Couchgeflüster - Die erste therapeutische Liebeskomödie

Produktionsnotizen

?Bringen Sie Ihr Leben gehörig durcheinander, dann merken Sie wenigstens, dass Sie leben.? Lisa

COUCHGEFLÜSTER erzählt vor dem Hintergrund der pulsierenden, bunten und lauten Metropole New York eine ebenso geistreiche wie romantische Liebesgeschichte über zwei sehr ungleiche Menschen, die manchmal auf verzweifelte, meistens aber auf unfreiwillig komische Weise versuchen, die großen Unterschiede zwischen ihnen zu überwinden.


Uma Thurman, die bereits für einen Oscar nominiert war, spielt Rafi, eine 37-jährige erfolgreiche Fotoproducerin, die gerade dabei ist, sich mit Hilfe ihrer Therapeutin von einer sehr schmerzvollen Ehescheidung zu erholen. In dieser etwas desolaten Verfassung lernt sie unverhoffter Weise David (Bryan Greenberg) kennen und sofort lieben. David, ein angehender Kunstmaler, ist allerdings erst 23 und hat soeben das College verlassen.

COUCHGEFLÜSTER geht nun der Frage nach, was passiert, wenn die Liebe auf den ersten Blick, noch dazu zwischen zwei so unterschiedlichen Menschen, auf die harte Alltagsprobe gestellt wird. Und diese Probe wird insofern umso schwieriger, als noch eine dritte Person mit im Spiel ist, nämlich Rafis Therapeutin Dr. Lisa Metzger, die Rafi in ihrer schwierigen Lage beistehen soll, sich dann aber zum großen Schrecken aller Beteiligten als Davids Mutter entpuppt.

Die nun zwischen Therapeutinnen- und Mutterrolle hin und her gerissene Lisa wird von niemand geringerem als der zweifachen Oscar-Preisträgerin Meryl Streep verkörpert. Rafi und David müssen nun nicht nur mit einem Altersunterschied von 14 Jahren, sondern auch noch mit einer extrem dominanten Mutter zurechtkommen, deren ultra-traditionelle jüdische Wertvorstellungen die Sache auch nicht gerade einfacher machen.

Ben Younger verfasste das Drehbuch zu COUCHGEFLÜSTER und führte auch Regie. Produziert wurde der Film vom Team Todd, das aus den beiden Schwestern Jennifer und Suzanne Todd besteht. COUCHGEFLÜSTER stellt nach Youngers Erstlingswerk, dem Wall-Street-Drama RI$IKO ? DER SCHNELLSTE WEG ZUM REICHTUM (Boiler Room, 2000), für das Giovanni Ribisi und Vin Diesel vor der Kamera standen, bereits die zweite Gemeinschaftsproduktion des Regisseurs und der Todd-Schwestern dar.

Zunächst erscheint Rafis und Davids aufblühende Liebesbeziehung wie das Paradies auf Erden, jeder von beiden scheint genau die Bedürfnisse des anderen zu befriedigen. ?David?, so merkt die Produzentin Jennifer Todd an, ?strebt zum ersten Mal eine seriöse, erwachsene Partnerschaft an. Dafür scheint ihm die ältere und erfahrene Rafi genau die Richtige zu sein. Rafi auf der anderen Seite sucht nach ihrer schmerzlichen Scheidung Trost, Liebe und eine jugendliche Energiespritze. Dafür scheint wiederum David geradezu prädestiniert.?

?Es ist die alte Romeo-und-Julia-Geschichte, nur dass Julia schon 37 und Romeo erst 23 ist?, kommentiert Uma Thurman sichtlich amüsiert. ?Die Frage ist nun, ob die beiden, die wirklich ineinander verliebt sind, auch im Alltag miteinander auskommen werden, oder ob sich der große Altersunterschied immer wieder trennend zwischen sie stellen wird.?

Denn obwohl Rafi und David sich leidenschaftlich lieben, müssen sie die leidvolle Erfahrung machen, dass nicht nur der enorme Altersunterschied zwischen ihnen, sondern auch ihr unterschiedlicher kulturell-religiöser Hintergrund für großen Konfliktstoff sorgen. Als jüdischer Hip-Hop-Lover und unsicherer Berufsstarter, der noch bei seinen Großeltern lebt, hat David wenig gemeinsam mit Rafi, der nichtpraktizierenden Katholikin, die aus einer reichen, aber zerrütteten Familie stammt und in der Glitzerwelt der Mode tätig ist.

Die bisweilen verzweifelten Versuche der beiden, den Graben zwischen sich zu überbrücken, wirken einerseits unglaublich komisch, gehen andererseits aber auch sehr zu Herzen. Und COUCH-GEFLÜSTER erzählt eine Liebesgeschichte, die sich so nur in New York zutragen kann.

