Der Rosarote Panther

Produktionsnotizen

Die Legende vom Pink Panther begann 1963 mit Blake Edwards Original, THE PINK PANTHER ("Der Rosarote Panther", 1963) mit David Niven und Peter Sellers in den Hauptrollen ? letzterer in der Rolle des Inspektor Clouseau. Der Film wurde ursprünglich als Vehikel für Niven entwickelt ? damals ein bedeutender Hollywood-Star. Peter Sellers war dabei nicht Regisseur Edwards erste Wahl für die Figur des tapsigen Detektivs (er favorisierte Peter Ustinov). Aber Sellers Darbietung des urkomischen, ungeschickten französischen Inspektors erwies sich als das, was dem Publikum in Erinnerung blieb, und der großartige Komiker spielte die Hauptrolle in diversen erfolgreichen Nachfolgefilmen.

Seit mehr als einem Jahrzehnt dämmerte der beliebte Stoff vor sich hin, denn ein Remake für das heutige Publikum hing wesentlich davon ab, einen Schauspieler zu finden, der es mit dem genialen Peter Sellers aufnehmen konnte. Steve Martin erwies sich als die perfekte Wahl, denn seine intelligente, leicht absurde Komik und sein physischer Ausdruck kamen dem Vorbild Sellers sehr nahe. Shawn Levy, der neue ROSAROTE PANTHER-Regisseur, meint: "Die Person Clouseau ist eine Hommage an Stummfilm-komiker wie Chaplin und Keaton. Wie von Blake Edwards und Peter Sellers erdacht, erinnert die Figur an Stummfilmkomödien, in denen der Humor eher physisch als verbal erarbeitet wurde. Ähnlich wie diese klassischen Filmkomödien fast ein Jahrhundert überdauert haben, ist auch Clouseaus intuitive und physische Komik zeitlos. Sein unglaubliches, einzigartiges Talent für Physical Comedy macht Steve Martin zur perfekten Besetzung für Clouseau. Ob als ,wild and crazy guy?, als der Mann mit einem Pfeil durch den Kopf, oder als ?The Great Flydini?, Steves Humor war immer kantig und von Natur aus körperbetont."

Produzent Bob Simonds ergänzt: "Steve ist eine hochinteressante Kombination aus Verletzlichkeit und Selbstsicherheit. Er beherrscht die physische Komik, aber er ist gleichzeitig sehr gebildet. Er hat einen feinen Sinn für Humor und die Fähigkeit zu großartigen Pointen. Genauso wichtig ist, dass seine Comedy ironisch und klug ist - aber niemals bösartig. Das funktioniert sehr gut, weil der Humor in den PINK PANTHER-Filmen auf Kosten Clouseaus gehen, der einfach versucht, in all diesen Situationen seine Würde zu wahren. Unser Ehrgeiz bei der Produktion dieses Films war nicht nur, richtig komisch zu sein, sondern die Zuschauer dazu zu bewegen, mit Clouseau zu fühlen. Und genau da liegen Steves Stärken."

Simonds hatte gerade Steve Martins (ebenfalls von Levy inszenierten) Erfolgsfilm CHEAPER BY THE DOZEN ("Im Dutzend billiger", 2003) produziert, als MGM anfragte, ob er in gleicher Funktion für DER ROSAROTE PANTHER tätig werden wollte. Kurz darauf wurde Martin die Rolle des Clouseau angeboten und nach einer ihrer gemeinsamen PR-Aktionen zum Start von CHEAPER BY THE DOZEN, führte er Levy einige seiner Ideen bezüglich der Figur vor. "Ich fand das so komisch, dass es zu einem monatelangen Austausch weiterer Ideen, Konzepte und Gags führte", sagt Levy.

"Was da langsam entstand, war eine Geschichte, die dem Original sehr nahe kam, aber gleichzeitig frisch, neu und auf Steves einzigartigen Humor zugeschnitten war. Nach ein paar Wochen beschlossen wir gemeinsam, dass ich den Film inszenieren würde."

Ohne diese Improvisations-Sessions hätte Martin möglicherweise die Rolle gar nicht angenommen. "Als mir die Rolle erstmals angeboten wurde, lehnte ich ab. Ich fand nicht, dass sie zu mir passte", sagt Martin. "Aber ich dachte wieder und wieder darüber nach und versuchte, ein paar Szenen zu schreiben, um zu sehen, ob ich mich darin wiederfinden könnte und ob sie komisch wären. Trotzdem braucht man ein Publikum, um Humor zu testen und Shawn erwies sich als mein erster Zuschauer."

Levy und Martin waren sich darüber im Klaren, dass Blake Edwards? Filme mit Peter Sellers inzwischen als Klassiker gelten. "Wir versuchen nicht, mit dem Original-PINK PANTHER zu konkurrieren oder ihn übertreffen zu wollen", sagt Levy. "Steve und ich hatten ordentlichen Respekt davor. Aber während wir die Geschichte verehrten, deren Erbe wir gerade antraten, versuchten wir uns an einer Neuinterpretation des Erfolgsstoffes. Wir hofften, eine zeitgemäße und eigenständige Version in der Tradition der ROSAROTE PANTHER-Erfolge, abzuliefern zu können."

Die Tonalität des neuen Films reflektiere viel von Martins Humor, fährt Levy fort. "Wir haben eine Ironie und einen Witz herausgearbeitet, die Steve Martin genau entspricht. Der Film profitiert von diesem etwas ?links-von-der-Mitte-Standpunkt?, für den Steve bekannt ist."

Und Produzent Simonds ergänzt: "Steve versuchte, die Essenz der Clouseau-Figur zu erhalten, die ja nicht wirklich verrückt ist. Er fährt einfach auf einem ganz anderen Gleis, als alle anderen."

Sein Clouseau hat seine Wurzeln in Sellers und Edwards, erzählt der Schauspieler, aber "ich habe sie ein wenig verbogen, weil ich eine andere Person bin.

