Syriana

Produktionsnotizen

Geschrieben und inszeniert hat ?Syriana? Stephen Gaghan, der mit seinem Drehbuch zu ?Traffic? (Traffic ? Macht des Kartells) mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Schon während der Vorbereitungen zu dem früheren Film begann er über die Mechanik der weltweiten Ölindustrie nachzudenken. In Washington lernte er viele mächtige Leute kennen, darunter auch Pentagon-Beamte, die die amerikanische Anti-Drogenpolitik umsetzen. In diesem Zusammenhang fielen Gaghan die Parallelen zwischen dem Drogenhandel und den Schachzügen der Ölindustrie auf.

?Zu dem Zeitpunkt war die Anti-Terrorismus-Abteilung des Pentagons identisch mit der Anti-Drogen-Abteilung. Und mir kam die Erleuchtung, dass die größte Sucht, unter der wir in unserem Land leiden, die Abhängigkeit vom billigen Öl aus dem Ausland ist. Und unsere Macht basiert auf dieser quasi selbstverständlichen Verfügbarkeit des Öls.?

Als ?Traffic?-Regisseur Steven Soderbergh, Schauspieler/Produzent George Clooney und ihre Produktionsfirma Section Eight Gaghan auf das Buch ?See No Evil? (Der Niedergang der CIA) aufmerksam machten, erwiesen sich diese Memoiren des ehemaligen CIA-Agenten Robert Baer als perfekter Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung von Gaghans Interessen. In seinem Buch beschreibt Baer seine Erfahrungen im Nahen Osten als Beamter in der Einsatzabteilung der Central Intelligence Agency zwischen 1976 und 1997.

?Steve Gaghan hat einmal gesagt, dass die gesamte Welt vom Rauschgift Öl abhängig ist?, sagt Soderbergh. ?Mir war klar, dass er diese Idee auf originelle Weise in ein Drehbuch umsetzen würde.? Das Buch brachte das Projekt ?Syriana? also ins Rollen, und Baers Erfahrungen als CIA-Agent vor Ort dienten als Ausgangspunkt für die umfassende Story, die die Filmemacher erzählen wollten. ?Ein faszinierendes Buch?, sagt Clooney.

?Und je mehr wir uns damit beschäftigten, desto deutlicher merkten wir, dass über die Story des Buchs hinaus eine weitere Geschichte erzählt werden mußs. Wir stellten fest, dass man ,Syriana? als Film so ähnlich drehen konnte wie die Filme Mitte der 60er- und Anfang der 70er-Jahre, in denen das Versagen des Staates als Versagen von uns allen angeprangert wurde und nicht nur als Versagen einer bestimmten Kaste oder Gruppe.?

?Die Kernaussage von Bobs Buch haben wir im Film erhalten, auch wenn wir eine fiktive Story drum herum stricken?, sagt Gaghan. ?Durch ihn lernte ich zu begreifen, wie feinmaschig das Netz der Player im Nahen Osten und in der Ölbranche ist. Deswegen entschied ich mich letztlich, die Geschichte in zahlreiche Erzählstränge aufzuteilen.?

Ein Jahr brauchte Gaghan für die Recherchen, bevor er sich an die Drehbucharbeit machte. Er durchleuchtete die Strukturen der Branche in den USA, reiste aber auch nach Großbritannien, Frankreich, Italien, in die Schweiz, den Libanon, nach Syrien, Dubai und Nordafrika, um mit den Beteiligten auf allen Ebenen der Machthierarchie in der Ölbranche zu sprechen.

Bob Baer persönlich zeigte Gaghan jene Einsatzgebiete im Nahen Osten, in denen er 21 Jahre lang Informationen sammelte, er stellte dem Regisseur die unterschiedlichsten Persönlichkeiten aus allen Bereichen der Industrie vor: Ölhändler, CIA-Agenten, Waffenhändler und Führer der islamischen Bewegung Hisbollah. ?Ich lernte sehr gastfreundliche Menschen mit ausgeprägten Standpunkten kennen?, sagt Gaghan über seine Reisen. ?Bald merkte ich, dass ich auf meine eine Frage von fünf Leuten fünf verschiedene Antworten bekam ? aber auch das ist dann noch nicht das gesamte Spektrum. Von diesem Ausgangspunkt versuchte ich mich dann darauf zu konzentrieren, wie dieses System heimlicher Informationen funktioniert.?

Nach umfangreichen Reisen und Vorarbeiten begann Gaghan mit der Niederschrift des Drehbuchs, in dem er viele unabhängige Erzählstränge zu einem Geflecht verwebt, das die Mechanik der Branche und der in ihr tätigen Personen aufzeigt ? ob sie nun ihre erheblichen Machtbefugnisse spielen lassen, ihren energischen Willen, oder ihre Muskeln bei harter körperlicher Arbeit.

Vor allem ging es den Filmemachern darum, eine mitreißende Story zu erzählen, die auch ein Abbild unserer komplexen und zwiespältigen Situation heutzutage gibt: Die Handlung präsentiert unterschiedliche Perspektiven, ohne eine davon als die Wahrheit zu favorisieren. ?Wir wollen niemanden mit einer Predigt belästigen?, sagt Clooney.

?Filme können bestenfalls Diskussionen anregen ? in diesem Fall geht es offensichtlich um die weltweite Abhängigkeit vom Öl. Aber mögliche Diskussionsansätze in ,Syriana? sind auch die Fragen nach Korruption, der Effektivität der CIA und einer Reihe weiterer Themen. Wir wünschen uns, dass die Leute am nächsten Tag an der Kaffeemaschine stehen und darüber reden, indem sie aufzählen, mit welchen Thesen des Films sie übereinstimmen und welche sie ablehnen. Diese Diskussion ist äußerst wichtig.?

Außerdem hofft Gaghan, dass amerikanische Zuschauer durch ?Syriana? Zugang zu Themen und Persönlichkeiten finden, die ihnen bisher fremdartig und weit hergeholt erscheinen. ?Wann immer es gelingt, das Objektiv, durch das wir das Ganze betrachten, auch als Objektiv für die Betrachtung der Einzelheiten zu benutzen, haben wir schon etwas erreicht?, sagt Gaghan.

?Wir können von Wasim, der mit seinem Vater am Persischen Golf arbeitet, von einem Hauskauf träumt und seine Mutter nachholen will, nahtlos zu Robby Barnes wechseln, der mit seinem Vater Bob ein College-Campus besucht. Durch die nebeneinander gestellten Bilder spüren die Zuschauer hoffentlich, dass wir alle Teil eines Ganzen sind: Wir leben alle in derselben Welt, und wir alle wünschen uns ein besseres Leben für unsere Kinder. In diesem Film erleben wir ganz normale Leute in ganz und gar nicht normalen Situationen.

Es geht darum aufzuzeigen, dass es durchaus auf die Verantwortung des Einzelnen ankommt. Tagtäglich müssen wir Entscheidungen treffen, die sich auf globaler Ebene auswirken. Letztlich ist auch Bob Barnes ein Angestellter, der seine Arbeit gut machen und seinem Sohn das Studium ermöglichen will. Bryan Woodman hat eine Frau und zwei Kinder und mußs mit dem Schlimmsten fertig werden, was einem Vater passieren kann: Er verliert einen Sohn.

