The Dark

Produktionsnotizen

Die Isle of Man, auch Großbritanniens Schatzinsel genannt, bildet die Kulisse zu THE DARK. Die Insel, die zwischen Irland und der englisch/schottischen Grenze in der Irischen See liegt, weist eine Landschaft auf, die aus bewaldeten Tälern und Gebirgsschluchten, aus Heide und Moore besteht. Neben dieser idyllischen Landschaft prägt die Isle of Man auch ihre Vergangenheit. Sowohl Kelten als auch Wikinger haben diesem Ort ihren mystischen Ausdruck verliehen.

Auf der gesamten Insel sind heute noch Zeugnisse aus der Vergangenheit zu finden: Keltische Kreuze, alte Wikinger Grabstätten, mittelalterliche Festungen und Runeninschriften. Viele Orte sind sagenumwoben, so z.B. die Fairy Bridge (Feenbrücke) in der Mitte der Insel. Wer diese Brücke überquert, mußs der Überlieferung nach die Feen begrüßen, um kein Unglück auf sich zu ziehen. Diese Sagen und Legenden, gepaart mit einer beeindruckenden Landschaft, machen die Isle of Man zu einem ganz besonderen Ort. Hintergrund ANNWN Dieses walisische Wort bezeichnet die ?Nichtwelt?. Im Irischen nennt man sie Emain ablach. Es ist die jenseitige Welt, die Anderswelt. Man stellte sie sich als Ort ohne Tod und ohne Winter vor - als eine Insel, auf der die Toten Licht, Farben, Musik, Tanz, Essen und körperliche Liebe erwarten. Es gab dort einen Brunnen, der mit Wein gefüllt war und einen Wunderkessel für die Wiedergeburt und die Heilung von Krankheiten.

Bewacht wurde der Kessel von neun Jungfrauen. Angeblich versuchte König Artus den Kessel zu bekommen, wobei die meisten seiner Leute starben. Der Herr von Annwn war Arawn. Er tauschte mit Pwyll, dem Prinzen von Dyfed, für ein Jahr und einen Tag die Aufgaben und die Gestalt. Die Hundemeute von Arawn nannte man die ?keltischen Höllenhunde?. Nachts verfolgten sie fliegend menschliche Seelen.

Die Entstehungsgeschichte ?Vor etwa drei Jahren wurde mir ein Drehbuch geschickt, das auf Simon Maginns 1994 veröffentlichten Roman ?Sheep?? basierte, erinnert sich THE DARK-Produzent Jeremy Bolt, der gemeinsam mit Paul W. S. Anderson, Regisseur von ALIEN VS. PREDATOR (?Alien Vs. Predator?, 2004), die Produktionsfirma Impact Pictures leitet. ?Die Geschichte spielt in einer abgelegenen Gegend in Wales, und ich war davon sehr angetan.

Denn ich hatte das Gefühl, schon lange keinen mystischen Geisterfilm in einer ländlichen Umgebung gesehen zu haben. Dabei bin ich ein großer Fan von THE WICKER MAN (?The Wicker Man?, 1973) und STRAW DOGS (?Straw Dogs?, 1971). Wie in diesen Genre-Klassikern lebt auch das Tamasy?s Drehbuch von hervorragenden Figuren und einem tiefem Gefühl, verlassen und aufgeliefert zu sein. Darüber hinaus wirft seine Vorlage einen interessanten Blick auf diesen alten Glauben, wodurch sich einzigartige Plotwendungen entwickeln.?

Während Bolt die Fortsetzung RESIDENT EVIL ? APOCALYPSE (?Resident Evil ? Apocalypse?, 2004) in Toronto produzierte, traf er sich mit dem kanadischen Autor und Regisseur John Fawcett, der mit GINGER SNAPS ? DAS BIEST IN DIR (?Ginger Snaps?, 2000) bereits einen enormen Genre-Hit verbuchen konnte. Seine Wiederbelebung des Werwolf-Motivs war weltweit so erfolgreich, dass Fawcett als Executive Producer die Fortsetzungen GINGER SNAPS: UNLEASHED (?Ginger Snaps: Unleashed?, 2004) und GINGER SNAPS BACK: THE BEGINNING (?Ginger Snaps Back ? The Beginning?, 2004) realisierte.

Bolt weiter: ?Ich mochte GINGER SNAPS ? DAS BIEST IN DIR (?Ginger Snaps?, 2000) und die Respektlosigkeit, die John gegenüber dem Horrorfilm zeigte. Er kennt die Regeln des Genres so gut, dass er sie auf intelligente Weise unterwandern kann. Da wusste ich, er ist für THE DARK der perfekte Regisseur. Also gab ich ihm das Drehbuch, um seine Meinung zu hören.?

Es war einer dieser merkwürdigen Zufälle im Filmgeschäft, dass Fawcett das Buch schon längst gelesen hatte. ?Paul Tamasy und ich teilen uns den gleichen Agenten?, so Fawcett. ?Als mich Jeremy kontaktierte, wusste ich bereits alles. Zu meinen bevorzugten Thrillern gehören Psycho- und Spukgeschichten, Überhaupt wollte ich schon immer mal selbst einen machen, der so richtig unter die Haut geht. THE DARK hat diese mysteriöse Komponente, die mir vorschwebte.

Was geht hier vor? Warum passiert es? Wo ist das vermisste Mädchen? Ebenso lebt die Geschichte von einer starken Mutter-Tochter-Beziehung, die mit Ängsten verknüpft ist, zu denen neben eingefleischten Genre-Enthusiasten vor allem Frauen Zugang finden dürften. Das ist eine reizvolle Ausgangssituation für eine ungewöhnliche Geistergeschichte.? Gemeinsam mit seinem Co-Autor Stephen Massicotte, mit dem er schon das Drehbuch zu GINGER SNAPS BACK: THE BEGINNING (2004) verfasste, nahm sich Fawcett noch einmal Simon Maginns Originalroman vor, um sich weitere Inspirationen zu holen.

E r fasst zusammen: ?In dem Buch geht es um eine Familie in einer Krisensituation, um das metaphysische Böse auf dem Lande, um einen heidnischen Kult, der ein Massenmord zur Folge hat, weil der Sektenführer seinen Gefolgsleuten verspricht, sie würden nach dem Tod an einen besseren Ort gelangen, und es geht um Wiedergeburt, also um das Konzept ein Leben im Austausch für ein anderes. Nur wer sich selbst opfert, kann einen Toten zurückholen. Stephen und ich fügten die walisische Folklore hinzu, um ein möglichst authentisches und gruseliges Gefühl heraufzubeschwören.?

