnerungen an diese Zeit zum Bestseller ?Jarhead?. Swofford schrieb mit der Dringlichkeit, Unmittelbarkeit, Ehrlichkeit und dem Humor, mit dem nur jemand schreiben konnte, der selbst dabei war.

Swoffords Buch war 9 Wochen in der The New York Times Bestseller-Liste und wurde in der gleichen Publikation auch als ?eine Art Klassiker? erfrischende Memoiren über den Golfkrieg von 1991, die zu den besten Büchern gehören, die je über das Militärleben geschrieben wurden. Eine wilde Passage, die Millionen junger Männer bekannt ist, aber selten so gut beschrieben wurde.?

Die Times-Autorin Michiko Kakutani schrieb, dass ?Jarhead? eine ?respektlose, aber vermittelnde Stimme sei, die sowohl den aufgepeitschten Machismo der Jarhead-Kultur einfängt wie die existenzielle Einsamkeit eines Kampfeinsatzes. Swofford lässt uns die anspruchsvolle und tödliche Kunst eines Scharfschützen verstehen? den Rhythmus aus Langeweile und Panik beim Vorbereiten auf eine feindliche Attacke, den psychologischen Preis eines Krieges und die emotionale Bindung unter den Soldaten.?

Hier war eine ungeschminkte Story, direkt aus dem Mund eines 20jährigen Jungen, der von einem ganz anderen Krieg erzählt als den, den man aus den Medien kennt. Hier war der Krieg am Boden mit Bildern von brennenden Ölfeldern, Flammen, die in den Himmel schießen, rauflustige, geile, staubige Rekruten, aufgekratzt und ängstlich zugleich, weil jeden Moment der Krieg hinter dem nächsten Hügel beginnen könnte.

Junge Männer, die in einer erbarmungslosen Gegend abgesetzt werden, die nach Abwechslung suchen, als Strafe Football mit Gasmasken spielen müssen, die auf Pakete mit Briefen und Pornos warten, die bei aufgeführten Skorpionkämpfen wetten und sich sinnlos besaufen, um das Weihnachtsfest weit entfernt von ihren Familien zu feiern. Aber aus dieser höllischen Situation entstehen auch ungewöhnliche Freundschaften, leidenschaftliche Loyalität und verbissene Kameradschaft ? eine Brüderschaft von Jarheads, die sich ewige Treue schwören ... semper fi.

Die Red Wagon-Produzenten, der Academy Award-Gewinner Douglas Wick (?Gladiator?) und Lucy Fisher (kommend: ?Memoirs of a Geisha?), sicherten sich sofort die Rechte am Buch und beauftragten den Drehbuchautor und ehemaligen Marine William Broyles, Jr. (Academy Award nominiert für ?Apollo 13?) mit der Adaption von Swoffords Memoiren. Wick und Fisher suchten sich außerdem den einzigen Regisseur aus, dem sie zutrauten, ?Jarhead? auf die Leinwand zu bringen: Oscargewinner Sam Mendes, der zuvor in der vermeintlichen Idylle einer amerikanischen Vorstadt mit ?American Beauty? bohrte, und den Scheideweg aus familiärer Bindung und krimi-neller Gewalt untersuchte in ?Road to Perdition?.

Mendes und sein Team arbeiteten mit ?Jarhead ? Willkommen im Dreck? an einem Kriegsfilm der nächsten Generation, einem unvergesslichen Blick auf den Krieg durch die Augen eines Marine-Soldaten. Als hätte man J.D. Salingers Holden Caulfield in den Golf geschickt. Jake Gyllenhaal (?Brokeback Mountain?, ?The Day After Tomorrow?) führt eine beeindruckende Besetzung an und meistert die zentrale Rolle des Tony ?Swoff? Swofford, der sich von einem Soldaten der dritten Generation mit halbgaren Vorstellungen von Heldenmut in einen Veteran verwandelt, der den wahren Preis des Krieges kennt.

Peter Sarsgaard (?Kinsey?, ?Der verbotene Schlüssel?) spielt Swoffs Partner Troy in ihrer Eliteeinheit von Marine Kundschaftern/Scharfschützen, dessen gelassene äußere Hülle eine stürmische, launenhafte Natur verbirgt. Oscar-Gewinner Jamie Foxx (?Ray?, ?Collateral?) spielt Staff Sergeant Sykes, einen Berufssoldaten, der die ?Surveillance and Target Acquisition?-Einheit (STA) mit sturer Hartnäckigkeit und standhaftem Patriotismus kommandiert.

Und Oscar-Gewinner Chris Cooper (?Seabiscuit?, ?Adaption?) spielt Lieutenant Colonel Kazinski, den es juckt, seine Kampfmaschinerie auf den besser ausgerüsteten Feind loszulassen. Hinter der Kamera wurde Mendes von einer Gruppe angesehener und ausgezeichneter Film-handwerker unterstützt, darunter Kameramann Roger Deakins (fünfmal für den Oscar nominiert, ?The Man Who Wasn?t There? und ?Die Verurteilten?), Produktionsdesigner Dennis Gassner (?Road to Perdition?, Academy Award-Gewinner für ?Bugsy?), Cutter Walter Murch (Oscar-Gewinner für ?Der englische Patient? und ?Apocalypse Now?) und Kostümdesigner Albert Wolsky (Oscar-Gewinner ?Bugsy? und ?Hinter dem Rampenlicht?).

Für die musikalischen Land-schaften im Hintergrund von Swoffords äußeren und inneren Kämpfen waren Komponist Thomas Newman (?Road to Perdition?, ?American Beauty? und siebenmal für einen Oscar nominiert) und Music Supervisor Randall Poster (?Aviator?, ?School of Rock?) verantwortlich. Sam Mercer (?Signs?, ?Sixth Sense?) und Bobby Cohen (?Me-moirs of a Geisha?, ?Gottes Werk & Teufels Bei-trag?) haben ausführend produziert und die Be-setzung betreute Debra Zane (?Traffic?, ?Ame-rican Beauty?).

Rekrutierung der Filmemacher ?Als ich das Buch zum ersten Mal las, hat mich vor allem fasziniert, dass der Krieg aus dem Blickwinkel einer spezifischen Art von Mensch wahrgenommen wurde. Einer Person, die mit sich ins Reine kommen und herausfinden will, wer sie ist. Ich war völlig eingenommen von diesem Mix aus Machismo, Komik, Surrealismus und ironischer Beobachtung?, erinnert sich Regisseur Sam Mendes an seine Begegnung mit den Golfkrieg-Memoiren ?Jarhead?.

?Es war ein Buch wie kein anderes, über einen Krieg wie keinen anderen, der möglicherweise ein Kriegsfilm wie kein anderer werden könnte.?

?Jeder Marine-Soldat macht andere Erfahrungen, jede Einheit macht andere Erfahrungen, jedes Batallion macht eine andere Erfahrung ? selbst wenn alle im gleichen Krieg waren. Ich wollte einen Film über diesen ausgesprochen faszinierenden Menschen machen und wie er durch seine Erfahrungen in diesem Krieg geformt wurde.?

?Beim Golfkrieg erinnern wir uns an diese kleinen Bilder von kleinen Bomben, die Spielzeugstädte treffen, in denen sich scheinbar keine Menschenseele aufhält?, so Mendes. ?Ein Soldat am Boden hat nicht die geringste Ahnung, was da eigentlich passiert. Für mich lag die interessante Herangehensweise darin, sich diesem Krieg eben mit einem Soldaten am Boden zu nähern, denn genau dorthin durften wir während dieses speziellen Krieges eben nicht. Tonys Erfahrungen in der Wüste stellen das auf den Kopf, was wir in einem Krieg als normal erachten. Es ist als würde sich Salinger mit dem Golfkrieg auseinandersetzen.?

