Der letzte Trapper

Produktionsnotizen

Nicolas Vanier ist ein ungewöhnlicher und bedingungsloser Naturliebhaber und Abenteurer. Als Jack London unserer Tage ist er bezeichnet worden, als er das Buch über seine ersten Expeditionen durch Sibirien und die Berge Kanadas oder Alaskas veröffentlichte. Unzählige Reisen folgten, und sie wurden zur Grundlage weiterer Bücher ? darunter Erzählungen, Romane und Reiseberichte, aber auch aufwändige Fotobände und einige Dokumentarfilme.

Bei seiner unglaublichen Weißen Odyssee ? einer Schlittenhund-Reise über 8.600 km von Alaska nach Quebec ? ist Nicolas Vanier auch jenem Mann begegnet, der in ihm die Lust entfacht hat, seinen ersten langen Spielfilm fürs Kino zu drehen: dem letzten Trapper, Norman Winther. Für ihn war es die Gelegenheit, seinem Publikum mit einer Filmerzählung die Themen nahe zu bringen, die ihm schon immer am Herzen lagen.

Der Film, der ihm vorschwebte, würde in gewisser Weise auch ein Denkmal sein. Denn der 50-jährige Norman Winther ist tatsächlich der Vertreter einer im Verschwinden begriffenen Spezies Mensch. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass jüngere Generationen ein solch anstrengendes und einsames Leben auf sich nehmen wollen. Mit der rückhaltlosen Unterstützung seines Produzenten Jean-Pierre Bailly (MC 4) und der Groupe TF1 hat sich Nicolas Vanier eineinhalb Jahre lang unter schwersten Umständen diesem Projekt gewidmet.

Mit außergewöhnlicher Hingabe beobachtete und begleitete Vanier seinen Protagonisten durch den Jahreslauf in der Wildnis. In DER LETZTE TRAPPER transformierte Nicolas Vanier Norman Winthers Geschichte zu einer magischen Heldensaga. Der letzte Trapper ist kein Eroberer ferner Welten, kein Triumphator ? er ist nur ein wortkarger Bewahrer des unverbrüchlichen Einklangs mit der Natur, den Jahreszeiten und den Elementen.

Einige Erinnerungen des Kameramanns Thierry Machado Mit dieser Arbeit wurde ein Traum aus der Kindheit wahr, einer jener Träume, die im Laufe des Lebens vielleicht in den Hintergrund rücken, die einen aber immer begleiten. Der Große Norden, das ist kein Land, es ist eine Atmosphäre, ein bestimmtes Licht, Stille ? es ist: das Große Andere.

Mir kommen die ersten Begegnungen mit Norman Winther und seinem Freund Alex in den Sinn, als wir ihnen zuhörten, wie sie nichts sagten, wie nicht nur Sekunden, sondern Minuten verstrichen, und wie wir dabei auch selbst die Vorstellung und das Gefühl für die lineare Zeit verloren oder vergessen haben.

Wo hat uns Nicolas nur hingeführt, weit nördlich über den Polarkreis, in das Land, wo man anscheinend die Kälte erfunden hat, wo die Wintertage nichts als endlose Nacht sind, und wo man noch nichts von Jahreszeiten gehört zu haben scheint, da sich der Winter sowieso über alle Jahreszeiten legt.

Andererseits lieferte uns die Nacht den Hintergrund für eines der prächtigsten Naturschauspiele, das sich denken lässt, die Nordlichter. Niemand im Team wird diese fantastische Nacht vergessen, da die Lichter inmitten von Sternen tanzten, und es schien, als hätten sich die Wölfe dazu einfach eingeladen, um mit ihrem Geheul auch jede noch so finstere Nacht zu zerreißen.

Dieses Schauspiel hatten zwar schon andere erlebt, aber das Projekt von Nicolas bestand darin, es in Bilder umzusetzen! Da wurden die aggressive Kälte, die Polarnacht, der Eissturm auch zu Feinden, zu Auslösern kaum zu bewältigender technischer Probleme. Keine Kamera gibt es, die darauf vorbereitet wäre, unter solchen Umständen zu funktionieren ? ebenso wenig wie wir selbst, die sie zu bedienen hatten, aber das nur am Rande?

Mehrmonatige Vorbereitungen und Tests waren notwendig, um unsere Ausrüstung auf diese Bedingungen einzurichten. Noch nie zuvor war mit 35mm-Kameras bei Temperaturen unter -50° Celsius gedreht worden. Wir hatten einen Tiefkühlschrank zur Verfügung, in dem man die Temperatur bis zu -55° Celsius reduzieren konnte. Jedes Einzelteil ? Optiken, Gehäuse, Batterien und Schalter ? wurden fünf Wochen lang diesem Kältetest unterzogen.

Und nicht zuletzt auch der Rohfilm. Es ging auch darum, dass wir und das Material darauf vorbereitet sein würden, einen plötzlichen Temperatursturz von +20° Celsius auf -55° Celsius zu ertragen, denn das ereignete sich jedes Mal, wenn man eine Tür öffnete und von drinnen nach draußen trat ? also innerhalb von Sekunden.

Wir haben an alles gedacht, was empfindlich war und darüber fast ein bisschen unser Personal vergessen, vor allem den Bühnen- und Beleuchtertrupp, dem wir einen geradezu übermenschlichen Erfindungsreichtum abverlangten, mit dieser Kälte fertig zu werden. Als ich sah, dass sie mit der Lötlampe daran gingen, die Schienen für unsere Travellings zu enteisen, wurde mir erst in aller Gänze klar, was wir da gerade unternahmen.

Für Nicolas stellte die Kälte eine zusätzliche Figur des Dramas dar. Während zweier Winter haben wir versucht, sie zu zähmen. Dabei war jeder Moment eine Plage, anstrengend: der Aufbau für eine Einstellung dauerte manchmal Stunden, um am Ende einen Take zu drehen. (Wegen der Spuren im Schnee kam in den seltensten Fällen eine Wiederholung in Frage). Und übers Licht, das mit unseren Anschlüssen und Nerven spielte, darf man gar nicht anfangen zu reden?

Irgendwann rückte der Moment der Unterwasseraufnahme näher ? es handelt sich dabei um die Szene, in der Norman das Eis überqueren mußs. Ausgedacht haben wir uns das in einem angenehm temperierten Büro. Dann der Moment der Wahrheit. Bloß keine Fragen mehr stellen, die Aufnahmeabfolge noch mal rekapitulieren und springen. Die Außentemperatur zeigte -40° Celsius, das Wasser war sehr viel ?wärmer?: um 0° Celsius.

Alles kommt wie es kommen mußste: eines Morgens fiel die Temperatur in unserem kleinen Paradies auf -52°. Wir waren in der Stadt Inuvik, nördlich vom Polarkreis, nur wenige Kilometer vom Polarmeer entfernt. Unser Programm bestand darin, die Aufnahmen für den Vorspann zu drehen: eine Herde von mehreren Tausend Karibus, deren Atem sich bei Kontakt mit der schneidend klaren Januarluft sofort in Reif verwandelt und als große Wolke über der Herde steht wie Rauch über einem Feuer.

Wir konnten diese Aufnahmen nicht mehr verschieben und um ehrlich zu sein, wir brannten auch darauf, sie endlich zu machen. Seit Monaten hatten wir auf die große Kälte gewartet, und schließlich wollten wir irgendwann auch mal beweisen, dass unsere komischen Maschinen und auch wir selbst perfekt funktionieren. Stéphane Paillard (der Erste Kameraassistent) unternahm all die notwendigen kleinen Handreichungen und Einstellungen; die Kamera lief an, sie mußste langsam ihre Betriebstemperatur erreichen, die Mechanik mußste ihren Rhythmus finden?

In diesem Moment wurden wir etwas philosophisch und vor allem ängstlich, aber sie hatte uns noch nie im Stich gelassen und machte auch diesmal genau das, was wir von ihr erwarteten, also wie ein Uhrwerk 24 Bilder/Sekunde aufzunehmen. In solchen Momenten liebt man dieses Metier? Und wenn man die Bilder erst im Kasten hat, dann sind Stolz und zugleich Demut grenzenlos! Ich betete mein Werkzeug an.