Bennett Holiday hat ein sehr schwieriges Verhältnis zu seinem Vater, versucht also gleichzeitig seine Probleme im Büro und zu Hause in den Griff zu bekommen ? diese Situation kennen wir alle. Über das Alltagsleben dieser Figuren finden wir also Zugang zu einer Welt, die den meisten Menschen auf den ersten Blick sehr abstrakt erscheint, aber sie geht uns alle an, denn die Verflechtung von Ölinteressen, Terrorismus und demokratischen Bewegungen im Nahen Osten hat entscheidende Auswirkungen auf unsere Wirtschaft, aber auch auf unsere Psyche ? und das wird auf absehbare Zeit auch so bleiben.

,Syriana? ist zwar ein konkreter Fachbegriff, der in den Expertenkreisen in Washington eine denkbare Umstrukturierung des Nahen Ostens beschreibt, aber als unser Filmtitel ist er abstrakter gemeint: ,Syriana? bedeutet hier als Konzept den trügerischen Traum, man könne Länder nach eigenem Vorbild neu erschaffen. Das ist eine Fata Morgana. Insofern passt der Titel zu unserem Film, der eigentlich zu jeder Zeit gedreht worden sein könnte und Umstände beschreibt, die mit Maßlosigkeit, Überheblichkeit und Großmachtfantasien der Menschen zu tun haben.?

Casting global Die über 70 Sprechrollen in ?Syriana? besetzten die Filmemacher mit erfahrenen Darstellern, die sie an über einem Dutzend Standorten rund um die Welt rekrutierten: in Los Angeles, New York, London, Kairo, Bahrain, Dubai, Kuwait und Damaskus. Gaghans mitreißendes Skript überzeugte eine ganze Reihe hochkarätiger Schauspieler, die sich gern in das große Ensemble einreihten: angesehene Darsteller wie Oscar-Preisträger Chris Cooper und William Hurt machten sehr gern mit.

?Gaghan ist ein derart hervorragender Autor, dass alle, denen wir das Drehbuch schickten, sofort mitmachen wollten?, sagt Clooney. ?So etwas passiert wirklich nicht alle Tage. Schauspieler, die Hauptrollen gewohnt sind, mußsten wir beschwichtigen: ,Also, deine Rolle wäre nicht besonders groß.? Aber trotzdem bekamen wir ständig als Antwort: ,Ist mir egal. Ich will einfach dabei sein.? Wir machen einen echten Ensemble-Film. Der Star des Films ist Gaghans Drehbuch.?

Gaghan ist andererseits überzeugt, dass sein Skript nur aufgrund der überragenden Darstellungen der Schauspieler auf der Leinwand funktioniert. ?Darsteller dieses Kalibers bringen sich auf vielfältige Weise in das Drehbuch ein?, sagt er. ?Das habe ich beim Dreh mit allen Beteiligten erlebt.? Clooney spielt den altgedienten CIA-Agenten Bob Barnes, der seit den 1980er-Jahren im Nahen Osten eingesetzt war. Die Zahl der Agenten im Nahen Osten verringert sich rapide, und er gehört zu der letzten Hand voll Agenten, die auf dieser Ebene operieren können.

?Ein Aspekt in Bobs Story ist die systematische Demontage der CIA und ihre Auswirkungen?, sagt Clooney. ?Ein Resultat ist, dass es kaum noch arabisch sprechende Agenten gibt ? und das birgt eine große Gefahr. Man geht davon aus, dass der Kalte Krieg vorbei ist, dass die Überwachung, die Agenten vor Ort nicht mehr nötig sind. Also bekommt auch Bob den Schrumpfungsprozess zu spüren.?

Die Karriere war Bob immer wichtiger als seine Familie ? nicht nur weil er an den Wert seiner Arbeit glaubt, sondern einfach aus Notwendigkeit. ?CIA-Beamte müssen ihr Leben lang lügen?, stellt Gaghan fest. ?Sie belügen ihre Familien, ihre Kinder, ihre Ehefrauen, ihre Freunde. Sie lügen, wenn sie den Mund aufmachen.? Entsprechend ist Bobs Beziehung zu seiner Frau in die Brüche gegangen, und das Verhältnis zu seinem Sohn Robby gestaltet sich schwierig, denn dem passt das Leben nicht, das man ihm aufgedrängt hat: die ständigen, durch den Beruf des Vaters bedingten Ortswechsel und Neuanfänge. Robby will studieren, und deswegen hat Bob Angst, den Kontakt zu seinem Sohn endgültig zu verlieren.

Doch egal, wieviel er bereits geopfert hat ? Bobs berufliches Engagement und seine präzise Kenntnis der Region bedeuten überhaupt nichts, wenn er seine Karten in Washington nicht richtig ausspielt ? und das heißt wiederum, dass er den mächtigen Leuten nach dem Munde redet, auch wenn das seinen tatsächlichen Erfahrungen vor Ort widerspricht. Und sobald seine Aufrichtigkeit zum Problem wird, hat der Staat keine Verwendung mehr für ihn.

?Bob ist eine faszinierende Figur, weil er wirklich an seine Sache glaubt?, sagt Clooney. ?Er ist durchaus kein Zyniker, sondern überzeugt, dass er das Richtige tut und seinem Land dient. Doch er verliert seine Illusionen, weil die Firma, der er sein Leben gewidmet hat, ihn praktisch fallen lässt.? Robert Baer bildet zwar den Ausgangspunkt für die Filmfigur Bob Barnes, aber Clooney hat sich bei seiner Darstellung nicht an Baer orientiert. Vielmehr filterte er die Essenz aus dem CIA-Fußsoldaten und gestaltete daraus eine neue Figur, die nichts mit konkreten Vorbildern zu tun hat.

?Die Figur soll der Story dienen und nicht umgekehrt?, sagt der Schauspieler. ?Das erlaubt mir mehr Freiheit, denn jetzt spiele ich keine lebende Person; vielmehr habe ich direkt mit den Themen zu tun, die unser Film anspricht. Es geht nicht mehr darum, einen konkreten Mann möglichst genau darzustellen, also konnte ich mich jetzt darauf konzentrieren, mich ehrlich auf die allgemeinen Probleme der Vorlage einzulassen.?

Auch äußerlich verwandelte sich Clooney in die Filmfigur: innerhalb von einem Monat nahm er fast 15 Kilogramm zu, und er ließ sich einen dichten Bart stehen, um den alternden Agenten am Ende seines Einsatzes im Nahen Osten überzeugend darzustellen. ?CIA-Agenten passen sich ihrer Umgebung an?, erklärt Gaghan.

?Sie gehen wie ein Schauspieler in ihrer Rolle auf. Ein CIA-Agent kann eine Bar in Macao oder eine Moschee in Riad betreten, ohne dass er als solcher zu erkennen ist, weil er sich anpasst. Also bildet er das genaue Gegenteil zu Filmstars ? denn die Fans fühlen sich von Filmstars angezogen, eben weil sie auffallen. George ist ein hervorragender Schauspieler, aber auch ein Glamour-Star. Doch als er derart zugenommen hatte, sich den Bart stehen ließ und die Geheimratsecken ausrasierte, verschwand er in dieser Figur. Er überzeugt uns völlig als ein total unscheinbarer Mann.?

