Goldene Zeiten

Produktionsnotizen

Zum dritten Mal war es soweit: Regisseur Peter Thorwarth fiel mit seinem Produktionstross im beschaulichen Unna ein und mischte 41 Tage lang seine Heimatstadt und die Umgebung von Dortmund gehörig auf. Mit GOLDENE ZEITEN wird nach BANG BOOM BANG ? EIN TODSICHERES DING und WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT die so genannte ?Unna-Trilogie? fortgeführt. ?Im dritten Teil beleuchten wir jetzt die Neureichen und können zwei Welten ineinander verschmelzen lassen?, erinnert sich Thorwarth an die Vorüberlegungen zu seinem jüngsten Projekt.

Die beiden Welten sind das bürgerliche und das Neureichen-Milieu. ?Momentan sind die so genannten ?guten Zeiten? vorbei, so dass viele ihren Lebensstandard nicht mehr halten können. Es ist schwierig, weiterhin nach außen wie vorher zu funktionieren, wenn alles zusammenstürzt?, erklärt Thorwarth sein Grundthema. ?Das passiert, wie ich finde, in einer schönen Form der Übertragung, nämlich der guten Satire?, freut sich Wolf Roth. ?Das wird in Deutschland nicht so oft gemacht, denn es ist a) schwer zu schreiben und b) schwer umzusetzen.? Unna, Westfalen ? und viele Produktionsorte mehr Gedreht wurde vorwiegend in Unna und Dortmund, wobei die ländlichen Aufnahmen eher in Unna entstanden und auch der Flughafen laut Thorwarth ?auch eher zu Unna gehört als zu Dortmund.? Im Anschluss daran zog das Team noch nach Köln um, wo im Radisson die Hotelszenen realisiert wurden. Und schließlich wurde noch ein Tag auf Mallorca drangehängt, wo man mit kleiner Crew die letzten noch fehlenden Aufnahmen in den Kasten bekam. Glasfassaden aus Südtirol Obwohl auf der Produktion stets ein gewisser finanzieller Druck lastete, entpuppte sich der Dreh als überraschend entspannt und unkompliziert. Einige kleinere Probleme gab es eigentlich nur mit jener Szene, in der ein Wagen durch die Glasfront rauscht. Die Idee dazu ist im Prinzip erst am Drehort entstanden. Produzent Christian Becker: ?Wir mußsten extra eine Firma aus Südtirol anfordern, die mit einem Kran ankam und das Glas ersetzt hat.?

Natürlich findet man in Unna bessere ? sprich: günstigere ? Drehbedingungen vor als in München oder Berlin. Was natürlich auch mit der Person Thorwarth zu tun hat. ?Doch das ist eine zweischneidige Sache?, weiß der Regisseur zu berichten. ?Leider haben manche Leute eine total unrealistische Einstellung zum Film. Wenn die von einem Produktionsbudget von vier Millionen Euro hören, dann ist das für die unglaublich viel Geld. Aber wenn man dann hinterher im Abspann liest, wie viele Leute daran gearbeitet haben und dementsprechend bezahlt werden wollten, ist das mehr als relativ.?

Auch die Verantwortlichen vom Golfplatz hatten von Bekannten Geschichten aufgeschnappt, in denen erzählt wurde, dass man für eine Location 200.000 Euro bezahlt hätte. In solchen Situationen war es nicht immer einfach, den Menschen klar zu machen, dass das ziemlich unrealistisch ist. Aber letztlich wurden sich alle einig.

Die Darsteller ? das Herzstück von GOLDENE ZEITEN Das Kunststück der Produktion war es jedoch, die Schauspieler, die Thorwarth gerne haben wollte, zu koordinieren. Denn die meisten von ihnen waren natürlich zeitgleich in mehrere Projekte involviert. Dennoch gelang es, für fast alle Figuren die Wunschkandidaten zu bekommen. Aber nicht nur das ? viele Rollen sind sogar eigens für bestimmte Schauspieler geschrieben worden. Dies gehörte von vorneherein zum Konzept des Films.

In der Hauptrolle des nach Anerkennung und Status strebenden Event-Managers Ingo ist Wotan Wilke Möhring zu sehen, der bereits in BANG BOOM BANG ? EIN TODSICHERES DING einen ? aus Längengründen leider dem Schnitt zum Opfer gefallenen, auf der DVD zu GOLDENE ZEITEN jedoch wieder ins Leben gerufenen ? Kurzauftritt hatte. ?Es wirkt sehr fein und sehr genau, wie er sich diese Rolle zurechtgelegt hat. Meine größte Bewunderung?, lobt Birgit Stein ihren Kollegen, der in seinem Part viele Schichten erkennt.