Der letzte Trapper - Eine Lebensform und eine Naturphilosophie DER LETZTE TRAPPER greift einfache und universelle Themen auf. Die ?echten? Trapper, also Männer wie David Crockett und Jeremiah Johnson, die wir vielleicht noch aus den Büchern unserer Kindheit kennen, gibt es schon lange nicht mehr. Schon vor dem Preisverfall für Pelze haben Trapper angefangen, moderne Techniken der Fortbewegung und Jagd zu nutzen, um größere Reviere bejagen zu können.

Um den Pelzertrag zu steigern, bejagen die meisten Trapper auch die verlassenen Gebiete ihrer ehemaliger Kollegen, die in die Städte abgewandert sind. Sie nutzen Flugzeuge, Motorschlitten, Mobiltelefone und andere elektronische Kommunikationsmittel, die ihnen das Wetter vorhersagen und die Bewegungen der großen Herden von Karibus oder Moschusochsen anzeigen.

Moderne Trapper ähneln unseren heutigen Bauern, die in klimatisierten und automatisierten Traktoren ihre Bordcomputer programmieren, um die Tiefe des Pflugeisens oder die Dosierung der Saatmenge beim Mais einzustellen. Doch es gibt noch einige Trapper, die die ursprüngliche Idee dieser Lebensweise hochhalten. In ihrem Alltag ist auch eine Philosophie der Anpassung des Menschen an die Natur aufbewahrt. Einer dieser Trapper ist Norman Winther. Er lebt seit jeher als Trapper und braucht nichts von dem, was ihm ein Leben in der Gesellschaft heute bieten könnte. Er ist einer der letzten Lebenskünstler, die mit der Natur in Harmonie leben.

Norman, seine Frau Nebraska und ihre Hunde leben von der Jagd und Fischerei. Den Schlitten, seine Schneeschuhe, seine Hütte und sein Kanu stellt Norman aus dem Holz und der Rinde jener Bäume her, die er selbst gefällt hat. Nebraska gerbt das Leder auf traditionelle Art und Weise ? so wie es früher die Sekanis Indianer getan haben: sie entnimmt dem Hirn der Tiere Tannin und gerbt damit die Häute. Die Jagd nach Luchsen, Bibern, Mardern, Wölfen und Vielfraßen liefert ihnen alles, was sie sonst noch brauchen.

Einmal im Frühjahr unternimmt Norman die Reise bis nach Whitehorse oder Dawson, den beiden großen Städten des Yukon, nur um dort die Pelze gegen einige wenige Dinge einzutauschen, die er braucht. Vor ein paar Jahren hatte er sich einen Motorschlitten gekauft, der aber ständig kaputt ging. Irgendwann hat er ihn abgegeben und sich wieder Hunde angeschafft. Norman liebt seine Hunde, und die wiederum spüren das. Hunde kriegen keinen Motorschaden, und sie machen außerdem keinen Lärm. Man kann mit ihnen durch minimale Gesten kommunizieren, und sie reagieren sensibel auf die Herausforderungen der großartigen Landschaften, die sie durchqueren.

Deswegen ist Norman Trapper. Der hohe Norden ist identisch mit seinem und Nebraskas Leben; die Taiga ist die Mutter ihres Volkes? Nebraska versteht nicht ihre Brüder, die keine Spur eines Luchses im Schnee mehr lesen können. Sie versteht auch nicht mehr ihr Volk, das seine Wurzeln in den gleißenden Städten vergisst und sich in Alkohol und Drogen verliert.

Norman und Nebraska wissen, dass eine Landschaft ihren Charakter und ihr Wesen nur durch das Zusammenspiel von Tieren, Pflanzen, Flüssen, Winden und sogar ihren Farben erhält. Ihre Weisheit nährt sich aus der tiefen und besonderen Beziehung, die sie mit der Natur täglich leben.

Bevor Norman ein Tier verfolgt, hat er lange beobachtet wie es lebt und welche eigene Wahrnehmung das Tier von seiner Umgebung hat: das ist es, was die Indianer die Umwelt eines wilden Tieres nennen. Nebraska sagt, dass ?die meisten weißen Menschen nicht verstehen können, was diese Beziehung ausmacht. Sie kennen nämlich nur eine einzige Umwelt, die der menschlichen Spezies.?

Nur wenn man wirklich versteht, was eine solche Symbiose mit der Natur beinhaltet, vermag man zu erkennen, warum Norman dem modernen Leben den Rücken zugekehrt hat. Dieses moderne Leben vergleicht er mit einem Abhang, den die Menschen mit geschlossenen Augen hinunterrutschen. Norman ist ein Weiser, und er ist überzeugt, dass man die Regeln des Teilens, Ausgleichens und Austauschens verstehen mußs. Nur dann könne dieses so merkwürdige Tier ? der Mensch ? das Recht in Anspruch nehmen, sich an die Spitze der Nahrungskette zu setzen.

Deshalb hat Norman auch die Idee akzeptiert, diesen Film zu machen. Er will eine Spur legen, die dauerhafter ist als all die Spuren, die er so oft im Schnee hinter sich gelassen hat.

Die Verantwortung des Menschen Für viele Stadtbewohner, die gar keinen Bezug mehr zur wirklichen Natur haben, ist der Trapper nur ein Mensch, der Tiere tötet. So gesehen, glauben sie dann auch, dass da, wo ein Gebiet nicht durch einen Trapper bejagt wird, viele Tiere leben würden. Das ist allerdings vollkommen falsch.

Ein intelligent bewirtschafteter Wald produziert mehr und hochwertigeres Holz als ein Wald, den der Mensch unberührt lässt. Der Holzfäller ? sofern er nicht für die riesigen Holzunternehmen arbeitet, die die Wälder denaturieren und Kahlschlag praktizieren ? entfernt alte oder überzählige Bäume, damit andere von dem Platz profitieren können. Damit sie nicht verkümmern, wird er auch die ausgewachsenen Bäume beschneiden und insgesamt damit für eine gesunde Regeneration sorgen.

Der Mensch erfüllt eine sinnvolle Aufgabe in diesem Großen und Ganzen. Er kann aus einer bestimmten Menge Holz Waren herstellen, und der Wald profitiert von seinem vernünftigen und überlegten Eingriff. Das ist ein echter, für beide Seiten vorteilhafter Austausch.

Was genau macht der Trapper in seinem Revier? Durch seinen Eingriff als ?intelligentes Raubtier? dynamisiert er die Tierpopulation. Die Tiere vermehren sich verstärkt, sie werden stärker und gesünder. Das ist Teil einer Aufgabe, über die man verschiedener Ansicht sein kann, die aber dem Menschen eine Verantwortung für die Natur überträgt. Die Natur würde sich auch ohne den Menschen entwickeln, aber beide würden dabei nur verlieren. Warum sollten Natur und Mensch also nicht wirklich zusammen leben?

Warum Natur und den Menschen künstlich trennen, wo sie doch so gut zusammen leben könnten? Für dieses Zusammenspiel stehen die Trapper. Sie kennen die Regeln des Spiels, und sie können sie uns lehren. Ihre Philosophie eines harmonischen Auskommens hat uns schon immer fasziniert, und eigentlich ist es völlig unverständlich, warum man Indianer, Inuits und Trapper unbedingt ?modernisieren? will. Wir wissen doch, dass gerade die Moderne wenig pfleglich mit unserer Erde umgesprungen ist. Die Spezies Mensch ähnelt einer blutsaugenden Zecke, einem maßlosen Parasiten des Universums. Aber niemand sollte behaupten, dieser Weg sei eine Einbahnstraße ...

Der Trapper - Ein Beruf mit Zukunft? Den Menschen unterscheidet vom Tier eine einzigartige Gabe: der Verstand. Leider missbraucht er ihn unter anderem dazu, den Planeten zu zerstören, auf dem er lebt. Alle Wissenschaftler prophezeien, dass die menschliche Spezies nicht die unheilbaren Verletzungen überleben wird, die sie der Erde zufügt. Zahlreiche Tierarten wurden und werden für immer ausgelöscht und trotzdem scheint vorhersehbar, dass die Tiere eines Tages die einzigen Bewohner der Erde sein werden ? einer Erde ohne Menschen.