?Es war sehr interessant, völlig anonym zu wirken?, sagt Clooney. ?Ich habe schon früher verschiedene Verkleidungen ausprobiert, aber keine hat funktioniert. Aber wenn man 15 Kilo zunimmt und sich nicht rasiert, dann bekommt man in keinem Restaurant mehr einen Tisch.? Während Barnes vergeblich versucht, den Playern in Washington seine Wahrheiten zu berichten, die niemand hören will, klettert der Anwalt Bennett Holiday die Karriereleiter hinauf, indem er die prestigeträchtige Aufgabe übernimmt, eine Firmenübernahme zu untersuchen, die sich für viele mächtige Leute als extrem lukrativ erweisen könnte.

Die Rolle des Bennett übernimmt der Golden-Globe- und Emmy-Preisträger Jeffrey Wright: Bennett ist ein angesagter Neuling in der renommierten Anwaltskanzlei des einflussreichen Washingtoner Players Dean Whiting, den der hochverehrte Christopher Plummer darstellt. Bennett bekommt den Auftrag, den Zusammenschluss der Ölfirmen Connex und Killen zu untersuchen ? wobei stillschweigend im Raum steht, dass er sich mit ganzer Kraft dafür einsetzt, den Abschluss des Vertrages zu gewährleisten.

?In gewisser Weise mußs Bennett eine Gewissensentscheidung treffen?, sagt Wright, der als mitreißender Titelheld in ?Basquiat? (Basquiat) bekannt wurde. ?Es ergeht ihm ähnlich wie viele Leuten, die sich im Beruf, in einer Institution etablieren, um Teil des militärisch-industriellen Komplexes zu werden. Er ist ehrgeizig, und dieser Auftrag könnte zum Wendepunkt seiner Karriere werden. Als Anwalt soll er angeblich den Zusammenschluss zweier Ölfirmen kritisch untersuchen ? tatsächlich aber wird er engagiert, um die beiden Firmen zu schützen.?

Erst als Bennett auf heikle Informationen stößt, die die Übernahme gefährden könnten, begreift er langsam, wie die Branche funktioniert und welches Rädchen er selbst im Getriebe darstellt. Dazu Wright: ?Plötzlich befindet sich Bennett in einer gefährlichen Lage, denn der Druck, unter dem die Firmen standen, könnte nun auf ihn abgewälzt werden, und das mußs er verhindern. Er mußs also nicht nur die Firma schützen, sondern auch sich selbst.?

Wright entdeckt Parallelen zwischen Clooneys und seiner eigenen Rolle: ?Bennett und auch Bob merken zu einem bestimmten Zeitpunkt, dass der Apparat nicht unbedingt in ihrem Interesse funktioniert. Bis dahin hatten sie das Gegenteil angenommen: dass sie nämlich ein dringend notwendiges Zahnrad im Räderwerk darstellten. Meiner Meinung nach ist dies das eigentliche Thema des Films: Wir leben in einer undurchsichtigen Welt der Mächtigen, die insgesamt viel gewaltiger ist als die Summe der Einzelpersonen, aus denen sie besteht.?

Bennetts Karriereaufstieg wird durch das komplizierte Verhältnis zu seinem Vater erschwert: Der ist Alkoholiker und wirft seinem Sohn vor, sich an das Establishment zu verkaufen. Bennett sieht seinen Vater als Versager, doch als er tiefer in die moralisch fragwürdige Industriewelt eindringt, fragt er sich bald, ob er überhaupt das Recht hat, seinen Vater zu verurteilen.

?Ich erlebe ihre Beziehung als wunderbares Beispiel für den Kulturkampf, in dem sich Bennett engagiert?, sagt Wright. ?Als Anwalt mußs er all die dunklen Winkel ausleuchten, aber als Karrierist, der sich im privaten Sektor der Ölindustrie etablieren will, entdeckt er Aspekte in sich und in der Welt, die er vielleicht lieber gar nicht kennen gelernt hätte. Er geht diesen Weg, um die Wahrheit über die Firmenübernahme herauszufinden, aber gleichzeitig versucht er selbst ein Player im Netzwerk der Macht zu werden.?

Matt Damon ist mit George Clooney bereits in ?Ocean?s Eleven? (Ocean?s Eleven) und ?Ocean?s Twelve? (Ocean?s Twelve) aufgetreten. Diesmal spielt er den Bryan Woodman, einen aufstrebenden Analysten der Ölindustrie, der die Karriereleiter in seiner Firma stetig emporklettert. Er lebt mit seiner Frau Julie und zwei kleinen Söhnen in Genf. Er fühlt sich sehr geehrt, als man ihn als Vertreter seiner Firma zur Galaveranstaltung auf dem Anwesen des mächtigen Emirs eines Ölförderstaates am Persischen Golf schickt.

Bryan möchte dem Emir seine Ideen unterbreiten, doch nach seiner Ankunft wird er nicht zum Emir vorgelassen, sondern nur aufgefordert, zwei Vertretern des Emirs seine Vorschläge kurz zu erläutern. ?Auf dem Fest stellt Bryan dem Emir dieselben Vorschläge vor, die der jeden Tag auch von acht anderen Firmen zu hören bekommt?, sagt Damon. ?Bryan hat zwar auch etwas radikalere Ideen, die er dem Emir unterbreiten würde, wenn er den Mut dazu aufbringen könnte, aber er hat Angst, dass man ihn dann aus dem Haus wirft ? deswegen lässt er es lieber.?

Doch auf dem Fest kommt Bryans kleiner Sohn durch einen tragischen Unfall ums Leben. Er und seine Frau geraten in eine ernste Krise, und Bryans Leben bekommt dadurch ganz unerwartet eine neue Richtung. Nach diesem schrecklichen Verlust stürzt sich Bryan noch mehr in seine Arbeit und geht immer mehr auf Distanz zu seiner Frau Julie, die von Amanda Peet gespielt wird.

?Zu Beginn der Geschichte sind Julie und Bryan sehr verliebt und glücklich über ihre wunderbare kleine Familie?, sagt die Schauspielerin. ?Doch nach dem Tod unseres Sohnes bricht Bryan aus, er will das Problem von außen lösen. Er denkt nur noch an seine Arbeit, die ihm über den Kopf wächst. Wahrscheinlich scheitern viele Ehen, wenn ein Kind stirbt ? wohl weil ein Partner einfach davonlaufen will, denn schon wenn man mit dem Ehepartner im selben Zimmer ist, wird man an den Verlust erinnert.?

Obwohl sich Bryan in seiner Arbeit vergräbt, bekommt er seine Trauer nicht in den Griff ? bis er zu einem Gespräch mit dem Sohn des Emirs eingeladen wird: Prinz Nasir versucht sich für die Mitschuld seiner Familie am Tod von Bryans Sohn zu entschuldigen und macht Bryan ein lukratives Angebot: Er will mit Bryans Firma zusammenarbeiten. Als Bryan sich über die Konsequenzen dieses Deals klar wird, kritisiert er den Prinz und wirft ihm vor, dass die königliche Familie ihre ungeheuren Bodenschätze vergeudet.

?Nachdem er seinen Sohn verloren hat, ist ihm alles egal, er nimmt keine Rücksicht mehr?, sagt Damon. ?In diesem Moment will er praktisch alles hinschmeißen, und er sagt dem Prinzen unverblümt seine Meinung.? Wütend wirft Bryan Nasir vor, er verkaufe sein Öl viel zu billig an Großmächte wie die USA, Russland und China, die es wiederum weiterverkaufen ? damit erlaubt er diesen anderen Ländern, den Profit aus den Bodenschätzen einzufahren, der eigentlich den Arabern zusteht.