All You Need Is Love? ?Er ist zehn Jahre jünger als ich ?er könnte mein Bruder sein!? - Rafi
?Auch wenn er nur ein Jahr jünger wäre?könnte er durchaus Ihr Bruder sein.? - Lisa

Am Drehbuch für COUCHGEFLÜSTER, das heitere und ernste Momente geschickt miteinander ausbalanciert, arbeitete Ben Younger acht Jahre lang. Die Idee zu der Geschichte hatte er bereits lange vor seinem ersten Film RI$IKO ? DER SCHNELLSTE WEG ZUM REICHTUM (Boiler Room, 2000), aber er fühlte sich lange Zeit weder in der Lage noch innerlich bereit, sie angemessen umzusetzen.

?Ich hätte das Skript damals nicht so schreiben können wie es nun vorliegt?, erklärt er. ?Diese Geschichte ist vielmehr an den Charakteren orientiert als RI$IKO, deshalb hatte ich lange Zeit großen Respekt davor, ja, ich fürchtete mich sogar ein wenig vor der Arbeit und war äußerst nervös. Erst in den letzten drei Jahren habe ich wirklich einen Zugang dazu gefunden.?

?In COUCHGEFLÜSTER?, so der Regisseur weiter, ?geht es darum, dass zwei Menschen sich zuerst heftig ineinander verlieben und erst dann die Probleme wahrnehmen, die zwischen ihnen stehen und die sie im ersten Feuer der Leidenschaft überhaupt nicht bemerkt haben. Daneben erzählt COUCHGEFLÜSTER auch die Geschichte einer 50-jährigen Mutter, die zwar fremden Leuten, nämlich ihren Patienten, mit klugen Ratschlägen behilflich sein kann, jedoch im Falle ihres eigenen Sohnes selbst ziemlich hilflos dasteht.?

Die Produzentin Jennifer Todd betrachtet COUCHGEFLÜSTER als eine Chance für Ben Younger, sein Talent als Autor und Regisseur in all seinen Facetten unter Beweis zu stellen. ?Da RI$IKO?, so Todd, ?grob gesagt, ein sehr männlicher Film war, wurden Ben in der Folgezeit ausschließlich sehr testosteronschwangere Projekte angetragen. Mit seiner Wahl für COUCHGEFLÜSTER zeigt er eine ganz andere Seite seines Charakters.?

Von Youngers Einfühlungsvermögen in die weibliche Psyche zeigt die Produzentin sich sichtlich beeindruckt. Vor allem die sensible Annäherung des erst 32-jährigen Regisseurs an die Gefühlswelt einer 37-jährigen geschiedenen Frau imponiert ihr. ?Es gibt leider eine ganze Menge Filme, die sich über Frauen in etwas fortgeschrittenem Alter auf eine unerträgliche Weise einfach nur lustig machen?, beklagt Todd.

?Wenn man als Frau die 30er-Grenze überschritten hat, wird einem automatisch unterstellt, nichts anderes mehr zu wollen, als ein Baby und einen möglichst wohlhabenden Ehemann. Ben aber zeichnet Rafi, seine Hauptfigur, als einen sehr komplexen Charakter. Rafi ist zwar sehr verletzlich, nervös und auch etwas verwirrt, aber sie ist kein lächerlicher, mitleiderregender Freak. Das finde ich sehr sympathisch.?

?Rafi stellen sich genau die Fragen, mit denen sich eine Frau ihres Alters heutzutage unweigerlich konfrontiert sieht?, meint Ben Younger. ?Möchte ich mich Hals über Kopf verlieben, oder möchte ich einen verlässlichen Partner? Möchte ich Kinder? mußs ich dazu verheiratet sein, oder brauche ich nur einen geeigneten Vater? Solche Fragen kamen den Frauen älterer Generationen gar nicht in den Sinn, da die gesellschaftliche Situation früher eine ganz andere war. Mit der Freiheit, die sich die Frauen über die Jahre erkämpft haben, sind auch neue Probleme entstanden, die vor allem das Thema der Mutterschaft betreffen.?

Wie verhält sich nun eine ebenso schöne wie intelligente Bewohnerin der Insel Manhattan? Rafi beginnt, die Möglichkeiten zu realisieren, die sich ihr nun eröffnen, und sie bricht mutig in die nächste Phase ihres Lebens auf. Die Liebe bietet ihr eine zweite Chance, also heißt es jetzt zuzugreifen.

