Casanova

Produktionsnotizen

Mit CASANOVA gelingt dem Oscar®-nominierten Regisseur Lasse Hallström, der zuletzt mit CIDER HOUSE RULES (?Gottes Werk und Teufels Beitrag?, 1999) und CHOCOLAT (?Chocolat?, 2000) Erfolge feierte, eine rasiermesserscharfe, spitzzüngige moderne Komödie über die weltberühmte Legende von Giacomo Casanova, dem Spion, Soldaten, Autoren, Philosophen und Abenteurer des Renaissance-Zeitalters, den man aber vor allem als unübertroffenen Liebhaber der schönsten Frauen seiner Zeit kennt.

Obwohl Casanovas Leben und Liebesleben bereits in Dutzenden von Filmen thematisiert wurde, hat man noch nie erlebt, dass er in einer vergleichbar menschlichen Klemme steckt wie hier: Denn diesmal wird Casanova selbst das Herz gebrochen, und er mußs auf seine unvergleich-liche Art und Weise versuchen, die Frau zu gewinnen und im Verlauf als Mensch zu wachsen. Der Film ist zum einen die hinreißend romantischste und komischste Arbeit des Regisseurs bisher, zugleich aber auch ein lockeres Spiel mit zeitlosen Themen wie dem Konflikt zwischen Repression und Sinnlichkeit, Verkleidung und Identität, Sehnsucht und Liebe.

Die Vision des Films war es, Casanova mit einem zeitgemäßen Ansatz neu zu erfinden: jugendlich, zugänglich und emotional wahrhaftig. Von diesem einfallsreichen Konzept ausgehend, lassen die Drehbuchautoren ihre Fantasie spielen und werfen einen ganz neuartigen Blick auf den Mythos Casanova. Hier ist Casanova nicht nur ein attraktiver Rebell mit Pfiff und Witz, sondern auch ein verletzlicher Mann, der der wahren Liebe nachjagt, während die Inquisition ihm in Gestalt von Bischof Pucci (gespielt von Oscar®-Gewinner Jeremy Irons) nachstellt.

Ein Wirbelwind an Verkleidungen, Duellen, Verrat und liebestollem Verlangen ist das Resultat ? und lässt Casanova schlussendlich feststellen, wo der eigentliche Unterschied zwischen dem Reiz der Eroberung und der Kraft wahrer Liebe liegt.

Der größte Liebhaber der Welt navigiert sich durch die Stromschnellen der Liebe: Die Story von CASANOVA Die Idee, der größte Liebhaber der Welt könne sich selbst Hals über Kopf ausgerechnet in die eine Frau verlieben, die nichts von ihm wissen will, kam Drehbuchautorin Kimberly Simi. Eine frühe Fassung ihres Drehbuchs zu CASANOVA fiel Produzentin Leslie Holleran auf, deren langjährige Zusammenarbeit mit Lasse Hallström Filme wie THE CIDER HOUSE RULES (?Gottes Werk und Teufels Beitrag?, 1999), CHOCOLAT (?Chocolat?, 2000) und THE SHIPPING NEWS (?Schiffsmeldungen?, 2001) umfasst. Weil sie Hallströms Arbeit so gut kannte, war ihr sofort bewusst, dass CASANOVA etwas völlig Neues, doch zugleich ein aufregender Stoff für den Regisseur wäre.

?Lasse ist bekannt für seinen unfehlbaren Blick auf das Wesen des Menschen, für seine außerordentliche Beobachtungsgabe, was die kleinen Momente im Leben anbetrifft?, merkt Holleran an. ?Jetzt wagt er sich an eine größere Geschichte voller Romantik, Verspieltheit und Humor ? aber eben mit jener ihm eigenen Hingabe zum Menschen.? Beinahe zeitgleich sicherte sich die Mark Gordon Company die Rechte an dem Drehbuch, denn auch Gordon war hingerissen vom Potenzial der Geschichte.

?Wir hatten den Eindruck, dass wir die berühmte Geschichte mit einem neuen Dreh ganz zeitgemäß und sehr humorvoll erzählen könnten?, erinnert sich Gordon. ?Was ich an unserem CASANOVA so wunderbar fand, war die Idee, dass wir die Geschichte eines großartigen Liebhabers erzählen, der sein Herz voll und ganz verliert ? und das ausgerechnet an die eine Frau, die seinem Charme nicht erliegt. Casanova mußs eine hinreißende und wunderbar komische Schlacht im Namen der Liebe schlagen. Von Kims Originaldrehbuch ausgehend, entwickelten wir ein paar weitere Fassungen mit Michael Christofer und Jeffrey Hatcher.?

Während der Entwicklung des Drehbuchs zu CASANOVA begeisterte sich Lasse Hallström immer mehr für die cleveren Dialoge, den köstlich pointierten Humor und das leichte romantische Ambiente des Stoffs. Der Film war völlig anders als alles, was Hallström jemals gemacht hatte. Aber er hatte dennoch jene Art von fein ausgearbeiteten Figuren und magischen Kulissen, die den preisgekrönten Regisseur von jeher angezogen haben.

?Dies ist neues Terrain für mich. Bei CASANOVA handelt es sich um die vermutlich reinste Komödie, die ich je im Leben gemacht habe?, erklärt Hallström. ?Das endgültige Drehbuch war üppig, komisch und sehr clever. Ich habe mich mit Begeisterung der Herausforderung gestellt, einen Ton zu treffen, an dem ich mich noch nie versucht hatte, eine Mischung zu erzielen aus klassischer Komödie und dramatischen und romantischen Elementen. Schlussendlich hatten wir ein wirklich großartiges Drehbuch, eine exzellente Besetzung ? und mit Heath Ledger einen wirklich hinreißenden Casanova.?

Die Produzenten wiederum waren begeistert, Hallström als Regisseur für CASANOVA gewonnen zu haben. ?Seine Filme stecken immer voller Magie?, findet Mark Gordon. ?Sie haben eine unbeschreibliche Qualität und sind voller Wunder ? sie können sehr bewegend sein und zugleich humorvoll und charmant. Seitdem ich MEIN LEBEN ALS HUND gesehen habe, bin ich fasziniert von seiner Arbeit.?

Hallström sah den Film auch als Chance, sich einer beliebten literarischen Legende aus einer originellen und sehr zeitgemäßen Richtung zu nähern. Produzentin Betsy Beers sagt: ?Wir präsentieren ein deutlich besser gelauntes Porträt von Casanova, als man es je zuvor gesehen hat. Ein Porträt, das unwiderstehlich clever, aber doch auch höchst glaubwürdig ist. In gewisser Weise ist es eine sehr moderne Geschichte eines außergewöhnlichen Mannes, der endlich auf eine Frau trifft, die nicht beeindruckt von ihm ist. Indem wir diese Idee ins Venedig des 18. Jahrhunderts verlegen, steckt die Geschichte automatisch voller Überraschungen.?