Dabei hätte der Mensch alles, um glücklich auf Erden zu leben. Er, der in der Hierarchie der Lebewesen auf der höchsten Stufe steht, wäre durchaus in der Lage, die Welt durch einsichtiges und vernünftiges Eingreifen zu beherrschen. Er hätte wirklich Großes bewerkstelligen können, doch heute stehen ihm nur noch zwei Möglichkeiten offen: mit der Zerstörung fortzufahren, wider besseres Wissens und entgegen allen Warnungen. Oder seine Lebensart von Grund auf zu ändern und mit der Natur zu leben.

Der Trapper oder der Holzfäller könnten Vorbilder für die Zukunft sein. Zeigen sie doch, was der Mensch besser machen könnte. Anders, als viele Leute glauben, ginge es der Natur ohne den Menschen nicht automatisch und zwangsläufig besser. Trapper wie Holzfäller können, wenn sie etwas von ihrem Handwerk verstehen, das ökologische Gleichgewicht des Waldes positiv beeinflussen. Natürlich gibt es auch Holzfäller, die die Natur zerstören, indem sie den Wald aus Profitgier ausbeuten. Und ebenso finden sich unter den Jägern schwarze Schafe, die allein des Vergnügens wegen jagen und teuer für den Abschuss von Tieren bezahlen, die sie nicht einmal verzehren.

Die Natur retten Machen wir bitte nicht den immer wiederkehrenden, dramatischen Fehler und scheren alle Welt über einen Kamm. Trapper und Jäger sind natürlich nicht die Einzigen, die Rücksicht auf die Natur nehmen. Ein Versuch in Richtung Umweltschutz stellen die Nationalparks dar, die seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert in vielen Ländern eingerichtet wurden. Diese Parks beförderten weltweit auch ein Begreifen, dass der Mensch nicht folgen- und grenzenlos alles ausbeuten dürfe. Die Diagnose war klar: die Natur mußs vor dem Menschen geschützt werden.

Man mußs aber auch sehen, dass dieser Versuch beinahe einem Offenbarungseid gleichkommt: Da wir augenscheinlich unfähig sind, mit der Natur zu leben, müssen wir Orte schaffen, wo sie ohne uns wenigstens überleben kann.

Durch die Naturreservate wurden Tierarten und einige Pflanzen gerettet, und vor allem ist verhindert worden, dass märchenhaft schöne Landschaften unüberlegten Erschließungs- und Besiedlungsmaßnahmen zum Opfer gefallen sind. Leider liebt der Mensch nichts mehr, als seinen Lebensraum immer weiter auszuweiten und dabei auch die verwunschensten Plätze der Erde zu kolonisieren und zu urbanisieren.

Aber diese Parks haben auch deutlich gemacht, dass der komplette Rückzug des Menschen negative Folgen haben kann. Bestimmte Tierarten haben sich auf Kosten anderer übermäßig stark vermehrt. Heute stellt man das Prinzip der absoluten Nicht-Einmischung wieder infrage.

Zum Schutz bestimmter Tierarten und um wieder ein natürliches Gleichgewicht herzustellen, hat man vereinzelt Raubtiere angesiedelt, die früher in den betreffenden Gebieten verbreitet waren und vom Menschen ausgerottet wurden. Auch wurden Berufsjäger beauftragt, die Tierbestände zu reduzieren, die unter ihrem Überschuss selbst am stärksten litten und ihrerseits bestimmte Pflanzenarten gefährdeten.

Der Mensch hat heute begriffen, dass er Verantwortung übernehmen kann und zum Besten der Natur in dieselbe eingreifen kann. Norman bewohnt ein riesiges Gebiet von mehreren dutzend Quadratkilometern Größe, tausende Hektar, die er immer wieder durchstreift. Er lebt dort mit den Tieren und kennt ihr Zusammenleben, ihre Lebenskreisläufe genau: Wölfe fressen Elche und Karibus, Luchse die Hasen, die Biber fällen Bäume und die Schneehühner ernähren sich im Winter von den Weidenknospen, was deren Vermehrung unterbindet.

Die Füchse fressen die Schneehühner, und die Raben begnügen sich mit dem Rest. Diese Abhängigkeit zwischen den Tieren, der Flora und der Topographie könnte man mit einem riesigen Spinnennetz vergleichen, das so komplex wie fabelhaft organisiert ist. Alles hat seinen Platz und eine eigene Rolle. Keine Art ist nur schädlich.

Der Trapper schaut, analysiert und greift ein. Er handelt wie ein intelligentes Jagdtier und reguliert so die Tierpopulationen. Er steuert fast perfekt den gesamten Kreislauf, weil er der Tiere Abhängigkeiten kennt. So verhindert er, dass sich eine Art zum Schaden einer anderen übermäßig ausbreitet.

Verwüstung durch Rodung Auf der Rangliste der ökologischen Katastrophen unserer Zeit steht die massive Abholzung an vorderster Stelle und die nördlichen Urwälder bleiben unglücklicherweise nicht davon verschont. British-Columbia, die wunderbare, kanadische Provinz an der Südgrenze Alaskas, ist dafür ein trauriges Beispiel.

Auch Norman hatte unter dem Raubbau an den Wäldern zu leiden, mußste er doch schon zwei Mal sein Revier wechseln. Das Abholzen selbst weit abgelegener Waldregionen wirkt sich auf die Umwelt äußerst nachteilig aus. Die Holzfirmen hatten damit angefangen, Wege in der Region anzulegen, so dass viele schwer zugängliche Gebiete auch nach dem Fällen und dem Abtransport der Baumstämme gut erreichbar blieben. Auch unzählige Baracken und andere Behelfskonstruktionen, die während der Rodungsprojekte hochgezogen wurden, hat man einfach zurück gelassen, weil deren Abbau nur zusätzliche ? überflüssige? ? Kosten verursacht hätten.

Es gibt viele Narben, die die einst intakten Lebensräume entstellt haben. Häufig handelte es sich bei den abgeholzten Waldstücken um Reviere von Trappern wie Norman, oder aber um Gebiete, in denen Indianer aufgrund vertraglich zugesicherter Rechte jagen und fischen durften. Trapper wie Indianer mußsten (und müssen) sich immer wieder andere Jagd- und Fischgründe suchen, und die Gebiete, in denen Tiere ungestört leben durften, wurden (und werden) zunehmend kleiner. Hinzu kommt, dass kommerziell geführte Jagd- und Fischsafari-Unternehmen, die ihre Kunden hinaus in die Wildnis führen, eben diese Territorien plötzlich für sich reklamieren.

Der Mensch verursacht das Ungleichgewicht Die unmittelbarste Auswirkung ist zweifellos die Zerstörung des gesamten Ökosystems. In den als Brache verbleibenden Kahlschlägen breiten sich Sträucher und Beeren am Boden aus. Dieses Überangebot an Nahrung vermehrt zum Beispiel schon innerhalb weniger Jahre die Population der Schwarzbären. Die werden natürlich andere Arten verdrängen und somit unausweichlich ein Ungleichgewicht in der gesamten Nahrungskette herbeiführen.

Oft bereitet die große Anzahl von Schwarzbären in den Städten große Probleme: allein im Sommer 1994 sind mehr als 200 Bären durch die Polizei in den Straßen von Prince Georges erlegt worden. Sie fielen über Mülltonnen her, töteten Hunde, drangen in Gärten ein: eine echte Invasion!

An anderen Orten hat man zwar planmäßig eine Wiederaufforstung durchgeführt. Nur pflanzt der Mensch höchst selten genau wieder das an, was er zerstört hat. Oft wird nur eine besonders wirtschaftliche Holzsorte bevorzugt und damit der Boden ausgelaugt. Das endgültig auf den Kopf gestellte Biotop wird niemals wieder die Tierarten aufnehmen, die auf diese Vielfalt zum Überleben angewiesen sind.

Die Natur ist grosszügig - wenn man sie lässt Die Rocky Mountains, in denen Normans Jagdrevier liegt, haben eine variantenreiche Fauna. Viele Bergtiere, darunter das weiße Alaska Mouflon, Dall-, Dickhorn- und Stoneschafe sowie Schneeziegen leben hier. Ebenso der Schwarzwedel- oder Maultierhirsch, ein zierlicher Hirsch, der sich im Sommer, wie sein wesentlich größerer Artgenosse, der Wapiti, bis in die höchsten Bergkämme hinauf wagt. Gelegentlich sichtet Norman auch das typische Raubtier der nordamerikanischen Bergregionen: den Puma.