Uma Thurman, ein bekennender Fan romantischer Komödien, war von Youngers Drehbuch sofort eingenommen. ?Als ich es zum ersten Mal las?, erinnert sie sich, ?spürte ich sofort die Intelligenz und Tiefe der Charakterzeichnung. Die Geschichte ist einerseits sehr lustig und mit äußerst trockenem Humor erzählt, andererseits ist sie aber auch sehr warm und berührend.?

?Rafi?, so Thurman weiter, ?hat gerade eine lange, unglückliche Ehe hinter sich gebracht. Sie ist traurig und etwas verwirrt und fragt sich, wie es nun weitergehen soll. Wird sie noch rechtzeitig einen Partner finden, mit dem sie Kinder haben kann und will, oder wird die biologische Uhr schon vorher abgelaufen sein??

?Diese Rolle kommt für Uma genau zur richtigen Zeit. Uma passt einfach perfekt in diese Rolle?, begeistert sich Younger. ?Es war fantastisch, ihr dabei zuzusehen, wie sie ihren Charakter zum Leben erweckt. Man fühlt Rafis Aufregung, wenn sie Dave zum ersten Mal trifft, man spürt genau ihren Schmerz, wenn sie ihrer Therapeutin ihre gegenwärtige Lebenssituation schildert.?

Meryl Streep, die im Film viele gemeinsame Szenen mit ihrer jüngeren Kollegin hat, bestätigt diesen Eindruck des Regisseurs. ?Was für eine Überraschung?, sagt sie. ?Ich hielt Uma zwar immer schon für eine talentierte Schauspielerin, wie gut sie aber tatsächlich ist, habe ich erst gemerkt, als wir uns vor der Kamera gegenübersaßen.?

Zum Schrecken sowohl der Therapeutin als auch ihrer Patientin enthüllt sich im Verlauf der Therapiesitzungen die Tatsache, dass Rafis neuer Liebhaber niemand anderes als Lisas Sohn ist. Diese Entdeckung führt zu einem schweren Konflikt zwischen den Frauen und wirft beide gehörig aus der Bahn.

?Lisa ist entsetzt darüber, dass David sich mit einer nicht-jüdischen und zudem noch wesentlich älteren Frau einlässt?, erklärt Younger. ?Gleichzeitig aber mußs sie weiter ihre professionelle Rolle der Therapeutin ausfüllen, mußs objektiv bleiben und das Wohlergehen ihrer Patientin im Auge behalten. Dieser innere, ethische Konflikt ist einerseits ein sehr ernster, andererseits entspringt daraus eine unglaubliche Komik.?

Lisa verkörpert in dieser Weise auch die Problematik in der Beziehung zwischen Rafi und David. ?Außerdem?, so ergänzt Younger, ?verhält sie sich wie eine typische jüdische Mutti, die ihren Sohn sehr eng an sich bindet und auf alles, was ihn betrifft, mit übergroßer Empfindlichkeit reagiert. Sie möchte zudem, dass David seiner Herkunft und Religion dadurch Respekt zollt, dass er irgendwann einmal eine Jüdin zur Frau nimmt.?

?Lisas Beschützerinstinkte sind sehr ausgeprägt?, meint auch Meryl Streep. ?Sie möchte ihren Liebling vor den Schwierigkeiten des Lebens bewahren, sie will verhindern, dass er es sich schwieriger macht, als es ohnehin schon ist. Dabei schießt sie sicherlich über das Ziel hinaus. Aber so sind Mütter nun mal sehr oft. Sie verfolgen die allerbesten Absichten, neigen dabei aber sehr zum Kontrollzwang.?

COUCHGEFLÜSTER erzählt eine Liebesgeschichte, die auch die Aspekte berücksichtigt, die jede Liebe unweigerlich begleiten und zuweilen beeinträchtigen können: Das Alter, kulturelle Verschiedenheit und religiöse Unterschiede. ?Der Film?, so Ben Younger, ?stellt eine einfache, aber sehr wichtige Frage: Ist Liebe allein genug? Rafi und David sind leidenschaftlich ineinander verliebt, aber sie kommen ins Straucheln, weil sie ihre gegenseitigen Bedürfnisse nicht vollends befriedigen können. Das trägt einen leichten Zug von Bitterkeit in ihre Beziehung ein. Deshalb ist COUCHGEFLÜSTER nicht nur eine romantische Komödie.?

Beide Liebenden machen im Verlauf der Geschichte eine emotionale Verwandlung durch. ?David?, so beschreibt es Bryan Greenberg, ?entwickelt sich vom Jüngling zum Mann, indem er entdeckt, was er mit seinem Leben in Zukunft anfangen will. Rafi überwindet ihre Unsicherheit und emanzipiert sich zu einer selbstbewussten, erwachsenen Frau.?