Sie fährt fort: ?Es handelt sich letztlich um eine zeitlose Geschichte, in der Verkleidungen ein wichtiges Thema sind: Wer sind wir, was steckt hinter unseren Masken? CASANOVA ist voller Figuren, die gerne jemand anderes wären, bis sie zu der Einsicht gelangen, dass man sich seine Herzenswünsche nur dann erfüllen kann, wenn man wirklich derjenige ist, der man ist. Das ist ein wichtiges Motiv, das sich wie ein roter Faden durch sämtliche Charaktere des Films zieht ? von Casanova zu Francesca und darüber hinaus.?

Schwertkämpfer, Künstler, Genie und Narr der Liebe: Die Suche nach einem Casanova im 21. Jahrhundert In die Geschichte ging er als größter Liebhaber aller Zeiten ein. Aber Casanova war weit mehr als das. Er war bekannt für seinen ausgeprägten Intellekt und seinen feinen Witz und machte unter anderem als Rechtsgelehrter, Soldat, Magier, Autor, Philosoph und begabter Athlet von sich reden. Was letztlich auch seinem Ruf zuträglich war, für Frauen unwiderstehlich zu sein und völlig immun dagegen, sich auf einen einzelnen Menschen festlegen zu können.

Einen Schauspieler zu finden, der all die außerordent-lichen Qualitäten verkörpern könnte ? und es dann erlauben würde, sie in den schlimmsten Momenten des Herzschmerzes zum Teufel zu jagen, während er durchschimmern lässt, dass sein Potenzial, ein besserer Mensch zu werden, in der Hingabe zur wahren Liebe liegt, erwies sich als Herausforderung für die Filme-macher.

Anfangs suchte man nach einem Darsteller in den Dreißigern oder Vierzigern, der allein schon anhand seiner Lebensjahre die nötige Erfahrung eines Mannes projizieren könnte, der intensiv gelebt und viele schöne Frauen geliebt hat, aber langsam das Bedürfnis verspürt, sich zur Ruhe zu setzen. Dann sahen sie den deutlich jüngeren Heath Ledger ? und damit änderte sich alles.

?Heath kam in den Raum und er war Casanova?, erinnert sich Betsy Beers. ?Es war eines dieser kleinen Wunder, die man beim Film ab und zu erlebt. Er war witzig, charmant und sehr, sehr verführerisch. Und zugleich war er elegant und ungemein verletzlich.?

Leslie Holleran fügt hinzu: ?Wir hatten vielleicht einen Mann im Kopf, der etwas älter sein sollte, aber ich finde, dass es doch viel romantischer und spaßiger ist, jemanden gefunden zu haben, der so unfassbar sexy, voller teuflischem Witz und unterhaltsam ist, wie es Heath sein kann. Auf eine sehr feine Weise deutet Heath eher Casanovas sinnliche als seine sexuelle Seite an.?

Ledger besaß nicht nur die rechte Mischung aus dramatischem und komischem Können, die die Grund-lagen für die Rolle sind, aber er strahlte auch einen körperlichen Heldenmut aus, der von unschätzbarem Wert bei den Actionszenen voller Schwertduelle und Verfolgungsjagden war. ?Heath ist smart, angenehm, packend und seine physischen Talente sind wunderbar?, merkt Lasse Hallström an.

Nachdem er bereits bewiesen hatte, dass ihm der Schritt von der ungestümen Komödie eines A KNIGHT?S TALE (?Ritter aus Leidenschaft?, 2001) zum elektrisierenden Drama eines MONSTER?S BALL (?Monster?s Ball?, 2001) nicht fremd ist, fühlte sich Ledger unmittelbar vom Drehbuch angesprochen. Er konnte auch einfach nicht widerstehen, einen der berühmtesten Verführer der Geschichte darzustellen, speziell auf eine völlig neuartige Weise.

?Ich habe das Drehbuch geliebt und ich habe Lasse schon immer als Regisseur geschätzt. Die Gelegenheit, mit ihm arbeiten zu können, wollte ich mir nicht ent-gehen lassen. Ich fand, diesen Casanova zu spielen, würde unglaublich viel Spaß bereiten?, erinnert sich Ledger. ?Und natürlich hatte ich auch nichts dagegen, einige Zeit in Venedig zu verbringen.?

Als er sich für die Rolle verpflichtet hatte, machte sich Ledger zunächst über das Leben des wahren Casanovas schlau. Er fasste schnell den Entschluss, sich nicht zu sehr in die historischen Tatsachen zu vertiefen. ?Ich habe einige der Tagebücher und die Autobiographie Casanovas gelesen, aber ich wollte mich nicht sklavisch an ihnen orientieren?, erklärt er. ?Ich wollte mein Porträt eher locker gestalten.?

Tatsächlich sah Ledger seinen Casanova eher als modernen Schürzenjäger, als er sich mit seiner Leinwandfigur befasste: ?Tausende von Frauen verlieben sich unentwegt in ihn. Als er schließlich auf eine Frau stößt, die sich überhaupt nicht von ihm angezogen fühlt, macht ihm das gehörig zu schaffen ... und weckt sein Interesse. Er sieht darin die lang gesuchte Gelegenheit, zu zeigen, dass sich hinter dem Mythos ein besserer Mensch verbirgt. Und er ist bereit, alles zu tun, um Francesca das zu beweisen.

Der Funke, der Casanovas Feuer entfacht: Die richtige Schauspielerin für die unabhängigste Frau von Venedig Nach einem mit einfachen Eroberungen angefüllten Leben trifft Casanova endlich auf die eine Frau, die ihm romantisch, intellektuell und körperlich gewachsen ist: Francesca Bruni, die Renaissance-Schriftstellerin, deren böser Witz, weltgewandte Intelligenz und klas-sische Schönheit sie zur formidabelsten Frau von Venedig machen ? und zu der einen Frau, die zunächst nichts mit Casanovas Eroberungsversuchen anfangen kann ... bis sie etwas Erhabenes in seiner Art entdeckt.

