Dreamer - Ein Traum wird wahr

Produktionsnotizen

Gatter auf! "In DREAMER geht es um Träume", erklärt Regisseur John Garins. "Der Film handelt von den Träumen eines jungen Mädchens, das ihren Vater liebt, von den Träumen einer Familie, die schwere Zeiten erlebt hat, und von ihrem gemeinsam Traum für ein ungewöhnliches Pferd."

"Alle Figuren träumen von verschiedenen Dingen", ergänzt Dakota Fanning, die die Rolle von Cale Crane spielt. Cale ist ein kleines Mädchen, das mit ihrem unbeirrbaren Glauben an ein verletztes Rennpferd einen Traum wahr werden lässt. "Cale träumt davon, zusammen mit ihrem Vater immer mit Pferden zu tun zu haben, davon, wie ihr Pferd Sonya zum Sieg galoppiert und vor allem davon, ihrer Familie zu helfen."

Sonyas vollständiger Name lautet Soñador, die spanische Bedeutung von "Träumer". Es ist Cales Vertrauen in Sonya, das ihren Vater dazu bringt, wider besseres Wissen alles, was er hat, darin zu investieren, das verletzte Pferd gesund zu pflegen. Kurt Russell, der Cales Vater Ben Crane spielt, sagt: "Ich glaube, die Pflege des Pferdes bringt die Familie zusammen ? besonders Vater und Tochter. Cales Liebe zu Soñador lehrt Ben, was ihm bei seiner Arbeit, dem Training von Pferden, gefehlt hat. Klarer Fall: Ben hat seine Fähigkeit zu träumen verloren, aber indem er seine Tochter ihren Traum leben lässt, findet er auch seinen eigenen wieder."

John Gatins, Sohn eines mittlerweile pensionierten New Yorker Polizisten, mußste beim Schreiben des Drehbuchs an die Ereignisse vom 11. September denken, und erklärt, dass er in der Welt nach 9/11 "ein Stück Amerikana zeigen wollte, nämlich Pferderennen. Im Mittelpunkt dieser Idee stand der erfolglose Pferdetrainer, der dank Soñador eine letzte Chance bekommt."

Gatins hat Drehbücher über Football, Basketball und Baseball geschrieben, aber obwohl DREAMER sein erster Film über Pferderennen ist, erklärt er, dass seine Kindheit immer mit Pferden und Pferderennen zu tun hatte. "Ich wuchs in der Nähe der Roosevelt Gestüte in New York auf. Ich sah sie immer auf dem Weg zur Schule. Ich war gerade mal zehn, als ich zum ersten Mal auf die Rennbahn ging. Ich scherze immer, dass diesem Film sehr umfangreiche Recherchen vorangegangen sind, weil ich seit so vielen Jahren ein großer Fan von Pferderennen bin."

Er führt fort: "Die New Yorker Renn-Zeitungen schreiben wirklich ganz erstaunlich und elegant über Pferderennen und Pferde - als würden sie über Boxer oder Football-Spieler schreiben. Sie behandeln sie wie Persönlichkeiten. So waren sie für mich fast wirkliche Charaktere. Ich dachte, es wäre toll, einen Film über einen dieser Charaktere zu machen. Ich begann, zu Rennen zu gehen und die verschiedenen Pferde und ihre Karrieren wie Athleten zu verfolgen, wenn sie anfingen, um die Pokale, die großen Rennen, die Klassiker zu laufen. Diese Pferde werden zu Superathleten herangezüchtet. Es ist doch bemerkenswert, dass zwei Pferde dieselben Blutlinien und dieselbe Statur haben können, aber nur eines von beiden das nötige Herz und die Energie."

Dabei ginge es aber nicht nur darum, Rennen zu gewinnen. Gatins bestätigt: "Als Fan von Pferderennen habe ich ganz erstaunliche Geschichten über Pferde gehört, die sich nach Verletzungen, die eigentlich ihre Karrieren hätten beenden müssen, wieder erholt haben. Mariah´s Storm ist eine von diesen Geschichte, die sich mir wirklich eingeprägt haben."

Mariah´s Storm war ein viel versprechendes Fohlen, das schnell Punkte sammelte und schließlich sogar Favorit bei den Wetten beim Breeders' Cup 1993 war. Dann aber brach sie sich plötzlich beim Alcibiades Stakes ihr linkes, vorderes Sprungbein. So eine ernsthafte Verletzung würde normalerweise jede Renn-Karriere beenden, aber die Besitzer von Mariah´s Storm und ihre Trainer haben den Glauben in sie nicht verloren. Mit Geduld und viel Pflege konnte die Fraktur schließlich heilen, aber die Frage, ob sie jemals wieder an Rennen teilnehmen würde, blieb zunächst unbeantwortet.