?Er ist selbst mit einer Grundschuld belastet, mit der er ins Rennen geht?, erklärt Möhring Ingos Charakter. ?Er macht das alles aus Liebe zu einer Frau, um zu beweisen, dass er es auch zu etwas bringen kann. Dabei verzettelt er sich total und ist dann froh, dass er ? bildlich gesprochen ? mit einem blauen Auge davonkommt.? Eine Schlüsselrolle spielt ? wie schon in Thorwarths früheren Arbeiten ? erneut das Ruhrgebiet mit seinem besonderen Menschenschlag und seiner Bodenständigkeit.

Darstellerin Alexandra Neldel ist der Meinung, dass dies einen besonderen Charme hat. ?Das finde ich klasse und Peter bringt diesen besonderen Charme fantastisch rüber.? Und auch Wotan Wilke Möhring erkennt das Besondere an der Location: ?Das ist mein erster Ruhrpott-Film und es hat viel Spaß gemacht. Ich komme immer wieder gerne her. Man mußs es kennen, um es zu lieben, denn es ist nicht immer schön ? zerbombt und voller 60er-Jahre-Bauten.?

Es lebe der (Golf-)Sport! Den richtigen Nährboden für seine turbulente Geschichte um verpuffende Träume fand Peter Thorwarth in der prätentiösen Welt des Golfs ? auch wenn ihn und seine Schauspieler privat wenig damit verbindet. ?Ich habe mir fast in die Hosen gemacht vor Lachen, weil dieser blöde Ball immer noch da lag, nachdem ich mich schon so schön bewegt und den Abschlag gemacht habe?, erinnert sich ?Verliebt in Berlin?-Star Alexandra Neldel an ihre Golf-Erfahrungen.

Thorwarth selbst war tatsächlich mal zu einem Golfturnier eingeladen ? und zwar im gleichen Club, in dem er dann GOLDENE ZEITEN drehte: ?Für mich war das schon eine sehr skurrile Veranstaltung, weil ich persönlich überhaupt nicht Golf spiele. Aber ich konnte da abends die Leute beobachten und viele Eindrücke sammeln, die nun in GOLDENE ZEITEN wieder zum Ausdruck kommen.? Wie nah der Film an der Realität ist, zeigt schon, dass an diesem Abend Larry Minetti und Roger E. Mosley alias Rick und T.C. aus ?Magnum? die Ehrengäste waren.

Leinwandpartner Möhring freute sich über die Gelegenheit, mit seiner alten Bekannten Alexandra Neldel zu drehen. ?Wir haben zum dritten Mal nach ?Großstadt-Sheriffs? und LAMMBOCK zusammen gearbeitet. Das ist natürlich klasse, weil man vieles voneinander schon weiß, sich versteht und Vertrauen zueinander hat. Sie ist für diese Rollen prädestiniert und fordert sich jedesmal selbst, was mir gefällt. Ich freue mich schon jetzt aufs vierte Mal.?

Alexandra Neldel spielt das One-Hit-Wonder Melanie, in das sich Ingo verliebt und das bereits bei BANG BOOM BANG ? EIN TODSICHERES DING mit von der Partie war. ?Es ist sehr schön, wieder dabei zu sein, denn das war damals mein erster Kinofilm. Man spricht mich immer noch auf Melanie an. Sie war nicht so glatt und hat alle abgezockt. Jetzt kommt sie wieder als gebrochener, aber auch um viele Erfahrungen reicherer Mensch?, so Neldel über ihre Figur.

Einen aalglatten Abzocker gibt dagegen TV-Liebling Wolf Roth, der als Golfclubpräsident Jürgen Matthies vor keiner linken Tour zurückschreckt. ?Wir fanden es wichtig, genau den Typ zu finden, der für mich als Vorbild, Vaterfigur und Chef funktioniert?, erklärt Wotan Wilke Möhring. ?Das hat er grandios gemacht und den Part maximal genutzt. Es hat ihm selbst offensichlich wirklich Spaß gemacht und es war toll, ihm dabei zuzusehen, es hat ihn total mitgerissen. Ich habe gelernt, mehr Ehrfurcht vor seiner Schauspielergeneration zu haben.?