Einige dieser Tiere werden von den Trappern im Herbst geschossen, um etwas Abwechslung in ihre im Winter hauptsächlich aus Elch- und Karibufleisch bestehende Nahrung zu bringen. Ein Elch zum Beispiel bringt bis zu 400 Kilogramm Fleisch!

Wie die Mehrheit der Völker des Nordens ernähren sich die Trapper überwiegend von Fischen, Hasen und gefiederten Tieren: Schnee-, Wald- und Haselhühner. Sie essen auch Biber- und Luchsfleisch, sofern sie diese überhaupt jagen. Das Fleisch anderer Tiere, die wegen ihrer Felle gejagt werden, zum Beispiel von Mardern, Vielfraßen oder Wölfen, ist hingegen für Menschen ungenießbar. Es dient gefroren als Nahrung für die Hunde oder als Köder.

Der Schwarzbär, der fast überall vorkommt, hat ein schmackhaftes und zartes Fleisch. Ganz anders das Fleisch der Grizzlys, dessen strenger Geschmack daran erinnert, dass diese Bärenart Aas frisst. Ebenso wird das Fleisch der weiter nördlich lebenden Polarbären, das zu viel Vitamin A enthält, von den Inuits nicht gegessen.

Viele kleine Tiere wie die Rothörnchen, die Grauhäher und Schneeammern begleiten das Leben der Trapper. Im Sommer begegnet er auf seinen Zügen durchs Revier allen Sorten von Prachttauchern, Haubentauchern und wilden Schwänen. Hinzu kommen Gänse, Enten, Geier, Sperber, Falken, Bussarde und Adler ? darunter der berühmte Weißkopfseeadler, das amerikanische Wappentier. In den Sümpfen wimmeln Regenpfeifer, Brachvögel, Schnepfen, Strandläufer, Möwen und Wassertreter.

Der Trapper kann hier aus dem Vollen schöpfen: er sammelt gelegentlich Eier, aus denen er Omelettes brät oder Bannocks zubereitet ? Bannocks sind sehr fetthaltige Brote, ein Grundnahrungsmittel der Inuit, die ein wenig unseren Pfannkuchen ähneln ? in deren Teig er Blaubeeren, wilde Johannisbeeren oder Himbeeren einrührt.

Alex, eine schöne Freundschaft Alex ist Normans bester Freund. Auch er ist der traditionellen und naturverbundenen Lebensweise immer treu geblieben. Er hat den rauen Elementen hier draußen in der Wildnis immer getrotzt, und mit seinen knapp achtzig Jahren strahlt er Zufriedenheit und Milde aus. Jede Falte in seinem Gesicht scheint eine spannende oder auch tragische Geschichte zu erzählen. Früher fingen Trapper wie er vorwiegend Biber, doch heute werden diese Felle nicht mehr sehr geschätzt.

So gab Alex ? und mit ihm viele andere ? diese mühsame Spezialisierung auf. Mittlerweile haben sich die Biber in manchen Gegenden sehr stark vermehrt, und die Regierung versucht, ihre Zahl einzudämmen, indem sie Prämien für getötete Biber zahlt oder sich bemüht, Luchspopulationen anzusiedeln, die die natürlichen Feinde der Biber sind. Heute fangen die meisten kanadischen Trapper vorwiegend Nerze und daneben eine geringe Anzahl von Luchsen, Wölfen und Vielfraßen.

Frauen des Trapper Die Idee der Anpassung des Menschen an die Natur ist einer der schönsten Aspekte der Lebensweise der Trapper, Indianer und Inuit. Doch der Alltag dieses Lebens in Einklang mit der Umwelt war schon immer hart. Seit frühester Zeit waren die Gefährtinnen der Trapper meistens Indianerinnen oder Inuitfrauen. Nur sehr wenige weiße Frauen können das Leben in der Abgeschiedenheit der Wildnis ertragen, zumal es Fertigkeiten voraussetzt, die sie häufig nicht mitbringen. Aber auch Nachfahren der Ureinwohner sind nicht immer für die Einsamkeit geschaffen.

Dies ist wohl mit ein Grund dafür, dass Norman Winther schon dreimal verheiratet war, bevor er seine jetzige Frau Nebraska, eine Nahanni, kennen lernte: zweimal mit Frauen aus denn Volk der Cree und einmal mit einer Inuit aus Inuvik in den Northwest Territories. Wenn die Männer ihre Fallen kontrollieren, werden sie nur selten von ihren Frauen begleitet. Bei den Inuit begleiteten die Frauen ihre Männer früher zur Jagd und übernahmen bestimmte Aufgaben: Sie bauten gemeinsam mit den Männern Iglus und führten den Haushalt, flickten und reparierten Kleidung und Gebrauchsgegenstände und kümmerten sich um die Hunde, die Mahlzeiten und die Felle der getöteten Tiere, die sie reinigten und gerbten.

Das ist heute kaum noch üblich. Die meisten Frauen leben inzwischen in Dörfern in der Nähe der Jagdreviere. Der Trapper sucht seine Fallen allein auf, wann immer die Schneeverhältnisse und Temperaturen es zulassen. Viele Trapper gönnen sich zum Jahresende eine Verschnaufpause und kehren dann zu ihren Familien zurück. Bei dieser Gelegenheit verkaufen sie die Felle der Tiere, die sie in der ersten Winterhälfte, dem zumeist ergiebigsten Abschnitt des Winters, erlegen konnten, und versorgen sich für den Rest der kalten Jahreszeit mit Vorräten. Die Frauen behandeln die Felle und kümmern sich oft auch um den Verkauf. Meist verwalten sie das Geld und bestimmen darüber, was der Mann kaufen darf.

Das Verhältnis der Trapper zu ihren Hunden Aufgrund einiger praktischer Überlegungen bewegt sich Norman im Winter mit dem Hundeschlitten fort. Auf diese Weise gelangt er auch an Orte, die kein motorbetriebenes Fahrzeug je erreichen würde. Die Unwegsamkeit der Landschaft ist einer der wesentlichen Gründe, dass viele Gebiete in den Rocky Mountains bis heute unberührt geblieben sind. Mit Schneemobilen kommt man vielerorts nur bei besonders günstigen Witterungsbedingungen voran. Außerdem stört ein Schlittengespann das Wild weniger.

Luchse, Vielfraße, Füchse und Kojoten folgen gerne den Hundefährten und nutzen die gespurte Piste, denn auf den zusammengepressten Schnee kommen sie schneller und müheloser voran. So sparen sie kostbare Energie und damit Kalorien, die der Erhaltung der Körperwärme zugute kommen. Weil Hunde für die Wildtiere einfach nur Artgenossen sind, werden sie durch deren Anwesenheit nicht beunruhigt. Für Norman ist das von Vorteil, denn dadurch kann er die verschiedenen Gebiete seines Reviers aufsuchen, ohne das Wild daraus zu vertreiben.

An bestimmten strategischen Punkten stellt er seine Fallen sogar direkt neben der Schlittenpiste auf. Dies alles sind vernünftige, praktische Gründe dafür, sich Hunde zu halten. Der eigentliche und für Normen wichtigste Grund aber ist, dass ihm die Hunde Gesellschaft leisten. Die Beziehung zwischen Norman und seinen Hunden ist sehr eng und vertieft wiederum seine Beziehung zur Natur. Die Hunde lassen Norman nie im Stich, sie verstellen sich nicht, lügen nicht, und es braucht zwischen Norman und ihnen nicht viele Worte. Blicke genügen, zumal die Hunde ohnehin alle seine Gefühle erspüren.

Besonders in den langen Wintermonaten steht Norman in engem Kontakt zu den Hunden. Die Beziehung zu den Hunden ist es auch, die es einem Menschen überhaupt erst ermöglicht, in der grenzenlosen Einöde zu überleben und nicht vor Einsamkeit verrückt zu werden. Deshalb beschäftigt sich Norman viel mit seinen vierbeinigen Gefährten.

Für die Arbeit mit dem Schlitten ist es wichtig, dass sie ihm gehorchen und ihn respektieren. Gleichzeitig will er aber auch nicht zu dominant auftreten, denn die Hunde sollen ihn achten, aber nicht fürchten. In einer Beziehung zum Menschen, die auf Vertrauen beruht, geben die Hunde aus ganzem Herzen ihr Bestes. Daher schuf sich Norman einen Platz neben dem Rudel, nicht über ihm. Dieser Unterschied ist wichtig, denn er bemüht sich um einen gewissen Abstand, um keine Eifersucht zwischen den Hunden hervorzurufen.