Aber dann geschah das Wunder: Im September 1993, kurz vor ihrer Verletzung, hatte Mariah´s Storm den Arlington-Washington Lassie gewonnen, ein Rennen der Kategorie 2 für zweijährige Pferde. Nach ihrer Genesung im August 1994 kehrte sie zurück, um beim Arlington Heights Oaks in der Kategorie 3 für Dreijährige zu gewinnen. Im September des folgenden Jahres gewann sie, erneut gegen alle Voraussagen, das Arlington Matron Handicap, ein Rennen der Kategorie 3 für dreijährige und ältere Stuten, und wurde damit das einzige Pferd, das jemals drei Dreier-Rennen in ihrer Altersklasse in Arlington gewonnen hat. Ihre Leistung war so unvorhersehbar, dass mittlerweile ein Rennen im Arlington Park nach ihr benannt ist: Mariah's Storm Stakes. 1995 gewann Mariah's Storm außerdem den Turfway Breeders' Cup und besiegte die Favoritin, Serena's Song.

An Mariah's Storms Fähigkeiten bleiben auch rückblickend keine Zweifel, wenn man sich ihre Nachfahren betrachtet. Sie hat mehrere Rennchampions geboren, der berühmteste darunter ist Giant's Causeway, das Pferd des Jahres 2000, Vater von Noble Causeway, der gerade, in diesem Jahr, das Kentucky Derby und Preakness gewonnen hat.

... und Zügel los! Auch das Casting für DREAMER entpuppte sich für Gatins als echter, wahr gewordener Traum. "Es war eine irrsinnige Erfahrung, all die Figuren, die ich erfunden hatte, zum Leben zu erwecken, als die Schauspieler ans Set kamen", schwärmt er. "Ich sah mich um und dachte: ?Ich habe sie geschrieben, und jetzt sind sie hier.' Das war irre."

Gatins gibt zu, dass sich die Figuren, die er ursprünglich vor Augen hatte, im Laufe des Castings verändert haben. "Ursprünglich hatte ich drei männliche Rollen geschrieben ? den Großvater, den Vater und den Sohn. Dann sah ich Dakota Fanning in Mann unter Feuer (2004) und war hingerissen von ihr. Ich wusste, dass sie toll sein würde, also verwandelte ich den Sohn in eine Tochter, und war begeistert, als sie die Rolle annahm. Dann bekamen wir Kurt Russell als Vater und Kris Kristofferson als Großvater Pop Crane. Von hier an fiel uns alles in den Schoß, so dass wir am Ende einen außergewöhnlichen Cast zusammen hatten. Es hat so viel Spaß gemacht, mit Schauspielern zu arbeiten, die so gut sind, so vielseitig, und so hervorragende Improvisationsfähigkeiten haben. Denn wenn man mit Pferden arbeitet, kann alles passieren."

Als Gatins Kurt Russell die Rolle von Ben Crane anbot, war Russell angetan davon, wie der Autor und Regisseur über seinen Film und seine Story redete. "Es klang nach einer starken Story über die Träume, die wir alle haben, und darüber, wie und ob wir sie verwirklichen. Was ich ganz besonders an diesem Film mochte, ist die komplexe Generationen-Geschichte. Diese Leute sind Pferdenarren aus Kentucky ? Pferde sind ihr Leben. Die Arbeit mit Pferden wurde vom Großvater, Pop, an den Vater, Ben, und nun an seine Tochter Cale weitergegeben. Im Film versucht Cale, ihrem Vater näher zu kommen, aber erst, als das Pferd Soñador in das Leben der Familie tritt, können alte Wunden zwischen den Familienmitgliedern heilen und neue Beziehungen wachsen."

Kaum am Set, stellte Russell fest, dass eines der größten Vergnügen an DREAMER die Arbeit mit Dakota Fanning werden würde. "Dakota ist eine der besten Schauspielerinnen, mit denen ich jemals arbeiten durfte. Sie ist ein spektakuläres und einzigartiges Talent. Es war mir eine Ehre, mit ihr zu arbeiten. Sie ist so gut!"