Als ich mir die Filme angesehen habe, wurde mir klar, Peter Sellers konnte den ganzen Tag im Kontext der Rolle improvisieren. Er kannte Clouseau ganz genau und ich konnte fühlen, dass er das sehr komisch fand. Davon war ich weit entfernt, als ich anfing, über die Rolle nachzudenken. Aber mir war klar, dass es sich auch für mich komisch anfühlen mußste, und das ging nur über meinen ganz eigenen Sinn von Humor. Ich kann nicht genau sagen, was das ist, es ist ein wenig mysteriös, aber das ist wohl auch ganz gut so."

Nach Levys und Martins ersten Gesprächen über Clouseau, beschlossen sie, alles was komisch war, ins Drehbuch aufzunehmen und falls sie es beide nach einem Monat immer noch komisch fanden, es im Script zu belassen. "Wenn wir einen weiteren Monat später immer noch darüber lachen konnten, haben wir es gedreht", so Levy, "und wenn wir es in der Post-Produktion immer noch komisch fanden, blieb es endgültig im Film."

Martin schätzt Levys Fähigkeit, am Set eine Atmosphäre zu verbreiten, die komische Ideen befördert. "Shawn und ich haben eine sehr ähnliche Vorstellung von Comedy und eine solche Verbindung ist selten. Wir können spontan entscheiden, was komisch ist, und was man probieren sollte und was nicht. Es gab nie Diskussionen. Wir waren immer der gleichen Meinung. Aus meinen anderen Filmen habe ich gelernt, dass es oftmals die spontanen Einfälle sind, die im Film am komischsten sind."

Levy und Martin waren sich auch darüber einig, einen weiteren erstklassigen Komödianten für das Projekt zu engagieren, der Clouseaus aufgeblasenen, intriganten Boss Dreyfus spielt ? die Wahl fiel auf Kevin Kline. "Kevins Werk spricht für sich selbst", sagt Levy über den Schauspieler, der mit einem Oscar® für seine brillante, urkomische Hauptrolle in A FISH CALLED WANDA ("Ein Fisch namens Wanda", 1988) geehrt worden war. "Er unterscheidet sich in der Arbeit diametral von Steve, aber sie sind seit 20 Jahren eng befreundet. Ihm gefiel unser neuer Zugang zum Stoff und er wollte dabei sein. Für uns mußste der Darsteller des Dreyfus Comedy im Blut haben, das Timing beherrschen und zwischen Szenen, in denen er komisch sein sollte, und anderen, in denen er sich zurück nehmen mußste, zu nuancieren verstehen. Kevin verstand sofort, wann er komisch zu sein hatte und wann er ruhiger agieren mußste, um Clouseau einfach absurd wirken zu lassen."

Kline meint: "Shawn Levy erlaubte mir, an den ersten Drehtagen mit verschiedenen Stufen von Irrsinn zu experimentieren, bis wir ein Level gefunden hatten, das sich richtig anfühlte für diesen Film. Und mitunter ließ er Steve und mir auch die Möglichkeit, zu improvisieren."

Obwohl DER ROSAROTE PANTHER nicht gerade eine zimperliche Komödie ist, näherte sich Kline ihr mit der ihm eigenen, sorgfältigen Vorbereitung und recherchierte die Rolle, indem er einige Tage bei der französischen Polizei verbrachte. "Auch einer Komödie kann Recherche nicht schaden. Ich fand es sehr aufschlussreich, zu sehen, wie die Franzosen mit der Polizeiarbeit umgehen."

Kline betont, er habe die Chance, wieder mit Martin arbeiten zu können, sehr genossen, denn ihr einziger gemeinsamer Film war der deutlich seriösere GRAND CANYON ("Grand Canyon ? Im Herzen der Stadt", 1991). "Wir hatten nie die Gelegenheit, zusammen in einer Komödie zu spielen, also ließ ich mir diese Chance nicht entgehen. Unnötig zu betonen, dass mir die Arbeit mindestens so viel Spaß gemacht hat, wie ich es mir vorgestellt hatte."

Martin und Kline bewegten sich wie in einem Slapstick-Tanz durch den ganzen Film und besonders Kline fand Geschmack an der physischen Comedy. "Ich bin mit Charlie Chaplin, den Marx Brothers und W.C. Fields groß geworden, und habe immer auf eine Gelegenheit gewartet, mehr komödiantischen Körpereinsatz bringen zu dürfen", sagt Kline. "Das gibt mir die seltene Chance, meine eigenen Stunts machen zu dürfen. Produzenten haben nichts dagegen, mein Leben aufs Spiel zu setzen, solange es einen Lacher bringt."

Der Rest des Ensembles wurde laut Produzent Robert Simonds ähnlich zusammengestellt aus Darstellern, die nicht nur komisch, sondern auch hervorragende Schauspieler waren. "Beyoncé ist unglaublich talentiert und wir haben so angesehene Schauspieler wie Jean Reno, Kristin Chenoweth und Emily Mortimer, um nur einige zu nennen."

Aber selbst die erfahrendsten Schauspieler wurden mitunter Opfer der Martin?schen Comedy-Genialität. "Viele meiner Szenen spielte ich gemeinsam mit Steve und es war wirklich schwierig, ernst zu bleiben, weil er so mitreißend komisch war und ich nie wusste, was er als nächstes vor hatte", bekennt Beyoncé Knowles. "Wir drehten eine Szene im Waldorf-Astoria in New York, das Clouseau praktisch zerstört - mit einem Drink namens ,Flaming Mojito?. Meine Rolle schrieb vor, dass ich sehr romantisch und sexy mit Clouseau umzugehen hatte, aber er trank diesen ,Flaming Mojito?. Steves Ausdruck und seine Posen waren so hysterisch, dass ich mir immer wieder sagen mußste: ,Sei sexy. Bitte, versuch sexy zu sein?, während ich eigentlich nur lachen wollte."

Über die Komik hinaus, so Beyoncé, stattete Martin seinen Clouseau mit einer gehörigen Portion Gefühl aus. "Steve sorgte dafür, dass man Clouseau liebt, obwohl er komisch und albern ist, denn tief im Innern ist er ehrlich, sensibel und liebevoll."