Wolf Roth zeigte sich begeistert über die Zusammenarbeit mit der gesamten Crew. ?Es macht großen Spaß, sich selbst wieder mal neu zu entdecken inmitten eines so jungen Teams. Denn es ist ein Geben und Nehmen, keiner will den anderen seinen Stempel aufdrücken, und wir kommen trotzdem zusammen, wir helfen uns. Ich habe wirklich nicht das Gefühl, so wahnsinnig viel älter zu sein. Das bin ich natürlich, auch durch die Erfahrung, das Schöne ist aber, dass ich es nicht als solches empfinde.?

Schauspiel-Ikonen der achtziger Jahre Für die Rolle des amerikanischen Seriendarstellers hatten die Filmemacher eigens eine Liste aufgestellt. Darauf enthalten: Schauspiel-Ikonen der achtziger Jahren, unter anderem auch Don Johnson aus ?Miami Vice? und Lee Majors aus ?Ein Colt für alle Fälle?. Doch letztlich kam ihnen auch hier mal wieder der Zufall zu Hilfe. Denn eines Tages rief Markus Knüfken bei Peter Thorwarth an und erzählte aufgeregt: ?Ich stehe gerade in Hamburg in einer Videothek. Hier ist ein Aushang und da steht, dass Dirk Benedict vom ?A-Team? nach Hamburg zu einer Fan-Convention kommt.?

Genau dort haben Becker und Thorwarth Benedict dann auch das erste Mal getroffen. Und ernteten erst einmal komische Blicke, denn Benedict hatte wohl mit älteren, erfahreneren Kollegen gerechnet, als man ihm einen deutschen Regisseur und Produzenten ankündigte. Doch dann kamen die drei schnell ins Gespräch, Benedict erzählte von seinen deutschen Wurzeln und Thorwarth vom Filmprojekt. Am Ende taute Benedict richtig auf und sagte: ?Ich bin genau Euer Mann.?

Auch später am Set fühlte sich Dirk Benedict pudelwohl und fand vor allem für seinen Kollegen Wolf Roth nur Lob: ?Wir teilen die gemeinsamen Theater-Erfahrungen und die Disziplin, das ist toll. Manchmal hatten Wolf und ich Szenen, in denen wir uns blind verstanden.? Dirk Benedict ist bekannt aus der 80er-Jahre-Serie ?A-Team? und überzeugt in der Rolle des abgehalfterten TV-Darstellers Douglas Burnett.

?Ich bin ein Fan von ?A Team?, es ist ein Kult, ich habe die Folgen sehr gerne gesehen?, gesteht Christian Kahrmann, der nach BANG BOOM BANG ? EIN TODSICHERES DING ebenfalls erneut mit dabei sein durfte. Auch Wotan Wilke Möhring findet nur lobende Worte über Benedict und seinen Mut, in Deutschland zu drehen. ?Es ist interessant, wenn jemand sich das traut. Die meisten Amerikaner wollen ja, dass alles um sie herum amerikanisch ist. Wir haben immer versucht, auch untereinander Englisch zu reden, wenn er dabei war, damit er sich nicht ausgegrenzt fühlt.?

Von Single Malt Scotch und guten Zigarren Im Gegensatz zu Doug Burnett ?trinke ich aus dem Brunnen der ewigen Jugend?, behauptet Burnett-Darsteller Dirk Benedict. ?Nur Single Malt Scotch ? das ist mein Geheimnis. Doug Burnett ist übrigens Vollsäufer, wo wir gerade von Scotch sprechen ... aber das ist ein anderes Thema. Sie brachten mich dazu, Zigarren zu rauchen, mit denen ich eigentlich nach dem ?A-Team? aufgehört hatte ? aber Peter Thorwarth und Christian Becker zuliebe habe ich wieder damit angefangen.?

Regisseur Peter Thorwarth fand insbesondere, was den Witz betrifft, viele Gemeinsamkeiten mit seinem amerikanischen Star. ?Es ist ein Humor mit sehr echten, sehr lebhaften Charakteren, die mit ihrer Unterschiedlichkeit und ihrer Skurrilität plötzlich zusammengemischt werden und den Zündstoff für eine neue Geschichte bieten. Er hat das sofort kapiert.?