Die junge Dakota Fanning ist eine großartige Schauspielerin, die sich für ihre Rolle zunächst einmal ins Lernen stürzte. Fanning erzählt: "Cale ist in Lexington, Kentucky aufgewachsen ? der Pferdehauptstadt der Welt. Aber sie hatte nie selbst mit Pferderennen zu tun, und sie hat nur den Wunsch, mit ihrem Dad an dieser Welt teilzuhaben. Ich war nie so viel mit Pferden zusammen, deshalb war ich glücklich darüber, so lange vor den Dreharbeiten mit den Vollblütern und den anderen Pferden üben zu können. Ich fand es toll, all ihre Namen zu kennen, ihre Farben, ihre Strümpfe, ihre Sterne und ihre Blessen. Je mehr ich gelernt habe, um so mehr wollte ich wissen. Ich habe auch alles über Sättel gelernt, über Zaumzeug und Halfter."

Fanning erzählt, wie aufregend es für sie war, selbst im Sattel zu sitzen. "Ich habe das Reiten auf einem Pferd namens Pablo gelernt, meinem Lieblingspferd. Im Film reite ich Harbor Mist, eines der Pferde, das Soñador spielt. Er ist sehr schön, und es hat Spaß gemacht, ihn zu reiten."

Mittlerweile teilt Fanning die große Liebe ihrer Figur zu allem, was mit Pferden zu tun hat. "Jetzt liebe ich Pferde", begeistert sie sich. "Sie sind so schön, und ich liebe es einfach, sie beim Rennen zu beobachten." Fannings Liebe zu Pferden endete nicht mit den Dreharbeiten zu DREAMER. Sie erzählt, dass sie nach Abschluss der Produktion unbedingt ein eigenes Pferd kaufen wollte ? ein Palomino-Pferd. Am Ende stellte schließlich Russell seinem Kostar einen wunderschönen vierteljährigen Palomino vor, den sie sofort Goldie nannte.

"Es gibt niemanden wie Dakota", bestätigt Produzent Mike Tollin. "Da ist ein junges Mädchen, das dem Publikum weismachen soll, dass es Besitzerin dieses Pferdes sein könnte. Du erfährst, dass ihre Figur, Cale, seit Jahren von ihrem Großvater Pop Crane in Sachen Pferderennen unterrichtet wurde. Dakota hat nicht einfach nur den Umgang mit den Pferden gelernt, sondern auch die Geschichte. Sie könnte Fakten und Namen der Triple Crown Races und Breeders' Cup Classics zitieren. Es war toll zu sehen, wie sie zur jungen Reiterin heranwächst. Sie ist spektakulär."

Im Gegensatz dazu hat Kurt Russell sein ganzes Leben lang Pferde besessen. Während er also in dieser Hinsicht Ähnlichkeiten zu seiner Figur feststellen konnte, findet er, dass Ben Crane eine ganz bestimmte Eigenschaft im Umgang mit Soñador und Cale fehlt. "Ich glaube, im Film fehlt Ben das Vertrauen. Er geht sehr geschäftsorientiert mit Soñador um, während sich seine Tochter in sie verliebt. Und das Pferd fühlt diese Liebe. Ich habe mich sehr viel mit Trainern unterhalten, und sie sagen alle, dass es um die Beziehung geht. Einige Pferde wollen für dich laufen, andere wird das nie interessieren. Einige Pferde wissen nicht, wie man diese Beziehung entwickelt, und einige Trainer wissen nicht, wie man sie findet. Es gibt Millionen von Varianten ? was ja auch das Faszinierende daran ist."

Im Film kennt Ben Crane all diese Varianten des Pferdetrainings. Was ihm fehlt, ist das Verständnis für die Kommunikation mit seiner Tochter. Er ist ebenso unfähig, die Kluft zu verkleinern, die zwischen ihm und seinem eigenen Vater seit Jahren existiert. In Wahrheit weiß keiner der zwei Sturköpfe, wie man diese Kluft überbrücken soll.

Kris Kristofferson übernahm die Rolle des Pop Crane, aber nicht einmal Gatins ahnte, wie perfekt Kristofferson diese ausfüllen würde, bis er es Russell gegenüber erwähnte. Der Schauspieler lachte und sagte: "Mein ganzes Leben lang haben mir Leute schon gesagt, dass ich wie er aussehe."

Kristoffersons Reaktion war ähnlich: "Ich dachte, das könnte ja interessant werden, endlich mal Kurts Vater zu spielen, weil mir schon so viele gesagt haben, wir würden uns ähneln."

Gatins bestätigt: "Als wir Kurt und Kris zum ersten Mal im selben Bildausschnitt sahen, schauten wir uns nur an und sagten: ,Warum hat das noch niemand vorher gemacht?'"

