Walk The Line

Produktionsnotizen

1955 betrat ein taffer, hagerer Gitarrenspieler, der sich J.R. Cash nannte, die Studios von Sun Records ? einem Label, das bald Berühmtheit erlangen sollte. Es war ein Moment, der die amerikanische Kultur nachhaltig und unauslöschlich beeinflussen würde. Mit seinen treibenden Akkorden, seiner großen Intensität und einer Stimme, die so tief und schwarz war wie die Nacht, trug Cash emotionale Songs vor, die vom alltäglichen Überlebenskampf, von Kummer und seelischer Not handelten.

Songs, die mutig, lebensnah und völlig anders waren als alle Musik vorher. An diesem Tag startete die beeindruckende frühe Karriere von Johnny Cash. Während er einen völlig neuen Sound kreierte, der kommenden Rock-, Country-, Punk-, Folk- und schließlich auch Rapstars den Weg bahnte, begab sich Cash auf eine wilde, orientierungslose Reise persönlicher Veränderungen.

Nach unbeständigen, sprunghaften Lebensabschnitten entwickelte er sich vom selbstzerstörerischen Popstar zum ikonenhaften ?Man in Black?. ? Er stellte sich dabei seinen Dämonen, kämpfte für die Liebe, die ihn auffing und rettete, und lernte, wie er auf dem hauchdünnen Grat zwischen Zerstörung und Erlösung gehen mußste. Die Geschichte des jungen Johnny Cash und seiner Aufsehen erregenden Liebe zu June Carter Cash wird von WALK THE LINE wieder zum Leben erweckt.

Regie führt James Mangold, der mit Gill Dennis der auf der Grundlage der Cash-Biografien ?Man in Black? und ?Cash ? The Autobiography?auch das Drehbuch schrieb. Der von Cathy Konrad und James Keach produzierte Film entstand in siebenjähriger Vorbereitungszeit in enger Zusammenarbeit mit Johnny Cash und June Carter Cash, die bis zu ihrem Tod 2003 involviert waren. Die Hauptrollen spielen Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon. Beide Stars singen selbst ? in Live-Auftritten, die den Geist und die Seele der Musik einfangen, die zur treibenden Kraft in der Beziehung von Johnny Cash und June Carter wurde.

Der Film beginnt in Arkansas während der Großen Depression. Er zeigt die Ursprünge von Johnny Cashs Musik und führt zurück bis in seine Kindheit als Sohn eines Pachtfarmers. Der Film begleitet ihn auf seinen wilden Touren mit den Rock-and-Roll-Pionieren Elvis Presley, Carl Perkins, Roy Orbison, Jerry Lee Lewis und Waylon Jennings und gipfelt schließlich 1968 in seinem unvergesslichen Auftritt im Gefängnis von Folsom. Cash war einer der angesagtesten Künstler seiner Zeit, er verkaufte sogar mehr Platten als die Beatles.

WALK THE LINE zeichnet die Geburtsstunde eines völlig neuartigen amerikanischen Künstlers nach, der seinen Zorn, die verheerenden Auswirkungen seiner Drogensucht und die Versuchungen des Star-Status? hinter sich lassen mußste, um die Stimme in sich zu finden, die ihn für viele Generationen zum Helden werden ließ. In diesen frühen Jahren finden sich die Themen, die sich durch die Musik und den minimalistischen Stil des Künstlers zogen: Tod, Liebe, Verrat, Sünde, Hoffnung und Glaube.

?Je mehr ich über die frühen Jahre im Leben und in der Karriere Johnny Cashs erfuhr?, erzählt Regisseur James Mangold, ?desto deutlicher sah ich darin die Gelegenheit, einen Film über eine Zeit zu drehen, in der es beim Musikmachen tatsächlich auch um Musik ging und nicht um Geld oder Videoclips. Johns Lebensgeschichte handelt nicht von einem Wunderkind oder von brennendem Ehrgeiz.

Er war ein Spätstarter, brachte sich selbst das Gitarrespielen bei und stieß auf wenig Unterstützung. Niemand rannte ihm die Bude ein, als er nach Memphis zog. Aber John war smart genug, sich Zugang zu Sun Records zu verschaffen, wo eine musikalische Revolution ihren Anfang nahm. Von außerordentlichen Talenten umgeben, reifte John zu etwas, das keiner der anderen wurde: zu einem zeitlosen Geschichtenerzähler und einer brennenden Stimme der Schatten. Seine Songs waren so einzigartig, so persönlich und so direkt und ungekünstelt.?

?Natürlich bot dieses Projekt auch die Gelegenheit, eine der größten Liebesgeschichten zu verfilmen?, fährt Mangold fort. ?Die Vorstellung, dass der einzige Ort, an dem John Cash und June Carter zusammen allein sein konnten, die Bühne war, beobachtet von 10.000 Fans, hatte etwas magisches.?

Im Mittelpunkt des Films steht die leidenschaftliche, schnelle Musik, die in den Fifties die Selbstgefälligkeit aus der Populärkultur vertrieb. Um diese Musik in ihrer ganzen Emotionalität und Authentizität einzufangen, würde es nötig sein, glaubte Mangold, dass viele der Songs live von den Hauptdarstellern vorgetragen werden mußsten. ?Die frühen Fünziger-Jahre waren die Blütezeit des glatten Nachkriegssounds, von Doris Day und Easy Listening?, erklärt Mangold.

?Musak hatte ihren Ursprung in dem Jahr, in dem John seine ersten Singles herausbrachte. Sogar die Country-Musik der frühen Fünfziger wurde ständig überarbeitet, Ecken und Kanten wurden geglättet, um ,gefälliger? sein zu können. Was die Musik in diesem Film unter anderem vermitteln sollte, war die überraschende Ungeschliffenheit, der Humor, die Frechheit, die Intensität, die Hitze und das Feuer ? all das eben, was die Menschen aufrüttelte, als diese Jungs erstmals vor Publikum spielten.?

Um das zu erreichen, engagierte Mangold Musikproduzent T Bone Burnett (?Unterwegs nach Cold Mountain?, ?O Brother, Where Art Thou??), der auch den Soundtrack zu WALK THE LINE komponierte. ?T Bone war die perfekte Wahl?, so Mangold. ?Nicht nur aufgrund seiner Erfahrung mit dem Filmgeschäft und seinem Zugang zur Roots Music, sondern auch, weil er die ersten Alben aufstrebender Bands neuer produziert hatte, wie ,The Counting Crows? oder ,The Wallflowers?. Unsere Darsteller waren ja quasi auch eine völlig neue Band.?

Der Beginn: Das Treffen mit Johnny Cash "Das war etwas völlig Neues. Die Aufnahme hörte sich wie eine Stimme aus dem Inneren der Erde an? sie war tiefgründig und so war auch der Klang,jede einzelne Zeile. Tiefsinnig, wuchtig, großartig und rätselhaft, alles auf einmal? Er personifiziert das Herz und die Seele, das, was das Land wirklich ausmacht." ? Bob Dylan im Rolling Stone

Als der junge Johnny Cash die Air Force verließ und Mitte der Fünfzigerjahre nach Memphis, Tennessee zog, gab es so etwas wie Rockstars noch nicht. Cash ging es nur darum, dass die Leute seine Songs hören konnten und die darin erzählten Geschichten von glücklosen Menschen, die Glauben und Erlösung suchten. Viele wurden Genre-übergreifend von ihm beeinflusst: Folksänger Country-Sänger und zornige Punkrocker.

Seine Stimme, die nach grobem Schotter klang, die perkussive Schlichtheit seiner Songs, die Art und Weise, wie er seine Gitarre wie ein Gewehr auf das Publikum richtete und die Tatsache, dass seine Lieder von hart arbeitenden Menschen und menschlichen Werten handelten ? all das machte ihn zum Idol der Beatles, von Bob Dylan, Joe Strummer, U2 und Coldplay.

Dennoch kennen die ganze Geschichte vom jungen Johnny Cash nur wenige: Wie er für seine Musik kämpfte, die bisherige Genretypisierungen zerplatzen ließ. Wie er sich beinahe selbst zerstörte, bevor er wirkliche Größe erreicht hatte. Wie er die Liebe fand, die sein Leben verändern würde. Wie so viele andere Menschen aus allen Gesellschaftsschichten hat auch Autor-Regisseur James Mangold Cash schon immer bewundert und war seit langem fasziniert von seiner wegweisenden Rolle in der amerikanischen Musikgeschichte.

In den Neunzigerjahren befand sich Mangold mitten in der Produktion seines Dramas COP LAND (COP LAND,1997), als ihn Cathy Konrad, Mitproduzentin des Films, nach neuen Filmprojekten befragte. Mangold erzählte ihr, dass er schon seit langem die Idee hatte, einen Film über Johnny Cash zu drehen.

Konrad begann zu recherchieren und fand heraus, dass ein enger Freund Cashs die Filmrechte besaß: Schauspieler und Filmemacher James Keach, dessen Frau Jane Seymour mit Cash bei der TV-Serie ?Dr. Quinn: Medicine Woman? (?Dr. Quinn ? Ärztin aus Leidenschaft?) vor der Kamera gestanden hatte. Mangold und Konrad kontaktierten Keach und entschlossen sich gemeinsam, das Projekt zu entwickeln, zu dem Mangold und Gill Dennis das Drehbuch schreiben sollten.

?Ich kann mich noch lebhaft an unsere Aufregung erinnern?, so Konrad, ?als Jim und ich den Zeitpunkt für unser erstes Treffens mit Johnny Cash und June Carter-Cash erfuhren. Wir beiden zum Frühstück eingeladen. Wir warteten gerade in der Lobby des Holiday Inn, als ich plötzlich diese alles durchdringende Stimme hören konnte. Ich drehte mich um und wurde begrüßt: ,Hi, ich bin Johnny Cash?. Da stand er also in seinen Stiefeln und seinen Jeans. Er nahm uns in seinem Mercedes Diesel mit zum Frühstück in sein Haus. Das war eine unvergessliche Erfahrung. Vor dem Essen sprachen sie ein Tischgebet und sangen gemeinsam ein Lied. Das war ein Tag, den Jim und ich nie vergessen werden.?