Er versucht, auf jeden Hund individuell einzugehen, weil er weiß, dass manche von ihnen mehr Aufmerksamkeit brauchen oder intensiver gefördert werden müssen als andere. Ebenso gibt es Hunde, die sich ihren Artgenossen stärker verbunden fühlen als ihrem Herrn. Sie suchen weniger seine Nähe und schätzen es nicht, wenn er sich in die Angelegenheiten des Rudels einmischt. Das mußs Norman respektieren. Diese besondere und spezielle Kommunikation mit den einzelnen Tieren ist ein fester Bestandteil von Normans Alltag. Ohne Hunde wäre es schwieriger, die Motivation, diese Art von Leben zu führen, aufrechtzuerhalten.

Die Schlittenhunde In Normans Welt kann auch der kleinste Irrtum dramatische Konsequenzen nach sich ziehen. Selbst Norman, obwohl er die meisten Fallen kennt, mit denen die kalte Jahreszeit gelegentlich aufwartet, wird manchmal gehörig gebeutelt. Mit unversöhnlicher Ruppigkeit tritt der Große Norden manchmal auch einem seiner leidenschaftlichsten Bewahrer gegenüber, als wolle diese ausgedehnte Wildnis Norman noch einmal daran erinnern, dass sie sich niemals ganz zähmen lassen würde.

Die Fähigkeiten eines Hundes zu überschätzen, kann einer dieser Irrtümer sein. Diese Erfahrung blieb Norman nicht erspart. Der Leithund Voulk, der den überfahrenen Nanook ersetzen sollte, hatte auf die Anordnung eines Richtungswechsels durch Norman nicht richtig reagiert. So geriet Voulk, und mit ihm das ganze Gespann, in eine Zone, in der das Eis auf dem zugefrorenen See alles andere als tragfähig war und einbrach.

Es dauerte nur Sekundenbruchteile, dass sich der erste Schreck der Hunde beim Kontakt mit dem eiskalten Wasser legte und sich ihre Überlebensinstinkte regten: sie krallten sich mit allen vieren am Rand des Eises fest, und so gelang es ihnen mit einem unvorstellbaren Kraftaufwand sich selbst und sogar den Schlitten, an den sie gekettet waren, wieder aus dem Eisbad herauszuziehen. Zu Hilfe kam ihnen dabei einerseits ihre vortreffliche und optimal trainierte Muskulatur, aber auch die Tatsache, dass sich ihr Gewicht auf vier Läufe verteilt ? und nicht nur auf zwei Beine.

Unglücklicherweise verpasste Norman, dessen Beweglichkeit durch die nass-schwere Kleidung und die fortschreitende Unterkühlung sowieso schon eingeschränkt war, die Gelegenheit, sich am Schlitten festzuhalten, den er umgekippt, hinter den Hunden her in einiger Entfernung übers Eis schaben sah. Mit jedem Versuch, Halt zu erlangen, brach das Eis um ihn herum weiter ein. Seine Gliedmaßen wurden taub, seine Kleidung gefror, sobald sie Luftkontakt hatten und behinderten ihn noch zusätzlich. Er wusste, dass wahrscheinlich die letzten Momente seines Lebens angebrochen waren, bevor ihn das Eis unter sich begraben würde.

Norman rief nach den Hunden ohne aber wirklich daran zu glauben, dass sie ihm helfen könnten? Die äußerste Not in seiner Stimme und auch ihre ungewohnte Gebrochenheit mußsten die junge Hündin Apache alarmiert haben, dass sich der Mensch, der sie bei sich aufgenommen hatte, tatsächlich in Lebensgefahr befand. Ihre erste Reaktion, gesteuert durch den Überlebensinstinkt, bestand zwar darin zu flüchten, doch dann brachte sie ihre Geistesgegenwart dazu, schnell zu reagieren. Der Wille, den Menschen zu retten, besiegte ihre Angst. Sie brachte das gesamte Gespann dazu, noch einmal auf das gefährlich dünne Eis zu laufen und Norman Gelegenheit zu geben, ein Ende des Schlittens zu ergreifen und sich so aufs Eis ziehen zu lassen.

Wenn Norman diese Geschichte erzählt, rührt es ihn immer zu Tränen. In diesem Zusammenhang erinnert er sich natürlich auch daran, dass er anfangs gar nicht besonders an diese Hündin glauben wollte. Er hatte sie geschenkt bekommen. Seit jenem Tag aber verband diese beiden Wesen eine wunderbare Übereinkunft, und es lässt sich wirklich nicht ausmachen, wessen Augen mehr von Liebe sprachen, wenn sie sich anschauten.

Die meisten Trapper, die noch mit Hunden arbeiten, besitzen Gespanne von fünf bis acht Tieren ? selten mehr. Das hat zwei Gründe: Die Strecken, entlang derer die Fallen aufgestellt werden, sind in der Regel fünfzig bis hundert Kilometer lang, und sie führen durch Wälder, in denen viele Pelztiere leben. Ein Trapper legt normalerweise ein bis drei solcher Strecken an. An jeder platziert er bis zu hundert Fallen und markiert sie zu Beginn des Winters.

Diese Strecken darf man sich nicht als kürzeste Verbindungen zwischen Anfangs- und Endpunkt vorstellen, und sie verlaufen auch nicht unbedingt dort, wo man am bequemsten vorankommt. Sie schlängeln sich von einem wildreichen Punkt zum nächsten, zu verborgenen Winkeln von Tälern und Schluchten, quer durch Waldungen oder an Waldrändern entlang, bergauf und bergab. Ein Gespann von mehr als acht Hunden würde auf diesen engen und ebenso steil ansteigenden wie abfallenden Pfaden gar nicht vorankommen. Deshalb benötigt ein Trapper ein kompaktes Gespann. Die wichtigste Eigenschaft, die von den Hunden verlangt wird, ist Reaktionsschnelligkeit, Gehorsam und Ausdauer. dass sie schnell laufen können, ist weniger wichtig.

Mit den Hunden leben Der zweite Grund, der für ein kleineres Gespann spricht, ist wirtschaftlicher Art: Einen Hund zu ernähren, ist teuer. Natürlich füttert ein Trapper seine Tiere mit dem, was er fischt und erjagt und nicht mit gekauftem Hundefutter. Rechnet man aber pro Hund drei bis fünf Kilo Fisch oder Fleisch am Tag, so kommt man auf über eine Tonne Futter pro Hund und Jahr. Aus diesem Grund versucht der Trapper, die Zahl seiner Hunde gering zu halten, zumal er nicht mehr als fünf bis sechs Hunde benötigt, um seinen Bedarf für eine Woche per Schlitten zu ziehen.

lm Sommer bringen manche der Trapper und Inuit ihre Hunde auf eine Insel, die so groß ist, dass sich die Tiere dort während der warmen Monate ihre Nahrung selbst suchen können: Eier, junge Gänse und Enten, die sie im Rudel jagen, Waldmäuse und andere kleine und größere Säugetiere sowie gestrandete oder ans Ufer gespülte Fische. Auf diese Weise haben die Hunde Bewegung und leben im Rudel ein freies Leben, während der Trapper in der Zeit, in der er sie nicht braucht, keine Arbeit mit ihnen hat. Leider gibt es in Küstennähe oder in großen Flüssen nur wenige Inseln, die sich als ?Sommerfrische? für Schlittenhunde eignen.

Die Zusammenstellung des Gespanns Ein Trapper mußs auch die Qualitäten eines Mushers entwickeln, d.h. eines Schlittenlenkers. Als Leithund wählt er ein Tier, dem man schon im Welpenalter anmerkt, dass es sich für diese Aufgabe eignet. Es ist immer ein ruhiger, ausgeglichener Hund, der einem geradeheraus in die Augen schaut. Auf gar keinen Fall nimmt ein Musher für diese Aufgabe diejenigen Hunde eines Wurfs, die ängstlich oder zu wild sind, die sich schlecht erziehen lassen oder sehr unabhängig wirken.

