Requiem

Ausführlicher Inhalt

Süddeutschland in den 70er Jahren, ein Dorf in der schwäbischen Provinz. Schwer atmend kämpft sich Michaela Klingler auf dem Fahrrad einen Hügel hinauf, um in einer kleinen Kapelle zu beten. Tatsächlich geht ihr Wunsch in Erfüllung. Zuhause findet sie im Briefkasten die Zulassung zur Universität Tübingen, wo sie sich für einen Studienplatz in Pädagogik beworben hat. Während sie in ihrem Vater Karl einen Verbündeten hat, der ihr den Rücken stärkt, sieht die besorgte Mutter Marianne dem Studium mit gemischten Gefühlen entgegen.

Sie hat Angst um ihre Tochter. Michaela ist Epileptikerin, war während ihrer Schulzeit oft krank und monatelang zur Behandlung in verschiedenen Krankenhäusern. Doch Michaela will endlich die ersten Schritte in ein eigenes Leben gehen und setzt sich durch. Voller Vorfreude bricht sie nach Tübingen auf und beginnt ihr Studium. Mit Hanna, einer Schulkameradin von früher, tut sich eine Welt auf, die für Michaela neu ist. Das streng katholische Elternhaus rückt in weite Ferne.

Als Michaela an einem Wochenende nach Hause fährt, um mit ihrer Familie an einer Wallfahrt zu einem norditalienischen Pilgerort teilzunehmen, bricht sie zusammen. Sie versucht verzweifelt einen Rosenkranz zu berühren, aber es gelingt ihr nicht. Ihr Vater findet sie bewusstlos und Michaela bittet ihn, diesen Vorfall zu verschweigen. "Hast du deine Tabletten genommen?", fragt Karl. Michaela nickt. Sie kann sich selbst nicht erklären, was passiert ist.

Wieder in Tübingen stürzt sich Michaela in die Arbeit und ins Leben. Auf einer Party an der Universität verliebt sie sich in Stefan, einen jungen Chemiestudenten. Michaela tanzt, flirtet, erlebt die aufregende Zeit der ersten Küsse und Berührungen ? doch das Glück währt nicht lange. Als Hanna sie eines Morgens zwischen umgestoßenen Möbeln im Zimmer ihres Studentenwohnheims findet, kann Michaela der Freundin ihre Krankheitsgeschichte nicht länger verbergen. Michaela lässt sich missmutig von Hanna das Versprechen abringen, dass sie zu einem Arzt gehen wird. Im Gegenzug verlangt sie von ihrer Freundin, Stillschweigen über den Zusammenbruch zu bewahren. Jegliches Zeichen von Schwäche würde eine sichere Rückkehr ins Haus der Eltern bedeuten.

Was Michaela vor Hanna verbirgt, ist ihre Verzweiflung. Sie ist sich sicher, dass dies kein epileptischer Anfall war und sucht dort Hilfe, wo sie es gewohnt ist, Schutz und Unterstützung zu finden: In der Kirche ihres Heimatortes schildert sie ihre Erlebnisse Pfarrer Landauer. Sie habe Dämonen gesehen und deren Stimmen gehört.

Unverstanden von Landauer, der nicht an Teufel und Fratzen glauben kann, nimmt Michaela in Tübingen die ersten Arzttermine wahr und bekommt stärkere Tabletten gegen ihre Epilepsie verordnet. Gleichzeitig flüchtet sie sich in die Arbeit für ihr Studium und genießt die Zeit mit Stefan, dem sie die Krankheit und die Zusammenbrüche verschweigt. Ihre erste Liebe soll durch nichts getrübt werden. Doch Pfarrer Landauer hat das Gespräch mit Michaela keine Ruhe gelassen. Er sucht Michaela in Tübingen auf und bringt in Pfarrer Borchert einen jungen Kollegen mit, der vielleicht einen besseren Draht zu Michaela finden kann. Nach anfänglichem Misstrauen lässt sich Michaela auf ein langes Gespräch mit dem engagierten Priester ein. Im Gebet gewinnt Borchert Michaelas Vertrauen. Er glaubt ihr und stärkt sie in der Ansicht, dass es Dinge gibt, gegen die die Naturwissenschaften machtlos sind. Sie solle in die Kraft des Gebetes vertrauen. Das Treffen mit dem Pfarrer beflügelt Michaela. Es gelingt ihr auch die Sorgen ihres Vaters zu zerstreuen, der sie unerwartet in Tübingen besucht, weil er von ihren Arztterminen erfahren hat. "Wir sind doch alle in Gottes Hand.", sagt sie und umarmt ihn. Es ist kurz vor Weihnachten, sie hat einen Freund und eine beste Freundin, ihr gefällt ihr Studium und guter Dinge fährt sie über die Feiertage nach Hause.

