Kaltes Land

Produktionsnotizen

Was ein Leben verändert, fängt ganz harmlos an Als Josey Aimes (Oscar-Preisträgerin Charlize Theron) gegen ihren Arbeitgeber, die Bergbaugesellschaft, aufbegehrt, ?will sie sich nicht hervortun oder demonstrieren?, sagt ?Kaltes Land?-Regisseurin Niki Caro, die mit der sensiblen Regie und als Autorin des wunderbaren ?Whale Rider? (Whale Rider, 2002) weltweit Anerkennung verbuchte. ?Ihr Anliegen ist ganz einfach das jeder Mutter ? sie möchte sich und ihrer Familie ein anständiges Leben ermöglichen.?

Anfangs geht es um ganz simple und persönliche Dinge: ?Ihr ist durchaus nicht klar, dass sie sich auf den Kampf ihres Lebens einlässt.? Josey Aimes erzieht ihre beiden Kinder allein. Sie hat sich vor kurzem von ihrem Mann getrennt, und weil ihr kein anderer Ausweg bleibt, zieht sie zurück in ihre Heimatstadt im Norden von Minnesota, wo sie von ihren Eltern (Oscar-Preisträgerin Sissy Spacek und Richard Jenkins aus der Serie ?Six Feet Under ? Gestorben wird immer?) mit gemischten Gefühlen aufgenommen wird: Beide denken konservativ und sind auf ihren Ruf in der kleinen Gemeinde bedacht ? deswegen sind sie überzeugt, dass Josey sich mit ihrem Mann vertragen sollte, statt es allein zu versuchen. Doch für Josey gibt es diesmal kein Zurück.

Josey will so schnell wie möglich unabhängig werden, aber auf dem Arbeitsmarkt gibt es kaum Angebote. Dann trifft sie zufällig ihre alte Freundin Glory Dodge (Oscar-Preisträgerin Frances McDormand) wieder ? Glory macht ihr einen Vorschlag, der Josey nie in den Sinn gekommen wäre: eine Stelle im Bergbau.

Glory arbeitet als eine von nur wenigen Frauen in der Grube. Sie ist die einzige weibliche Gewerkschaftsvertreterin, seit ihr Lebensgefährte Kyle (Sean Bean aus ?Der Herr der Ringe?) durch einen Arbeitsunfall Frührentner wurde. Offen und ehrlich beschreibt sie Josey die Vor- und Nachteile des Jobs: Die harte Knochenarbeit wird sie bis an den Rand der Erschöpfung fordern.

Die Fabrik ist verdreckt und feucht, die Grube birgt ständig Gefahren, die Luft ist rußgeschwängert, aber es kommt noch schlimmer: Die Belegschaft besteht überwiegend aus Männern, und die empfangen die Frauen nicht gerade mit offenen Armen. Zwar verhalten sich viele durchaus anständig ? die meisten sind höflich genug und behalten ihre Meinung für sich. Aber es gibt ein paar Streithähne, die jede Gelegenheit nutzen, um den Frauen zu zeigen, dass sie unerwünscht sind.

Die Beleidigungen, Anspielungen, vulgären Bemerkungen und Streiche reißen nicht ab. Oft genug überschreiten sie damit die Grenze zwischen krudem Macho-Humor und unmissverständlicher Belästigung. ?Sie empfinden die Grube als Freiraum?, sagt Caro. ?Dort reden und handeln sie anders als zum Beispiel in der Stadt. Aus ihrer Sicht sind die Frauen in ihr angestammtes Reich eingedrungen. Wenn es ihnen nicht passt, können sie ja kündigen.?

Glory warnt Josey, dass sie starke Nerven mitbringen mußs. Niemals darf sie zeigen, wie sehr sie unter dieser Behandlung leidet. Die Frauen lernen, es den Männern mit gleicher Münze zurückzuzahlen, oder sie halten den Mund und beachten sie gar nicht. Denn am Zahltag weiß man, dass sich die Mühe gelohnt hat. In der ganzen Stadt gibt es keinen Job, auf dem Josey annähernd das verdienen könnte, was ihr die Grube bietet. Mit dem Lohn kann sie sich vielleicht sogar ein eigenes Haus leisten.

Die Aussicht auf Unabhängigkeit macht Josey Mut. Sie unterschreibt den Vertrag, obwohl die Mutter ihr Missfallen indirekt äußert und Vater Hank ganz klare Einwände formuliert. Er hat sein ganzes Leben in der Grube verbracht und lehnt die neuen Kolleginnen rigoros ab. Also fühlt er sich durch die Entscheidung seiner Tochter persönlich angegriffen ? zwischen ihnen herrscht fortan Funkstille. So bekommt Josey einen Vorgeschmack auf das, was sie im Betrieb erwartet.

Obwohl Josey vorgewarnt ist, überrascht sie die Feindseligkeit, mit der sie in der Grube empfangen wird. Beunruhigt stellt sie fest, dass die schlimmsten Kränkungen auf Bobby Sharps (Jeremy Renner aus ?S.W.A.T. ? Die Spezialeinheit?, ?Dahmer?) Konto gehen ? sie hat mit ihm die Schulbank gedrückt, und vielleicht hat er nie verarbeitet, was damals zwischen den beiden vorgefallen ist.

Als Schichtleiter ist er jetzt ihr Vorgesetzter. Aber viel Zeit, über Bobby nachzudenken, hat sie nicht. Vielmehr mußs sie sich wappnen gegen die unschönen Überraschungen, die ständig in ihrem Spind oder in ihrer Lunchbox auf sie warten. ?In unserer Geschichte geht es um eine Grauzone im Umgang der Geschlechter, um die Gratwanderung zwischen Harmlosigkeiten und offensichtlichen Übergriffen?, erklärt Caro, wobei sie feststellt, dass es sich bei ?Kaltes Land? um eine fiktive Story handelt, die sich aber auf tatsächliche Ereignisse beruft.

?Hier geht es nicht um Schwarzweißmalerei, wir versuchen auch nicht sklavisch, uns politisch korrekt zu verhalten. Was Josey und ihre Kolleginnen durchmachen, staut sich mit der Zeit an, und diesen Umstand beleuchten wir in unserem Film von allen Seiten. Das ist nicht einfach. Solche Probleme, Aktion und Reaktion, sind Teil der menschlichen Natur. Ein Mann erzählt einen schmutzigen Witz, eine Frau übertrumpft ihn mit einem noch schlimmeren, dann kommt es zu unverblümten Äußerungen, vielleicht geraten sie körperlich aneinander? zu welchem Zeitpunkt kann man von einer Schädigung sprechen? Wann wird das Erträgliche unerträglich??

Josey hat das Gefühl, dass es so einfach nicht mehr weitergeht ? sie mußs etwas unternehmen. Sie wendet sich zunächst an ihren direkten Vorgesetzten und arbeitet sich dann durch die gesamte Hierarchie bis zum Firmenchef vor. Immer wieder formuliert sie ihr Anliegen, ständig wird sie ignoriert, abgekanzelt oder zur Kündigung aufgefordert. Aber genau das will sie nicht. Sie will arbeiten.

Gleichzeitig spürt sie Widerstand und Feindseligkeit aus völlig unerwarteter Ecke ? von ihren Kolleginnen, genau den Frauen, denen sie helfen will und auf deren Unterstützung sie zählt. Josey merkt, dass sie in mancher Hinsicht immer noch Außenseiterin ist ? mühsam versucht sie zu verstehen, dass Glory und ihre Freundinnen und sogar die junge Anfängerin Sherry (Michelle Monaghan aus ?Mr. & Mrs. Smith?) sich wohl oder übel mit der Situation abgefunden haben und Joseys Einmischung ablehnen.