Interessant für ihn sind die Hunde, die aufmerksam das Kommen und Gehen der Menschen verfolgen, von sich aus mit den Menschen in ihrer Umgebung Kontakt aufnehmen, ihre Gesten und Reaktionen zu verstehen versuchen und sie mit zur Seite geneigtem Kopf fragend ansehen, wenn ihnen irgendetwas unverständlich erscheint. Aus solchen Welpen werden gute Leithunde. Natürlich kann man von dem einen oder anderen Tier enttäuscht werden, wie man auch positive Überraschungen erleben kann.

Auf jeden Fall aber sollte man bei der Erziehung nicht zu schnell aufgeben: Manche Hunde sind Spätentwickler, während Schnellstarter vielleicht nach einer Weile keinerlei Fortschritte mehr machen. Die Ausbildung der Hunde gehört mit Sicherheit zu den faszinierenden Aspekten im Leben eines Mushers oder Trappers.

Zunächst sollte dem jungen Hund die Arbeit wie ein Spiel vorkommen. Erst wenn er eine Leidenschaft für dieses ?Spiel? entwickelt hat, bringt man ihm bei, dass es Regeln gibt, die es ihm letztlich ermöglichen, noch weitere Strecken zu laufen. Man sollte den jungen Hunden den Spaß am Laufen nicht verderben und sie nie zurechtweisen ? es sei denn, sie zerbeißen Geschirre und Leinen.

Ein junger Hund, der später als Leithund eingesetzt werden soll, wird im Gespann vorerst hinter dem ersten Hund oder hinter die beiden Hunde, die das Gespann anführen platziert. Auf diese Weise lernt er die Grundbefehle für Richtungswechsel: Gee ist das Kommando für rechts, Haw für links. Man sagt nicht Rechts und Links, weil die phonetische Differenz dieser beiden Worte zu gering ist, während die Hunde das lange ?i? in Gee und das ?a? in Haw gut unterscheiden können.

Wenn der noch auszubildende Hund hinter dem Leithund herläuft, wird ihm bald in Fleisch und Blut übergegangen sein, dass sich das Gespann auf Gee nach rechts und auf Haw nach links zu wenden hat, denn in dieser Position spürt er die Richtungswechsel deutlicher als in der Nähe des Schlittens. Nach etwa einer Saison kommt der junge Hund neben den Leithund, der zu seinem Mentor und Lehrer werden soll und der ihn ebenso erziehen wird, wie der Musher es tut. Wehe, wenn er dann nicht schnell genug reagiert! Viele Leithunde vertragen es schlecht, wenn sie bei Richtungswechseln von einem jungen Hund behindert werden.

Unser Leithung Voulk ist ein solcher Leithund. Wenn man ihm einen jungen Hund zur Seite gibt, der die Befehle nicht schnell genug begreift und umsetzt, kann er sehr unangenehm werden. Normans Hündin Apache mußste dies am eigenen Leib erfahren. In einigen Passagen des Films, Szenen mit und ohne Gespann, kann man sehen, wie Voulk die junge Anfängerin manchmal zurechtweist. Er kann zwar durchaus Milde zeigen, doch vor allem schätzt er ?gute Arbeit?.

Nach der Saison, in der die zweite Phase der Ausbildung stattfindet, setzt man den jungen Hund hin und wieder als Leithund ein, weil er sich weder zu sehr an die Rolle des Assistenten gewöhnen, noch sich in dieser Funktion langweilen sollte. Manch jungem Hund ist allerdings die Verantwortung an der Spitze eines Gespanns zu groß. So kann es vorkommen, dass er sich verweigert ? vorübergehend oder, wenn der Musher nicht auf ihn einzugehen versteht, auch endgültig.

Das Gespann im Film Normans treue Begleiter während der Dreharbeiten waren:

Apache, die wir bereits vorgestellt haben: mit den Allüren eines Mannequins, sowie ihren tiefblauen Augen zieht Apache alle Blicke auf sich. Diese Aufmerksamkeit genießt sie auch. Voulk kann ihrem Charme nicht widerstehen. Er sieht sie ständig zärtlich an. Apache ist launisch, wie es Wesen, die sich für Stars halten nun einmal sind.

Crevette ist von der Schnauze bis zur Schwanzspitze Weibchen. Sie ist zärtlich, kokett und setzt alle erdenklichen Tricks ein, um ihre Ziele zu erreichen. Sie ist hartnäckig und mutig. Gelegentlich zickt sie etwas, meistens aber kann man auf sie zählen. Unter den drei Weibchen des Rudels ist sie das dominanteste. Sie kümmert sich fürsorglich um Pussy, wahrt allerdings auch die Distanz, die sich für ihre Stellung als ?First Lady? gehört. Voulks Verliebtheit in Apache ist ihr gar nicht recht. Crevette ist eifersüchtig, weil Apache nicht nur von Voulk, sondern auch von den Menschen angehimmelt wird. Sie nutzt die Autorität, die sie im Rudel besitzt, um sich zu rächen, und das steht ihr nicht besonders gut. Man mußs sich mit ihr beschäftigen und ihr vor allem viel Aufmerksamkeit angedeihen lassen.

Mit seinen goldgelben Augen scheint Minik die Strahlen der Sonne einzufangen. Er ist ein fanatischer Läufer, der sich seine Kräfte nicht einteilt. Kaum hat man ihn angeschirrt, da springt er schon hin und her, als könne er dadurch den Start beschleunigen. Wenn er sich so verhält, bleibt Voulk, der Leithund unseres Filmgespanns, ganz gelassen und sieht ihn mitleidig an. Minik ist ein Hund, der auch mit zunehmendem Alter nicht ruhiger wird. Dafür ist er sehr stark, und mit seinem Eifer steckt er die anderen an.

Nabouko ist kein schlechter Kerl, auch wenn er nicht sehr Vertrauen erweckend aussieht. In seiner Position als stellvertretender Rudelchef hat er es nicht leicht. Zwischen ihm und dem ranghöheren Voulk schwelt ein fortwährender Konflikt. Nabouko leidet darunter, dass er zwischen Chef und Rudel steht, unternimmt aber nichts dagegen. Er ist stets auf der Hut, gegenüber den anderen. Er scheint verschlagen und ist der unbeliebteste Hund des Gespanns. Er träumt davon, zu herrschen, und würde mit seiner Persönlichkeit vermutlich erst dann zu sich selbst kommen, wenn er die anderen tatsächlich beherrschen könnte. Aber trotzdem besitzt er alle Eigenschaften, die ein guter Rudelchef braucht.

Pussy steht in der Rangleiter der Weibchen auf der niedrigsten Stufe, aber das ist ihr ziemlich egal. Pussy war von Geburt an eine glückliche Hündin und wird es bis an ihr Lebensende bleiben. Die Hierarchie im Rudel ist nicht alles, und es kostet zu viel Energie, in ihr seinen Platz zu behaupten. Dabei ist das Leben als Schlittenhund doch so schön, und man sieht so viele interessante Dinge ... Wenn es einen Preis für gute Laune gäbe, müsste Pussy ihn bekommen!

Und dann ist da noch Rox. Der Name passt gut zu ihm. Er ist stämmig, stark, ein bisschen tapsig und unglaublich freundlich. Fast zu freundlich, denn er setzt seine Kraft nur bei der Arbeit ein und niemals, um sich durchzusetzen. Die anderen nutzen das manchmal aus und haben nicht allzu viel Respekt vor ihm. Die Menschen werden durch seine verschiedenfarbigen Augen auf Rox aufmerksam und streicheln ihn gerne. Das lässt er sich bereitwillig gefallen. Er ist ein großer Hund, und er hat Herz im Überfluss.

Spuren ziehen Die Hunde gewöhnen sich schnell daran, einem Menschen zu folgen, der ihnen eine Spur eröffnet. Das erste, was sie verstehen müssen ist, dass sie dem Menschen nicht dicht auf die Fersen folgen dürfen, sondern eine Distanz von einigen Metern wahren sollten, da sie sonst immer wieder auf die Schneeschuhe tapsen. Die Leithunde, die die Piste anlegen, selbst wenn ein Teil der Arbeit vom Menschen mit den Schneeschuhen gemacht wird, ermüden sehr viel schneller als die nachfolgenden Tiere, und so empfiehlt es sich, die Führer häufig auszuwechseln.

Um so mehr, wenn die Temperatur -30° Celsius anzeigt und der Schnee die Pfoten schmirgelt als wäre es Sand. Dieser zusätzlichen Belastung sind die Pfoten der Leithunde ebenfalls weit mehr ausgesetzt, als die der hinteren Zugtiere. Vor allem zu Beginn des Winters sind die Sohlen der Hunde sehr sensibel. Man mußs sie gründlich einfetten und so versuchen, sie gegen Risse und Verletzungen zu schützen.