Swoffords hoch angesehener Bestseller über das Leben als Marine Anfang der 90er Jahre wurde insbesondere für die schmerzhafte und schonungslose Ehrlichkeit gelobt, mit der der Erzähler seine Welt beschreibt ? Ich-Beobachtungen eines Soldaten in der dritten Generation (Swofford wurde 1969 beim Heimaturlaub seines Vaters im Vietnamkrieg gezeugt) zur Kriegsmaschinerie, in die er geraten war.

Anstelle des klassischen Heldenbildes von hartgesottenen uniformierten Helden voller Einsatzbereitschaft treten hier junge Rekruten in verschwitzter Wüstenkleidung, mit Lust auf Rockmusik, einer Schwäche für Pornographie und einem wachsenden, ungestillten Blutdurst, auf. Sie wurden als Killer ausgebildet und dann in einer fremden, lebensfeindlichen, surrealen Gegend stationiert.

Ihr Testosteronüberschuss entlädt sich in internen Kämpfen (schließlich ist kein Feind in Sicht), Rangordnungsstreitereien, unmoralischem Verhalten und Respektlosigkeit gegenüber allen, von ihren Kommandeuren bis zu den Menschen, die sie befreien sollen ... all das erzählt von einem Soldaten, der sich eher mit Camus wohl fühlt als mit der harschen Realität des Jarhead-Lebens.

?Sollte ich eine Geschichte über den Golfkrieg erzählen, dann nur meine eigene?, so Swofford. ?Ich war 18 Jahre als ich im Dezember 1988 dem Marine Corps beitrat. Das Marine Corps ist verführerisch für eine gewisse Sorte von jungen Männern. Einmal, als ich in der Infanterie war, habe ich eine Gruppe gesehen, die bessere Gewehre und eine bessere Ausrüstung hatte. Sie hatten etwas Geheimnisvolles und ich fand heraus, dass sie Scharfschützen waren.?

Swofford bekam die Chance vom ?Grunt? - vom einfachen Soldaten - zum Aufklärer und Scharfschützen in der Eliteeinheit STA (?Surveillance and Target Acquisition?) aufzusteigen. ?Der ?Grunt? kämpft für 15000 in die Gegend geschossene Kugeln und der Scharfschütze stirbt für den einen perfekten Schuss ? das war es.?

Die Produktionspartner Lucy Fisher und Doug Wick hatten sich die Rechte am Buch gesichert als es herauskam und glaubten genauso an die Zeitlosigkeit des Stoffes wie an die schmerzliche, amüsante und beobachtende Einzigartigkeit der Autorenstimme. Bestärkt wurden sie in ihrem Vertrauen durch die Vietnamerfahrungen als Marine von Drehbuchautor William Broyles.

Mit einem Sohn in der Armee konnte Broyles sowohl als Vater eines jungen Soldaten wie auch als Jemand, der selbst den Krieg aus nächster Nähe gesehen hat, Swoffords Geschichte nachvollziehen. Broyles sagt: ?Tonys Generation hatte eine klarere Vorstellung von dem, was sie taten. Sie alle wollten dort sein, aus welchem Grund auch immer. Wir wurden damals eingezogen. Und als ich 1969 dorthin kam, hatten wir nicht die geringste Ahnung, was wir dort sollten.?

?Als ich das erste mal mit Bill über die Adaption sprach, erzählte er mir von seinen eigenen Vietnamerfahrungen, und dass das ein Club ist, dem man immer angehört?, erklärt Produzent Douglas Wick. ?Es hat mich irgendwie überrascht, diesen profilierten Autor, dessen Wehrdienst fast vier Jahrzehnte zurückliegt, über seine Zeit bei den Marines reden zu hören, dass man immer ein Marine bleibt und dass diese Typen, die nur so kurze Zeit miteinander verbracht haben, sich für immer verbunden fühlten. Es ging mir auf, dass diese Story es wert ist, erzählt zu werden.?

Broyles fügt hinzu: ?Als ich aus Vietnam zurückkehrte, habe ich meine Waffen vermisst. Es gibt eine urtümliche Verbindung, die man mit seinem Gewehr hat ? es ist wie bei einem Cowboy und seinem Pferd. Wenn ein Cowboy von seinem Pferd steigt, läuft er immer noch krummbeinig, weil sie zusammen gehören, genau wie du und dein Gewehr.? So wie es Swofford und Broyles erzählen, erleben Soldaten etwas im Krieg, das außerhalb des Vorstellungsvermögens der meisten Zivilisten liegt ? ein adrenalinübersteuertes Hochgefühl, das durch die andauernde Intensität genährt wird, mit der ein Soldat seine Aufgaben erledigen mußs, von der scheinbaren Monotonie des Drills bis zum tatsächlichen Einsatz.

Für sie ist das Anschauen solcher Klassiker wie ?Apocalypse Now?, ?Platoon? und ?Full Metal Jacket? wie ein Aphrodisia für ihren Appetit auf den kommenden Konflikt und wie eine Zeremonie zur Feier ihrer kämpferischen Fähigkeiten. Diese Motive kombiniert mit Swoffs einzigartiger Geschichte des Erwachsenwerdens im Brutkasten der Wüste würde die Leinwandadaption zu einer schwierigen Herausforderung machen.

Lucy Fisher erklärt dazu: ?Inhaltlich wie stilistisch ist das Buch einzigartig und wir wussten, dass es einiger außerordentlicher Talente bedürfen würde, daraus einen Film zu machen. Es ist eine sehr literarische Arbeit, eine Coming-of-Age-Story inmitten eines mal amüsanten, mal Grauen erregenden Chaos. Als Bill seinen ersten Drehbuchentwurf fertig hatte, haben wir uns den einen Regisseur ausgesucht, von dem wir wussten, dass er die notwendige visionäre Kraft hat, all das zusammenzubringen. Wir wollten jemanden, der intelligent genug ist, mit dem Ernst des Stoffes umzugehen, und der es gleichzeitig versteht, einen gewissen Witz herauszuarbeiten ? Sam macht das grandios.?

Wick fügt hinzu: ?Mit ?American Beauty? ist Sam Mendes in die Vorstadt gegangen. ?Jarhead?, der eine durchaus ähnliche Befindlichkeit zeigt, ist ein bisschen wie ?American Beauty? im Krieg.?

?Sam ist so sehr Stilist und so sehr Humanist, dass die unbekannte menschliche Seite dieses Krieges eine einzigartige kreative Chance für ihn war, die Tatsache, dass man in diesen Krieg kaum etwas Menschliches zu sehen bekommen hatte. Das Ungewöhnliche aus Sicht der Öffentlichkeit war ja, dass extrem wenige Bilder dieses Krieges im Fernsehen, in Magazinen und Tageszeitungen zu sehen waren. Oder besser gesagt, immer nur die gleichen sterilen Bilder. Insofern zeigt der Film Bilder, die man vorher nie und nirgendwo zu sehen bekam.?

?Ich denke man braucht eine gewisse Zeit, man braucht den Rückblick, um verstehen zu können, was man erlebt hat. Insbesondere, wenn es sich um etwas derart Lebenserschütterndes wie einen Krieg handelt?, merkt Mendes an. ?Wie so oft bei historischen Ereignissen braucht man einen gewissen Abstand, um sie wirklich zu verstehen. Der Golfkrieg ist auf jeden Fall ein solches Ereignis, eine Erscheinung, die heute eine andere Bedeutung hat als damals.?