?John und Stephen haben den Kult und den walisischen Mythos zu Schlüsselelementen gemacht?, bemerkt Bolt. ?Die Familie lebt in einem Farmhaus auf einer Felsklippe, das einst dem Hirten Rowan gehörte. Er war der Anführer einer Schar religiöser Menschen, die an die Legende von Annywn (ausgesprochen: Anoon) glaubten. Annywn war die heidnische Version von Himmel und Hölle, abhängig davon, ob man glaubte, ein guter oder böser Mensch zu sein. In unserer Geschichte erzwang Rowan in den Fünfzigerjahren einen Massenselbstmord, um seine Tochter Ebrill (ausgesprochen: Ebrith) von den Toten auferstehen zu lassen.

Leider kehrte sie mit einer dunklen Gabe zurück, und um sie davon zu befreien, wandte er ein Verfahren an, das als Trepanation (Schädelöffnung) bezeichnet wird. Ein medizinischer Vorgang, bei dem der Schädel aufgebohrt oder aufgeschnitten wird, um den Druck auf das Gehirn zu lösen. In Wales fanden solche Rituale tatsächlich statt, aber sie gingen nie so weit wie bei den tragischen Ereignissen am Strumble Head Monument, auf die in THE DARK hauptsächlich Bezug genommen wird.?

Der walisische Mythos von Annywn wurde nach der keltischen Legende benannt, in der von einem Reich die Rede ist, wo nichts den Zwängen von Zeit und Raum unterliegt und alles möglich ist. Es ist der Ursprung der keltischen Weisheit und der Ort, wo große Heldentaten vollbracht werden können. Die Insular Brythonic-Mythologie besagt, dass Annywn eine Religion der Unterwelt war, die von Arawn oder (viel später) von Gwynn ap Nudd beherrscht wurde. Gemäß der Legende hat Gott die Kontrolle über die Dämonen an Gwynn abgegeben, damit diese nicht ?die Welt zerstören?.

Es heißt, Annwyn läge so weit im Westen, dass nicht mal Manawyddan ap Llyr, der See- und Wettergott, es finden konnte. Nur wer sich selbst ertränke, könne nach Annywn gelangen. Später wurde gesagt, dass nur jene, die noch in der Gegend um Lundy Island und Glastonbury Tor wohnen, Annywn betreten dürften. In dem Buch ?Taleisin? wird das Gedicht ?The Spoils of Annywn? aus dem 10. Jahrhundert erwähnt. Es handelt von König Arthur und seinen Rittern, die auf der Suche nach einem magischen Kessel, der im Besitz von neun Frauen ist, durch Annywn reisen. Nur sieben Ritter überlebten.

Diese Fabel lässt sich als Vorläufer späterer Geschichten um König Arthur, die Runde der Tafelritter und den Heiligen Gral ausmachen. Die neun Jungfrauen beziehen sich auf die neun Priesterinnen der keltischen Antike. Geoffrey of Monmouth, der auf Isle of Apples oder in Avalon lebte, erzählt in seinem Gedicht ?Vita Merlini? Geschichten von Morgan le Fay und acht weiteren Priesterinnen. Deshalb wurde Avalon oft als Annywn identifiziert, weil es sich um eine stilistische Anglisierung des Wortes handelt.

John Fawcett meinte dazu ?Ich mag die tiefgründige Struktur, die mit der walisischen Legende in unsere Geschichte eingeflossen ist. Dieser außergewöhnliche Ort kann gleichzeitig als zwei existieren, die sich wesentlich voneinander unterscheiden und sich jeweils über den anderen legen, obwohl Aussehen und Atmosphäre doch so komplett verschieden sind. Für mich war es ein völlig neuer Weg, Geister mit einem anderen Blick zu sehen. In herkömmlichen Gespenstergeschichten geht es stets um Geistergestalten, die in Häusern spuken.

Häuser, die in der realen Welt existieren. Aber sieht ein Geist das Ganze auf die gleiche Art und Weise? In der Welt der Geister könnten die Dinge ganz anders aussehen, verschiedenartig von dem, wie sie uns Lebenden erscheinen. Die neue Interpretation finde ich sehr spannend. Du schreitest wie Adelle in THE DARK durch ein im Wasser gelegenes Portal, und plötzlich nimmst du deine Umgebung als verzerrte, gespenstische und Furcht erregende Version von dem wahr, was dir bisher vertraut war.?

Weiter: ?Als Stephen und ich das Skript ausarbeiteten, überlegten wir, wie Sarah in den Gemäuern des Farmhauses gefangen sein könnte. Wir erinnerten uns an den Film POLTERGEIST (?Poltergeist?, 1982). Da gibt es die Szene, in der die Mutter in einem Hagel von Spezialeffekten in den Wandschrank fällt und aus der Zimmerdecke wieder heraus stürzt. Nun, wir gehen direkt in den Wandschrank hinein, um zu zeigen, wie der Ort auf der anderen Seite tatsächlich aussieht.

Das ist THE DARK, denn wir waren uns einig, etwas sehr Ungewöhnliches und Unerwartetes machen zu wollen. Unsere Idee ist es, die Leute an der Nase herumzuführen. Zuerst lassen wir sie glauben, sie würden eine gewöhnliche Gespenstergeschichte sehen, bis sich offenbart, dass es gar nicht so ist.?

Neben der bewegenden Mutter-Tochter-Thematik gibt es in THE DARK etliche Szenen, in denen Schafe auftauchen. Fawcett erklärt: ?Als ich Leuten erzählte, dass ich einen Film mit gespenstischen Schafen drehe, fing jeder sofort an zu lachen. Doch wer zuletzt lacht, lacht am besten. Denn wer den Film gesehen hat, wird über Schafe nie wieder so denken wie vorher.

Es sind wirklich unheimliche Geschöpfe, die neben unseren Fünfpersonen-Ensemble die einzigen Statisten sind. Rowan, der Schäfer, benutzt den Schlachthof, wo er seinen Schafen die Schädel aufbohrt, gleichzeitig als Kirche für die Rituale mit seinen Anhängern. Das Thema schlägt also viele raffinierte Richtungen.

Wir vertrauten auf den albtraumhaften Effekt unserer Kreaturen und haben deshalb eine Szene eingebaut, in der Ebrill mit ansieht, wie sich das Gesicht ihres Vaters wie zu einem Schaf verwandelt. Es sind die völlig schwarzen Augen der Schafe, mit denen sie dich dämonisch anglotzen. Wenn sie dann auch noch räudig und dreckig werden und sich um dich gruppieren....ugh!?