Die Schauspielerin freute sich, wieder mit Regisseur Levy zusammen zu arbeiten, der für den Disney Channel die erfolgreiche TV-Serie "The Famous Jett Jackson" geschrieben und inszeniert hatte, in der sie eine Rolle hatte. "Ich war 16 oder 17, ich stand zu ersten Mal vor der Kamera und war schrecklich aufgeregt, aber er schaffte es, mich ganz entspannt sein zu lassen. Ich wusste nicht, dass er der Regisseur von DER ROSAROTE PANTHER sein würde und als ich davon hörte, dachte ich: ,Das sollte so kommen. Das ist so eine Art Wiedervereinigung.?"

Die Dreharbeiten von DER ROSAROTE PANTHER waren gekennzeichnet von Levys schneller Arbeitsweise. "Jeder, der zum ersten Mal an meinen Set kommt ? egal ob Schauspieler oder Teammitglied ? erlebt ein persönliches Trauma, wenn er feststellt, mit welchem Tempo ich mich bewege", sagt Levy. "Aber es ist für mich einfach eine Tatsache, dass eine Einstellung nach 20 Takes besser wird. Ich habe auch noch nicht erlebt, dass eine Szene komischer wird, wenn man sie zwei oder drei Tage lang dreht. Steve genoss das flotte Tempo. Er wusste, was ich wollte, er wollte es mir geben, und dann, wenn er fertig war, wollte er weitermachen. Manche Regisseure glauben an 40 Takes und vielleicht ist das für sie auch richtig. Ich versuche, meine ganze Energie in meine Filme zu legen und Dinge voranzubringen, den Schwung und den Enthusiasmus zu nutzen, mit dem ich zur Arbeit komme. Ich denke, meine Filme spiegeln diese Energie wider."

Und das gefiel Beyoncé bestens, da sie den Film zwischen Konzertauftritte, Sponsorentätigkeiten und das neue Destiny?s Child-Album einschieben mußste. "Ich hatte eigentlich nur einen Monat frei, weil Destiny?s Child zurück ins Studio ging und ich mich entscheiden mußste, ob ich einen Film oder Urlaub machen wollte.

Als mir DER ROSAROTE PANTHER angeboten wurde, dachte ich, ,Steve Martin, Kevin Kline - das ist keine Arbeit, das ist ein Sommerurlaub, ein Abenteuer, bei dem ich viel lernen kann."

Xania ist eine neue Pink Panther-Figur, aber es gab andere wunderschöne und mitunter doppelzüngige Frauen in den Vorgänger-Filmen, gespielt von Stars wie Claudia Cardinale, Elke Sommer oder Dyan Cannon, um nur einige zu nennen. Der neue Film entwickelt aus den Originalen neue Figuren. Eine davon ist der gestandene Polizist und Clouseau-Vertraute Gilbert Ponton, gespielt vom französischen Schauspiel-Star Jean Reno. "Die Figur Ponton gab es schon, als Steve und ich zu dem Projekt stießen", sagt Levy. "Uns gefiel die Idee, dass Clouseau einen Partner haben sollte, einen, der ein ,bad guy? ist, weil er für Dreyfus arbeitet ? aber große Loyalität zu Clouseau aufbaut. Ponton ist eine unglaublich liebenswerte und sympathische Figur, der mithilft, Clouseaus Verrücktheit zu erden. Die Rolle war nicht leicht zu besetzen, denn wir brauchten jemanden, an dem Steve sich abarbeiten konnte. Aber nach dem Treffen mit Reno in Paris wusste ich, dass es keine Alternative gab. Er hatte diese Direktheit und Standhaftigkeit, die die Figur Ponton ausmacht." Während amerikanische Zuschauer Reno hauptsächlich in Action-Filmen wie LÈON ("Lèon - Der Profi", 1994), MISSION: IMPOSSIBLE ("Mission: Impossible", 1996) oder RONIN ("Ronin", 1998) gesehen haben, kennt man ihn in Europa auch aus erfolgreichen Komödien wie LES VISITEURS ("Die Besucher", 1993). Demnächst wird man ihn auch in THE DA VINCI CODE (2006) sehen können. Als die Dreharbeiten begannen, erkannte Levy die komödiantischen Seiten seines französischen Stars ? ein weiterer Beweis, dass er die richtige Wahl getroffen hatte. "Jean ist auf eher leise Art komisch", sagt der Regisseur. "Er weiß, dass er nur wenig tun mußs und trotzdem auf der Leinwand präsent ist.

Man mußs schon ein sehr selbstsicherer Schauspieler sein, um so wenig zu tun und so eine Wirkung zu erzeugen."

Reno mag unterschiedliche Genres. "Ich liebe die Veränderung. Das ist meine Aufgabe als Schauspieler", sagt er. "Komödie ist für mich persönlich eine willkommene Abwechslung, weil jeder am Set lächelt und versucht, andere zum Lachen zu bringen. Das macht sehr viel Spaß. Für die Figur Ponton ging es mir nicht darum, Clouseau zu imitieren oder mit ihm zu konkurrieren, sondern etwas zu ergänzen, das hoffentlich komisch ist."

Obwohl Ponton eine neue Figur ist, gibt es Gemeinsamkeiten in seinem Verhältnis zu Clouseau und dem seines Dieners Kato in den früheren Filmen, erklärt Levy. "Wir waren uns nicht sicher, ob das heute funktionieren würde ? nicht nur wegen der ,political incorrectness?, im Jahr 2005 einen asiatischen Diener zu haben, sondern weil das, was zu Peter Sellers hervorragend passte, nicht notwendigerweise zu Steve Martin passen mußste. Außerdem wollte ich etwas Neues ausprobieren. Wir blieben dabei, dass Clouseau Ponton unerwartet attackiert, aber unsere Pointe ist, dass Clouseau niemals einen Treffer landet. Diese Kämpfe sind vorbei, bevor sie begonnen haben, weil Clouseau nicht die geringste Ahnung von Kampfkunst hat. Der einzige Treffer, den Clouseau bei Ponton landet, ist denn auch einer der prägnantesten Momente des Films. Das Verhältnis Clouseau-Ponton ist komisch aber es ist gleichzeitig eine wirkliche Freundschaft. Als Clouseau an seinem Tiefpunkt in diesem Film angelangt ist, ist Ponton der Einzige, der zu ihm steht."