Lasse Hallström war schon beim ersten Lesen des Drehbuchs völlig begeistert von dieser Figur. Er wusste, dass er eine ganz besondere junge Schauspielerin finden mußste, um dem Part gerecht zu werden. ?Francesca ist der eine Mensch, der die Macht besitzt, Casanovas Leben zu verändern. Im Grunde ist sie eine moderne Frau ? mit starkem Willen, smart und ihrer Zeit weit voraus?, beobachtet er. ?Casanova war in Wahrheit ein Mann, der ein beachtliches Verständnis und Einfühlungsvermögen für Frauen besaß, der es über alles liebte, mit ihnen zu reden und Zeit zu verbringen. Ich glaube, er hätte es zu schätzen gewusst, eine Frau wie unsere Francesca kennen zu lernen.?

Ebenso groß wie die Herausforderung, einen geeigneten Schauspieler für den Part Casanovas zu finden, war die Aufgabe, eine Schauspielerin zu entdecken, die dem Charme ihres männlichen Gegenparts gewachsen ist ? und es sogar schafft, ihm den Rücken zuzukehren. Das, wonach die Filmemacher suchten, fanden sie in der Newcomerin Sienna Miller. Ihre Lebhaftigkeit und frische Schönheit passten perfekt zu Heath Ledgers verwegenem Stil.

?Wir haben viele Frauen für diese Rolle vorsprechen lassen?, weiß Hallström zu berichten. ?Aber nur Sienna hatte diese Kombination aus Intelligenz, Charisma und Charme, die wirklich die Figur trägt und Casanovas Liebe für sie so glaubwürdig macht.?

Mark Gordon fügt hinzu: ?Wir haben nach einem neuen Gesicht gesucht. Und Sienna fiel uns auf als jemand, der Francescas Stärke und Feuer besitzt, aber auch die Schönheit und Sinnlichkeit hat, die diese Figur haben mußste. Sie konnte all die Elemente vorweisen, um aus unserer Francesca eine wunderbare Frau zu machen. Und wir stellten schnell fest, dass die Chemie zwischen ihr und Heath ausgezeichnet war.?

Mit der Rolle der Francesca sah sich Sienna Miller mit der bislang größten Herausforderung ihrer noch jungen Karriere konfrontiert. ?Ich habe ein paar Filme gedreht, die in unserer Zeit spielen, und war erpicht darauf, es endlich auch einmal in einem Historienstoff zu versuchen. Dann kam diese Rolle?, erzählt sie. ?Ich konnte es kaum glauben: eine Frau, die feurig und intelligent und feministisch und politisch ist ? und all das im 18. Jahrhundert. Also packte ich mein Korsett ? und stürzte mich in diese wunderbare, starke Rolle einer wunderbaren und starken Frau.?

Miller fasst zusammen: ?Es macht unheimlich Freude, eine Figur spielen zu können, die so leidenschaftlich und unabhängig ist. Für eine Schauspielerin ist das eine Traumrolle. Francesca ist in jeder Hinsicht nonkonformistisch ? sie ist jemand, die selbst in ihrer Zeit nie ein Blatt vor den Mund genommen hat.?

Schurkengalerie: Jeremy Irons, Lena Olin, Oliver Platt und noch mehr stoßen zur Besetzung Auf Heath Ledger und Sienna Miller trifft in CASANOVA eine Besetzung von preisgekrönten Schauspielern und versierten Komödianten, die dafür Sorge tragen, die Gesellschaft des Venedigs des 18. Jahrhunderts zum Leben zu erwecken. Oscar®-Gewinner Jeremy Irons übernimmt die Schlüsselrolle des Erzfeinds von Casanova ? dem gnadenlosen Polizisten des Papstes, der für die schmutzigen Angelegenheiten zuständig ist: Bischof Pucci.

Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, Casanova in flagranti zu erwischen. Lasse Hallström fand, dass Jeremy Irons typisch unterkühlte britische Art ein wunderbarer Gegensatz zu den unerhörten Situationen bildet, in denen Pucci sich wieder findet ? und damit einen steten Quell für komische Möglichkeiten darstellten.

?Ich habe Jeremy Irons und seine sehr präzise Kontrolle über die englische Sprache immer sehr bewundert?, meint Regisseur Hallström. ?Er hat bisher nicht sehr oft in Komödien mitgespielt, aber ich konnte ihn mir sehr gut als Pucci vorstellen, wie er Spaß mit den Dialogen und Puccis ausgesprochen trockener, sarkastischer Redeweise hätte. Jeremy hat das unglaubliche Talent, Sprache zu formen, wie es ihm gefällt.?

Je intensiver Pucci sich darum bemüht, Casanova zu Fall zu bringen, desto mehr humorvolle Situationen ergeben sich aus Puccis Glauben an die eigene Unfehlbarkeit und seiner epischen Arroganz. Irons war fasziniert von der Aussicht, eine komische Rolle zu spielen ? was er seit seinen frühen Bühnentagen nicht mehr gemacht hatte. ?Für gewöhnlich denkt man nicht an mich, wenn es um Komödie geht, deshalb hat es mich sehr gefreut, mal etwas Ungewöhnliches machen zu können?, gesteht Irons.

Die stümperhaften Versuche Puccis, Casanova zu überführen, erinnerten Irons an eine andere ikonische Figur der Kinogeschichte. ?Ich finde, man kann Züge von Inspektor Clouseau in Pucci entdecken, der eigentlich auch immer auf der völlig falschen Fährte ist?, lacht der Schauspieler. ?Es ist der Neid auf Casanova, der ihn antreibt. Ich glaube, Pucci wäre selbst gerne immer noch jung und hätte nur zu gern Frauen an seiner Seite, die ihn verehren. Seine Moral ist überaus suspekt. Er ist ein Karrierist und wurde vom Vatikan nach Venedig geschickt, um dort aufzuräumen. Aber natürlich will er das erreichen, ohne sich selbst übermäßig anstrengen zu müssen.?

Oliver Platt sollte indes mit seiner Rolle des stümperhaften ?Schweinefett-Königs? von Genua, Papprizzio, für die nötigen Elemente der Narretei und Farce sorgen. Obwohl er eine der auffälligsten Figuren des Films ist, fanden die Filmemacher, dass ihr Papprizzio keine Parodie sein durfte: Er sollte immer vor allem ein menschliches Wesen sein. Oliver Platt wurde besetzt, weil er bekannt für sein Können ist, Trivialität, Pathos und Komödie unter einen Hut zu bekommen.

?Dank Oliver funktioniert die Figur des Papprizzio, weil er diesen unglaublichen Charakter glaubwürdig darstellt?, erklärt Lasse Hallström. ?Er bringt die Emotion der Szenen sehr wahrhaftig rüber und lässt Papprizzio absolut authentisch wirken. Er erweckt die Figur zu nachvollziehbarem Leben, indem er sie emotional wie auch witzig spielt.?

