Wo der Himmel die Erde berührt

Produktionsnotizen

Die souveräne kirgisische Republik, die wir besuchten, liegt an der Grenze von China, Tadschikistan, Kasachstan und Usbekistan und wurde am 31. August 1991 gegründet. Es ist das Land der Sonne und der schneebedeckten Berge mit Wildbächen in tiefen Schluchten und wunderschönen Bergseen. Die insgesamt knapp 4,5 Millionen Einwohner setzen sich aus über achtzig ethnischen Gruppen zusammen.

Nach einer endlosen, strapaziösen Autofahrt durch sechs Länder, 8000 Kilometer weit, nach 50 Polizei- und 8 Grenzkontrollen sowie 2 Begegnungen mit der russischen Mafia waren wir reif für eine gute russische Banja. Nun konnte unser Dreh beginnen. Die erste Station war ein kanadisches Bergbauunternehmen im Hochgebirge. Auf der Suche nach Gold sprengt man hier, in 4000 Metern Höhe, einen Berg und einen Gletscher weg. Der Kontrast zwischen der Zerstörung einer vollkommen intakten Natur und einer lebendigen Nomadentradition wurde das Hauptthema unseres Films.

Die Hauptfigur ist eine alte Frau, die in 3200 Metern allein mit ihren Schafen lebt. Als zweite Figur fanden wir einen Sänger, der das größte Epos der Welt, ein Weltkulturerbe, in einem Sprechgesang vorträgt. Das ?Manas? - Epos beschreibt die kirgisische Nomadenkultur und ihren Umgang mit der Natur und den Kampf mit den verfeindeten Chinesen.

Der Höhepunkt unserer Aufnahmen war das traditionelle kirgisische Reiterspiel Ulak-Tartisch mit 300 Gästen auf einer Hochebene von 3200 Metern. Das besondere daran war, dass die kirgisischen Reiter das Fest nicht nur als sportliches Ereignis betreiben. Ab einem gewissen Zeitpunkt waren einige Reiter betrunken und schlugen wahllos aufeinander ein. Außerdem brachen bei diesem Spiel alte Rivalitäten zwischen zwei Dörfern auf und es gab Krawalle, die sich erst nach zwei Stunden auflösten.

Ein anschließendes Essen brachte Entspannung. Wir hatten die ganze Zeit Angst um unseren Jeep und unser Equipement. Insgesamt waren die Dreharbeiten, bei denen man viel Geduld mitbringen muß, sehr abenteuerlich. Anfangs versuchten wir es mit Handkamera aus dem Jeep heraus. Aber wir scheiterten an den katastrophalen kirgisischen Straßen. Die Schlaglöcher waren so groß, dass uns die Kamera fast aus der Hand fiel. So mußten wir eine andere Lösung finden und bauten uns ein eigenes Hängesystem, mit dem wir die Schlaglöcher austarieren konnten.

Es hat sich gelohnt, eine der schönsten Ecken der ehemaligen Sowjetunion mit der Kamera zu erkunden und es ist kein Zufall, dass dieses Land zu den beliebtesten Kulissen osteuropäischer Filme geworden ist. Bei der Uraufführung des Films in Cannes war auch Tschingis Aitmatov anwesend, der eigens für den Film ein Gedicht geschrieben hatte.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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