Dieses Verfahren zahlt sich für die königliche Familie aus, denn sie bereichert sich an den Verträgen mit den anderen Ländern, aber Nasirs Volk wird der Wohlstand vorenthalten, mit dem es die Lebensqualität erheblich verbessern könnte. Was Bryan damit meint: Wenn Nasirs Land selbst das Öl raffinieren und transportieren würde, könnte es auch den Preis bestimmen, was den anderen Ländern ihre Macht nehmen würde.

Dann wäre sein Land wieder die Supermacht, die es einst war. Bryan bezweifelt jedoch, dass Nasir an der Hilfe für sein Volk interessiert ist, weil er ja von der aktuellen Situation profitiert, die nur der wohlhabenden Oberschicht nutzt. Doch der Sohn des Emirs ist überhaupt nicht der dekadente Aristokrat, für den Bryan ihn gehalten hat. Bryans Ideen interessieren Nasir sehr, und er beginnt zu erzählen, welche Hoffnungen er für sein Volk hegt. ?Zunächst hat Bryan starke Vorurteile gegen Nasir?, sagt Damon.

?Er hält ihn für ein Mitglied der Königsfamilie, die die Ressourcen des Landes verschleudert und den Profit aus den Verträgen mit den anderen Ländern nur einsetzt, um ihren opulenten Lebensstil zu finanzieren. Doch dann begreift Bryan, dass sehr viel mehr dahinter steckt ? schließlich ist er von dem Prinz richtig begeistert.?

Der Prinz mit Visionen wird von Alexander Siddig gespielt. ?Nasir hat eine Menge Ideen, die er umsetzen möchte?, sagt der Schauspieler. ?Er will den Frauen und der Presse größere Freiheiten einräumen, er hat progressive Ideen, die seinen Plan durchaus realisierbar machen. Die beiden Männer begegnen sich zu einem Zeitpunkt ihres Lebens, in dem sie einander als Katalysator dienen.?

Doch Nasir fällt es nicht leicht, seine Ambitionen zu verwirklichen, denn die ausländischen Konzerne setzen ihn unter Druck, weil ihre gewaltigen Profite nur durch den Status quo gewährleistet werden. Der Emir ist alt geworden ? bald wird er seinen Nachfolger bestimmen. Nasir hat seit Jahren eng mit seinem Vater zusammengearbeitet und die Hoffnung entwickelt, sein Land zu stärken und seinem Volk ein besseres Leben zu ermöglichen, wenn er den Thron besteigt.

Doch der Emir ist angreifbar, weil es innerhalb der königlichen Familie Konflikte gibt. Und als Nasir deutlicher ausspricht, wie er sich die wachsende Macht seines Volkes vorstellt, sind die amerikanischen Lobbyisten schnell zur Stelle und setzen seinen Vater unter Druck: Er soll Nasirs eher materialistischen und fügsamen jüngeren Bruder Meshal als Nachfolger bestimmen.

?Meshal hat nichts dagegen, die Marionette zu spielen?, sagt Akbar Kurtha, der den jüngeren Prinzen spielt. ?Er ist durchaus damit einverstanden. Mit Nasir kommt er nicht gut aus. Nasir will Reformen, während Meshal wohl noch ausschweifender leben möchte als bisher. Er ist neidisch auf Nasir, der immer schon als König vorgesehen war ? Meshal blieb mehr oder weniger links liegen.?

Nach Lektüre des Drehbuchs wollte Alexander Siddig den Prinzen Nasir unbedingt spielen: ?Ich habe mich offensiv um die Rolle bemüht, denn Nasir repräsentiert genau die Stimme der arabischen Welt, die ich im Augenblick unterstützen möchte. Er vertritt den Humanismus. Einige der derzeitigen arabischen Führer vertreten diese Ansichten durchaus, aber im Westen wird das heutzutage gern übersehen.

Ich bin damit aufgewachsen, dass Araber im Kino ausschließlich wie Sindbad säbelschwingend über die Schiffsreling turnten. Doch hier bekomme ich die Gelegenheit, in meiner Rolle auszudrücken, dass jemand seine Macht für das Gute, für den Fortschritt einsetzen will ? auf diese Weise kann man der westlichen Welt deutlich machen, dass es in der arabischen Welt auch solche Männer gibt. Ein Schauspieler bekommt nicht oft die Gelegenheit, so ein wenig zum großen Dialog beizutragen.?

Auch Damon wollte unbedingt an diesem ehrgeizigen Filmprojekt mitwirken: ?Stephen hat mir eine Menge Lesestoff gegeben, damit ich mich in das Thema einarbeiten konnte ? ich habe mir in der kurzen Zeit so viel wie möglich angeeignet. Das Thema ist äußerst interessant und diese Region der Welt einfach faszinierend. Je mehr ich als Mensch darüber erfahre, desto besser geht es mir.?

Ein letzter Erzählstrang berichtet vom Schicksal des jungen Pakistani Wasim, der vergeblich versucht hat, sich mit seinem Vater auf den Ölfeldern in Nasirs Heimat durchzuschlagen: Er erlebt nichts als Armut, Enttäuschung und Entfremdung. Als die beiden ihren Job verlieren, stehen sie vor dem Nichts.

Ihre Geschichte ähnelt der von Tausenden pakistanischen Gastarbeitern, die Heimat und Familie verlassen haben, um am Golf Arbeit zu suchen. Dort erleben sie, dass es kaum Jobs gibt, die Lebensbedingungen sind unmenschlich, ständig müssen sie sich mit der Einwanderungsbehörde herumschlagen, um genug Zeit für die Jobsuche zu bekommen. In dieser Situation finden die enttäuschten jungen Männer Zuflucht in den Madrassas, den Islamschulen, in denen sie teilweise mit einer radikalen Interpretation des Islams indoktriniert werden.

Manche dieser Jungen lassen sich von terroristischen Organisationen anwerben, und ein paar lassen sich schließlich überreden, als Selbstmordattentäter ihr Leben zu opfern. Dies ist der Weg, den Wasim im Laufe seines Lebens am Golf einschlägt. Als sein Freund Farooq ihn in der nahen Madrassa einem Geistlichen vorstellt, fühlt sich Wasim in diesem unwirtlichen Land erstmals geborgen ? mehr und mehr lässt er sich von den radikalen Lehren des Geistlichen überzeugen. Schon bald bereiten sich Wasim und Farooq auf ein tödliches Manöver vor, von dem es keine Wiederkehr gibt.

Wasim wird von Mazhar Munir gespielt ? der junge Schauspieler gibt mit ?Syriana? sein Filmdebüt. Er stammt aus London und ist bereits in mehreren britischen TV-Serien (darunter die preisgekrönte Serie ?Doctors?) aufgetreten. ?Was im unterscheidet sich nicht von normalen Teenagern?, beschreibt Munir seine Rolle.

?Eigentlich sollte man sich in seinem Alter eher um den neuen Pickel auf der Stirn kümmern ? doch er mußs Geld verdienen, um seine Familie zu ernähren, er kämpft ums nackte Überleben. Er weiß aber durchaus, dass auch ein anderes Leben denkbar ist, er möchte sich selbst und seiner Familie ein besseres Leben ermöglichen, aber jeder Versuch ist zum Scheitern verurteilt ? er hat sein Schicksal einfach nicht in der Hand.? An mehreren Drehtagen in Dubai konnten sich Munir und der Rest des Drehteams mit eigenen Augen davon überzeugen, unter welchen Umständen Gastarbeiter wie Wasim und sein Vater leben müssen.