In den folgenden Jahren verbrachten die Filmemacher viele Stunden mit Johnny Cash und June Carter-Cash, Sie lauschten ihren Geschichten über die Kindertage des Rock and Roll, über ihr turbulentes Leben und ihre sich ganz langsam entwickelnde Romanze. ?Als wir John näher kennen lernten?, fährt Konrad fort, ?stellte Jim ohne Scheu auch provokative Fragen, vor denen viele andere vielleicht zurückgeschreckt wären. Doch John vertraute ihm wirklich, gerade auch in dem Punkt, wie er diese Geschichte erzählen wollte.?

Von Anfang an erkannte Mangold die Chance, eine durch und durch amerikanische Geschichte zu erzählen. Anstatt das ganze Leben des über 70-Jährigen in einen Zweistunden-Film zu packen, entschied sich Mangold, die Aspekte von Cashs Lebensgeschichte zu erzählen, die am dramatischsten und unbekanntesten waren und die ihn am meisten veränderten. Die Jahre also, die seine Kindheit in Armut, seinen Aufstieg zum Star, seinen Absturz und schließlich sein Comeback als Musik-Legende umspannen.

?Diese Geschichte kennen nur sehr wenige?, erläutert Mangold. ?Der junge Johnny Cash und seine Altersgenossen waren Pioniere, die versuchten, ihren Weg zu finden. Was bedeutet es, ein Rockstar zu sein, wenn noch niemand zuvor ein solches Leben gelebt hatte? Wie geht man mit dieser ganzen Aufmerksamkeit um, mit dem Druck, dem Geld, den Fans und den Anforderungen?

Es gab damals keine Roadies, Tourbusse, Fünfsterne-Hotels, Klimaanlagen oder auch Mobiltelefone, um Kontakt mit seiner Familie halten zu können. Männer wie John, Elvis oder Jerry Lee fuhren mit ihrer Ausrüstung jede Nacht von einem schweißtreibenden Auftritt zum nächsten. Niemand weiß, wie hart diese Touren wirklich waren. Für mich war das eine Welt, die man so im Kino noch nicht gesehen hatte.?

Mangold hoffte, dass er etwas von der elektrifizierenden Energie, die sich in diesen frühen Tagen der Rockmusik ent- wickelte, einfangen können würde. ?Es wird immer nur eine Geburtsstunde des Rock geben, einen Augenblick, in dem sich eine musikalische Idee wie diese herauskristalliert?, verdeutlicht Mangold. ?Das wird sich nicht wiederholen. Ich sah darin eine Gelegenheit zu zeigen, wie diese Musik, die die Welt veränderte, von Kids in einem so bescheidenen Umfeld kreiert wurde. Es war eine Revolution, die von einem kleinen Zimmer in Memphis ausging.?

Als Mangold John und June immer besser kennen lernte, berührte ihn die Liebe, die beide füreinander empfanden. Die Filmemacher verstanden schließlich, dass die Beziehung der beiden von entscheidender Bedeutung für ihre musikalische Entwicklung und die Emotionalität ihrer Musik war. ?Die Story von June und John war so wunderschön und dabei eine so einzigartige amerikanische Liebesgeschichte, dass kein Autor die Wirklichkeit hätte übertreffen können?, fährt der Regisseur fort.

?Zehn Jahre lang konnten sie eine gewisse Vertrautheit und Intimität nur auf der Bühne haben. Doch darin liegt ein tiefer romantischer Gedanke, denn auf der Bühne fällt alles von einem ab, man ist lebendig und auf eine ganz ursprüngliche Art mit der Person verbunden, mit der man zusammen singt. Sie brauchten lange, bis sie diese Verbindung, die sie auf der Bühne hatten, auch im Leben verwirklichen durften.?

?Heutzutage ist man schnell etwas zynisch, wenn man sich mit dem Thema ,Liebe? beschäftigt?, ergänzt Cathy Konrad. ?Deshalb waren Jim und ich sehr berührt in der Gegenwart dieser zwei Menschen, die sich beide bei allem unterstützt haben, was einem im Leben so passieren kann. Es war magisch, wenn beide zusammen waren. Man erkannte, dass Liebe die Basis ihrer Beziehung war. Sie ermöglichte beiden, die härtesten Zeiten zu überstehen und der Welt schließlich so vieles zu geben.?

Was den Filmtitel anbetrifft, sah Mangold im Konzept ?seinen Weg beibehalten? etwas, was für Cashs eigenen Kampf von zentraler Bedeutung war. ?Ich glaube, dass der Song ?Walk the Line? so vielen unterschiedlichen Menschen so viel bedeutet, weil er all die Mühen und Anstrengungen thematisiert, die wir auf uns nehmen müssen, um nicht vom Weg abzukommen. Der Song streitet nicht ab, dass das Böse existiert, er gibt auch nicht vor, dass der Sänger jenseits jeglicher Versuchung ist. John singt einfach seine persönliche Wahrheit, dass man jeden Tag daran arbeiten mußs, um ein guter Mensch zu sein.?

?Er sang über seinen Kampf mit all den Kräften und Schicksalsschlägen, die sein Leben bestimmten?, führt Mangold weiter aus. ?Das waren Probleme, die nichts mit seiner Kindheit zu tun hatten: die Drogensucht, die Liebe zu June und die Verantwortung seiner Familie gegenüber.?

Als Mangold zusammen mit Gill Dennis das Drehbuch zu entwickeln begann, stützten sie sich auf die zwei Cash-Autobiografien: ?Man in Black? von 1986 und auf ?Cash ? The Autobiography? von 1997. Beide Bücher beleuchteten die Höhen und Tiefen seines Lebens mit Aufrichtigkeit und Humor. Als die Autoren tiefer in die Materie vordrangen, benutzten sie die Songs von June und John als Richtschnur und Leitfaden.

Mangold kontaktierte weltweit die Besitzer von Läden, die sich auf alte Platten spezialisiert hatten und fand dabei einige seltene, frühe Aufnahmen der beiden, die ihm halfen, Johnnys Lebensgeschichte besser zu verstehen. Diese Texte und Aufnahmen waren quasi ein Fenster in die Gefühlswelt Johnny Cashs und erläuterten die Themen und Gedanken, die ihn damals beschäftigten.

?Es war einfach faszinierend zu erkennen, wie die von Johnny in dieser Zeit geschriebenen Songs genau das reflektierten, was er damals durchmachen mußste. Diese Songs erzählen eine sehr intensive, persönliche Geschichte?, führt Mangold weiter aus. ?Manchmal geschieht das indirekt, aber dennoch erfährt man eine Menge dabei. Obwohl Johnny nie im Gefängnis gewesen ist, schrieb er so viele Songs darüber, weil er sich mit Häftlingen identifizierte. Er hatte das Gefühl, so schwere Fehler gemacht zu haben, dass man ihm dafür nie vergeben könnte. Jahrzehntelang war er in sich gefangen.?

Obwohl June Carter Cash im Mai 2003 verstarb und Johnny Cash ihr nur fünf Monate später folgte, waren Mangold und Konrad dankbar, dass das Paar noch zu Lebzeiten mehrere Fassungen des Drehbuchs gelesen und sich auch dazu geäußert hatte. ?Diese Erfahrung, diese beiden Menschen kennen gelernt zu haben, die so großzügig, freundlich und voller Vertrauen waren, verstärkte in uns den Wunsch, ihnen gerecht zu werden?, fügt Konrad hinzu. ?Wir schätzten uns glücklich, dass sie wenigstens eine Chance gehabt hatten, das Drehbuch zu lesen und dass sie zufrieden waren, wie wir ihre Geschichte erzählten.?

Produzent James Keach kommt zu folgendem Fazit: ?Als Johnny Cash ein Rock-and-Roll-Star wurde, ging er durch den Feuerring, wie es June formulieren würde. Letztlich ist seine Geschichte eine Liebesgeschichte, eine Geschichte über Erlösung und über die Entwicklung des Rock and Roll. Und es ist die Geschichte über die spirituelle Reise eines Mannes, der zu sich selbst fand.?

Joaquin Phoenix: Wie er zu Johnny Cash wurde ?Er hatte nicht nur den Wunsch, sondern auch die Fähigkeit, Vorkämpfer all der Menschen zu sein, die selbst Niemanden haben. Meines Erachtens entwickelte sich die Kraft seiner Performance aus seiner inneren Spannung, er war sehr religiös und gleichzeitig wirklich wild. Ich kann verstehen, warum Rapper diese ?I-shot-a-man-in-Reno??Haltung lieben. Für mich aber repräsentiert er nicht Gefahr, sondern Integrität.? ? Kris Kristofferson im Rolling Stone

Cathy Konrad sah ein Foto von Joaquin Phoenix und fühlte sich an den jungen Johnny Cash erinnert, der sehr emotional und voller Energie war. ?Es war da etwas in Joaquins Augen?, beschreibt es James Mangold, der auch der Überzeugung war, dass Phoenix die Idealbesetzung für die Rolle war. ?Man spürte auch bei ihm diese Sehnsucht, diese unermüdliche Suche nach etwas. Joaquin besitzt diese Ehrlichkeit, die John so ausmachte.?

Ohne ein weiteres Treffen vertraute Mangold seinem Instinkt und gab Phoenix die Rolle. Es stellte sich heraus, dass auch Johnny Cash Phoenix? Darstellung des Kaisers Commodus in GLADIATOR (GLADIATOR, 2000) liebte, für die der Schauspieler eine Oscar®-Nominierung erhalten hatte. Im Kampf um diese Rolle folgte Phoenix seinen Gefühlen. ?Als ich hörte, dass James Mangold einen Film über das Leben von Johnny Cash plante, wollte ich mitspielen, ohne das Drehbuch überhaupt gelesen zu haben?, erinnert sich Phoenix.