?Es war sehr interessant, John und Stephen dabei zu beobachten, wie sie nach allen möglichen Tricks suchten?, erinnert sich Bolt. ?Das Schreiben des Drehbuchs war für die beiden wie eine Entdeckungsreise. Ihre Erkenntnisse arrangieren sie um die diversen Handlungsstränge, um sicher zu gehen, dass jeder Moment des Schreckens in der Story einen Sinn macht. Da die Schafe eindrucksvoller waren als wir je gedacht haben, fädelten wir einen roten Faden mit dem Schäfer und seiner Glaubensschar ein.

Noch mehr machte unsere Make-up-Abteilung daraus, als sie diese coolen schwarzen Kontaktlinsen für Ebr ill konstruierte. Die angedeuteten Szenen mit den gespaltenen Schädeln sind sicherlich die härtesten Momente im ganzen Film, aber sie sind wichtig, um die brutalen Erinnerungen zu zeigen, unter denen Ebrill leidet und vor denen sie am liebsten wegrennen würde. Der Augenblick, als sich Adelle festgeschnallt auf einem Stuhl zum Schädelaufbohren wieder findet, wirkt dadurch noch viel intensiver und schrecklicher. John versteht es, Angst und Schrecken zu verbreiten, indem er hinter den physischen Schocks zusätzlich noch einen geistigen Druck ausübt. Genau aus diesem Grund wird THE DARK nicht nur bei Genrefans Beifall finden, sondern auch das große Publikum begeistern.?

Als sich John Fawcett und Stephen Massicotte gerade mit diesen außergewöhnlichen Themen für einen unkonventionellen Genrefilm auseinandersetzten, passierte etwas Unerwartetes, das sie jedoch davon überzeugte, die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben.

Massicotte erzählt: ?Wir saßen in Toronto in einem Thai-Restaurant gegenüber von Johns Apartment, um über die finsteren Schafe zu sinnieren und ein Konzept für Annywn zu erstellen. Wir trafen außerdem eine Entscheidung über den Twist am Ende und wie man entsprechende Stellen in die Story setzt, damit der Überraschungseffekt funktioniert. In dem Moment, als wir uns sagten, jetzt haben wir?s, gingen alle Lichter aus. Nicht nur in Toronto, sondern entlang der ganzen Ostküste - inklusive New York, wie wir später erfahren haben.

Jeder versuchte in dem Chaos nach Hause zu kommen. Just in dem Moment, als wir alle Zweifel für THE DARK aus dem Weg geräumt haben, wurden wir plötzlich von einem der schlimmsten Blackouts in der Geschichte selbst ins Dunkel gesetzt. Ich will nicht sagen, dass ich an ein Omen glaubte, aber dieses schicksalhafte Ereignis wollte uns anscheinend sagen, dass wir auf dem richtigen Pfad sind.?

Das Casting ?THE DARK war von Anfang an als ein Fünf-Personen-Stück gedacht?, erläutert Regisseur John Fawcett. ?Ich fand es wichtig, dass die klaustrophobische Geschichte in sich abgeschlossen ist, und um das zu erreichen, brauchten wir eine Kerngruppe mit starken Charakteren. Alles spielt sich in dieser entlegenden Landschaft ab. Ich mochte die Idee, dass die Figuren keine Chance haben, einfach mal in die Telefonzelle zu gehen, um Hilfe herbeizurufen. Daher brauchten wir großartige Schauspieler, denen man jeden Schritt abnimmt, um nicht den geringsten Zweifel aufkommen zu lassen.?

Produzent Jeremy Bolt wusste sofort, welche Schauspielerin er für die Rolle der Adelle haben wollte: ?Da gab es in meinen Kopf nur eine, und das war Maria Bello. Sie ist schon eine ganze Weile dabei und Filme wie THE COOLER (?The Cooler?, 2004) brachten ihr die Bewunderung und Anerkennung der Kritiker ein. Mit ASSAULT ON PRECINCT 13 (?Assault on Precinct 13?, 2004) hat sie es bis an die Grenze zum Superstar geschafft. Ich wusste, dass sie alles geben würde, um Adelle glaubhaft zu spielen. In THE DARK zeigt Maria neue schauspielerische Facetten - ähnlich wie Nicole Kidman in THE OTHERS (?The Others?, 2001).?

John Fawcett stimmt dem zu: ?Maria war ganz klar die richtige Schauspielerin für die richtige Rolle zur richtigen Zeit. In dem Moment, als wir sie trafen, war uns bewusst, wir haben die perfekte Adelle. Als Maria das Drehbuch gelesen hatte, war ihre Begeisterung fast grenzenlos und sie vertrat sofort ihren Standpunkt zur Rolle. Sie machte uns klar, dass sie sich eine enge Zusammenarbeit wünschte, was für mich völlig in Ordnung war. Marias wichtigste Eigenschaft ist ihre Wirklichkeitstreue. In ihrer totalen Überzeugung kniete sie sich in THE DARK, weil sie praktisch in jeder Szene zu sehen ist. Sie hat fantastische Arbeit geleistet, um Adelles Dilemma mit dem nötigen Einfühlungsvermögen herüberzubringen.?

?Ich mochte schon immer Genrefilme?, erklärt Maria Bello, die schon an der Seite von Johnny Depp in dem Stephen King-Schocker DAS GEHEIME FENSTER (?Secret Window?, 2004) zu sehen war. Die Seriendarstellerin aus ?Emergency Room ? Die Notaufnahme? (?ER?) erzählt weiter: ?Zu meinen Lieblingsfilmen gehören ROSEMARIES BABY (?Rosemary?s Baby?, 1968) und DAS OMEN (?The Omen?, 1976), weil sie dich geistig herausfordern. In diesen übersinnlichen Thrillern wird nicht nur Blut gezeigt, sie haben auch etwas zu sagen.

Als ich das Drehbuch las, merkte ich, dass es nicht nur provoziert, sondern auch dramatische Familienmomente beleuchtet. Ich wollte diesen Film vor allem machen, weil mich der starke emotionale Bogen meiner Figur reizte. Also machte ich meine Hausaufgaben und sah mir sofort GINGER SNAPS ? DAS BIEST IN DIR (?Ginger Snaps?, 2000) an. Ich mochte Johns Herangehensweise an das Werwolf-Thema.

Er hat bestimmt Tausende von Genre-Filmen gesehen und versteht es, wie man die Kamera bewegt und das Licht setzt, um alles gruseliger zu machen. Dabei fällt er jedoch nie in die Klischee-Kiste. Ich hatte außerdem noch nie einen Film in London gedreht ? die Gelegenheit hatte sich bis dato nie ergeben -, und da ich diese Stadt liebe, konnte ich es gar nicht abwarten, für diesen Film zu unterschreiben.?