Aus der Sicht der Öffentlichkeit schien Operation Desert Storm wie der perfekte Krieg ? wenn man dieses Oxymoron dafür anwenden will. Und so war er auch selbst für einen erfahrenen Soldaten eine völlig neue Erfahrung.

?Es hat mich fasziniert, dass es 10 oder 12 Jahre dauerte, bis die meisten dieser Jungs ihre Memoiren über diesen Golfkrieg schrieben. Man mußs sich fragen, warum es nur so wenige direkt nach dem Krieg waren. Warum hat es solange gedauert? Ich denke die Antwort liegt darin, dass das, was ihnen damals fast wie ein Nichtkrieg vorkam, im Nachhinein sehr viel interessanter scheint. Ich denke, uns wird jetzt klar, welche Rolle dieser Krieg spielte ? historisch gesprochen. Die Intensität dieser Erfahrung hat uns viel darüber zu erzählen, was heute passiert.?

Mendes und Broyles haben an zahlreichen Drehbuchfassungen gearbeitet und Swoffords nichtlineare Episoden zusammengefasst und sich stärker auf seine Zeit in der Ausbildung und in der Wüste konzentriert. (Swofford wurde am 14. August 1990 in den Einsatz geschickt, nur zwei Tage nach seinem zwanzigsten Geburtstag. Seine Einheit, das ?2nd Battalion of the 7th Marines?, war eine der ersten Einheiten, die im Golf ankamen und wurde umgehend in der Wüste stationiert. Sie gruben sich ein und warteten darauf, dass die Kämpfe beginnen?)

Mendes erklärt: ?Sofort, nachdem ein Krieg beendet ist, bekommt man die Endabrechnung, die Details. Wir haben versucht, die Gefühle, die Eindrücke und die persönliche Sicht für eine andere Schlussabrechnung dieses Krieges einzubeziehen.? Broyles fügt hinzu: ?Unsere Geschichte ist unromantisch und unpolitisch. Es geht um junge Männer, die dem Marine Corps beitreten, um einen Platz für sich im Leben zu finden.?

Rekrutierung der Einheit ?Ich habe das Buch im Flugzeug gelesen und es hat mich wirklich bewegt ? es war absolut emotional und ohne die Klischees anderer Kriegsgeschichten?, erinnert sich Jake Gyllenhaal. ?Als ich das Drehbuch bekam, sagte mir Sam Mendes, dass Bill Broyles in Vietnam gedient hatte, und um ehrlich zu sein, hatte ich deswegen ein paar Bedenken. Für mich war Vietnam eine andere Generation und ein Krieg, an dem jeder aus dieser Generation auf die eine oder andere Art teilgenommen hat. Ich war 11 als der Golfkrieg begann. Es gibt diese seltsame Distanz zu diesem Krieg und wir haben nicht die gleiche Erfahrung damit wie die Vietnam-Generation mit ihrem Krieg.?

Gyllenhaals Bedenken verschwanden, als er Broyles? Adaption von Swoffords Memoiren las. Er war sofort begeistert von der Herausforderung, den Autor darzustellen ? mußste aber noch einige Zeit warten. Nach seinem ersten Vorsprechen für Mendes hatte Gyllenhaal das komische Gefühl, es nicht wirklich perfekt hinbekommen zu haben. Nachdem einige Monate vergangen waren und er hörte, dass Mendes andere Schauspieler vorsprechen ließ, hinterließ Jake eine leidenschaftliche Nachricht auf Sam Mendes? Anrufbeantworter. (?Ich mache alles, was du willst. Ich bin der Richtige für diese Rolle im Film!?)

Einen Monat später wurde er darüber informiert, dass er die Rolle hat. Unterschätzt hatte Gyllenhaal aber nicht nur seine Chancen, die Rolle zu bekommen, sondern auch die mentalen und körperlichen Anforderungen, die die Rolle mit sich bringen würde. ?Als wir unsere Jarhead-Haarschnitte bekamen, war ich voll dabei ? aber sobald es geschehen war, fühlte es sich für mich sehr seltsam an?, so Gyllenhaal.

?Aber ich denke, dieses Gefühl war angebracht. Ich denke, dass Swoff gerne etwas außerhalb stand. Er ist ein Beobachter und ein Teamspieler, und Sam erzeugte eine Atmosphäre, in der ich gleichzeitig beobachten und ein Teil der Gruppe sein konnte. Ich habe immer diesen interessanten Widerspruch darin gespürt. Ich denke, genau das war Sams Absicht.?

Peter Sarsgaard spielt Troy, Swoffs Freund und Partner in der STA. Er erzählt: ?Ich wollte den Film vor allem deshalb machen, weil er die Härten und Schwierigkeiten dessen aufzeigt, was es für einen selbst bedeutet, im Krieg zu sein. Wir haben ein kleines bisschen davon mitbekommen, weil wir in diesem Film mitgespielt haben. Letztlich darf man nicht vergessen, dass wir nur Schauspieler sind.?

?Das Schwierigste für uns war meistens das Wetter. Entweder haben wir uns die Hintern abgefroren, wurden 12 Stunden lang in Regen eingeweicht, garten in voller Einsatzmontur in der prallen Sonne oder schleppten uns durch einen Sandsturm. Aber es ist natürlich etwas unfair, sich über solche Dinge zu beschweren, wenn es da Jungs gab, die das Monate lang durchmachten und es dabei auch noch mit echter Munition zu tun bekamen.?

Ein anderer Aspekt des militärischen Lebens eines Soldaten im ersten Weltkrieg und aller Soldaten, die vor der Geschlechterintegration in der Armee gedient haben, war die Abwesenheit von Frauen und das bedeutete auch für die Schauspieler/Rekruten eine Anpassungsphase. ?Ich habe schon echte Bindungserfahrungen bei der Arbeit mit Schauspielern gemacht, aber es ist noch mal etwas völlig anderes, wenn man in einer großen, ausschließlich männlich besetzten Truppe arbeitet?, so Sarsgaard. ?Nur Script Supervisor und Kameralader waren weiblich und es gab vielleicht noch ein, zwei andere Frauen in der Crew. Selbst in der Masken- und Frisuren-Abteilung waren fast nur Männer.?

?Ehrlich gesagt hatten wir es alle satt?, sagt er lachend. ?Männliches Geplänkel wird mitunter ziemlich schlüpfrig und man ist es nach einer Zeit leid. Diese Geplänkel haben oft mit Gewalt zu tun und es dreht sich normalerweise um Sex. Sex und Gewalt ? da hat man es wieder. Außerdem bilden sich Klüngel. Von allen Filmsets war dieser der mit dem meisten Gezänk und mit der meisten Liebe.?

Angemessenerweise hielt sich der Chef der Einheit aus diesem Treiben raus. ?Ich denke, es war angebracht, das Jamie Foxx unseren Staff Sergeant spielt?, sagt Gyllenhaal. ?Er wird von allen als Schauspieler respektiert. Er hielt sich immer etwas abseits von den Jungs und spielte Schach in den Drehpausen. Wir haben alle gegen ihn gespielt und er hat immer gewonnen. Es gibt eine Hackordnung im Marine Corps genauso wie an einem Filmset. Und so ist es uns leicht gefallen, Jamie als unseren Anführer zu sehen. Ich habe schon instinktiv und reflexartig zu ihm aufgeschaut.?

Foxx sagt dazu: ?Eine der ersten Anweisungen, die uns Sam gegeben hat, lautete: ?Lest das Buch, aber nehmt es euch nicht zu sehr zu Herzen, denn der Film wird etwas anderes werden.? Das Buch waren die Gedanken eines Einzelnen darüber, wie er vom Krieg beeinflusst wurde. Der Film lässt einen die Seiten Aller erkennen. Meine Seite ist die der Marines.?