Jede Frau hat persönliche Gründe, warum sie diesen schwierigen, aber lukrativen Job braucht. Und sie wehren sich gegen alles, was ihn gefährden könnte. Je mehr sich Josey beschwert, desto heftiger eskalieren die Belästigungen und desto unmissverständlicher wird sie persönlich angegriffen.

Darunter leidet mit der Zeit auch ihre Freundschaft zu Glory, und das Echo dieser Auseinandersetzung pflanzt sich in der Gemeinde fort ? die Folgen bekommen Joseys Kinder in der Schule zu spüren, aber auch ihre Eltern erfahren die Konsequenzen in ihrer Beziehung zu ihren Freunden und untereinander.

Laut Caro ist die bitterste Erfahrung für Josey nicht die ruppige Behandlung in der Grube, sondern die Ablehnung der Kolleginnen, die sie um Hilfe bittet: ?In unserer Geschichte sind nicht alle Männer pauschal die Bösewichte und die Frauen Engel ? so etwas gibt es nirgends, das weiß ich auch. Damit wäre einer Darstellung höchst komplexer zwischenmenschlicher Beziehungen wahrlich nicht gedient. Es gibt hier also Vorfälle, in denen sich sowohl Männer als auch Frauen abscheulich aufführen, und in anderen Momenten engagieren sie sich auf wunderbare Weise. Nicht zuletzt deshalb fand ich dieses Projekt so ansprechend und ehrlich.?

Josey Aimes fungiert letztlich als Blitzableiter für die aufgestaute Angst, Wut, Unsicherheit und Hoffnung sehr vieler Menschen. Die Rolle der Josey übernimmt Charlize Theron, die diesen Konflikt vor allem als Überlebensstrategie begreift: ?Josey kommt als Außenseiterin in eine Welt, in der bereits starke Spannungen herrschen: Die bisherige Belegschaft besteht vor allem aus Männern ? sie sehen ihre Arbeitsplätze durch die Frauen bedroht. Unterm Strich scheuen Menschen vor nichts zurück, wenn?s ums Überleben geht. Das gilt in der Grube für alle ? auch für Josey.?

Theron beschreibt eine frühe Szene zwischen Josey und Glory, die am Ende von Joseys erster harter Arbeitswoche spielt: ?Obwohl Josey völlig fertig ist, mußs sie doch zugeben, dass sie erstmals im Leben wirkliche Unabhängigkeit spürt ? zum ersten Mal hält sie ihren eigenen Lohnscheck in der Hand. Dadurch bekommt ihr Leben einen Sinn, und dieses Gefühl will sie sich um jeden Preis erhalten.?

Teilweise hat das mit Joseys persönlicher Vorgeschichte zu tun, über die wir im Laufe der Handlung mehr erfahren. Dazu Caro: ?Wir verstehen langsam, warum sie sich so verhält, warum sie sich derart kompromisslos für ihre Sache einsetzt, warum sie sich nicht mit den Verunglimpfungen abfinden kann, wie es etliche der Frauen vorziehen.?

Joseys immer stärkere Forderung, ernst genommen zu werden, wird unerwartet von dem Anwalt Bill White (Oscar-Kandidat Woody Harrelson) unterstützt, der nach persönlichen und beruflichen Enttäuschungen in New York kürzlich in seine Heimat zurückgekehrt ist. White weiß genau, dass Josey allein keine Chance auf Erfolg hat. Deshalb geht White juristisch einen völlig neuen Weg und reicht zusammen mit Josey eine Sammelklage wegen sexueller Belästigung ein, für die es keinen Präzedenzfall gibt ? aber die übrigen Frauen müssen mitmachen.

Michael Seitzman wechselt in seinem Drehbuch ständig zwischen den Zeitebenen und macht dadurch laut Caro deutlich, ?dass frühere Ereignisse vor allem in einer solchen Kleinstadt deutlich auf die Gegenwart einwirken.? Das Drehbuch beginnt mit einer kurzen Szene im Gericht, um der Handlung einen Rahmen zu geben, und zeigt uns dann entscheidende Vorfälle in der Vergangenheit, die zur gegenwärtigen Situation geführt haben.

Dazu sagt Seitzman (?Here on Earth?): ?Der Gerichtssaal ist die Lokomotive der Story, mit der wir durch Joseys Leben reisen. So wird auch deutlich, wie ihre Vergangenheit nicht nur ihr eigenes Schicksal bestimmt hat, sondern auch das ihrer Verwandten und Freunde.?

?Kaltes Land? schildert das Leben in den Eisenbergen, die persönlichen Auseinandersetzungen der Arbeiter mit der Firmenleitung und untereinander, zeigt aber auch Joseys Verhältnis zu den Bewohnern im intensiven Gemeinschaftsleben der Kleinstadt ? wir erfahren viel über die Werte, auf die sie bauen, die sie zusammenschweißen.

?Die Story wird vor allem von der Dynamik der Figuren vorangetrieben?, sagt Caro und zählt etliche Konflikte auf, die sich vor der Bergwerkskulisse entwickeln: ?Joseys gespanntes Verhältnis zu ihrem Vater, der anfängliche Groll des Vaters, der sich allmählich in Verständnis für ihre Situation wandelt; Joseys Probleme als allein erziehende Mutter, vor allem mit ihrem halbwüchsigen Sohn, der die Nebenwirkungen ihres Gerichtsverfahrens durch seine Mitschüler zu spüren bekommt; Joseys Freundinnen, die sich immer mehr von ihr abwenden, als sie das Establishment angreift; und der hitzige Streit zwischen Josey und Bobby Sharp. Die Situation zwischen all diesen Leuten ist gefährlich aufgeladen.?

?Ich erlebe ,Kaltes Land? als zwei Geschichten, die parallel verlaufen?, analysiert Seitzman. ?Einerseits geht es um eine Frau, die im Eisenbergwerk arbeitet, und um die Männer, die sie ablehnen. Andererseits geht es um eine Frau, die einen Schlussstrich unter ihre Vergangenheit zieht, was Auswirkungen auf ihre Familie und ihren zukünftigen Lebensweg hat.?

Die feinen Nuancen und Auswirkungen dieser ineinander verzahnten Dramen dürfen allerdings keinesfalls dazu führen dürfen, dass die Story aus dem Ruder läuft. Produzent Nick Wechsler hatte deswegen ganz konkrete Vorstellungen in Bezug auf die Inszenierung des Films ? gleich zu Anfang entschied er sich für Regisseurin Niki Caro: ?Sie kann selbst eine sehr komplexe, emotionsgeladene Geschichte so erzählen, dass sie nie ins Melodramatische abgleitet. Ihr Stil bleibt immer aufrichtig und sehr organisch?, sagt er.

In Wechslers eigener Filmemacherkarriere finden sich etliche der provokantesten und anspruchsvollsten Filme der letzten 15 Jahre: ?Requiem for a Dream? (Requiem for a Dream), ?Quills? (Quills ? Macht der Besessenheit), ?Eve?s Bayou? (Eve?s Bayou), ?The Player? (The Player), ?The Rapture? (Dunkle Erleuchtung), ?Drugstore Cowboy? (Drugstore Cowboy), ?sex, lies and videotape? (Sex, Lügen und Video) und der Eröffnungsfilm des letzten Tribeca Film Festival, ?Fierce People?.