Emily Mortimer, die Dreyfus? treuherzige Sekretärin Nicole spielt, die zu Clouseaus Helferin und heimlichem Fan wird, berichtete im Anschluss an die Dreharbeiten, dass sie viel Spaß dabei hatte. Sie freute sich, endlich einmal einen anderen Typ spielen zu können und Erfahrungen mit der Arbeit an einer Komödie zu sammeln. "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das Publikum sich besonders verzaubert von mir fühlen würde. Also entschloss ich mich, Nicole so real wie möglich zu gestalten ? im Rahmen der Gesetze des Genres und vertrauend auf die physical Comedy der Szene für die großen Lacher. Gegen Ende der Dreharbeiten liebte ich diese Aspekte der Arbeit so sehr, dass ich gar keine ernste Schauspielerin mehr sein wollte. Ich war zu einem überzeugten Komödien-Fan geworden."

Mortimers komisches Talent beeindruckte Levy, der sagt, dass ihre Liebens-würdigkeit ihn überzeugt hatte, sie für die Rolle der Nicole zu besetzen. "Nicole war immer unsere Audrey Hepburn-Figur, das Aschenputtel mit der ihr angeborenen Liebenswürdigkeit, schön und gewinnend, aber nicht verführerisch. Sie ist eine Freundin für Clouseau, die einzige Person neben Ponton, die in guten wie schlechten Zeiten zu ihm steht. Die Tatsache, dass sich am Ende des Films eine gewisse Chemie zwischen ihnen entwickeln darf, ist eine kleine Sahnehaube und eine Erfindung Steve Martins."

Kristin Chenoweth, als ständig flirtende Cherie, die PR-Agentin der Fußballmannschaft, ist ebenfalls äußerst charmant, aber, im Gegensatz zu Nicole, definitiv nicht unschuldig. "Eine gewisse Promiskuität ist Cherie nicht abzusprechen", lacht Chenoweth. Sie ist Broadway-Besuchern bestens bekannt und hat viele Auszeichnungen und Preise gewonnen, darunter ein Tony für "You?re A Good Man, Charlie Brown". Das Kinopublikum kennt sie als Nicole Kidmans beste Freundin im Kinofilm BEWITCHED (2005). Parallel zu den Dreharbeiten stand sie am Broad-way in dem Erfolgsmusical "Wicked" auf der Bühne, für das sie eine weitere Tony-Nominierung erhielt. "Ich wusste, wenn ich die Rolle kriegen würde, würde nachts bei ,Wicked? und tagsüber bei DER ROSAROTE PANTHER arbeiten. Aber es hat sich allemal gelohnt, mit einem Komik-Genie wie Steve Martin zu spielen. Die Arbeit mit ihm war großartig. Er ist so konzentriert, dass jeder einzelne Take ein Erlebnis ist."

Musik wurde zu einem wichtigen Instrument während der Produktion des Films. Zwischen einzelnen Takes spielte Levy stets Henry Mancinis berühmtes Pink Panther-Thema. "Ich setzte den Song zur Inspiration und Motivation ein und weil es eines der brillantesten und unvergesslichsten musikalischen Themen der Filmgeschichte ist und genau den richtigen Ton vorgibt. Der Song ist schick, cool, intelligent, ein klein wenig ironisch und, vor allem, verspielt. Es hat immer unsere Laune verbessert, egal, was wir gerade machten."

Normalerweise legte Levy eine CD in einen portablen Player am Set. Wenn keiner da war, benutzte er den Klingelton seines Handys und wenn das alles nicht da war, trug er den Song persönlich vor.

DER ROSAROTE PANTHER erlaubte es Levy, sich in eine andere musikalische Welt vor zu wagen. Auf dem Höhepunkt des Films singt Xania eine Hymne, während um sie herum das perfekte Chaos herrscht. Der Song "A Woman Like Me" ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen Regisseur Levy und Beyoncé. "Der Song ist ein wichtiger Teil dieser entscheidenden Sequenz und wir brauchten etwas, das die Dramatik verstärkte", sagt Levy. "Wir wollten auch etwas, das musikalisch cool war und Beyoncés Stil und Geschmack entsprach. Wir informierten die Musikwelt und die besten Songwriter des Landes überschütteten uns mit wundervollen Songs. Als wir alles angehört hatten, kristallisierte sich ?A Woman Like Me? als unser Favorit heraus."

Beyoncé ergänzt: "Die Power eines Tina Turner-Songs, aber die Dramatik eines Bond-Themas. Es passt haargenau zu der Figur. Sie nimmt den Mund ziemlich voll mit Sätzen wie ?Glaubst Du, dass Du mit einer Frau wie mir klar kommst?? Genau so ist Xania."

"Als wir ins Aufnahmestudio kamen, machte Beyoncé den Song zu ihrem eigenen, wie es niemand sonst könnte," sagt Levy. "Sie in einem Studio zu beobachten ist, als ob man einer Königin zuschaut. Sie sang einen Song nach dem anderen und dann verdoppelte und verdreifachte sie ihre Stimme ? es war unglaublich."

Beyoncé kennt sich natürlich bestens in Aufnahmestudios aus. Sie singt professionell seit ihrem neunten Lebensjahr. Für sie ist Musik dasselbe wie Comedy für Steve Martin ? sie liegt ihr im Blut. "Ich weiß, wann etwas gut ist", sagt sie. "Das spürst Du im Bauch. Ich kann nicht erklären, warum ich es weiß. Ich weiß es einfach."