?Ich hatte einfach ein wirklich gutes Gefühl bei diesem Gedanken und mir gefiel die Vorstellung, eine so komplexe Rolle spielen zu können und einen Mann darzustellen, der ein so erfülltes Leben geführt hatte.? Phoenix wusste nicht viel über Johnny Cashs Anfänge als Rock-and-Roll-Pionier und fand deshalb die Story sehr aufschlussreich. ?Viele Leute kennen Johnny Cash nur als ?Man in Black?. Für mich war es sehr aufregend, etwas über seine frühen Jahre und seinen Durchbruch mit Sun Records zu erfahren, zu einer Zeit, als es mit dem Rock and Roll gerade so richtig losging.?

Darstellung größtenteils an June Carters Beobachtung, dass Johnny zwei ganz unterschiedliche Persönlichkeiten besaß: Es gab den Mann, den sie John und ein Alter Ego, das sie Cash nannte. Cash war der wilde, sture Egoist, den es zur dunklen Seite des Lebens zog. John dagegen war der ehrliche, verletzliche Mann, der ein Leben lang auf der Suche nach Etwas war.

Von dem Moment an, als Phoenix die Rolle bekommen hatte, trug er eine Gitarre mit sich herum. Er tauchte in Johnny Cashs Leben und Musik ein, las seine Autobiografien, sah sich Archivaufnahmen von seinen frühesten Auftritten an und hörte jede seiner Platten. Obwohl Johnny Cash starb, bevor Phoenix ihn kennen lernen konnte, empfand der Schauspieler Zufriedenheit, dass Cash seiner Besetzung zugestimmt hatte.

?Ich fand es sehr aufregend, wie stark John an der Entwicklung von Jim Mangolds Drehbuch beteiligt war und wie sehr Jim entschlossen war, diese Story richtig zu erzählen. Das bedeutete mir sehr viel. Es nahm mir etwas von dem Druck, weil John ein Mensch war, dessen Integrität man immer spüren konnte. Die Menschen schätzten Johns Glaubwürdigkeit.?

Phoenix wusste, dass er zunächst in die Seele des Musikers Cash vordringen mußste, bevor er die Seele des Menschen erforschen konnte. Dazu mußsten Cashs Art der Bühnen-Performance und sein Gitarrenstil ein organischer Teil von Phoenix? Darstellung werden.

Mangold erinnert sich: ?Eine Sache die mir John über den erzählte, der seine Figur spielen würde, war: ?Ich hoffe nur, dass er weiß, wie man eine Gitarre halten mußs. Man hält sie nicht wie ein Baby, als ob man Angst davor hätte, dass sie zu Bruch geht. Man packt sie an ihrem Hals?. Deshalb wusste ich, dass Joaquin mit seiner Gitarre umgehen mußste, als hätte sie ihn sein ganzes Leben lang begleitet ? und genau das hat er getan.?

?Johnny bewegte sich auf der Bühne auf eine ganz besondere Art und Weise?, erläutert Phoenix. ?Er schlug die Gitarre auf seine ganz eigene Art an, was wesentlich zur Energie seiner Auftritte beitrug. Die Gitarre mußste mir richtig vertraut werden, denn sie war beinahe eine physische Ausdehnung von John. Sie war sein bester Freund, und ich glaube er fühlte sich sehr verletzbar, wenn er sie nicht in seiner Hand hatte.?

Phoenix hatte nicht die Absicht, Cashs Stimme zu imitieren. Stattdessen sollte der Gesang des Schauspielers tief aus seinem Innersten kommen. ?Jim ging es um einen rohen, ungekünstelten Ansatz?, erklärt Phoenix. ?Damit wollte er die Intimität einfangen, die entsteht, wenn jemand einen Song schreibt und ihn in diesem Augenblick auch singt. Man kann in einer solchen Szene nicht lippensynchron Playback singen, denn die Art der Performance ist ein zentraler Bestandteil der Rolle. Musik war immer ein Teil dessen, wie John kommunizierte, was er fühlte und was er wahrnahm. Das konnte man nicht simulieren oder verfälschen.?

Spontaneität war deshalb ein Schlüsselelement in Phoenix? Performance. ?Ich habe erkannt, dass es in den frühen Auftritten von John immer etwas Unberechenbares gab. Man wusste nie, wann er einfach einen Song mittendrin abbrechen und das Publikum ansprechen würde. Ich hielt es für wichtig, diese Ursprünglichkeit zu vermitteln?, erläutert der Schauspieler. ?Der Film spielt in einer Zeit, in der es perfekte, ausgefeilte Liveshows noch nicht gab. Spezialeffekte auf der Bühne oder ausgetüftelte Lightshows kannte man noch nicht. Es stand nur ein Mann auf der Bühne, der seine Seele entblößte. Meiner Ansicht nach machte diese einfache Ehrlichkeit und Intimität Johnny Cashs aus.?

Phoenix mußste dann einen anderen Gang einlegen, als er sich einigen der turbulentesten und quälendsten Momente in Cashs Leben zu stellen hatte, darunter auch Cashs Versuchen, sich von seiner ruinösen Abhängigkeit von Amphetaminen zu befreien. ?Als Johnny sie Ende der Fünfzigerjahre zu nehmen begann, hatte er dafür fast pragmatische Gründe?, erklärt Phoenix.

?Damals hatten Musiker einen so intensiven und anstrengenden Tourkalender. Sie waren ihre eigenen Roadies, Techniker und Busfahrer. Der Hauptgrund, warum Johnny Amphetamine nahm, war einfach um durchhalten zu können. Außerdem gab er zu, dass ihn die Pillen auf der Bühne selbstsicherer machten. Aber das Ganze wurde schnell sehr exzessiv, und er machte eine harte Zeit der Sucht durch. Genau zu dieser Zeit verliebte er sich in June.?

Für den Schauspieler war die Liebe von Johnny Cash und June Carter etwas ganz Besonderes. ?Sie war eine Frau, die sich nichts gefallen ließ, der man nichts vormachen konnte, und das war John wirklich wichtig. Er brauchte diese Stärke in seinem Leben. Ihre Musik hatte er immer geliebt, aber als er sie dann kennen lernte, entdeckte er, dass sie in vieler Hinsicht ganz anders war als er selbst. Sie stand mit beiden Beinen auf dem Boden und die Selbstsicherheit, die sie ausstrahlte, zeigte ihm, wie man durchhalten konnte.

Für Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon war die Produktionszeit von WALK THE LINE emotional sehr anstrengend. ?Wir haben eine Reihe schwieriger Erfahrungen zusammen durchgemacht?, erläutert Phoenix, ?denn wir wussten, dass wir es mit den guten und schlechten Aspekten dieser Charaktere aufnehmen mußsten. Letztendlich aber?, fasst Phoenix zusammen, ?hätte ich die Persönlichkeit von John nicht finden oder begreifen können, wenn nicht Reese das auch mit June gelungen wäre.?

Reese Witherspoon: Wie sie zu June Carter Cash wurde ?Es war ihre große Leiden schaft und Mission, meinem Vater Auftrieb zu geben. Sie war seine liebste Gefährtin, sein musikalischer Partner, seine Seelenverwandte und sein bester Freund.? ? Roseanne Cash in einer Ehrung für June Carter Cash

Die Besetzung von Reese Witherspoon als June Carter Cash war genauso spontan wie die Entscheidung, Johnny Cash von Joaquin Phoenix spielen zu lassen. ?Reese war einfach unsere erste Wahl?, stellt James Mangold fest. ?Ich kannte Reese schon eine ganze Weile und war immer verblüfft darüber, wie sehr ihre Energie der von June glich. Ich war der Ansicht, dass sie in dieser Rolle wirklich beide Seiten ihrer Persönlichkeit zeigen konnte. Die eine Seite von ihr sehen wir in ihren Komödien: eine bissige, kecke, schöne und superselbstsichere junge Frau.

Aber Reese ist auch eine Mutter, die sich ganz ihren zwei Kindern widmet, die klug und sehr stark mit ihrem Umfeld, mit der Welt, die sie umgibt, verbunden ist. Auf ganz ähnliche Weise war June eine Komödiantin auf der Bühne, war albern, frech und witzig. Aber nach der Show nahm sie es sehr ernst, ihre Familie ernähren und ihren Kindern eine gute Mutter zu sein.?

Und dann gab es da noch den Aspekt der Chemie zwischen den Darstellern. ?Von Anfang an war es für uns sichtbar, dass Reese und Joaquin großartig zusammen sein würden?, erinnert sich Cathy Konrad. ?June besaß eine wunderbare Energie und Lebendigkeit, von der John profitieren konnte, und genau das strahlt Reese an der Seite von Joaquin aus.?

?Für mich war das eine sehr emotionale Erfahrung, June darstellen zu können?, gibt Witherspoon zu. ?Von Beginn an spürte ich, dass ich eine große Verantwortung tragen würde, diese wunderbare Frau zu verkörpern, deren Leben so vielen Menschen so viel bedeutet hat. Ich will damit sagen, dass die Bücher und Aufzeichnungen von June Carter mich sehr inspiriert haben ? als Mutter, Entertainerin und als Ehefrau. Deshalb war diese Rolle eine Herausforderung, eine bescheiden machende und gleichzeitig auch erschütternde Erfahrung.?

Witherspoon begann mit ihrer Vorbereitung, indem sie versuchte, in June Carters Welt vorzudringen. ?Glücklicherweise hatte Jim June und John richtig gut kennen gelernt. Weil Joaquin und ich die beiden nie getroffen hatten, haben wir durch Jims Erzählungen eine Menge über sie erfahren?, erklärt Witherspoon. ?Jims Leidenschaft für diese beiden Menschen und für das, was sie repräsentierten, war ein echte Inspiration.? Mangold führte mit Witherspoon viele Gespräche darüber, wie June Johnny Cashs Lebensweg veränderte, als er ganz unten war.