Über seine Regisseurin sagt er: ?Ungewöhnlich an ,Whale Rider? ist die äußerst einfühlsame Beschreibung der Eingeborenen-Kultur in Neuseeland, der sie selbst nicht angehört. Auch Nikis erster Film, ,Memory & Desire? (Sehnsucht & Erinnerung), erforscht eine fremde Kultur und erzählt eine verzwickte, tragische Liebesgeschichte mit Gefühl und wunderbarer Klarheit. Als ich mich wegen ,Kaltes Land? mit ihr zusammensetzte, entwickelte sie eine bemerkenswerte Leidenschaft für die Geschichte. Sie fühlte sich diesem Stoff sofort genauso intensiv und engagiert verbunden wie ich selbst.?

?Besonders bewegend an der Story ist vor allem Joseys Instinkt und Mut, mit dem sie auf Konfrontationskurs mit der Bergwerksgesellschaft geht und all die Vorfälle offen legt, obwohl niemand sie unterstützt?, sagt Caro abschließend. ?Wir sind auf ihrer Seite, weil sie die Sache bis zum Schluss durchsteht.?

Familie, Freunde, Kolleginnen und ein unerwarteter Verbündeter ? Joseys Kampf gegen den Grubenkonzern verändert das Leben aller Beteiligten So wie Wechsler und Caro sich über die Story einig waren, stimmten auch ihre Ansichten bei der Auswahl der Hauptdarsteller überein. ?Wir haben den Film zusammen besetzt?, sagt Wechsler. ?Und bei keiner Entscheidung gab es mehr als graduelle Unterschiede in der Beurteilung.?

In Bezug auf die hochkarätigen Darsteller in ?Kaltes Land? sagt Caro: ?Drei Oscar-Preisträgerinnen arbeiten hier zusammen: Charlize Theron, Frances McDormand und Sissy Spacek.? Genauso wichtig ist laut Caro auch Michelle Monaghans rührend subtiles Spiel, mit der sie die lebenslustige Sherry zum Leben erweckt. Das Gleiche gilt für die männlichen Rollen, die von Sean Bean, Richard Jenkins, Jeremy Renner und Woody Harrelson verkörpert werden. ?Obwohl sich einige Männer in der Geschichte abscheulich aufführen, gibt es auch viele positive Figuren, und unsere erstklassigen Darsteller zeigen hervorragend auf, worin diese Schwächen und Tugenden bestehen.?

Als Begründung für die Besetzung von Charlize Theron in der Josey-Aimes-Rolle führt Caro deren bisherige Filme an: ?The Cider House Rules? (Gottes Werk und Teufels Beitrag), ?Curse of the Jade Scorpion? (Der Fluch des Jade-Skorpions?), ?The Italian Job? (The Italian Job ? Jagd auf Millionen) und natürlich das Gewicht von Therons allseits gefeierter Leistung in der Krimi-Biografie ?Monster? (Monster, 2003), mit der sie den Oscar und den Golden Globe gewann und für den British Academy Award (BAFTA) nominiert wurde.

?Sehr viel ist über ihre physische Verwandlung in dieser Rolle geschrieben worden?, sagt Caro. ?aber mich hat vor allem ihre emotionale Leistung beeindruckt und bewegt. Es gab wirklich keine zwei Meinungen ? Charlize mußste diese Rolle spielen. Sie hat sich sehr kooperativ auf die neue Rolle eingelassen und engagierte sich mit Haut und Haaren für die Geschichte.?

Etwa zur gleichen Zeit sah Theron ?Whale Rider? und war so begeistert, dass sie unbedingt mit Caro arbeiten wollte. ?Ich bat meinen Agenten, ein Treffen zu arrangieren, um zu erfahren, an welchem neuen Projekt sie arbeitet. Und es ist kaum zu glauben: Fünf Tage später kam der Anruf, dass man mich für ,Kaltes Land? haben wollte?, berichtet Theron. ?Ich war ganz aus dem Häuschen. Mich hat diese Filmerfahrung völlig überwältigt und stark inspiriert. Es findet sich einfach kein Ausdruck im Wörterbuch, um zu beschreiben, wie viel es mir bedeutet, an diesem Film mitzuarbeiten.?

Über die Story und die Hauptfigur sagt Theron: ?Mich faszinieren Menschen, die entdecken, welch unglaubliche Tapferkeit, welche Fähigkeiten in ihnen schlummern. Sie merken das erst, wenn sie in Situationen geraten, die solch ungewöhnliches Verhalten auslösen ? sie erkennen eine Wahrheit, die anderen verborgen bleibt. So erlebe ich Josey. Sie geht ihren Weg bewusst ganz allein, obwohl sie das nicht müsste. Aber sie fällt diese Entscheidung und bereitet damit all den anderen den Weg, die in ähnlichen Schwierigkeiten stecken. Dazu mußs man sehr stark sein, ein besonderes Gespür haben, und ich finde es wunderbar, wie Josey diese innere Kraft mobilisiert und jenen Mut aufbringt, der sie wahrscheinlich selbst überrascht.?

Außerdem schätzt Theron den entwaffnend direkten Ansatz, mit dem Caro den Film anpackt. ?Mir gefällt an Nikis Regie vor allem, dass sie die Dinge nie unnötig kompliziert. Ihr Stil ist wunderbar einfach. Das betrifft nicht nur ihre Weltsicht, ihre Beurteilung der Menschen allgemein, sondern auch Nikis Umgang mit den Filmfiguren und ihren spezifischen Problemen. Sie begreift, dass sich alles auf ein Motiv reduzieren lässt: Die Menschen wollen den Kopf über Wasser halten. Schon als ich zusagte, hatte ich größten Respekt vor ihr ? und dieser Respekt ist seitdem noch gewachsen.?

Frances McDormand spielt Joseys selbstbewusste Freundin Glory, die in der Grube arbeitet und die Gewerkschaft vertritt. McDormand schätzt die Regisseurin ähnlich wie Theron ein und interessierte sich vor allem für ihren Umgang mit dem Skript: ?In meinen Augen handelt der Film von menschlicher Würde, mit der Betonung auf menschlich, nicht unbedingt weiblich. Niki Caro ist sehr klug und eine unglaublich einfühlsame Filmemacherin. Ich vertraue ihr völlig: Sie erzählt die Geschichte absolut ursprünglich im Gegensatz zu kitschig oder sentimental, und es geht ihr dabei um Menschen, nicht nur um Frauen.?

McDormand hat ihre Vielseitigkeit durch eine große Bandbreite von Film-, Bühnen- und Fernsehrollen bewiesen, was sich in zahlreichen Auszeichnungen niedergeschlagen hat, darunter der Oscar für ?Fargo? (Fargo) sowie Oscar-Nominierungen für ?Mississippi Burning? (Mississippi Burning ? Die Wurzel des Hasses) und ?Almost Famous? (Almost Famous ? Fast berühmt).

Caro bestätigt, dass niemand außer McDormand für Glory infrage kam. Glory verändert sich im Laufe des Films, denn die starke und selbstbewusste Frau erkrankt an amyotrophischer Lateralsklerose (ALS), gegen die sie sich zunächst wehrt, um ihr dann doch langsam zu erliegen, während sie sich an ihre Arbeit und ihre Position in der Gemeinde klammert. ?Fran passt hundertprozentig zu dieser Rolle?, sagt Caro. ?Ich wollte eine kompromisslose, unsentimentale Schauspielerin, die diesen schweren Weg ohne Brimborium geht.?