Über das Angebot hinaus, mit den Komödien-Veteranen Steve Martin und Kevin Kline zu spielen und ihre Musik mit einzubringen, war Beyoncé begeistert von der Aussicht, Mode zu tragen, die der Kostümdesigner Joe Aulisi speziell für sie entworfen hatte. "Die Kostüme?", sagt sie, "Oh, mein Gott! Joe Aulisi besuchte vor den Dreharbeiten eines meiner Konzerte und zeigte mir einige Ent-würfe. Ich konnte es nicht erwarten, sie anzuprobieren. Die Figur Xania ist ein internationaler Star und sehr modebewusst, also mußsten die Kostüme einfach fantastisch sein. Alles hatte diesen altmodischen Stil der 1940er Jahre, sehr pariserisch. Es erinnerte an Josephine Baker, aber mit einem zeitgemäßen Look. Alles passte so wundervoll. Man merkte natürlich, dass alles maßgeschneidert war. Die Accessoires waren sehr liebevoll zusammengestellt, von den Ohrringen zu den Schmetter-lingen und den Schuhen, besonders die Schuhe mit dem Punkt-muster, die sie für mich angefertigt haben. Alles war ganz außergewöhnlich."

Das Spektrum von Beyoncés Garderobe reichte von dem von Aulisi so genannten Belle du Jour-Kostüm ? ein sommerlich-weißes Jacket mit einem tiefgeschnittenen V-Ausschnitt und einem gebauschten Rock - das buchstäblich den Verkehr in New York City lahm legte, bis zu einem unglaublichen, fast durchsichtigen Ballkleid, das ganz aus glitzernden Bronze-Pailetten bestand, handgenäht zu einer hauchdünnen Hülle, die die Figur der Schauspielerin umschmeichelt und ihre Haut kontrastiert.

"Beyoncé ist der Traum eines jeden Kostümbildners", sagt Aulisi. "Wir schneiderten für sie sechs Outfits und sie war einfach eine Freude. Die Inspiration für die Figur kam eindeutig von Josephine Baker, die wie Xania Diamanten und Juwelen liebte. Wir begannen mit dieser Idee und dadurch entstand die Robe für die Szene im Ballsaal. Unsere Hoffnung war, dass sie aussehen würde, wie eine frisch entkorkte Champagnerflasche, daher entschieden wir uns für die Pailetten."

Aulisis Kostüme spielten auch eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Figur Clouseau. Levy meint, dass die Garderobe Steve Martin half, die Figur zu verstehen und zu formen. "Manchmal nähert sich ein Schauspieler seiner Rolle von außen und manchmal von innen heraus. Ich erinnere mich, dass Steve anfangs sagte, er müsse als erstes Clouseaus Gang, seine Körperhaltung, seinen Akzent, die Stimme, den Mund und die Augen studieren. Ihm war klar, dass er die Rolle erst dann entspannt würde spielen können, wenn er die äußerlichen, physischen Aspekte verstanden hätte. Daher war sein Gang, der Bart, sein Gesichtsausdruck und besonders auch die Kleidung sehr wichtig, um die Figur festzulegen."

Im Original-ROSAROTEN PANTHER war Clouseau, laut Martin, sehr gut gekleidet und wirkte insgesamt tadellos. "Ich habe mich immer gefragt, wie das mit einem schrägen Inspektor zusammen geht, aber es funktioniert, sehr gut sogar", sagt er. "Closeau selbst findet sich ja keineswegs ungeschickt. Er sieht sich als Mann von Welt, selbstsicher, kompetent, großstädtisch. Anfangs probierten wir eine Reihe unterschiedlicher Garderoben, entschieden uns dann aber für einen Stil, der in den 60er Jahren schick war. Alle Kostüme wurden von Joe Aulisi hervorragend entwickelt."

Bei dem Entwurf der Kostüme für Closeau, habe er auch Humor ins Spiel bringen wollen, sagt Aulisi. "Es hat Spaß gemacht, kleine Charakterisierungen für jede Figur zu finden. Für Steve Martin mußsten wir herausfinden, was ihm entsprach, aber gleichzeitig den originalen PINK PANTHER-Filmen treu bleiben. Ich stieß bei der Recherche auf Fotos des großen französischen Fotokünstlers Jacques-Henri Lartigue, der wundervolle Fotos normaler Leute gemacht hatte, die aber alle ein ganz klein wenig schräg und sonderbar wirkten. Ich fand, das kam Steves Persönlichkeit und der seines Clouseau sehr nahe. Wir beschäftigten uns auch mit dem Werk des erfolgreichen Cartoonisten Jean-Jacques Sempe, der das Leben in Paris kommentiert und dessen Humor sehr französisch und sehr modern ist. Orientiert an diesen Künstlern entwik-kelten wir Steves Aussehen ? nah an den 60er Jahren, aber wir veränderten die Proportionen, so dass die Sakkos etwas zu eng oder zu kurz sind, die Hosen ein wenig schlabberig und aus sehr weichem Stoff, damit sie im Wind flattern können, und sie sind zudem zu kurz und lassen seine gestreiften Socken erkennen und seine riesigen Schuhe. Wir wollten glaubhaft bleiben, aber ein wenig Humor hineinlegen, die Kostüme sollten ein wenig neben der Spur sein."

Manchmal wirft Martin Clouseaus typischen Trenchcoat über, aber selbst der wurde modifiziert. "Wir beschlossen, dass er eine Baskenmütze tragen sollte, denn die wirkt sehr komisch an Steve und gefiel uns besser, als der alte Hut", sagt Aulisi. "Wir benutzten den Trenchcoat weil er so typisch für Detektive geworden ist, aber wir kürzten ihn, veränderten ihn im Rücken, dadurch wirkt er etwas eigenartig und, wiederum, etwas daneben."

Martins Garderobe reflektiert nicht nur Closeaus etwas verschrobene Persönlichkeit, sondern sein ganzes Milieu. Laut Production-Designerin Lilly Kilvert ist Clouseaus Welt "erkennbar real, aber es ist eine überhöhte Realität. Alles ist etwas weicher, schöner und altmodischer. Es ist eine überschaubare kleine Welt, ein Ort, an dem ein arg-loser wie Clouseau leben kann. Der Film spielt in seiner eigenen Zeit, die weder Vergangenheit, noch Zukunft ist, sondern ihre eigene freundliche Atmosphäre hat. Ich wollte sowohl New York als auch Paris etwas sanfter zeigen, sie sollten ihre Identität behalten, aber weniger kantig und real sein - mehr wie unser Traum von Paris und unser Traum von New York."

