Good Night, And Good Luck

Ausführlicher Inhalt

Im Jahr 1953 steckt das Fernsehen in Amerika noch in seinen Kinderschuhen. Der erfolgreiche und engagierte TV-Journalist Edward R. Murrow (David Strathairn), der das Reporterhandwerk noch beim Radio gelernt hat, moderiert "See it Now", das populäre Nachrichtenmagazin auf CBS. Murrow präsentiert in der Sendung brisante Reportagen zu aktuellen Themen, und wird dabei inhaltlich wie menschlich unterstützt von seinem Produzenten Fred Friendly (George Clooney). Zum Geldverdienen ist Murrow zudem Gastgeber der Klatsch-Talkshow "Person to Person". "See it Now" jedoch ist sein Leben.

Der CBS-Newsroom ist ein Ort ständiger Hektik, mit tippenden Sekretärinnen, ununterbrochen sprudelnden AP- und UP-Tickern und geschäftig herumwuselnden Journalisten und Kamerateams. Murrow steht ein engagiertes Reporterteam zur Seite, darunter Don Hewitt (Grant Heslov), Joe Wershba (Robert Downey Jr.), Palmer Williams (Tom McCarthy), Jesse Zousmer (Tate Donovan), John Aaron (Reed Diamond), Charlie Mack (Robert John Burke) und Eddie Scott (Matt Ross). Alle diese Männer stehen ganz am Anfang ihrer Karriere in diesem noch unerforschten Medium. Sie treffen sich zu täglichen Konferenzen, um die Themen potenzieller Beiträge zu diskutieren und schwärmen aus, um Geschichten zu recherchieren und mit Interviews und Bildern in die Redaktion zurückzukehren. Keiner von ihnen ahnt, dass sie einmal Fernseh-Legenden sein werden, deren Arbeit noch Jahrzehnte später Vorbild für Journalisten in aller Welt ist.

Eine von Murrows Geschichten ist die des Navy-Piloten Milo Radulovich, der als "Sicherheitsrisiko" aus der Marine entlassen wurde. Ohne Verfahren schuldig gesprochen, verlangte man von ihm zudem, seinen Vater und seine Schwester zu denunzieren, aber er weigerte sich. Alle Anklagepunkte gegen ihn wurden geheim gehalten. Murrow berichtet in seiner Sendung darüber ? gegen den Widerstand seines Vorgesetzten Sig Mickelson (Jeff Daniels), der Nummer 2 bei CBS, der fürchtet, die erfolgreiche Sendung könnte in unruhiges Fahrwasser geraten und die Sponsoren irritieren. Murrow und Friendly fühlen sich ihrem Programm so verpflichtet, dass sie sogar erwägen, die ausgebliebenen Werbeerlöse aus eigener Tasche zu zahlen.

Junior-Senator Joseph McCarthy aus Wisconsin ist zu der Zeit ein einflussreicher Politiker. Als Vorsitzender des Government Operations Committee (GOC) hat er innerhalb der Regierung, der Verwaltung und der Army einen gnadenlosen Kreuzzug begonnen, um die Nation ein für alle Mal von Kommunisten zu befreien. Seine schonungslose Jagd auf jeden, den er verdächtigt, Kontakte zur Kommunistischen Partei zu haben, hat in der Bevölkerung ein Klima der Angst und Paranoia verbreitet. Sein Einfluss auf die Öffentlichkeit ist so stark, dass viele Menschen ? darunter hochrangige Politiker, Militärs und Kreative Hollywoods ebenso, wie Durchschnittsbürger ? ihre Arbeit verlieren und aufgrund der Attacken ins Exil gehen.

Murrow hegt den Verdacht, dass Radulovichs Entlassung durch genau dieses Klima ausgelöst wurde und befürchtet, dass McCarthys ? teilweise im Fernsehen übertragenen ? theatralische Anhörungen und ätzende Propagandaauftritte die Tatsache verschleiern sollen, dass er keine wirklichen Beweise hat und alles daran setzt, die bürgerlichen Freiheiten der Menschen auszuhöhlen. Die "See it Now"-Sendung mit der Radulovich-Reportage provoziert McCarthy. Selbstverständlich überzieht der nun Murrow mit dem Vorwurf, selbst Sympathisant der Kommunisten zu sein. Doch, wie üblich, bemüht er sich nicht einmal, seine Behauptungen zu beweisen.