Entsprechend zurückhaltend gestaltet sich die Beziehung zwischen Glory und Josey. ?Der Spannungsbogen unserer gemeinsamen Szenen entwickelt sich wunderbar, weil sie durchaus gefühlsbetont sind und dicht an der emotionalen Wahrheit der Story bleiben, ohne je besonders sentimental zu werden?, sagt McDormand, die aktuell mit Partnerin Theron bereits den Science-Fiction-Thriller ?Aeon Flux? abgedreht hat.

?In einer Szene, die im Umkleideraum der Frauen im Betrieb spielt, ist Josey gerade übel mitgespielt worden, und Glory findet sie in Tränen aufgelöst. Statt sie zu trösten und in den Arm zu nehmen, sagt Glory einfach: ,Hör zu, das mußst du wegstecken. Wenn du dich unterkriegen lässt, ist es doch genau das, was sie wollen. Unterm Strich müssen wir alle unsere Arbeit machen.? Auch Liebe kann hart sein ? so gehen Freundinnen miteinander um.?

Aber McDormand stellt auch fest, dass die beiden trotz ihrer Verbundenheit unterschiedlich auf die Situation reagieren. ?Glory arbeitet schon länger in der Grube als Josey. Sie hat sich in der Gemeinschaft etabliert, sie ist die Frauenvertreterin der Gewerkschaft, hat sich also bei ihren Arbeitskollegen Respekt erkämpft. Sie hält sich aus dem Geplänkel heraus, weil sie gelernt hat, die üblen Streiche und Anspielungen einfach zu ignorieren. Dazu ist Josey nicht in der Lage.?

So begeistert McDormand auch auf die Rolle, die Story und Caros Ansatz reagierte ? in Wahrheit gab es für sie ganz einfache Beweggründe für ihre Mitwirkung, wie sie lachend zugibt: ?Es war der Truck. Nikis Timing bei unserem ersten Treffen war dramaturgisch einfach hervorragend: Am Schluss sagte sie nämlich: ,Ach übrigens, hier ist ein Foto von dem Truck, den Glory fährt.?? Sie erinnert sich an das Foto eines gigantischen Lkw, groß wie ein Haus und zig Tonnen schwer. ?Die Idee ging mir nicht mehr aus dem Kopf: Diesen Truck werde ich fahren.?

Als Glorys Krankheit sich verschlimmert, ist sie immer mehr auf ihren Lebensgefährten Kyle angewiesen. Er wird von Sean Bean dargestellt, den die Zuschauer als Ritter Boromir aus der ?Herr der Ringe?-Trilogie (dafür gewann er den Preis der Screen Actors Guild, der Gewerkschaft der Filmschauspieler) und als Odysseus aus ?Troy? (Troja) kennen. Daneben spielte er eine Reihe bemerkenswerter Schurken in ?GoldenEye? (GoldenEye), ?Patriot Games? (Die Stunde der Patrioten) und ?Don?t Say a Word? (Sag? kein Wort).

Kyle wird im Film als Hausmann eingeführt. Vor einiger Zeit ist er durch einen Betriebsunfall arbeitsunfähig geworden ? in eben jener Firma, für die Glory nun den Truck fährt. Obwohl die traditionellen Geschlechterrollen umgekehrt sind, was ein weniger selbstbewusster Mann vielleicht nicht verwinden könnte, führt Kyle den Haushalt und hält sich im Hintergrund ? wobei er sich gelegentliche Spitzen seiner Ex-Kollegen gutmütig gefallen lässt ?, während Glory ihre Position in der Grube ausbaut. Als Glory dann an ALS erkrankt und ihr Leben nicht mehr selbst in den Griff bekommt, verändern sich die Rollen erneut, und Kyle übernimmt die Regie. Mit McDormands Worten: ?Er steht auf und wird ihr Sprachrohr.?

?Sean ist ein äußerst feinfühliger Schauspieler?, sagt Caro. ?Ich staune immer wieder, wie viele Bösewichte er auf der Leinwand gespielt hat. Sein Kyle lässt sich nicht unterkriegen, er ist eine ehrliche Haut ? von so einem Mann träumt jede Frau: selbstbewusst, aber auch unglaublich sanft. Seine Geschichte spielt sich praktisch zwischen den Zeilen ab, ist aber sehr wichtig und rührt uns. Kyle und Glory erleben eine sehr romantische Liebe. Sean gestaltet die Rolle und Kyles Situation sehr überzeugend und menschlich.?

Auch Joseys schweigsamer, streng konservativer Vater Hank macht eine bedeutende Entwicklung durch. Diese Rolle übernimmt Richard Jenkins, der als Nathaniel Fisher in der beliebten HBO-Serie ?Six Feet Under? (Six Feet Under ? Gestorben wird immer) für den Preis der Screen Actors Guild nominiert wurde. Sein ganzes Arbeitsleben hat Hank in der Grube geschuftet und sich für die Gewerkschaft engagiert, und von seiner Loyalität für die Kumpel und Kollegen lässt er sich auch kein Deut abbringen.

?Zunächst ist Hank überzeugt, dass Frauen in der Grube nichts verloren haben?, sagt Jenkins. ?Außerdem verurteilt er, dass seine Tochter ihren Mann verlassen und die Kinder mitgenommen hat und jetzt einen Job sucht. Er findet, sie sollte sich mit ihrem Mann versöhnen ? ganz egal, was zwischen ihnen gelaufen ist. Sein Standpunkt ist also nicht mehr ganz zeitgemäß. Und zu allem Überfluss scheint er der Meinung zu sein, dass Josey nur in der Grube arbeitet, um ihn zu provozieren.?

?Es mußs einen Mann wie Hank völlig verunsichern, wenn seine Tochter plötzlich in seinen Arbeitsbereich eindringt, den er 30 Jahre lang beherrscht hat?, sagt Caro. ?Wir erleben mit, wie schwierig es für ihn ist, sie dort zu akzeptieren. Umso schlimmer wird es, als er mitbekommt, wie übel sie von seinen Kollegen behandelt wird.?

Grundsätzlich ist er sicher der gleichen Auffassung, aber, so Jenkins: ?Wenn es einem Familienmitglied passiert, kann man das nicht einfach wegstecken. Sie ist immer noch seine Tochter. Irgendwann mußs er sich aufraffen und die Situation neu beurteilen ? zunächst allerdings nur, weil seine Frau ihn drängt. In dieser Krise müssen die Eltern auch ihre eigene Beziehung überdenken ? wie beurteilen sie ihre Tochter, wie stehen sie in der Gemeinde da? ?, bevor sie Stellung beziehen.?

?Nikis Ansatz gefällt mir deswegen so sehr, weil sie jeder Figur mehrere Möglichkeiten zugesteht, statt einfach festzulegen: ,Der Kerl ist nun mal so und fertig.??, sagt Jenkins. ?Denn tatsächlich ist es doch so, dass die Menschen selbst mit über 40, 50 Jahren immer noch nicht wissen, was sie wollen ? es gibt durchaus Gelegenheiten für einen Kurswechsel.?

Sissy Spacek übernimmt die Rolle von Hanks leiser, aber erstaunlich willensstarker Frau Alice. Caro nennt Spacek ?eine Ikone?: Die Schauspielerin gewann 1981 den Oscar mit ihrer Hauptrolle in ?Coal Miner?s Daughter? (Nashville Lady). In den 30 Jahren ihrer bemerkenswerten Karriere war sie fünf weitere Male für den Oscar nomiert. 2002 kürte das American Film Institute sie mit ihrer Leistung in ?In the Bedroom? (In the Bedroom) zur Schauspielerin des Jahres.