Die Idee war, Dreyfus? Büros schön und opulent-französisch zu gestalten, mit hohen Decken, beeindruckenden Gemälden, üppigem Stuck sowie maskulinen, geschmackvollen und kultivierten Möbeln, überwiegend in den Farben Braun und Ocker. Da in diesen prächtigen Gemächern einiges von dem Chaos stattfindet, das Clouseau verursacht, hatte Kilvert beim Entwurf der Sets stets die mögliche Katastrophe im Hinterkopf. Die Bauten, die in den Kaufman-Astoria Studios am Rande Manhattans entstanden, hatten versetzbare Wände, die schnell in jede Richtung bewegt werden konnten, um sowohl den Kamerabewegungen, als auch der sich perfekt entwickelnden Chemie zwischen Martin und Kline genügend Raum zu geben. "Es dauerte ungefähr acht Wochen, diese Sets zu bauen und im Prinzip hatten sie alle bewegliche Wände", berichtet Kilvert. "Dreyfus? Büros hatten eine würdevolle Ausstrahlung, aber letztlich war es nicht mehr als eine Szenerie, die für die Kamera funktionieren mußste."

In Levys DER ROSAROTE PANTHER besucht Inspektor Clouseau erstmals New York City, was einige zusätzliche komische Momente an Orten wie Times Square, Fifth Avenue und dem vornehmen Waldorf Astoria-Hotel mit sich brachte. Und es bedeutete auch, dass einige der von Kilvert ausgesuchten Innenmotive, die eigentlich in Paris oder Italien stehen sollen, tatsächlich in Manhattan sind, und die Designerin das gefälschte Paris mit dem realen möglichst nahtlos überblenden mußste. Die New Yorker Beaux-Arts Public Library beispielsweise, mit ihren beeindruckenden marmornen Bogengängen und kunstvoll herausgearbeiteten Wänden, diente als das Innere des Palais de Justice in Paris, in dem sich Dreyfus? Hauptquartier befindet. Das und die Innenräume seines Büros, die in den Kaufman-Astoria Studios gebaut wurden, mußsten zu den Universitätsgebäuden der 700 Jahre alten Sorbonne passen, die im Film den Justizpalast von außen sowie dessen Ballsaal darstellen.

Der Saal selbst erwies sich als spannende Herausforderung für Kilvert, nicht nur weil sie dessen Umbau und Ausstattung in Paris überwachen mußste, während sie in New York arbeitete. Während des Drehs dirigierte Kilvert Design-Teams in drei verschiedenen Ländern gleichzeitig, um sicher zu stellen, dass die Locations in Paris und Prag vorbereitet wurden, während in New York im Studio oder in den Straßen gedreht wurde. "Ich liebe es, in New York zu arbeiten und ich wusste, dass der größte Teil des Films dort gedreht wurde, aber ich liebe auch Paris und die französische Sprache (die Kilvert fließend beherrscht), also begeisterte mich das ebenso", erzählt sie. "Aber ich hatte mit Jet Lag zu kämpfen. Es war interessant, Teams in verschiedenen Ländern zu leiten, denn sie erledigen manche Dinge auf unterschiedliche Art und Weise. Ich mußste beispielsweise herausfinden, wer in Frankreich für kleinere Requisiten zuständig ist, die Ausstattung oder die Requisite? Gibt es einen Maler am Set? Kleine Dinge können sich zu großen Problemen entwickeln, besonders, wenn es um so viel Detailarbeit am Set geht. Da half es sehr, dass ich der französischen Sprache mächtig bin."

Die Anforderungen an die Ballsaal-Szene seien besonders detailreich und schwierig gewesen, erinnert sich Kilvert. "Die Ballsaal-Szene ist der Höhepunkt des Films, in der alle Katz-und-Maus-Spielchen zu einem spannenden und komischen Ende finden. Um die ganzen hektischen Aktivitäten, die stattfinden, wenn Clouseau Mörder und Dieb festnagelt, unter einen Hut zu kriegen, waren einige Voraussetzungen zu schaffen. Vor allem mußsten wir in der Lage sein, von oben auf eine Bühne schauen zu können, auf der Beyoncé singt. Um ein möglichst aufregendes Motiv zu finden, entschieden wir uns für die Sorbonne."

Die berühmteste Universität Frankreichs wurde im 13. Jahrhundert gegründet und ist von beeindruckender Schönheit, mit filigranen Ornamenten in den Decken und marmornen Eingangshallen ? niemand würde darin jedoch einen pompösen Ballsaal vermuten.

"Stilistisch entsprach der Saal nicht unseren Vorstellungen", erzählt Kilvert, "aber die Architektur gefiel uns sehr gut. Also mußsten wir ihn ausstatten, um ihn prachtvoller und glänzender wirken zu lassen. Wir verschönerten ihn mit Kronleuchtern, Gobelins und Blumen. Wir verlegten etwa 400 Meter roten Teppich und füllten den Raum mit Hundertschaften von Statisten, die in schönste Abendkleider und Smokings gekleidet waren. Es wirkte zauberhaft und albern zugleich ? und das war der Effekt, den wir erzielen wollten."

Die Ballsaal-Sequenz erforderte aber auch ein spezielles Set-Design, um Clouseaus einfallsreiche Tarnungsmethoden vorzuführen. "Wir mußsten eine Wandverkleidung mit einem kleinen Muster tapezieren, das wenig aggressiv wirkte und eine angrenzende mit einem größeren Muster, das Marmor ähnelte. Es war eine ästhetische Heraus-forderung, aber es funktionierte ausgezeichnet für den Gag, den Steve sich ausgedacht hatte, und es war sehr, sehr komisch", erinnert sich Kilvert.