Platt verinnerlichte die Rolle sehr schnell. ?Anfangs sollte Papprizzio sehr schroff und selbstsicher rüberkommen, aber man stellt schon sehr schnell fest, dass er von gewaltigen Selbstzweifeln geplagt wird?, erklärt Platt. ?Außerdem wird er von Casanova mit einem ausgeklügelten und amüsanten Schabernack reingelegt. Er wird ausführlich hinters Licht geführt, aber die Art, wie das geschieht, gibt ihm große Befriedigung und verbessert sein Selbstbewusstsein, was eine nette Wendung ist.?

?Oliver gelingt es, jede Szene zu stehlen?, kommentiert Mark Gordon. ?Er ist so witzig, dass man gar nicht anders kann, als sich jedes Mal, wenn er zu sehen ist, zu ihm hingezogen zu fühlen. Zunächst einmal sah er urkomisch aus: Er trägt falsche Zähne ? allein sein Anblick reicht aus, um in Lachen auszubrechen. Er war magnetisch, unterhaltsam und kniete sich mit einer Begeisterung in die Rolle, die wirklich perfekt rüberkommt.?

Die Frau, die Papprizzios Herz schließlich höher schlagen lässt, ist ausgerechnet Francescas Mutter Andrea, die von der schwedischen Schauspielerin Lena Olin gespielt wird. ?Andrea ist Teil einer der ungewöhnlicheren Liebesgeschichten, die man auf der Leinwand zu sehen bekommen wird?, sagt Lasse Hallström, der keine Sekunde daran zweifelte, dass seine Frau Lena Olin nicht die Richtige für die Rolle wäre.

?Lena strahlt Schönheit und Intelligenz aus und das sage ich nicht nur, weil ich mit ihr verheiratet bin! Ich halte sie für eine herausragende Schauspielerin und ich liebe diese Rolle für sie. Die Arbeit mit ihr an CHOCOLAT und jetzt CASANOVA war großartig. Ich hoffe, dass es noch so manche Gelegenheit für eine Zusammenarbeit geben wird.?

Für Lena Olin lag die Aufgabe darin, eine eindrucksvolle und herrschaftliche Figur in einer hochgradig komischen Situation darzustellen. ?Ich glaube, dass sich Andrea von der Zeit, in der sie lebt, und ihrer gesellschaftlichen Rolle eingesperrt fühlt. Sie ist eine Frau aus der Oberschicht, aber sie hat keinen Besitz und kein Geld?, berichtet sie.

?Sie ist eine ausgesprochen leidenschaftliche Person, die von den Konventionen und den Umständen an die Kette gelegt wird. Ich würde sagen, sie verliebt sich in Papprizzio, weil er so anders ist. Er ist so weit von allem entfernt, was man als normal bezeichnen würde. Schon allein sein Aussehen: Er ist aus echtem Fleisch und Blut, er verspürt echte Leidenschaft. Er ist ein sehr sinnlicher Mann, und das sieht sie und überzeugt sie davon, dass er der Richtige ist.?

Für die Rolle der Victoria, die Frau, die zuerst Casanova versprochen wird und dann einen durchtriebenen Plan gegen ihn schmiedet, war Natalie Dormer eine perfekte Wahl. Die britische Schauspielerin hat gerade erst ihre Ausbildung an der Drama School abgeschlossen, aber Lasse Hallström war überzeugt davon, dass sie für die Rolle wie geschaffen war. ?Sie war absolut richtig für die Rolle?, sagt Hallström. ?Sie ist smart und witzig und besitzt ein wunderbares Talent für die Leinwand. Ihr Aussehen fügt sich auch wunderbar in die Zeit, in der unser Film spielt. Ich sage ihr eine großartige Zukunft voraus.?

Dormer, die die Webber Douglas Academy of Dramatic Art in London im April 2004 abschloss, ist begeistert von ihrem Leinwanddebüt, das es ihr überdies erlaubte, ihre beeindruckenden Fechtkünste (sie hat den olympischen Sport studiert) unter Beweis zu stellen. ?Jemanden spielen zu können, der sehr mädchenhaft ist und auf die alte Methode setzt, Männer mit ihrer puren Weiblichkeit um den Finger zu wickeln, machte viel Spaß?, sagt Dormer. ?Ich habe die Gelegenheit, in geriffelten Röcken mit ganz viel Spitze herumzulaufen.?

Leslie Holleran stimmt Regisseur Hallström zu, dass es sich bei Dormer um einen aufstrebenden Star mit großem Potenzial handelt: ?Natalie Dormer haute uns beim ersten Vorsprechtermin förmlich um. Als Lasse sich ihre Aufnahmen ansah, wusste er, dass er seine Victoria gefunden hatte. Wir erklärten ihr: ,Davor warst du ein durchtriebenes Mädel, das mit jedem ins Bett gestiegen ist ? jetzt bist du eine perfekte Jungfrau, die sich in Casanova verliebt und eine tiefe Sinnlichkeit in sich entfacht sieht.? Für beide Aspekte konnte man sich keine Bessere vorstellen. Sie konnte beide Seiten von Victorias Persönlichkeit mit größter Überzeugungskraft spielen. Und sie ist so fantastisch anzusehen. Die Kamera liebt sie ganz einfach.?

Ein weiterer aufstrebender Star, Charlie Cox, erhielt den Zuschlag für die Rolle des Giovanni, Francescas jüngerem Bruder, der auf eine gewisse Weise von Casanova protegiert wird. ?Ich sah mir Charlie persönlich in London an?, sagt Lasse Hallström. ?Und er hatte den Part sofort begriffen. Die Figur ist ziemlich interessant. Anfangs ist er ein unbeholfener, linkischer Junge, doch im Verlauf der Handlung entwickelt er sich: Er lernt, mit der Liebe umzugehen.?

Und schließlich wäre da noch der talentierte Komiker und Charakterdarsteller Omid Djalili, Casanovas rechte Hand Lupo, der sich mit seinem Freund gewitzte Wortgefechte liefert. Djalilis Erfahrung als Komödiant war von unschätzbarem Wert, da er als ?kleiner, fetter, glatzköpfiger? Gegenpart zu Ledgers großem, blonden, attraktiven Adonis die Lacher stets auf seiner Seite hat. ?Casanova liebt Lupo, aber ist auch frustriert wegen ihm ? was auf Gegenseitigkeit beruht. Und dennoch steht Lupo immer loyal zu seinem Freund?, meint Djalili.

Wie der Rest des Ensembles fühlte sich Djalili von dem Film wegen seiner einnehmenden Geschichte und dem frischen Mix aus neuen Talenten und Leinwandveteranen magisch angezogen. ?Ich denke, dass sich das Glück und die Kreativität, die wir während der Produktion empfunden haben, direkt auf den Film übertragen hat?, befindet Djalili.