Alice ist zwischen ihren Gefühlen für ihren Mann und ihre Tochter hin- und hergerissen, was sehr schwere Entscheidungen erfordert. ?Hank und auch Alice sind sehr zurückhaltend, und normalerweise überlässt Alice ihrem Mann die meisten Entscheidungen. Aber im Laufe der Handlung entdeckt Alice stillen Mut in sich, und ein starkes Ehrgefühl?, sagt Spacek, die ähnliche Eigenschaften auch an den Menschen wiederfand, die sie vor Beginn der Dreharbeiten an den Schauplätzen im Norden Minnesotas kennen lernte. Wie viele ihrer Filmkollegen empfand sie den Aufenthalt am Drehort als große Bereicherung bei der Vorbereitung auf die Rolle.

?Das Treffen mit den Frauen von Grubenarbeitern hat mich tief bewegt und inspiriert. Sie waren sehr hilfsbereit und äußerst offenherzig? und sie haben mir ein unheimlich tolles Apfelstrudel-Rezept gegeben.? Ein weiteres Detail, mit der sie sich ihrer Rolle annäherte, dachte sie sich ganz allein aus, und es erwies sich als verblüffend einfach: ?Ich trage eine Brille?, lacht sie. ?Das war das letzte noch fehlende Stück im Puzzle. Manchmal fange ich mit den Schuhen an ? diesmal war es die Brille.?

?Sissy legt sich unermüdlich ins Zeug, um den Akzent und die Gesten korrekt hinzubekommen?, sagt Caro. Sie bezeichnet diese Details als extrem wichtig für eine Figur, die für die Geschichte zwar unabdingbar ist, aber nur relativ kurz auf der Leinwand erscheint. ?Alice ist es nicht gewohnt, aus sich herauszugehen oder überhaupt viel zu reden. Sissy mußs das meiste also mit dem Klang ihrer Stimme, mit ihrer Mimik ausdrücken.?

Jeremy Renner übernahm seine bis dato bekannteste Rolle 2002 in der unabhängig produzierten Filmbiografie ?Dahmer? (Dahmer). Diesmal spielt er den komplexen Part des Bobby Sharp, der mit Josey zur Schule gegangen ist und in der Grube mittlerweise als Schichtleiter arbeitet.

Wie viele Kollegen hält auch Bobby nichts von Frauen im Bergbau, aber seine aggressive Feindseligkeit Josey gegenüber ist in diesem Fall nicht nur das Resultat der Stimmung unter den Kumpeln oder seiner Angst um den Arbeitsplatz ? bei ihm handelt es sich um ein sehr persönliches, tief verwurzeltes Trauma aus ihrer Jugend, über das beide niemals sprechen würden.

Josey hat den Vorfall anscheinend verarbeitet, aber Bobby ganz offensichtlich nicht, und als Josey plötzlich wieder auftaucht, kommen in ihm verdrängte Gefühle hoch: Wut, Verwirrung und Scham. ?Jeremys Rolle als Bobby Sharp ist ein gutes Beispiel für die unterschiedlichen Aspekte, die unsere Geschichte anspricht?, stellt Caro fest.

?Oberflächlich verhält er sich absolut abscheulich. Ein schlechterer Schauspieler, der die psychologischen Untiefen eines solchen Mannes nicht ausloten will, würde ihn völlig eindimensional darstellen. Doch Jeremy spielt ihn nicht als Schurken, der seinen Schnurrbart zwirbelt, sondern als einen Menschen voller Widersprüche. Wir haben gemeinsam sehr intensiv daran gearbeitet, den Bobby von heute und den Jungen von damals zu analysieren und zu verstehen. Es war das reine Vergnügen, mit Jeremy zu arbeiten.?

Dazu Renner: ?Was ich im Zusammenleben der Menschen so faszinierend finde, ist die Reaktion der Leute auf bestimmte Dinge. Das interessiert mich viel mehr als das, was Bobby Josey dann tatsächlich sagt oder antut. Was löst ein derartiges Verhalten aus? Wahrscheinlich liegt es daran, dass er nicht ausdrücken kann, wie sehr ihm diese Frau gefällt, und er fühlt sich schuldig für das, was damals passiert ist. Glücklicherweise kann Bobby sein Verhalten bestens tarnen ? mit seinen Worten: ,Es geht doch immer nur um die Gewerkschaft, wir müssen solidarisch sein.? Hinter solchen Sprüchen versteckt er sich, obwohl er sich innerlich hundsmiserabel fühlt. Schwache lassen sich von den Stärkeren nun mal einschüchtern. Man mußs viel Mut aufbringen, um dagegen aufzubegehren.?

Dieser Mut äußert sich in Joseys Kolleginnen auf vielfältige Weise. Michelle Monaghan, die regelmäßig in der Serie ?Boston Public? (Boston Public) mitwirkt und aktuell in den Spielfilmen ?The Bourne Supremacy? (Die Bourne-Verschwörung) und ?Mr. & Mrs. Smith? (Mr. & Mrs. Smith) zu sehen war, spielt die Sherry, eine dynamische junge Frau, die ihre Persönlichkeit nicht zuletzt durch ihre Kleidung ausdrückt. ?Sie mußs hart ran?, sagt Monaghan.

?Dabei geht es weder schön noch locker zu. Sherry findet, dass es völlig ausreicht, wenn sie bei der Arbeit ihren unvorteilhaften Overall tragen mußs und das Eisenerz aus der Grube transportiert oder zerkleinert. Deshalb trägt sie dazu immer volles Makeup, eine schicke Frisur, lackiert sich die Nägel. Sherry möchte in dieser maskulinen Umgebung als Frau wahrgenommen werden, und zwar nicht nur durch ihr Aussehen und ihre Kleidung auf dem Weg in den Umkleideraum, sondern auch in ihrem Umgang mit den Leuten ? bei der Arbeit und auch privat. Andere finden das vielleicht albern, aber für sie ist es eben wichtig. So wie sie sich herausputzt, behauptet sie selbstbewusst ihre eigene Persönlichkeit.?

An einem anderen Arbeitsplatz könnte Sherry ihre Schönheit und ihren Lebenshunger ohne Einschränkungen ausleben, doch in der Grube wird ihre direkte Art von den Männern sehr schnell fälschlich als Flirten verstanden, und die anderen Frauen rümpfen die Nase. Aber Sherry hat keine Lust, ihre Individualität zu zügeln, und dafür zahlt sie einen hohen Preis. Mit der Zeit schießen sich die Bergmänner mit den übelsten Streichen und Bemerkungen auf sie ein, und die Situation eskaliert, als Josey lautstark ein anderes Verhalten einfordert.

?Sherry steht für die vielen unangepassten Menschen in unserer Welt, die deswegen kritisiert und abgestraft werden?, sagt Monaghan. ?Rüpel gibt es überall. Letztlich geht es in der Geschichte doch um ein paar Leute, die aufbegehren, weil sie Respekt verlangen. Und das kann wohl jeder nachvollziehen ? ob Mann oder Frau.?