Der schwierige Spagat zwischen Mutter und Therapeutin ?Sie können jetzt sehen, dass Ihre Therapeutin auch eine total verrückte Familie hat.? - Lisa

Nichts ist komischer als die gute alte Therapiesitzung. Aus diesem Grund finden die witzigsten Szenen des Films in Lisas Behandlungszimmer statt. ?Die Therapiesitzungen markieren die Höhepunkte des Films?, findet auch die Produzentin Jennifer Todd.

?Damit diese Szenen auch tatsächlich als Höhepunkte funktionieren, wollten wir die beiden weiblichen Hauptrollen mit den besten Schauspielerinnen besetzten, die wir bekommen konnten. Und wir hatten das Glück, die allerbesten zu bekommen. Und dennoch, meine ich, ist es Ben Younger mit seinem Film gelungen, ihn genau auf der Mitte zwischen einem Hollywood-Hochglanz-Blockbuster und einer New Yorker Independent-Produktion anzusiedeln.?

?Es klingt allmählich sicherlich etwas abgeschmackt, wenn man über Meryl Streep in Superlativen spricht?, gibt Ben Younger zu. ?Aber es ist doch unglaublich beeindruckend, ihrem grandiosen Spiel zuzusehen. Was sie einem anbietet, ist vom ersten Moment an perfekt. Es ist genau auf den Punkt gebracht. Es ist genauso, wie man es sich beim Schreiben des Drehbuchs vorgestellt hat. Das, was andere Darstellerinnen erst nach ungefähr zehn Takes annähernd schaffen, liefert sie sofort ab ? und dann noch eine elaboriertere Version davon, an die man noch gar nicht zu denken wagte. Erstaunlich!?

Für Streep bot sich mit der Rolle der Dr. Lisa Metzger eine willkommene Gelegenheit, einmal wieder ihren komödiantischen Muskel zu trainieren. Nichtsdestoweniger verständigte sie sich mit ihrem Regisseur darauf, ihre Darstellung nicht konsequent auf Lacher anzulegen, um den durchaus ernsten Konflikt, den die Therapeutin in sich austrägt, nicht vollends zu denunzieren. Die Komik sollte sich nicht durch den Einsatz der Brechstange einstellen, sondern vielmehr wie von selbst aus der Situation erwachsen. Lisa ist eine Frau, die in ihrem Leben zwei ganz unterschiedliche Rollen zu spielen hat.

?Als Therapeutin?, so Streep, ?mußs sie sich wirklich in ihre Patienten hineinversetzen, sie mußs versuchen, deren Sorgen und Nöte zu verstehen, und sie mußs sich gleichzeitig darüber im Klaren sein, dass sie zu ihnen eine intime Beziehung unterhält, für die sie die Verantwortung trägt. Ihre Mutterrolle liegt dazu manchmal ziemlich quer. Als Mutter sieht man die eigenen Kinder oft immer noch als Kinder, obwohl sie offensichtlich keine mehr sind. Man läuft somit Gefahr, ihre Bedürfnisse zu verkennen.?

?Lisa mußs im Verlauf der Geschichte manchmal auf durchaus schmerzhafte Weise erfahren?, so ergänzt Jennifer Todd, ?dass sie das Leben ihres erwachsenen Sohnes nicht mehr kontrollieren kann und darf. Sie lernt schließlich zu akzeptieren, dass er zuweilen Entscheidungen trifft, die mit ihren eigenen Vorstellungen ganz und gar nicht übereinstimmen.?

?Bevor ich am Set mit Meryl zusammentraf, war ich unglaublich nervös?, gibt Uma Thurman zu. ?Denn sie war für mich immer ein Vorbild, ihre Filme haben mich dazu inspiriert, Schauspielerin zu werden. Meine Nervosität ist dann aber relativ schnell verflogen, denn Meryl ist eine so freundliche, warmherzige, unprätentiöse und auch äußerst humorvolle Person.?

Regisseur Ben Younger kann es noch immer nicht fassen, dass er für seinen Film eine so hochkarätige Besetzung verpflichten konnte: ?Als Filmemacher denkt man, dass man erst eine Menge Lorbeeren ernten mußs, bevor man mit jemandem wie Meryl Streep, der, wie ich finde, größten lebenden Schauspielerin, zusammenarbeiten darf. Die einzige Schattenseite meines großen Glücks besteht darin, dass es in dieser Hinsicht nun keine Steigerungsmöglichkeit mehr gibt. Ich mußs also irgendwie versuchen, Meryl für jedes meiner kommenden Projekte zu gewinnen.?