Der Look der Liebe: CASANOVA erweckt die magische Welt des Venedig des 18. Jahrhunderts zu Leben Als es darum ging, sich Gedanken über den Look von CASANOVA zu machen, entschied sich Lasse Hallström für greifbaren Realismus. Ihm ging es darum, die Stimmung und Atmosphäre eines Venedig spürbar zu machen, durch das Sinnlichkeit und Moral als geteilte Ströme flossen. Von Anfang an stand fest, dass es in Bezug auf den Drehort des Films nur eine Option gab: Venedig und nur Venedig würde funktionieren. Der Inbegriff der romantischen Stadt konnte in keiner Form repliziert werden.

?Für Lasse war es entscheidend, in Venedig zu drehen, denn es gibt keinen Ort auf der Welt wie diese Stadt. Casanova und Venedig gehören einfach zusammen?, sagt Mark Gordon. ?Das stellte uns zwar vor logistische Probleme, aber durch diese Entscheidung ist Venedig jetzt eine der Hauptfiguren von CASANOVA, und das war so manche Herausforderung wert.?

Der Dreh an Originalschauplätzen ist ein Markenzeichen in den Filmen von Lasse Hallström. THE CIDER HOUSE RULES (?Gottes Werk und Teufels Beitrag?, 1999) wurde in Neuengland gedreht, THE SHIPPING NEWS (?Schiffsmeldungen?, 2001) führte ihn in das arktische Klima von Neufundland, und CHOCOLAT (?Chocolat?, 2000) wurde in pittoresken Örtchen in Frankreich produziert.

?Ich gehe dahin, wo das Drehbuch mich hinführt. Und dann versuche ich, so tief wie nur möglich in den jeweiligen Ort einzudringen?, sagt Hallström. ?Am besten lernt man Venedig kennen, wenn man es selbst erkundet. Ich habe das große Glück gehabt, das Drehbuch an dem Ort zu realisieren, der die Geschichte inspirierte ? während des Drehs ging es jedem einzelnen Mitglied der Produktion genauso.?

Hallström war geblendet von der architektonischen Schönheit, die Venedig zu bieten hatte. Die mitreißende und abwechslungsreiche Topographie der Stadt ? von ihrem Gehege enger Gassen und Brücken bis zu der epischen Größe der Bucht, von der verschwenderischen Grandezza des Piazza San Marco zur roman-tischen Faszination der Kanäle ? wurde zu einem Schlüsselaspekt des Films: Sie bot sich förmlich an für die komischen Eskapaden, die labyrinthartigen Abenteuer und die ständigen Identitätswechsel des aus-getüftelten Bäumchen-wechsel-dich-Spiels.

?Dies ist meines Wissens einer der wenigen Filme, die komplett in Venedig entstanden. Die Stadt steuert den Realismus bei, den wir anstrebten, und hatte natürlich auch wunderbar verführerische Kulissen auf Lager?, sagt der Regisseur. Für die Besetzung war der Dreh in Venedig ein steter Quell der Inspiration. Heath Ledger sagt: ?In Venedig zu drehen, war ein Traum. Es war, als würde man sich vier Monate lang im tollsten Museum aufhalten, das man sich vorstellen kann.?

Um die Romantik und das Temperament von Venedig noch besser einzufangen, wandte sich Hallström an Ausstatter David Gropman, der bei CASANOVA bereits zum sechsten Mal mit dem Regisseur arbeitet. ?Was ich an Lasse liebe, ist seine immense Menschlichkeit, die sein gesamtes Sein als Filmemacher in jeder Entscheidung beeinflusst?, sagt Gropman. ?Er will immer, dass die Geschichte, die er erzählt, so ehrlich wie möglich ist. Das ist es, was mich als Designer so ungemein an der Arbeit mit ihm interessiert.?

Gropman scoutete mit Hallström mehr als 60 Drehorte in und um Venedig. Vor allem suchten sie nach mehr als 300 Jahre alten Gebäuden, die, wie sie schnell feststellten, im Überfluss zu finden waren. Die Produktion entschied sich für so typisch venezianische Orte wie die Kirche Santa Maria della Salute. Zudem sicherte sie sich Dreherlaubnisse für Plätze, an denen noch nie zuvor eine große Hollywood-Produktion drehen durfte, wie zum Beispiel der Piazza San Marco, der an fast jedem Nachmittag überflutet wurde, und dem Palazzo Ducale, ein berühmter in Weiß und Pink gehaltener Gotikpalast, der als einer der architektonischen Höhepunkte der Stadt gilt.

?Es ist ein gewaltiger Vorteil, wenn man einen histo-rischen Film in einer Stadt drehen kann, in der die meisten Außenmotive und viele der Innenräume heute noch exakt so aussehen, wie das schon im 18. Jahrhundert der Fall gewesen war?, merkt Gropman an.

?Wenn man die äußeren Rohr- und Stromleitungen verdeckt und die Schilder und Ladenfronten eliminiert, dann findet man sämtliche Barock- und Rokoko-Details intakt vor. Die elementare Arbeitsmasse findet man immer direkt vor der eigenen Nasenspitze, an jeder Ecke, in jeder Kirche und jedem Palazzo, in den man hineinspaziert. Wo auch immer man hinkommt, findet man Informationen vor, die die Entscheidungen beeinflussen, die man trifft. Außerdem, auch wenn das eher eine abstrakte Idee ist, waren wir inspiriert von dem Ambiente, das von den Menschen in Venedig ausgeht, weil die Stadt einen nicht unberührt lassen kann.?

Gropman war vor allem begeistert angesichts der Möglichkeiten, die sich durch die verwinkelten Wasserwege der Stadt boten: ?Ich hoffe, dass eines der bestimmenden visuellen Elemente des Films das Wasser und die Boote sein werden, denn sie sind es, was Venedig in den Augen der Welt so einzigartig macht. Man darf auch nicht vergessen, dass es im 18. Jahrhundert sogar noch mehr Kanäle und weniger Brücken als heute gab. Die Fortbewegung auf dem Wasser war damals noch viel weiter verbreitet und ein fester Bestandteil der Lebenskultur.?

Der Dreh in Jahrhunderte alten Locations brachte aber auch gewisse Probleme mit sich. ?Wir wollten Rauch einsetzen, um die gewünschten Texturen und den historischen Look zu erzielen, aber an vielen Drehorten erhielten wir dafür die Erlaubnis nicht, weil Angst bestand, dass wir damit den Tintorettos und anderen Kunstwerken Schaden zufügen könnten?, sagt Produzentin Leslie Holleran.

