Rolltreppe Abwärts

Ausführlicher Inhalt

Der 13-jährige Jürgen-Joachim Jäger (Timo Rüggeberg), von allen ?Jochen? genannt, steht an einem kalten Winternachmittag vor der Tür seines Zuhauses und bemerkt, dass er seinen Schlüssel verloren hat. Seine Mutter (Diana-Maria Breuer) arbeitet zu dieser Uhrzeit noch im Lebensmittel-Laden von Albert Möller (Guido Renner), ihrem neuen Lebensgefährten, und kommt nicht vor Einbruch der Dunkelheit zurück. Um sich die Zeit zu vertreiben bummelt Jochen durch die Innenstadt.

Nach einiger Zeit macht sein Magen auf sich aufmerksam, doch sein Geld reicht nicht mehr, um sich etwas zu essen zu kaufen. Jochen fährt trotzdem mit der Rolltreppe abwärts in die Lebensmittelabteilung des Kaufhauses. Ein kurzer Blick ? niemand in Sicht ? und schnell verschwinden zwei Schokoriegel und eine Cola in seiner Jackentasche. Als er sich umdreht, steht sein Mitschüler Alex (Justus Kötting) vor ihm und hat alles gesehen.

Aber anstatt ihn zu beschuldigen, lädt Alex ihn auf Bier, Zigaretten und Currywurst ein. Wieder zu Hause angekommen, ist Jochens Mutter außer sich wegen des verlorenen Schlüssels und des Gestanks nach Bier und Zigaretten. Auch an den nächsten Tagen treffen sich Jochen und Alex häufig an der Rolltreppe, ziehen zusammen durch das Kaufhaus und begehen immer wieder Diebstähle. Anschließend lädt Alex Jochen immer auf einige Bier ein.

Irgendwann animiert Alex Jochen einen MP3-Player zu klauen, wobei Jochen aber ertappt und nach einer Verfolgungsjagd auf den dicht besetzten Rolltreppen des Kaufhauses vom Kaufhausdetektiv gestellt wird. Jochens Mutter mußs ihren Sohn auf der Polizeiwache abholen und Jochen steht ein Riesenkrach zuhause bevor.

Irgendwann hält es Jochen zu Hause nicht mehr aus und hofft, bei Alex Unterschlupf zu finden. Als Alex sieht, wer vor seinem Fenster steht, weist er Jochen ab, indem er ihn einfach ignoriert. Enttäuscht und hilflos zieht Jochen in die leergefegte Innenstadt weiter und versucht, einen Schlafplatz zu finden.

Am nächsten Morgen steht Jochen wieder im heimischen Hausflur ? die Mutter ist erleichtert, doch ihr neuer Lebensgefährte Albert Möller ist zornig, schlägt ihn ins Gesicht und beschimpft ihn wutentbrannt. Jochen schnappt sich seine Schulsachen und rennt wortlos mit Tränen in den Augen aus dem Haus. Als er über den Schulhof geht, sieht er Alex in einer Gruppe von Schülern stehen, die offensichtlich gerade über ihn lachen. Alex mußs ihnen also von seinem Diebstahl erzählt haben.

Wütend geht er auf die Gruppe zu, geht mit einer herumstehenden Flasche auf Alex los und schlägt ihn vor den Augen der anderen zusammen. Zum Diebstahl in mehreren Fällen kommt nun noch schwere Körperverletzung hinzu. Der Jugendamtbeauftragte rät Jochens Mutter zur freiwilligen Erziehungshilfe in einem Fürsorgeheim. Jochens Mutter kommt diesem Rat nach, weil sie der ganzen Situation inzwischen hilflos gegenübersteht.

Im Erziehungsheim angekommen Jochen die erste Bekanntschaft mit dem strengen Erzieher Herrn Hamel (Jürgen Haug). Dieser hegt eine außergewöhnliche Leidenschaft für Hunde. Alle Jugendlichen werden von ihm mit Hundenamen angesprochen und ebenso behandelt: Reden nur auf Anordnung, Essen nur auf Anordnung, Schlafen nur auf Anordnung.

Hier lernt er Sven (Ben Unterkofler) ? auch ?Dackel? genannt ? kennen. Sven führt ihn in das Heimleben ein. Jochen selbst bekommt den Namen ?Boxer? zugeteilt. Bereits in den ersten Tagen geraten der Erzieher Hamel und Jochen aneinander: Jochen wird aus einer Rauferei gezogen und für diese verantwortlich gemacht.

Hinzu kommt, dass er sich weigert, einen Aufsatz über die wahren Gründe seines Heimaufenthaltes zu verfassen. Anstatt über seinen Diebstahl und die Schlägerei zu schreiben, berichtet er in den Aufsätzen stets davon, dass seine Mutter ihn grundlos abgeschoben habe. Bei der Schulhof-Rauferei hat Jochen sich am Knie verletzt und besucht fortan täglich die Krankenschwester des Heims Maria (Giselheid Hönsch).