?Das war schrecklich?, berichtet der Schauspieler. ?Sechs oder sieben Männer und Jungen waren in einen Frachtcontainer gepfercht, die man dort als Wohnquartier benutzt, bei 35 Grad im Schatten, ohne Lüftung und praktisch ohne Licht. Wenn die Zuschauer miterleben, wie diese Menschen dahinvegetieren, dann verstehen sie hoffentlich auch, was Wasim zu seiner Entscheidung treibt, und sie werden ihn nicht verurteilen. Hoffentlich vermittelt der Film dem Publikum Verständnis dafür, wie es dazu kommt, dass man Menschen zu so grauenhaften Aktionen treiben kann.?

?In meinen Augen fühlt sich der Zuschauer unseres Film emotional am ehesten mit diesen beiden Jungen verbunden?, überlegt George Clooney. ?Interessanterweise erleben wir, wie die sympathischsten Figuren des Films von den Fundamentalisten vereinnahmt werden. Man bekommt eine Ahnung davon, wie so etwas passieren kann. Das soll keine Entschuldigung sein, aber Schubladendenken funktioniert hier eben nicht. Sie sind menschliche Wesen, sie treffen Entscheidungen, die nicht alle richtig sind. Aber wir begreifen, warum sie sich so entscheiden.?

Munir erlebt es als sehr erfüllend, sein Filmdebüt in einem so komplexen und nachdenklichen Film wie ?Syriana? zu geben. ?Wasims Geschichte mußs unbedingt erzählt werden, und ich glaube nicht, dass sie bisher schon so erzählt worden ist. Erstmals erleben wir den gesamten Prozess, wie man mit dem Terror in Berührung kommt. Es ist wirklich traurig, dass solche Schurken diese Kinder anwerben, Gott spielen und sich dabei auf die Religion berufen. Weil ich ja weiß, dass es Jungen wie Wasim gibt, die dieser Manipulation ausgesetzt sind, war ich bei meiner Darstellung emotional stark betroffen. Ich freue mich, dass es diesen Film gibt, und die Zusammenarbeit mit großen Künstlern wie Stephen Gaghan erlebe ich als etwas ganz Besonderes.?

Ähnlich denkt Gaghan über seine Erfahrung mit dem begabten Darstellerensemble: ?Eine unglaubliche Gruppe von Schauspielern! Bei jeder dieser Einzelgeschichten fragt man sich: ,Was passiert wohl, nachdem er den Raum verlassen hat?? Zum Beispiel Christopher Plummer, der einen allmächtigen Anwalt spielt: Wir erleben ihn mit seiner schwarzen Krawatte auf einer Party in Washington und fragen uns, wen er auf seiner Telefonliste hat, wen er gerade anruft.

Und ich kann mir niemanden vorstellen, der mit Chris Cooper arbeitet und nicht sofort darüber nachdenkt, dass man ihm mal eine Rolle auf den Leib schreiben müsste. Ich hatte klare Vorstellungen von einer Szene mit William Hurt und George Clooney in einem Theater, aber die beiden haben sie 100-mal besser gespielt, als ich sie mir je hätte ausdenken können. Die Arbeit mit diesen Darstellern war ein umwerfendes Erlebnis.?

Die Überwindung von Sprachbarrieren Beim Dreh von ?Syriana? legten alle Beteiligten Wert auf größtmöglichen Realismus, auf die präzise Darstellung kultureller und regionaler Eigenheiten. Im Film sprechen viele Figuren ihre Muttersprache fließend, andere müssen sich in Fremdsprachen verständigen, aber sie haben dabei den entsprechenden Akzent, der auf ihre Herkunft schließen lässt. Dabei achtete man sehr sorgfältig darauf, dass sie nicht nur die richtigen Dialoge sprachen, sondern dass auch der Akzent und die Sprachfärbung stimmte.

?Es ist sehr wichtig, dass die Araber in diesem Film so realistisch wie nur möglich dargestellt werden?, erklärt Produzentin Georgia Kacandes. ?Wir wissen sehr wohl, dass alle Menschen auf ihre Sprache stolz sind, und wir wollen unseren arabischen Zuschauern Respekt erweisen. Wenn wir nicht darauf achten würden, könnte sich das leicht so anhören, wie wenn ein Mann aus Brooklyn mit einem Mississippi-Akzent reden würde. Zumindest wäre dann die von uns angestrebte realistische Geschlossenheit des Films zerstört. Im schlimmsten Fall hätten die Zuschauer das Gefühl, dass den Filmemachern die von ihnen gezeigten Figuren völlig egal sind.?

Also engagierte das Produktionsteam eine Reihe von Übersetzern und Sprachlehrern. Einige kümmerten sich um die Englisch sprechenden Schauspieler arabischer Herkunft ? denn manche von ihnen waren noch nie in den Ländern gewesen, aus denen ihre Eltern stammten. Die meisten Schauspieler aus dem Nahen Osten konnten zumindest etwas Arabisch oder Urdu sprechen. Aber ein bestimmter Schauspieler war in Kentucky aufgewachsen und hatte Arabisch und Farsi noch nie, oder wenn, dann nur im Fernsehen gehört ? im Film sollte er aber beide Sprachen beherrschen.

George Clooney mußste also fließend Arabisch sprechen ? ihm das beizubringen, war die Aufgabe von Samia Adnan, einer sudanesischen Linguistik-Professorin aus London, die für die Sprachausbildung bei diesem Filmprojekt verantwortlich war. ?Interessanterweise gibt es keinerlei Verbindung zu den romanischen Sprachen ? kein Wort kommt mir auch nur entfernt bekannt vor?, berichtet Clooney.

?Wenn man wie ich versucht, Italienisch zu lernen, oder andere europäische Sprachen, dann gibt es zumindest einzelne Wörter und Klänge, die man schon einmal gehört hat. Ich dagegen mußste etwas Farsi lernen und auch einige Sätze auf Arabisch sprechen, die ich zunächst einfach phonetisch auswendig gelernt habe. Aber es reicht eben nicht, irgendwelche scheinbar bedeutungslosen Silben zu sprechen. Man mußs irgendwie eine Beziehung dazu aufbauen, ihnen Ausdruck verleihen. Das war echt kompliziert, aber auch sehr interessant. Und es hat Spaß gemacht.?

Natürlich war es für Samia Adnan einfacher, den englischsprachigen Schauspielern einen arabischen Dialekt beizubringen, der ja für sie eine Fremdsprache bleiben sollte, als mit den Schauspielern der arabischen Rollen einen Akzent einzustudieren, den sie wie ihre Muttersprache beherrschen mußsten.

?Prinz Nasir und Prinz Meshal sind die beiden wichtigsten arabischen Figuren des Films?, erklärt sie. ?Aber vor diesem Film konnten beide Schauspieler kein Arabisch, und Alexander Siddig kannte nicht mal das arabische Alphabet. Beide waren in England aufgewachsen, und ich mußste ihnen zunächst den englischen Akzent austreiben. Beide haben sich sehr viel Mühe gegeben, nicht nur den normalen arabischen Akzent zu meistern, sondern auch wie Prinzen zu sprechen.?