Die große Schwierigkeit, den richtigen Mann zu finden ?Was Du Dir, mal ganz nebenbei gesagt, übrigens abgewöhnen solltest: Sätze, die mit ?Meine Mom sagt immer ...? anfangen.? - Rafi zu David

Wo eine kontrollsüchtige Mutter ist, da gibt es auf jeden Fall auch einen überwachten und davon in der Regel ziemlich genervten Sohn. Nachdem man die weiblichen Hauptrollen mit zwei absoluten Topstars besetzt hatte, machten sich Ben Younger und die Todd-Schwestern auf die Suche nach einem geeigneten Darsteller für die Rolle Davids.

Diese Suche gestaltete sich gar nicht so einfach, denn, so Jennifer Todd, ?der betreffende Schauspieler mußste gleich mehreren, zum Teil etwas widersprüchlichen Ansprüchen genügen. Es sollte sehr jung sein, also jugendliche Naivität glaubhaft verkörpern können, zugleich aber auch sehr professionell und charismatisch, so dass er neben solchen Größen wie Meryl und Uma bestehen konnte.?

?Unser David?, ergänzt Younger, ?sollte einerseits über eine reife männliche Ausstrahlung verfügen und andererseits über eine gewisse unverfälschte jungenhafte Unbedarftheit.? Mit anderen Worten, man verlangte die Quadratur des Kreises. Umso erstaunlicher, dass man jemanden ausfindig machte, der all diesen Kriterien entsprach, nämlich den jungen, noch relativ unbekannten Bryan Greenberg, der bis dahin, abgesehen von einigen Gastauftritten in diversen TV-Produktionen, lediglich zwei feste Rollen in den Serien ?One Tree Hill? und ?Unscripted? aufzuweisen hatte.

?Er war, ganz ehrlich gesagt, sicher nicht der erste, an den ich gedacht hatte?, gibt Regisseur Younger unumwunden zu. ?Doch als ich ihn Uma vorstellte, merkte ich sofort, dass zwischen den beiden die Chemie stimmte. Das hat mich echt umgehauen. Es stimmte einfach alles.?

Als David Greenberg das Skript zum ersten Mal las, war er bass erstaunt über die Ähnlichkeiten Davids mit ihm selbst. Und die Schnittmenge zwischen dem Darsteller und seinem Charakter ist wirklich erstaunlich groß, denn Greenberg ist selbst streng jüdisch erzogen worden, lebte selbst, während er an der dortigen Universität studierte, fünf Jahre lang in New York, und seine Eltern arbeiten beide als Psychologen.

?Bryan hat uns von Anfang an gefallen?, erinnert sich die Produzentin. ?Bei den Leseproben sagte er immer wieder, ?Ich kenne diesen Typen, ich kenne ihn ganz genau.? Er war sehr glücklich mit dieser Rolle.? Greenbergs Zuversicht zahlte sich aus: Er bekam die Rolle. ?Ich wäre dafür durch einen brennenden Reifen gesprungen?, gesteht er.

?Als man mir mitteilte, dass ich dabei sein würde, hätte ich vor Freude am liebsten Purzelbäume geschlagen. Das erste, das ich dann aber getan habe, war, meine Mutter anzurufen. ?Mom?, sagte ich zu ihr, ?ich habe den Job tatsächlich in der Tasche, und Dich spielt Meryl Streep.? Und sie antwortete nur mit einem lauten ?O mein Gott.??

Im Anschluss daran reiste Greenberg nach New York, um sich dort auf seine Rolle vorzubereiten. ?Ben?, so erklärt er diesen Schritt, ?wollte, dass ich New Yorker Luft schnuppere und mit ihm und seiner Familie gemeinsam einige Tage im Big Apple verbringe. Ich sollte auch den ?New Yorker? lesen und sogar einige Malversuche unternehmen, denn David ist im Film ja ein sehr talentierter Künstler.?

Bryan Greenberg sah den gemeinsamen Szenen mit der Schauspiellegende Meryl Streep etwas furchtsam entgegen. Im Nachhinein jedoch beschreibt er die Zusammenarbeit mit ihr als ?überraschend bequem. Ich ging in die Szene hinein und mußste eigentlich gar nicht viel machen, da sie mir fast die ganze Arbeit abnahm. Ich konnte mich eigentlich vollkommen treiben lassen.? Auch Meryl Streep hat die Arbeit mit ihrem jungen Kollegen durchaus genossen.

?Bryan ist ein sehr offener Typ?, erklärt sie. ?Er reagiert sehr spontan und instinktiv und hat ein wunderbares Gespür für Timing.? Und sie fügt lachend hinzu: ?Manchmal fühlte ich mich übrigens tatsächlich ein wenig wie seine Mutter. Ich wollte ihn vor allen Schattenseiten unseres Business warnen. Ich hoffe, ihm ist das nicht auf die Nerven gegangen.?

