Brokeback Mountain

Ausführlicher Inhalt

Wyoming 1963. Eine Welt, in der noch die alten Werte und Traditionen der Cowboys und Siedler herrschen. Vor dem Trailer eines Schafzüchters treffen der Rancher Ennis Del Mar (Heath Ledger) und der Rodeoreiter Jack Twist (Jake Gyllenhaal) aufeinander. Ihre Gesichter tief unter den Cowboyhüten vergraben, warten die beiden jungen Männer schweigend auf Joe Aguirre (Randy Quaid), um bei ihm anzuheuern. Über die Sommermonate sollen sie auf Brokeback Mountain eine Schafherde vor Wilderern und Raubtieren schützen. Da der offizielle Zeltplatz von den Weidewiesen weit entfernt liegt, bestimmt Aguirre kurzerhand, dass Ennis im Camp bleiben und für die Versorgung zuständig sein soll, während Jack oben die Schafe hütet und nur zum Essen herunterkommen darf.

Bevor es am nächsten Morgen los geht, machen sich Ennis und Jack bei einem Bier in der Bar bekannt. Jack ist der aufgeschlossenere von beiden, und er hat Mühe, aus dem wortkargen Ennis mehr als ein paar genuschelte Silben herauszubekommen. Doch sie verstehen sich auch ohne viel Worte, weil sie beide in ihren jungen Jahren das Leben bereits von der harten Seite kennen gelernt haben. Jack erzählt von seinem Vater, dem er nichts Recht machen kann, und Ennis vom Unfalltod seiner Eltern und der Pfändung der elterlichen Ranch.

Am nächsten Tag führen die beiden die Herde auf ihre Weideplätze in den Bergen und bauen gemeinsam das Camp auf. Beim Essen am Lagerfeuer erwähnt Ennis, dass er im kommenden Jahr vor habe, seine Verlobte Alma zu heiraten. Die Tage gehen ins Land, und bald verflucht Jack Aguirres Verbote und den immer gleichen Bohneneintopf. Auf dem Rückweg von der wöchentlichen Lebensmittelübergabe richtet sich zudem ein Bär bedrohlich vor Ennis und seinen Lasteseln auf. Ennis stürzt vom Pferd, und mit den Eseln sind auch die Nahrungsrationen über alle Berge. Nachdem Ennis die Tiere wieder eingefangen hat, kehrt er spät abends ins Camp zurück, wo Jack ihn bereits ungeduldig erwartet. Als er Ennis? Kopfwunde sieht, versucht er, sie so gut es geht zu versorgen. Dann schlägt er vor, eins der Schafe zu schießen, um den eintönigen Speiseplan ein wenig aufzulockern. Doch Ennis fürchtet Aguirres Restriktionen. Stattdessen erlegt er am nächsten Tag einen stattlichen Elch und sorgt so für Abwechslung auf dem Speiseplan.

Und das Essen ist nicht das einzige, was Jack stört: Er ist es leid, jeden Tag vier Stunden zwischen der Schafherde und dem Camp zu pendeln. Ennis schlägt daher einen Rollentausch vor. Der Alltag normalisiert sich, und es gibt sogar Kartoffeln aus dem Tal. Als sie abends wieder am Lagerfeuer sitzen und Whiskey trinken, taut Ennis ein wenig auf. Er erzählt, wie ihn sein Bruder und seine Schwester nach dem Tod der Eltern aufgezogen haben und wie für ihn schließlich kein Platz mehr war, als seine Geschwister eigene Familien gründeten. Ennis ist über seinen Redefluss selbst überrascht: Soviel hatte er das ganze letzte Jahr nicht gesprochen.

Als Ennis eines Nachts nach etwas zu viel Whiskey zum Weideplatz aufbrechen will, überredet Jack ihn zu bleiben. Jacks Angebot, im Zelt zu schlafen, lehnt Ennis allerdings entschieden ab. Stattdessen legt er sich mit einer Decke neben die Feuerstelle. Spät nachts wacht Jack auf. Er hört, wie Ennis neben dem erloschenen Feuer friert und holt ihn ins Zelt. Später, im Halbschlaf zieht Jack Ennis ganz nah zu sich heran. Als Ennis Jacks Annäherung bemerkt, springt er erschrocken auf. Für einen kurzen Augenblick sehen sie sich die beiden irritiert an, fallen aber dann leidenschaftlich übereinander her.