Kristofferson bemerkt, dass die Familienähnlichkeit nicht das Einzige war, das ihn an der Rolle des Pop reizte. "Mir gefiel das Drehbuch. Ich finde, es hat viel Herz, und ich mag die Beziehung zwischen Pop und seiner Enkelin. Und ich liebe Pferde, also gefiel es mir natürlich, dass es die gemeinsame Heilung von Sonya ist, die Pops Beziehung zu seinem Sohn ebenfalls heilt. Am Anfang sagt ihm Pop, dass er das Pferd fallen lassen soll, aber Bens Entschluss, Sonya zu pflegen, endet damit, dass sein Vater sehr stolz auf ihn ist."

Die Kluft zwischen Pop und Ben Crane ist nicht der einzige Generationskonflikt in der Familie. Bens Ehefrau und Cales Mutter, Lily Crane, hofft, dass Soñadors Einzug in den leeren Stall der Cranes die Verbindung zwischen Ben und Cale fördern könnte, was ihre Tochter sich so sehr ersehnt. Elisabeth Shue, die die Rolle der Lily übernahm, erklärt: "Ein Ziel meiner Figur ist der Zusammenhalt meiner Familie und Ben dazu zu bringen, Cale so zu lieben, wie sie es sich wünscht. Lily ist so aufgeregt, als Sonya kommt, weil sie weiß, wie sie Cale berühren wird ? wie sehr sie das Pferd liebt und wie es ihre Beziehung zu ihrem Vater verändern wird, weil die Familie mehr Zeit zusammen verbringen wird."

Shue erinnert sich: "Am meisten mochte ich am Drehbuch, dass es darum geht, wie eine Familie harte Zeiten übersteht und wie die Familienmitglieder durch die Hoffnungen und Träume, die sie ? in diesem Fall für ein Pferd ? teilen, wieder zusammen finden. Sie müssen sich ihren Ängsten als Familie stellen und gemeinsam ihre Probleme lösen, und dabei geht es mal nicht darum, wie viel Geld man hat oder welche Kleidung man trägt. Es geht darum, wie sehr man seine Familie liebt." Die Pferderanch der Cranes ist das Zuhause weiterer "Familienangehöriger", die ihre Zukunft in den Dienst der Heilung von Soñador stellen: Balon, der Stallbursche und erfahrene Reiter, und Manolin, der ausgebildete Jockey, der selbst um seinen Traum fürchtet, jemals wieder auf die Rennstrecke zurück kehren zu können.

Manolin wird von Freddy Rodriguez gespielt. "Manolin hatte am Anfang seiner Karriere einen ziemlich schlimmen Unfall", erzählt Rodriguez. "Er war selbst gezwungen, das Rennen aufzugeben. Er ließ sich gehen, nahm an Gewicht zu, und während Sonyas Genesung rehabilitiert sich auch Manolin. Er trainiert sich den Arsch ab. Man steht schwer unter Druck, wenn man nach so langer Zeit wieder am Breeders' Cup teilnimmt. Es ist eine lange Strecke, aber er ist entschlossen, die Herausforderung anzunehmen." Nicht nur seine Figur trainiert. Rodriguez selbst trainierte wochenlang, um natürlich im Sattel auszusehen. "Ich fühlte mich wie in einer Jockey-Schule. Ich habe sehr viel recherchiert und hing mit echten Jockeys ab. Ich wollte alles in mich aufsaugen, aber ich hatte nicht gedacht, wie hart es ist, in diesem Sattel zu sitzen und diese Position mit den hohen Steigbügeln zu halten. Meine Knie waren in dieser unangenehmen V-Position, und meine Bänder wurden gedehnt wie sie noch nie zuvor gedehnt worden waren", lacht er. "Es war mörderisch für meinen Körper. Ich spürte Muskeln, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie habe."

Balon wird von Luis Guzmán gespielt, der bereits Erfahrungen mit Pferden hatte. Trotzdem war er der Meinung, dass er noch ein paar Dinge über die Schönheit des "Sports der Könige" zu lernen hatte. "Ich war total aufgeregt, als ich das Drehbuch bekam, weil es ein Pferdefilm ist, und ein cooler dazu, wie ich finde. Ich habe selbst Pferde zu Hause in Vermont, aber ich habe trotzdem viel über Pferde und Pferderennen dazu gelernt. Früher habe ich bei Rennen nur die Pferde laufen gesehen. Nach diesem Film sehe ich, wie der Jockey das Pferd wortwörtlich antreibt. Ich habe ein besseres Verständnis dafür, worum es beim Pferderennen wirklich geht. Ich mochte auch die restliche Story. Es geht um ein Pferd, das am Boden ist, aber das, was mit ihm passiert, könnte auch auf jedes menschliche Wesen übertragen werden. Gemeinsam daran zu arbeiten, dass sie wieder auf ihre Füße kommt ? dabei kann man nicht vorhersagen, was genau passieren wird, aber man weiß, dass das Ergebnis gewaltig sein könnte."