?Als britischer Schauspieler stand ich vor mehreren Problemen?, sagt Nasir-Darsteller Alexander Siddig. ?Denn das arabische Publikum versteht ja nicht nur meine arabischen Sätze, sondern es erlebt mich ja auch mit jeder Nuance als Prinz ? einer Figur, die ihnen kulturell durchaus geläufig ist. In gewisser Weise war es also nötig, gleichzeitig zwei Schauspielstilrichtungen für die unterschiedlichen Idiome zu verwenden.?

Die jungen Ölarbeiter Wasim und Farooq sind Pakistanis mit der Muttersprache Urdu. Wasim-Darsteller Mazhar Munir spricht mehrere Sprachen: Urdu, Hindi und Punjabi, aber nicht Arabisch. ?Es gehört zu ihrer Geschichte, dass sie sich auf Arabisch nur gebrochen verständigen können?, sagt Samia Adnan. ?Also war das einfach: Ich habe ihnen Golf-Arabisch beigebracht, und sie haben es gemäß ihrer Muttersprache gebrochen ausgesprochen.?

Matt Damon spricht im Film durchweg Englisch, aber als Ölexperte Bryan Woodman mußste er sich im Fachjargon der Branche auskennen ? und den mußste man ihm zunächst einmal übersetzen. Denn Damon legte großen Wert darauf, jedes Wort seines Dialogs voll und ganz zu begreifen. ?90 Prozent der Zuschauer würden mir die Sätze in jedem Fall glauben?, meint der Schauspieler. ?Aber dann sind da die zwei Prozent, die selbst Experten in diesem Bereich sind ? und genau die will ich überzeugen. Ich möchte, dass Bryans Kollegen sich den Film ansehen und sich von ihm überzeugen lassen.?

Kostüme Authentizität wurde auch bei den Kostümen groß geschrieben ? die Filmemacher achteten sorgfältig darauf, dass die vielen unterschiedlichen Kulturen in ?Syriana? sehr präzise repräsentiert wurden. Diese große Verantwortung übernahm Kostümbildnerin Louise Frogley, die zuvor Entwürfe zu ?Traffic?, ?Spy Game? (Spy Game) und dem gefeierten TV-Film ?Live From Baghdad? (Live aus Bagdad) lieferte. Frogley sollte ständig auf Authentizität achten, mußste aber eine enorm umfangreiche Garderobe zusammenstellen, in der viele internationale ? kulturelle wie soziale ? Gegensätze zum Ausdruck kommen.

?Wir haben uns sehr bemüht, die Kostüme ethnisch so korrekt wie möglich zu gestalten, denn in jedem Land gibt es unglaubliche Unterschiede?, erklärt Frogley. ?Ein Beispiel: In den Madrassa-Szenen sind die meisten Jungen Pakistani. Deshalb haben wir einen Unternehmer in Pakistan angesprochen und ihm Sportkleidung aus seiner Fabrik abgekauft. Er besorgte dann auch gebrauchte Kleidung im Dorf, die er uns schickte ? alles war also absolut authentisch.?

Manchmal war es wichtig, bestimmte Details zu vermeiden, weil sie Hinweise auf eine konkrete Gesellschaftsschicht zulassen. ?Oft haben wir darauf geachtet, dass die Kleidung nicht allzu spezifisch aussieht?, erklärt Frogley. ?Einerseits wollten wir vermeiden, eine bestimmte Bevölkerungsgruppe zu beleidigen ? zum Beispiel wäre es falsch, alle Terroristen wie Saudis aussehen zu lassen, sie tragen also ganz allgemein arabische Kleidung ? andererseits wollten wir uns mit den Kostümen nicht auf konkrete Regionen festlegen. Zum Beispiel trägt man in einem bestimmten Landstrich in Pakistan gern Hüte, die mit Edelsteinen verziert sind.?

Die Kleidung lässt aber nicht nur Rückschlüsse auf die Herkunft ihres Trägers zu, sondern auch auf seine Persönlichkeit, auf seine Lebensgeschichte. Prinz Nasir und sein Bruder Meshal sind zum Beispiel in Europa zur Schule gegangen ? während ihr Vater also weiterhin traditionell arabische Kleidung trägt, bevorzugen seine Söhne eindeutig den westlichen Stil. Nasirs Frau trägt ein Kopftuch und bedeckt Arme und Beine, aber sie verzichtet auf die traditionelle Burka ? als Zugeständnis an die progressiven Ansichten, die ihr Mann in Bezug auf Frauen vertritt.

George Clooney trägt als Bob Barnes billige Anzüge, während der Industrieanwalt Bennett Holiday großen Wert auf seine Garderobe legt. ?Wir überlegten, dass Bennett sich bestimmt sehr sorgfältig kleidet?, sagt Frogley. ?Er ist der Typ, der sicher auch seine Bleistifte in Reih und Glied ausrichtet ? das haben wir entsprechend auf seinen Kleidungsstil übertragen. Und es funktioniert.?

In Frogleys Abteilung entstanden über 2000 Kostüme für die ganze Skala der Filmfiguren ? von den Chefetagen der amerikanischen Konzerne bis zu den Slums der Golfstaaten.

Produktionsdesign ?Syriana? entstand nicht im Studio, sondern an Originalschauplätzen ? das Filmteam reiste rund um den Globus, um die unnachahmliche Authentizität der Landschaften und Gesellschaften der Handlung aufzunehmen. ?Das Licht am Persischen Golf lässt sich beispielsweise nicht nachahmen?, sagt Gaghan. ?In Dubai wird derart viel gebaut, dass die Luft ständig von dickem Staub geschwängert ist. Egal, ob Sommer oder Winter ? der Himmel dort ist immer grau. So etwas kann man in den Staaten nicht nachstellen.?

Außerdem erleichterten die realen Drehorte den Schauspielern und Filmemachern, sich in die Situation hineinzuversetzen. ?Sobald man am Drehort ankommt, bekommt man ein Gespür dafür, worum es eigentlich geht?, erklärt Clooney. ?Die Situation in einem Land der Dritten Welt kann man beispielsweise nicht in einer Studiohalle nachempfinden. In Marokko ertönt fünfmal am Tag eine Sirene, und jedermann hält sein Auto an, steigt aus, kniet nieder und betet. Wenn man das vor Ort miterlebt, dann färbt das auch ab auf die Geschichte, die man dort künstlerisch gestalten möchte.?

Den verschiedenen ineinander verwobenen Erzählsträngen ihre optische Einheitlichkeit zu gewährleisten, war die Aufgabe von Kameramann Robert Elswit, der bereits ?Magnolia? (Magnolia), ?Tomorrow Never Dies? (Der MORGEN stirbt nie) und ?Boogie Nights? (Boogie Nights) gedreht hat. Den gesamten Film ?Syriana? drehte er nur mit zwei Handkameras. Mit dieser ungewöhnlichen Methode will er dem Film seinen quasi-dokumentarischen Stil verleihen: Die Atmosphäre der Hinterzimmer-Machenschaften und die unmittelbare Schlagzeilen-Hektik ließen sich mit stromlinienförmigen Stativkameraaufnahmen nämlich nicht ins Bild bringen.