Am nächsten Morgen steht Ennis wortlos auf, verlässt das Zelt und reitet davon. Auf dem Weg zur Herde entdeckt er ein totes Schaf, das in der Nacht gerissen wurde. Als er abends zum Camp zurückkehrt, macht er Jack klar, dass der nächtliche Vorfall eine einmalige Sache war. Geht niemanden außer uns was an, entgegnet Jack. Und sie versichern sich gegenseitig, dass sie nicht schwul seien. Doch als es wieder Nacht wird, kriecht Ennis erneut zu Jack ins Zelt, und sie küssen und berühren sich voller Hingabe.

Fernab der rigiden Moralvorstellungen der Landbevölkerung verleben Jack und Ennis glückliche Tage. Doch bald kommt der erste Schnee und Aguirre, der zufällig Augenzeuge einer verdächtig intimen Rauferei der beiden wurde, befiehlt ihnen bereits Mitte August, die Herde ins Tal zu treiben. Als er feststellt, dass sie zu wenig und teils fremde Tiere zurück gebracht haben, äußert er seinen Unmut über die schlecht geleistete Arbeit.

Jack fragt Ennis, ob er nächstes Jahr wieder auf Brokeback Mountain sein wird. Doch der hat andere Pläne: Heiraten und auf einer Ranch im Tal arbeiten. Die beiden verabschieden sich ohne Umarmung, und Jack fährt schließlich in seinen Truck davon. Ennis läuft in entgegensetzter Richtung die Straße entlang, bis er im Schutz einer zurückliegenden Hauswand zusammenbricht und schmerzerfüllt schreit. Ihm ist so elend zumute wie noch nie, und es dauert sehr lange, bis das Gefühl nachläßt.

Im darauffolgenden Dezember heiratet Ennis seine Alma (Michelle Williams) und kommt nach ein paar Gelegenheitsjobs als Pferdetreiber auf der alten Elwood-Hi-Top-Ranch unter. Kurz darauf wird die erste Tochter Alma jr. geboren. Von all dem erfährt Jack nichts. Und so steht er im nächsten Sommer erneut vor Aguirres Trailer. Auf der Suche nach Arbeit hofft er vor allem, dort Ennis wieder zu treffen. Doch Ennis taucht nicht auf, und Aguirre macht Jack klar, dass er ihn nicht anstellen wird, weil er weiß, wie sich die beiden im vergangenen Jahr oben auf Brokeback Mountain die Zeit vertrieben haben.

Als die Hi-Top-Ranch dicht macht, zieht Ennis mit seiner Familie in eine kleine Wohnung nach Riverton, wo die zweite Tochter zur Welt kommt. Unterdessen hält sich Jack recht erfolglos als Rodeoreiter über Wasser. Auf einem Turnier begegnet er der draufgängerischen Texanerin Lureen (Anne Hathaway), deren Vater erfolgreicher Geschäftsmann ist. Nach dem Turnier fordert sie Jack zum Tanz auf. Auch als sie später auf dem Rücksitz ihres Autos intim werden, geht die Initiative von Lureen aus.

Nur mühsam kann Ennis seine Familie ernähren. Deshalb nimmt Alma einen Job im Supermarkt an, während Ennis in seiner Freizeit daheim auf die Kinder aufpasst. Auch Jack und Lureen haben inzwischen geheiratet und einen kleinen Sohn zur Welt gebracht. Ihnen geht es finanziell gut, doch Lureens wohlhabenden Eltern halten wenig von Jack.

Vier Jahre sind vergangen, seit dem Sommer auf Brokeback Mountain. Vier Jahre, in denen Ennis und Jack keinen Kontakt hatten. Bis Jack eines Tages unvermittelt auf einer Postkarte sein Kommen ankündigt. Voller Ungeduld wartet Ennis auf die Ankunft seines alten Freundes. Als er schließlich einen Truck hört, stürzt er zur Tür hinaus. Eine kleine Ewigkeit stehen sich die beiden gegenüber, dann fallen sie sich in die Arme. Ennis schaut sich vorsichtig um, dann packt er Jack und zerrt ihn hinters Haus, wo sie sich stürmisch küssen. Alma beobachtet die beiden wie unter Schock. Als ihr Ennis erklärt, dass er zusammen mit Jack einen trinken gehen wird und wahrscheinlich nicht nach Hause kommt, lässt sie sich nichts anmerken. Erst als die beiden weg sind, fängt sie an zu weinen.