DER ROSAROTE PANTHER ist Levys vierte Zusammenarbeit mit Chefkameramann Jonathan Brown, der die Bildästhetik des Films als eine Kombination aus internationalem Actionfilm und Komödie versteht. "Ich meine damit, dass in der Regel Komödien heller ausgeleuchtet sind, als dramatische Filme. Wir haben uns bemüht, ein emotionaleres, dramatischeres Licht zu setzen. Wir hielten die Einstellungen so offen, dass Steve genug Raum für seine physische Comedy blieb, aber oft arbeiteten wir, als ob wir sowohl einen Actionfilm, als auch eine Komödie drehen würden", sagt Jonathan Brown.

Da viele der Sets von Kilverts in neutralen oder dunklen Farbtönen gestaltet waren, um dem Look der Fassaden und Innenräume in Paris zu entsprechen, hat Browns Auswahl von Licht und Filtern wesentlich die Farben des Films beeinflusst. Um bei der freundlicheren Version der Realität zu bleiben, die Levy für Clouseaus Welt vorschwebte, waren die meisten Filter soft und hatten warme Farbtöne. "Jonathan und ich landeten schließlich bei der Idee, dass das Licht immer sehr sanft sein sollte ? und nie den grellen, kalten Schein natürlichen Lichts haben sollte", sagt Levy. "Ging es um natürliches Licht, das durch ein Fenster fällt, wurde es durch Vorhänge gedimmt. Es gab eine gewisse Farbsättigung mit gelben, orangen, ocker und goldenen Tönen, so dass das Licht und der Farbton der Bilder immer ein klein wenig schöner sind, als im wirklichen Leben."

Levy und Brown vertrauten wesentlich auf klassische Einstellungen, die sie mitunter durch außergewöhnliche Blickwinkel konterkarierten. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass aus dem Weg gehen das Beste ist, was ein Regisseur tun kann, solange die Schauspieler und das Drehbuch gut sind", sagt Levy. "Manchmal inszenierten Jonathan und ich eine Einstellung, die sich selbst erklärte, aber viel häufiger überließen wir Steve und dem Drehbuch die Hauptarbeit. Jedes Drehbuch gibt Hinweise auf den visuellen Stil des Films und dieses war besonders eigenartig und komisch. So ergaben sich häufig überraschende Symmetrien. Solche Bilder sind normalerweise nichts für meinen Geschmack, aber ausgehend von der Komik des Scripts, war eine gewisse Eigenart der Bildkomposition angemessen. Die Gestaltung war etwas weniger konventionell, als in meinen früheren Filmen. Es gibt viele Szenen, in denen man Clouseau mitten in einer Weitwinkel-Einstellung sieht. An anderen Stellen des Films sind 2/3 der Kompositionen leer und man sieht Clouseau ganz am Rand des Bildes. Wir haben die Komposition bewusst aus dem Gleichgewicht gebracht, weil Clouseau eine absurde Figur ist und die Bilder haben einen Anflug davon."

Simonds ergänzt, der Film zeige einen sehr genau geplanten Umgang mit Räumlichkeit. "Tiefenschärfen war uns sehr wichtig. Wenn im Vordergrund Action stattfand, blieb dennoch Raum für szenische Atmosphäre. Auf die Zuschauer wirkt dies sehr positiv", meint er.

Wie Kilvert arbeitete auch Brown mit einem internationalen Kamera-Team. Aber er hatte kaum Gelegenheit, vor dem Beginn der Dreharbeiten in Paris oder Prag mit den Leuten zu proben. Doch er nahm immer einige ausgewählte Mitarbeiter mit und gegen Ende des Drehs verfügte er über ein polyglottes Team amerikanischer, französischer und tschechischer Kameraleute, Elektriker und Kamerabühnenleute.

"Die Internationalität der Crew und die unterschiedlichen Arbeitsstile interessierten mich sehr bei diesem Projekt", sagt Brown. "Es war eine merkwürdige Mischung von Leuten und Persönlichkeiten, die alle ihre eigene Art zu arbeiten hatten. Ein großer Teil meiner Arbeit besteht darin, die schwierige Balance zwischen Kreativität und gemeinsamer Effektivität zu halten und Enthusiasmus im Team zu wecken. Mit dieser sehr wenig homogenen Gruppe von Menschen, wurde dieser Aspekt meiner Arbeit noch bedeutender. Wir hatten das große Glück, eine Menge hervorragender Leute in all diesen Ländern zu engagieren. Sie wuchsen alle unglaublich mit dieser Aufgabe."

Jedes neue Team mußste sich Levys extremer Energie und seinem ungewöhnlichen Tempo anpassen. Brown wusste glücklicherweise nach vier gemeinsamen Filmen mit diesen Bedingungen umzugehen ? sowohl künstlerisch, als auch unter Aspekten der Produktion wie der Produktivität.

"Shawn liebt es, die Energie zu nutzen, die aus kontrolliertem Chaos entsteht", meint Brown. Das Tempo durchzuhalten bedeutete, das Pensum, für das wir normalerweise 70 Tagen brauchen, in 49 abzudrehen. In vieler Hinsicht war das der anstrengendste Teil des Jobs. Nur durch intensives Location-Scouting, durch einen genialen Drehplan und detaillierte Storyboards, waren wir in der Lage, den Film präzise und flexibel vorzubereiten. Das war die Vorbedingung, um an jedem beliebigen Tag genug Zeit zu haben, all die Comedy-Performances, Gags, Stunts und Inserts aufzunehmen. Schlussendlich hatte Shawn durch die gute Vorbereitung mehr Zeit für die Schauspieler und konnte entspannt alle Szenen drehen."

Die Original-PINK PANTHER-Filme waren berühmt für ihre exotischen europäischen Drehorte. Um dieser Tradition treu zu bleiben, drehte Levy an beeindruckenden französischen Motiven, vom malerischen, kleinen Place Dauphine auf der Ile de la Citè, bis zum erhabenen, 400 Jahre alten Chateau Voisins am Rand der französischen Hauptstadt. Für diese Bilder bevorzugte Chefkameramann Brown elegante, natürlich wirkende Einstellungen mit wenig technischem Aufwand und verließ sich ganz auf die Schönheit dieser französischen Motive.