Ähnlichen Herausforderungen mußste sich auch Kameramann Oliver Stapleton stellen, der für Lasse Hallström zuvor das Licht bei THE CIDER HOUSE RULES (?Gottes Werk und Teufels Beitrag?, 1999), THE SHIPPING NEWS (?Schiffsmeldungen?, 2001) und AN UNFINISHED LIFE (?Ein ungezähmtes Leben?, 2005) gesetzt hatte. Beim Dreh in Venedig war es Stapleton oft nicht möglich, die Szenen mit den gewohnten Scheinwerfern auszuleuchten, weil die Gefahr bestand, dass die angestrahlten Gegenstände und Möbel aufgrund ihres Alters und der damit verbundenen Empfindlichkeit beschädigt werden könnten.

?Oliver und ich strengten uns mächtig an, mit der Kamera ein bisschen mehr zu wagen und Venedig auf völlig neue Weise zu fotografieren?, erinnert sich Hallström. ?Wir beide wussten, dass es bereits wunderbare Filmmomente von Venedig gibt, dass Kameramänner immer sehr gut zu der Stadt waren. Wir suchten einen anderen Ansatz: Wir wollten den unbeschreiblichen Zauber und Charme der Stadt einfangen und nicht die Motive verwenden, wie man sie auf Postkarten oder in Büchern findet.?

Stapleton erklärt: ?Man kann die Kamera in Venedig blind aufstellen und man hätte trotzdem noch eine tolle Einstellung. Ich habe das tatsächlich ausprobiert und einfach willkürlich auf den Auslöser der Kamera gedrückt. Ich würde sagen: 90 Prozent der Bilder waren vorzeigbar. Das ist einfach das Wesen dieser unglaub-lichen Stadt. Wir machten es uns für CASANOVA zur Aufgabe, visuell etwas auf die Beine zu stellen, das die Stadt auf ganz neuartige Weise beschreibt. Dafür mußsten wir uns bei der Vorproduktion mehr Zeit als üblich nehmen und die Stadt richtig kennen lernen, förmlich absorbieren um dann die richtigen Plätze für die ganz großen Momente zu finden. Es war uns sehr wichtig, in diesen Schlüsselmomenten, wenn der Film in die Stadt schweift, epische und verblüffende Bilder zu finden.?

Während sich die Filmemacher Mühe gaben, ihre Darstellung von Venedig mit Magie zu erfüllen, wirkte Venedig selbst Wunder für die Kreativität der Filmemacher. ?Wir alle begannen eine sehr intensive Liebesaffäre mit dieser Stadt?, gesteht Stapleton. ?Ich finde, das sieht man dem Film in jedem Moment an. Es fühlt sich nicht an, als würden sich da Schauspieler durch Sets bewegen, sondern durch eine echte, lebendige Stadt des 18. Jahrhunderts.?

Einer der Schlüsselmomente des Films ereignet sich während des Karnevals, während dem die gesellschaftlichen Regeln auf den Kopf gestellt werden und die Stadt zu Leben erwacht: mit Bärendompteuren, Feuerschluckern, Stierkämpfern, Jongleuren und anderen Arten von nacktem Übermut. Diese epische Feier dauerte manchmal bis zu sechs Monate an und erlaubte es Menschen aller Klassen, in einer Art Kontakthof einander näher zu kommen, da Anonymität groß geschrieben wurde.

Viele trugen Masken, was zur Atmosphäre der Ausgelassenheit, des Durcheinanders und oft auch des Betrugs entscheidend beitrug. Es war eine Zeit des Doppelspiels, der Täuschung wie auch der Romantik, wenn an den Wasserwegen Fackeln entzündet wurden und die Stadt alle Hemmungen fallen ließ. Casanova nutzt diese einzigartige Stimmung bei seinem epischen Unterfangen, das Herz der schönen Francesca zu gewinnen.

Hallström wollte den spürbaren Reiz und die wilde Atmosphäre so authentisch wie möglich zu Leben erwecken. Also inszenierte er einen waschechten Karneval mitten auf dem spektakulären Marcusplatz und war verblüffend erfolgreich bei dem Versuch, die Atmosphäre, die man damals im 18. Jahrhundert gespürt haben mußste, nachzugestalten.

Er fährt fort: ?Schon wieder eine Gelegenheit, aus visueller Sicht Vorteil aus der endlosen Faszination der Stadt zu schlagen und dem Publikum etwas Spekta-kuläres zu bieten.?

Kniehosen, Kleider, Perücken und Masken: Die Kostüme in CASANOVA In einer Geschichte, in der Kostümierungen und verwechselte Identitäten essenziell für die Geschichte sind, spielen natürlich auch die Kostüme eine elementare Rolle im kreativen Design des Films. Dazu darf man nicht vergessen, dass Venedig im 18. Jahrhundert obendrein die Modehauptstadt Europas war. Die Piazzas und Palazzos waren gefüllt mit bildschönen Kurtisanen in wunderbaren Kreationen ? und schon wird deutlich, wie groß die Herausforderung für die Kostümabteilung war.

Um ihr gewachsen zu sein, arbeitete Hallström mit der Oscar®-prämierten Kostümdesignerin Jenny Beavan (A ROOM WITH A VIEW (?Ein Zimmer mit Aussicht?, 1985), GOSFORD PARK (?Gosford Park?, 2002), ALEXANDER (?Alexander?, 2004) zusammen, deren Aufgabe es war, authentische venezianische Kleider aus der Zeit um 1740 oder 1750 zu schaffen. ?Unser Gedanke war, die Komödie in Bezug auf die Kostüme zu vernachlässigen, und stattdessen auf Authentizität zu setzen und die herausragende Pracht von Venedig so zu zeigen, wie sie wirklich war?, sagt der Regisseur.

?Es macht einfach Spaß, diese Zeit in Designs zu neuem Leben zu erwecken. Jenny leistete fantastische Arbeit und half mir enorm, einen authentischen Hintergrund zu erschaffen. Vor allem bei den wunderbaren Masken und Verkleidungen und manchen Kostümen übertraf sie sich selbst.? Beavan war sofort fasziniert von der Geschichte. ?Ich war begeistert, dass da eine Komödie in einer solch faszinierenden Zeit erzählt werden sollte?, berichtet sie.

?Das Drehbuch war sehr lustig, aber Lasse und ich stimmten überein, dass man keine witzigen Kostüme brauchte, um die komischen Elemente herauszustellen. Die Wirkung ist viel intensiver, wenn man einer solch wunderbaren Zeit treu bleibt, die ohnehin von interessanter Mode geprägt ist.?