Doch an Heiligabend kommt es zum offenen Streit. Michaela hat sich in Tübingen neu eingekleidet, aber Marianne hat die hohen Stiefel und den kurzen Rock heimlich in die Mülltonne geworfen. Hinter der harten Fassade der Mutter, steckt der Wunsch, ihre Tochter nicht loslassen zu wollen. "Hast du dir denn jemals überlegt, was ich will?", schreit Michaela sie an. Marianne antwortet mit einer Ohrfeige. Nur Karls Eingreifen kann eine handgreifliche Auseinandersetzung zwischen Mutter und Tochter verhindern. Bei der nächtlichen Christmette ist Michaela noch immer gekränkt und aufgewühlt und stürmt während des Gottesdienstes aus der Kirche. Zuhause angekommen, flüchtet sich Michaela auf ihr Zimmer. Sie versucht sich zu wehren, doch gegen die Kraft der aufsteigenden Stimmen und Bilder, die sie sieht, ist Michaela machtlos. Sie windet sich auf dem Fußboden, taumelt, versucht gegen die Stimmen in ihrem Kopf anzubeten und den Rosenkranz festzuhalten, doch dieses Mal verliert sie komplett die Kontrolle über sich. Die nach Hause kommenden Eltern finden ihre schreiende und verstörte Tochter am Boden kauernd vor, die Kette des Rosenkranzes ist zerrissen und die Perlen liegen achtlos im verwüsteten Zimmer herum.

Am nächsten Morgen fährt Karl seine Tochter heimlich zu Pfarrer Borchert, den Michaela um Hilfe bittet. Sie fordert Borchert auf, er solle endlich etwas tun. Er will mit Michaela beten, doch Michaela weist ihn zurück, seine Gebete seien nutzlos und können ihr nicht helfen. Vielleicht sei alles eine Prüfung, spekuliert Borchert. Gott prüfe diejenigen, die er am meisten liebt. Schweren Herzens, die Worte des Priesters haben ihr nur wenig geholfen, fährt Michaela nach Tübingen. Sie lässt die besorgten und ratlosen Eltern zurück, die sie am liebsten bei sich Zuhause behalten würden. Auch Hanna ist nach dem Weihnachtsfest eher ins Wohnheim zurückgekehrt, um ihren eigenen Familienproblemen zu entkommen. Sie freut sich auf ein mehrwöchiges Praktikum in Hamburg, doch Michaela hat Angst, ihre Freundin gehen zu lassen. Sie erzählt ihr, dass sie Stimmen hört, woraufhin Hanna ihre Freundin drängt, einen Psychiater aufzusuchen. Aber Michaela hat genug von den Ärzten und den vermeintlich guten Ratschlägen ihrer Freundin. Voller Sehnsucht nach Nähe, sucht sie Stefan auf und die beiden verbringen ihre erste gemeinsame Nacht.