Das Ergebnis im Fall der Crane-Familie ist zum einen eine verpasste Gelegenheit für Bens ehemaligen Boss, Everett Palmer, der Sonya Ben übergeben hat, in der Annahme, dass sie wegen ihres gebrochenen Beines wertlos sei. Im Film ist es Palmer, der Bens Situation am besten zusammenfasst ? mit den folgenden Worten: "Der beste Reiter mit dem schlechtesten Glück". David Morse, der Palmer spielt, glaubt, dass diese möglicherweise Palmers eigene Ängste zeigen. "Palmer ist ein Mann, der von dem verfolgt wird, was er nicht hat, nämlich Bens Instinkte, obwohl er das niemals zugeben würde. Er glaubt, dass es keinen Weg gibt, dass dieses Pferd jemals wieder ein Rennen laufen wird, geschweige denn einen Breeders' Cup gewinnen könnte. Aber in seinem tiefsten Inneren hat er Angst, dass Ben ihn doch noch vom Gegenteil überzeugen könnte."

Pferd und Reiter Schwieriger war das Casting der Pferde, die die zentrale Rolle der Soñador spielen würden. Der Chef-Cowboy der Produktion, Rusty Hendrickson, und Pferdetrainer Rex Peterson arbeiteten gemeinsam daran, das richtige Pferd für jede Szene zu finden. Hendrickson erzählt: "Die Pferdeheldin Soñador wurde von fünf Hauptpferden gespielt, die alle verschiedene Talente haben. Wir hatten zwei richtige Rennpferde, drei Trickpferde und zwei weitere. Manche Bewegungen, die Soñador zeigen sollte, waren von bestimmten Pferden schwieriger zu verlangen. Manchmal mußste sie reagieren, sich zurückreißen, sich aufbäumen und in die Luft treten etc.. Wir benutzten ein Pferd für diese ganze Reihe von Aktionen. Daneben hatten wir die drei Hauptpferde: Sacrifice, Harbor Mist und Go John."

"Pferde sind so individuell wie Menschen", bestätigt Peterson. "Wenn ein Pferd in etwas gut ist, kann ein anderes das Gleiche noch lange nicht. Als ich mit dem Training begann, hatte ich mindestens drei Pferde für jede Sequenz im Film. Daraus wählte ich das Beste für die Szene am jeweiligen Tag aus, je nach dem, was der Regisseur brauchte."

Peterson arbeitete mit den verschiedenen Pferden an den Bewegungen, die die Rolle verlangte. Selbst so etwas scheinbar Simples, wie das Pferd dazu zu bringen, sich hinzulegen, erforderte viel Training. Peterson brachte einer der Soñadors auch bei, Cales Rucksack zu tragen, während eine andere lernte, Cale zu folgen, wohin auch immer sie "in Freiheit" ging. "Ein freies Pferd ist ein Pferd, zu dem ich keinen Kontakt mit Seilen, Gerten oder was auch immer habe. Es geht wohin ich es dirigiere, und tut das, wozu ich es auffordere ? und zwar nur aufgrund des Vertrauens, das es in mich hat." Die weitaus wichtigsten Handlungen, die von Soñador verlangt wurden, waren aber die auf der Rennstrecke. Ein Wallach namens Sacrifice übernahm den Part, bei dem Soñador in den Startboxen explodiert und losstürmt. Sacrifice ist ein ehemaliges Rennpferd, dessen Großvater der bekannte Mr. Prospector war, und das jetzt im Ruhestand auf einer Farm lebt.