Ludger Pistor, der als Dieter Kettwig das Opfer seiner eigenen Gutgläubigkeit wird, freute sich über die Zusammenarbeit mit Benedict. ?Es war toll. Es gab überhaupt keine Probleme, er hat sich unheimlich für die deutsche Sprache interessiert, hat ein paar Sätze Deutsch gelernt und hat immer wieder was Deutsches dazwischen gequasselt. Ich fand es toll, wie er sich eingelebt hat. Ich glaube, er hält uns alle für bekloppt, vielleicht hat er ja auch Recht damit.?

Richtig für eine Geschichte, die, wie Pistor es nennt, ?ein riesiges Chaos ist, ein riesiges Durcheinander und jeder blamiert sich, so gut er kann.? Allen voran seine Figur Kettwig, die unter der Kaltblütigkeit seines Chefs Matthies leidet. ?Er ist der einzige Mensch im Film, der an das Gute glaubt und grausam dafür bestraft wird, ?wie es halt so üblich ist?, so Pistor lakonisch.

Sex, Drugs and Rock ?n? Roll Christian Kahrmann findet deutliche Worte für das ambitionierte Projekt. ?Es geht um Kleinganoven, die russische Mafia, Sex, Drugs and Rock ?n? Roll, charmante Gauner, die sich alle in die Quere kommen und sich alle aufs Kreuz legen wollen, und es endet ? wie wäre es auch anders zu erwarten ? in der absoluten Katastrophe.?

?Die Lektüre hinterlässt den Eindruck, dass es sich um eine skrupellose, skurrile Geschichte handelt. Es ist eindeutiger Thorwarth-Humor. Manchmal bleibt einem das Lachen allerdings im Hals stecken?, erzählt Wotan Wilke Möhring über die Opfer der Geschichte. Er und seine Kollegen sind sich einig, dass das gesamte Projekt mit dem visionären Filmemacher steht und fällt. ?Ich kann ihn mir nicht anders vorstellen, als als Regisseur und Drehbuchautor?, bemerkt Wolf Roth.

?Da ist eine Ehrlichkeit, die gleichzeitig eine super Stimmung am Set ermöglicht und bei der man trotzdem einen guten Film machen kann. Auch seine Kollegin Birgit Stein gerät ins Schwärmen. ?Er ist schlichtweg ein Traum. Die Stimmung am Set war sehr entspannt; Peter ist sehr genau, er weiß immer, was er will; er geht liebevoll heran und hat die Ruhe in sich, es gibt kein Toben, kein Ausrasten, kein Geschrei.?

Selbst Ludger Pistor, der für gewöhnlich gerne selbst Hand an seine Rollengestaltung legt, konnte ganz entspannt an die Arbeit gehen. ?Peter ist ganz hervorragend, jemand, bei dem ich mich führen lasse Er hat ein genaues Gespür dafür, was an der Szene stimmt und was nicht. Man kann sich fallen lassen.?

Bei so viel Lob wäre es beinahe schade, den eingeschlagenen Weg nicht weiter zu verfolgen. Ist also bei einer Trilogie Schluss oder darf man sich auf weitere Ruhrpott-Überraschungen freuen? ?Ich würde nicht sagen, dass es komplett abgeschlossen ist. Die nächste Geschichte, die ich machen will, wird auch in Unna spielen, allerdings im 14. Jahrhundert?, so Thorwarth. Glück gehabt!

Minimales Budget ? maximaler Einsatz GOLDENE ZEITEN wurde mit Mitteln der Filmstiftung NRW, der Filmförderungsanstalt FFA und des FilmFernsehFonds Bayern gefördert. Zusammen mit dem Engagement von Senator als Mitproduzent und Werner Wirsings Filmverleih als Co-Produzent kam ein Budget von gut vier Millionen Euro zusammen. Dazu Christian Becker: ?Das war für die Menge der Darsteller, die Komplexität des Drehs und den Look, den wir uns vorher überlegt hatten, schon ziemlich knapp. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen, besonders auch bei Kamera und Ausstattung haben wir wirklich ein sehr hohes Niveau erreicht.?

Dazu passt auch Peter Thorwarths Fazit zu seinem dritten abendfüllenden Spielfilm GOLDENE ZEITEN: ?Ich bin gerade auf die Stimmung des Films besonders stolz, denn ich konnte zeigen, dass ich neben reinen Komödien auch schärfer und böser inszenieren kann.?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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