Über den Jahreswechsel ringt Michaela allein mit einer Seminararbeit. Abgeschottet von der Außenwelt quält sie sich tagelang mit einem Text, den sie in den ersten Tagen des neuen Jahres abgeben soll. Sie begreift die Arbeit als die Prüfung, von der Borchert gesprochen hat. Wenn es ihr gelingt, den Text zu schreiben, dann gibt es doch noch eine Perspektive für ihr Leben in Tübingen. Aber sich zu konzentrieren fällt ihr schwer, sie scheitert an den einfachsten Dingen. Sie verflucht das Kreuz an der Wand. "Lass mich doch wenigstens diese Scheißarbeit hinkriegen!" Schließlich bittet sie den ahnungslosen Stefan ihr zu helfen. Als er die Arbeit nach zwei langen, schlaflosen Nächten fertig geschrieben hat, will Michaela feiern. Sie hat die Arbeit in ihren Händen, die Prüfung ist scheinbar bestanden. Auf der Tanzfläche verliert sich Michaela in einem ekstatischen Tanz. Stefan ist von dem extremen Verhalten seiner Freundin verstört, drängt sie zu einer Erklärung, doch Michaela will sich ihm nicht offenbaren. Zu groß ist ihre Angst, ihn zu verlieren, obwohl er sich durch ihre Verschlossenheit schon immer mehr von ihr entfernt.

Am nächsten Morgen kommen Michaelas Eltern mit den Pfarrern Landauer und Borchert ins Wohnheim. Offenbar haben die Pfarrer sich mit den Eltern in Verbindung gesetzt. Michaela reagiert abweisend und misstrauisch auf den überraschenden Besuch, auf keinen Fall will sie, dass ihre Eltern etwas von dem mitbekommen, was sie umtreibt. Pfarrer Borchert möchte mit Michaela ein gemeinsames Gebet sprechen, doch panisch weicht Michaela vor dem Pfarrer zurück. Sie will nicht beten, sie befürchtet, die Stimmen würden zurückkommen. Für Borchert ist dies ein sicheres Zeichen. Wenn das Mädchen die Wahrheit sagt, dann sei ihr durch einen Exorzismus zu helfen. Der verzweifelte Vater setzt der aufgebrachten Diskussion ein Ende. Er will solche Worte nicht hören. Im Wissen darum, wie sehr sie sich dieses Studium wünscht, appelliert er an seine Tochter, dass dies alles nicht wahr sein kann und nötigt die Besucher zu gehen.

Doch Michaelas Zustand bessert sich nicht. Inzwischen hat sie immer mehr an Gewicht verloren. Als Hanna aus Hamburg zurückkehrt und ihre veränderte Freundin wiedertrifft, wird ihr klar, dass Michaela nur noch in der Psychiatrie zu helfen ist. Als sie auch Stefan einweiht, kommt es zu einer Auseinandersetzung, bei der Michaela die beiden zu überzeugen versucht, dass sie etwas habe, wobei ihr die Ärzte nicht helfen können. Sie versucht das Kruzifix an der Wand zu berühren, doch es gelingt ihr nicht.

Statt sie wie geplant in die Psychiatrie zu bringen, fährt Stefan Michaela nach Hause. Die Eltern wissen keinen anderen Rat, der zunehmend ausfallenden und aggressiven Tochter zu helfen, als die Priester zu verständigen. Nach einem gemeinsamen Gebet stimmt Michaela schließlich einem Exorzismus zu, der im Hause der Eltern durchgeführt wird. Doch da die Dämonen nicht ausfahren, beschließt Pfarrer Borchert am nächsten Tag wiederzukommen. Vielleicht leide sie für einen höheren Sinn und Zweck, befürchtet Michaela, dann sei es eine Sühnebesessenheit und die Dämonen würden niemals ausfahren.

Kurz darauf steht Hanna vor der Tür des Elternhauses und kämpft darum, zu ihrer Freundin vorgelassen zu werden. Gemeinsam unternehmen sie einen Ausflug. Hanna versucht Michaela abseits ihres Elternhauses zu erreichen. Sie versucht, ihrer Freundin gut zuzureden und sie dazu zu bringen, ärztliche Hilfe zu aufzusuchen. Wenn nichts in ihr sei, was man austreiben könne, was werde man dann austreiben? Doch Michaela lässt sich nicht umstimmen. Sie bittet Hanna, sie wieder nach Hause zurückzubringen.

Nach einer Serie von mehreren Dutzend Exorzismen stirbt Michaela an Entkräftung im Haus ihrer Eltern.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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