Statt in der nächsten Bar, landen Ennis und Jack direkt in einem Motelzimmer. Erschöpft und glücklich liegen sie sich in den Armen, als Jack fragt, wie es nun weitergehen soll. Ennis meint, dass sie nichts tun könnten. Sie hätten sich ihr Leben eingerichtet in den letzten Jahren. Nur ein paar Tage in den Bergen sind möglich, zum ?Fischen?, wie Ennis seiner Frau Alma erklärt. Für kurze Zeit ist es wie früher, Ennis und Jack sind glücklich vereint inmitten der einsamen Bergwelt. Jack meint, so könnte es immer sein. Sie könnten irgendwo eine kleine Ranch haben, Lureens Vater würde ihm sicher das Geld dafür geben, wenn er nur abhaut. Doch Ennis hat Angst, er fürchtet um ihr Leben. Als Kind hat er die brutale Gewalt gegen vermeintlich Homosexuelle kennen gelernt. Für ihn steht fest, dass zwei Männer nicht zusammenleben können. Höchstens hin und wieder irgendwo in der Wildnis heimlich treffen. Denn, so Ennis, was man nicht ändern kann, mußs man aushalten. Über die Jahre treffen sie sich regelmäßig in den Bergen. Sie genießen die Abgeschiedenheit und schwelgen in alten Erinnerungen.

Das Klima im Hause Del Mar ist darüber merklich kühler geworden. Alma nutzt jede Gelegenheit, im Supermarkt zu arbeiten, um nicht zu Hause sein zu müssen. Als sie den ehelichen Pflichten nachkommen, will Alma verhüten, weil sie sich, wie sie sagt, kein weiteres Kind leisten können. Für Ennis ist klar: Wenn sie seine Kinder nicht will, wird er sie von nun an ganz in Ruhe lassen.

Am 6. November 1975 wird schließlich die Scheidung vollstreckt und Alma das Sorgerecht für die Kinder zugesprochen. Als Jack die Nachricht erhält, fährt er sofort zu Ennis. Doch seine Hoffnung, dass jetzt der Weg für eine gemeinsame Zukunft frei sein könnte, erfüllt sich nicht. Ennis ist nicht bereit dazu. Auf dem Weg zurück zu seiner Familie bricht Jack verzweifelt in Tränen aus.

Alma zieht indes mit dem Supermarktbesitzer Monroe (Scott Michael Campbell) zusammen. Erst jetzt hat sie die Kraft und den Mut, Ennis mit seiner jahrelangen Lüge zu konfrontieren. Als sie ansetzt, das Unsagbare auszusprechen, droht ihr Ennis Gewalt an. Doch Alma bietet ihm die Stirn. Wutentbrannt stürmt Ennis aus dem Haus. In einer Bar lernt er wenig später die Kellnerin Cassie (Linda Cardellini) kennen, die er sogar seiner inzwischen fast erwachsenen Tochter Alma Jr. (Kate Mara) vorstellt. Aber auch Cassie kann ihm nicht geben, wonach er sich am meisten sehnt. Irgendwann meldet er sich einfach nicht mehr bei ihr. Aus Angst, sein Doppelleben könnte entdeckt werden, zieht er sich immer mehr zurück, wird noch wortkarger als früher.

Bei einem ihrer seltenen Ausflügen in die Wildnis gesteht Jack Ennis, dass er ihn manchmal so sehr vermisst, dass er es kaum aushält. Wenn er nur wüsste, wie er von ihm loskommen könnte. Und auch Ennis lässt seinen Gefühlen endlich einmal freien Lauf und klagt darüber, wie verpfuscht sein Leben eigentlich sei. Er bricht weinend zusammen, Jack nimmt ihn tröstend in die Arme. Doch es wird ihre letzte Umarmung sein. Am nächsten Tag trennen sich ihre Wege. Im nächsten Herbst wollen sie sich wieder treffen. Doch die Postkarte, die Ennis an Jack schickt, kommt als unzustellbar zurück ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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