Produktionsdesigner Dan Weil (?The Bourne Identity?/Die Bourne-Identität; ?The Fifth Element?/Das fünfte Element) mußste zahlreiche nationale und wirtschaftliche Grenzen überwinden, um seine Sets zu schaffen ? vom Palast des Emirs bis zu den armseligen Baracken, in denen die Wanderarbeiter auf den Ölfeldern unterkommen.

Für ?Syriana? waren etwa 200 Mitarbeiter hinter der Kamera und über 100 Darsteller auf drei Kontinenten fünf Monate lang im Einsatz. Die Dreharbeiten begannen in einem Wildgehege, das Aufnahmeleiter Todd Christensen in Hondo/Texas etwa eine Stunde westlich von San Antonio fand. Die ?777 Ranch? hat auf ihren über 6000 Hektar Platz für die größten Herden exotischer Tiere in ganz Nordamerika. Seit über 40 Jahren pilgern Jäger und Fotografen dorthin ? es gibt dort 50 verschiedene Tierarten: Rehe, Antilopen, Gazellen, Oryxantilopen, Steinböcke, Ziegen, Schafe und Bisons sowie weitere Exoten aus den Savannen, Dschungeln und Wäldern rund um die Welt.

Anschließend drehte das Team im Osten der USA: in Washington/DC, Baltimore und Annapolis, wo George Clooney und Matt Damon ihre ersten Aufnahmen machten. Obwohl nach dem 11. September starke Sicherheitsmaßnahmen vorgeschrieben waren, konnte das Filmteam in Washington in der Umgebung des Weißen Hauses und der Kuppel des Capitols drehen. Den Filmemachern war klar, dass die politisch brisante Situation im Nervenzentrum der Regierungshauptstadt schwierig war, aber sie hofften, dass die politische Ausgewogenheit des Drehbuchs bei den Verhandlungen helfen würde.

Aufnahmeleiter Christensen mußste mit zwölf Beamten des Justizministeriums konferieren, die festlegten, in welchem Umfang Aufnahmen in DC zulässig waren. An allen Schauplätzen gab es zwar gewisse Einschränkungen, aber innerhalb dieses vorher abgesteckten Rahmens konnte das Team genau das drehen, was es sich vorgenommen hatte.

Außerdem bekam das Team die seltene Genehmigung, im Umkreis des Parlamentsgebäudes von Maryland in Annapolis zu drehen. Weitere Schauplätze in den USA waren die Enoch-Pratt-Bibliothek in Washington, in der Donald Farishs Büro im Justizministerium eingerichtet wurde, ein Restaurant namens Sip ?n Bite im Stil der 1940er-Jahre im Herzen von Baltimore, wo Bob Barnes sich zu einer nächtlichen Auseinandersetzung mit Dean Whiting trifft, und die grüne Umgebung der Anwaltskanzlei Piper Rudnick, die das CIA-Hauptquartier doubelte.

Und in einem Industriegebiet südlich von Baltimore richtete das Team die Ölförderanlage Tengiz ein. Dann reiste das Produktionsteam zu Dreharbeiten nach Casablanca. Die Handelsmetropole ist die größte Stadt in Marokko und entstand um einen der größten und geschäftigsten von Menschenhand geschaffenen Häfen der Welt. Die Hauptreligion dort ist der Islam ? Casablanca ist stolz auf die prächtigste Moschee außerhalb von Mekka.

Aber es gibt auch eine große und aktive jüdische Gemeinde ? ein Beweis für die Tradition der Toleranz. 2003 griffen Selbstmordattentäter etliche Ziele in der Stadt an, darunter auch jüdische Geschäftshäuser und einen jüdischen Friedhof. Einen Tag später demonstrierten daraufhin eine Million Menschen auf den Straßen gegen den radikalen Fundamentalismus. ?Syriana? war der erste Film, der dort seit den Bombenattentaten gedreht wurde ? entsprechend umfassend waren die Sicherheitsvorkehrungen.

Casablanca mußste drei verschiedene Schauplätze vertreten, weil in den eigentlich gemeinten Orten erheblich größere Sicherheitsbedenken die Dreharbeiten von vornherein ausgeschlossen hätten: Teheran, Beirut und das namenlose Ölförderland am Persischen Golf. Interessanterweise gleicht der Grundriss von Casablanca auffällig dem von Beirut, das ebenfalls an einer Bucht liegt und von französischer Architektur geprägt wird. Große Teile von Beirut sind inzwischen neu aufgebaut, sie geben der Stadt ein modernes Gepräge, das man in Morokko schwerlich gefunden hätte.

Aber Gaghan interessierte sich gar nicht für die ?Postkartenansichten? der ganzen Stadt, er wollte vielmehr die Atmosphäre jener Viertel einfangen, die den älteren Teilen von Beirut ähneln. Auch Teheran sieht aus wie ein demontiertes Casablanca, ist allerdings ringsum von hohen Bergen umgeben, die man von jedem Viertel der Stadt aus sehen kann.

Doch auch hier ging es dem Team nicht um prächtige Totalen, sondern vielmehr um Gebäude, die atmosphärisch zu Teheran passen und keine spezifischen Elemente aufweisen. Die größte Schwierigkeit bei den Teheran-Szenen in Casablanca ergab sich daraus, dass keine Details mit erkennbar französischem oder marokkanischem Charakter sichtbar sein durften.

Allerdings mußste das Ausstattungsteam in einem dichtbevölkerten Viertel der Stadt ein Plakat des Ayatollah Khomeini aufhängen ? was in diesem islamischen Land mit weltlicher Regierung einiges Stirnrunzeln hervorrief. Auch andere Details waren nötig, um authentisch zu zeigen, dass die Szenen in einem von orthodoxen Religionsgesetzen bestimmten Land spielen: In einem Kebab-Imbiss hing ein Spielkartenmotiv an der Wand ? es mußste weichen, weil das Glücksspiel im Iran verboten ist. Und die Schauspielerinnen mußsten darauf achten, dass sie beim Verlassen des Hauses ihr Kopftuch trugen.

Auch einige heikle politische Befindlichkeiten mußsten die Filmemacher im Vorfeld bedenken. Es war kein Problem, die marokkanische Fahne abzunehmen und dafür die libanesische aufzuziehen, aber die iranische Fahne war dann doch nicht willkommen. Außerdem brauchte das Team die Genehmigung, einen Öltanker im Hafen vor der größten Raffinerie Marokkos zu ankern, die dann drei Tage lang abgesperrt wurde ? was erhebliches diplomatisches Geschick erforderte.

Der in Paris ansässige Produktionsdesigner Dan Weil kennt sich im Nahen Osten hervorragend aus und konnte seine umfangreichen Reiseerfahrungen bestens anwenden, um den von Gaghan geforderten Realismus zu gewährleisten. Weils Bandbreite als Designer umfasst alles von dem extrem gestylten ?Das fünfte Element? bis zum im Stil des Cinéma vérité gedrehten ?Die Bourne-Identität?. Er legte großen Wert darauf, ?Syriana? an tatsächlichen Schauplätzen zu drehen und auf nachgebaute Sets zu verzichten.

?Die Beirut-Szenen ließen sich in Casablanca sehr leicht drehen, aber als Double für Teheran funktionierte das nicht so reibungslos?, berichtet der Produktionsdesigner. ?Wir im Westen stellen uns Teheran als arabische Stadt vor ? dabei gleicht es eher einer ukrainischen Stadt. Die Stadtansichten ähneln Kiew oder Odessa. Und die Bewohner sind zwar Muslime, aber keine Araber.?