Für ihre Recherchen begann Beavan mit dem Studium zeitgenössischer Kunst und ließ sich von Künstlern wie Guardi, Canaletto und Pietra Longhi inspirieren. ?Bei ihnen habe ich die Farben des Venedigs dieser Ära ausfindig gemacht ? verbrannte Rottöne, bernsteinfarbene Gelbtöne und türkise Blautöne. Diese arbeiteten wir in all die Kostüme der Hauptfiguren ein?, erzählt sie.

Beavan war beeindruckt, wie romantisch und opulent die Kleidung in dieser Zeit war, als Ausdruck einer wachsenden Toleranz für offene Sinnlichkeit in der Gesellschaft. ?Die Männer tragen riesige Röcke mit Unmengen an Stoff ? sie liefen wirklich wie Pfauen über die Straße. In der Tat eine perfekte Ära für Casanova, denn die Kleidung trägt dazu bei, dass man ganz von selbst die Hüften schwingen lässt. Für die Frauen war es eine Periode langer Hüftröcke.?

Sie fährt fort: ?In Venedig gab es aber auch so manche Besonderheit und Spezialität, was vor allem mit dem Karneval zusammenhängt, bei dem die Menschen Masken trugen, damit sie inkognito auftreten konnten. Sie trugen lange schwarze Capes mit einer weißen Maske und wirkten dabei ein wenig wie Geister. Diesen Look habe ich nirgendwo sonst in Italien entdecken können. Dazu kam schließlich noch ein schwarzer dreieckiger Hut. Bei CASANOVA machten wir uns diese eigenartige und etwas sinistre venezianische Anonymität zu Nutze, um auch ein wenig mit den vielen verdeckten Identitäten spielen zu können.

Für Heath Ledger als Casanova sollten die Outfits charmant sein und einem Mann seines Rufes entsprechen, ohne einen Dandy aus ihm zu machen. Also wählte sie einen eleganten und doch simplen Look für ihn. ?Dies ist eine Komödie, weshalb unser Casanova beispielsweise nichts mit dem gequälten Mann in Fellinis Version zu tun hat?, sagt sie.

?Wenn sich unser Casanova in Francesca verliebt, dann ist das echt und wahrhaftig, aber wir wollten ihn auch ein bisschen als mythische Figur porträtieren, weshalb wir mit den Linien seiner Anzüge spielten. Ich hatte viel Spaß beim Entwickeln seines Looks, denn ich hatte die wunderbare Gelegenheit, ein paar wirklich schöne Kostüme zu entwerfen. Heath fuhr voll darauf ab. Er liebte die Absätze und die Spitze. Ich glaube, er empfand die Kostüme in gewisser Weise als Zuflucht. Heath hat sechs Jahre lang modernen Tanz studiert, deshalb bewegt er sich sehr gut, was die Kostüme erst recht toll aussehen lässt.?

Auf Ledgers Vorschlag legte Beavan die Outfits von Casanova so an, dass sie sich im Lauf der Geschichte von einer Farbe zur nächsten veränderten. ?Er hat also ein rotes, ein blaues und ein graues Outfit sowie ein paar andere?, meint Beavan. ?Sie sind alle ziemlich beeindruckend und ziemlich scharf. Das ist der Casanova-Look. Wenn er sich entspannt, hängt sein Hemd aus der Hose und seine Strümpfe sind herabgerollt. Aber wenn Casanova ausgeht, dann weiß er, was sich gehört, und zieht sich entsprechend an.?

Andrea und Francesca Bruni, Mutter und Tochter, bilden rein stilistisch einen gezielten Kontrast. ?Die Frauen in CASANOVA sind wunderbar starke Persönlichkeiten ? entsprechend bereitete es mir große Freude, sie von Kopf bis Fuß einzukleiden?, sagt Beavan.

?Francesca ist eine Gelehrte. Es liegt einfach nicht in ihrer Natur, sich großartig darum zu kümmern, was sie trägt. Also steckte ich sie in sehr einfache Kleider, die aber über ausgeprägte Konturen verfügen. Man könnte sie auf den ersten Blick für eine Bedienstete halten, aber was sie verrät, ist die Qualität der Stoffe. Ihre Mutter Andrea auf der anderen Seite liebt Mode ganz offensichtlich über alles. Und obwohl sie ihr Vermögen verloren haben und arm wie Kirchenmäuse sind, hat sie sich ein paar wunderbare Roben von damals aufgehoben, als sie noch wohlhabend waren. Ich finde, dass Sienna mit ihrem Look noch schöner aussieht, als wenn man sie zu sehr aufgeputzt hätte. Und Lena sieht ohnehin atemberaubend aus, egal was sie anzieht.?

Das Einkleiden der vermeintlich jungfräulichen Victoria, Casanovas Ehefrau in spe, die später seinen Untergang plant, erwies sich erneut als Herausforderung für Beavan. ?Pink erschien mir als richtige Farbe für Victoria, die vielleicht die reinste Jungfrau von Venedig ist ? oder vielleicht auch nicht?, sagt sie. ?Natalie sah in Pink so aus, als würde sie nie eine andere Farbe tragen ? deshalb war mein Instinkt offensichtlich richtig.?

Beavan genoss es auch, die männlichen Nebendarsteller einzukleiden ? vor allem Jeremy Irons als Bischof Pucci, der in melodramatische Gewänder aus Purpur und Schwarz gewandet ist. ?Wir entschieden uns für einen bürgerlichen Look für den detektivisch arbeitenden Pucci?, berichtet Beavan.

?Wir kleideten ihn in Schwarz und legten ihm darüber einen außergewöhn-lichen Talar aus anglikanischem Purpur an, der wirklich ganz toll aussieht. Jeremy entschied sich außerdem zu einer passenden Weste, und wir fanden überdies einen ziemlich exzentrischen Hut für ihn. Und zu guter Letzt beschaffte ich ihm noch ein abgefahrenes Paar purpurner Handschuhe.?

Auf der anderen Seite des modischen Spektrums befindet sich Papprizzio, der ?Schweinefett-König?, eine Figur, die man aufgrund ihrer komischen Rolle im Film durchaus übertrieben hätte einkleiden können. Aber in seinem Fall hielt es Beavan für angemessen, einen eher bodenständigen Look zu finden. ?Tatsächlich war es ein interessanter Prozess, bis wir die richtige Balance für Papprizzio gefunden hatten?, erinnert sich die Kostümdesignerin.