?Ich bin auch eine Mutter?, betont sie und verweist damit auf ihren fünfjährigen Sohn Jackson Blue. ?Ich kenne die Gefühle von Liebe, Schuld, Verpflichtung und Verantwortung. Das sind ganz tiefe Emotionen, die erst hochkommen, wenn du ein Kind hast. Auch in Adelle steckt die Kraft einer Mutter. Ich glaube, viele Frauen werden das genauso empfinden, wenn sie in THE DARK gehen - und das hat man selten in einem Thriller.

Einerseits will Adelle eine gute Mutter sein, andererseits will sie ihre Unabhängigkeit bewahren. Das macht ihr zu schaffen. Der Punkt ist, dass sie in THE DARK über sich selbst hinaus wächst und endlich die Mutter wird, die sie immer sein wollte. Erst durch die schrecklichen Ereignisse findet sie sowohl den Mut als auch die Wut, die eine starke Mutter ausmacht. Solche Dinge zu spielen, war sehr aufregend.?

?Der Verlust eines Kindes mußs so entsetzlich sein, dass ich es mir lieber nicht vorstellen möchte?, fügt sie hinzu. ?Aber ich denke, ich hätte Adelle nie darstellen können, wenn ich nicht selbst Mutter eines Kindes wäre. Es ist also eine Angst, die ich wirklich nachvollziehen konnte. Ich habe mit SILVER CITY (?Silver City?, 2004), DAS GEHEIME FENSTER (?The Secret Window?, 2004), THE SISTERS (?The Sisters?, 2005) und ASSAULT ON PRECINT 13 (?Assault on Precint 13?, 2005) vier Filme hintereinander gedreht und täglich 15 Stunden gearbeitet.

Es war äußerst anstrengend, Zeit für meinen Sohn zu finden und auch noch ehrlich zu mir und meiner Arbeit zu sein. Adelle versucht, eine gute Mutter zu sein, erkennt aber ihre Grenzen. Diesen Teil der Geschichte konnte ich sehr gut nachvollziehen. Zur Vorbereitung auf die Rolle diskutierte ich mit Freunden, von denen ich wusste, dass sie Töchter im Teenageralter haben. Alle sagten, Mädchen in diesem Alter sind der Albtraum. Die ganze Zeit hätte man das Gefühl, über Eierschalen gehen zu müssen.

Das habe ich für das schwierige Verhältnis zwischen Adelle und Sarah in meiner Rolle berücksichtigt . Adelle ist sich unsicher, wie sie mit Sarah reden und an sie herankommen kann. Die Rückblende zu einem Streit in New York vor ihrer Ankunft in Wales unterstreicht, wie schwer es Adelle fällt, zu ihrer Tochter Kontakt aufzunehmen. Adelle ist unklar, ob Sarah weiß, wie sehr sie ihre Tochter liebt. Sie will es beweisen, und darum geht es in THE DARK.

Maria Bello gibt zu, dass Adelle eine ihrer schwierigsten Rollen war. ?Adelle stößt an ihre Grenzen. Jeden Tag mußste ich hysterisch schreien, weinen und zusammenbrechen. Das war für mich eine anstrengende und emotional aufreibende Erfahrung. Mit John tauschte ich ständig Ideen aus, was sehr bemerkenswert war. Wenn ich ehrlich bin, ist mir die Zusammenarbeit für meine schauspielerische Vorgehensweise sehr wichtig.

Ich denke bestimmt nicht, alle Antworten zu kennen, wenn es um das Drehbuch und meine Figur geht, aber nur die Dialoge abzulesen, würde mich langweilen. Ich möchte an dem kreativen Prozess beteiligt sein, nur so behalte ich mein Interesse. John ist offen genug und erwartet, dass jeder sein Bestes gibt und eigene Ideen miteinbringt. Für mich war THE DARK eine erfreuliche, lohnenswerte und anspornende Arbeit.?

Für die Rolle des James, Adelles getrennt lebender Ehemann, wollte Produzent Jeremy Bolt einen Schauspieler, den man nicht sofort mit diesem Genre in Verbindung bringt. Die Erwartungen waren also hoch. ?James ist ein starker, aber auch ruhiger Typ, der sich um seine Tochter sorgt.

Sean Bean, der mit Kinohits wie DER HERR DER RINGE (?Lord of the Rings?, 2001-2003) und TROJA (?Troy?, 2004) eine richtige Serie von Erfolgen schaffte, war für uns ein echter Glückstreffer. Sean hat eine starke Wirkung auf Frauen, die ihn entweder heiraten wollen oder gern seine Tochter wären. Also war er die perfekte Ergänzung zu der natürlichen Lebendigkeit, mit der Maria ihre Rolle ausfüllt.?

?Im Originaldrehbuch war die Rolle von James noch recht klein?, erklärt Fawcett. ?Aber sie gewann an Bedeutung, nachdem Stephen Massicotte und ich dem Buch den letzten Schliff gaben. Ebrill, die so lange unter einem brutalen Fanatiker leiden mußste, wünscht sich nichts sehnlicher als einen guten Vater zu haben. Durch Sarah erfährt Ebrill von der Gutherzigkeit, die in James steckt. Deshalb plant sie ihre Rückkehr aus THE DARK.

So wie sich die Geschichte zuspitzt, haben James und Sarah, aber auch James und Ebrill, die nach Sarahs Verschwinden bis zu einem gewissen Punkt die Leere ausfüllen kann, eine kritische Beziehung. Deshalb war uns schon beim Schreiben des Drehbuchs bewusst, wir brauchen den freundlichsten und liebenswertesten Vater, den man sich vorstellen kann ? und das ist ohne jede Frage Sean Bean.?

?Ich wollte mal wieder einen Film in Großbritannien machen?, erzählt Sean Bean. ?Als ich das Drehbuch zu THE DARK las, sprach mich die Extravaganz der Geschichte regelrecht an. Ich brauchte zwei Ansätze, um das Drehbuch zu Ende zu lesen. Es war so gruselig, dass ich mich nicht traute, es in der Nacht weiter zu lesen. Dann nahm ich mir das Buch immer wieder vor. Es ist eine großartige Arbeit, weil man die Paranoia und den Kummer über den tragischen Verlust tief nachempfinden kann. Das Skript hat gute Dialoge, eine straffe Handlungslinie sowie gut gezeichnete und profunde Charaktere. Es regt die eigene Fantasie an. All das sind Voraussetzungen für einen hervorragenden und spannenden Gruselthriller.?