?June war kein Püppchen, keine Träumerin?, sagt Mangold. ?Ihr war klar, dass die Dunkelheit John ein Leben lang begleiten würde. Sie wusste auch, dass es für Johns künstlerische Entwicklung wichtig war, diese Schattenwelt zu erforschen. Aber Grausamkeit oder Unverantwortlichkeit wollte sie nicht tolerieren, ganz besonders, da sie wusste, welcher Mensch wirklich in ihm steckte. Sie zeigte John die Grenzen auf, die ihm klar machten, welche Art Mann er sein mußste, wenn er mit ihr zusammen sein wollte.?

Wie schon Phoenix fand auch Witherspoon den Zugang zu June Carters Herz nicht nur in ihrer Persönlichkeit, sondern auch in ihrer Musik, ganz besonders in ihrer musikalischen Beziehung zu Johnny Cash. Plötzlich tauchte die Schauspielerin in eine völlig neue Welt des Liveauftritts ein, die sie sich so nicht vorgestellt hatte.

?Als ich mich auf diese Rolle einließ?, so Witherspoon, ?hatte ich nicht die geringste Ahnung, dass ich monatelang Harfe lernen, Gesangsstunden nehmen, mit Profimusikern arbeiten und jeden Tag Songs aufnehmen mußste. In vieler Hinsicht hat mich das alles völlig überwältigt. Trotzdem machte es auch großen Spaß und ich konnte durch diese Erfahrung unglaublich viel lernen. Auf sehr komprimierte Art bekam ich einen Vorgeschmack auf all die unglaublichen Dinge, die sich June Carter während ihres Lebens angeeignet hatte.?

Während sie als Sängerin und Performerin ganz neue Fähigkeiten erwarb, entwickelte Witherspoon ein Gespür dafür, wie June Carters Gefühle für Johnny Cash in diesen ersten Jahren waren. ?Ich denke, dass von dem Moment an, als June von Johns Gitarrenanschlag gefesselt war, zwischen den beiden eine tiefe Verbindung entstand. Beide aber waren mit anderen Partnern verheiratet. Deshalb ließen sie diese Bindung in ihre Musik einfließen. Ich halte die Entwicklung dieser Romanze für wirklich interessant, denn sie brauchten viele Jahre, um wirklich bereit zu sein, sich aufeinander einzulassen und einander zu vertrauen. Doch sobald sie zusammenfanden, haben sie sich nie wieder voneinander getrennt.?

?Für mich ist diese Ehe etwas wirklich Schönes und Wunderbares?, fährt Witherspoon fort. ?Es ist etwas Besonderes, jemanden zu finden, der sowohl dein Seelenverwandter als auch dein bester Freund ist. Zum Teil sprach mich WALK THE LINE auch deshalb an, weil ich wirklich an diese Ideale glaube. Und die Geschichte von John und June ist eine Gelegenheit, das auch zu feiern.?

Ganz besonders inspirierend fand Witherspoon die emotional unverfälschte Darstellung von Joaquin Phoenix. ?Die Zusammenarbeit mit Joaquin war wunderbar, weil er es so großartig versteht, ein authentisches Drama zu kreieren?, sagt sie. ?In allem, was er tat, schien er etwas Wesentliches über die Seele und den Geist von Johnny Cash zu vermitteln.?

Die Liveauftritte als Johnny und June Carter Cash ?Ich hatte meine allererste Tour zusammen mit Johnny Cash, das war 1956 und ist eine Ewigkeit her. Es gab nur mich, ihn und Carl Perkins. Es war eine 30-Tage-Tour durch ganz Kanada. Es gab keine asphaltierten Highways oder überhaupt etwas ? nur Schotterstraßen. Ich erinnere mich gut, was für ein großer Entertainer Johnny war. Die Art, wie er sang, unterschied sich völlig von uns. Er hatte einen total anderen Stil, den er selbst entwickelt hatte.? ? Jerry Lee Lewis im Rolling Stone

James Mangold wusste, dass es seine größte Herausforderung sein würde, die Musik von Johnny Cash und seine vor Energie sprühenden Auftritte wieder zum Leben zu erwecken. Mangold wollte, dass man als Zuschauer die körperliche Erregung und die Gefühle erfahren sollte, die mit diesen Auftritten verbunden waren. Lippensynchrones Playback hielt er für zu mechanisch und Distanz schaffend.

Das wäre das komplette Gegenteil zu Johnny Cashs Musik gewesen. Aber wie sollte es Schauspielern gelingen, egal, wie talentiert sie waren, die unverwechselbaren Stimmen von Cash und Carter zu finden, ohne in übertriebene Nachahmung abzudriften? Die Lösung, glaubte Mangold, lag darin, dass Phoenix und Witherspoon sich auf die Wahrhaftigkeit der beiden Hauptcharaktere und auf deren Musik konzentrierten.

?Mein Hauptaugenmerk war die Musik. Eine Persönlichkeit kann sich durch Musik ausdrücken. Und ich hatte die Vorstellung, dass ein Lied sich aus dem entwickelt, was der Sänger denkt und fühlt. Dinge, die er nur musikalisch und auf gar keine andere Art und Weise ausdrücken kann. Aber wie setzt man das um?

Um John sehen zu können, wie er seine Songs kreierte, konnte man nicht nur einfach einen Knopf auf einem Cassettenrekorder drücken, das spürte ich. Ich wollte sehen, wie ,Folsom Prison? in einer Kaserne in Deutschland geboren wurde. Ich wollte Johns Vorsingen für Sam Phillips sehen, wie er quasi wie nackt vor dem Mikrofon stand, ein unerfahrener Typ, der dort aus sich herausgehen mußste.?

?Es war wie ein großes Glücksspiel?, gibt Cathy Konrad zu. ?Trotzdem war es etwas, das Jim und ich entschieden vertraten, sobald wir uns erstmals über den Film unterhielten. Wir wollten eine Erfahrung vermitteln, die nur möglich war, wenn die Schauspieler in ihren Rollen selbst sangen. Wir haben uns so auf diese Idee eingelassen, dass ich w

rklich denke, wir haben uns eingeredet, es würde funktionieren, ohne zu wissen, wie wir das überhaupt erreichen sollten. Einen großen Einfluss hatte der Film COAL MINER?S DAUGHTER (NASHVILLE LADY, 1980) auf uns ? ganz besonders, weil wir uns beide erinnern konnten, wie sensationell Sissy Spacek in diesem Film war, die die Songs als Loretta Lynn selbst sang.?

Trotz dieses Vorbilds schreckte diese Herausforderung die Darsteller ab. ?Die Live-Auftritte im Film waren das Härteste, was ich je machen mußste?, gibt Reese Witherspoon zu. ?Man kann sich nicht vorstellen, wie nervenaufreibend es ist, auf der Bühne vor Publikum singen zu müssen, wenn man das professionell zuvor noch nie getan hat. Aber es machte auch großen Spaß, sich auf etwas einzulassen, das so völlig fremd und so weit entfernt von den vertrauten Erfahrungen war.?

Mangold nahm Phoenix und Witherspoon viel von ihrem Druck, indem er deutlich machte, dass es ihm nicht um glatte musikalische Perfektion ging. Stattdessen wollte er eine Performance, die energiegeladen und authentisch war, denn genau das hatten auch June Carter und Johnny Cash als ihre Stärken betrachtet. ?Weder John noch June saßen herum und prahlten mit ihren Gesangsqualitäten?, erklärt Mangold.

?Beide haben mit ihren Stimmen Brillantes geleistet, aber nicht notwendigerweise will man beide auch von ausgebildeten Sängern verkörpern lassen. Ich spürte immer, dass es in der Darstellung der beiden vor allem um Authentizität gehen mußste, und darauf haben sich Joaquin und Reese mit ganzem Engagement eingelassen.?

Für die Komposition des Soundtracks und die Produktion der Songs verpflichtete Mangold T Bone Burnett ? den hochgelobten Roots-Rock-Produzenten, Songwriter und Musiker, der für die preisgekrönten Soundtracks zu O BROTHER, WHERE ART THOU? (O BROTHER, WHERE ART THOU?, 2000) und COLD MOUNTAIN (UNTERWEGS NACH COLD MOUNTAIN, 2003) verantwortlich war.

Burnett konnte es sich nicht nehmen lassen, zu versuchen, einem seiner musikalischen Helden mit seiner Arbeit gerecht zu werden. ?Johnny Cash hatte mein ganzes Leben lang eine große Bedeutung für mich?, erzählt Burnett. ?Wie Mark Twain oder Walt Whitman gehört er zu den ganz großen Persönlichkeiten der amerikanischen Kultur. Gleichzeitig aber war er sehr wild und damit Teil der Rock-and-Roll-Kultur.?

Johnny Cash, wie er in WALK THE LINE zu sehen ist, ist vom Feuer der Jugend und vom Zorn angetrieben. ?In gewisser Weise ist das der Punk-Johnny-Cash?, bemerkt Burnett. ?Was ihn von den anderen unterschied, ist, dass er immer allein explodierte, dass er etwas tat, was sonst keiner machte. Er war einfach ein völlig einzigartiger Charakter.?

Um die Schauspieler in Johnny Cashs Welt der ständigen Tourneen eintauchen lassen zu können, kreierten Mangold, Konrad und Burnett eine Art Rock-and-Roll-Trainingslager. Dazu gehörten Musikunterricht, Übungsstunden als Solist, mit der Band oder im Aufnahmestudio. Diese Idee war von unschätzbarem Wert.

?Das war eine gute Entscheidung?, erzählt Mangold, ?denn Joaquin und Reese sind sehr intuitiv, sie haben eine schnelle Auffassungsgabe. Weil sie sich selbst immer und immer wieder anhören konnten, waren sie in der lage, zu reagieren, sie hatten die Chance, sich wirklich zu entwickeln. Es war faszinierend zu beobachten, wie sie sich verbesserten.?

In dieser Phase der Produktion arbeitete Burnett mit Joaquin Phoenix an 25 frühen Songs von Johnny Cash. ?Wir haben viel Zeit damit verbracht, mit den Instrumenten zu üben, am Klang zu arbeiten und alles zu verfeinern?, erinnert sich Burnett.