Eine der größten Herausforderungen, die Soñador gestellt wurden, war allerdings eher die Unbeweglichkeit. Als Crane beschließt, die Pflege von Sonya zu übernehmen, ist das erste, was sie tun müssen, sie auf die Beine zu bekommen, nicht ohne ihr gebrochenes Bein von jeglichem Gewicht zu entlasten. Dafür legen sie ihr ein Geschirr an, das speziell dafür gemacht ist, große Tiere zu heben. Moderne Versionen solcher Vorrichtungen sieht man oft im Fernsehen, wenn große Tiere aus gefährlichen Situationen gerettet werden müssen. John Gatins vermutete, dass das Geschirr, das die Cranes verwendeten, älter sein würde, vielleicht aus der Ära von Pop Cranes Hochphase als Züchter und Trainer in den 1960ern oder 70ern. Nach der Vorlage eines von Hendrickson geliehenen Geschirrs fertige Requisiteur Guillaume Delouche eine älter aussehende Kopie an. Peterson brachte denn mehreren der Pferde bei, das Geschirr anzunehmen. Das Pferd, das es am Ende am besten akzeptierte, war Harbor Mist. Peterson brachte es tatsächlich fertig, allen Pferden das für jede Szene erforderliche Verhalten beizubringen ? außer einer Sache. "Soñador soll Schokoladenkuchen essen. Aber keines der Vollblüter wollte irgendetwas mit Schokoladenkuchen zu tun haben, sie rührten ihn unter keinen Umständen an. Schließlich fanden wir einen Vierteljährigen, der den Kuchen essen würde. Wenn man mir zu Beginn der Dreharbeiten gesagt hätte, dass Vollblüter keinen Kuchen essen, hätte ich es nicht geglaubt", lacht er.

Hendrickson und Peterson leiteten auch das Team, das sowohl Dakota Fanning als auch Freddy Rodriguez das Reiten von Null an angefangen beibrachten. "Oft ist das der beste Weg", erklärt Hendrickson, "weil man sozusagen auf einem ganz leeren Blatt Papier anfangen kann. Sowohl Dakota als auch Freddy machten sehr schnell Fortschritte."

Dakota begann mit dem Unterricht, als sie noch in Los Angeles war, unter der Ägide von Lisa Brown, die sich auf den Reitunterricht für Kinder spezialisiert hat. "Dakota entwickelte schnell eine Affinität für Pferde", berichtet Hendrickson. Kaum war sie in Kentucky, setzte sie den Unterricht mit Rex Peterson fort und kam schließlich so weit voran, dass wir sie auf Harbor Mist und ein paar der anderen Vollblüter setzen konnten. Natürlich mußsten wir für ein paar Szenen Stuntdoubles einsetzen ? es wäre sonst nicht besonders umsichtig gewesen ? aber es gibt viele Szenen, in denen Dakota selbst auf Soñador sitzt."

Freddy Rodriguez trainierte hauptsächlich mit Pferdekenner Mark Warrack, damit es so aussieht, als würde er schon seit Jahren reiten. Hendrickson bemerkt: "Wir brachten ihm die Grundlagen des Reitens bei, bevor wir ihn in den Sattel setzten. Nach und nach begannen wir, seine Steigbügel zu kürzen, bis er wirklich wie ein Jockey aussah. Schließlich galoppierte er auf dem Pferderücken auf der Rennstrecke, aber für die wirklichen Rennszenen brauchten wir ein mechanisches Pferd. Alles andere wäre für Freddy nicht sicher gewesen."

Um die Sicherheit der Schauspieler als auch der Pferde zu gewährleisten, arbeiteten Special Effects Supervisor Robert Vazquez und sein Team eng mit Bruce Larsen zusammen, der mechanische Pferde kreiert. Sie bauten eine ganze Reihe mechanischer "Stuntdoubles" für die Pferde.

Larsen studierte zahlreiche Pferdefilme, um die Bewegungen ganz genau einzufangen, insbesondere die des Kopfs und des Halses. Vazquezs Special Effects Team installierte dann die inneren Abläufe, die die mechanischen Pferde in Bewegung setzen. Insbesondere verwendeten sie viel Zeit auf das Design und die Umsetzung des "zusammenbrechenden Pferdes", das in dem atemberaubenden Moment zu sehen ist, in dem Sonya auf die Bahn fällt und ihr Bein bricht. Larsen erzählt: "Das fallende Pferd brauchte viele Tricks und mußste sehr stabil sein, wenn es zu Boden fiel. Es war eine sehr schnelle Szene, aber es dauerte lange, bis sie funktionierte. Früher hätte man einen Stolperdraht benutzt und das Pferd zum Stolpern gebracht, aber das Pferd könnte sich dabei verletzten. Das kann man einfach nicht machen. Außerdem sind andere Pferde dahinter, wenn es zusammenbricht. Es mußste alles sehr vorsichtig organisiert werden, damit kein Tier dabei verletzt wurde."

Abgesehen von dem mechanischen Pferd mußste Larsen außerdem ein Pferd bauen, das auf einen Kamerawagen montiert werden konnte und in den Close-Up- Szenen des Schauspielers Freddy Rodriguez im Sattel zum Einsatz kommen würde. Larsen fertigte ein weiteres Pferd mit dem Spitznamen "Stuffy" an, das letztlich ein riesiges Stofftier war, das in den Szenen eingesetzt wird, in denen das Pferd über längere Zeit liegen mußs. Gemäß dem Gebot, das keinem Tier selbst während des Bauens der mechanischen Pferde Unheil zugefügt werden darf, besteht jedes Haar aus synthetischem Material.