Zu Maria baut er eine enge Beziehung auf und benutzt seine Verletzung als Vorwand, um sie täglich zu besuchen. Neben Schwester Maria bildet Fred Winkelmann (Martin Harald Schmidt) ? von allen nur Rotbart genannt ? einen weiteren Gegenpol zu den konservativen und starren Erziehungs-Maßnahmen des Herrn Hamel. Bei Rotbart dürfen die Jungen albern sein und die Wasserschlachten im Waschraum sind legendär. Zudem hat er immer ein offenes Ohr für die Probleme der Schützlinge.

Jochen hat Geburtstag. Den ersten, den er nicht bei seiner Mutter verbringen darf. Diese schickt ihm lediglich ein Paket mit Süßigkeiten und einer knappen Entschuldigung, dass sie nicht kommen könne. Von Sven bekommt er eine Packung Filzstifte und von Rotbart ein Buch geschenkt.

Beim Essen stürmt Herr Hamel in den Speisesaal, reißt Jochen von seinem Stuhl, schleift ihn in den Waschraum und brüllt ihn an, was ihm einfiele, die Wände mit Filzstiften zu beschmieren. Doch als sie den Waschraum betreten, sind die Wände sauber. Rotbart wäscht gerade den Putzlappen aus. Hamel und Rotbart geraten in eine heftige Diskussion. Jochen wird dennoch von Hamel bestraft: Er mußs die Toiletten putzen. Die Jungen schmieden einen Plan, um sich Hamel gemeinsam zu widersetzen.

Als Jochen beim Frühstück das übliche Tischgebet aufsagen soll, beginnt er wie ein Hund zu bellen. Zuerst trauen sich die anderen nicht, überwinden sich dann aber und stimmen in das Gebell ein. Hamel ist entsetzt und verliert die Kontrolle. Er fängt an zu schreien, doch die Jungen brüllen zurück, dass sie keine Hunde seien. Im Anschluss spricht Rotbart Hamel auf die Aktion an, sagt ihm, dass er die Hundenamen aufgeben solle und verteidigt Jochen.

Hamel widerspricht ihm, sieht aber ein, dass jeder der Jungen eigene, individuelle Probleme hat, auf die man eingehen müsse. Jochens Mutter kommt zu Besuch. Sie sagt ihm, dass sie und Albert Möller heiraten werden und dass dieser Jochen eine Lehrstelle anbieten würde, sobald er aus dem Heim entlassen werde. Jochen fleht seine Mutter an, ihn sofort mitzunehmen, doch sie wehrt die Bitte ab.

Die Hochzeit von seiner Mutter und Herrn Möller möchte er auf keinen Fall besuchen. Den letzten Ausweg sieht er darin, sich mit einer Gabel selbst zu verletzen. Besonders Schwester Maria ist sehr enttäuscht von Jochen, da er ihr erst kurz zuvor die Besserung seines Verhaltens versprochen hatte.

Alle Jungen erhalten einen Nachmittag Ausgang. Sven und Jochen schlendern durch die Innenstadt und genießen ihre ?Freiheit?. Als es dunkel wird, stellen sie fest, dass sie zu spät ins Heim zurückkommen werden. Sven kommt Hamels Leidenschaft für Hunde in den Sinn und so klaut er einem spielenden Mädchen den Hund und übergeben ihn, im Heim angekommen, an Herrn Hamel, mit der Ausrede, den armen Hund doch nur vor der großen gefährlichen Autobahn gerettet zu haben.

Am nächsten Morgen erhält Sven die Nachricht, dass er entlassen werde und fortan bei seinem Onkel wohnen dürfe. Als Sven fort ist, wird Jochen von Hamel mit einem Zeitungsartikel konfrontiert, der von der Entführung des Hundes berichtet. Blind vor Wut schreit Hamel den Jungen an, schlägt ihn und verdonnert ihn zu mehreren Tagen ?Absonderung?. Jochens einziger sozialer Kontakt während dieser Isolation ist Schwester Maria, die aber lediglich nach seinem körperlichen Wohl sieht und ihm zwei Briefe übergibt.

Außerdem teilt sie ihm mit, dass er die von ihr versprochene Lehrstelle im Laden ihres Bruders aufgrund seines Verhaltens nicht bekommen werde. Die Briefe sind von seiner Mutter und Sven. Den der Mutter zerreißt Jochen ohne zu zögern, Sven hingegen berichtet, dass es ihm gut ginge, und er hoffe, sich bald wieder mit Jochen treffen zu können. Jochen fühlt sich nun vollends verlassen und fasst den Entschluss zu fliehen.

Nach einer Irrfahrt durch den Untergrund und einem zerstörerischen Zug durch die Stadt wird er schließlich betrunken vor Albert Möllers Laden von der Polizei aufgegriffen.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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