Greenberg bedankt sich bei seinen Co-Stars dafür, das sie ihm den Weg auf die große Leinwand so leicht gemacht haben: ?Es ist ein unglaubliches Privileg, mit zwei so herausragenden Darstellerinnen wie Meryl Streep und Uma Thurman arbeiten zu dürfen. Ich habe beide sehr aufmerksam beobachtet und dabei eine Menge gelernt. Ich glaube, mein Spiel hat sich durch diese Erfahrungen entschieden weiterentwickelt.?

Nur in New York City ?Dir geht es bestens ... bis zu plötzlich kollabierst? - Großmutter Blanch

New York und Liebesgeschichten gehören einfach zusammen. Liebesgeschichten passen zu New York. Von DIE GROSSE LIEBE MEINES LEBENS (An Affair to Remember, 1957) über DIE STADTNEUROTIKERIN (Annie Hall, 1977) bis zu MONDSÜCHTIG (Moonstruck, 1987), jedes Mal, wenn eine romantische Komödie sich im Big Apple abspielt, verlieben sich die Kinozuschauer auch in diese Stadt. Das Kino, so kann man sagen, pflegt selbst eine lange Liebesaffäre mit der Stadt New York. Deshalb bilden die Ansichten und der Sound Manhattans auch den idealen Hintergrund für COUCHGEFLÜSTER.

?Die Stadt hat mich wesentlich zu dieser Geschichte inspiriert?, sagt Ben Younger. ?New York ist faszinierend, ein multinationaler und multikultureller Schmelztiegel. Die Unterschiede, die in der Geschichte eine so große Rolle spielen, spiegeln sich im Stadtbild wieder. New York besteht eigentlich nur aus Gegensätzen.? In diesem Sinne spielt die Riesenstadt am Hudson River im Film die vierte Hauptrolle.

?Ich liebe es, mitten in New York zu drehen?, begeistert sich der Regisseur, der in Brooklyn geboren wurde und aufwuchs. ?Schon bei meinem ersten Film RI$IKO ? DER SCHNELLSTE WEG ZUM REICHTUM (Boiler Room, 2000) habe ich sehr dafür gekämpft, die Aufnahmen ausschließlich an Originalschauplätzen in der Stadt stattfinden zulassen. Und das galt genauso für COUCHGEFLÜSTER, denn auch diese Geschichte gehört hierher. Hier habe ich sie ja auch geschrieben.?

?New York ist ein Charakter des Films?, bestätigt Jennifer Todd. ?Diese Stadt ist ein Ort für Zufälle, ein Ort der Überraschungen. Außerdem ist New York sehr fotogen, besonders im Herbst, zu der Jahreszeit, in der sich auch unsere Geschichte abspielt.? Und Meryl Streep ergänzt: ?New York ist der beste Ort auf der Welt, um einen Film zu drehen. Zuweilen wirkt die Stadt imposant und urban, manchmal geht es hier auf den Straßen aber auch zu wie in einer Kleinstadt.?

In der Absicht ein stimmiges Bild des New Yorker Milieus zu zeichnen, engagierte Ben Younger für sämtliche Nebenrollen ausschließlich hier beheimatete Schauspieler. Dazu zählen auch Annie Parisse und Jon Abrahams, die Darsteller Katherines und Morris?, der besten Freunde Rafis und Davids. ?Die beiden sind wirklich sehr komisch?, findet Ben Younger. ?Sie machen ihren Job, der darin besteht Umas und Bryans Charaktere zu unterstützen und dem Film dieses typische New Yorker Lebensgefühl einzuhauchen, wirklich ausgezeichnet.?

Annie Parisse, die Rafis beste Freundin Katherine spielt, bemühte sich sehr darum, die Beziehung zwischen den beiden Frauen möglichst authentisch wirken zu lassen. ?Katherine ist für Rafi eine große Stütze?, meint Parisse. ?Sie denkt sehr viel über Rafi nach und macht sich große Sorgen um sie. Sie fragt sich, wohin führt diese Beziehung? Was für ein Typ ist dieser David eigentlich? Tut er Rafi gut??

Morris hingegen trägt deutliche Züge eines ?kleinen Soziopathen?, wie sein Darsteller Jon Abrahams formuliert. Dieser Charakterisierung darf man getrost zustimmen, wenn man bedenkt, dass Morris die irritierende Angewohnheit pflegt, jeder Frau, die ihn zurückweist, an ihrer Haustür eine Sahnetorte ins Gesicht zu werfen.

