Die wilden Hühner

Produktionsnotizen

Die deutsche Gesamtauflage der verkauften Bücher von Cornelia Funke liegt derzeit bei 3,8 Millionen Exemplaren. Mit mehr als 1,8 Millionen verkauften Exemplaren gehören ihre im Cecilie Dressler Verlag Hamburg erschienenen realistischen Jugendromane über die Mädchenbande ?Die Wilden Hühner? zu den deutschen Jugendbuchbestsellern. Da durfte die Kinoadaption dieser Geschichten aus der Feder der ?Spionin der Kinder in der Welt der Erwachsenen? (Funke über Funke) nicht lange auf sich warten lassen.

Was die Autorin schließlich überzeugte, die Verfilmungsrechte an das Erfolgs-Produzentenduo Uschi Reich und Peter Zenk zu vergeben, waren deren erfolgreiche Kästner-Adaptionen, wie beispielsweise DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER (2003) und die beiden BIBI BLOCKSBERG Filme (2002/2003). Uschi Reich, die als Produzentin hinter den Kinohits steht, dazu: ?Cornelia Funke wählt ihre Partner sehr sorgfältig aus. Vor allem hat sie die Tatsache überzeugt, dass wir Erfahrung in der Produktion von Jugendbuchadaptionen haben und uns sicher waren, in einem bundesweiten Casting auch hervorragende Kinderdarsteller für die neun Kinderhauptrollen zu finden.?

Im Unterschied zur Fantasywelt der kleinen Hexe Bibi ist DIE WILDEN HÜHNER ein sehr realistischer Film. Uschi Reich erläutert: ?Er gibt die Wirklichkeit, gesehen mit den Augen der Kinder, wieder.? Sprotte zum Beispiel hat eine allein erziehende Mutter mit chaotischem Liebesleben; Trude ist ein Scheidungskind, das ständig Essen in sich hinein stopft und abnehmen mußs; Wilma ist zwar ein gut situiertes Einzelkind, aber in ihrer Familie dreht sich alles immer nur darum, dass die Leistung zählt.

?Jedes der Kinder hat also ein spezifisches, handfestes Problem?, so die Produzentin. Es galt hier nichts ins Fantastische zu überhöhen, aber trotzdem sollte es für den Kinobereich funktionieren; die Figuren der Geschichte mußsten also genügend Fallhöhe haben.?

Gedreht wurde von 13. Juli bis Ende September 2005 in und um Köln und Düsseldorf sowie in Xanten am Niederrhein, wo die Produktion das perfekte Haus der Oma Slättberg fand. Einziges Problem dieser Location: Das Wetter. ?Wir waren schon mitten im Dreh und stöhnten über den Regen, der unseren Drehplan torpedierte, als mich ein einheimischer Arzt angrinste: ?Wenn Sie schönes Wetter brauchen, dann gehen sie überall hin, aber nicht nach Xanten.??, erinnert sich Uschi Reich.

In Düsseldorf wurde unter anderem auf dem Gelände des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums in Benrath gedreht. Produzent Peter Zenk freute sich über den freiwilligen Einsatz der Schüler dort: ?Obwohl schon die erste Ferienwoche begonnen hatte, machten 160 Schüler der Schule als Komparsen beim Dreh mit.?

Das Drehbuch aus der Feder von Güzin Kar und Uschi Reich inszenierte Regisseurin Vivian Naefe mit einem erstaunlichen Staraufgebot, auch in den Erwachsenenrollen. Veronica Ferres, Doris Schade, Jessica Schwarz, Benno Fürmann und Axel Prahl standen vor der Kamera. Für Peter Zenk ist das Interesse der Stars ?dem Umstand zu verdanken, dass der Kinderfilm in Deutschland endlich wieder Ernst genommen wird".

Veronica Ferres, die im Film die Mutter von Sprotte, der unerschrockenen Anführerin der Wilden Hühner spielt, hat besonders persönlichen Bezug zur Thematik des Films: ?Ich bin mit zwei älteren Brüdern aufgewachsen. Meine Eltern hatten eine Kohlen- und Kartoffelhandlung und wir haben immer im Hof gespielt. Natürlich gab es eine Jungengang, die ich sehr angehimmelt habe und als sechs Jahre jüngere Schwester meines ältesten Bruders wollte ich nichts lieber als dabei zu sein. Dafür mußste ich aber erst Mutproben bestehen, zum Beispiel von einer hohen Mauer springen.?

Hauptrollen in DIE WILDEN HÜHNER wurden aber auch von Tieren übernommen. Tiertrainerin Aurelia Franke-Hornung (?Ingeborg?s Animals?) schulte die Hühner Kokoschka, Daphne und Co. Insgesamt 15 Stück Federvieh wurden von der Trainerin an Menschen gewöhnt und dazu ausgebildet, auf Kommando auf der Hühnerstange sitzen zu bleiben.

Weil Schauspielern für Hühner aber sehr anstrengend ist und die Hennen bisweilen divenhafte Züge entwickeln, wurde jedes der Filmhühner von mindestens zwei Darstellerinnen verkörpert. Neben diversen Hunden, Fröschen, Spinnen und sonstigem Getier, spielte auch ein zahmer Fuchs eine bedeutende Rolle. Die Arbeit mit neun Kindern in den Hauptrollen erwies sich als Herausforderung an die Produktion.

Dazu Uschi Reich: ?Zum einen gibt es aufwändige Szenen, bei denen alle Kinder im Bild sind. Und zum anderen arbeiten wir mit zehnjährigen Kids, also im Durchschnitt zwei Jahre jünger als bei BIBI. Diesen Altersunterschied merkt man enorm. 12jährige sind schon wesentlich belastbarer, die Aufmerksam-keitsspanne ist höher. Dazu kommt, dass die Handlung sehr komplex ist, viel mit Vor- und Rückblenden gearbeitet wird, was die Kinder sehr fordert.?

Dennoch hält die Produzentin ihre kleinen Stars allesamt für ?riesige Talente, die wunderbare Darbietungen geben?. Auch Regisseurin Vivian Naefe kam sich zuweilen vor ?wie ein Zirkusdompteur, wenn alle neun Kinder gleichzeitig im Bild waren?, war aber vom darstellerischen Talent ihrer Jungstars begeistert.

Der mit einem Budget von 4,6 Millionen Euro ausgestattete Kinofilm ist eine Produktion der Bavaria Filmverleih- und Produktions GmbH in Co-Produktion mit Lunaris Film, Odeon Film, Constantin Film und dem ZDF und wird gefördert von der Filmstiftung NRW, dem FFF FilmFernsehFonds Bayern und der FFA Filmförderungsanstalt Berlin. Constantin Film bringt DIE WILDEN HÜHNER am 09. Februar 2006 in die Kinos.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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