Wenn es noch keine Spur gibt oder wenn der Schnee einfach zu hoch liegt, läuft der Musher auf Schneeschuhen vor den Hunden her, um den Untergrund genügend zu pressen und den Hunden so überhaupt Halt zu geben. Im Idealfall, wenn die Piste nur mit wenig Schnee bedeckt ist, kann der Schlittenführer hinter dem Schlitten laufen oder sich gar auf dessen Kufen stellen. Mit der Hand umfasst er eine ?Djebar?, eine Art Halte- und Lenkstange, die den Schlitten selbst um etwa 1,50 überragt. Mit ihrer Hilfe vermag ein Trapper die Richtung seines Gespanns zu halten und zu verhindern, dass die Hunde aus der gegrabenen Spur ins Nirgendwo des Tiefschnees ausscheren.

Andererseits, wenn eine Spur erst kürzlich benutzt wurde und kein erneuter Schneefall sie wieder verschneit hat, verbleibt der Musher hinter seinem Schlitten auf den Kufen stehen. Das wichtigste Steuer-Zubehör unter solchen Umständen ist der Schneeanker, eine Metallkralle, die es ermöglicht, auch aus hoher Geschwindigkeit schnell abzubremsen. Dieser Anker ist so konstruiert, dass er sich durch den Zug der Tiere in den Schnee eingräbt und das Gespann blockiert. Der Schneeanker ist auch unerlässlich bei Hangpisten oder sehr kurvigen Trails.

Zu Pferd reisen Trapper wie Norman nutzen Pferde in erster Linie als Fortbewegungsmittel. Anders als für die Hunde braucht man für Pferde keine Vorräte mitzuführen. Wenn man ihnen genügend Ruhepausen gönnt, suchen sie sich ihr Futter selbst. Sie kommen ohne Zusatznahrung in Form von Getreide aus, solange man sie frei grasen lässt. Vorher bindet man ihnen allerdings die Vorderbeine so zusammen, dass sie beim Fressen zwar weitergehen, aber nicht weglaufen können. Tatsächlich gibt es aber unter den Pferden wahre Verrenkungskünstler, die trotz gefesselter Vorderbeine in einer Nacht hüpfend mehrere Kilometer zurücklegen.

Damit man nicht nach jeder Rast viel Zeit und Energie damit vergeudet, die Pferde zu suchen, bindet man am besten das Leitpferd an und lässt die übrigen grasen. Nach einer Weile wechselt man. Da Pferde einen starken Herdentrieb besitzen, entfernen sie sich nie allzu weit von ihren Gefährten. Norman ist nur mit zwei Pferden unterwegs. Eines trägt ihn, das andere die Ausrüstung. An das Zaumzeug des Packpferdes bindet er einen Strick, dessen anderes Ende er in der Hand hält oder um seinen Sattelknauf schlingt.

Auf diese Weise verhindert er, dass das Packpferd trödelt oder unterwegs grast und zurückbleibt, denn wenn das zweite Pferd zurückbleibt, besteht die Gefahr, dass es irgendwann im Galopp aufzuholen versucht und dabei seine Ladung verliert. Es kann auch passieren, dass es mit seinen Packtaschen an Felsen oder Bäumen hängen bleibt. Deshalb sollte der Strick, der die beiden Pferde verbindet, hin und wieder einen kleinen Ruck aushalten können. Extrem reißfest aber darf er auch nicht sein, damit das Packpferd bei einem Sturz des Reitpferdes nicht ebenfalls zu Boden geht.

Pferde haben vor- und Nachteile Was man bei jeder Reise zu Pferd beachten mußs, ist die Schreckhaftigkeit dieser Tiere. Diese Schreckhaftigkeit ist auch abhängig vom Vertrauen, das sie dem Menschen, der sie begleitet, entgegen bringen, aber insgesamt sind alle Pferde relativ unberechenbar. Deshalb, und weil sie über ungeheure Kräfte verfügen, mußs man - im Umgang mit ihnen immer sehr vorsichtig sein. Norman zieht das Reisen mit Hunden auf jeden Fall vor, auch wenn er zugibt, dass Pferde sympathische Tiere sind und dass man mit ihnen im Sommer gut vorankommt.

Im Sattel kann er überall dort, wo Wasserstraßen für das Kanu fehlen, weite Strecken zurücklegen. Außerdem sind Pferde aufgrund ihrer Stärke imstande, schwere Lasten zu befördern. Ein Pferd hat einen sicheren Tritt. Es kommt gut durch die Berge, zumindest solange die Hänge nicht zu steil sind. Auch tiefe Wasser sind für Pferde kein Problem, denn sie sind erstaunlich gute Schwimmer. Allerdings kann eine starke Strömung ein durch seine Ladung aus dem Gleichgewicht geratenes Pferd mitreißen. Gerät ein Pferd im Wasser in Panik, eskaliert die Situation mitunter, im Allgemeinen aber können Pferde ohne weiteres Wasserläufe durchqueren.

Bei der Jagd sind Pferde nahezu ideale Begleiter. Vom Sattel aus bietet sich ein besserer Überblick über die Umgebung und man kann das Wild leichter aufspüren, denn es hat keine Angst vor dem Pferd, dessen Geruch zudem den Geruch des Reiters überdeckt. Wenn die Jagd zufrieden stellend verlief, kann das Pferd die erlegten Tiere nach Hause tragen ? notfalls sogar einen ganzen Elch.

Allerdings ist der Zeitraum, in dem man in diesen Breiten Pferde einsetzen kann, sehr kurz. Er beträgt höchstens vier Monate pro Jahr. Sobald die Grasspitzen gelb werden, nimmt der Nährwert rapide ab, und auf weiten Ritten kann Norman kein zusätzliches Futter mitführen. Im Herbst bringt Norman seine beiden Pferde zu einem Freund, der sie den Winter über versorgt. Dann warten schon die Hunde auf ihren Einsatz ...

Der Yukon Großartige Naturschauspiele, die Pracht unberührter Landstriche, endlose Seen, majestätische Gletscher über denen verschneite Bergspitzen in den Himmel ragen und ? nicht zu vergessen eine außergewöhnliche Vergangenheit. All das macht aus dem Yukon-Territory eine regelrechte Wundertüte.

1896 ertönte vom Ufer eines Baches in der Nähe des Klondike River ein Ruf: ?Gold, wir haben Gold gefunden!? Die Entdeckung einer Goldader am Bonanza Creek löste so den größten Goldrausch aus, den es je in der Geschichte der Menschheit gab. Bis in die vierziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts war Whitehorse nur ein kleiner Ort zum Rasten zwischen Skagway in Alaska und den Goldvorkommen in der Nähe von Dawson City im Norden von Yukon. Whitehorse lag am Kopf des Yukon Schiffsverkehrs, hinter zwei Haupthindernissen des Flusses, Miles Canyon und den Whitehorse Rapids.

Um 1900, nach der Eröffnung des White Pass und der Yukon Railway-Strecke, mit Verbindung von Whitehorse nach Skagway, Alaska, wurde Whitehorse zur permanenten Siedlung. Ein kurzer Kupferboom endete schon 1920. Später, in den zwanziger und dreißiger Jahren, entwickelte Whitehorse den Ruf als Ausgangspunkt und Ausstattungsbasis zur Erkundung des Yukons. In dieser Zeit kamen auch die ersten Touristen nach Whitehorse.

Während des Zweiten Weltkrieges spielte Whitehorse eine wichtige Rolle als Verbindungsglied zwischen Nord und Süd. Der Alaska Highway wurde gebaut und nach dem Krieg für die Öffentlichkeit freigegeben. Dies ersetzte den Yukon River als Haupttransportweg. Im Jahre 1953 wurde Whitehorse zur neuen Hauptstadt des Territoriums.

Das Herz des Yukon aber ist Dawson. Die Stadt liegt am Ostufer des Yukon River, an der Mündung des Klondike River, ziemlich genau 240 km südlich des nördlichen Polarkreises. Dawson City war einst als das Paris des Nordens bekannt, als Goldsucher aus der ganzen Welt nach Dawson strömten, um ihr Glück zu finden. Für einen kurzen Zeitraum am Ende des 19. Jahrhunderts war Dawson City die größte Stadt westlich von Winnipeg und nördlich von Seattle.