Nachdem sowohl die lebendigen als auch die künstlichen Pferde einsatzbereit waren, arbeitete Hendrickson mit John Gatins an der Choreographie der drei verschiedenen Pferderennen-Szenen im Film, einschließlich des spannenden Showdowns beim Breeders' Clup Classic. Er bemerkt: "Jedes Renen wurde choreographiert, gegliedert und mit dem Regisseur und dem Kameramann diskutiert. Wir entwickelten eine Art Ablaufplan für die Rennen, unter Berücksichtigung dessen, was ich über die Fähigkeiten der Pferde wusste."

Der Dreh des spannenden Breeders' Cup Classic war für den gesamten Cast und die gesamte Crew eine große Herausforderung, besonders für Gatins und seinen Kameramann Fred Murphy. Murphy erklärt: "Die Pferde können nur einmal die Strecke rennen und brauchen dann zwei Tage Pause, was das Ganze für uns noch komplizierter machte. Wir mußsten sicherstellen, dass wir genügend Kameras hatten, um beim ersten Mal alles im Kasten zu haben, sonst hätten wir zwei Tage warten müssen, um es noch mal zu machen."

Strecken legen Bei der Vorbereitung auf die Rennsequenzen des Films besuchten Gatins und der ausführende Produzent Stacy Cohen Rennbahnen in den gesamten Vereinigten Staaten und in Kanada. Sie entschieden sich schließlich für die bekannte Bahn in Keeneland für den Breeders' Cup Classic im Film. In Keeneland finden nicht nur Vollblüter-Rennen statt, sondern auch Verkaufsrennen. Keeneland befindet sich sechs Meilen westlich von Lexington im Herzen von Kentuckys berühmter Bluegrass Region. "Lexington ist die Vollblüter-Hauptstadt der Welt", so Gatins, "und Keenelands Rennstrecken die Kathedrale des Sports. Es ist ein ganz besonderer Ort. Wir drehten in Keeneland während Pferdekäufer aus der ganzen Welt angereist waren. Überall war wieder jemand mit einer neuen Pferdegeschichte. Das war eine unglaubliche Quelle für das Drehbuch."

Dem kann Produzent Mike Tollin nur zustimmen. "Unser Traum war, nach Lexington zu kommen, und dann weiter nach Keeneland zu fahren, dem Juwel aller Rennstrecken. Die Reaktion von Keeneland war unglaublich. Präsident Nick Nicholson und der Rest seines Teams waren unglaublich gastfreundlich. D.G. Van Clief, Jr. und seine Mannschaft beim Breeders' Cup und wirklich die gesamte Welt des Pferderennens, die wir betraten, umarmten förmlich dieses Drehbuch."

Der größte Event in der Welt der Pferderennen, der Breeders' Cup, ist ein rauschendes Fest. In jedem Herbst ist eine andere nordamerikanische Rennstrecke Gastgeber der Breeders'-Cup-Rennen. Die wichtigsten Strecken liefern sich einen aggressiven Konkurrenzkampf um die Rechte an dem Championship-Programm, und jedes Jahr wird die Entscheidung mit Spannung erwartet. Das ist genau der Gedanke, den die Gründer hatten, als sie 1982 den Breeders' Cup ins Leben riefen. Sie wollten ein Vehikel zur Promotion des Sports ? einen Showcase für die Besten der Besten und ein großen Finale der Rennsaison. Die Championship-Rennen wurden zum Eckpfeiler des jährlichen Programms, bei dem seit dem Eröffnungs-Event 1984 im Hollywood Park mehr als 380 Millionen Dollar an Besitzer und Züchter verteilt wurden. Aus dem Breeders' Cup ist noch mehr geworden, als die Gründer im Sinn hatten. Er bleibt der definitive Test für die Champions und eines der bekanntesten und erfolgreichsten Events des Pferderennsports.

Neben Keeneland, wo der Breeders' Cup Classic gedreht wurde, fand die Produktion außerdem Motive auf echten Gestüten, deren Namen und Pferde benutzt wurden. Darunter befindet sich auch das international bekannte Ashford Gestüt in Lexington, Kentucky, das heute als amerikanische Hengst-Division des irischen Coolmore-Gestüts fungiert. Zu den berühmtesten Hengsten gehören Giant's Causeway, ein Abkömmling von Mariah's Storm, dessen Name im Film zu hören ist, und Grand Slam, der in DREAMER als Hoffnungsschimmer der Crane-Familie auftaucht.