McCarthys propagandistische Attacke mobilisiert den Kampfgeist des Teams, das umso genauer weiter recherchiert. Nach einem Treffen mit William Paley (Frank Langella), einem CBS-Boss, der ihm immer den Rücken gestärkt hat, ihn aber jetzt sehr deutlich auf seine persönliche Verantwortung hinweist, entschließt sich Murrow, weiter zu kämpfen und die Widersprüchlichkeiten und Lügen der McCarthy-Hearings offen zu legen. Er ist jetzt auf sich selbst gestellt und es gibt eine Menge zu verlieren ? letztlich könnte seine Arbeit den Sender in größte Schwierigkeiten bringen. Er mußs 150%tig sauber recherchieren und sicherstellen, dass niemand aus seinem Team irgendwelche Verbindungen zu Kommunisten hat, die McCarthy gegen sie ausspielen könnte.

Die McCarthy-Sendung wird ausgestrahlt und Murrows Moderation ist brillant. Es gelingt ihm, die manipulativen Praktiken der McCarthy-Befragungen offen zu legen. Er verweist darauf, dass unterschiedliche Meinung nicht per se mangelnde Loyalität bedeutet, Anklage kein Beweis ist, Verurteilung jedoch auf Beweisen und Gerichtsverhandlungen beruhen mußs ? und schließlich, dass die USA, die im Ausland Freiheit verbreiten wollen, sie nicht gleichzeitig im eigenen Land unterbinden können. McCarthy wird ausschließlich im Kontext seiner eigenen demagogischen Reden zitiert, die allesamt Murrows Thesen bestätigen. Kritiker bejubeln dies als ein Meisterwerk investigativen Journalismus? und feiern Murrows Mut und Verantwortungsbewusstsein, das im Fernsehen seinesgleichen sucht. Erstmal ist die Öffentlichkeit über McCarthys Praktiken informiert und Murrow kann sich in Sicherheit wiegen.

Plötzlich wird Radulovich wieder eingestellt und Murrows Leute haben Grund, zu feiern. Doch McCarthys Hearings dauern an. Weiterhin werden Leute mit Anschuldigungen überzogen, die auf reinem Hörensagen oder puren Behauptungen beruhen. "See it Now" berichtet über die Befragung von Annie Lee Moss, bei der Senator McClellan von McCarthy und seinem Mitarbeiter Roy Cohn verlangt, ihm belastende Beweise zu liefern, die gegen sie erhoben werden. Die Öffentlichkeit erfährt, wie geheimnistuerisch, dürftig und unhaltbar die Anschuldigungen sind.

Murrow lädt McCarthy ein, in seiner Sendung Stellung zu beziehen. Der Senator willigt ein, fordert aber eine längere Vorbereitungszeit. Schließlich wird der Beitrag ausgestrahlt, aber, wie vorherzusehen war, beschuldigt er Murrow weiterhin, Verbindungen zu Kommunisten zu haben ? ohne auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe mit einem Wort einzugehen. Murrow kommentiert McCarthys Auftritt erst in der nächsten Sendung. Erneut beteuert er, keinerlei Kontakt zur Kommunistischen Partei zu haben. Ihm gehe es einzig um die Wahrheit ? auch wenn er dadurch bei McCarthy in Verdacht gerate. Wieder bezieht der Senator Prügel von Seiten der Presse und sieht seine Umfragewerte zugunsten Murrows schwinden. Auch der Senat beginnt, McCarthys Aktivitäten genauer zu untersuchen. Er weist den verbohrten Senator in seine Schranken und wählt ihn schließlich als Vorsitzenden des Kommittees ab.

Für Murrow definierte sich der Erfolg der CBS durch die Nachrichtenkompetenz des Senders und nicht zuletzt durch seine Sendung. Doch sein Magazin verliert seinen angestammten Sendeplatz, wird auf den Sonntag verlegt und nur noch fünf Mal ausgestrahlt. CBS-Mann Paley ist überzeugt, dass sich der Publikumsgeschmack verändert hat und die Zuschauer von ihrem Fernsehsender in erster Linie Unterhaltungprogramme erwarten. Doch das Vermächtnis der Murrow?schen Sendung ist es, dem investigativen Journalismus bahnbrechende Arbeit geleistet zu haben. Ob es um Enthüllungen zu Themen wie Rassentrennung, Apartheid, die Ausbeutung von Immigranten oder den berühmten Konflikt mit Senator Joe McCarthy geht ? Edward R. Murrow hat Generationen von Journalisten beeinflusst.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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