?James ist ein freier Geist, ein Bildhauer und Maler, künstlerisch also sehr begabt?, beschreibt Bean seine Figur. ?Er mag es, allein auf dem Lande zu leben. Nur so findet er Inspiration. Er hat seine Familie verlassen, um ein neues Leben zu beginnen. Weit weg von den Stimmungsschwankungen seiner Frau versucht er, seinen Platz auf dieser Welt zu finden. Er hat sich in seinem neuen Zuhause bereits niedergelassen, als plötzlich Adelle mit der gemeinsamen Tochter vor der Tür steht.

Sarah hat eine stärkere Bindung zu ihrem Vater als zu ihrer Mutter, was für Adelle ein großes Problem ist und zu einem fundamentalen Konflikt führt. Als Sarah vermisst wird, ist James derjenige, der die Situation im Griff zu haben scheint und stets versucht, Adelle zu beruhigen. Sie ist überzeugt, dass Ebrill der Schlüssel ist, um Sarah zurückzuholen. Obwohl James das zunächst anders sieht, häufen sich die Beweise, dass das, was seine Frau behauptet, wahr sein könnte.?

?Es ist eine schöne Abwechslung, mal einen ganz normalen und anständigen Kerl zu spielen?, lächelt Bean. ?Mit meinen Heldenrollen habe ich bisher einen guten Schnitt gemacht. Natürlich ist es eine Offenbarung, John bei der Arbeit zusehen zu dürfen. Man kann richtig sehen, wie es in seinem Kopf rumort, um die Tricks so zu gestalten, damit Furcht entsteht. Allerdings habe ich nicht erwartet, schon beim Drehen von THE DARK dermaßen gebannt und gefesselt zu sein. John hat eine angeborene Fähigkeit, unheimliche Bilder einzufangen und eine beunruhigende Atmosphäre zu schaffen, während man seine Dialoge spricht. Unglaublich!?

Er erzählt weiter: ?Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mit Maria Bello zu arbeiten. Genauso wie ich, hatte auch sie ungeheuren Spaß, bis an die Substanz des Skripts zu gehen. Es war eine schöne Zusammenarbeit und wir sind gut miteinander ausgekommen, was einem den Job viel angenehmer macht. Ich mußs gestehen, dass mir unsere Schlafzimmer-Szene sehr gefallen hat! Sie entspricht der Wahrheit von Adelle und James schwieriger Beziehung. Das macht die bizarren Ereignisse umso furchtbarer.?

Maria Bello gibt das Kompliment zurück: ?Ich bin schon seit Ewigkeiten ein großer Fan von Sean?, gesteht sie. ?Als Boromir in DER HERR DER RINGE (?The Lord of the Rings?, 2001-2003) war er großartig. Als Schauspieler ist er generös, gelassen und immer bei der Sache. Er brachte für Rolle des James das richtige Taktgefühl mit und ist darüber hinaus auch noch sehr attraktiv.

Nach THE DARK habe ich für David Cronenbergs für A HISTORY OF VIOLENCE (?A History of Violence?, 2005) vor der Kamera gestanden, und Viggo Mortensen war mein Co-Star. Das nennt man Glück: Zuerst spielte ich an der Seite von Sean Bean, der für jede Frau ein Traummann ist, und dann bekam ich an meine Seite noch einen weiteren Pfundskerl aus HERR DER RINGE (?Lord of the Rings?, 2001-2003)!?

Für die herausfordernden Rollen von Sarah, James und Adelles Tochter im Teenageralter und Ebrill, die Tochter des Schäfers, die aus Annwyn zurückkehrt, brauchte Regisseur John Fawcett ?zwei Mädchen, wovon eine einen amerikanischen und die andere einen walisischen Akzent haben sollte. Beide mußsten in etwa gleich alt sein, wegen der subtilen Tricks, die ich anwenden wollte. Damit sich beide zum Verwechseln ähnlich sehen, sollten sie auch noch die gleiche Größe und die gleichen Haare haben.? Nachdrücklich fügt er hinzu: ?Ganz ehrlich, es war das härteste Casting, das ich jemals erlebt habe.?

Für die Besetzung der Sarah warf Fawcett ein weites Netz über die Grenzen von Los Angeles, New York, Vancouver und Toronto, bevor er sich endlich für eine britische Schauspielerin entschied. Sophie Stuckey absolvierte bereits in dem Psychothriller BLUTMOND ? DAS LETZTE KIND (?Doctor Sleep/Close Your Eyes?, 2002) einen Auftritt. ?An der Anna Scher Theatre School in London, Islington, besuchte ich zweimal in der Woche den Kurs Drama?, erklärt Stuckey.

?Das Theater übernahm die Aufgaben eines Agenten, und so wurde ich für das Vorsprechen zu THE DARK angemeldet. Nach drei Terminen bekamen meine Eltern das Drehbuch zum Lesen, um sicher zu gehen, ob es für mich geeignet ist. Zu meiner großen Freude wurde mir die Rolle schließlich angeboten. Zwar war sich meine Mutter nicht ganz sicher mit den Szenen, wo ich auf den Klippen herumzulaufen hatte, aber ich konnte es gar nicht abwarten, diese endlich zu drehen. Ich mag das Filmen an Schauplätzen viel lieber als im Studio.?

Sie erzählt weiter: ?Ich hatte einen Coach für die Dialoge, die ich mit amerikanischen Akzent sprechen sollte, doch Maria half mir auch. Ich habe die Arbeit mit ihr geliebt und mochte sie so sehr, dass es mir richtig schwer fiel, ihr immer wieder meinen Hass entgegenbringen zu müssen. In einer Szene mußste sie mich schlagen, aber wir beide mußsten dabei so doll lachen, dass es nicht mehr ging. Eigentlich grusele ich mich vor spannenden Thrillern und Geisterwelten, mehr Spaß macht es, sie zu machen.?

Eine ihrer unangenehmsten Momente war das Einsetzen der Kontaktlinsen in ihre Augen. Sie erklärt: ?Leider bedeutete das Tragen der Linsen, nichts mehr sehen zu können. Ich sollte ins Bild treten, direkt in die Kamera sprechen, Adelle ins Gesicht schlagen, mich umdrehen, zum Schrank gehen, etwas herausnehmen und wieder zurückgehen - und das alles komplett blind. John hatte an den Studioboden Holzstangen befestigen lassen, an denen ich mit meinen Füßen anstoßen konnte. Sie dienten mir sozusagen als Richtungslinie. Es war eine unglaublich schwierige Szene, und ich brauchte dafür mehrere Takes. Es war meine größte Herausforderung im Film, schlimmer als die Unterwasserszene, in der ich ertrinke.?