Dawson City bietet auch heute noch viele Attraktionen, darunter einen hervorragend restaurierten historischen Kern und interessante naturhistorische Veranstaltungen. Besucher können nach Gold suchen, wie es vor rund einhundert Jahren Tausende Goldsucher vor ihnen taten. Schaufeldampferfahrten, Angel-, Kanu- und Radtouren sind nur einige der Freizeitbeschäftigungen, die Dawson zu bieten hat.

Die aufregende Geschichte von Dawson City, die bis 1953 Hauptstadt des Territoriums war, bietet erstklassige Gelegenheiten für den interessierten Besucher. Man kann zum Beispiel die Blockhütte von Jack London besuchen, der im Jahre 1898 im Yukon lebte. Dort werden regelmäßig Lesungen aus seinen Werken veranstaltet, oder man kann auch die Diamond Tooth Gertie's Gambling Hall besichtigen, die authentische Nachbildung eines Saloons von 1898.

Der allergrößte Reichtum von Yukon ist sicher die überwältigende Natur. Der Kluane National Park etwa, der sich 150 km westlich von Whitehorse befindet und ein Gebiet von 22.000 qkm umfasst, findet man Dutzende unbestiegener Berggipfel, die größten nonpolaren Eisfelder der Welt, aber auch kristallklare Seen und eine äußerst vielfältige Tierwelt. Der Nationalpark wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und ist die Heimat von Kanadas höchstem Berg, dem Mount Logan (5950 m).

Inzwischen gibt es eine große Anzahl offizieller Reiserouten, die es erlauben, den gewaltigen und geheimnisvollen Norden auf eigene Faust zu erkunden. 4.910 Kilometer Highway führen durch das Territorium und in die Wildnis, darunter so berühmte Straßen wie der Klondike Highway, der Alaska Highway, Der Top Of The World Highway oder der Dempster Highway ? allesamt veritable Kanada-Mythen. Der Dempster Highway zum Beispiel gilt als der Wildnis-Highway par excellence. Er reicht von seinem Startpunkt 40 km außerhalb von Dawson bis weit über den Polarkreis nach Inuvik in den Northwest Territories.

Auf den 735 km des Dempsters überquert man zwei Bergmassive, passiert die kontinentale Wasserscheide insgesamt drei Mal und erlebt die baumlose Kargheit der arktischen Tundra. Das Polarmeer ist von Inuvik dann nur noch einen Katzensprung entfernt - 100 km Luftlinie. Im Sommer stehen den Besuchern des Yukon 4.480 qkm Süßwasserseen zur Verfügung, die zum Angeln, zu beschaulichen Kanu- oder wilden Rafting-Touren einladen.

Und auch Golf-Liebhaber kommen auf ihre Kosten, besonders während der Zeit der Mitternachtssonne, wo jeder, der über genügend Ausdauer verfügt, 24 Stunden pro Tag auf dem Rasen verbringen kann. Zu den großen authentischen Winterattraktionen des Yukon zählen Fahrten mit dem Schneemobil, Schneeschuh-Touren, Eisangeln oder Ausflüge mit dem Hundeschlitten.

Die Winterzeit bietet auch Gelegenheit, Zeuge eines Naturschauspiels zu werden, das auch die größten Feuerwerk-Zaubereien in den Schatten stellt. Tatsächlich flattern in den kalten und klaren Nächten Nordlichter über den Himmel von Yukon. Der Yukon ist auch eine der Regionen, in der man anderswo längst ausgestorbene Tierarten in ihrer ursprünglichen Umgebung beobachten kann: Grizzlybären, Schwarzbären, weiße Alaska Mouflons, Dall-, Dickhorn- und Stoneschafe sowie Schneeziegen. Hinzu kommen 254 seltene Vogel- und 38 Fischarten.

Was die Flora angeht, sie unterteilt sich in zwei Kategorien: subarktische und alpine Pflanzenfamilien. Die bestimmenden Ökosysteme sind: Tundra und nordischer Urwald. Im Yukon sind sehr unterschiedliche Kulturen beheimatet. Bräuche und Traditionen wandeln sich innerhalb weniger Meilen, und nicht zuletzt tragen auch sie zur charmanten Vielfalt des großen kanadischen Nordens bei. Indigene Völker machen etwa ein Viertel der gesamten Population des Yukon aus.

Yukon Steckbrief Der Yukon ist eines von drei Territories und 10 Provinzen, aus denen Kanada besteht. Er bildet den nordwestlichen Zipfel Kanadas, eingefasst von British Columbia im Süden, von Alaska im Westen, die Northwest Territories im Osten und die Beaufort See im Norden. Die Fläche des Yukon Territory beträgt 483.450 qkm. Das Straßennetz hat eine Gesamtlänge von 4.700 km. Der Yukon profitiert außerdem vom Seehafen Skagway in Alaska, der einer der wichtigsten Ausgangspunkte für die Abenteurer und Glückssucher war, die Ende des 19. Jahrhunderts zu den legendären Gold-Schürfstellen am Klondike River zogen. Der Produzent hat das Wort MC4 wurde 1986 gegründet. Seither hat unsere Firma nahezu 800 Dokumentarfilme produziert. Der überwiegende Teil dieser Produktionen beschäftigte sich mit Natur, Umwelt oder Entdeckungsreisen. Gedreht haben wir an allen Ecken der Welt, häufig den abgelegensten, und nicht selten unter extremsten Bedingungen.

Die Verbindung zu Nicolas Vanier kam zustande, als er 1989 in den Vorbereitungen für seine 18-monatige Sibirien-Expedition steckte. Daraus entstand eine Fernsehserie von fünf halbstündigen Filmen und ein abendfüllender Kino-Dokumentarfilm mit dem Titel Au Nord de l?hiver. Einige Jahre später arbeiteten wir bei L?Odyssée blanche zusammen, worin er seine Durchquerung Kanadas mit dem Hundeschlitten von West nach Ost dokumentierte. Aus dem Material entstand eine 90-minütige Dokumentation für FR3.

Das Projekt DER LETZTE TRAPPER entstand während der Dreharbeiten für L?Odyssée blanche. Während dieser Reise hatte er zufällig Norman Winther, einen echten Trapper, getroffen, und diese Begegnung wurde prägend für all seine kommenden Vorhaben. Norman liebte wie Nicolas den Großen Norden, und er verkörperte all das in natura, womit Nicolas einen fiktiven Helden ausstatten würde. Als mir Nicolas von dieser Begegnung erzählte, entstand in mir sofort der Wunsch, diese als Stoff für einen Kinofilm zu verwenden.

Einerseits weil mir schon das großartige Schauspiel vorschwebte, das sich daraus ergeben würde, andererseits weil diese Liebesgeschichte zwischen einem Menschen und der Natur einfach eine möglichst große Aufmerksamkeit verdiente. Die positiven Reaktionen auf dieses außergewöhnliche Vorhaben waren von Anfang an überwältigend. Binnen weniger Wochen hatten wir den Film auf die Beine gestellt. Nur drei Besprechungen brauchte es, um die Vertreter von TF1 und dem kanadischen ONF von dem Projekt zu überzeugen, dann kam Pandora aus Deutschland hinzu, Mikado aus Italien und JMH aus der Schweiz.

Es war ein Engagement, das allen Partnern zur Herzensangelegenheit geworden war. Ohne Wenn und Aber standen alle Parteien über zwei Jahre hinter diesem nicht immer einfachen Filmvorhaben, und TF1 International war darüber hinaus sehr rührig, den noch gar nicht fertigen Film in alle Welt zu verkaufen.

Ein Film unter solchen Bedingungen (u.a. Temperaturen von -50° Celsius) erfordert die Hingabe eines Teams, das schon zu übermenschlichen Leistungen bereit sein würde. Es war erstaunlich, wie leicht es war, ein solches Team zusammenzustellen, denn Frankreich verfügt über die besten Techniker für Dokumentationen dieser Art ? gleich ob fürs Kino oder fürs Fernsehen. Hier ist die Stelle, dass ich vor Ihnen und dem irrsinnigen Schneid, den sie unter Beweis gestellt haben, meinen Hut ziehe. - Jean-Pierre Bailly

Szenenfoto
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