?Joaquin betrat das Studio, nahm etwas auf, hörte sich seine Stimme an und nahm dann Veränderungen vor. Plötzlich fand er tief in seinem Brustkorb eine weitere Oktave, von der er zu Beginn der Sitzung nicht einmal wusste, dass er sie meistern könnte. Auch als Gitarrist hat er sich sehr gut entwickelt. So viel von Cashs Herzschlag zeigt sich im Rhythmus seiner Spielweise, und genau das hat Joaquin in sich gefunden.?

Von Reese Witherspoons Entwicklung als Sängerin war Burnett ähnlich beeindruckt. ?Reese stammt aus Nashville, deshalb war der Südstaatenakzent kein Problem für sie?, erzählt Burnett. ?Aber ging es ums Singen, war sie anfangs sehr zurückhaltend. Dann saß ich eines Tages mit Reese zusammen in meinem Garten. Ich nahm die Gitarre und sie sang ,Wildwood Flower? ? und dies wirklich. Sie ,versuchte? nicht zu singen, und genau das war perfekt. Das war ein wichtiger Moment, denn sie sang ganz frei. Man hatte den Eindruck, June Carter hätte von ihr Besitz ergriffen. Es war schön, wie es ihr gelang, so authentisch zu wirken.?

Burnett wollte nicht nur die Musikaufnahmen überwachen, sondern auch den Soundtrack komponieren. ?Ich dachte, wenn ich beide Aufgaben übernähme, würde das für größere musikalische Harmonie sorgen. Johnny Cashs Auf-nahmen waren ungeschliffen und hart. Es hätte somit nicht funktioniert, einen Hollywood-Komponisten einen Soundtrack schreiben zu lassen, der mit unserem authentischen, wirklichkeitsnahen Ansatz für die Musik kollidiert wäre.?

Für den Gitarren-lastigen Soundtrack des Films bediente sich Burnett bei drei bekannten Melodien von Cash und entwickelte daraus verschiedene Variationen. Als es daran ging, die Live-Auftritte der Darsteller aufzunehmen, war es Burnetts erste Entscheidung, auf Digitaleffekte zu verzichten. ?Digitalen Hall auf einen Johnny-Cash-Song zu legen?, so Burnett, ?ist etwa so, als würde man die ?Texas Two? in Raumanzüge stecken. Wir wollten erreichen, dass der Sound wie damals klingt.?

Burnett bestand auch darauf, Instrumente aus dieser Zeit benutzen zu können. ?Gitarren wurden damals aus Materialien gemacht, aus denen die Russen Raketentreibstoff herstellten. Typisch für diese Gitarren war ein sehr leichter Nachklang, womit sich ihr Sound völlig von dem unterschied, was wir heute gewohnt sind. Wir mußsten uns also Gitarren und Mikrofone aus dieser Zeit besorgen. Wir mußsten auch wie früher auf Band aufnehmen und all die alten Sachen benutzen, die es damals in den Aufnahmestudios gegeben hat.?

Die Live-Auftritte des Films hatten einen stimulierenden Effekt auf dem Set. Die Schauspieler mischten sich unter die Musiker, tauschten professionelle Geheimnisse aus. James Mangold erinnert sich: ?Die Schauspieler, die keine Profimusiker waren, wurden Musiker, und umgekehrt die Musiker Schauspieler. Und alle profitierten vom Vorteil, dass sie sich gegenseitig unterstützen konnten. Es entstand eine wunderbare Atmosphäre einmaliger Kreativität, und das floss auch in die Geschehnisse auf der Leinwand ein.?

Die Nebendarsteller ?Wie gut, dass ich gelernt habe, dass es zwischen Himmel und Hölle keinen Zaun gibt, auf den man sich setzen kann. Es gibt eine tiefe, weite Kluft, einen Spalt,und darin ist kein Platz für einen Mann.? ? Johnny Cash

Sobald Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon besetzt waren, wandten sich die Filmemacher den Nebenrollen zu, darunter die Rolle von Johnnys erste Frau, seine Bandmitglieder und auch die zukünftigen Rock-and-Roll-Ikonen, die ihn auf den Touren begleiteten.

Country-Star Shelby Lynne feiert in der Rolle von Johns Mutter Carrie Cash ihr Filmdebüt. Robert Patrick aus TERMINATOR 2: JUDGEMENT DAY (TERMINATOR 2: TAG DER ABRECHNUNG, 1991) spielt Ray Cash, der durch seine emotional zutiefst unglückliche Beziehung zu John an einen Scheideweg gelangt (Patrick verkörperte kürzlich auch Vernon Presley in der Miniserie ?Elvis?).

Shelby Lynne wuchs mit einer großen Bewunderung für Johnny Cash auf und war begeistert davon, Teil dieser Geschichte sein zu können. Am Todestag von Cash schrieb sie den Song ?Johnny Met June?, der auch auf ihrem letzten Album ?Suit Yourself? erschien. ?Ich war mein ganzes Leben lang ein Fan ? nicht nur von seiner Musik, sondern auch von dem Mann, der so standhaft war?, blickt Lynne zurück. ?Er hatte seine Probleme in seinem Leben, aber er blieb immer eine Inspiration.?

Durch ihre Rolle empfand Lynne enormen Respekt für die Mutter, die unter der Last großer Armut und nach dem tragischen Unfalltod eines ihrer Söhne versuchte, ihre Kinder aufzuziehen. Als wollte sie die Härte ihres Mannes ausgleichen, brachte Carrie einen tiefen Glauben und bedingungslose Liebe in die Familie ein und hielt sie damit zusammen. ?In meinen Augen war Carrie ein Ort des Trostes, an den sich John immer wenden konnte?, sagt Lynne.

Besonders gefiel Lynne die enge Zusammenarbeit mit Robert Patrick, dessen darstellerisches Geschick, Ray als von Seelenqualen geplagter Vater zum Leben zu erwecken, für intensive Gefühle in den Familienszenen sorgte. ?Ich war so dankbar, mit Robert zusammenarbeiten zu können?, schwärmt Lynne. ?Es erstaunte mich, wie es ihm gelang, mit diesem Charakter auch Sympathie und Aufrichtigkeit zu zeigen. Und Joaquin war einfach brillant. Er wirkt so authentisch, steckt so voller Energie. Er liebt diese Figur.?

Ein anderer wichtiger Einfluss auf Johnnys Leben in dieser Zeit war seine erste Frau Vivian Liberto, die hingebungsvolle Mutter seiner Kinder Roseanne, Kathleen, Cindy und Tara. Sie heirateten 1954, bevor Johnny auch nur einen Song aufgenommen hatte, aber sobald er ein Star wurde, veränderte das beider Leben. Vivian wird von Ginnifer Goodwin dargestellt, die in Mike Newells MONA LISA SMILE (MONA LISAS LÄCHELN, 2003) mitwirkte. Die Schauspielerin empfand große Sympathie für ihre Rolle.

?Ich glaube, dass ihre Beziehung unter anderen Umständen funktioniert hätte?, erklärt Goodwin. ?Aber es war eben eine turbulente Zeit. Sie versuchte zuhause allein ihre Babys großzuziehen und eine gute Hausfrau zu sein, während er immer unterwegs war und sich voll und ganz seiner Karriere widmete. Meiner Ansicht nach ist es sehr hart für eine Ehefrau, wenn ihr Partner seine ganz Zeit nur in die Arbeit investiert. Vivian begann Johnnys Talent als etwas zu sehen, das ihn von ihrer Ehe entfernte. Ich habe irgendwo gelesen, dass sie jede Nacht geweint hat, in der Johnny auf Tour war.?

Goodwin fand nur wenig veröffentlichtes Material über Vivians Leben und ihre Ehe mit Johnny Cash. ?Sie war ein sehr privater und beschützender Mensch?, bemerkt Goodwin. ?Wir können vermuten, dass sie eine Romantikerin war und sich in ihrer Ehe zunehmend allein gelassen fühlte. Im einzigen Interview, das ich von Vivian fand, sprach sie über Johns Drogensucht.

Sie sei so naiv gewesen, dass sie zwar ahnte, dass etwas nicht mit ihm stimmte, aber eben nicht wusste, was das war. Und als sie entdeckte, dass die Pillen der Grund waren, glaubte sie noch immer, dass er sie einfach absetzen könne und damit alles wieder in Ordnung käme.?

In Wirklichkeit aber hatte ihre Ehe irreparable Schäden erlitten. Für Goodwin waren die Szenen, in denen sich der Bund von Vivian und John auflöst, besonders herzzerreißend. ?Jedes Mal, wenn ich Joaquin und Reese auf dem Set beobachtete, regte ich mich auf, denn ich identifizierte mich damit, wie Vivian für ihre Liebe zu diesem Mann lebte. Es war sehr hart zu beobachten, wie er von ihr weggezogen wurde. Aber es beeindruckte mich auch, wie stark sie gewesen sein mußste, um diese wunderschönen Töchter allein großzuziehen.?

Bei der restlichen Besetzung für ihren Film konzentrierten sich Mangold und Konrad darauf, Weltklasse-Musiker zu finden, die der kinetischen Energie und den explodierenden Talenten solcher Rockpioniere wie Elvis Presley, Roy Orbison und Jerry Lee Lewis ihren Tribut erweisen konnten. Das Ziel der Filmemacher war es, einen fühlbaren Realismus, eine fühlbare Leidenschaft für die Musik zu erschaffen.

?Nachdem wir Joaquin und Reese besetzt hatten, mußsten wir die richtigen Leute finden, die sie unterstützen konnten?, erzählt Konrad. ?Und wir entschieden uns, dass wir lieber auf großartige Musiker als auf große Schauspielernamen zurückgreifen wollten. Daraus resultierte eine der erfreulichsten Casting-Veranstaltungen, die ich je erlebt habe, wo die Leute mit ihren Instrumenten bis auf die Straße hinaus Schlange standen. Es gab so viele, die John und seine Musik liebten ? und alle erschienen aus diesem Grund bei uns.?