?Morris?, so Abrahams weiter, ?hat eigentlich keine Probleme damit, Frauen kennen zu lernen, aber beim ersten Date sagt oder macht er etwas so Unmögliches, dass keine von ihnen ein zweites Mal mit ihm ausgehen will. Die einzige Möglichkeit, mit diesen ? selbst verschuldeten ? Zurückweisungen umzugehen, besteht für Morris im Tortenwerfen.?

Die Schauplätze Abgesehen von den Therapieszenen, entstanden alle Aufnahmen für COUCHGEFLÜSTER an Originalschauplätzen in New York. Darauf legte Regisseur Younger, der die genauen Drehorte schon Monate vor Drehbeginn in seinem Skript festgelegt hatte, großen Wert. So zog die Crew mitsamt ihres Equipments kreuz und quer durch die Stadt, von den Chelsea Piers in die Bronx und von dort nach Greenpoint, Brooklyn, wo man in Youngers ehemaligem Apartment drehte.

Die Innenaufnahmen fanden in verschiedenen Wohnungen und in ausgewählten New Yorker Institutionen wie Dean & Deluca oder Magnolia Bakery statt. ?Aufnahmen an Originalschauplätzen sind denen, die im Studio entstanden sind, immer überlegen?, erklärt Younger. ?Es gibt da etwas, das man nicht nachmachen kann, eine bestimmte Atmosphäre. Für unseren Film, der ja ganz typische New Yorker Charaktere und Probleme beschreibt, war es besonders wichtig, die Atmosphäre der Stadt so authentisch wie möglich einzufangen.?

William Rexer, Kameramann und langjähriger Mitarbeiter Ben Youngers, unterstreicht die Wichtigkeit authentischer Drehorte. Als gebürtiger New Yorker behauptet er, dass er ?sofort sagen kann, ob ein Film wirklich in New York gedreht wurde oder dies nur von sich behauptet. Man erkennt es?, so erläutert er, ?an der Art der Architektur, an der Größe der Straßen, an der Qualität des Herbstlichtes und an der Kleidung der Statisten.?

?Ben, Mark und ich?, so Rexer weiter, ?suchten Schauplätze in der Stadt aus, an denen sich auch die wirklichen New Yorker wohlfühlen, die aber nicht immer ideale Bedingungen für einen Dreh boten. Aber unsere Crew konnte mit diesen Schwierigkeiten fertig werden. Ben und ich wollten den Zuschauern durch den Film ein wenig auch unser New York nahe bringen, wir wollten, dass auch sie sich in unsere Stadt verlieben.?

Dadurch, dass sich das Filmteam zum allergrößten Teil aus New Yorkern zusammensetzte, entstand auf dem Set eine geradezu nachbarschaftliche Atmosphäre. Freunde, Verwandte und Bekannte der Mitarbeiter kamen gelegentlich vorbei und sahen dem bunten Treiben zu. An einem Drehtag filmte man in unmittelbarer Nähe zu Meryl Streeps Apartment, so dass diese einfach ihren Hund mitbrachte, dem sofort ein Cameo-Auftritt zugestanden wurde. Leider fiel die Szene später dem Schnitt zum Opfer, obwohl, wie Streep anmerkt ?mein kleiner Schatz damit sicher seinen internationalen Durchbruch geschafft hätte.?

Auch Uma Thurman, die im Alter von fünfzehn Jahren nach New York zog, hat die Dreharbeiten mitten in der Stadt sehr genossen: ?Es war toll vor meinem Lieblings-Coffee-Shop auf der Straße zu stehen und eine Szene zu spielen. Normalerweise agiert man in irgendwelchen Settings, zu denen man überhaupt keine Beziehung hat. Dort fühlt man sich wie in einem Vakuum.?

Dreharbeiten an Originalschauplätzen, in diesem Fall an Orten innerhalb einer extrem lebhaften Riesenmetropole, bereiten allerdings auch enorme Probleme, wie Ben Younger bemerkt: ?Es ist vor allem sehr schwierig, die Geräuschkulisse unter Kontrolle zu bekommen. Wir hatten sehr mit Straßenlärm, schimpfenden Passanten, freundlich hupenden Taxifahrern und sonstigen akustischen Erscheinungen zu kämpfen.

Außerdem spielte das Wetter oft nicht mit. Abgesehen davon, ist es nicht immer einfach, die schweren, sperrigen und oft äußerst empfindlichen technischen Geräte in Aufzügen zu verstauen oder über viele Treppenstufen zu bugsieren. Aber der Film war uns diese Anstrengungen wert.?