Für die Rolle der Ebrill wählte John Fawcett Newcomerin Abigail Stone aus, weil ?ich eine Waliserin brauchte, um maximale Authentizität zu erreichen. Für das richtige Mädchen, luden wir in ganz Wales Schülerinnen zum Vorsprechen ein. Ich suchte nach einem unerfahrenden Mädchen, um das Publikum glauben zu lassen, sie wäre aus einer anderen Welt wiedergeboren worden. Abigail war absolut natürlich, und mit ihrem eigentümlichen und ätherischen Aussehen gab sie einem nicht das Gefühl von Schauspielerei. In vielerlei Hinsicht war es eine riskante Entscheidung, die Rolle mit einer Amateurin zu besetzen, aber es hat letztendlich doch unheimlich gut funktioniert.?

?Sie kamen in meine Schule, weil sie jemanden mit einem bestimmten Aussehen suchten?, erinnert sich Abigail Stone. ?Sieben von uns gingen zum Vorsprechen, sechs von uns schafften es bis zu nächsten Etappe, und so ging es immer weiter, bis sie mich auswählten. Davor bin ich nur in Schulaufführungen aufgetreten, deshalb ist es schon komisch, jetzt bei so einem großen Film mit berühmten Stars dabei zu sein. Obwohl es sehr schwer gewesen ist, die walisischen Phrasen zu lernen und richtig auszusprechen. John brachte jedoch viel Verständnis auf, denn ich war ja noch neu im Filmgeschäft. Den meisten Spaß hatte ich im Swimmingpool, wo mir für die Unterwasser-Sequenzen die Grundregeln des Tauchens beigebracht wurden.?

Charakterdarsteller Maurice Roëves, ein bekanntes Gesicht aus dem britischen Fernsehen, rundet die Besetzung ab. ?THE DARK ist das erste Drehbuch, das mir beim Lesen wirklich Angst bereitete?, bemerkt Roëves.

?Eine Woche, nachdem ich es beiseite gelegt hatte, wurde ich immer noch von Alpträume geplagt. Es geht ja nicht um übernatürlichen Thrill im klassischen Sinne, und darin sehe ich die Stärke in der Story, die sich an keltische Legenden und Seelenwanderung wagt. Natürlich spielen die Schafe auch eine wichtige Rolle. Nach Szenen mit über hundert Schafen kann ich nur sagen, dass diese Tiere wirklich gespenstisch sind. THE DARK wird diesen Kreaturen bestimmt das antun, was Alfred Hitchcocks DIE VÖGEL (?The Birds?, 1963) unseren gefiederten Freunden angetan hat.?

?Ich spiele Daffyd, einen Farmer, der alles kann. Er ahnt, was mit Adelle und Sarah geschehen ist. Ihm passierte vor 50 Jahren genau das Gleiche?, führt Roëves weiter aus. ?Ich bin der stille Beobachter und davon überzeugt, dass Adelle auf dem Weg der Selbstzerstörung ist. Aber Daffyd weiß nicht, ob er stark genug ist, sich mit seinen eigenen Ängsten zu konfrontieren, um Adelle zu warnen, selbst in THE DARK gefangen zu werden. Ich habe meine Figur richtig gern, weil Daffyd ein Fan von Elvis Presley ist und versucht, genauso cool zu sein wie James Dean in den Filmen aus den Fünfzigern.

Ich habe eine Szene, in der ich James Deans Unterschrift aus seinem letzten Film GIGANTEN (?Giant?, 1955) nachahme. Dann habe ich noch einen Hund namens Elvis, der um seinen Hals anstatt eines Hundehalsbandes ein kleines Halstuch trägt. Ständig kommt Daffyd mit seltsamen amerikanischen Phrasen wie ?Peachy keen, jelly bean? um die Ecke. Daffyd ist in der Ära des Rock ?n? Rolls hängen geblieben und versucht lieber, wie ein amerikanischer Cowboy zu wirken als wie ein walisischer Farmer. Aus diesen exzentrischen Gründen war es wunderbar, diese Rolle zu spielen."

?Neben dem Gruselfaktor war es das mentale Ineinandergreifen der Figuren, warum wir diese ausgezeichneten Schauspieler für THE DARK gebraucht haben?, bestätigt Jeremy Bolt. ?Wenn man sich um die Hauptdarsteller sorgt, wird die Story um ein Vielfaches gruseliger. Werden sie verletzt? Werden sie sterben? Was erwartet sie in THE DARK? Unsere Schauspieler verfügen über das Talent, die Antworten mit massiven Stößen zu geben. Gekoppelt mit Johns Fähigkeit, eine dramatische Szene aufzubauen, die das Publikum gleichzeitig emotional ergreift und beunruhigt, wird das Genre des übersinnlichen Gruselthrillers durch THE DARK auf eine völlig neue und bahnbrechende Stufe hochgesetzt.?

Die Produktion Die achtwöchigen Dreharbeiten zu THE DARK begannen am 21. Juni 2004. Die erste Klappe fiel auf der Isle of Man, gefolgt von Innenaufnahmen in Londons berühmten Ealing Studios. Weitere Außendrehs fanden in Devon und auf dem Luton Hoo Anwesen außerhalb der Hauptstadt statt. ?Wir drehten auf der Isle of Man, weil es dort wie in Wales aussieht?, deutet Produzent Jeremy Bolt an. ?Es ist dort sehr gespenstisch, und durch Steuerbefreiungen konnten wir Kosten sparen.?

?Kein anderer Ort auf dem Land hat in Großbritannien diese verschleierte und unheimliche Atmosphäre?, meint Regisseur John Fawcett. ?Die Natur, die wir in den Mittelpunkt setzen, hat einen eigenen Charakter. Da ist irgendetwas mit den Klippen, den Mooren und dem Meer in Großbritannien, die eine unbeschreiblich gespenstische Stimmung erzeugen.

Nirgendwo anders lässt sich das herstellen. Sicherlich stimmt es, dass ich als Ausländer viel mehr als ein Einheimischer das ?Britische? in der Story herausfiltern konnte. Man mußs sich einfach vorstellen, in einem altertümlichen Land zu sein, wo alte Religionen überlebt haben. Dort waren wir schon halbwegs angelangt, als wir uns für THE DARK Großbritannien aussuchten.?