Vor den Dreharbeiten traf sich Foxx mit einem Freund, der bei den Marines ist. ?Er ist Afroamerikaner und so mußste er immer etwas härter arbeiten und klüger sein als die anderen. Aber er sagte, wenn du einmal ein Marine bist, dann ist das deine Familie. Es gibt keine andere Farbe mehr als die deiner Uniform. Ohne Kameradschaft würde man nie überleben.?

Ein anderer Academy Award-Gewinner ? Chris Cooper - wurde mit der Aufgabe betraut, den eifrigen, smarten und charismatischen Lieutenant Colonel Kazinski zum Leben zu erwecken. Kazinski handhabt seine Führungsqualitäten wie ein findiger Marktschreier oder ein Las Vegas-Showmoderator ? Er weiß, wie er die Jungs motivieren kann und wie man eine Truppe aufpeitscht. Aber hinter dieser jovialen Gesinnungshausiererei steckt ein scharfsinniger Soldat mit Kriegsnarben und Medaillen, die seinem Rang entsprechen.?

?In einer lebensbedrohlichen Situation sucht eine Gruppe von jungen Männern nach einem Anführer. In solchen Momenten merken sie nicht, wenn ihnen ein Spruch serviert wird?, erläutert Cooper. ?Kazinski weiß, wie er eine Masse anheizen kann und er weiß, dass ein guter Führungsoffizier verschiedene Seiten haben mußs. Er weiß, wann es an der Zeit ist, der beste Kumpel zu sein, eine Vaterfigur oder wann er seine Jungs herunterputzen mußs. Er glaubt, weil er verantwortlich für das Überleben seiner Truppe ist, mußs er die Fähigkeiten und den nötigen Durchblick haben, um seine Begeisterung zu unterfüttern. Diese Dynamik war es, die Kazinski zu einem interessanten Charakter für mich gemacht hat.?

Foxx? Staff Sergeant Sykes repräsentiert den Berufssoldaten, den Typen Soldat, dessen unerschütterlicher Glaube an den Lebensstil des Corps alles andere bestimmt ? der Kompass, nach dem er seinen Kurs ausrichtet. Das Gleiche gilt für Coopers Kazinski. Für die Marines unter ihrem Kommando hat das Leben allerdings noch ein paar Schattierungen mehr als das schwarz-weiße Leben ihrer Anführer. Für sie ist der Gemeinschaftsanschluss sehr viel schwieriger.

Lucas Black spielt Chris Kruger, den Kompanierebellen, einen der Wenigen in der Truppe, der sich irgendwelche Gedanken über die Politik macht, die sie in den Krieg gebracht hat. ?Mein Charakter macht gerne Witze und versucht, den Leuten auf die Nerven zu gehen, indem er ihnen einen Haufen Fragen stellt?, so Black. ?Er weiß eine ganze Menge und es gefällt ihm, die Leute um ihn herum mit Fragen zu füttern: Warum sind wir hier? Was tun wir hier??

Krugers hinterfragende Natur wird besonders deutlich in der Szene, in der die Einheit Pillen ausgeteilt bekommt, die sie vor möglichen chemischen und biologischen Angriffen schützen soll ? sozusagen als Backup für ihre NBC-Anzüge (Nuclear/Biological/Chemical Weapons). Nachdem er herausgefunden hat, dass das Militär die experimentellen Medikamente erst noch testen mußs, ist Kruger der Einzige in seiner Einheit, der die Pille nicht schluckt.

Die anderen Soldaten in Swoffords Einheiten reichen auf ihrer Einstellungsskala vom Rebellen bis zum Mitläufer: Evan Jones als großspuriger Fowler, der schüchterne Außenseiter Fergus O?Donnell, gespielt von Brian Geraghty, Jacob Vargas? einsatzbereiter Kämpfer Cortez und der eindrucksvolle kubanische Amerikaner Escobar, gespielt von Laz Alonso.

Es war Mendes? Absicht, dass die Schauspieler soviel vom Marines-Leben wie möglich erfahren und erleben. Durch die zeitlichen Beschränkungen eines Drehplans war ihm allerdings klar, dass er nicht mehr als auf eine oberflächliche Verwandlung hoffen brauchte. Trotzdem war er entschlossen, den Schauspielern wenigsten einen Geschmack vom ?real thing?, vom echten Soldatenleben zu geben.?

Vor dem Start der Dreharbeiten, denen drei Wochen intensive Proben vorangingen, besuchte die Einheit der 13 Schauspieler/Soldaten ein viertägiges Ausbildungslager in der George Air Force Base unter der Leitung des militärischen Beraters Sergeant Major James Dever (der schon bei groß angelegten Filmaufnahmen von Militäroperationen bei Filmen wie ?Last Samurai? und ?Wir waren Helden? assistierte).

?Wir haben in Zelten gehaust - den gleichen Zelten, die sie in den Wüstencamps verwenden würden ? und wir haben in Feldbetten geschlafen?, erklärt Dever. ?Wir haben dafür gesorgt, dass sie das gleiche Training wie Marines bekommen, bevor sie in die Wüste geschickt werden. Es war das grundlegende Marine Corps-Training, wenn auch im Schnelldurchlauf. Die Schauspieler waren sehr motiviert.?

?Wir haben ihnen gleich am ersten Tag ihre Ausrüstung ausgegeben und ihnen gezeigt, wie sie ihre Kampfanzüge anziehen, wo sie ihr Geschirr hinpacken oder wo Waffenmagazine untergebracht werden, sodass sie ihre Ausrüstung begreifen konnten. Kein Gehen ? sie mußsten alles im Laufschritt erledigen. Wir haben Gewaltmärsche mit voller Ausrüstung gemacht und jeden Morgen gab es das übliche Programm aus Frühsport und Drill. Sie haben hart gearbeitet und sich nicht beschwert. Und alles ging sehr schnell.?

?Ich wollte, dass sie eine Vorstellung davon bekommen, wie es sich anfühlt?, so Mendes. ?Aber es war natürlich Nichts im Vergleich zu dem, was Marines durchmachen. Mir geht es auf die Nerven, wenn ich Schauspieler höre, die erzählen, dass sie im Ausbildungslager waren und sich danach wie echte Marines fühlten. Sie haben keine Ahnung, wie es sich anfühlt. Genausowenig wie ich. Ich wollte, dass sie bestimmte körperliche Dinge erlernen, um Marines so akkurat wie möglich darstellen zu können.

?Habe ich sie körperlich über den Punkt hinaus getrieben, an dem ich normalerweise bei einem Schauspieler aufhören würde?? fragt Mendes weiter. ?Ja, natürlich. Weil sie körperlich spielen mußsten. Sie fühlen den Schmerz, die Hitze. Ich wollte sie nicht so weit treiben, dass sie mir zusammenbrechen, aber ich wollte, dass sie weiter gehen als sie es vielleicht normalerweise getan hätten.?

Mendes merkt an, dass die Kombination aus Thema, Setting und Testosteron für eine intensive Erfahrung für alle Beteiligten sorgte: ?Ich denke, dass bei diesem Dreh etwas unter den Schauspielern passiert ist, das sie auch mit in ihr Privatleben genommen haben. Ich glaube, dass ihnen dieser entpersonalisierende Einfluss des Militärs bewusst geworden ist. Und ich glaube, es gibt gewisse Menschen, die sich danach sehnen, Teil eines Teams zu sein, Teil einer Organisation, die größer ist als sie selbst, sich in etwas zu verlieren, das einem größeren Ziel folgt.?