Als Joseys erster wirklicher, wenn auch zunächst zögernder Verbündeter betritt der örtliche Anwalt Bill White die Szene. Die Rolle übernimmt der Oscar- und Golden-Globe-Kandidat Woody Harrelson (?The People Vs. Larry Flynt?/Larry Flynt ? Die nackte Wahrheit). Harrelson hat sich international mit unvergesslichen Komödienauftritten auf Leinwand und Bildschirm einen Namen gemacht, aber er überzeugte auch in Terrence Malicks Weltkriegsepos ?The Thin Red Line? (Der schmale Grat), und seine erste, sehr beeindruckende dramatische Rolle spielte er in Oliver Stones provokantem ?Natural Born Killers? (Natural Born Killers).

?Woody hat sich intensiv auf seine Rolle vorbereitet ? er verblüffte mich völlig: Vor der Kamera gelingt ihm einfach alles?, sagt Caro. ?Seine eigene starke Persönlichkeit hilft ihm, Bill Whites Schwächen wirklich auszuloten ? so vermeidet er jede Schwarzweißmalerei, und genau das ist in einer solchen Geschichte unabdingbar.?

Bills Schwäche besteht teilweise in seinen massiven Selbstzweifeln ? er persönlich glaubt, dass er weder als Anwalt noch als Mensch überzeugt. Zunächst hält er einen Prozess in Sachen Josey für ebenso aussichtslos wie sie selbst. ?Bill war in New York Anwalt in einer großen Kanzlei, seine Ehe ging in die Brüche, jetzt kehrt er in die Eisenberge zurück?, erklärt Harrelson. In der Schule war Bill der Hockey-Star, der dann in der weiten Welt seine Träume verwirklichen wollte.

?Jetzt resümiert er, dass weder der Beruf noch sein Privatleben seinen Erwartungen entsprechen ? anfangs erleben wir ihn entsprechend total verunsichert. Viele Gründe sprechen dagegen, Josey vor Gericht zu vertreten, vor allem der Umstand, dass er in der Kanzlei immer nur Vergleiche ausgehandelt und nie einen Prozess geführt hat. Aber Josey lässt nicht locker.?

Harrelson stellt fest, dass White natürlich gleichzeitig die Idee höchst spannend findet, mit der ersten amerikanischen Sammelklage wegen sexueller Belästigung einen Präzedenzfall zu schaffen. Weil ihm keine Wahl bleibt und er seine Bedenken über Bord werfen mußs, bringt er den Fall vor Gericht ? er ?kann also wieder in den Spiegel schauen und seinen Gerechtigkeitssinn ausleben.?

?Das Drehbuch ist mitreißend ? ich empfinde es als Privileg, in diesem Film mitzuwirken?, sagt Harrelson, der sich in dem Filmthema wiederfindet. ?Hier kämpft der kleine Mann gegen den übermächtigen Apparat.? Schwierig, aber oft auch lustig war für alle Darsteller die ungewöhnliche Aufgabe, ihre Dialoge überzeugend in der eigentümlichen Satzmelodie der Menschen im Norden von Minnesota zu präsentieren.

?Der Akzent ist nicht besonders auffällig, aber unverkennbar, und damit hatte ich die größten Probleme?, sagt Harrelson, der während der Dreharbeiten witzelte: ?Ich glaube, jetzt habe ich es endlich gepackt, und wie viele Drehtage haben wir noch? Anderhalb Wochen?? Alle Beteiligten sind sich einig, dass die Tage, die sie vor Drehbeginn und während der Produktion in der kleinen Stadt mit ihren Bewohnern verbrachten, ihrer Darstellung sehr geholfen haben. Natürlich stand während des Drehs auch ein Sprachexperte zur Verfügung, und ständig ergaben sich ?Nachhilfestunden? durch die Gespräche mit den vielen örtlichen Statisten.

Spacek sollte ursprünglich nur eine Woche drehen, aber weil sie die Sprachfärbung ihrer Rolle unbedingt korrekt wiedergeben wollte, reiste sie schon zwei Wochen früher in die Eisenberge. ?Der Akzent war mir völlig fremd?, sagt die geborene Texanerin. ?Aber schließlich habe ich es gepackt, und dann wachte ich am Morgen des ersten Drehtags auf und hatte eine Kehlkopfentzündung!? lacht sie. ?Meistens habe ich dann also nur versucht, überhaupt einen Ton herauszubringen. Irgendwie war es schon lustig, dass die Filmgötter mir einen derartigen Streich spielten.?

Weitere Hauptrollen übernahmen Rusty Schwimmer (?The Perfect Storm?/Der Sturm) und Jillian Armenante (?Judging Amy?) als Big Betty und Peg, zwei dickköpfige Grubenarbeiterinnen, und der 14-jährige Thomas Curtis (?Sweet Home Alabama?, ?Red Dragon?/Roter Drache) ? er spielt Joseys Sohn Sammy, der während ihrer gerichtlichen Auseinandersetzung mit der Bergbaugesellschaft einen heftigen Streit mit seiner Mutter durchstehen mußs.

Die Gruben, die Kleinstadt und der Winter in Minnesota ? größtmögliche Authentizität steht bei der Produktion an erster Stelle Gedreht wurde zunächst im Norden von Minnesota, um die unverwechselbare Landschaft und den legendären, eiskalten Winter mit der Kamera einzufangen. In den Eisenbergen hatten die Temperaturen vor Beginn der Dreharbeiten ein Rekordtief erreicht, doch als das Filmteam eintraf, herrschten erträgliche minus 7 Grad Celsius, was die Einheimischen als echte Hitzewelle empfanden, doch die empfindliche Kameraausrüstung fror trotzdem ein ? man benötigte also spezielle Heizungen am Set.

Caro wollte unbedingt in den Orten Eveleth, Virginia, Hibbing und Chrisholm drehen, denn sie behandelt den Schauplatz fast wie eine weitere Hauptrolle. ?Weil wir in einer ganz spezifischen Gegend drehen, wollte Niki die Landschaft deutlich mit den Darstellungen der Schauspieler interagieren lassen. Sie möchte dem Schauplatz gerecht werden, an dem die Geschichte stattfindet, und deswegen drehen wir so viel wie nur irgend möglich direkt vor Ort?, sagt Wechsler, der das Team auf der Reise durchs Land begleitete.

?So gehe ich bei allen meinen Filmen vor?, sagt die gebürtige Neuseeländerin Niki Caro, die sich ebenso enthusiastisch in die Minnesota-Orte vertiefte, wie sie es bei ihrer Beschäftigung mit der Maori-Kultur in ?Whale Rider? getan hatte. ? Menschen und Landschaften inspirieren mich ohne Ende.?

Neben den unabdingbaren Drehorten in Minnesota fand das Produktionsteam auch eine Reihe von Originalschauplätzen in Silver City/New Mexico, wo es in den Kupferminen Cobre und Chino der Phelps-Dodge Company drehen durfte. Cobre ist praktischerweise geschlossen und war also als Drehort besonders geeignet, während in der voll funktionierenden Chine-Mine nicht nur Trucks und Ausrüstung zur Verfügung standen, sondern auch Sicherheitsmaßnahmen und technische Unterstützung für das Filmteam.

Darsteller und technische Mitarbeiter des ?Kalten Land?-Teams absolvierten vor Beginn der Dreharbeiten in Minnesota zunächst einen Schnellkursus in New Mexico: Sie besichtigten die Gruben, machten sich in Bezug auf die Sicherheitsmaßnahmen kundig und probierten ein ganzes Arsenal schwerer Maschinen aus, mit denen man Erzbrocken in der Größe von VW-Käfern transportiert und zerkleinert.