Eine große Familie ?Wenn wir dies alles hinter uns haben, kannst Du sogar Jay Z mit nach Hause bringen.? - David zu seiner kleinen Schwester Dinah

Da Ben Younger vor seiner Regiekarriere mehrere Jahre lang in den unterschiedlichsten Funktionen an New Yorker Film- und Videoproduktionen mitgewirkt hatte, engagierte er viele seiner ehemaligen Kollegen als Mitarbeiter für COUCHGEFLÜSTER.

?Ich fühlte mich während der Dreharbeiten eigentlich zu keiner Zeit wie der Chef des Ganzen?, so der Regisseur, ?sondern wie einer unter vielen, die diesen Film alle irgendwie als ihren eigenen betrachteten. Genauso sollte es eigentlich auch sein. Der einzige Nachteil dessen war, dass ich natürlich andauernd von meinen Ex-Kollegen auf den Arm genommen wurde.

So wurde ich zum Beispiel ständig ermahnt, gefälligst hier und dort mit anzufassen, anstatt die ganze Zeit über nur faul herumzusitzen, worauf ich fast immer hereingefallen bin. Das sorgte natürlich für allerhand Gelächter. Aber ich mag es, wenn es innerhalb der Crew zugeht wie in einer großen Familie.? Eine familiäre Stimmung herrschte auch deshalb, weil Younger es bevorzugt, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die er bereits kennt.

So waren viele Angehörige der COUCHGEFLÜSTER-Crew bereits an anderen Filmprojekten des Regisseurs beteiligt: Jennifer und Suzanne Todd produzierten auch schon Youngers Kinoerstling RI$IKO ? DER SCHNELLSTE WEG ZUM REICHTUM (Boiler Room, 2000), Szenenbildner Mark Ricker hatte bereits vor zehn Jahren einen seiner Kurzfilme ausgestattet, und William Rexer stand im Verlauf der letzten fünf Jahre für jeden Werbefilm Youngers hinter der Kamera.

Ben Youngers klare Vorstellung davon, wie der Film einmal aussehen sollte - eine Sicherheit, die aus seiner großen Vertrautheit mit dem Stoff resultierte - trugen wesentlich zu der entspannten, ruhigen, aber sehr konzentrierten Stimmung bei, die auf dem Set herrschte.

?Ben war sich seiner Sache so sicher?, sagt Jennifer Todd, ?dass auch bei allen anderen keine Nervosität oder Hektik aufkam. Er konnte jederzeit jede Frage, die an ihn gestellt wurde, ganz genau beantworten, weil er sich zuvor so lange und intensiv mit dem Projekt beschäftigt hatte. Vor allem die Darsteller profitierten sehr davon, dass der Regisseur gleichzeitig auch der Drehbuchautor war. Diese Personalunion bringt immer große Vorteile mit sich.?

?Ben weiß immer ganz genau, was er will?, meint auch Bryan Greenberg. ?Aber er lässt seinen Mitarbeitern, vor allem den Darstellern, gleichzeitig auch Freiräume und ist offen für Ideen und Vorschläge. Daneben hat er ein sehr großes Herz, er ist im Grunde genommen ein Riesensoftie.?

Auch Meryl Streep und Uma Thurman finden nur lobende Worte für ihren Regisseur. ?Ben ist einfach wundervoll?, begeistert sich Thurman. ?Seine Klugheit und Weitsicht imponieren mir.? Und Streep fügt hinzu: ?Ben ist zwar noch sehr jung, verfügt aber über eine große innere Reife. Außerdem ließ er uns bei der Interpretation unserer Rollen große Freiheiten. Das ist für Schauspieler sehr angenehm.?

Für Ben Younger ist laut eigener Aussage ein Traum in Erfüllung gegangen, und zwar dadurch, dass er gleichzeitig mit sehr vertrauten Menschen und absoluten Weltklassestars zusammenarbeiten durfte. ?Die Dreharbeiten sind mir noch nie so leicht gefallen wie bei diesem Film?, schwärmt er. ?Es hat einfach alles gestimmt.?

Jetzt bleibt ihm nur noch zu hoffen, dass das Kinopublikum sich durch den Film unterhalten und angeregt fühlt: ?Wenn einige Zuschauer mit einer veränderten, offeneren Haltung gegenüber unkonventionellen Liebesbeziehungen aus dem Kinosaal gehen, dann würde mich das sicher nicht stören. Ich wäre aber auch damit zufrieden, wenn die Leute einfach nur lachen oder vielleicht am Ende ein paar Tränen verdrücken. Die Hauptsache ist, dass sie auf den Film reagieren, dass der Film sie nicht ungerührt lässt.?

Szenenfoto
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