?Klar ist aber, dass diese Menschen das Gegenteil von Schauspielern sind, die sich eher nach Einzigartigkeit sehnen?, fährt er fort. ?Ich denke, die Spannung zwischen diesen beiden Modellen hat oft erst zu dem geführt, was am Set passierte. Jede Darstellung wurde zum Kampf um Individualität innerhalb der Gruppe. Ich wollte die Schauspieler überraschen, es sollte eine Entdeckungsreise für sie werden. Und ich glaube, dass diese Reise ein faszinierendes Experiment für uns alle geworden ist.?

Zusammenfassend sagt Mendes: ?Ich halte es für sehr schwierig für die meisten Menschen, das, was sie sind, einfach pausieren zu lassen und nur noch ein Körper zu sein ? denn letztlich ist man nicht mehr innerhalb einer Kriegssituation. Es hat einen Grund, warum alle gleich aussehen, denn im Grunde sind sie alle gleich. Man mußs gut ausgebildet sein, um ein Abzeichen auf einer Marines-Uniform zu entdecken. Keine Namen, nichts dergleichen. Das steckt tief in der Psychologie des Marine Corps. Und auch wenn ich es manchmal nicht wirklich begreifen kann, ist das etwas, was ich in gewisser Hinsicht sehr bewundere und respektiere, weil es sehr, sehr selbstlos ist.?

Willkommen bei der Produktion Dreharbeiten an den Originalschauplätzen von Swoffords Zeit als Marine-Soldat waren natürlich nie eine Option und so mußsten die Filmemacher nach möglichen Doubles für die wichtigsten Jarhead-Schauplätze suchen. Die Dreharbeiten begannen in den Ateliers der Universal Studios und die letzte Klappe fiel fast genau fünf Monate später in der kalifornischen Glamis-Wüste. ?Ein Ironie der Dreharbeiten war?, so Mendes, ?dass sie fünf Monate dauerten, also genau die Zeit, die die Soldaten in Tonys Story in der Wüste verbrachten.?

Die ersten Außenaufnahmen fanden in der George Air Force Base in Victorville, Kalifornien, statt. Die Militärbasis wurde während der BRAC (Base Reassignment and Closure)-Initiative in den frühen 90er Jahren geschlossen und wurde für andere militärische Operationen sowie als Übergangsunterkunft für Militärpersonal genutzt, das auf einen permanenten Standortwechsel wartet. In einer der Szenen sieht man, wie die Truppen an Board von Flugzeugen in Richtung Golf gehen. An einem Morgen landete ein echtes Militärflugzeug mit Truppen an Bord und stand nicht weit von der 747 entfernt, in die die ?Jarhead?-Soldaten einstiegen.

Es gab einen kurzen Austausch zwischen den Statisten und dem Militärpersonal, beide Seiten waren neugierig, was die anderen ?Soldaten? da machten. Die zufällige Begegnung sorgte dafür, mal eine neue Perspektive ? und sei es auch nur einen Moment lang ? auszuprobieren und den eigenen Job mal mit anderen Augen zu sehen. Ganz abgesehen davon, dass nur eine 747 das Rollfeld mit einem gefährlichen Ziel verlassen würde. Die meisten Beteiligten der Produktion nahmen aus dieser Begegnung eine neue Wertschätzung für die Welt mit, in die sie am Ende des Tages zurückkehren konnten.

George Air Force Base ist im Augenblick im Besitz der Stadt Victorville, die gemeinsam mit einer Gruppe von Spekulanten daran arbeitet, die ehemalige Militärbasis in eine Wohn- und Einkaufsgegend zu verwandeln. Obwohl sie noch vom Militär für seine Zwecke genutzt wird, bestimmt es nicht mehr darüber, wer das Gelände und die Gebäude nutzen darf. Die ?Jarhead?-Produktion war ein willkommener Gast.

Bei jedem Nachstellen eines historischen Ereignisses ? oder besser des Blickwinkels einer Person dieser Zeit ? gibt es das Risiko, entweder ein Museumsstück zu drehen oder die Story oder das Setting so zu modifizieren, dass es zur aktuellen Zeit passt. Beides war keine Option für die ?Jarhead?-Beteiligten, die Swoffords persönliche Erfahrungen im Film einfangen wollten.

Eine der größten Herausforderungen für das Produktionsteam lag im Nachstellen der militärischen Aktionen. Der Golfkrieg war ein Krieg, der ausschließlich mit technischen Apparaten geführt wurde (keines davon wurde der Produktion durch eine Zusammenarbeit mit dem Militär zur Verfügung gestellt), und trotz des Eindrucks, dass dieser Krieg durch die Medien gegangen ist, ist nur wenigen klar, was am Boden passierte und so kraftvolle Eindrücke und Bilder zu hinterlassen ...

?Jede Darstellung, die versucht akkurat zu sein, birgt das Risiko, zwar jedes Detail richtig hinzubekommen, aber den Geist der Zeit zu verfehlen?, so Wick. ?Wir haben auf jedes Detail geachtet. Wir hatten Militärexperten wie Sergeant Major James Dever, mit Dennis Gassner einen der weltbesten Produktionsdesigner und einen Top-Kostümdesigner in Albert Wolsky. Aber letztlich war es das Ziel, den Geist nachzustellen.?

Regisseur Sam Mendes erklärt: ?Diese Marines haben 1990 eine extreme Situation erlebt. Sie haben ein intensives Training absolviert und wurden dann in diese Mondlandschaft der Wüste verfrachtet. Das hatte den Effekt, dass sie sich fühlten, als hätten sie nicht die geringste Beziehung mehr zur normalen Welt, aber dafür vielleicht umso mehr zu sich selbst. Der Film ist angefüllt mit Momenten, in denen sie vorspielen, wie sie sich den Krieg vorstellen, oder wie sie sein sollten, wenn er beginnt, oder was sie tun und sagen sollten.

Die Realität aber ist, dass er völlig anders ist. Sie haben eine naive Vorstellung vom Krieg. Und eines kann ich garantieren ? auch wenn ich nie selbst im Krieg war ? kein Krieg ist genauso, wie man ihn sich vorstellt. Er ist schneller, langsamer, gewalttätiger oder weniger brutal. Er schleicht sich mitten in der Nacht an dich heran oder stößt dich vor den Kopf, wenn du es am wenigsten erwartest. Und Tonys Geschichte zeigt genau das.?

Von Victorville wechselte das Team zum Holtville Air Strip nahe bei El Centro, im kalifornischen Imperial County, dem südlichsten County Kaliforniens. Man weiß nur wenig über diesen Flugplatz, was genauso für den echten Namen gilt wie für seinen Zweck und wann er erbaut wurde. Trotz seiner über einen Kilometer langen Start- und Landebahn zeigten die topographischen USGS-Karten (United States Geographical Survey) von 1969-1992 niemals einen Flugplatz in dieser Gegend.

Das einzige Archivmaterial, das seine Existenz belegt, ist eine einzelne Luftaufnahme aus dem Jahr 2002. Seine Nähe zur Chocolate Mountains Naval Aerial Gunnery Range legt nahe, dass der Flugplatz als Zielscheibe konstruiert wurde oder vielleicht als ?Expeditions?-Flugplatz für Trainingseinheiten mit AV-8 Harriers von dem nahegelegenen Luftwaffenstützpunkt in Yuma, Arizona.

Hier errichtete die Produktion das ?saudische Base-Camp? sowie die Straße zwischen Kuwait City und Basrah, dem so genannten ?The Highway of Death?, an dem lauter ausgebrannte Wagen, zerstörtes Gerät sowie eingeäscherte Leichen von irakischen Soldaten und Zivilisten herumlagen (die einzige Nordsüdstraße nach und aus Kuwait war eines der Hauptziele für die Bomber der Alliierten). Auf der anderen Seite von El Centro, im Norden einer Gipsfabrikanlage (genannt Plaster City), lag ein großes privates Areal, auf dem sich die Produktion einige Wochen in den Ebenen vor Superstition Mountain niederließ.