Bei der Besetzung des jungen Elvis Presley, von Jerry Lee Lewis und Roy Orbison ließen sich die Filmemacher einen gewissen Spielraum. ?Wir hatten das Gefühl?, so Cathy Konrad, ?dass wir uns das erlauben durften, schließlich kannte den 20-jährigen Elvis kaum jemand. Deshalb suchten wir nach Männern, die das Wesen dieser Musiker vermitteln konnten, und nicht nach exakten physischen Kopien.

Ich werde nie vergessen, wie Tyler Hilton zum öffentlichen Casting erschien. Er setzte sich mit seiner Gitarre hin und man sah einfach diesen ,Elvis-Funken? in seinen Augen. Er war so natürlich, und ich erinnere mich, wie T Bone Burnett mir einen Zettel gab, auf dem einfach nur stand: ELVIS. Dem stimmten wir alle zu.?

Hilton, ein 21-jähriger Künstler, der in der Warner-Brothers-Serie ?One Tree Hill? einen Musiker spielt, war verblüfft, als man ihm die Rolle des Elvis anbot. ?Ich dachte nur, worauf habe ich mich da eingelassen?, erinnert er sich. ?Aber ich fühlte mich auch geehrt, denn ich kenne keine anderen Filme, in denen der wirklich junge Elvis eine Rolle spielt.?

Der Elvis, wie man ihn in WALK THE LINE sehen kann, ist noch kein großer Star. Er ist ein aufstrebender Sänger, der wie so viele andere um seinen Durchbruch in der brandneuen Rock-and-Roll-Szene kämpft. ?Die Herausforderung dieser Rolle ist, dass Elvis auf dem ganzen Planeten in jeder Sprache Nachahmer gefunden hat?, erklärt Hilton.

?Deshalb habe ich mir die frühesten Bänder angesehen, auf denen man ihn sprechen sehen konnte, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie er damals wirklich war. Er hatte damals noch viel mehr von einem Südstaatler, von einem Hillbilly. Er war sehr höflich und unbeholfen. Seine Bewegungen waren noch nicht so ausgefeilt, und was seine Musik betrifft, war das Rock-and-Roll, der gerade erst begonnen hatte, richtig loszufetzen. Das einzufangen zu versuchen, war richtig aufregend.?

Eine andere Figur, einer der exzentrischsten Charaktere aus den frühen Tagen des Rocks, hat eine große Rolle in WALK THE LINE: der berüchtigte wilde Mann, Jerry Lee Lewis, auch bekannt als ?the Killer?. Ihn verkörpert der 31-jährige Texaner Waylon Payne, ein Country- und Rockmusiker. Payne ist der Sohn der Grammy-Preisträgerin und Sängerin Sammi Smith und von Jody Payne, dem Gitarristen von Willie Nelson. Außerdem ist er Patensohn von Waylon Jennings.

Er wuchs also im Musikgeschäft auf und weiß aus erster Hand, wie verrückt das Leben auf Tour sein kann. Darüber hinaus hatte er das Privileg, dass er Johnny Cash persönlich kannte. ?Du hast Johnnys Platten gehört, hast ihn im Fernsehen gesehen??, stellt Payne rhetorische Fragen. ?Nun, das ist John Cash. Er war genau so, wie er sich präsentierte. Er war ein guter, freundlicher, gottesfürchtiger, sanfter, eleganter und bescheidener Mann, den man gerne gekannt hat.?

Obwohl Payne den langjährigen Freund seiner Familie, Willie Nelson, noch mit Jerry Lee Lewis gemeinsam auftreten sah, kannte er Lewis nicht persönlich. Deshalb verließ er sich auf seine Recherche und seinen Instinkt, um diese Figur auf der Leinwand zum Leben zu erwecken. ?Ich wollte, dass Jerry Lee wie ein Mensch aus dem realen Leben wirken sollte", erzählt Payne.

?Grundlagen meiner Darstellung waren zum größten Teil Bücher, die über ihn geschrieben wurden, sowie altes Archivmaterial, das wir in Memphis fanden. Nach allem, was ich über ihn gehört habe, war er eine sehr gequälte Seele, aber auch ein Teufelsbraten. Auf Tour, dessen bin ich mir sicher, wäre er Johns skandalöser Komplize gewesen.?

Ein anderer junger Mann, der von der amerikanischen Musikgeschichte durchdrungen ist, spielt Country-Legende Waylon Jennings. Es ist sein Sohn Shooter Jennings, selbst ein aufstrebender Musiker und Sänger. ?Die Vorstellung, dass Shooter Jennings seinen Vater verkörpern sollte, faszinierte uns, aber wir hatten unsere Bedenken?, gibt Konrad zu. ?War das der richtige Weg?, fragten wir uns. Und dann, bevor wir diese Frage selbst beantworten konnten, kam er auf uns zu und brach so das Eis.? Große Recherche mußste Jennings nicht betreiben.

?Ich habe John oft mit meinem Vater gesehen und weiß deshalb, wie sie miteinander umgingen?, erläutert Shooter Jennings. ?Meinen Vater zu imitieren, war leicht, besonders mit einer Gitarre in meiner Hand. Trotzdem war es auf jeden Fall etwas merkwürdig. Mit ein paar filmischen Zaubereien verwandelten sie mich in den 19-jährigen Waylon, und ich flippte aus, als ich mich im Spiegel sah.?

Jennings hat lebhafte Erinnerungen an Johnny Cash. ?Ein paar Mal in meinem Leben, als ich noch jung war, gab er mir Ratschläge. Er war sehr nach innen gekehrt, sehr spirituell?, blickt Jennings zurück. ?Er war außerdem sehr intelligent und stark. Er erzählte mir einmal, dass man, wenn man nur zwei Sachen in seinem Leben lesen würde, dies die Briefe des Paulus an die Korinther und Lincolns Gettysburg-Ansprache sein müssten.?

Waylon Jennings und Johnny Cash wurden Freunde auf Lebenszeit, wohnten zusammen in einem Appartment, als beide in den Sechzigerjahren abgestürzt waren ? eine Phase, die in WALK THE LINE zu sehen ist. ?Mein Dad erzählte mir immer wieder diese Geschichten darüber?, erinnert sich Shooter Jennings.

?Die Karriere von beiden war ins Stocken geraten und beide nahmen Drogen. Aber keiner gab es dem anderen gegenüber zu. Mein Dad erzählte mir, wie sie sich gegenseitig belogen und versuchten, ihre Probleme voreinander zu verstecken. Aber John und Dad verband eine große Freundschaft. Sie haben als Freunde, Künstler und Musikliebhaber so vieles gemeinsam durchgemacht. In diesem Film kann man sehen, wie diese Freundschaft so vieles überstanden hat.?

Weil Shooter Jennings Johnny Cash so gut gekannt hatte, war er ganz besonders von der Darstellung von Joaquin Phoenix beeindruckt. ?Joaquin besitzt das gleiche Maß von enormer Stärke und Verletzlichkeit. Man liebt ihn auf Anhieb und fürchtet ihn auch. Und bei Johnny war das genauso. Joaquin klingt sogar genau wie Johnny. Er hat etwas in Johnny Cash gefunden, das kein anderer Schauspieler hätte finden können.?

Das Design: Leben auf Tour mit Johnny Cash ?Man hat einen Song den man aus dem Bauch heraus singt, den das Publikum auch im Bauch spüren soll. Und man mußs das Publikum glauben lassen, dass man zu ihm gehört, dass man auch da draußen sitzt.? ? Johnny Cash

Die Filmemacher erweckten die vielen verschiedenen Welten aus den frühen Jahren von Johnny Cash wieder zum Leben: die harte Kindheit auf einer Farm in Arkansas, seine Entdeckung in den Sun Studios in Memphis, seine Auftritte in der Grand Ole Opry in Nashville bis hin zu seinem heute legendären Konzert im Gefängnis von Folsom, in Kalifornien.

Die Ausstattung des Films fängt die ursprüngliche Begeisterung ein, wie sich Rock and Roll zu einer der bedeutendsten und populärsten Kunstformen Amerikas entwickelte. Um das zu erreichen, scharte James Mangold ein Team von kreativen Spitzenkräften um sich, dem unter anderem Kameramann Phedon Papamichael, Produktionsdesigner David J. Bomba und Kostümdesignerin Arianne Phillips angehörten.

Papamichael fand große Anerkennung, als er die komische und berührende Reise zweier alternder Männer auf Road Trip durchs Napa Valley in Alexander Paynes Film SIDEWAYS (SIDEWAYS, 2004) mit seiner Kamera illustrierte. Für WALK THE LINE sollte Papamichael auf Wunsch Mangolds mit seiner Kamera wie in einem Konzertfilm herumwirbeln und immer in Bewegung bleiben. Damit sollte erreicht werden, dass der Zuschauer sich fühlte, als stünde er mit den Künstlern auf der Bühne. Gleichzeitig sollte aber auch Wert darauf gelegt werden, dass man der Zeit gerecht wurde.

Schon vor Jahren sprachen Mangold und sein Kameramann über den Film, als man gemeinsam IDENTITY (IDENTITÄT ? IDENTITY, 2003) drehte und Mangold noch kein grünes Licht für sein Traumprojekt WALK THE LINE hatte. Eines Tages erschien sogar Johnny Cash auf dem Set, wie sich Papamichael erinnert. ?Das war großartig, denn in diesem Augenblick konnte man sehen, wie sehr er hinter WALK THE LINE stand.?

Um ein intimes Porträt des jungen Johnny Cash erschaffen zu können, sah sich Papamichael Archivaufnahmen seiner alten Auftritte an. ?Was mir sofort auffiel, war, dass in seinen Auftritten wenig Glanz oder Glitter zu sehen war. Sie waren einfach und nüchtern mit sehr primitiver Bühnenbeleuchtung. Etwas davon wollte ich beibehalten. An dem glamourösen Look sonstiger Filmbiografien war ich nicht interessiert. Mein größtes Anliegen war, alles so lebensnah und unverfälscht wie möglich zu belassen.?