Gedreht wurde in Casablanca in einem historischen französischen Militärhauptquartier in der alten Medina, am Touristenstrand, in den Regierungsgebäuden und in einem Innenstadtviertel, wo es kaum Fernsehgeräte gibt und viele Wohnungen ohne elektrischen Strom auskommen müssen.

Nach Abschluss der Aufnahmen in Casablanca reiste das Team nach Genf. In der Stadt ist trotz ihrer Schönheit und historischen Bedeutung seit den wenigen ?GoldenEye?-Drehtagen vor zehn Jahren kein großer Film mehr entstanden. Die Präsidentensuite im Grand Hotel President Wilson gleich neben dem ehemaligen Gelände des Völkerbunds bildete die Kulisse für mehrere Szenen, in denen der Emir und seine Söhne ihre Geschäfte tätigen.

Weitere Szenen entstanden im Englischen Garten von 1854, der am linken Ufer des Genfer Sees liegt und den Blick auf das Wahrzeichen der Stadt, die Wasserfontäne im See, erlaubt. Wichtige Szenen wurden in einer Bank gedreht, in der man die Maklerfirma einrichtete, für die Bryan Woodman arbeitet. Und ein Privathaus dient als das Zuhause der Woodmans, die dort glücklich leben, bis das Schicksal zuschlägt. In diesem Viertel befinden sich übrigens auch die Villen eines indischen Prinzen und des ältesten Sohnes des Gründers von Saudi-Arabien. Außerdem nutzte das Filmteam den größten Friedhof der Stadt, Cimetière des Rois (Königsfriedhof), der seit dem 16. Jahrhundert besteht: Dort wird Max Woodman begraben.

Von Genf flog das Team weiter nach Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Emirate haben erst seit 1971 ihre jetzige Staatsform, damals schlossen sich sieben Emire auf Bestreben ihres aufgeklärten Führers zu einer Nation zu sammen, deren einer Teilstaat Dubai ist. Das Land gibt eine ideale Filmkulisse ab, zumal der Staat westlich orientiert ist. Vor allem Dubai bietet alles, was man für eine Filmgeschichte braucht: Strand, Berge, Wüste und eine hochmoderne Stadt.

Noch nie ist ein westlicher Film mit offizieller Genehmigung in Dubai gedreht worden. Michael Winterbottom probierte eine neuartige Methode aus, als er Teile seines futuristischen ?Code 46? (Code 46) in den Betonkorridoren dieser rasend schnell wachsenden Metropole drehte, aber er ging vorwiegend wie ein Untergrundkämpfer vor, kümmerte sich nicht um Drehgenehmigungen und verzichtete auch auf die High-Tech-Ausrüstung und den hohen Anspruch, der an ?Syriana? gestellt wird.

Der Film enthält als Prototyp für eine Produktion im arabischen Raum eine brisante diplomatische Zeitbombe: Die Emirate sind eng verbündet mit dem Jemen, Qatar und Saudi-Arabien, deren Regierungen möglicherweise nicht mit der Darstellung des islamischen Fundamentalismus und der unzufriedenen Gastarbeiter einverstanden sind.

Außerdem sollten die Dreharbeiten während der heiligsten muslimischen Feiertage stattfinden, nämlich während des Monats Ramadan, der Fasten und Gebete vorschreibt und Essen, Rauchen oder Kaugummikauen in die Nachtstunden verbannt. Viele Mitglieder des Teams und auch die vor Ort rekrutierten Statisten befolgten die Feiertagsregeln, und das Produktionsteam bemühte sich nach Kräften, diese Bräuche zu respektieren. Man stellte Zelte auf, in denen die nichtmuslimischen Teammitglieder essen und trinken konnten, ohne dass die fastenden Gläubigen sie sehen konnten. Und gleich nach Sonnenuntergang gab es eine Drehpause, in der ein Imbiss serviert wurde.

Zunächst zögerten die Filmemacher, überhaupt in Dubai zu filmen, weil es keinen Präzedenzfall gab, auf dessen Erfahrungen man hätte aufbauen können. Doch die ständig wachsenden westlichen Geschäftsinteressen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, die aufgeklärte Führung und die vor Ort in Dubai tätige, erfahrene TV-Werbefilmproduktionsfirma ermutigten das Team schließlich.

Zwar mußste man sich in Dubai auf ungewöhnliche Umstände einstellen, aber daraus ergaben sich auch filmische Chancen, wie sie nirgends sonst in der Welt zu finden sind. Ursprünglich waren nur vier Drehtage in Dubai vorgesehen, um vorwiegend Stadtansichten aufzunehmen, doch als die Produzenten merkten, was die Stadt alles zu bieten hat, wurden die Dreharbeiten auf ganze vier Wochen ausgedehnt.

?Interessanterweise handelt es sich um eine hochmoderne Stadt ? wahrscheinlich die einzige Großstadt, die im 21. Jahrhundert entstanden ist?, sagt Weil. ?Ich entdeckte große Ähnlichkeiten mit bestimmten modernen amerikanischen Städten wie Houston, das auch durch seinen Ölreichtum groß geworden ist. Aber man könnte diese Szenen nicht in Amerika drehen, weil der spezifische Look der Golfstaaten mit nichts zu vergleichen ist.?

Die Stadtverwaltung ist von der Emirate-Regierung unabhängig. Sie äußerte einige Einwände in Bezug auf den Inhalt des Films und den Zeitpunkt der Dreharbeiten. Doch schließlich wurde die Drehgenehmigung erteilt ? auch für den heiligen Ramadan, denn man war überzeugt, dass die Vorteile für den Staat deutlich überwiegen. Dubai möchte nämlich seine Filmindustrie ankurbeln, und die Regierung demonstrierte, dass man den Filmemachern ihre künstlerische Freiheit weitestgehend zugesteht.

?Dubai ist wirklich mit nichts zu vergleichen?, sagt Gaghan. ?Man wagt dort ein ganz erstaunliches Experiment. Man will dort eine Wirtschaft aufbauen, die sich vom Öl unabhängig macht ? man versucht dort ein technologisches Zentrum zu etablieren.? In etlichen Schlüsselszenen konnte Dubai seine Vielseitigkeit demonstrieren. Das Royal Mirage Hotel, die prächtigste Nobelherberge am Jumeira Beach, diente als das Marbella-Anwesen des Emirs.

Das Hotel Al-Maha Resort liegt in einem 225 Quadratkilometer großen Naturschutzgebiet und gilt als ?erstes arabisches Hotel für Öko-Tourismus? ? hier treffen sich Prinz Nasir und Bryan Woodman zu ihrem entscheidenden Gespräch. Im Shangri-La Hotel wohnte nicht nur das Filmteam, es diente auch als Schauplatz mehrerer Innenszenen, und auch Teile der entscheidenden Sequenz während der Abendgesellschaft des Emirs entstanden dort.

Außerdem drehte das Team in der endlosen Wüste, vor der prachtvollen Stadtsilhouette, am Flüsschen, das Dubai vom benachbarten Deira trennt, und in den Baracken einer nahegelegenen Baustelle, in der die Gastarbeiter hausen. Die glühende Wüstenhitze ließ das Thermometer manchmal auf fast 50 Grad Celsius steigen.

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Warner Bros. © 1994 - 2010 Dirk Jasper