Diese Locations waren laut Produzent Simonds entscheidend, um die Größen-ordnung zu vermitteln, die die Filmemacher sich vorstellten. "Es mag merkwürdig klingen, aber wir wollten, dass DER ROSAROTE PANTHER ein Comedy-Event wird. Für uns sollte der Film ein großer Augenschmaus sein. Er durfte nicht aussehen, als ob er auf einem Hinterhof entstanden wäre. Das Original aus dem Jahr 1963 hatte all diese interessanten, klug ausgewählten Schauplätze und dem wollten wir natürlich entsprechen. Das Locationscouting hatte für uns eine besondere Bedeutung, denn wir wollten nicht nur die besten Drehorte für die Geschichte und die Hauptfigur finden, sondern Motive, die eindrucksvoll und optisch spektakulär waren."

Da Clouseau, der sich mitunter als Tourist verkleidet, über den Atlantik reist, kam auch noch New York dazu. "New York passte gut zur Sensibilität des Drehbuchs, also wollte ich auch frische und außergewöhnliche Schauplätze zeigen", sagt Levy. "Die Idee, dass Clouseau, dieser Franzose von Kopf bis Fuß, am Times Square steht und ein Baseball-Cap mit dem ,I Love New York?-Logo trägt, war einigermaßen schräg, unpassend und daher ziemlich komisch."

Ähnlich schräg und lustig ? und definitiv einzigartig ? ist das Auto, das Clouseau fährt, ein winziger rot-grauer Smart. Der Smart, das Produkt einer Firmen-Ehe von Swatch und Mercedes, ist in Europa weitverbreitet. Er ist bekannt für seine Sicherheitsausstattung und seinen geringen Kraftstoffverbrauch. "Wir hatten eigentlich an ein anderes Auto gedacht, aber bei einer Motivsuche in Paris sahen wir überall diese Smarts. Wir fanden sie witzig, niedlich und ein wenig absurd, genau wie Clouseau. So wurde es sein Auto", erzählt Levy.

Levy ging sehr kreativ mit den sorgfältig ausgesuchten Motiven um ? eine Fußgängerbrücke über die Seine diente als Schauplatz für eine Unterhaltung zwischen Ponton und Clouseau und zeigte gleichzeitig ein Postkarten-Panorama von Paris. Die Kathedrale von Notre Dame ist der Hintergrund für einen Stunt auf einer anderen Brücke. Die vielleicht einzigartigste und atemberaubendste Aussicht hatten Team und Ensemble als sie die wichtige Nachtszene drehten, in der Clouseau den Bösewicht über ein Pariser Dach jagt. Die Filmemacher drehten auf dem Dach des Museé Galleria und blickten auf einen berühmten Nachbarn auf der anderen Seite des Flusses ? den leuchtenden Eiffelturm.

In New York profitierte der Film sehr von der Architektur des Waldorf Astoria- Hotels. Xanias tapferer Versuch, Clouseau zu verführen, fand in einer ihrer Suiten statt, einem der spektakulärsten Räume des Hotels, den Kilvert mit enormen Kübeln voller köstlich duftender, lila und weißer Pfingstrosen und Rosen sowie mit femininen, mit Kissen und Polstern überladenen Couchen dekorierte. Im Zuge einer übertriebenen Überwachungsmaßname schraubt Clouseau den riesigen, mehrstöckigen Kron-leuchter los, der in der Waldorf-Lobby hängt, und daraufhin schnurstracks zu Boden geht. Erstaunlicherweise erlaubte das Hotel der Produktion, den 90 Jahre alten Lüster zu bewegen, so dass die Special-Effects-Leute eine Kopie anfertigen konnten. Und dieses Plagiat ließen sie dann im Studio vor einer Green-Screen zerschellen.

Von Paris zog die Karawane für drei Tage weiter nach Prag, um dort die wichtigen Fußball-Szenen zu drehen. Vor den Toren Prags, in einem Stadion in der kleinen Stadt Teplice, spielten 12.000 tschechische Komparsen die Fans der französischen, respektive der chinesischen Fußballmannschaft. Ein lokaler Regieassistent erläuterte den Massen die Szenen per Megaphon und deren Enthusiasmus war durch nichts zu bremsen, auch nicht nach drei Tagen pausenloser Dreharbeiten. Oftmals begannen die "Fans" spontan mit der La Ola-Welle und wollten gar nicht wieder aufhören, obwohl es keinen wirklichen Grund dafür gab. Am Abend jedes Drehtages verloste die Produktion einen Smart, um den Komparsen-Massen für ihre Geduld und ihren Enthusiasmus zu danken.

Wie seine Vorgänger, zeigt auch Levys ROSAROTER PANTHER beeindruckende Stunts, herrliche Motive, heftige Bauchlandungen und ein internationales Ensemble. Wie bei den vorherigen Panther-Verfilmungen, dreht sich alles um einen ungeschickt-komischen Typen namens Inspektor Clouseau, der es auf seine ganz eigenartige Weise schafft, Fälle zu lösen und das Publikum zu unterhalten. "Ich lernte die PINK PANTHER- Filme als Kind kennen und ich erinnere mich, dass ich viel gelacht habe", erinnert sich Levy. "Damals habe ich nicht darüber nachgedacht, aber inzwischen ist mir klar, dass ich sie deshalb so komisch fand, weil es in ihrem Zentrum eine Figur gab, die einnehmend ist - jemand über den und mit dem man lachen kann. Als ich die Filme jetzt alle wieder sah, bevor ich diesen Film machte, waren es die Figur Clouseau und Peter Sellers? Darstellung, kombiniert mit Blake Edwards? Gefühl für Timing und Rhythmus, die diese Filme so bezaubernd machten. Edwards wusste genau, wie er seinen Star noch größer machen konnte. Er hatte einen Weg gefunden, wirklich das Beste aus seinem Schauspieler, seinem Clouseau, heraus zu holen."

"Ich habe meinen Clouseau und der ist Steve Martin. Und ich hoffe, dass ich den Film und meinen Stil als Regisseur meinem Star auf den Leib geschneidert habe. Und vielleicht hatte ich das Glück, die besonderen Fähigkeiten meines Clouseau heraus zu arbeiten, wie es Blake Edwards mit seinem gelang."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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