Eine der wichtigeren Szenen, die hier gedreht wurden, zeigt Swoffs Einheit, die unter so genanntes ?Friendly Fire? einer vorbeifliegenden F-14-Jets (gemietet von der Produktion) gerät. Mit dem Brausen des Jets nicht weit über den Köpfen der Marines bekam es natürlich auch die Crew zu tun. Dieser Jet war aber nicht die einzige Herausforderung bei den Dreharbeiten in der Nähe von Superstition Mountain. Die Blue Angels der Navy, die in der Nähe trainierten, machten einige unplanmäßige Überflüge während der Dreharbeiten.

Anstrengend waren außerdem die heftigen Stürme, die alles und jeden im Umkreis von Meilen buchstäblich sandstrahlten. So zeigen einige Einstellungen von jämmerlichen Soldaten im Sandsturm tatsächlich die gewissermaßen jämmerlichen Schauspieler im Sandsturm während der Dreharbeiten. Vom südlichsten Kalifornien zog die Produktion nach Mexiko auf eine 100 Meilen weit reichende Salztonebene, für die die Regierung glücklicherweise eine Drehgenehmigung erteilte.

Mendes und seine Crew hatten das Areal wegen seiner weiten, ebenen Flächen ausgesucht, die sich hervorragend für Szenen eignete, in denen sich die trostlose Landschaft soweit ausbreitete wie das Auge reicht. Speziell konstruierte (und streng überwachte) Straßen mußsten genutzt werden, da die Ebene ein Naturschutzgebiet in Mexiko ist. ?Wir haben die Salztonebene in Mexiko gewählt, um diesen 270-Grad Blickwinkel einer endlosen, surrealen Wüste zu bekommen, die im Film so etwas wie ein eigener Charakter ist?, erklärt der ausführende Produzent Sam Mercer.

?Wir hatten nur zwei Wochen Zeit und mußsten viele Szenen gleichzeitig drehen ? und außerdem waren wir schon 10 Wochen unterwegs. Das bedeutete gleich mehrere Herausforderungen: angefangen damit, 350 Crewmitglieder über die Grenze zu bringen, bis hin zum moralischen Aufbau am Set. Nicht zu vergessen die tägliche anderthalbstündige Reise an den Drehort, der 7 Meilen entfernt von der nächsten asphaltierten Straße lag.?

?Die größte Herausforderung aber bestand darin, diese Umgebung, in der es nur Nichts inmitten des Nirgendwo gab, in einen funktionierenden Filmset zu verwandeln?, so Mercer. ?Erst haben wir einen technischen Scout vorgeschickt, um herauszufinden, wo die Jungs ihre Zelte aufschlagen können und wo sie die Schutzhügel aufschütten sollen. Nachdem wir das festgelegt hatten, mußsten wir logistisch klären, wie wir die Produktion dorthin bekommen. Wir mußsten eine Infrastruktur für uns schaffen, ein Straßensystem, Wasser, Strom, Sicherheit und Beleuchtung in der Nacht. Es wurde zu unserer eigenen militärischen Operation.?

Doch ein bisschen Regen fällt auch bei den größten Heldentaten und in Südkalifornien und Nordmexiko im Frühling 2005 kam dieser Regen in einer Reihe von Wolkenbrüchen vom Himmel. Wir konnten nicht vorhersehen, dass es ein El Niño-Jahr wird und wir während der gesamten Dreharbeiten Probleme mit dem Regen bekommen würden?, sagt Mercer.

?Das Wetter bremste die Konstruktion in Mexiko erheblich. Wo man es normalerweise mit einem harten, trockenen Untergrund zu tun hat, war auf einmal schlammiger Treibsand. Der Set wurde ein ums andere Mal weggeschwemmt und die Bulldozer blieben im Matsch stecken ? es war fürchterlich. Glücklicherweise aber kam am Wochenende vor den Dreharbeiten die Sonne heraus, die Ebene trocknete wieder und es klappte alles wie geplant.?

Sowohl kreativ wie logistisch waren die Dreharbeiten zu ?Jarhead? eine einzigartige Herausforderung. Regisseur Mendes stellte sich einen Film vor, der die Story eines vornehmlich in der Luft geführten Krieges aus der Sicht der Infanterie am Boden erzählt. Bei der Verwirklichung dieser Vision arbeite er mit dem fünfmal für den Oscar nominierten Kameramann Roger Deakins zusammen, um eine Bildsprache zu entwickeln, die nicht nur das Chaos des Krieges aufzeigt, sondern auch die Intimität gemeinsamer Missionen, Motivationen und Bedenken einer ad hoc Brüderschaft kämpfender Männer.

?Diese Erfahrung war interessant, weil wir viele Stilmittel, die ich in meinen anderen beiden Filmen benutzt habe, über Bord werfen mußsten?, so Mendes. ?Da wir Roger Deakins hatten, entschieden wir, mit der Handkamera zu drehen und so mehr Fluss und Improvisation zu erlauben. Roger ist so erfahren, dass er der Bewegung einer Szene folgen kann, ohne sich darauf verlassen zu müssen, dass die Schauspieler sich von Markierung zu Markierung bewegen. Das half uns beim Drehen. Außerdem merkte ich, dass ich so besser auf di sich verändernden Beziehungen der Schauspieler untereinander eingehen konnte.?

?Für ?American Beauty? habe ich eine Reihe von Magritte-ähnlichen Bildern und Kompositionen benutzt. Bei diesem Film bin ich nur mit sehr wenigen Kompositionen im Kopf hinein gegangen. Was sich bei den Proben entwickelte, war eine Art menschlicher Energie und Lebenskraft, und ich wollte, dass wir darauf reagieren und nicht zu viel vorher planen. Ich habe die Arbeit sehr genossen.? Das filmische Mittel, das Mendes und Deakins am häufigsten einsetzten, ist eines der ältesten im Filmlexikon: Point of View.

?Es gibt keinen unvoreingenommenen Blick. Ich habe mit Absicht die Beobachter-Einstellung vermieden?, so der Regisseur. ?Mein Ausgangspunkt ist Swoff gewesen oder das, was Swoff tut. Ich beginne mit einer Nahaufnahme von ihm oder komme mit ihm ihn in eine Szene und sehe, was er sieht. Meine Reise wurde also eher vom Wesen des Charakters geführt, als von einem objektiven, coolen, unflexiblen Blick.?

Um den Eindruck noch zu verstärken, dass die Geschichte am Boden erzählt wird, haben Mendes und Deakins Einstellungen vermieden, die dem Betrachter mehr zeigen als das, was für den Soldaten sichtbar wäre. ?Es gibt keine ?Gott-Einstellungen?, keine Kranaufnahmen, keine Bilder aus der Luft, die uns die ganze Wüste und die darin herumkrabbelnden Ameisen zeigen?, erklärt Mendes. ?Alles wurde in Augenhöhe gefilmt und nur sehr wenig davon auf Schienen. Die Kameraleute bewegten sich mit den Schauspielern, in der gleichen Geschwindigkeit wie die Schauspieler, und es gibt kaum eine unmotivierte Bewegung.?