Lillian Medina ist bei Phelps-Dodge für die Sicherheit und Gesundheit der Belegschaft zuständig und übernahm die Leitung beim Schnellkursus ? außerdem diente sie Rusty Schwimmer als Vorbild für ihre Darstellung der Big Betty. Schwimmer begeisterte sich für die sehr effiziente und direkte Medina, die zwar einfache Arbeitshemden und Stiefel mit Stahlabsätzen trägt, aber eindeutig femininen, dünnen Capri-Zigaretten den Vorzug gibt ? diese Eigenheiten übersetzte Schwimmer in ihre Rolle.

Hier durfte Frances McDormand endlich auch ins Führerhaus des gigantischen Trucks klettern, den sie als Glory fahren sollte. ?Wenn man den Motor anlässt, hupt man einmal, wenn man anfährt, zweimal, wenn man rückwärts fährt, dreimal?, gibt McDormand ihre Erfahrung zu Protokoll. ?Eigentlich fährt sich das Ding ganz einfach, weil es ein automatisches Getriebe hat?, gibt sie zu.

?Angst macht mir nur, dass man kaum etwas sehen kann. Es kann sehr leicht passieren, dass man jemanden überfährt ? zum Glück gab es unsere fabelhafte Crew, die auf mich aufgepasst hat. Ich war vorher noch nie in einem Steinbruch, und obwohl wir keine Dokumentation gedreht haben, hat es sehr geholfen, in tatsächlichen Gruben zu drehen und uns von Leuten anleiten zu lassen, die Erfahrung damit haben.?

Darsteller und Team machten sich nicht nur in Bezug auf die Arbeit im Bergbau kundig, sondern ließen sich auch Zeit, um ihre Gastgemeinde in Minnesota kennen zu lernen. Auf dem Terminkalender stand Wintersport wie Eisangeln, Snowmobile, Hundeschlitten und der Lieblingssport der Gegend: Hockey. Spacek vervollkommnete mithilfe der einheimischen Frauen in der Slovenia Hall ihre Apfelstrudel-Backkünste.

Dazu Renner: ?Es ist toll, wenn man lernt, was ein Stapler ist?, aber auch jenseits der technischen Unterweisung ?macht es mir als Schauspieler immer Spaß, Leute zu beobachten, ich finde es äußerst fruchtbar, in einem Restaurant oder in einer Bar zu sitzen und den Geschichten der Leute zuzuhören, vor allem in Kleinstädten. Ich stamme selbst aus einer kleinen Stadt, und es fasziniert mich immer wieder, wie viel man über einen Ort erfährt, indem man sich mit den Menschen unterhält ? viel mehr als man aus der Zeitung oder in einem Nationalpark erfährt.?

Viele Bewohner der Eisenberge wurden als Statisten für den Film engagiert ? entweder für die Grubenszenen oder die Stadtsequenzen, vor allem aber für die hitzige Szene im Versammlungsraum. Gedreht wurde in dem höhlenartigen Hotel Elks Lodge in Eveleth ? dort befinden sich blassgrüne Fresken an den Wänden. Hier versucht Josey den Kollegen vergeblich zu erklären, warum sie die Firma verklagen will und dass sie nie vorhatte, die Grube schließen zu lassen.

Die versammelten Bergleute sind deutlich aufgebracht, sie haben Angst, ihren Lebensunterhalt zu verlieren, und zeigen keinerlei Interesse, ruhig zuzuhören. Bei der Besetzung der dafür erforderlichen etwa 300 einheimischen Männer erklärte Caro den Statisten die Umstände und Ereignisse der Filmhandlung, die dieser Szene vorausgehen, und wies sie an, ihrer Wut deutlich Luft zu machen. Zunächst verhielten sich die Statisten noch zurückhaltend, aber mit jeder Einstellung wurden die improvisierten Pfiffe lauter und engagierter.

All diejenigen, die sich in dieser aufgeheizten Atmosphäre nicht recht wohl fühlten, waren Caro mit ihrem Gesichtsausdruck ebenso viel wert wie die hemmungslosen Kameraden und die wenigen gefährlich schweigsamen weiblichen Zuhörer ? zusammen ergaben sie das realistische Spektrum der Veranstaltung. Gleichzeitig war eine Kamera ausschließlich auf Charlize Theron als Josey gerichtet, die sich in dieser feindseligen Umgebung zu behaupten versucht.

Richard Jenkins mußs als Hank in dieser Szene eine folgenschwere Entscheidung treffen ? er beschreibt seine Minnesota-Kollegen als ?wunderbare Jungs, die sich wirklich ins Zeug gelegt haben. Man forderte sie auf, Sprüche zu klopfen, die wirklich unschön sind und ihnen deswegen nicht unbedingt leicht fielen, aber sie haben?s gebracht. Sie schafften es. Anders hätte man die realistische Atmosphäre gar nicht gestalten können ? so etwas mußs man vor Ort miterleben.?

Doch nicht bei allen in Minnesota gedrehten Szenen ging es so hoch her wie in der kontroversen Versammlung. Etliche Drehtage waren den Szenen auf dem örtlichen Hockeyplatz vorbehalten, wo etwa 2000 Statisten als begeisterte Fans auftraten. Wie viele andere Darsteller und Mitarbeiter, die wärmeres Klima gewöhnt sind, hatte Caro sich sorgfältig auf das eisige Wetter vorbereitet: Meist trug sie einen Daunen-Parka, dicke Stiefel und eine riesige Pelzkapuze, um die sie ein Eskimo beneidet hätte. Theron stammt aus dem milden Südafrika, sie fand die Kälte erfrischend und durchaus anregend.

?Der frisch gefallene Schnee ist vor allem am Morgen wunderschön?, erinnert sie sich. ?Er sieht dann wie Zuckerguss aus ? ich konnte mich gar nicht sattsehen? allerdings am liebsten von drinnen! Durch das Fenster war der Anblick einfach überwältigend. Wenn ich dann mitten drin stehe, fällt es mir schwerer, ihn zu würdigen.?

Der Look: realistisch und erdverbunden, aber von ganz eigener Schönheit ?Ich wollte von vornherein einen besonders schönen Film aus diesem Stoff machen, aber er sollte auch realistisch sein ? das war eine echte Herausforderung?, sagt Caro. ?Er sollte nicht zu nüchtern-sachlich werden. Ich wollte die Schönheit zeigen, nicht im Sinne des Plastik-Hollywood, sondern in dem, was dieser Ort, diese Menschen zu bieten haben, mit all den Problemen, die uns die Welt in dieser erstaunlich prachtvollen Landschaft beschert.?

Unter dieser Vorgabe überrascht es nicht, dass Caro sich an den berühmten Kameramann Chris Menges wandte, der für ?The Mission? (Mission) und ?The Killing Fields? (The Killing Fields ? Schreiendes Land) Oscars gewonnen hat und eine weitere Nominierung für ?Michael Collins? (Michael Collins) bekam. ?Seine Bilder von Schauplätzen und Menschen sind immer von großer Sympathie und Aufrichtigkeit geprägt?, sagt sie.

?Die Schönheit und Ehrlichkeit seines Werks ist unübersehbar.? In ?Kaltes Land? wird dies besonders in den Bildern von den schneebedeckten Bergen unter leerem Himmel deutlich, und in den Hell-Dunkel-Kontrasten des Schnees, des schwarzen Erzes und den düsteren Innenräumen des Bergwerks.