Für den Look von THE DARK wünschte sich Fawcett ?eine düstere aber nicht zu gestylte Atmosphäre. Wichtig war, den Look so natürlich wie möglich aussehen zu lassen. Dadurch konnten wir in den Momenten, wo wir in THE DARK eindringen, eine stärkere Gegenwirkun erzielen. Ich sagte zu meinem Kameramann Christian Sebaldt, nur weil es in dem anderen Universum dunkel ist, heißt das noch lange nicht, mit Schatten oder Mondlichteffekten zu arbeiten. Christian sollte sich nicht an irgendwelche Regeln halten, sondern einen einzigartigen Look erfinden, den man am besten als Unterwelt beschreiben könnte.?

THE DARK ist nach RESIDENT EVIL ? APOCALYPSE (?Resident Evil: Apocalypse?, 2004) bereits der zweite Impact Picture Film, den der in Deutschland geborene Kameramann Christian Sebaldt im Auftrag von Produzent Jeremy Bolt fotografierte. ?In THE DARK gibt es drei unterschiedliche Looks?, fasst Sebaldt zusammen.

?Während der Vorproduktion verbrachte ich die meiste Zeit damit, jeden Look ganz genau und perfekt zu bestimmen. Ich machte Standfotos und jagte sie durch das Photoshop-Programm meines Computers, um feststellen zu können, welche Effekte wir für die jeweiligen Looks brauchten. Der Film beginnt mit einer Rückblende in die Fünfzigerjahre, als die Gemeindemitglieder des Schäfers von den Klippen ins Meer springen.

Ich habe sowohl diesen Szenen als auch den Sequenzen im Schlachthof einen monochromen Touch gegeben und diese zusätzlich aus der Froschperspektive gefilmt. Sie sollten irgendwie poetisch und mysteriös aussehen. Deshalb haben wir die Gemeindemitglieder, die ins Wasser fallen, unterhalb der Wellen aufgenommen.?

Er führt weiter aus: ?Dann erreichen Adelle und Sarah das Farmhaus auf der Felsspitze. Diese Szene beginnt zunächst mit einem heftigen Regensturm. Es scheint, als ob das Leben neu erwachen würde, mit leuchtenden, sonnigen und fröhlichen Farben, die eine eher traumhafte Stimmung hatten. Die Geschichte setzt sich fort, wenn Adelles idyllisches Szenario zusammenbricht. Die Dinge werden dann düsterer, weshalb wir im Look kühler und schroffer werden mußsten. Schließlich gibt es in THE DARK dann noch diesen seltsamen blau-grünen Farbton, um die bedrohliche Atmosphäre zu vermitteln. Diese Szenen sehen absichtlich völlig anders aus als der restliche Film.?

Am Drehort auf der Isle of Man wurde das Team vom britischen Wetter überrascht, das ohnehin nicht vorhersehbar ist. ?Ich weiß nicht, warum wir etwas anderes erwartet hatten?, lacht Sebaldt. ?Aber selbst für einen normalen englischen Sommer waren die Wetterbedingungen schrecklich. Trucks, für die es sowieso schon schwer war, an die entlegenden Orte zu kommen, blieben im Schlamm stecken.

Starker Wind machte das Filmen der Selbstmordszene der Glaubensfanatiker hoch auf den Klippen zu einer gefährlichen Angelegenheit. Wir waren gezwungen, noch mehr Sicherheitspersonal mit Unmengen von starken Sicherheitsseilen einzustellen. Unter diesen wankelmütigen Konditionen dauerte alles viel länger als erwartet. Doch es hat sich gelohnt. Wir drehten einen übersinnlichen Thriller, und durch die widrigen Umstände wurde das atmosphärische Unbehagen nur noch verstärkt.?

?Meine größte Herausforderung??, fragt sich Sebaldt. ?Das ist einfach. Es waren die Aufnahmen mit den Schafen. Ich mußste sie nur ansehen und schon lief es mir eiskalt den Rücken herunter. Besonders wenn sie mit Blut verschmiert waren und von der Make-up-Abteilung ihr superräudiges Aussehen bekamen. Es war so schwierig, eine Herde von 200 Schafen auf Anhieb das tun zu lassen, was verlangt war.

Es wurden Hunde, Pfähle, Zäune, Drähte und Leute, die sich überall versteckten, eingesetzt, um die Schafe in die gewünschten Richtungen zu leiten. Sie waren unzuverlässig, meistens aufgekratzt und nicht bereit, sich uns und unserer Ausrüstung zu nähern. Mit der Zeit ließen wir sie stehen, und plötzlich verwandelten sie sich in richtige Hollywoodschafe, die keine Angst mehr hatten, sich unter die Crew zu mischen. Noch mehr Zeit mit ihnen, und sie hätten Sonnenbrillen getragen und eigene Wohnwagen verlangt. Wir alle atmeten erleichtert auf, als sie sich endlich an uns gewöhnt hatten.?

Nicht nur Christian Sebaldt mußste für THE DARK drei verschiedene Looks erfinden. Auch Produktionsdesignerin Eve Stewart hat drei verschiedene Umgebungen kreiert, um das Grauen anzudeuten. Stewart, die ihr Handwerk am Theater erlernte und von Regisseur Mike Leigh bevorzugt für das Produktionsdesign seiner mehrfach ausgezeichneten Milieu-Dramen engagiert wird, erzählt: ?Das Design für THE DARK zu gestalten war, als wenn man für drei Filme gleichzeitig arbeiten würde. Da gibt es die Vergangenheit der Fünfzigerjahre, die ländliche Gegenwart und der andere, sich verändernde albtraumhafte Zustand, THE DARK.?

Am Schauplatz der Isle of Man erbaute Stewart einen Großteil des Farmhauses, versah es mit Rissen und Bruchstellen, ?da es sich am Rand der Klippen befindet und die vollkommene Isolation der Familie vermitteln sollte?, unterstreicht sie. ?Ich bin absolut rigoros, wenn es um den Realitätsanspruch meiner Arbeit geht. Ich hasse es, wenn bei Innenaufnahmen ganz deutlich zu sehen ist, dass die Hintergründe aus den Fenstern nur gemalt sind. Ich baute die Küche des Farmhauses direkt an die Klippen, um aus jedem Winkel einen klaren Blick auf die See zu haben. An jeder Wand baute ich zwei Fenster ein, damit jeder sehen kann, dass die Inneneinrichtungen echt sind.?