Für den Schnitt des Filmes konnte man Oscar-Preisträger Walter Murch gewinnen, aus Swoffords (und jetzt auch Mendes?) denkwürdiger Story ein visuelles Äquivalent zu komponieren. ?Mich hat diese Eigentümlichkeit des Krieges umgehauen. Ich habe die Glaubwürdigkeit dieser Stimme gespürt, die so mitfühlend über die Zwickmühle spricht, in der sie sich wiederfanden. Der Film schlägt eine ganze Reihe von sehr unterschiedlichen Tönen an, was mich gleich zu Anfang gereizt hat. Und ich wollte all diese Seiten betonen ? den Humor, die Gewalt, den Ernst.?

Zudem hatte Murch gewissermaßen ein Déjà Vu in einer bestimmten ?Jarhead?-Szene: ?Es gibt sowohl im Buch wie Film ein Fragment aus ?Apocalypse Now?, an dem ich vor 27 Jahren ebenfalls mitgewirkt habe. Die Soldaten haben es sich angeschaut und die Dialoge nachgesprochen. Es ist ein ziemlich interessantes Erlebnis an beiden Enden des medialen Tunnels gleichzeitig zu stehen.?

So wie die Filmemacher einen funktionierenden Filmset aus dem Boden einer Salztonebene stampfen mußsten ? buchstäblich aus dem Nichts ? so mußsten die Effektkünstler des berühmten ILM Studios in der Postproduktion Effekte erzeugen, die über das hinaus gehen, was man bei normalen Dreharbeiten aufnehmen kann. Der Visual Effects Supervisor Pablo Helman und sein Team aus 80 Mitarbeitern wurden vom Regisseur beauftragt, die subjektive Sicht Swoffords beizubehalten und so zu vermeiden, dass der Zuschauer durch zu offensichtliche Filmeffektkunst aus der Story herausgerissen wird.

Die visuellen Effekte sollten ?unsichtbar? bleiben. Da es keinen epischen Betrachterwinkel im Film gibt, mußsten die Effekte, die man für die Story brauchte, im richtigen Maßstab der persönlichen Wahrnehmung des Erzählers und Marine-Scharfschützen gezeigt werden ? alles von den brennenden Ölfeldern Kuwaits über die Traumsequenzen und Skorpionkämpfe bis zum rituellen Brandmarken oder einer so simplen Szene wie einer Gruppe von Soldaten, die ihre Gewehre in den Nachthimmel abfeuern, oder ein Horizont, der erweitert werden mußste.

Helman erklärt: ?Sams Herangehensweise an visuelle Aspekte ist einzigartig darin, dass er sie nicht als große Momente des Filmes versteht, in denen man ein ?Wow? aus dem Zuschauersaal hören soll. Insbesondere bei diesem Film ging es bei den Effekten darum, eine bestimmte Umgebung zu erzeugen. Er ist akribisch, was das angeht: vom genauen Platzieren des Rauchs bis zum Herausrechnen eines Strauches, der ihn stört. Ich denke, das hat mit seinem Theaterhintergrund zu tun. Im Theater ist das Erschaffen einer Illusion von Realität sehr wichtig ? es ist schwierig, Menschen vorzugaukeln, dass das, was sie sehen, real ist, denn das ist es nun mal nie.

Zum einen hatten wir die Wüstenschauplätze im Sommer vor den Dreharbeiten ausgesucht, die dann aber im verregneten Winter stattfanden. Viele der vormals braunen Schauplätze waren da grün und so mußste alles, was nicht in die kuwaitische Wüste gehörte, entfernt werden. Die Szenen, in denen zivile Flugzeuge Marines nach Saudi Arabien bringen, erforderte mehr als simples Herausrechnen (auch wenn eine nahe gelegene Fabrik und ihr weißer Qualm von ILM wie von magischer Hand aus den Bildern radiert wurde).

Die ländliche Umgebung des Flughafens wurde durch Wüste ersetzt, der Flughafenasphalt erweitert, die Szenerie angefüllt mit Flugzeugen (die alle eine digitale Lackierung erhielten) und auch die Truppen und Bodenfahrzeuge gab es bei den Dreharbeiten nicht. Die letzte Einstellung dieser Szene war eine Kombination aus der originalen Einstellung, digitalem Hintergrund, Fotos von Flugzeugen und Bildern eines Flugzeugmodells.

Für die Gestaltung der Bosch-inspirierten Höllenlandschaften brennender Ölfelder (150 Meter hohe Fontänen brennenden Rohöls) wurde ein einzelner angezündeter Ölförderturm aus verschiedenen Blickwinkeln und Entfernungen aufgenommen. Diese verschiedenen Einstellungen wurden dann in eine Bibliothek brennender Ölbohrtürme aufgenommen und so in den Hintergrund eingearbeitet, dass man eine ganze Landschaft mit brennenden Ölfontänen aus verschiedenen Perspektiven und mit verschiedenen Typen von Feuer bekam.

Als Swoffords Einheit sich den Feldern nähert, brennen sie im hellen Tageslicht, und später als sie näher kommen, sind die Feuer so groß, dass sie eine imposante schwarze Wolke über sich tragen, und außerdem regnet nicht verbranntes Öl auf den Boden herab, sodass alles nur in einer wütenden Dämmerung zu sehen ist, als würde sich ein Sturm nähern. Und nach dem Sonnenuntergang schließlich werden die Soldaten durch einen dichten Rauchnebel vom Glühen der Höllenfeu-ers angeschienen.

Eine ganze Reihe von Techniken half schließlich beim Bau der letzten Szene mit den Truppen in der Nähe der brennenden Öltürme. Die Tagesszenen wurden mit Flammen ergänzt, Strommasten wurden digital eingesetzt (um einen Maßstab fürs Auge zu bieten), die verkohlten Hüllen ausgebrannter Wagen hinzugefügt, der dunkle, ölige Sand wurde bis zum Horizont erweitert und schimmernde Öllachen hinzugefügt. Die Szenen im Dämmerlicht wurden erzeugt, indem eine digitale dunkle Kopfblende über den Film gelegt wurde, eine Abdeckung beim Entwickeln, die die Schauspieler in Rauch und regnendes Öl tauchte.

Für die Nachtszenen wurden erst die Schauspieler im Studio vor einer Reihe von Scheinwerfern mit orangefarbenem Licht gefilmt, dann wurden die Gestänge digital eliminiert, sodass nur das flackernde Licht übrig blieb. Die Szenen wurden kombiniert mit Aufnahmen von Rauch und Feuer sowie mit Nachtaufnahmen von Wolken, die durch das Verbrennen des überflüssigen Treibstoffs der Crew erleuchtet wurden (überwacht und aufgenommen von der Effektcrew aus verschiede-nen Entfernungen).

Weitere Effekte wurden durch Sicherheitsaspekte und die Regeln des Tierschutzes geboten, darunter die Explosion eines Flugplatztowers, der von Kampfjets bombardiert wird, das Brandmarken eines Soldaten mit den Initialen USMC, der Kampf zweier Skorpione sowie Mündungsfeuer und -Rauch einer Marines-Einheit, die ihre Waffen in den Wüstenhimmel entlädt."

Zusätzlich zu der Erstellung und Erweiterung der visuellen Umgebungen in ?Jarhead? wurden auch auditive Landschaften aus Score und Soundtrack-Musik gestaltet. Der Einfluss von Vietnam ist in ein paar Songs des Soundtracks zu hören (Swoff beschwert sich sogar: ?Können wir nicht mal unsere eigene Musik bekommen??): The Doors? ?Break On Through? und T. Rex? ?Bang a Gong?.

Aber als Teenager und Twens von 1989-90 suchen die Soldaten natürlich auch nach Abwechslung und hören ihre eigene Musik: Talking Heads? ?Houses In Motion,? C+C Music Factorys ?Gonna Make You Sweat?, Naughty By Natures ?OPP?, Social Distortions ?Ball & Chain? und Public Enemys ?Fight the Power?.