Es gibt zwei andere wichtige Rennen im Film. Das erste Rennen, bei dem sich Soñador ihr Bein bricht und beinahe stirbt, wurde auf der Fairgrounds Rennstrecke in der Nähe von New Orleans gedreht. Ein weiteres Rennen wurde auf der alten Evangeline Downs in Szene gesetzt, eine von Louisianas ersten Pferderennstrecken. Die Szenen auf der Ranch der Cranes spielten sich ebenfalls in Louisiana ab, wo Szenenbildner Brent Thomas und sein Team ein louisianisches Farmhaus in das Kentucky-Anwesen der Cranes verwandelte. Sie mußsten außerdem ein Feld in der Nähe des Hauses ebnen, um den Stall von Grund auf zu errichten. Thomas kommentiert: "Die Story spielt in Kentucky, aber wir fanden dieses interessante Haus auf einem Hügel in Louisiana, und es war perfekt für uns. Wir entdeckten wundervolle Dinge, als wir mit dem Drehen im Haus begannen. Es gab unglaubliche Aussichten auf der Rückseite, also nutzten wir diese, indem wir auf der gesamten Rückseite eine Veranda ergänzten."

Thomas arbeitete außerdem mit Kostümdesignerin Judy Ruskin Howell an der Farbpalette für das Haus der Cranes, die sich ganz subtil im Trikot von Manolin widerspiegelt.

Bei den Dreharbeiten in Louisiana und Kentucky konnten John Gatins und Fred Murphy die schöne Landschaft vollständig nutzen. Murphy erinnert sich: "Manchmal tauchten wir am Morgen auf und sahen etwas, was wir nicht hätten planen geschweige denn, uns vorstellen können. Dann war es total neblig, und die Sonne kam langsam durch den Nebel, und wir dachten nur: ,Wow. Warum führen wir nicht das Pferd dort rüber und fangen mit dem Drehen an', was wir dann auch taten." "Fred versuchte ständig, die Landschaften, das Wetter und das natürliche Licht zu fördern, um diese schönen Einstellungen zu kriegen", ergänzt Gatins. "Brent baute wundervolle Sets an diesen fantastischen Locations, und Fred holte das Beste aus ihnen heraus. Der Look des Films bekam damit eine Authentizität, die das Publikum ganz sicher in diese Welt hineinziehen wird, denke ich."

Gatins hofft natürlich auch, dass das Publikum ein Verständnis für das Renngeschäft bekommen wird, das in DREAMER nicht nur ein Wort ist, sondern eine Lebensauffassung. "Das Wichtigste, was ich in den Gesprächen mit den Leuten aus dem Renngeschäft lernte, ist: Es ist verrückt", fügt er an. "Ich meine, es ist nicht gerade der beste Weg, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Es gibt enorme Risiken. Man mußs wirklich Träume haben, die kugelsicher sind ... und das haben tatsächlich viele Menschen. Sie haben Höhen und Tiefen erlebt, und sie wissen, dass es nie Garantien gibt. Ich sehe die Cranes als eine Familie, die diese Träume einst hatte, und auf ihrem Weg verloren hat. Durch Soñador finden sie ein neues Ziel, für das es sich zu leben lohnt."

Jede Generation der Crane-Familie hat ihre eigenen Gründe, warum sie Soñador helfen will. Ben sieht darin eine Chance, seine Familie wieder finanziell auf die Beine zu bringen, Pop eine Möglichkeit, seinem Sohn näher zu kommen. Cale, die ihren Vater idealisiert, versucht verzweifelt Teil dessen Welt zu werden. Sogar Soñador zeigt einen unzerstörbaren Willen, indem sie sich von einer Verletzung erholt, die ihre Rennkarriere und sogar ihr Leben hätte beenden können. Keiner von ihnen konnte sich vorstellen, dass ihre geteilte Mission so viel mehr bedeuten würde, als eine Chance, beim Breeders' Cup Classic gegen die Besten anzutreten ...

Gatins überlegt: "Dieser Film hat viele Themen. Er handelt von Pferden ? von Pferderennen ? von einem jungen Mädchen ... Aber wenn ich eine Sache herausstellen sollte, dann würde ich sagen, es geht um Familie. Das ist das Thema, das sich wie ein roter Faden durch den Film zieht. Wir haben drei Generationen einer Familie, und sie haben Probleme mit Geld, Enttäuschungen und Niederlagen. Aber sie lernen, dass es am Ende des Tages die Familie ist, die zählt. Das ist das Wichtigste."

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