Eine andere Liga

Produktionsnotizen

Auf die Grundidee zu der Geschichte um Hayat ist Buket Alakus durch eine Zeitungsnotiz gekommen, in deren Mittelpunkt eine junge, brustamputierte Frau stand, die sich frisch verliebt hatte und nicht wusste, wie sie sich dem neuen Mann öffnen sollte. Ein Schicksal, das Buket Alakus gerade angesichts des heutzutage allgemein herrschenden Schönheitswahns erschütterte.

Um jedoch den Aspekt des Lebens und der Kraft zu betonen, machte sie ihre Heldin Hayat zu einer leidenschaftlichen Fußballspielerin, denn EINE ANDERE LIGA ist Buket Alakus zufolge ?keine Krankheitsgeschichte, sondern erzählt vom Weg zurück ins Leben. In dieser Extremsituation wird Fußball für meine Heldin buchstäblich zu einem Spiel um Leben und Tod, weil der Sport ihr hilft, sich und ihren Körper neu anzunehmen.?

Ralph Schwingel und Stefan Schubert, die Produzenten der WÜSTE Filmproduktion, die mit Buket Alakus bereits Anam gedreht hatten, waren begeistert von ihrer neuen Idee. Nicht nur, weil die erste Zusammenarbeit erfolgreich war, weil sie als Produzenten immer auf der Suche nach emotional packenden Geschichten sind und weil Frauenfußball in Deutschland spätestens seit dem Gewinn der WM ein großes Thema darstellt ? sondern auch, weil Ralph Schwingel selbst ein eingefleischter Fußball-Fan ist.

Dementsprechend bemüht er ausgewiesene Autoritäten, um zu beschreiben, worum es in EINE ANDERE LIGA geht: ?Es geht, genau wie beim Fußball (lt. Bill Shankley / FC Liverpool) nicht ?nur? ums Leben, es geht um mehr als das: es geht um den Genuss daran, die Fähigkeit, sich nicht unterkriegen zu lassen und die Kunst, die Zuneigung von Menschen zu gewinnen, obwohl man mit sich selbst noch lange nicht im Reinen ist.?

Um den Spaß an der Liebe und am Spiel fest in der Geschichte zu verankern, wurde als Co-Autor Jan Berger hinzugezogen, der unter anderem bei seiner Mitarbeit an Kebab Connection sein Talent für schnelle Dialoge und starke Gefühle bewiesen hat. Allen Beteiligten war klar, dass das Funktionieren des Films von der Besetzung der Hauptrolle abhängen würde. Und so erwies sich die Suche nach der richtigen Hayat als langwieriger Prozess.

Als man schließlich auf Karoline Herfurth stieß, begeisterte sie sofort durch die Kraft und die Hingabe ihres Spiels. Aber andererseits hatte sie noch nie einen Ball getreten... Doch gute Schauspieler haben eine schnelle Auffassungsgabe, und Karoline bewies ihr Talent auch in dieser Hinsicht. Über ein intensives Einzeltraining in den Wochen vor dem Dreh entdeckte sie sogar ihre Liebe zum Fußball.

Hayats romantischer Gegenspieler Toni sollte Attraktivität und Selbstsicherheit ausstrahlen, aber mit der Nachricht von Hayats Krankheit auch einen tiefen Bruch erleben ? ebenfalls keine leichte darstellerische Aufgabe. Die Wahl fiel schließlich auf Ken Duken, der sich glücklicherweise als ausgemachter Ballkünstler und Fußballfan erwies. Nützlich, wenn man glaubhaft einen Trainer verkörpern soll!

Doch bewährt sich Ken Duken in seiner Rolle eben nicht nur als Fußball-Aficionado und liebenswerter Charmeur, sondern beweist auch die nötige Sensibilität, um die Erschütterung und Reifung seiner anfangs unbeschwerten Figur überzeugend zu verkörpern. Thierry van Werveke, der den liebevoll besorgten Vater der Heldin spielt, war dagegen für Buket Alakus von Anfang an gesetzt.

Ebenso wie die Produzenten von WÜSTE, die bereits mit Thierry zusammengearbeitet hatten, erkannte die Regisseurin, dass sich sein komödiantisches Talent mit einer großen Verletzlichkeit paart ? ideal für die tragikomische Figur des Baba Can, Hayats Vater, der immer wieder zum Lachen reizt, jedoch auch unter der tiefen Sorge leidet, nach seiner geliebten Frau auch noch seine Tochter an den Krebs zu verlieren.

Blieben also nur noch die Schanzenmädchen, die gutgelaunt-untalentierte Truppe, zu der Hayat stößt und in deren Trainer Toni sie sich verliebt. So bunt diese Mannschaft im Film wirkt, so vielfältig waren auch die jeweiligen Lebenshintergründe der Mädchen, die Buket und die Produzenten von WÜSTE bereits Monate vor dem Dreh um sich scharten. Da fanden sich Jungschauspielerinnen, Musikerinnen, hochklassige Fußballerinnen und stinknormale Schanzenbewohnerinnen.

Sie alle mußsten ein hartes Training durchlaufen, gecoacht von einem eigens engagierten Fußball-Trainer der HSV-Jugend und ihrer strengen Regisseurin. So entstand schließlich ein verschworener Haufen. Die authentische Energie der Mädchen und ihr echter Mannschaftsgeist half ihnen nicht nur, die Strapazen des Drehs zu überstehen, sondern überträgt sich auch direkt auf die Leinwand, wie man bei allen Festival-Vorstellungen von EINE ANDERE LIGA feststellen konnte.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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