Ein paar bitter-witzige Musikreferenzen finden sich ebenfalls: Bobby McFerrins unendlich aufmunterndes ?Don?t Worry Be Happy? hört man bei Swoffords Ankunft in Camp Pendleton, nach seinen weniger angenehmen Erfahrungen im Ausbildungslager, und als Swoff ohne Instrument zum Vorspielen als Einheitshornist erscheint (eine nicht existierende Position) fordert Staff Sergeant Sykes, dass er Stevie Wonders ?You Are the Sunshine of My Life? vorbläst ... ohne Instrument wie gesagt.

Letztlich war es das Ziel, einen Film von Marines zu bekommen, und nicht über Marines. Anthony Swofford fasst es zusammen, ?Das Leben eines Grunts - eines Rekruten - ist völlig anders als man im Allgemeinen annimmt. Es ist eine Mischung aus Langeweile, Aufregung, Angst, Sehnsucht, Traurigkeit ... und es gibt Details, die sehr wichtig im Alltag eines Grunts sind ? Freunde, die einem beim Schreiben von Liebesbriefen helfen, das Austauschen von Geschichten, Jemanden zu haben, der einem zuhört. Mein Freund neben mir wird mir bei einer Story zuhören, die ich schon 20 Mal erzählt habe, weil er weiß, dass es mir wichtig ist, diese Geschichte zu erzählen.?

?Was die Öffentlichkeit aus diesen Details lernen kann?, so der Autor, ?ist, dass das junge Männer sind, die da in den Kampf geschickt werden. Sie sind fürsorglich, verletzbar, aber sie sind auch brutal und ungehobelt. Sie sind menschlich und sie haben Fehler ... aber sie erledigen einen guten Job für den Rest von uns.?

Die Adaption von "Jarhead" - Anthony Swofford ?Nachdem ich im Sommer 2002 ?Jarhead? fertig geschrieben hatte, kam das erste Mal mögliches Interesse aus Hollywood auf. Ron Bernstein, mein Agent in Los Angeles, las das Buch erst als Manuskript und fing im November an, das Buch in Hollywood zu verteilen. Während die meisten Parteien das Buch gut fanden, schienen die Leser sich nicht an das Buch wagen zu wollen, während sich das Land darauf vorbereitete, wie-der in den Krieg zu ziehen.

Im April 2003 nahm das Interesse zu, sich eine Option auf das Buch zu sichern. Ich traf mich mit Doug Wick, als ich L.A. für die Los Angeles Times Buchmesse besuchte. Er wohnte direkt um die Ecke von meinem Hotel und kam auf seinem Dreigang-Fahrrad zu unserem Meeting. Ich fand das supercool, Anti-Establishment und smart. Und ich wollte als Produzenten der Verfilmung meines Buches jemanden, der supercool, Anti-Establishment und smart ist.

Mit einem ?Jarhead?-Manuskript in Dougs Fahrradkorb und nicht im Sportcabrio eines anderen Produzenten, sah ich eine Chance, dass daraus ein Film werden könnte und Hochgeschwindigkeitsunfälle vermieden werden könnten. Kurz nach dem Treffen mit Doug, hatten er und ich eine Telefonkonferenz mit Bill Broyles. Ich bewundere Bills Arbeit, sowohl als Journalist wie auch als Drehbuchautor, und hatte sofort den Eindruck, dass er der Richtige für die Adaption sei.

Er kannte das Buch schon sehr gut, zitierte Charaktere, erzählte Szenen und nannte Seitenzahlen als wäre es einmal seine eigene Geschichte gewesen. Und in gewisser Weise stimmte das ja auch. Er erzählte mir, wie er zum Corps kam und nach Vietnam in den Kampf zog, und ich verstand, dass Bill einige der düsteren Absurditäten, der bewegenden Momente von Verzweiflung, Liebe und Ehre sowie der Leben verändernden Kraft einer Schlacht aus seiner eigenen Zeit bei den Marines kannte. Wir drei einigten uns darauf, dass bestimmte Szenen unbedingt auch in den Film mußsten.

Ich war froh, als ich Bills ersten Drehbuchentwurf las und habe beim Lesen gleichzeitig eine Selbstlektion im Drehbuchschreiben erhalten. Im Mai 2004 wurde Sam Mendes als Regisseur verpflichtet und ich war begeistert. Sams vorherige Filme zeigten einen Meister der Form und ein tiefes Verständnis vom Geschichtenerzählen und von Charakteren. Diese früheren Filme waren künstlerisch und riskant ? beides brauchte auch ?Jarhead?.

Im gleichen Monat traf ich mich mit Sam und Bill einen Tag lang in New York, und Sam saugte alles auf, was ich ihm über die Zeit bei den Marines erzählte, und das es nicht ins Buch geschafft hatte, oder was ich außerdem noch über bestimmte Mitglieder meiner Einheit zu sagen hatte. Sams Begeisterung für den Film war ansteckend. Auch er zitierte mich aus meinem Buch und kannte das Buch fast auswendig. Ich spürte, dass er die bestmögliche Adaption von ?Jarhead? machen würde: einen Film, der aus der Quelle des Buches schöpft, aber eigenständige Kunst und Unterhaltung ist.

Später im Sommer wurde Jake Gyllenhaal für die Rolle von Swoff besetzt und ich war sehr zufrieden mit dieser Wahl. Ich habe ?Donnie Darko? und ?The Good Girl? geliebt und hatte das Gefühl, dass er mit seiner Leinwandpräsenz in der Lage ist, den kontroversen Blutdurst und die existenzielle Angst des jungen Jarheads einzufangen. Ich besuchte den Set in der letzen Woche der Proben und traf mich mit Jake. Er wollte die Rolle so authentisch und intensiv wie möglich spielen. Es war seltsam, die anderen Schauspieler zu treffen und darüber zu rätseln, wer wen darstellen würde: sie sahen auf jeden Fall aus wie junge Jarheads.

An einem Morgen habe ich auf Sam gewartet und dabei die Schauspieler beobachtet, wie sie miteinander herumscherzten und zankten und ich hatte das Gefühl, als wäre ich wieder unter einigen der Männer, mit denen ich damals gedient hatte ? nervös, hungrig, einsam und einsatzbereit. Ich schaute mir einige der Sets an, darunter mein Highschoolzimmer. Als ich mir das geschäftige Treiben ansah - wie Sets gebaut wurden, wie Jim Deaver junge Schauspieler zusammenschrie ? schaute Broyles mich an und sagte: ?Ist es nicht verrückt, dass all das aus einem Buch kommt, das du mit einer Unterhose bekleidet alleine in deinem Zimmer geschrieben hast??

Ich habe die Dreharbeiten nicht besucht. Ich denke, Sam und ich waren uns da einig, dass das besser ist. Ich würde auch nicht wollen, dass mich ein Buchredakteur in meinem Büro besucht, während ich gerade an einem Kapitel meines Buches schreibe. Und schon gar nicht würde ich den Besuch eines Lesers wollen. Sam zeigte mir den Film im August 2005. Er und Walter Murch waren da.

Nach ein paar Szenen hatte ich mich daran gewöhnt, dass ein Schauspieler auf der Leinwand Swofford genannt wird. Ich erkannte die Story von Jarhead wieder, die intensive Erzählung und die subtileren psychologischen und metaphysischen Nuancen, die die Kriegserfahrungen für Swoff und seine Kohorten pointieren und verstärken. Beim Krieg in der echten Welt geht es um das Gewinnen, aber beim Krieg in der Kunst geht es um Gefühlserweiterung und um Explosionen von Emotionen, Bedeutung und Schönheit.?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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