Besonders schätzt Caro, dass Menges am Set fast gänzlich auf künstliche Beleuchtung verzichtet. In ?Kaltes Land? verwendet Menges das natürliche Tageslicht, wenn irgend möglich. Nur wenn es gar nicht anders ging, leuchtete er den Set durch erfindungsreiches indirektes Licht, Reflektoren und ein Scheinwerfersystem namens MEL (?Million Eye Lights? wegen der vielen Glühbirnen) sowie kleine, in Plastik eingewickelte Scheinwerfer auf einer Konsole aus ? sie alle unterstützen das natürliche Licht unmerklich.

Auf den eigentlichen Sets standen keine Scheinwerfer im Weg, so dass Caro frei schalten und walten konnte ? Menges versteckte die Scheinwerfer vielmehr oberhalb des Sets, oder er richtete die Beleuchtung schon vor dem Dreh ein, so dass Scheinwerfer durch die Fenster strahlten, oder indem er die tatsächliche Beleuchtung der Räume, die vorhandenen Lampen, durch Scheinwerfer unterstützte, die oft mit Dimmern versehen waren, so dass man sie unmerklich und sehr schnell den Gegebenheiten anpassen konnte.

?Ich habe mich mit vielen Star-Kameraleuten getroffen, aber Chris ging die Sache am direktesten an und versprach mir, den Fußboden von allen Scheinwerfern frei zu halten, so dass sich die Schauspieler ungehindert bewegen können?, berichtet Caro über ihre Vorgespräche. ?Wenn man auf Beleuchtung auf dem Fußboden verzichtet, wirkt das Licht häufig sehr flach, aber Chris? Kameraeinstellungen sind derart durchdacht, dass dieses Problem überhaupt nicht aufkommt.?

Menges entschied sich für das Super-35-Breitwandverfahren, um einerseits die weite Landschaft von Minnesota und andererseits auch riesige Menschenmengen ins Bild zu bringen. Durch diese Kameradimension konnte Caro ihre Darsteller im Bildausschnitt viel freier herumdirigieren.

Dazu Caro: ?Ich lege nie Kamerapositionen und -bewegungen fest, bevor ich nicht den optischen und emotionalen Mittelpunkt der Szene verinnerlicht habe, um dann erst zu entscheiden, wie man ihn am besten mit der Kamera einfängt. Entscheidend bei Chris? Ansatz ist, dass er sich darauf einstellen kann. Oft haben wir mit Handkameras gefilmt, wodurch das Spiel der Schauspieler viel unmittelbarer aufgenommen wird, wir bleiben immer nahe an ihnen dran und halten jedes subtile Detail ihrer Darstellung fest.?

Am Ende wirken die Kamerabilder so dokumentarisch wie im Cinéma vérité. Caro und Menges filmten oft ?heimlich?, um die spontanen Reaktionen der vielen Statisten in den Schlüsselszenen festzuhalten. Weil die Regisseurin größten Wert auf authentische Originalschauplätze legt, verwendete Produktionsdesigner Richard Hoover (er war mit seinem HBO-Film ?Live From Baghdad?/ Live aus Bagdad für den Emmy nominiert) fast ausschließlich tatsächlich existierende Gebäude.

Neben dem Veranstaltungssaal im Elks Club von Eveleth, der als Versammlungsraum der Gewerkschaft dient, drehte man auch in einem örtlichen Hockeystadion, und Josey wohnt in einem zweistöckigen Haus mit Schindeldach, das vorübergehend unbewohnt war ? Hoover entdeckte es während der Dreharbeiten in New Mexico.

Die knallgelb gestrichene Hockey-Arena gab das Farbkonzept des Films vor. ?Wir ließen auch die Trucks im Steinbruch gelb streichen?, sagt Hoover. ?Und etwas gedämpfter taucht diese Farbe auch in Joseys Elternhaus auf, in dem Alice und Hank nach wie vor wohnen: in dem Blumenmotiv der Küchentapete. Hinzu kommen ein paar Rosa-, Grün- und Blautöne, aber das Gelb herrscht eindeutig vor. Es erscheint auch in der Küche in Joseys eigenem Haus, als ob sie dort etwas wiederholen möchte, was sie aus ihrem Elternhaus kennt.?

Hoover studierte eingehend die Traditionen der Bewohner jener Gegend, ihre Geschichte, ihre Bergwerke. ?Bestimmte Bilder haben sich unserem Kollektivbewusstsein eingeprägt?, erklärt er. ?Aber manchmal ergibt sich das auch wie von selbst. In Las Vegas/New Mexico entdeckten wir ein Haus, das dem Baustil vom Anfang des 20. Jahrhunderts in Minnesota ähnelt, denn viele Bewohner sind von dort nach Westen weitergezogen und haben sich dort entlang der vorstoßenden Eisenbahnlinien niedergelassen. Außerdem gibt es in dem Haus komplett holzgetäfelte Wände ? sie wirken wie ein Echo auf das dunklere Holz und die etwas kräftigeren Konturen in Joseys Elternhaus. Unsere Schauplätze entsprachen also perfekt unseren Recherchen.?

So wie Hoover und sein Team arbeitete sich auch Kostümbildnerin Cindy Evans (?Memento?, ?Laurel Canyon?, ?Lords of Dogtown?) intensiv in die Materie ein und stöberte in Second-Hand-Läden und auf Grabbeltischen, um passende Stücke zu kaufen oder sich von ihnen inspirieren zu lassen. Viele Anregungen lieferte auch Richard Avedons Fotosammlung ?In the American West?. Der Fotograf fand seine Motive zwar nicht in Minnesota, aber Evans verwendete seine Porträts von hart arbeitenden Menschen (unter anderem auch Bergleute) im Alltag der 70er-Jahre als für ihre Zwecke geeignete Vorbilder.

Evans hat mit Charlize Theron schon 2001 an dem Liebesfilm ?Sweet November? (Sweet November) gearbeitet ? sie konzentrierte sich diesmal mehr auf Stoffe als auf Farben und stellte eine umfassende, praktisch ausgerichtete Garderobe zusammen: Flanell mit Schottenmuster, groben Jeansstoff und dicke Pullover.

Die Farbpalette war eher gedämpft, und Evans nahm von modischer Kleidung Abstand ? mit einer wichtigen Ausnahme: die Kleider, die Michele Monaghan als Sherry trägt. Im Gegensatz zu den Kolleginnen in der Grube putzt sich die 19-Jährige möglichst auffällig heraus, auch wenn ihr Geschmack oft zu wünschen übrig lässt. Sie erscheint zur Schicht in Outfits, die ihre Figur betonen, sie trägt zum Beispiel hochhackige lila Stiefel, die in passende Wadenwärmer übergehen, und nach Feierabend in der Bar legt sie im aufreizenden Fummel richtig los.

?Sherry steht total auf Klamotten?, stellt Monaghan fest ? augenzwinkernd behauptet sie, sie hätte Sherrys Outfits nach Ende der Dreharbeiten gern behalten. ?Sie findet ihre kurzen Röcke echt stark, ihre engen, kurzen Pullis und diese irren Boots. Mit Makeup und Schmuck drückt sie aus, dass ihr das wirklich Spaß macht. Doch durch das, was ihr dann zustößt, wird ihr Wille gebrochen ? sie verändert sich total, als Persönlichkeit und in ihrem Äußeren.? Evans unterstützt diese Verwandlung durch die Kleidung, die allmählich immer schlichter wird. ?Unglücklicherweise fühlt sie sich dann nicht mehr als richtige Frau ? schade für sie.?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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