?Besonders trickreich mußste ich beim Design der Fünfzigerjahre vorgehen. Trotz des Festival of Britain im Jahre 1951 war der Zweiten Weltkrieg mit seiner Tristesse und Düsterheit präsent?, meint Stewart. ?Ländliche Gebiete waren noch rückständiger als die Städte, weil sie nicht einmal auf visuelle Weise am Geschehen teilnahmen. Glücklicherweise war ich gerade mit Mike Leighs VERA DRAKE (?Vera Drake?, 2004) fertig, der in der gleichen Zeit spielt wie der Anfang aus THE DARK. Insofern war ich mit dem, was man tun oder lassen sollte, sehr vertraut. Ich bestelle nie etwas aus der Requisite, weil die gleichen Gegenstände schon unzählige Male im Fernsehen zu sehen waren. Lieber baute ich die Dinge, die ich brauche, selbst.?

Mit Regisseur John Fawcett diskutierte Stewart ständig über das Design. ?Ich glaube an absolute Gemeinschaftsarbeit?, schwärmt sie. ?Die Dinge kommen erst in Bewegung, wenn alle auf der gleichen Seite sind. Ich habe John genügend Raum und Zeit gelassen, um über die Einrichtungen nachzudenken und zu entscheiden, was er nun will und was nicht. Wenn John eine Entscheidung trifft, dann bleibt er dabei. Er schwankt nicht oder hält an dem, was er wollte, fest. Diese positive Erfahrung mache ich recht selten. John ist außergewöhnlich entgegenkommend und freundlich.?

Der Look von THE DARK konnte dadurch erreicht werden, als sich Stewart selbst in die Seele der Figur Ebrill hineinversetzte. Sie erklärt: ?Ich dachte, man müsste Ebrills Vision von Annywn wiedergeben, und weil der Eingang zu diesem Niemandsland im Meer liegt, sollte alles nasskalt, triefend und feucht aussehen. Als wir die Schlachthof-Kirche mit Unmengen von geronnenem Blut dekorierten, dachte ich über Ebrills Erfahrungen mit den Schädelspaltungen nach. Das mußs ein Albtraum gewesen sein.

Nachdem John alle Farmhaus-Szenen im Kasten hatte und in die Ealing Studios weiterzog, war mein Team an der Reihe. Wir experimentierten und gossen überall Substanzen hin, bis wir auf Leim kamen. Dieses Zeug sieht so wunderbar seltsam, trostlos und deprimierend aus. Dazu wird es noch aus gekochten Knochen hergestellt, so dass es mir absolut angemessen schien.?

?Ich war von Eves Produktionsdesign für THE DARK schlichtweg begeistert?, schwärmt Jeremy Bolt. ?Sie hat den besonderen und zugleich vertrauten Ort so gut eingefangen, dass sich sowohl Adelle als auch der Zuschauer verloren fühlt. Genau das brauchten wir. Der Leim war eine geniale Idee, denn durch die Struktur, die er den Sets verlieh, hatte man das Gefühl von einem lebenden und atmenden Organismus.?

Für das Make-up inklusive aller Spezialeffekte war Sarah Monzani verantwortlich, die bereits Madonna für EVITA (?Evita?, 1996) wie Eva Peron aussehen ließ. ?Ich überschreite die Grenze zwischen Glamour-Make-up und Spezialeffekte?, stellt Monzani fest. ?Mit einem gruseligen Mystery-Thriller hatte ich es bisher noch nie zu tun gehabt. Ich mag vor allem den Twist am Ende, der mich an die Fernsehserie ?Unglaubliche Geschichten? (?The Twilight Zone?) erinnerte. THE DARK war für mich eine große Herausforderung mit breitem Spektrum.

Angefangen damit, eine so schöne Frau wie Maria müde und abgespannt aussehen zu lassen, nachdem ihre Fassade mitsamt ihrer Gemütsruhe zusammengebrochen ist, bis hin zur Gestaltung der mit Stichen und Narben versehenen Prothese von Abigails gespaltenen Schädelkopf. Eine andere Prothese wurde für Ricard Elwyn, dem Darsteller von Rowan, angefertigt, und zwar in der Frühphase seiner Transformation vom Mann zum Schaf.?

Sie erzählt weiter: ?Diese Traumsequenz von ?Sieh mal, was unser kleines Lamm getan hat? war eine späte Ergänzung zum Drehbuch. So arbeitet John nun mal gern. Er lässt sich Ideen durch den Kopf gehen und nimmt sich Zeit, sie im Geiste wachsen zu lassen. Er besitzt eine kreative Kraft, die wunderbar ist und uns alle ansteckte. Maria ist auch fantastisch. Ich bin sicher, ich spreche für alle Crewmitglieder, wenn ich sage, sie ist die beste Mitstreiterin, die man sich wünschen kann. Sie ist charmant, tolerant und in jeder Hinsicht zugänglich.?

Monzani mußste nicht nur für Abigail Stone schwarze Kontaktlinsen herstellen, sondern auch eine weiße Variante für die Glaubensfanatiker und Sarah. ?Die Kontaktlinsen machten sowohl Sophie Stuckey als auch die Komparsen absolut blind, weil sie nicht das gewohnte schwarze Zentrum hatten?, erinnert sich Monzani.

?Was für ein faszinierender Tag das war! Jedes Kontaktlinsenpaar mußste passen, und es dauerte 45 Minuten, die Linsen einzusetzen. Komparsen sind normalerweise sehr gesprächig, aber in dem Moment, als sie die Linsen in den Augen hatten und sich zum Warten nach draußen setzten, waren sie absolut still. Sie sagten kein Wort mehr, und alles, was sie noch sehen konnten, waren undeutliche Umrisse im Licht. Es war eine echte Lektion für mich, wie Menschen mit ungewöhnlichen und unerwarteten Konditionen zurechtkommen.?

Nichts anderes passiert in THE DARK. ?Es gibt nichts Schlimmeres als die Dunkelheit?, meint Jeremy Bolt. ?Das Sehvermögen ? uns wichtigster Sinn - wird einfach ausgeschaltet. Im Dunkeln sieht man nicht, was vor oder hinter einem liegt, und was du nicht siehst, bringt dich aus der Fassung und verunsichert dich. Dann ist da noch die unerklärliche Verbindung zwischen Gut und Böse - völlig entgegengesetzt, und doch so eng miteinander verflochten wie die Schicksale von Sarah und Ebrill.

Die Vorstellung, dass Eltern ein Kind verlieren und es nur zurückbringen können, wenn sie eine sagenumwobene Hölle betreten, ist, für mich, der ultimative Horror. Ich glaube, für viele Menschen ist das der Fall. Ihre schlimmsten Ängste werden in THE DARK zur schrecklichen Wahrheit.

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Constantin © 1994 - 2010 Dirk Jasper