Papamichael drehte den Film auf Super 35. Das erlaubte ihm, viel mit Handkamera und Steadicam zu arbeiten. Zudem experimentierte er mit alten Linsen. ?Die Linsen von heute haben sich in ihrer Qualität sehr verbessert?, erklärt Papamichael. ?Wenn man aber ältere Linsen benutzt, die noch nicht wie die heutigen beschichtet sind, verleiht das dem Bild Authentizität.?

Als es daran ging, die vielen Live-Auftritte des Films zu drehen, vermied Papamichael konventionelle Ansätze. ?Üblicherweise dreht man diese Szenen mit Nahaufnahmen aus der Perspektive des Publikums?, bemerkt Papamichael. ?Aber wir haben unsere Kameras mit den Künstlern zusammen auf die Bühne gestellt. Das ergab eine sehr intime Perspektive aus der Sicht der Künstler.

Meist arbeiteten wir mit Handkamera ? und das sehr spontan. Ich habe die Männer, die die Kameras führten, instruiert, einfach loszudrehen. Ihnen diese Freiheit zu geben, um mit den Künstlern einen Groove zu finden, war einfach großartig. Dadurch konnte auch Joaquin in seinen Bewegungen so frei sein, wie er nur wollte. Auf diese Art und Weise fanden wir eine Menge großartiger Kameraperspektiven und Einstellungen.?

Von den Schauspielern zeigte sich Papamichael beeindruckt. ?Für mich war es sehr interessant, wie Reese und Joaquin ihre Rollen auf zwei sehr unterschiedliche Arten angingen. ?Sie war diszipliniert und präzise, er so emotional und authentisch. Das passte gut zu ihren Darstellungen, denn John und June besaßen vergleichbare Eigenschaften.?

Produktionsdesigner David Bomba begann seine Arbeit mit dem Lesen von Cashs Autobiografien. ?Als Designer wollte ich die Feinheiten dieses Mannes zeigen?, erklärt Bomba. ?Eine Sache, die ich wirklich faszinierend fand, war, dass sich diese Geschichte um Selbstvergebung drehte. Meiner Ansicht nach wird hier die Geschichte eines jungen Mannes erzählt und seiner Reise durch die Höhen und Tiefen des Erfolgs, bis er am Ende durch die Liebe eines anderen Menschen akzeptiert, wer er ist. So arbeitete ich daran, diese Aspekte mit Hilfe der Atmosphäre des Films zu verdeutlichen.?

Auf der Suche nach weiteren Inspirationen sah sich Bomba einige von Cashs früheren Häusern an. Darunter war auch das Haus seiner Kindheit in Dyess, Arkansas, sowie das sogenannte ?Roundhouse? in Hendersonville, Tennessee. ?Es war wunderbar?, so Bomba, ?die Häuser und Orte zu besuchen, in denen er gelebt hatte, und aus diesen Eindrücken soviel wie möglich aus der Realität seines Lebens herauszufiltern. Was wir unter anderem unbedingt erreichen wollten, war, diese zwei Leben gegenüberzustellen ? das eine in der erdgebundenen, natürlichen Welt von Arkansas und Tennessee sowie das andere im elektrischen, verstärkten, sich schnell bewegenden Universum der Rockmusik.?

Ein Großteil des Films entstand an Drehorten in Arkansas, Memphis und Nashville. ?Es gibt nichts Besseres, als an einer Location zu filmen, die auf perfekte Weise eine bestimmte Zeit, einen bestimmten Ort in Erinnerung ruft?, verdeutlicht Konrad. ?Unser Films schreit geradezu nach dem Wesen, nach dem Geist dieses Ortes.?

Bomba ließ 90 verschiedene Sets für den Film errichten ? von den Häusern Cashs und Carters bis hin zu den Veranstaltungsorten in ganz Amerika, wo Johnny Cash, Elvis Presley, Carl Perkins, Jerry Lee Lewis, Waylon Jennings und June Carter auf ihren Touren vorbeikamen. Eine der wohl ungewöhnlichsten Veränderungen nahm Bombas Team an einem 15 Jahre alten Casino in Tunica, Mississippi vor, das in das einst luxuriöse, heute nicht mehr existierende Mint Hotel in Las Vegas verwandelt wurde.

?Es gibt eine Steigerung in Johnnys musikalischem Leben. Man zieht von eher einfachen Veranstaltungsorten wie Turnhallen oder Waffenfabriken zu schöneren Bühnen und schließlich nach Vegas und Nashville. Es war eine Herausforderung und sehr aufregend, dies alles sehr realitätsnah und dem Stil der zeit entsprechend zu gestalten und umzusetzen.? Während der gesamten Dreharbeiten stützte sich Bomba auf so viele Originalschauplätze wie möglich. Das Streben nach Authentizität in der Ausstattung dehnte sich auf die benutzten Instrumente und auf die Verstärker aus, die auf der Bühne zu sehen sind.

?Ich stamme aus dem Süden und es war großartig, dort arbeiten zu können, denn dort hält man an seiner Geschichte fest. Man kann nach Memphis gehen und immer noch spüren, wie es dort vor etwa 50 Jahren gewesen sein mußs?, bemerkt Bomba. ?Mir hat es Spaß gemacht, an Originalschauplätzen drehen zu können, zu versuchen, sie in eine Zeit zurückzuversetzen, in der Stimmung und Atmosphäre hipper waren als heute.?

Für die finalen Szenen des Films im Gefängnis von Folsom studierte Bomba Fotografien und altes Filmmaterial, um die erregende Atmosphäre eines Rockkonzerts hinter den Mauern eines der berüchtigtsten Gefängnisse Amerikas wiederherstellen zu können. ?Die Sequenz im Gefängnis von Folsom?, so Produzent James Keach, ?war wirklich sehr aufregend, denn David stellte die Szenerie exakt nach, wie es damals ausgesehen hat ? von der Bühne, über die Farbe bis hin zu den Kulissen. Das ist wirklich cool, denn man ist überzeugt, wirklich dort zu sein.

Meines Erachtens hat David bei diesem Film tolle Arbeit geleistet. Man kann sich von Fotografien, Wochenschaumaterial, Museumsbesuchen, Büchern und anderem inspirieren lassen, aber es ist etwas völlig anderes, in der Lage zu sein, den Zuschauer diese Welt sehen lassen zu können, das Gefühl zu vermitteln, dort zu sein, alles mitzuerleben, als würde es gerade jetzt geschehen. Wir haben den Zuschauer quasi in Johnny Cashs Welt entführt.?

Dazu beigetragen hat auch Kostümdesignerin Arianne Phillips, die eine Person einkleiden mußste, die immer noch von vielen für ihre unglaubliche Coolness bewundert wird. Phillips, die mit James Mangold bereits an IDENTITY (IDENTITÄT ? IDENTITY, 2003) und GIRL, INTERRUPTED (DURCHGEKNALLT, 1999) gearbeitet hat, besitzt große Erfahrung in der Verschmelzung von Mode und Musik, die sie als Stylistin für Künstler wie Madonna, Courtney Love, Lenny Kravitz und Gwen Stefani erworben und erweitert hat.

Phillips erhielt Zugang zu vielen Originalstücken aus dem Besitz der Cash-Familie. Darüber hinaus betrieb sie eigene Recherchen, sah riesige Mengen alter Fotografien durch und bekam sogar Unterstützung von Johnny-Cash-Sammlern und Johnny-Cash-Fans. ?Es gibt einen so großen Informationsschatz da draußen. Wir konnten uns glücklich schätzen, dass viele Leute ihre Informationen mit uns teilen wollten?, erzählt Phillips.

?Obwohl er später als ,Man in Black? bekannt werden sollte, entwickelt der Johnny Cash, der in WALK THE LINE zu sehen ist, noch seine Identität?, erläutert die Kostümdesignerin. ?Deshalb gibt es in seinen Anfangsjahren viel größere Vielfalt in seiner Kleidung. Johnny besaß unglaubliches Flair. Die Outfits unterstreichen die dramatischen Momente dieser Geschichte.?

Wie die anderen Mitarbeiter der Filmcrew begann Phillips in Cash den ?ersten Punkrocker? zu sehen. ?Man kann ihn nicht völlig dem Rock and Roll, aber auch nicht komplett der Countrymusik zuordnen?, erläutert Phillips. ?Er hat seinen eigenen Sound kreiert ? kompromisslos, nach seinen eigenen Kriterien. Was die Mode anbetrifft, kam er aus einer Welt, in der Plaidmuster wie in der Fiftiesserie ,Howdy Doody? oder Outfits im Stil der Fifties-Familienshow ,Leave it to Beaver? getragen wurden. Er hat sich seine eigene Nische geschaffen, um dieses Milieu hinter sich zu lassen. Er reift während der Filmhandlung, entwickelt sich weiter, und das, denke ich, zeigt sich auch in der Kleidung.?

Viele der Outfits von Cash wirken zeitlos, als könnten sie auch heute getragen werden. ?Es hat Spaß gemacht zu entdecken, wie relevant die Kleidung Johnny Cashs auch heute noch ist?, gibt Phillips zu. ?Obwohl alles ganz authentisch aus den Fünziger- und Sechzigerjahren stammt, macht die Kleidung noch Sinn für uns, wirkt sie nicht wirklich altmodisch. Das verrät großen Stil.? Insgesamt trug Joaquin Phoenix 56 verschiedene Outfits im Film.

Ein Großteil der gezeigten Kleidung stammt aus der damaligen Zeit und Phillips zog Originale den nachgeahmten Outfits vor. ?Um den Realismus noch weiter zu steigern, greife ich gerne auf Originalkleidung zurück. Deshalb suchten mehrere Teams nach Sachen wie braunen Wild-lederjacken aus dem Jahr 1967 und ähnlichen Dingen.?