?Dies ist ein Mann, der eine Gondel versenken könnte, aber wir wollten ihn nicht zu lächerlich wirken lassen. Wenn er diese kecken Kleidungsstücke anlegt, verleiht das seiner Figur eine gewisse Balance. Ich fand Stoffe, die genau richtig für ihn waren: Sie sind ein bisschen grell und geschmacklos, ohne ihn wie einen Clown wirken zu lassen. Wir hatten viel Spaß mit Papprizzio. Wir entwarfen einen Fettanzug für ihn, der eher wie ein Käfig ist und deshalb nicht so aussieht, als würde er Kissen tragen. Er basiert auf einer Drahtstruktur, die den Anzug beweglich macht und ziemlich echt aussehen lässt.?

Während Beavan die Kostüme entwarf, kümmerte sich Maria Teresa Corridoni um Dutzende von verschwenderisch detaillierten Perücken, die von modisch bis komisch reichten und bisweilen auch nur den Zweck erfüllten, als Verkleidung zu dienen. ?Maria ist die Beste ihres Fachs. Ihre Perücken sind phänomenal gut und einer der Gründe, warum der Film so toll aussieht?, lobt Beavan.

Der Höhepunkt für die Kostümabteilung war der gleiche wie für den Rest des Designteams: die Szenen während des Karnevals. Beavan hatte die Aufgabe, mehr als 500 Statisten mit Originalkostümen des 18. Jahrhunderts auszustatten. Dafür ließ sich Beavan Kleider und Kniehosen aus spezialisierten Häusern in London, Paris, Rom, Madrid, Wien, Mailand und Venedig selbst anliefern. Obwohl die Theatralik des Karnevals berücksichtigt wurde, war aber auch bei diesen Szenen Authentizität oberstes Gebot. ?Man sieht da keine glitzernden, dekorierten Masken ? der Look ist eher gespenstisch und sinister?, merkt Beavan an.

Bei den Karnevalszenen hatte Beavan auch eine ausgezeichnete Gelegenheit, auf aufregende Weise mit Motiven der Identität zu spielen, denn hier beginnen die Figuren, die alle ihre ganz persönlichen Zielsetzungen haben, in die Haut anderer Charaktere zu schlüpfen.

?Francescas Kleidungsstil ist so simpel, dass sie auch dann großartig aussieht, wenn sie in ein Männeroutfit steigt. Als Casanova sich als Papprizzio ausgibt, steckte ich ihn in ein sehr üppiges Kostüm. Ich wollte, dass das Publikum glaubt, dass andere sie womöglich für die Personen, in deren Identität sie schlüpfen, halten könnten. Aber ich wollte auch nicht zu weit gehen?, gesteht Beavan. ?Uns war vor allem eines immer wichtig: die Balance zwischen riesigem Spaß und absoluter Wahrhaftigkeit.?

Casanovas Erbe: Ein kurzer Abriss der Geschichte einer Legende Einerseits nimmt sich CASANOVA große künstlerische Freiheiten und betritt Neuland, indem Lasse Hallström ihn als romantischen Helden zeichnet, der sich in eine Frau verliebt, die ihn zunächst abblitzen lässt. Andererseits bediente sich der Film freizügig bei zahlreichen überlieferten Anekdoten und Einzelheiten seines Erbes. Als Inhalt zahlreicher Romane, Stücke und Filme ist Casanova einer der faszinierendsten Mythen unserer Zeit.

Aber es gibt auch einen Casanova hinter dem Mythos, einen realen Mann mit einer sehr echten Geschichte ? er war Spion, Soldat, Diplomat, Autor und Abenteurer, der zum Inbegriff des Mannes wurde, der sein Leben bis zum Äußersten ausschöpft. Seine Memoiren gestatten einen unterhaltsamen Einblick in seine romantischen Eskapaden. Gleichzeitig sind sie ein faszinierender Schnappschuss der Ära der Aufklärung und zeigen einen Mann, der die Grenzen des menschlich Erlebbaren weit über das Äußerste verschiebt.

Wer war Casanova? Hier einige Tatsachen: • Giacomo Casanova wurde 1725 in Venedig geboren. Sein Vater war Schauspieler und seine Mutter eine Schauspielerin, deren Schönheit in ganz Europa bekannt war. Als Kind kränkelte er und wurde von unentwegtem Nasenbluten geplagt. Nicht zuletzt deshalb war er stets von starken Frauen umgeben, die ihn pflegten und prägten.

• Schon früh gab es Anzeichen von Brillanz. Casanova studierte an der Universität von Padua und schrieb sich ins Seminar in St. Cyprian ein, um eine Laufbahn als Priester einzuschlagen. Von dort wurde er wegen seines skandalösen Verhaltens und amouröser Abenteuer ausgeschlossen. 1741 machte er seinen Doktor als Jurist.

• 1744 wurde er Sekretär des Kardinals Acquaviva von Rom, bis ihn weitere Skandale zwangen, die Stadt zu verlassen. Er kehrte schließlich nach Venedig zurück.

• Casanova hatte in mehreren Ländern Jobs als Violinist, Geistlicher, Sekretär und Soldat. Außerdem schrieb er wie besessen und veröffentlichte Theaterstücke, Romane, Gedichte und Pamphlete. Sein berühmtestes Werk sollte jedoch seine epische Autobiographie werden: ?Die Geschichte meines Lebens?.

• 1749 lernte Casanova seine erste große Liebe kennen, Henriette. Über sie schrieb er: ?Menschen, die glauben, dass eine Frau nicht ausreicht, einen Mann über 24 Stunden am Tag gleichermaßen glücklich zu machen, kennen Henriette nicht.? Sie verließ ihn mit gebrochenem Herzen.

• Nachdem er mehrere Jahre von der Inquisition gejagt worden war, wurde Casanova 1755 wegen Hexerei verhaftet. All seine Manuskripte wurden konfisziert. Er wurde zu fünf Jahren Verlies verurteilt. Doch es gelang ihm eine spektakuläre Flucht, die ihn nach Paris führte, wo er als Berühmtheit gefeiert wurde. Er gewann ein Vermögen in der Lotterie und setzte seine Abenteuer in ganz Europa fort.

• Casanova starb am 4. Juni 1798 in seinem Schloss in Dux, das in der heutigen Tschechischen Republik liegt. Nach seinem Tod wurde er noch berühmter, als Symbol der unerschütterlichen Suche nach Romantik und wegen seiner Fähigkeiten als unwiderstehlicher Liebhaber.

• Zu den Filmen, die über Casanovas Leben und Lieben gedreht wurden, gehören Alfred Deesys CASANOVA von 1918, Alexandre Volkoffs CASANOVA ? THE LOVES OF CASANOVA von 1927, die Bob-Hope-Komödie CASANOVA?S BIG NIGHT von 1954, CASANOVA ?70 mit Marcello Mastroianni und Federico Fellinis CASANOVA von 1976 mit Donald Sutherland.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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