Für die Kleidung von June Carter sah sich Phillips stapelweise alte Fotografien an und bekam dadurch ein Gefühl für Junes ähnlich auffallenden, aber doch ganz anderen Stil. ?June war eine sehr weltkluge Frau?, erläutert Phillips. ?Sie hat mit ihrer Familie die ganze Welt bereist, hat schon im jungen Alter Dinge gesehen, die die meisten Frauen aus dem ländlichen Tennessee niemals sehen würden. Sie schien immer diesen Glanz auszustrahlen und das wollten wir auch in unserem Film zeigen. Wie schon bei Johnny Cash hatte ihr Stil etwas sehr Authentisches und Natürliches an sich.?

Neben den Hauptfiguren des Films kleidete Phillips Hunderte von Statisten ein, die aus unterschiedlichen Städten, Zeiten und Milieus stammen sollten. Das reichte vom Teeny-Bopper bis hin zu knallharten Häftlingen. ?An einem Tag benutzten wir 500 Paar Schuhe, 250 Kleider und ebenso viele Anzüge. Wenn man aber die Statisten schließlich kostümiert sieht, ist das sehr aufregend, denn es hilft, die gewünschte Atmosphäre zu erzeugen. Es gibt den Schauspielern und der Crew das Gefühl, als würde diese Welt wieder zum Leben erweckt.?

Ein Blick zurück: Die Geschichte von Johnny Cash und June Carter ?In vieler Hinsicht hat er definiert, was Rock and Roll war. Es gibt ein Bild von ihm, wie er den Stinkefinger vor die Kamera hält. Und er war eine Art radikaler Outlaw. Aber er schrieb auch diese Songs, die einem einfach unter die Haut gingen.? ? Sheryl Crow auf MTV.com Johnny Cash wurde als J.R. Cash am 26. Februar 1932 in einer Bretterbude in Kingsland, Arkansas geboren. Seine Eltern mühten sich als Baumwollfarmer ab, suchten 1935, auf dem Höhepunkt der Großen Depression, Zuflucht beim New Deal Resettlement Program. So kam die Familie schließlich nach Dyess, einer neu gegründeten Siedlung am Mississippi.

Hier wuchs Johnny Cash auf und lauschte im Radio den unterschiedlichsten Unterhaltungsprogrammen ? die von Chicago im Norden bis nach Mexiko im Süden reichten. Er wurde ein Musikfan. Ganz besonders liebte er die religiöse Musik der Carter-Family, den swingenden Blues von Sister Rosetta Tharpe und die Eisenbahn-Songs von Jimmy Rogers. Das waren die Inspirationen für seine Ausflüge in die Welt des Songschreibens.

Als Johnny 12 Jahre alt war, ereignete sich eine Tragödie. Sein von ihm für seine Rechtschaffenheit bewunderter älterer Bruder starb nach einem schrecklichen Unfall. Es war ein Augenblick, so erinnerte sich Johnny Cash später, der seine Welt verdunkelte, aber auch seinen Glauben stärkte.

Als junger Mann trat Cash in die Air Force ein, er war als Funker in Deutschland stationiert. Dort begann Cash, einige seiner Eigenkompositionen aufzunehmen. Nachdem er einen Film mit dem Titel INSIDE THE WALLS OF FOLSOM gesehen hatte, inspirierte ihn dies, seinen späteren Hit ?Folsom Prison Blues? mit der unvergesslichen, Gänsehaut erzeugenden Textzeile eines völlig niedergeschlagenen Häftlings ?I shot a man in Reno just to watch him die? zu schreiben.

1954 ging er nach Am erika zurück und heiratete seine erste große Liebe Vivian Liberto. Das Paar zog nach Memphis, wo Cash als Vertreter über die Runden zu kommen versuchte, während er hoffte, seine Musikkarriere in Gang zu bringen. Mit zwei Automechanikern, Monroe Perkins und Marshall Grant, die später als ?Tennessee Two? bekannt wurden, gründete er eine Band.

Bald setzte Cash alle Hebel in Bewegung, um Sam Phillips, den Plattenproduzenten, der gerade dabei war, sein kleines Musiklabel, die Sun Studios, in eine Hitfabrik zu verwandeln, zu überreden, sich seine Band anzuhören. 1954 gelang ihm das schließlich. Phillips nahm ihn sofort unter Vertrag, gab der Band den Namen ?Johnny Cash and the Tennessee Two?.

1955 landete die Band mit dem Song ?Cry, Cry, Cry? ihren ersten Hit, gefolgt von ?Folsom Prison Blues?, ?I Walk the Line? und ?Home of the Blues?. Cashs Debütalbum bei Sun hieß ?With His Hot and Blue Guitar? und wurde 1957 veröffentlicht. In dieser Zeit schrieb Cash auch Songs für den jungen Roy Orbison und für Elvis Presley.

Der ursprünglich wirkende Realismus von Cashs Songs, die sich häufig um glücklose Menschen auf der Suche nach Erlösung und Vergebung drehten, traf einen Nerv in ganz Amerika ? vom Norden bis hin zum Süden. Er schien unverblümt und direkt für all die Menschen zu sprechen, die in der Populärkultur bisher keine eigene Stimme gehabt hatten: die Unterdrückten, die Vergessenen, die Verlassenen. Als der Rock-and-Roll in den frühen Sechziger-Jahren seinen Siegeszug antrat, öffnete sich für Cash plötzlich eine völlig neue Welt.

Er gab jährlich etwa 300 Konzerte. Dies löste einen immensen Druck auf ihn aus und um dem zu entkommen, begann er Amphetamine und Barbiturate zu schlucken. Während diese Abhängigkeit immer stärker wurde, begann seine Ehe und sein Familienleben Schaden zu nehmen.

Zu dieser Zeit traf er erstmals June Carter, die er seit langem verehrte. Die Tochter der legendären Maybelle Carter war mit der Countrymusik aufgewachsen. Weil ihr die trällernde Stimme ihrer legendären Schwestern fehlte, verließ sie sich auf ihre lebendige Persönlichkeit und ihren Witz, um Bühnenkomikerin zu werden. Sie war eine temperamentvolle Multi-Instrumentalistin, deren von Herzen kommende Performance das Publikum für sie einnahm.

June, der sogar eine Romanze mit James Dean nachgesagt wurde, war eine talentierte Schauspielerin, sie war eine verführerische Misch-ung aus süßer Anmut und einer gewissen Zähigkeit und Härte. Als June erstmals Johnny Cash begegnete, war sie mit Country-Sänger Carl Smith verheiratet, Vater ihrer Tochter Carlene Carter, die später selbst Musikerin werden sollte. Nach einem schrecklichen Scheidungsprozess heiratete sie Edwin ?Rip? Nix, Vater ihrer Tochter Rozanna Lea.

Auch diese Ehe hielt nicht lange und June war wieder Single. Auf Tour mit Johnny Cash entwickelte sich eine enge Freundschaft, doch es sollte noch ein Jahrzehnt dauern, bis ihre lebenslange Romanze aufblühen würde. Es war June Carter, die zusammen mit Merle Kilgore einen der berühmtesten Hits von Johnny Cash schrieb: ?The Ring of Fire?, einem Liebeslied, das ihrer Aussage nach genau die Gefühle zum Ausdruck brachte, die sie zu Beginn der Beziehung zu Johnny Cash hatte.

Nämlich, dass sie in einen brennenden Feuerring gestürzt war. June Carter wurde überall für zwei ihrer populärsten Duette gefeiert, für ?Jackson? und den zeitgenössischen Klassiker ?If I Were a Carpenter?. Johnny Cashs Drogensucht führte schließlich 1965 zu der bekannten Verhaftung in El Paso, als er versuchte, in seinem Gitarrenkoffer Amphetamine über die Grenze zu schmuggeln.

Als damit nicht nur Johnnys Karriere, sondern auch seine Zukunft, bedroht war, trat June Carter an seine Seite und half ihm dabei, seine Sucht zu überwinden und seinen Glauben wiederzufinden. Im Januar 1968 schließlich ließ er sich von seiner Frau Vivian scheiden. Im gleichen Monat feierte Cash ein spektakuläres Comeback mit seinem Konzert im Gefängnis von Folsom.

Es war ein spannungsgeladener Auftritt, der durch die Art und Weise wie Cash mit seinem Publikum umging noch aufregender wurde. Er respektierte die Sträflinge eher als er sie fürchtete, und brachte seine Zuhörer auf seine unnachahmliche Art auf Touren. Das daraus resultierende Live-Album ?At Folsom Prison? blieb mehr als 90 Wochen in den Charts. Einen Monat später, im Februar, bat er auf der Bühne June Carter um ihre Hand und begann damit eine neue Lebensphase.

Cash wurde zehnmal mit dem Grammy ausgezeichnet, darunter auch für sein Lebenswerk. Außerdem wurde Cash, der in den Neunziger-Jahren auf seinem Album ?Unchained? auch Songs von ,Soundgarden? oder ,Beck? coverte, in die Rock and Roll Hall of Fame sowie in die Country Hall of Fame aufgenommen. Das gelang außer ihm nur noch Elvis Presley. June Carter wurde dreimal mit dem Grammy ausgezeichnet, zwei davon erhielt sie für ihr letztes Album ?Wildwood Flower?. Sie verstarb im Mai 2003. Johnny Cash folgte ihr wenige Monate später, im September des gleichen Jahres.

?Meiner Ansicht nach ist Johnny Cash deshalb eine Ikone?, fasst Cathy Konrad zusammen, ?weil er im Leben nichts ausgelassen hat, jeden denkbaren Weg gegangen ist und so viele unterschiedliche Menschen auf so verschiedenen Gebieten beeinflusst hat. Fast jeder scheint sich an einen Moment erinnern zu können, an dem man einen seiner Songs hörte und sich davon angesprochen fühlte. Aber bei allem, was er erlebte, verlor er nie aus den Augen, wer er war. Er war einfach echt, das einzig Wahre, das Original.?

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